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  • Silvia Kühnel: Lieber Claus, habe schon mal vor einigen Jahren geschrieben, weil ich die Idee mit der Kunstfigur gut finde. Ein frohes Fest und ein gutes neues Jahr und viel Freude mit dem Stipendium. Silvia (Buchhändlerin in Dortmund)
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  • bersarin: Literarisches Bloggen, liebe Aléa Torik, funktioniert durchaus. Freilich nur bei den wenigsten. Das meiste, was geschrieben wird, stammt aus dem Klein-Klein der Halbgarküchen, ist Poesiealbumsprosa von Minderleistern, Befindlichkeitsscheiße ohne Form. Ich schreibe dahingehend und als...
  • Aléa Torik: Never ride a dead horse – das hätte auch als Überschrift dieses Beitrags herhalten können. Gestern Nacht bin ich mit dem Rad 35 km durch das ausgestorbene Berlin gefahren, bis weit jenseits der Stadtgrenze. Da ich ziemlich kaputt war, konnte ich dabei nichts denken, aber wenn...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, Du hast überschüssige Energie!? Da werden Dich viele drum beneiden, umso besser also, wenn sie in etwas fließt, was Sinn zu machen verspricht. Was soll man also dazu sagen? Ich sage: Es lebe die Literatur! Und Gratulation natürlich zum vollzogenen Ausstieg aus...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, verflixt, hab‘ ich schon wieder Recht? Ich kann sagen, was ich will, ich habe immer recht. Dabei schrieb ich das eigentlich, um zu provozieren. Entweder lässt sich keiner provozieren oder die Provokation im Netz ist so allgegenwärtig, dass man zu ganz anderen Kalibern...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, da triffst Du mal wieder den Nagel auf den Kopf wie die Faust das Auge: fiktional und ein Sein als solches hat ein literarisches Blog zu sein und nicht einfach noch ein weiterer Mitspieler auf dem Markt- und Kampfplatz realer Eitelkeiten. Als Schriftsteller:in...
  • Aléa Torik: Liebe Miss Lingen, bitte entschuldigen Sie die kleine Verspätung meiner Antwort. Ich war auf anderen Schlachtfeldern unterwegs. Sie haben absolut recht, es ist viel zu komplex. Dabei darf ich mir zugutehalten, es deutlich vereinfacht zu haben. Denn im Original – wenn wir uns darauf...
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  • Aléa Torik: Lieber holio, ganz verstehen kann ich die Ottos und Ottisten ja tatsächlich nicht. Vielleicht ist das so, dass Otto und Otta, was ihr Leseverhalten betrifft, auch nicht ganz schlau aus sich werden. Sie greifen immer nur nach dem, wonach auch die anderen greifen. Das zeichnet die...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, man ist ja einiges gewöhnt bei den Autoren. Was die alles tun, um gelesen zu werden, beispielsweise das Schreiben seltsamer Bücher. Ich fände es allerdings doch etwas übertrieben, wenn sich ein Autor nach dem Schreiben seines Buchs sogleich aus dem Leben verabschiedet:...
  • holio: Traurig ist das in der Tat. Und so ganz zu verstehen auch nicht. Im Geräusch des Werdens war der Anknüpfungspunkt für Otto Normalleser ja da. Und die Bălkanexotik ist auch rezipiert und rezensiert worden. Die Sprache ist einfach, der Plot verständlich, erinnere die Szene mit dem blinden...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, noch habe ich Deinen Essay ja nicht gelesen – kommt aber noch! Bin gespannt wie ein Flitzebogen! Und was meine durch eigenes Lesen hervorgerufene Belebung von Texten inzwischen leiblich von uns gegangener Autor:inn:en angeht, so ist es nicht Trost, den ich da...
  • Aléa Torik: Lieber holio, Sie haben recht, die Politik lassen wir hier außen vor. Richtig glücklich bin ja auch nicht mit dem Etikett der Postmoderne. Aber irgendwie müssen wir es ja benennen. Sagen wir Transmoderne. Die wesentliche Information ist allerdings angekommen, schon lange: dass Sie...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • 28 November 2010

    Licht im August VI: “Um des Geldes und der Aufregung willen”

    Lena Grove ist eine der wenigen Figuren die, trotz schwieriger Verhältnisse, Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen. Von ihr geht eine Selbstsicherheit und Zuversicht aus, die beinahe schon beunruhigend ist. Sie erwartet ein Kind von Lucas Burch. Faulkner ist ein Meister der indirekten Beschreibung, wenn er aufzeigt, wie es zu der Schwangerschaft gekommen ist: „Sie schlief in einem hinten am Haus angebauten Raum. Er hatte ein Fenster, das sie im Dunkeln zu öffnen und wieder zu schließen lernte, ohne dass jemand es hörte, obwohl in dem angebauten Zimmer zuerst auch ihr ältester Neffe schlief, dann die beiden ältesten und schließlich alle drei. Sie wohnte schon acht Jahre dort, als sie das Fenster zum ersten Mal aufmachte. Sie hatte es noch kein Dutzend Mal aufgemacht, als sie feststellen musste, dass sie es besser nie aufgemacht hätte. Sie sagte sich: `Ich habe aber auch ein Pech.´“

