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  • Silvia Kühnel: Lieber Claus, habe schon mal vor einigen Jahren geschrieben, weil ich die Idee mit der Kunstfigur gut finde. Ein frohes Fest und ein gutes neues Jahr und viel Freude mit dem Stipendium. Silvia (Buchhändlerin in Dortmund)
  • irisnebel: klasse! gratuliere! musst du ne gegenleistung bringen? als stadtschreiber z.b.?
  • nadine schmid: Ich habe mit Thien an der Uni Koeln studiert. Wir ware zeitweise befreundet, aber ich hatte wenig verstaendnis fuer seinen ‘Mangel’ am akademischen Streben und habe, trotz meiner Anerkennung seines Talents, sein Lebensziel, aus seiner Dichtung etwas zu machen, als...
  • bersarin: Es muß natürlich, entdecke ich beim zweiten Lesen, Monika Rinck heißen. Ich kann mir Namen nie merken.
  • Aléa Torik: Ja, Bersarin, seinerzeit hat‘s ziemlich gut funktioniert: es war Literatur und die Leute waren mittendrin. Manche, ohne es zu merken. Manche haben hinterher zufrieden gelächelt, weil sie bei etwas Neuem mitgemacht haben. Oder weil sie selbst zu einer Art literarischer Figur dadurch...
  • bersarin: Literarisches Bloggen, liebe Aléa Torik, funktioniert durchaus. Freilich nur bei den wenigsten. Das meiste, was geschrieben wird, stammt aus dem Klein-Klein der Halbgarküchen, ist Poesiealbumsprosa von Minderleistern, Befindlichkeitsscheiße ohne Form. Ich schreibe dahingehend und als...
  • Aléa Torik: Never ride a dead horse – das hätte auch als Überschrift dieses Beitrags herhalten können. Gestern Nacht bin ich mit dem Rad 35 km durch das ausgestorbene Berlin gefahren, bis weit jenseits der Stadtgrenze. Da ich ziemlich kaputt war, konnte ich dabei nichts denken, aber wenn...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, Du hast überschüssige Energie!? Da werden Dich viele drum beneiden, umso besser also, wenn sie in etwas fließt, was Sinn zu machen verspricht. Was soll man also dazu sagen? Ich sage: Es lebe die Literatur! Und Gratulation natürlich zum vollzogenen Ausstieg aus...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, verflixt, hab‘ ich schon wieder Recht? Ich kann sagen, was ich will, ich habe immer recht. Dabei schrieb ich das eigentlich, um zu provozieren. Entweder lässt sich keiner provozieren oder die Provokation im Netz ist so allgegenwärtig, dass man zu ganz anderen Kalibern...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, da triffst Du mal wieder den Nagel auf den Kopf wie die Faust das Auge: fiktional und ein Sein als solches hat ein literarisches Blog zu sein und nicht einfach noch ein weiterer Mitspieler auf dem Markt- und Kampfplatz realer Eitelkeiten. Als Schriftsteller:in...
  • Aléa Torik: Liebe Miss Lingen, bitte entschuldigen Sie die kleine Verspätung meiner Antwort. Ich war auf anderen Schlachtfeldern unterwegs. Sie haben absolut recht, es ist viel zu komplex. Dabei darf ich mir zugutehalten, es deutlich vereinfacht zu haben. Denn im Original – wenn wir uns darauf...
  • Miss Lingen: Obwohl, wie Sie wissen, ich hier mit Sympathie lese, frage ich doch: ist das nicht alles ein wenig zu komplex?
  • Aléa Torik: Dann bin ich gespannt, was du von dem Essay hältst.
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, die Idee des freiwilligen Ablebens um des Erfolges willen stand ja schon einmal im Raum, aber das nur zu machen, um ausgerechnet auf meine Leseliste zu kommem, nee, da hast Du recht, das wäre schon sehr übertrieben! http://www.litblogs.net/hue...
  • Aléa Torik: Lieber holio, ganz verstehen kann ich die Ottos und Ottisten ja tatsächlich nicht. Vielleicht ist das so, dass Otto und Otta, was ihr Leseverhalten betrifft, auch nicht ganz schlau aus sich werden. Sie greifen immer nur nach dem, wonach auch die anderen greifen. Das zeichnet die...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, man ist ja einiges gewöhnt bei den Autoren. Was die alles tun, um gelesen zu werden, beispielsweise das Schreiben seltsamer Bücher. Ich fände es allerdings doch etwas übertrieben, wenn sich ein Autor nach dem Schreiben seines Buchs sogleich aus dem Leben verabschiedet:...
  • holio: Traurig ist das in der Tat. Und so ganz zu verstehen auch nicht. Im Geräusch des Werdens war der Anknüpfungspunkt für Otto Normalleser ja da. Und die Bălkanexotik ist auch rezipiert und rezensiert worden. Die Sprache ist einfach, der Plot verständlich, erinnere die Szene mit dem blinden...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, noch habe ich Deinen Essay ja nicht gelesen – kommt aber noch! Bin gespannt wie ein Flitzebogen! Und was meine durch eigenes Lesen hervorgerufene Belebung von Texten inzwischen leiblich von uns gegangener Autor:inn:en angeht, so ist es nicht Trost, den ich da...
  • Aléa Torik: Lieber holio, Sie haben recht, die Politik lassen wir hier außen vor. Richtig glücklich bin ja auch nicht mit dem Etikett der Postmoderne. Aber irgendwie müssen wir es ja benennen. Sagen wir Transmoderne. Die wesentliche Information ist allerdings angekommen, schon lange: dass Sie...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • 11 Dezember 2009

