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  • Silvia Kühnel: Lieber Claus, habe schon mal vor einigen Jahren geschrieben, weil ich die Idee mit der Kunstfigur gut finde. Ein frohes Fest und ein gutes neues Jahr und viel Freude mit dem Stipendium. Silvia (Buchhändlerin in Dortmund)
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  • bersarin: Es muß natürlich, entdecke ich beim zweiten Lesen, Monika Rinck heißen. Ich kann mir Namen nie merken.
  • Aléa Torik: Ja, Bersarin, seinerzeit hat‘s ziemlich gut funktioniert: es war Literatur und die Leute waren mittendrin. Manche, ohne es zu merken. Manche haben hinterher zufrieden gelächelt, weil sie bei etwas Neuem mitgemacht haben. Oder weil sie selbst zu einer Art literarischer Figur dadurch...
  • bersarin: Literarisches Bloggen, liebe Aléa Torik, funktioniert durchaus. Freilich nur bei den wenigsten. Das meiste, was geschrieben wird, stammt aus dem Klein-Klein der Halbgarküchen, ist Poesiealbumsprosa von Minderleistern, Befindlichkeitsscheiße ohne Form. Ich schreibe dahingehend und als...
  • Aléa Torik: Never ride a dead horse – das hätte auch als Überschrift dieses Beitrags herhalten können. Gestern Nacht bin ich mit dem Rad 35 km durch das ausgestorbene Berlin gefahren, bis weit jenseits der Stadtgrenze. Da ich ziemlich kaputt war, konnte ich dabei nichts denken, aber wenn...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, Du hast überschüssige Energie!? Da werden Dich viele drum beneiden, umso besser also, wenn sie in etwas fließt, was Sinn zu machen verspricht. Was soll man also dazu sagen? Ich sage: Es lebe die Literatur! Und Gratulation natürlich zum vollzogenen Ausstieg aus...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, verflixt, hab‘ ich schon wieder Recht? Ich kann sagen, was ich will, ich habe immer recht. Dabei schrieb ich das eigentlich, um zu provozieren. Entweder lässt sich keiner provozieren oder die Provokation im Netz ist so allgegenwärtig, dass man zu ganz anderen Kalibern...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, da triffst Du mal wieder den Nagel auf den Kopf wie die Faust das Auge: fiktional und ein Sein als solches hat ein literarisches Blog zu sein und nicht einfach noch ein weiterer Mitspieler auf dem Markt- und Kampfplatz realer Eitelkeiten. Als Schriftsteller:in...
  • Aléa Torik: Liebe Miss Lingen, bitte entschuldigen Sie die kleine Verspätung meiner Antwort. Ich war auf anderen Schlachtfeldern unterwegs. Sie haben absolut recht, es ist viel zu komplex. Dabei darf ich mir zugutehalten, es deutlich vereinfacht zu haben. Denn im Original – wenn wir uns darauf...
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  • Aléa Torik: Lieber holio, ganz verstehen kann ich die Ottos und Ottisten ja tatsächlich nicht. Vielleicht ist das so, dass Otto und Otta, was ihr Leseverhalten betrifft, auch nicht ganz schlau aus sich werden. Sie greifen immer nur nach dem, wonach auch die anderen greifen. Das zeichnet die...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, man ist ja einiges gewöhnt bei den Autoren. Was die alles tun, um gelesen zu werden, beispielsweise das Schreiben seltsamer Bücher. Ich fände es allerdings doch etwas übertrieben, wenn sich ein Autor nach dem Schreiben seines Buchs sogleich aus dem Leben verabschiedet:...
  • holio: Traurig ist das in der Tat. Und so ganz zu verstehen auch nicht. Im Geräusch des Werdens war der Anknüpfungspunkt für Otto Normalleser ja da. Und die Bălkanexotik ist auch rezipiert und rezensiert worden. Die Sprache ist einfach, der Plot verständlich, erinnere die Szene mit dem blinden...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, noch habe ich Deinen Essay ja nicht gelesen – kommt aber noch! Bin gespannt wie ein Flitzebogen! Und was meine durch eigenes Lesen hervorgerufene Belebung von Texten inzwischen leiblich von uns gegangener Autor:inn:en angeht, so ist es nicht Trost, den ich da...
  • Aléa Torik: Lieber holio, Sie haben recht, die Politik lassen wir hier außen vor. Richtig glücklich bin ja auch nicht mit dem Etikett der Postmoderne. Aber irgendwie müssen wir es ja benennen. Sagen wir Transmoderne. Die wesentliche Information ist allerdings angekommen, schon lange: dass Sie...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • 04 April 2013