    Lucas Burch meint, sich mittels eines neuen Namens, Joe Brown, aus der Affäre ziehen zu können. Als er von der Schwangerschaft seiner Geliebten hört, türmt er vorsichtshalber. Aber Lena glaubt an ihn. Sie glaubt, dass er, als er verschwand, bloß einen Job suchte. Und sie verteidigt ihn: „Lucas mochte schon immer die Aufregung. Er hat das ruhige Leben nie gemocht. Deshalb hat’s ihm bei Doane’s Mill nie gefallen. Deshalb hat er – haben wir beschlossen, uns zu verändern: um des Geldes und der Aufregung willen.“ „Um des Geldes und der Aufregung willen“, sagt Varner. „Lucas ist nicht der erste junge Spund, der die Arbeit, die er gelernt hat, hinwirft und der die, die darauf angewiesen sind, dass er die Arbeit tut, im Stich lässt, bloß um des Geldes und der Aufregung willen.“

    Sie glaubt an diesen Mann mit einer Naivität, die an Dummheit gemahnt. Aber sie ist nicht dumm, denn dann würde sie sich am Schluss der Romans, mit dem kleinen Kind im Arm, an die Brust ihres Verehrers werfen. Sie würde einfach den hartnäckigen Liebesbezeugungen von Byron Bunch erliegen. Das Begehren eines Mannes, das hartnäckige Begehren, die Wucht, die dahinter steckt, das kann für eine Frau ein sehr beeindruckendes Ereignis sein. Und eine Frau zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts im, sagen wir einfach, Wilden Westen, würde vermutlich den nächstbesten nehmen. Schon aus Überlebensgründen müsste sie es tun. Obwohl Lena nicht das tut, was sie aus Vernunftgründen tun müsste, ist sie nicht dumm. Ebenso wenig wie Byron dumm ist, wenn er erst sehr spät auf den Gedanken kommt, dass die hochschwangere Lena keine Jungfrau mehr ist. Jungfräulichkeit war damals eine erhebliche, wenn nicht sogar die Qualität einer unverheirateten Frau. Byrons Liebe ist offenbar so groß, dass selbst dieser Mangel keine Rolle spielt. Lena wirft sich nicht dem Erstbesten an die Brust. Der Leser weiß, dass Byron ein grundanständiger Kerl ist und dass sie keinen Besseren wird finden können. Der Leser weiß es, aber weiß es auch Lena? Joe hingegen ist ein Arschloch. Aber Lena begreift es nicht. Oder es spielt keine Rolle für sie. Er ist der Vater ihres Kindes und sie ist nun einmal der Meinung, dass eine Familie zusammengehört. Also tut sie das dafür Notwendige: Sie macht sich, nachdem ihr Kind geboren ist, nachdem Christmas und Joanna Burden tot sind, Ereignisse, die sie wohl gar nicht erfährt, erneut auf die Suche nach ihm. Weil es, könnte man vermuten, nun einmal der natürliche Gang der Dinge ist.

    Sie klagt nicht. Sie beklagt sich nicht bei Byron und sie klagt auch Joe nicht an, als er bei ihr am Kindbett steht, sich windet und dann aus dem Fenster springt und erneut abhaut. Sie ist grundsympathisch, sie weckt auch die Zuneigung anderer, die ihr Lebensmittel und Unterkunft anbieten. Da ist keiner, soweit ich das sehe, der ihr nicht mit Sympathie begegnet. Und doch ist auch Lenas Verhalten im Grunde nicht zu verstehen, wie das so vieler anderer, Christmas‘ und Joannas, das Verhalten der Kellnerin, die mit Christmas ins Bett geht, das seiner Großeltern. Aber ihr nimmt man es nicht übel. Sie darf so sein, weil sie gut ist. Gut sind nur Lena und Byron. Der Sheriff ist zwar nicht schlecht, aber er vertritt letztlich nur das Gesetz und wäre das Gesetz schlecht, würde der Sheriff sich dennoch darauf berufen (müssen), denn er ist sein Vertreter. Er ist, was er ist, weil er so sein muss.

    Alle anderen kämpfen immer mit der Möglichkeit, schlecht zu sein. Nur Lena scheint solche Anfechtungen nicht zu kennen. Und deswegen mögen wir sie. Weil das eine Position ist, der man im Leben nur sehr selten begegnet. Man begegnet schon selbstlosen Menschen, die etwas für einen tun und nicht fragen, was sie selbst davon haben. Es gibt (hier fällt mir doch jetzt ein Wort nicht ein, was ist denn das für eine verflixt unzuverlässige Sprache oder sind das die ersten Alterserscheinungen?) uneigennütziges Handeln. Aber dies ist noch nicht, was ich meine. Was in der Person der Lena geschildert oder dargestellt wird, ist die Abwesenheit von Gut und Schlecht. Deswegen ist Lena gut. Und nicht schlecht. Wenn dem so ist, dann ist das geradezu ein metaphysischer Kern, den Faulkner uns hier hinterlässt: sollte jemals der Gegensatz von Gut und Schlecht aufgehoben sein, sollten die Menschen das erreichen können, dann wären sie gut. Ich weiß nicht, ob ich schockiert sein soll oder begeistert. Oder ob ich mir das gerade so hinbiege, zum versöhnlichen Abschluss einer langen, nicht immer begeisterten Auseinandersetzung mit diesem Text.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    21 November 2010

    Licht im August V: „Es wird da sein, versunken, ruhig, beständig, nicht verblassend …“

    Christmas ist auf der Suche nach seiner Identität. Er verzweifelt, weil er sie nicht findet. Wie man nur etwas finden kann, was man einst besaß. Er verzweifelt, weil er sie nicht erreicht. Wie man etwas erreichen kann, was man noch nicht besitzt. Er weiß offenbar nicht, dass Identität als Besitz vielleicht nur in der Form der Besessenheit vorstellbar ist. Der Besessene wird besessen, er besitzt nicht. Christmas weiß nicht, dass man immer auf der Suche ist. Identität ist der Versuch, sie herzustellen.