    Kunst und Leben

    „Bevor man sich niedersetzt zum Schreiben, muss man aufstehen zum Leben.“

    Ich weiß nicht mehr, wo ich das gelesen habe. Ein schönes Aperçu. Nicht allein, weil hier ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit und Leben propagiert wird. Nicht, weil es mahnt über dem Schreiben das Leben nicht zu vergessen und das eine mit dem anderen nicht auszulöschen. Diese Bemerkung ist schön, weil sie zu Recht anmahnt, dass man die Erfahrungen, die man beschreiben möchte, aus dem Leben schöpfen sollte. Dass Imagination und Realität ein Verhältnis miteinander haben. Ein Verhältnis, das manchmal bloß eine Liebelei ist, ein Flirt am Rande, eine wilde kleine Affäre, die am nächsten Morgen schon wieder vergessen ist. Eine unabsehbare Reihe von Enttäuschungen und Hoffnungen und erneuten Enttäuschungen. Oder eben eine lebenslange, intensive und befruchtende Beziehung.

    Die Äußerung gefällt mir aber vor allem, weil hier ein dritter Zustand angedeutet wird, jenseits von Leben und Schreiben, jenseits von Sitzen und Stehen. „Bevor man sich niedersetzt zum Schreiben“, heißt es da, „muss man aufstehen zum Leben.“ Man soll aufstehen, obwohl man ja noch gar nicht sitzt? Man kann sich doch von einem in einen anderen Zustand nur dann bewegen, wenn man in dem einen ist. Um von A nach B zu gelangen, muss ich doch erst einmal bei A sein.

    Das ist keine bloße Wortspielerei. Und schon gar keine Ungenauigkeit (Das wäre übrigens ein schönes Promotionsthema: Sprache zwischen Genauigkeit und Ungenauigkeit). Hier wird ein Zustand beschrieben, für das kein Wort gebraucht wird. Weil es vielleicht keines dafür gibt. Vielleicht weil es sich nicht in die oppositionelle Struktur, in dieses binäre Gegenüber von Stehen und Sitzen einpassen lässt. Weil man diesen Zustand direkt nicht beschreiben kann, man kann ihn nur umschreiben. Man kann sich ihm nähern, aber man kann ihn nicht erreichen.