    „Identität“

    Identität

    „Was ich weiß
    über mich und was andere

    über mich wissen
    was ich nicht weiß
    über mich und was andere wissen

    was ich
    weiß über mich
    und was andere nicht wissen
    und was ich nicht weiß

    über mich und was andere
    nicht wissen. Die Münder meiner Wunden
    wissen etwas zu erzählen
    über mich. Der Trug
    der Wahrheit: Der Faden zwischen mir und den anderen.“

    Asher Reich (aus dem Hebräischen von Lydia und Paulus Böhmer)

    Identität ist das Verhältnis von mir zu anderen. Identität ist das, was sich herausbildet, wenn ich mit anderen ins Verhältnis trete. Das, was übrigbleibt, wenn die anderen mir etwas nehmen von dem, was ich sein will. Das, was andere mir geben, von dem, was ich sein will und von dem, was ich nicht sein will. Von dem, was ich weiß und was ich nicht weiß und sein will und nicht sein will und habe und nicht habe. Was ich retten kann und was untergeht. Identität ist immer in Bewegung.

    Siehe auch hier: Identitäten im 21. Jahrhundert.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    30 November 2010

    „Die ganze Zeit“: Wenn ein Text ein Tresor ist

    Ich ringe. Ich ringe um Verständnis und um Fassung. Aber es tut mir auch gut. Das ist ganz anders als die Prosatexte, anders als die wissenschaftliche Literatur, die ich lese; anders als die Lyrik, die ich kenne. Ich muss mich zusammenreißen.

    Auf welch reduzierter Ebene auch immer, etwas Narratives muss mir eine Geschichte erzählen. Bei vollständiger Enthaltung progressiver oder regressiver, allgemein erzählerischer Elemente, bei einer reinen Gleichgewichtsübung, ziehe ich mein Interesse ab. Wenn ein Text ein Tresor ist, dann muss mich, was sich in ihm befindet, interessieren. Wenn mich das nicht interessiert, dann mache ich den Tresor auch nicht auf. Weder mit einem Schlüssel, noch mit einer Zahlenkombination, noch mit einem Kilogramm Plastiksprengstoff, was immer die Herren Tresorknacker heute benutzen. Ich bin über die neusten Methoden nicht informiert.

    Zwar bin ich auch an dem Vorgang des Öffnens interessiert, aber das ist erst mal Nebensache. Ich muss das haben wollen, was er vor mir verbirgt. Es muss eine Währung sein, die mich interessiert. An lyrische Tresore bin ich nicht gewöhnt. Ich brauche noch etwas Zeit, um damit fertig zu werden. Ich habe noch nicht einmal ein richtiges Loch hineinbohren können. Allerdings habe ich schon einmal dagegen getreten. Vorsichtshalber sozusagen. Dabei habe ich mir beinahe den Fuß gebrochen. An dieser Stelle. Oder vielleicht war es auch an einer anderen.

    „Ich meine, auf dem Grund eines Sees zu stehen,
    verwachsen als Korallenstock, mit Saugaugen und
    Fühlern. Dass ich überhaupt noch atmen kann, da
    erst hoch über den Bäumen Nadelbeine, die durch
    glitsch‘ gen Mandelschlitz vergliedert sich sind, in
    Starrform verdoppelten: die Spezies dick’ter Bohn-
    en, die in Schoten an Sternrändern wachsen, daß
    Monde vermorscht strotzten, und strähnen am
    Boden geschrotet, gedrupft, gehäutet, (doch heute
    nicht) zerzaust; als tollpatschiger Schrammelbaß.
    Wassserrosen, die, wie Flusen aus der Flut gefischt,
    den Kelch knospenlos versproßten zum undunk-
    len Spiegel, so pflückt sich die häutige Versonnenheit
    im Tau mal Tausend mit – dem Blick, der schwankt.“

    Das ist hart an der Grenze zwischen Poesie und Prosa. Mir fehlt derzeit die Möglichkeit, es einzuodnen. Ich habe kein Maß, woran ich das halten kann, um das zu sagen: gut oder schlecht. Damit wären wir bei meiner Behauptung aus dem letzten Text.