    Das zentrale Problem dieses Mannes ist in einem kleinen Abschnitt, in zwei Sätzen dargestellt, als er verhaftet wird und ein anderer über ihn sagt: „Er hat keinen Moment geleugnet. Er hat überhaupt nichts gemacht. Er hat sich weder wie ein Nigger noch wie ein Weißer verhalten.“ An anderer Stelle spricht Christmas mit einem Schwarzen und sagt “`Ich bin kein Nigger´ und der Nigger sagt: `Du bist schlimmer als das. Du weißt nicht, was du bist.“ Das ist das eigentliche Problem, nicht etwa Schwarz oder Weiß zu sein, sondern ein Zustand, der sich nicht zuordnen lässt. Ein Zustand also, in dem man weder etwas erreichen, noch etwas finden kann, weil die Ausgangsposition nicht klar ist. Ein Zu-Stand eben. Jenseits jeder Bewegung. Nicht die Stelle, von der ich komme, nicht die, wohin ich gehe, sondern die Stelle an der ich stehe: die ist nicht identifizierbar. Das muss, der Leser kann es nur ahnen, ein Gefühl sein, als ob man nicht existiere. Dieses Problem der Nichtexistenz, behaupte ich, wird erst im Moment seines Todes gelöst.

    In dieser Szene finde ich ihn, Faulkner, ganz groß. Es ist eine pathetische Szene, aber sie ist ausgezeichnet dargestellt. Sein Flucht im 19. Kapitel, die Verfolgung durch Grimm (!) und das Aufeinandertreffen der beiden Männer in der Küche von Hightower, das ist exzellent gemacht. Da kann einer wie Faulkner im Angesicht des Todes seiner wichtigsten Figur tatsächlich sogar von Heiterkeit reden. Auch hier haben wir wieder eine dieser typischen Faulkner-Formulierungen: Christmas liegt am Boden, er liegt im Sterben, die Augen weit geöffnet: „leer von allem außer dem Bewußtsein“, heißt es da. Und man fragt sich natürlich, Bewusstsein von was? Bewusstsein muss doch Bewusstsein von etwas sein. Dieses Etwas ist, wie an so vielen Stellen, eine Leerstelle, Faulkner sagt uns das nicht.

    „Als die anderen in die Küche kam sahen sie den inzwischen beiseite gestoßenen Tisch und Grimm, der sich über den Mann beugte. Und als sie näherkamen um zu sehen, was Grimm vorhatte, sahen sie, dass der Mann noch nicht tot war, und als sie sahen, was Grimm tat, stieß einer der Männer einen erstickten Schrei aus und stolperte rückwärts gegen die Wand und erbrach sich. Dann sprang auch Grimm zurück und warf das blutige Schlachtermesser hinter sich. „Jetzt wirst du die weißen Frauen in Ruhe lassen, auch in der Hölle“, sagte er. Doch der Mann am Boden hatte sich nicht gerührt. Er lag nur da, die Augen weit geöffnet und leer von allem außer dem Bewußtsein, und mit etwas wie einem Schatten um den Mund. Einen langen Augenblick sah er mit friedvollen, unergründlichen und unerträglichen Augen zu ihnen auf. Dann schienen sein Gesicht, sein Körper, schien alles zusammenzubrechen, in sich zusammenzufallen, und aus der zerschlitzen Kleidung um seine Hüften und Lenden stürzt das aufgehaltene schwarze Blut wie losgelassener Atem. Es stürzt aus dem bleichen Leib wie der Funkenregen aus einer aufsteigenden Rakete, und auf diesem schwarzen Ausstoß schien der Mann aufzusteigen und in ihr Gedächtnis einzudringen, auf immer und ewig. Sie werden das Bild nie verlieren, wo sie auch sein werden, in friedlichen Tälern, an ruhigen und sanften Flüssen des hohen Alters, wo sie in den spiegelnden Gesichtern von Kindern altes Unglück und neue Hoffnungen sinnend betrachten werden. Es wird da sein, versunken, ruhig, beständig, nicht verblassend und auch nicht besonders bedrohlich, sondern aus sich allein heraus heiter, aus sich allein heraus triumphierend. Wieder stieg aus der Stadt kommend, durch die Wände ein wenig gedämpft, das Kreischen der Sirene zu einem unglaublichen Crescendo an, so schrill, bis es für Ohren nicht mehr zu hören war.“

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    09 November 2010

    Licht im August IV: Ein Verhältnis von Worten und Taten

    Faulkner kann große Charaktere zeichnen. Er kann es vor allem, wenn den Figuren keine ausgeprägte Reflexivität zu eigen ist. „Absalom, Absalom!“, das Werk das im Anschluss an „Licht im August“ entstand, hat mich mehr beeindruckt als das vorliegende. Sei es, weil ich vor einigen Jahren noch leichter zu beeindrucken war, sei es, weil das spätere Werk das Beeindruckende noch deutlicher heraus- und hervorkehrt.

    Frauen und Männer, Geschlechterverhältnisse, ist das Thema dieses Beitrags. Ich suche mir die beiden hierfür wohl interessantesten Gestalten aus, Joanna Burden und Joe Christmas. Die beiden haben ein Verhältnis miteinander. Christmas, der mit seinem Rasiermesser in der Tasche herumläuft, deutet bereits seit dem fünften Kapitel an, dass etwas passieren wird. Dann brennt das Haus der Joanna Burden, sie liegt in dem brennenden Haus mit abgetrenntem Kopf. Die Indizien weisen auf Christmas hin. Aber wir wissen es nicht. Wissen ist in diesem Roman, vielleicht bei Faulkner insgesamt, keine wesentliche Größe. Ich hatte in meinem letzten Beitrag bereits auf die verschiedenen Dimensionen des Wissens hingewiesen.