    Das ist das mehr als nur eine pfiffige Bemerkung. Mehr als nur die Umschreibung eines künstlerischen Zustandes. Womöglich trifft das etwas Generelles im Leben: Dass man eben aufstehen muss, um zu leben. Aufstehen, bevor man sich niedersetzt, um das Gelebte zu verstehen, zu verarbeiten, zu reflektieren; zumindest aber es anzuerkennen und zu erkennen: dass dies mein Leben ist. Das ist gar nicht so einfach wie es klingt. Vielleicht ist das sogar sehr schwer. Zumindest für einen Künstler.

    Das ist ein Beispiel für Kunst, das ich sehr schätze. Das Leben eines Künstlers ist jenseits dieser Zustände von Sitzen und Stehen, in einem nicht benennbaren Zustand. Zwischen den beiden geforderten, Sitzen und Stehen, bzw. Schreiben und Leben. Das ist ein Zustand, den kann nicht benennen kann, man kann auch nicht hinein oder herausfinden. In dem kann man nur sein.





    14 November 2009

    Der Traum eines Schmetterlings

    Der chinesische Philosoph Tsuang Tse erzählt folgende kurze Geschichte: Er erwacht eines Morgens und erinnert, dass er geträumt habe, er sei ein Schmetterling. Dann aber kommt er auf den Gedanken, dass er auch ein Schmetterling sein könnte, der jetzt träumt, er sei ein Mensch.

    Das Interessante ist, dass es in diesem Verhältnis von Traum und Wirklichkeit keine dritte Position gibt von der aus sich entscheiden ließe, was wahr ist. Möglich, dass der Schmetterling der Traum eines Menschen ist. Aber ebenso gut könnte auch der Mensch der Traum eines Schmetterlings sein. Wenn es keine dritte Position gibt, von der aus sich der Wahrheitsgehalt bestimmen lässt, müssen davon ausgehen, dass das Verhältnis der beiden vorhandenen Positionen die Wahrheit ist. Die reine Wahrheit.





    29 Oktober 2009

    In jemandes Armen liegen

    Die meisten Frauen die in den Armen eines Mannes liegen, liegen dabei nicht: sie sitzen oder stehen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    20 September 2009

    Das Unanständigere

    Was ist eigentlich das Unanständigere: jede Nacht mit einem anderen ins Bett zu gehen oder jede Nacht mit demselben?

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    24 Juni 2009

    Das Singen der Sirenen

    Was einem Menschen normalerweise als Wahnsinn angekreidet wird, damit kommt man im Urlaub ganz gut zurecht. Zum Beispiel: machen können was man will. Das macht man ja normalerweise nicht. Manche mögen jetzt die Nase rümpfen und sich denken: ich mache durchaus was ich will. Aber das zu denken ist bereits ein untrügliches Zeichen dafür, dass sie dem Wahnsinn verfallen sind. In Wirklichkeit würden sie etwas ganz anderes machen. Aber das wissen sie nicht, und wollen das auch nicht wissen. Weil das unabsehbare Folgen haben könnte.

    Weil einer, wenn er richtig gut im Saft steht, befürchten muss, dass er etwas ganz anderes will. Gerade ist einer noch Vorstandsvorsitzender eines großen Unternehmens und schon bewirbt er sich, weil er hat erkennen müssen, was er wirklich will, in einer Schlachterei. Weil er eben immer schon Rinderhälften hat auseinander sägen wollen. Oder andersherum, mit blutigen Händen kommt einer zum Vorstand Human Ressources und bewirbt sich auf den Chefposten, weil er eben keine Rinderhälften mehr auseinander sägen will, sondern Vorstände und Aufsichtsratmitglieder. Vielleicht geht’s aber auch nur ums Sägen und er läßt sich, von einem verständigen Mitarbeiter der Agentur für Arbeit vermittelt, zum Illusionisten umschulen. Da kann er dann seine hübschen Assistentinnen zersägen. Und wenn er sich versägt, lässt er sich erneut umschulen: zum Bestatter. Wenn man sich vor Augen hält, dass in den nächsten hundert Jahren nahezu sieben Milliarden Menschen sterben, wenn auch nicht alle an Sägeverletzungen, dann kann man erkennen, welch ein enormes Potential dahinter steckt. Da kann einer leicht ein Wirtschaftsimperium drauf aufbauen. Und wenn er dann nach einer Zeit des Wachstums und der Expansion CEO dieses Unternehmens ist, kann er sich ja immer noch, in einer schwachen Minute, wenn er sich fragt, was er eigentlich wirklich will, in einer Schlachterei bewerben. Und an so einer Wustmaschine stehend, wo vorne Rinderhälften rein und hinten Bratwürstchen rauskommen, ist er dann vielleicht zum ersten Mal im Leben richtig glücklich. Wenn er sich vorstellt, was man da vorne noch alles reinschieben kann. Das mit diesem Glück, das er empfindet, darf er natürlich der Polizei nicht sagen, wenn er die Vermisstenanzeige für Frau und Kinder aufgibt.