    „Aus dem
    trüben Dunst
    vom gilben
    Laub verblaut.“

    Es ist gut, wenn man seine Sachen sichert. Sicherstellt. Auch in Bezug auf Gedankendiebstahl. Was ein Dieb in seinem Wert nicht erkennt, wird er nicht entwenden. Es ist allerdings für andere schwer, an die Schätze heranzukommen. Und, das darf man nicht vergessen, das entwenden ist Bedingung dafür, dass der, dem der Schatz ursprünglich gehörte, ihn wieder zurückbekommt. Man veröffentlicht ja nicht, was man für sich behalten will. Man will ja, dass es einer entwendet.

    Ich tue mich schwer mit diesem recht hermetischen Buch. Ich muss mich darauf einlassen. Das fällt mir offenbar schwerer als angenommen. Aber ich wäre keine Torik, wenn ich das nicht könnte. Ich kann ein Schwein an der Nase herumführen, da werde ich ja wohl mit so einem Text fertig. Ich brauche noch Zeit. Nicht die ganze Zeit. Aber einen Teil. In der physikalischen Auffassung sind Raum und Zeit sehr unterschiedlich. Während der Raum aus kleinsten Teilen besteht, vielmehr ist der Inhalt der Raumes, die Masse, ist dieses Phänomen bei der Zeit nicht ersichtlich. Auch der kleinste vorstellbare Teil Zeit ist noch unendlich teilbar. Auch der kleinste Teil bietet noch unendlich viele weitere Teil-Zeiten, die, da sie unendlich teilbar sind, auch unendlich groß sind. Wenn ich also noch ein klein wenig Zeit brauche, dann kann sich das anfühlen, als bräuchte ich die ganze Zeit.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    17 Juli 2010

    „Als ich das erste Mal mit einem Jungen im Bett lag“

    „Als ich das erste Mal mit einem Jungen im Bett lag war es, es war so gemacht, dass Enttäuschung nicht möglich war.“

    Für mich ist diese Formulierung von Birgit Kempker eine der schönsten Formulierungen über die Liebe. Wenn man schon ein paar Tage gelebt hat und wenn man nicht ganz vorbeigegangen ist, am Leben meine ich, wenn man also mit anderen zusammengestoßen ist, und sich dann wieder hat trennen müssen, wenn man mit Hoffnungen begonnen hat und mit Enttäuschungen geendet, wenn man Hoffnungen in Enttäuschungen sich hat verwandeln sehen müssen; wenn man sich dann an das erste Mal erinnert und daran, was möglich gewesen wäre, wenn mit der ersten Enttäuschung nicht die Enttäuschung in das eigene Leben gekommen wäre, dann versteht man, oder man meint zumindest zu verstehen, was für eine ungeheure Situation Frau Kempker da beschreibt: „ … es war alles so gemacht, dass Enttäuschung nicht möglich war“.

    Hier gibt es das als pdf. Wunderschön gemacht von Urs Engeler, roughbooks, wo ich es auch ausgeliehen habe. Ich hätte sehr gerne das pdf als Bild hierher gestellt, aber ich habe es nicht geschafft, das zu verwandeln. Die Technik hat mir ein Bein gestellt. Wenn jemand weiß, wie man ein pdf in ein Bild verwandelt, dann bitte eine Nachricht an mich, ich nähme es gerne.

    Ich lese – leider – gerade, dass Enttäuschung durchaus möglich war, mehr als Enttäuschung: im Schreibheft, die Autorin ist vor Gericht gelandet und das Buch verboten worden. Da glaubte offenbar jemand, sich wiedererkannt zu haben. Und hat die Ehre nicht verstanden mit einer solchen Formulierung gemeint zu sein, der Adressat einer solchen Formulierung zu sein! Einklagen müsste einer vielmehr, dass er permanent von Birgit Kempkers lyrischen Worten gemeint ist. Das müsste einer versuchen, sich bei einem Schriftsteller als „gemeint“ einzuklagen.

    Hier ein Auszug, ich habe das irgendwo gefunden.