    Im elften und zwölften Kapitel wird das Verhältnis zwischen den beiden beschrieben. Die Frau ist deutlich älter als Christmas, der dreiunddreißig ist. Es werden verschiedene Zahlen genannt, sie sieht aus wie dreißig oder fünfunddreißig, sie sagt, dass sie vierzig sei, Christmas deutete das aus einem nicht verständlichen Grund als „entweder einundvierzig oder neunundvierzig“: das ist nahezu die Spannbreite zweier Jahrzehnte. Sie ist wohl tatsächlich in der Nähe ihres Klimakteriums, diesseits oder jenseits dieser Grenze. Sie behauptet einmal, schwanger zu sein. Das Verhältnis der beiden erstreckt sich über mindestens drei Jahre und durchläuft mehrere Phasen.

    Die beiden, würde ich sagen, haben ein erotisches und ein verbales Verhältnis miteinander. Aber kein Liebesverhältnis. Ein Liebesverhältnis möchte ich als eines definiert, in dem die beiden anderen, das erotische und das verbale Verhältnis, in ein Verhältnis zueinander treten. Erst ein solches Verhältnis ist ein Liebesverhältnis.

    Wenn Faulkner das verbale Verhältnis der beiden Personen beschreibt, dann weiß man nicht, ob das genialisch oder dilettantisch ist. Eigentlich will man nach der Lektüre dieses kleinen Abschnitt fragen: sprechen sie nun miteinander oder nicht? Obwohl dies das Thema ist, wird es nicht deutlich. Das miteinander reden, vor allem wenn ein Mann und eine Frau miteinander reden, kann bisweilen schwierig sein. Und manchmal ist nach dem Reden nicht deutlich, ob man nun einen Schritt nach vorne oder zwei nach hintern getan hat.

    “Sie erzählte ihm ohnehin sehr wenig. Sie sprachen sehr wenig, und immer nur beiläufig, auch nachdem er der Liebehaber in ihrem Altjungfernbett geworden ist. Manchmal hätt er fast glauben können, dass sie überhaupt nicht miteinander sprachen, dass er sie überhaupt nicht kannte. Es war, als gäbe es sie zweimal: einmal die Frau, die er hin und wieder bei Tage traf und ansah, wenn sie miteinander sprachen, mit Wörtern, die nichts weiter aussagten, das sie das auch weder versuchten noch beabsichtigte, und dann die andere, bei der er nachts lag und die er nicht einmal sah, mit der er überhaupt nicht sprach.“

    Das Verhältnis der beiden wird zu keinen Zeitpunkt als eine Annäherung von zwei Individuen beschrieben. Sie stehen einander schroff gegenüber, unvermittelt, hart und oft gleichgültig. Auch hier macht Faulkner keinerlei Erklärungsversuche, er schildert bloß, was er sieht. Er beschreibt es, er gestaltet es, aber er greift nicht vermittelnd ein, er macht es dem Leser nicht verständlich. Als Christmas einen Zettel vorfindet, den Joanna ihm geschrieben hat, sagt Faulkner etwa zehn Mal, dass er, Christmas, den Zettel nicht liest und dass er ihn besser doch hätte lesen sollen. Aber eines sagt er nicht: was drauf steht. Es wird nicht aufgeklärt, was Joanna Christmas zu sagen hatte.

    Christmas lebt in der Hütte auf dem Grundstück der Joanna Burden, erst alleine, dann mit Joe Brown zusammen. Sie stellt ihm manchmal Essen hin. Eines Tages geht er durch das große Haus zu ihr und entjungfert die Frau: „Er sprach mit ihr, mit angespannter, harter, leiser Stimme „Ich werd‘s dir zeigen. Ich wird‘s der Hure zeigen!“ Sie widersetzte sich nicht im Geringsten. Fast war es, als wollte sie ihm mit kleinen Änderungen der Haltung ihrer Arme und Beine helfen, als Hilfe schließlich notwendig war. Doch unter seinen Händen hätte der Körper auch der Körper einer Toten vor dem Eintreten der Totenstarre sein können. Aber er ließ nicht ab, und obwohl seine Hände hart und hastig waren, war es allein vor Zorn. `Wenigstens habe ich sie endlich zur Frau gemacht´, dachte er. `Jetzt hasst sie mich. Das, wenigstens, habe ich ihr beigebracht`.“

    Faulkners Stil ist manchmal geradezu bedenklich. Er ist kein Grammatikkünstler (zumindest in diesem Punkt sind wir beide uns ähnlich): der Gebrauch des Wortes „obwohl“ im obigen Zitat ist schlicht falsch. Das ist eine konzessive Konjunktion, die einen Sachverhalt einräumt oder zugesteht, hier hätte eine präpositionale oder konsekutive Konjunktion weit besser gepasst. Auf der anderen Seite: eine Frau die entjungfert wird, kann schlechterdings keine Hure sein. Auch hier ist Faulkner ungenau. Ungenauigkeit ist aber womöglich sein Stil. Womöglich ist die Bezeichnung „Hure“ einzig als männlicher Sprachgebrauch zu verstehen. Damit werden Männer beschrieben, die Frauen hassen, weil sie sich Männern hingeben. Die die Frauen sogar dann zu hassen, wenn sie sich ihnen und nur ihnen hingibt. Weil die Verachtung größer ist als die Achtung oder das allgemeine Bild der Frauen stärker ist als das individuelle der eigenen Frau. Hier müsste eine richtige Analyse her, die in einem Blog nicht zu leisten ist.