    Man kann das Pferd natürlich auch von hinten aufzäumen und behaupten, dass, was immer einer oder eine tut: es ist grundsätzlich das, was er oder sie tun will. Der Mensch ist in allem frei; nur nicht darin, frei zu sein. Jeder Mensch ist so frei, dass er tut, was er tun will. Das eben ist die Definition von Freiheit, in ihrer ganz strengen Variante. Wenn einer im Leben keinen Erfolg hat, dann weil er es in letzter Konsequenz nicht will. Da kann er sich noch so anstrengen: er will eben nicht. Nur weiß er das nicht.

    Wie aber bekommt man heraus, was man wirklich will? Das ist, zugegeben, ein schwieriges Gewässer. Diese Formulierung erinnert an den 12. Gesang der Odyssee, als Odysseus durch jenes Gewässer kommt, das von den Sirenen bevölkert wird, deren Gesang die Seeleute dazu bringt, über Board zu springen. Ich bin eine leidenschaftliche Leserin, und dazu eine Verfechterin des Buches in seiner jetzigen Form, aber manchmal hat die elektronische Variante auch Vorteile. Es geht einfach schneller. Der Text des Homer im Internet, hier. Seinen Kameraden dichtet Odysseus die Ohren mit Wachs ab, er selbst lässt sich an den Mastbaum binden, mit der Maßgabe, ihn unter keinen Umständen loszubinden, wie sehr er darum auch betteln mag: er wollte den Gesang der Sirenen hören und mit eigenen Ohren vernehmen, was die Menschen ins Verderben zieht.

    Ebendieses muss man mit sich auch machen können. Wenn einem der Sirenengesang vernimmt, dass man zu wissen meint, was man eigentlich will: Ohren abdichten! Sonst wird man wahnsinnig. Oder Schlachter. Oder aber gleich das Verderben wählen! Verderben, das lehrt der 12. Gesang der Odyssee, ist eine verlockende Angelegenheit. Und es gibt durchaus das eine oder andere Verderben, für das der Untergang lohnt.

    Die wichtige, höchst beunruhigende Frage, geradezu in den Wahnsinn treibend, lautet: Wovon singen die Sirenen?

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    31 Mai 2009

    Die Drei-A-Theorie

    Die Drei-A-Theorie gehört zu den großen Theorien. Sie stammt von meiner Freundin Susanna, einer promovierten Philosophin. Wie viele Geisteswissenschaftler hat auch Susanna ein Faible für Theorien. Vor allem für große Theorien, also solche, die nicht nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit beschreiben, sondern einen universalen Anspruch haben.

    Die berühmteste aller Theorien stammt wohl von Sir Isaac Newton, steht in der „Prinzipia Mathematika” und trägt den altehrwürdigen Namen „Gravitationstheorie”: Alle schweren Körper fallen nach unten. Und zwar überall, auch im entferntesten Winkel des Universums, also auch in einer Region, in der man gar nicht zwischen oben und unten unterscheiden kann und wo schwere Körper, wie zum Beispiel Planeten, am Himmel zu hängen scheinen und eben nicht herunterfallen. Dieses Nichtfallen steht nicht im Widerspruch zur Theorie, es beweist sie erst: Planeten fallen nicht, weil sie sich gegenseitig anziehen (angeblich soll Newton die Idee dazu gekommen sein, als er unter einem Obstbaum saß und ihm ein Apfel auf die Birne gefallen ist).