    „Als ich das erste Mal mit einem Jungen im Bett lag
    war es Cornelius Busch, er war Mann, Junge,
    Mädchen, Frau, Mutter, Vater, Oma, Opa, Blume, Tier
    und Sofa, er war wie ich, er war das andre von mir,
    gar nicht wie ich, er war sanft, fuhr den Bulli mit den
    Rollstühlen drin durch die Wiesen mit den Stieren,
    er hatte Muckis und Matrosenpullover, er hatte was
    im Kopf, was Verrücktes, Locken, er war streng,
    zärtlich, witzig, normal, außergewöhnlich, sehr ernst,
    er passte in die Natur, war ordentlich, wirr höflich,
    er war künstlich, ironisch, bös, er war lieb, anmutig,
    tapsig, galant, ein Fisch, ein Vogel, Frosch, er war so
    alt wie ich, ich viel älter, er viel jünger, und er viel
    älter und ich viel jünger als er, phasenverschoben, das
    war, wenn wir sagten: liegen da nicht ein Mädchen
    und ein Junge im Bett? es ist nicht zu fassen, dass ich
    eine bin, zu der so ein Satz einmal passt.“

    Hier gibt ein einige Informationen zur Autorin.

    Und hier ist es auch. Mit bestem Dank an Dietmar Hillebrandt, dem Bücherblogger.





    31 Januar 2010

    Des Weibes Leib ist ein Gedicht

    Ich lebe mit Olga zusammen in einer Drei-Zimmer-Wohnung. Gestern Abend waren wir zum Kochen verabredet. Wir hatten das einen Tag zuvor besprochen und sind sogar gemeinsam einkaufen gegangen. Um sieben sollte es bei uns in der Küche losgehen. Obwohl wir in derselben Wohnung wohnen, führen wir verschiedene Leben. Und wir haben auch verschiedene Auffassungen vom Leben. Aber wir verstehen uns gut. Wir lachen viel. Gestern kurz vor sechs Uhr bekomme ich eine SMS: „Baby, ich kann nicht“ steht da. Immer, wenn es ein Problem gibt, nennt Olga mich Baby. Und immer wenn es ein Problem gibt, hat das was mit Männern zu tun. Bei Olga hat alles was mit Männern zu tun.

    So ist die Lieb! So ist die Lieb!
    Mit Küssen nicht zu stillen:
    Wer ist der Tor und will ein Sieb
    Mit eitel Wasser füllen?
    Und schöpfst du an die tausend Jahr,
    Und küssest ewig, ewig gar,
    Du tust ihr nie zu Willen.

    Die Lieb, die Lieb hat alle Stund
    Neu wunderlich Gelüsten;
    Wir bissen uns die Lippen wund,
    Da wir uns heute küßten.
    Das Mädchen hielt in guter Ruh,
    Wie’s Lämmlein unterm Messer;
    Ihr Auge bat: nur immer zu,
    je weher, desto besser!

    So ist die Lieb, und war auch so,
    Wie lang es Liebe gibt,
    Und anders hat Herr Salomo,
    Der Weise, nicht geliebt.

    (Eduard Mörike, Nimmersatte Liebe)

    Warum sie nicht kann, hat sie nicht geschrieben. Es ärgerte mich, dass irgendein dahergelaufener Kerl wichtiger war, als unsere Verabredung zum Abendessen. Wir wohnen und wir leben immerhin zusammen. Da kann man ja wohl erwarten, dass man einmal in der Woche einen Abend miteinander am Tisch sitzt und sich eine oder zwei Stunden lang unterhält. Vielleicht ist genau das der Grund für die Absage, sie will sich nicht mit mir unterhalten. Vielleicht langweile ich sie? Als die SMS kam, wollte ich gerade meine Sachen zusammenpacken. Ich habe an dem Ort gesessen, wo ich am liebsten sitze, im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, der Bibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin.

    Die schlaue Dorilis hat Augen in dem Kopfe,
    so hat ein Luchs sie nicht;
    Man denkt, sie sieht uns ins Gesicht.
    Und sie sieht nach dem Hosenknopfe.

    (Gotthold Ephraim Lessing, Dorilis)

    Ich habe bestimmt zwei Minuten reglos auf das Display gestarrt. Ich konnte es nicht glauben. Dann habe ich meine Bücher zusammengepackt und die Bibliothek verlassen. Mein Tag war nicht sonderlich erfolgreich oder erfreulich, ich habe nicht viel von dem geschafft, was ich mir vorgenommen hatte. Meine Stimmung war nicht gut. Normalerweise bin ich nicht so abhängig davon, aber gestern war ich es. Die kurzfristige Absage hat das noch verstärkt. Ich wusste, als ich bei dem trüben Wetter draußen vor der Türe stand, ausnahmsweise einmal nichts mit mir anzufangen. Ich hätte auch auf der Stelle stehenbleiben können.