    Am nächsten Tag schmeißt Christmas das Essen, die verschiedenen Schüsseln, nachdem er ihren Inhalt identifiziert hat, an die Wand. Und sucht sich einen Job. Die beiden, Liebende darf man sie wohl kaum nennen, sehen sich offenbar ein halbes Jahr lang nur aus der Ferne und dann sitzt Joanna Burden eines Tages bei ihm in der Hütte und erzählt sehr ausführlich von ihren Vorfahren. Etwa zu dieser Zeit entwickelt die Frau großen Appetit, in erotischer wie auch in kulinarischer Hinsicht. Christmas spricht von Verderbtheit. Was das ist, beschreibt Faulkner nicht: das wird die wohl eher prüde Zeit nicht zugelassen haben, auch wenn sie die Beschreibung der Kastration Christmas zuließ. Es wird nur vom Furor jener Nächte gesprochen.

    Sie spricht von einem Kind. Sie scheint schwanger, dann aber ist nicht mehr die Rede davon. Ob es eine Sinnestäuschung ihrerseits war oder ob sie eine Fehlgeburt hatte, wird nicht gesagt. Erneut gehen die beiden Wochen und Monatelang aneinander vorbei. Christmas will weggehen. Er wartet darauf, gehen zu können. Und geht nicht. Sie will ihn zum Beten zwingen. Er weigert sich. Er denkt, sie sei wahnsinnig. Sie will, dass er zur Schule geht, dass er Jura studiert, dass er ihre Geschäfte führt. Er weigert sich. Er schlägt sie. Das Verhältnis wird zu einem Machtkampf. Wenn es überhaupt eine Entwicklung gibt, dann diese.

    “Zünde die Lampe an“, sagte sie.
    „Ich brauche kein Licht“, sagte er.
    „Zünde die Lampe an.“
    „Nein“, sagt er.
    …..
    „Kniest du mit mir nieder?“, fragte sie. „Ich bitte nicht darum.“
    „Nein“, sagte er.
    „Ich bitte nicht darum. Nicht ich bin‘s, die darum bittet. Knie mit mir nieder.“
    „Nein.“
    Sie sahen einander an. „Joe“, sagte sie. „Zum letzten Mal. Ich bitte nicht darum. Denk daran. Knie mit mir nieder.“
    „Nein“, sagte er.“

    Sie bedroht ihn schließlich mit einer Pistole. Sie bedroht ihn nicht nur, die drückt ab. Die Pistole funktioniert nicht. Dann steht Christmas auf der Straße und hält ein Auto an, mit ihrer Pistole in der Hand. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass er sie umgebracht hat. Möglicherweise ist es aber auch Joe Brown gewesen. Der wohl auch das Haus angezündet hat.

    Kein Wort des Autors oder Erzählers, kein Wort der beiden Figuren, warum sie diese zermürbende Liaison nicht beenden. Keiner macht den Versuch, keiner scheint auf den Gedanken zu kommen, dass, was man angefangen hat, auch beenden kann. Es wird nichts über den Furor jener Nächte berichtet, nichts über Genuss oder Anziehung oder, was in der Liebe eine so große Rolle spielt, über die Hoffnung. Ich sagte eingangs, es sei kein Liebesverhältnis, weil ein Liebesverhältnis ein Verhältnis von Worten und (erotischen) Taten ist. Das ist es hier nicht, weil keiner der beiden Partner, Mann und Frau, Worte oder Taten, überhaupt in der Lage sind, sich auf einen anderen einzulassen. Die sind gar nicht wie zwei Menschen, die stehen sich wie im Krieg unversöhnlich gegenüber: „Da war kein weibliches Zaudern, keine Scheu vor offensichtlichem Verlangen und der Absicht, sich schließlich doch zu ergeben. Es war als kämpfe er körperlich mit einem anderen Mann um einen Gegenstand, der für keinen von beiden einen eigentlichen Wert hatte, um den sie allein um des Prinzips willen kämpften.“

    Dennoch, das klingt fast wie Hohn, findet sich in der Gestaltung dieses Verhältnisses der beiden Personen, einer der, wie ich finde, schönsten Sätze in diesem Buch, bereits gegen Ende des zweiten Kapitels: „Als er jetzt das Gesicht hebt, merkt er, das er es schon wieder gesenkt hat, bevor er auch nur ihrem Blick begegnet ist.“

    Was immer die Leser und Leserinnen hier an Erfahrungen mitbringen, ich denke, das ist etwas, was jeder kennt, dieses hin und wieder wegesehen bevor man richtig hingesehen hat. Wo das Bemerken den Handlungen immer hinterherläuft. Was man auch tut, man hat es bereits getan. Es gibt allerdings auch die gegenteilige Situation im Leben. Da weiß man bereits im Voraus, was man tun wird. Und tut‘s dann doch nie. Als reiche das Wissen aus oder als seien Handlungen zu gefährlich. Wissen ist ja auch eine Weise, sich von der Welt fernzuhalten. Sich aus der Welt herauszuhalten, indem man etwas über sie weiß.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    24 Oktober 2010

    Licht im August III: Gelegentliches miteinander schlafen

    William Faulkner war kein psychologischer Erzähler wie Henry James. Er will seine Figuren nicht verstehen – das ist natürlich eine nicht verifizierte Behauptung. Er will seine Figuren formen. Er will sie nicht verstehen, er will sie darstellen. Und ich glaube, dass er sie oft auch nicht versteht. Ich glaube – die nächste, diesmal fast unhaltbare Behauptung –, dass er sie nicht versteht, weil er so sehr in die Formgebung verwickelt ist, dass ein zu großes Verständnis hinderlich wäre. Womöglich versteht ein Autor seine Figuren grundsätzlich nur bis zu einem gewissen Grad.