    Andere große Theorien sind der Erste und der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik, der so genannte Energieerhaltungssatz und der Satz von der Entropie. Auch die Relativitätstheorie ist eine Theorie mit universalem Anspruch. Es ist kein Ort denkbar, an dem sie nicht gelten.

    Eine universale Theorie muss drei Qualitäten aufweisen: sie muss so einfach wie möglich sein (um mit Einstein zu reden: so einfach wie möglich, aber auch nicht einfacher. Dies ist ein echtes Bonmot und legt die Vermutung nahe, dass Einstein mehr gekonnt haben muss als ein bisschen Kopfrechnen: alles auf der Welt kann schwieriger sein als nötig, aber nichts kann einfacher sein als möglich. Im ersten Fall wäre etwas lediglich unnötig, im zweiten aber unmöglich. Und was unmöglich ist, ist nicht), sie muss schön und sie muss nachvollziehbar sein. Über Schönheit lässt sich bekanntlich streiten und über Nachvollziehbarkeit, vor allem von Theorien mathematischer und physikalischer Natur, ebenfalls. Gute Theorien, die allen drei Anforderungen Genüge tun, gibt es nicht viele. Und sie fallen, anders als Äpfel oder Birnen, auch nicht vom Himmel.

    Jetzt zur Drei-A-Theorie. Sie ist eine universale Theorie, da sie den Anspruch hat, überall und zu aller Zeit zu gelten. Außerdem kann sie jeder verstehen. Hier die Theorie im Wortlaut und in voller Schönheit: „Bei Liebeskummer hilft einzig und allein: Arbeit, Alkohol oder andere Männer.”

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    17 Mai 2009

    Unruhe

    Ich brauche Worte. Ich brauche Bücher. Und ich brauche Bücherregale, in denen die Bücher stehen. Ich sortiere das nicht, ich stelle sie wahllos irgendwohin. Ich finde auch nie etwas wieder. Weil ich das ebenfalls brauche, dieses Suchen nach Büchern. Ich brauche auch die Unruhe, weil ich wieder einmal ein Buch nicht finde. Und dann suche ich in meinem Gedächtnis nach etwas, das diesem Buch zuzuordnen ist, ein Bild, ein Titel, ein Klappentext. Ich suche nach der Situation, in der ich das Buch ins Regal gestellt habe. Ich suche nach Gedanken und Empfindungen, die ich beim Lesen hatte, und nach einzelnen Worten aus diesem Buch. Als würden sie nur dort stehen können. Als seien Worte etwas sehr Spezielles und Besonderes. Etwas inmitten ihres unerschöpflichen Vorkommens absolut einmaliges.

    Mehr noch als einzelne Worte, als Bücher und die Reihen, die sie in meinen Regalen bilden, brauche ich die Bücherstapel. Im Flur stehen die, die weg sollen, die ich nicht länger in der Wohnung haben will, weil sie mir nicht gefallen. Auf dem Schreibtisch liegen die, die ich für meine Promotion brauche und daneben jene, die kurz davor sind auf den Schreibtisch zu kommen oder schon wieder von ihm herunter mussten. Die meisten sind wissenschaftlicher Natur, ausgeliehen aus Bibliotheken und ich muss die Rückgabefristen beachten.

    Der Stapel neben dem Bett ist der wichtigste. Das ist auch der höchste. Da kommen die Bücher hin, die ich gekauft habe, weil ich sie lesen will. Dort herrscht die größte Unruhe. Wenn ein neues Buch dazu kommt, wird’s zuerst obenauf gelegt. Da ich meist mehrere Bücher gleichzeitig lesen will, mich aber nur auf eins konzentrieren kann, nehme ich bei jedem Neuankömmling eine erneute Bewertung des gesamten Stapels vor. So sickert ein Buch mit der Zeit nach unten, bis es, nach Wochen oder Monaten der Abwärtsbewegung, wieder aufsteigt.