    Da hat mir plötzlich und mitten im Bett
    Eine Studentin der Jurisprudenz erklärt:
    Jungfernschaft sei, möglicherweise, ganz nett,
    besäße aber kaum noch Sammlerwert.

    Ich weiß natürlich, Daß sie nicht log.
    Weder als sie das sagte,
    noch als sie sich kenntnisreich rückwärts bog
    und nach meinem Befinden fragte.

    Sie hatte nur Angst vor dem Kind.
    Manchmal besucht sie mich noch.
    An der Stelle, wo andre moralisch sind,
    da ist bei ihr ein Loch…

    (Erich Kästner, Moralische Anatomie)

    Diese kurzfristige Absage ging mir nicht aus dem Kopf. Diese Art, mich abzustempeln, das verletzte mich. Zum Schlendern war nicht das richtige Wetter. Er regnete. Ich bin dann bei Dussmann gelandet und habe CDs und Bücher angeschaut. Ohne sie eigentlich zu sehen. Dann habe ich mich in einen der spärlich gesäten Sessel gesetzt. Ich hatte ein Buch in der Hand und blätterte von vorne nach hinten und wieder zurück. Das dauerte in bisschen, bis ich aus diesem Zustand der Enttäuschung und des Ärgers über Olga herausfand. Ich argwöhnte wieder einmal einen Mann dahinter. Obwohl ich es nicht wusste und es im Grunde auch keine Rolle spielte. Aber gerade der Mann störte mich an der Sache. Wenn sie wenigstens mit einer Frau verabredet gewesen wäre, dachte ich. Ich schaute mir das Buch etwas genauer an. „Des Weibes Leib ist ein Gedicht“ stand da.

    Des Weibes Leib ist ein Gedicht,
    Das Gott der Herr geschrieben
    Ins große Stammbuch der Natur,
    Als ihn der Geist getrieben.

    Ja, günstig war die Stunde ihm,
    Der Gott war hochbegeistert;
    Er hat den spröden, rebellischen Stoff
    Ganz künstlerisch bemeistert.

    Fürwahr, der Leib des Weibes ist
    Das Hohelied der Lieder;
    Gar wunderbare Strophen sind
    Die schlanken, weißen Glieder.

    O welche göttliche Idee
    Ist dieser Hals, der blanke,
    Worauf sich wiegt der kleine Kopf,
    Der lockige Hauptgedanke!

    Der Brüstchen Rosenknospen sind
    Epigrammatisch gefeilet;
    Unsäglich entzückend ist die Zäsur,
    Die streng den Busen teilet.

    Den plastischen Schöpfer offenbart
    Der Hüften Parallele;
    Der Zwischensatz mit dem Feigenblatt
    Ist auch eine schöne Stelle.

    Das ist kein abstraktes Begriffspoem!
    Das Lied hat Fleisch und Rippen,
    Hat Hand und Fuß; es lacht und küßt
    Mit schöngereimten Lippen.

    Hier atmet wahre Poesie!
    Anmut in jeder Wendung!
    Und auf der Stirne trägt das Lied
    Den Stempel der Vollendung.

    Lobsingen will ich dir, o Herr,
    Und dich im Staub anbeten!
    Wir sind nur Stümper gegen dich,
    Den himmlischen Poeten.

    Versenken will ich mich, o Herr,
    In deines Liedes Prächten;
    Ich widme seinem Studium
    Den Tag mitsamt den Nächten.

    Ja, Tag und Nacht studier ich dran,
    Will keine Zeit verlieren;
    Die Beine werden mir so dünn –
    Das kommt vom vielen Studieren.

    (Heinrich Heine, Das Hohelied)

    Olga ist ein bisschen lockerer als ich. Oder unbefangener. Sie kann mal eben mit jemandem ins Bett gehen und am nächsten Morgen geht sie wieder ihre eigenen Wege. Ich habe vor einigen Jahren gelernt, dass so etwas machbar ist. Ich habe es gelernt und kann‘s dennoch nicht. Oder ich will‘s nicht können. Aber ich merke, dass ich zu Olga herüber starre. Ich will sehen, was sie da macht. Oder wie sie das macht.