    Nennen wir es etwas deutlicher beim Namen, nennen wir es Unverständnis. Das ist, soweit ich es in diesem Text beobachtet habe, bei vielen der Figuren der Fall, im Verhältnis von Männern zu Frauen fällt dieses Unverständnis jedoch am deutlichsten auf. Die beiden Geschlechter stehen einander schroff gegenüber. Faulkner versucht nicht, ihre Verhaltensweisen zu erklären. Nachdem Christmas entdeckt hat, dass die Frau mit der er gelegentlich schläft, die Kellnerin, auch noch mit anderen schläft und dass das kellnern nur einen Teil ihrer bezahlten Tätigkeit ist, kommt es zu einem Gespräch zwischen den beiden.

    „An dem Abend gingen sie nicht von der Ecke fort, an der sie sich getroffen hatten. Sie gingen nicht trödelnd weiter, sie verließen nicht die Landstraße. Sie setzten sich auf eine ansteigende grasbewachsene Böschung und redeten. Diesmal sprach sie, erzählte ihm. Es gab nicht viel zu erzählen. Er sah nun, dass er, was er entdeckte, die ganze Zeit gewusst hatte: die müßigen Männer im Restaurant, deren Zigaretten wippten, wenn sie zu der vorbeigehenden Kellnerin sprachen, und sie, die hin und her ging, ständig hin und her ging, den Blick gesenkt, unterwürfig. Während er ihr zuhörte, meinte er den säuerlichen Geruch all der anonymen Männer über dem Erdgeruch zu riechen. Ihr Kopf war leicht geneigt, während sie sprach, die großen Hände lagen still in ihrem Schoß. „Ich dachte, du hättest es gewusst“, sagte sie.
    „Nein“, sagte er, „ich glaube, ich hab‘s nicht gewusst.“
    „Ich dachte, du wüsstest es.“
    „Nein“, sagte er. „Ich glaube nicht, dass ich‘s gewusst hab.““

    Dieses gelegentliche miteinander schlafen irritiert Christmas. Er weiß nicht, ob das Liebe ist oder Begehren oder was sonst. Er hat ja keine Erfahrung. Und Erfahrung ist nicht, dass man etwas weiß, kennt, sieht oder denkt. Sondern dass man auch sein Gegenteil kennt, weiß, sieht. Erfahrung ist nicht, dass etwas so ist wie es ist, sondern dass es auch anders sein könnte. Um zu wissen was gut ist, muss man auch wissen was schlecht ist. Christmas hat diese Erfahrung nicht. Vielleicht hat selbst diese Frau, für die Sexualität eine berufliche Dimension hat, keine Erfahrung. Weil auch sie nicht weiß, wie es anders sein könnte. Weil sie keine Vorstellung davon hat wie ihre Welt aussehen könnte. Eine Alternative steht für viele Figuren in diesem Buch nicht zur Diskussion. Sie sind damit beschäftigt, so zu sein wie sie sind. Vielleicht ist das allerdings auch nur eine dieser modernen Verirrungen, die Vorstellung wie es anders sein könnte.

    Christmas ist irritiert, nicht, weil die Emotionen so tiefgehende sind, sondern weil er sie nicht einordnen kann. Sein Register umfasst die Verben wissen, glauben, sehen, denken. Mit diesen Möglichkeiten des Begreifens lässt sich weder für ihn noch für die Frau fassen, was zwischen ihnen geschieht. Sie fragt zweimal und er antwortet zweimal. Sie benutzen dieselben Worte. Wir lesen das also viermal: ohne jede Entwicklung. Weil das, was dort passiert, sich nicht verstehen lässt. Die verschiedenen Modi – Wissen, Glauben, Denken, Sehen – können das nicht begreifbar machen. Es wird nicht einmal gesagt, was nicht zu begreifen ist: dass ein geliebter Mensch mit anderen Sex hat; oder dass Sex und Liebe voneinander getrennt werden können; dass der eine dem anderen eine Kränkung zufügt.

    Auch hier gibt es einen Widerspruch zwischen der Aussage des Erzählers – „Er sah nun, dass er, was er entdeckte, die ganze Zeit gewusst hatte“ – und der Aussage der Figur – „Ich glaube nicht, dass ich‘s gewusst hab“-. Anders ausgedrückt: auch hier lassen sich die Positionen des Erzählers nicht immer klar und distinkt von denen der Figur unterscheiden. Allerdings sagt der Erzähler nicht einmal, was Christmas angeblich gewusst hat; das ist einer der vielen Sätze in diesem Buch, die ins Trudeln kommen, bevor sie geradezu versacken, man weiß nicht wo: „Er sah nun, dass er, was er entdeckte, die ganze Zeit gewusst hatte …“ Und dann sagt er, dass er es nicht wusste.