    Ich könnte die Bücher in meinen Regalen sortieren, nach Themen, nach Ländern oder nach Genre, nach Größe oder Farbe, Benefit oder Plaisir beim Lesen. Die Worte könnte ich entsprechend behandeln, alphabetisch, nach Etymologie oder Fachgebieten angeordnet. Oder einfach der Länge nach. Das würde Ordnung bringen. Ich könnte dann aufhören zu suchen und mich beruhigen. Und das kann ich nicht. Weil sich die Worte nicht beruhigen lassen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    14 Mai 2009

    Diese, die Röcke verkürzenden Blicke

    Der Übergang vom Winter zum Frühling ist meist einer von wenigen Tagen. Die Menschen schauen etwas unsicher. Hier und da sieht man ein vorsichtig angedeutetes Lächeln, als wenn sie dem Braten nicht trauen. Und dann gibt’s einen Ruck. Alle strahlen und der Frühling ist da. Es ist jedes Jahr dasselbe, in Berlin nicht anders als in Bukarest. Und doch bin ich jedes Mal aufs Neue erstaunt.

    Ich beobachte die Blicke der Männer, die den Frauen folgen. Und die setzen sich diesen Blicken aus. Würden Frauen dermaßen kurze Röcke tragen, wenn es keine Männer gäbe, die sie dabei beobachten? Das ist eine alte Frage von uns Sprachwissenschaftlern: würden wir reden, wenn es niemanden gäbe, der uns zuhörte? Würden wir uns hübsch machen, wenn es niemanden gäbe, der das bemerkt? Ich spüre diese Blicke auch an mir. Auch meine Röcke sind kurz. Und dennoch wehre ich mich gegen diese, die Röcke verkürzenden Blicke anderer. Ich müsste, wenn es danach ginge, einen langen Mantel tragen. Mache ich aber nicht. Ich wehre mich nur ganz schwach, nahezu unmerklich.

    Ich komme nicht in diese Stimmung hinein, in der alle anderen zu sein scheinen. Ich versuche, nicht an diesen Mann zu denken. Ich versuche es immer wieder, so dass ich an nichts anderes denke. Ich müsste an mich denken, aber ich denke an ihn. Ich denke daran, dass er an mich denkt. Mit einem kleinen Schönheitsfehler: er denkt nicht an mich. Aber ich denke an ihn. Gerade so als ob es ihm gut täte. Ich müsste mich fragen, was mir selbst gut tut. Aber diese Frage tut mir schon nicht gut. Ich will mir gar nicht ausmalen müssen, wie es mit einer möglichen Antwort aussieht.

    Ob ich es nun als Liebe oder als Leere bezeichne, als Selbst oder als Selbstlosigkeit: ich beziehe mich auf einen anderen. Ich befinde mich in der Auseinandersetzung mit einem anderen. Was aber ist dieses Selbst? Etwas, das man mit dem Verb haben beschreiben könnte? Hat man ein Selbst, das man dann sein Selbst nennt, wie man ein Konto hat? Mal befindet man sich im Plus, mal im Minus. Hat man ein Selbst oder muss man es vielmehr beständig herstellen? Und hat’s dann doch nie? Weil es nicht statisch, sondern dynamisch und prozessual ist. Ist dieses Selbst unser innerster Kern, unser Wesen, unsere Seele? Etwas, das allen Veränderungen und allen Verformungen zum Trotz immer bestehen bleibt? Unser tiefstes Innerstes? An den Rändern hingegen franst es aus, es wird unscharf und das Selbst, das Ich, verwandelt sich in ein Du? Ist das Selbst eine psychische Konstruktion, eine narzisstische Struktur, ein filigranes, wackeliges Gerüst, das bei jeder noch so vorsichtigen Berührung zusammen zu stürzen droht? Das Selbst als der kategorische Ausschluss anderer? Und man wäre dann man Selbst, wo man nichts anderes ist? Dann wäre es lediglich eine negativistische Konstruktion. Oder ist man dieses Selbst vor allem in Beziehungen auf andere? Definiert man das in der Liebe anders als in der Leere? Ist das Selbst etwas mit sich Identisches? Oder ist es gerade durch die Differenz, durch das Nichtidentische? Ist es das, wonach man fragt? Ist es nur dann, wenn man fragt? Wird es vielleicht durchs Fragen gefährdet? Oder ist das vollkommen gleichgültig, weil es sowieso unhinterfragbar ist?