    Ich bin die Hure an der Bar,
    die ich vor hundert Jahren war.

    Ich bin was du vergessen hast.
    Der ausgestorbene Palast.

    Der Mund bin ich, der dich verzehrt.
    Ich bin die Nacht, die wiederkehrt.

    Ich war, ich werde sein, ich bin
    die maulbeerfarbne Negerin,

    das Meer, das dir zu Füßen schäumt.
    Ich bin der Hund, der von dir träumt.

    Das Haschisch bin ich, das du rauchst.
    Ich bin der Strom, den du verbrauchst.

    Der Tropf, an dem du hängst,
    der Haufen Geld, an den du denkst.

    Ich bin das Auge, das dich sieht,
    die Zarin, die vor dir hin kniet,

    Und die dich in die Wüste schickt.
    Ich bin der Stricher, der dich fickt.

    Ich bin dein Engels und dein Marx.
    Ich bin der Deckel deines Sargs,

    das Fleisch, das du zu Abend ißt.
    Ich bin dein Abgott und dein Mist.

    Ich bin, ich werde sein, ich war
    die Fledermaus in deinem Haar.

    (Hans Magnus Enzensberger, Ich bin was du vergessen hast)

    Ich ärgerte mich. Ich las da im Sessel sitzend Liebesgedichte, während Olga Liebe machte. Sicher war das ja nicht, aber ich stellte es mir so vor. Ich stellte mir ganz konkret Olga und einen gutaussehenden Mann im Bett vor. Bei Olga sind das immer gutaussehende Männer. Olga ist Model und das sieht man. Und die Männer, die sie so anschleppt, die sehen meistens ähnlich gut aus wie sie selbst. Ich stellte mir Olga beim Liebesspiel vor. Was man so Spiel nennt, das wird ja in der Regel auch schnell ernst. Bei mir jedenfalls. Ist das bei Olga anders? Berührt sie der Sex vielleicht gar nicht so sehr? Ich stellte mir Männerhände auf ihrem Frauenkörper vor. Ich ärgerte mich immer mehr. Ich regte mich auf. Ich erregte mich.

    Öl Schweiß Gerüche Schweißkolben Treppengeruch
    Bettgeruch da muß man die Hand die anfaßt umfaßt
    um Hartes um Weiches Metall Zebedäi reinschicken
    sich hin und her gerollt Kastanien Kopf ganz wie sagt

    man voll von schmutzigen schmutzige Phantasie ge-
    steigert zu dem Bedürfnis zu sagen von mannigfaltig
    Verwicklung in der sich konkret durch die Umstände
    auseinandergebogener Schenkel verrenkt Geschmack

    der Pulpa Klitorides Anastatica Hierochuntica Dös-
    chen zu bürsten es tun Nummer schieben Stoßgeschäft
    verkrampfte Vagina aus Angst Kinder zu kriegen die
    Sacknaht zu lecken die immer die gleiche Figur kopf-

    über verzerrt kürzer sich außer von unten geschraubter
    Hintern stumm sich verschiebende Phase verbraucht
    unverbraucht schlapp ausgehöhlt ausgearbeitet
    schwach besetzt und kräftig ausgebildet schwach aus-

    gebildet und kräftig besetzt sperrbeinig sperrfleischig
    Spalt spalten glatt kalt weich heiß Rückbezug Rücken-
    zug besonders ermüdend Ausschweifungen
    vor dem Spiegel Damenbesuch nur an Nachmittagen

    Schlüpfer- jagd als Ventil and the question as to how
    many times a night a man can do it is a favorite
    topic of grau still des Juli morgens Wand lila sperr-
    beinig auseinandergebogen talsohlenflach naß erschöpft

    was ist der des Sexuellen Tropfenglanz Zauber warum
    so gro ßen ersten Blicks dans des cas pareils
    sperrbeinig sperrbildrig fenstersturzläuternd c‘est
    toujours unbedacht blindlings die gleiche Sache

    (Helmut Heissenbüttel, Gedicht über Phantasie)

    Wenn ich rauskriege, dass da schon wieder ein Kerl dahinter steckt, drehe ich Olga bei der nächsten Gelegenheit den Hals um.