    Die genannten Verben sind nicht nur an der zitierten Stelle von Bedeutung, sie durchziehen den gesamten Text. Zuweilen kommt es dabei zu schwer verständlichen Passagen – wer Mallarmé gelesen hat oder auch Joyce, der weiß, dass Verständlichkeit nicht das einzige Verhältnis zwischen Autor und Leser ist – wie dieser: „Das Gedächtnis glaubt, ehe das Wissen sich erinnert. Glaubt länger schon, als es sich zurückerinnert, länger noch, als das Wissen sich auch nur wundert.“

    Ich möchte annehmen, dass Faulkner nicht behaupten will, dass der Glaube ein Gedächtnisleistung ist oder dass das Wissen, nicht aber das Gedächtnis sich erinnert. Ich möchte vielmehr annehmen, dass Faulkner mit dem Verhältnis dieser Verben spielt und versucht, sie in ein fruchtbares Verhältnis zueinander zu stellen. Das gelingt ihm auch, wie ich meine, denn dies ist schön: dass das Wissen sich wundert! Und dass das sich wundernde Wissen vielleicht nicht einmal weiß, worüber es sich wundert.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    14 Oktober 2010

    Licht im August II: Der Anschein natürlicher Vorgänge

    Alle Welt amüsiert sich und ich führe das dürftige und entsagungsreiche Leben einer Schriftstellerin. Entsagungsreich ist ja ein seltsames Wort. Das gibts im Rumänischen häufig, das Worte sowohl den einen als auch den entgegen gesetzten Sinn haben.  Nach allerlei Verwirrungen der letzten Tage – Verwirrungen des Zöglings Torik – geht es hier wieder um das, worum es hier geht: Literatur.

    Zum Thema Erzähltechnik und Erzählperspektive lässt sich lang und vor allem breit referieren. Es ist ein Anfängerthema, das in der Regel in den ersten Semersten eines Literaturstudiums behandelt wird. Dennoch ist es komplex. Große Theoretiker wie Roland Barthes, Roman Jakobson und Paul Ricoeur – das sind nicht zufällig alles Franzosen, das war bei uns am Institut so, da waren die französischen Einflüsse maßgeblich – wichtige Arbeiten zu diesem Thema verfasst. Für die vorliegenden Zwecke scheint es mir ausreichend, sich zu vergegenwärtigen, dass der Leser es immer mit einer Erzählinstanz zu tun hat: nie kommt etwas an das Ohr oder das Auge eines Lesers, ohne dass es dahin gebracht worden ist.

    Es gibt keinen natürlichen Erzählvorgang. Wie in der darstellenden Kunst lange Zeit die sogenannte Zentralperspektive als die natürliche Perspektive galt, galt in der Literatur die chronologisch fortschreitende Erzählung als natürlich, die nach einem quasi additivem Prinzip formuliert wurde: Und dann und dann und dann …. . Hier wie dort handelt es sich allerdings nur um den Anschein natürlicher Vorgänge. Was man erzählt, muss man darstellen. Und durch die Darstellung verändert man eine Wahrheit, die es ohne diese Darstellung nicht gäbe.

    Das lässt sich an einem Beispiel zeigen, Miguel de Cervantes „Don Quijote von der Mancha“. Im zwanzigsten Kapitel sieht Sancho Pansa zu wie ein Ziegenhirte seine Herde von dreihundert Ziegen mit einem kleinen Boot über eine Furt hinübersetzt. Er muss jede einzelne Ziege transportieren, der Vorgang wiederholte sich also viele Male. Als der Knappe Don Quijote, der ja nicht dabei war, davon berichtet, erzählt er von jeder einzelnen Fahrt, mit immer den gleichen Worten immer wieder dasselbe, und noch eine und noch eine und noch eine …. Bis der edle Ritter ihn unterbricht: „Nimm an, er habe sie alle übergesetzt“, sagte Don Quijote, „und fahre nicht ewig so hinüber und wieder herüber, sonst wirst du in einem ganzen Jahr nicht fertig, mit dem Übersetzen deiner Ziegen.“

    Es gibt, versteht man hier nahezu intuitiv, ein zeitraffendes Erzählen, man kann die Herde in einem Satz hinüber transportieren und erzählen, es gibt ein zeitdeckendes Erzählen, was Sancho Pansa da im Sinne hat, und es gibt ein zeitdehnendes Erzählen: „in einem ganzen Jahr nicht“. Und wie man mit der Zeit umgehen kann, so kann man auch mit Modus, der Mittelbarkeit des Erzählten, und der Stimme verfahren, die Auskunft gibt über den Ort der Erzählsituation gibt.

    Da wir nichts erzählen können, ohne das Erzählte in eine zeitliche Ordnung zu bringen und da die Chronologie die einfachste Ordnung ist, die sich denken lässt, finden wir in jedem poetischen Text auch eine chronologische Ordnung. Bei Faulkner finden wir allerdings keine durchgehende Perspektive. Wir haben einundzwanzig Kapitel, die einzelne Geschichten und Personen aus unterschiedlichen Richtungen erzählen – Personen, mit individuellem Tonfall und unterschiedlicher Erzählgeschwindigkeit. Wir haben immerhin so etwas wie einen Rahmen, Lena Grove ist die beherrschende Figur des ersten und letzten Kapitels. Ein Gesamtbild der Ereignisse entsteht, indem Umstände mehrfach erzählt werden, aus den Blickwinkeln verschiedener Personen, verschiedener Zeiten und unterschiedlichen Wissenshorizonten des Lesers. Das ist kein Puzzle, das Faulkner hier legt, so dass am Ende, nach 21 Kapiteln, 480 Seiten und 30 Erwähnungen des Brandes von Joanna Burdens Haus ein vollständiges Bild vor uns steht. Das Bild hat an vielen Stellen Lücken und an anderen liegen ein Duzend Teile übereinander. Aber es ist das Bild, das Faulkner zeichnen will. Es ist seine Weise den Pinsel oder den Bleistift zu führen. Es ist sein Strich.