    Ich rede und ich mache mich hübsch für einen anderen. Auch wenn dieser andere nicht da ist, wenn er kein Wort von dem erfährt, was ich rede und schreibe. Auch wenn er mich nicht sieht. Wenn mich nur andere sehen. Aber die anderen sind eben auch anders. Und vielleicht reicht das schon. Vielleicht reicht das, wenn man morgens vor dem Kleiderschrank steht und vor dem Spiegel: das man von einem anderen gesehen wird. Egal von wem. Auch dann, wenn einem die Blicke nicht gefallen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    06 Mai 2009

    Aggregate

    In den letzten Wochen war ein Mann in meiner Nähe. Weil er sie gesucht hat und nicht aufgrund natürlicher Gegebenheiten. Er hat sich um mich bemüht, ohne dass ich die Mühe dahinter erkennen musste. Dabei ist er vornehm zurückhaltend gewesen und gleichzeitig sehr präsent. Er hatte ein gutes Gespür für beide Strebungen, Anwesenheit und Abwesenheit. Er war aufmerksam, ohne aufdringlich zu sein.Meine erste Reaktion bei spontaner Zuneigung von Männern ist oft Widerstand. Ich freue mich wenn mir jemand seine Zuneigung zeigt, ich freue mich durchaus. Aber ich bin dennoch widerständig. Gerade so, als wolle ich die Belastbarkeit dieser Neigung testen. Als wolle ich testen, bei welchem Neigungsgrad er anfängt umzukippen.

    In diesem einen Fall habe ich meinen Widerstand sehr bald aufgegeben und mich auf seine Neigung eingelassen. Und im selben Maße hat er sie gerade gerückt. Ist Neigung das richtige Wort? In dem Maße, in dem ich mich erwärmte, kühlte er ab. Wir waren jedenfalls nie im selben Zustand. Er war leicht, locker und luftig. Er war gasförmig, wo ich ihn fest gebraucht hätte. Und umgekehrt. Wenn ich Festigkeit und Verbindlichkeit wollte, verflüssigte er. Zerfloss ich gleichermaßen, verflüchtigte er sich.

    Ich habe einige Zeit gewartet. Warten aber war offenbar nicht die geeignete Methode. Vielleicht hätte ich deutlich intervenieren sollen, draufhauen womöglich. Ändert sich der Zustand eines Mannes durch massive mechanische Beeinflussung?

    Existieren Frauen wie Männer womöglich in allen drei Aggregatzuständen zugleich? Eine Mischung aus den möglichen Optionen. Nur zeigen wir uns mal so und mal anders, wir neigen dem einen Zustand und dann dem anderen zu. Je nachdem. Je nach Stimmung und dem jeweiligen Gegenüber. Je nachdem, ob wir uns gerade anpassen oder ausweichen, ob wir etwas wollen oder abwehren. Und je nachdem, ob wir von unseren Strebungen wissen oder nicht. Wir haben vielleicht nicht diese oder jene Neigung, sondern je nach Verhältnis aller beteiligten Strebungen neigen wir mal zum einen und dann wieder zum anderen.

    Wir befinden uns in einem bestimmten Aggregatzustand, aber wir befinden uns auch immer an der Grenze zu zwei anderen. Wir sind immer dabei zu kippen. In diese oder in jene Richtung. Aus Zuneigung oder aus Abneigung. In dem einen Zustand aber, in dem wir tatsächlich sind, sind wir nur, weil wir nicht zu einem anderen hinüberneigen. Aus Gleichgültigkeit oder aus Unentschiedenheit.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.