    O
    fick mich
    fick mich
    schnell.

    und er
    fickte sie
    fickte sie
    schnell

    hinter
    einem Busch?
    Es gab keinen
    Busch. Schien

    der Mond?
    Es gab kein
    Licht. Die
    Birne war

    kaputt.

    (Rolf Dieter Brinkmann, Liedchen)





    25 Oktober 2009

    Ich bin die Richtige

    Ich habe die ganze Nacht nicht schlafen können, wegen dieses Mannes. Wegen Hemd und Haaren, dachte ich zuerst. Aber der Grund für meine Schlaflosigkeit war ein anderer. Ich war gekränkt, dass er nicht gekommen ist. Bis zum letzten Moment habe ich gehofft, er würde sich doch noch überwinden können. Wir drei haben alle Anzeichen des Aufbruchs von uns gegeben. Ich habe mich von den anderen separiert, ich wollte einen freien Raum schaffen, Platz für diesen Mann. Ich habe in meinem Herzen Platz für ihn geschaffen. Ich habe ihm einen Blick zugeworfen, einen fragenden, einen bittenden, einen flehenden. Aber er ist nicht gekommen. Er hat mich mit all dem Platz alleine gelassen.

    Ich habe nicht schlafen können und wie meistens, wenn ich nicht schlafen kann, wende ich mich an die Worte. Lieber hätte ich die Nacht mit ihm verbracht, in seinen Armen, mit seinem Mund und seinen Händen. Jetzt habe ich sie mit Worten verbracht, in innigster Umarmung, Mund an Mund. Ich habe ihn betrogen, bevor ich ihn gekannt habe. Mit derselben erotischen Energie, dieselbe Menge, dieselbe Leidenschaft. Ich habe mich so sehr, so unfassbar nach seinem Mund gesehnt und nach seinen Händen.

    Ich bin die Richtige.
    Ich bin die Richtige um gewollt zu werden, berührt und begrabscht,
    in den Himmel gehoben und fallen gelassen.
    Ich bin die Richtige um angebetet zu werden und verachtet,
    angelächelt und verlacht.
    Ich bin die Richtige um fokussiert zu werden und zentriert,
    ignoriert, umgangen, links liegen gelassen.
    Ich bin die Richtige um geliebt zu werden und gehasst,
    vergöttert und mythisiert, imaginiert, halluziniert,
    entzaubert und zum Teufel gejagt.
    Ich bin die Richtige für Antagonismen und Parallelitäten.
    Extreme und Ausschläge,
    Durchschnitt und Mittelmaß,
    Gemeinsamkeiten und Gegensätze,
    zyklisch und linear, elaboriert und böotisch,
    versteinert und erweicht, erhöht und erniedrigt,
    angenommen und abgelehnt, polyphon und eintönig.
    Ich bin die Richtige um aufzuleben und auszusterben.
    Ich bin die Richtige für einen einzigen, ephemeren Augenblick
    und für die Äonen und Ewigkeiten.
    Ich bin die Richtige um filetiert zu werden,
    decantiert, flambiert, souffliert,
    gratiniert, kandiert, pochiert und püriert.
    Ich bin die Richtige um potenziert zu werden und quadriert,
    dividiert und multipliziert.
    Ich bin die Richtige um dekuvriert zu werden und desavouiert,
    diplomiert, diktiert und distinguiert.
    Ich bin die Richtige um alphabetisiert zu werden oder legasthenisiert.
    Ich bin die Richtige um verschüttet zu werden und evakuiert.
    Ich bin die Richtige um taxiert zu werden,
    inventarisiert, kategorisiert, katalogisiert und aussortiert.
    Ich bin die Richtige um zu den Akten gelegt zu werden und zu verstauben.
    Aber ich bin nicht die Richtige um einem Mann das Wollen beizubringen.
    Dafür bin ich die Falsche.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    18 Mai 2009

    Schieben

    Ich bin nicht klug und auch nicht dumm,
    bin mehr so mittendrin.
    Halb mit Verlust und halb Gewinn,
    schieb ich’s so hin und her. Ich schiebs, ich schiebs im Kopf herum,

    ich schieb es längs, ich schieb es quer, von unten schieb ich’s nach oben.
    Doch nirgends findets seinen rechten Ort.
    Nach allem Schieben bleibt ein jedes Wort
    was es zuvor gewesen, nur verschoben.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.