    Diese Art der Darstellung betrifft nicht nur die Einteilung in die Kapitel, sondern lässt sich im Detail zeigen. Ich verfolge die Erzählerpositionen im vierten Kapitel. Byron Bunch ist bei dem Geistlichen Hightower zu Besuch und erzählt wie am Tag zuvor die hochschwangere Lena Grove im Hobelwerk auftauchte. Sie hatte gehört, dass ein Mann namens Lucas Burch dort tätig sei, der Vater ihres Kindes. Dies allerdings ist eine Verwechslung aufgrund der phonetischen Ähnlichkeit von Burch und Bunch. Das Verhältnis von Erzählerbericht und direkter Rede ist in etwa eins zu zwei. Es ist Byron, der erzählt. Hightower unterbricht lediglich bisweilen den Erzählfluss durch Fragen. Der Erzähler sitzt sozusagen als der unsichtbare Dritte mit den beiden anderen am Tisch. Ich referiere die Struktur dieses Kapitel, nicht jeden einzelnen Wechsel (dann bin ich im nächsten Jahr noch nicht fertig mit dem Übersetzen), mit Sprüngen, da die Angelegenheit recht unübersichtlich und komplex ist.

    Der Erzähler beschreibt kurz die Situation, da die beiden Männer zusammensitzen. Dann berichtet Byron in direkter Rede davon, wie Lena Grove im Hobelwerk plötzlich hinter ihm steht und nach Lucas Burch fragt. Durch Fragen Hightowers animiert, erzählt Byron, dass das Haus der Joanna Burden während er mit Lena spricht, brannte. Später hörte Byron andere reden, dass Christmas und Brown auf dem Grundstück der Joanna Burden in einer Hütte lebten. Sie haben dort illegal Whiskey verkauft. Weiter erzählt Byron, dass Joe Brown von einem Farmer betrunken in dem brennenden Haus gefunden wurde und inzwischen als Verdächtiger im Gefängnis sitzt. Christmas ist seither spurlos verschwunden, erfahren wir durch den Erzähler. Byron erzählt, dass Christmas Brown vor einiger Zeit betrunken aus einem Friseurladen gezerrt hat. In seiner Erzählung berichtet er das Gespräch zwischen Christmas und Brown in direkter Rede, als wäre er dabei gewesen; wir wissen allerdings nicht, ob es so ist. Dann berichtet der Erzähler, dass Byron nach der Arbeit im Hobelwerk Lena in eine Pension bringt. Byron berichtet in direkter Rede das Gespräch zwischen der Wirtin und ihm. Dann wird das Gespräch zwischen der Wirtin und Lena erzählt: vom Erzähler, obwohl es eigentlich Byron erzählen könnte, er war ja dabei. Von dieser direkten Rede geht’s ohne klärenden Übergang oder die Einmischung des Erzählers  wieder zu der direkten Rede zwischen Byron und Hightower. Dann erzählt Byron in direkter Rede davon, dass zur selben Zeit, da er mit Lena in der Pension saß, Brown im Büro des Scheriffs sitzt. Byron erzählt in direkter Rede noch einmal die Szene im Friseurladen, mit den wörtlichen Kommentaren der dort Anwesenden, dann berichtet Byron in direkter Rede von dem Landarbeiter, der den Brand entdeckt hat, den betrunkenen Brown und die Leiche der Miss Burden: obwohl er hier nicht dabei war. Das wäre Sache eines Erzählers, denn ein Erzähler, allwissend oder nicht, ist ja immer dabei. Dann erzählt Byron in direkter Rede wieder von Christmas und Brown, dann, in eingebetteter direkter Rede, von einem Gespräch zwischen den beiden, was nur ein Erzähler kann. Schließlich erzählt Byron in direkter Rede das Verhör zwischen dem Scheriff und Brown. Also ein erneuter Bruch in der Erzähllogik. Es übernimmt wieder der Erzähler, dann kommt der weitere Verlauf des Gesprächs zwischen Byron und Hightower und es endet, indem Byron erzählt, dass Lena von alledem nichts wisse und in direkter Rede werden die Worte Lenas wiedergegeben als sie in Jefferson ankommt, und von dem Pferdefuhrwerk absteigt, die Byron ja nicht kennen kann, denn er sagte ja zu Beginn zu Hightower, Lena hätte plötzlich im Hobelwerk hinter ihm gestanden.

    So ungefähr. In nuce kann man das sehr viel genauer machen. Aber das ist ja keine Arbeit aus dem Seminar. Die verschiedenen Dialogebenen gehen durcheinander. Byron erzählt Dinge, als wäre er dabei gewesen und übernimmt teilweise die Funktion des Erzählers, während der Erzähler sich an Stellen aus der Erzählung zurückzieht. Der Wechsel zwischen den Positionen geht in einem solchen Tempo vor sich, dass der Leser das gar nicht bemerkt. Man könnte geradezu von einer Auflösung einer konsistenten Erzählposition sprechen. Welche Funktion hat das? Was will Faulkner damit erreichen?

    Ich möchte zwei Dinge herausstellen. Die Distanz zum Leser ist in der direkten Rede sehr gering: so entsteht die Illusion einer großen Nähe zum erzählten Stoff. Wenn dann auch noch erzähllogische Grenzen übersprungen werden und die Figuren Umstände erzählen, die nur in indirekter Rede oder durch den Erzähler wiedergegeben werden können, dann dient das einerseits der weiteren Annäherung an den Stoff, hat aber noch eine weitere Funktion: die der Annäherung an unsere tatsächliche Wahrnehmung. Wir nehmen die Welt nicht strukturiert wahr, in chronologischer Weise, sondern mit großen Sprüngen, auch erzähllogischen Brüchen: hier haben wir etwas gehört, da ahnen wir etwas, da meinen wir bloß und dann wieder argumentieren wir oder unser Gegenüber. Hier haben wir einen inneren Monolog, da direkte Rede, eingebettete direkte Rede, Erzählerbericht. Das geht wild durcheinander. Das ist ja auch die Erkenntnis von Joyce und Sterne gewesen. Das ist die Auflösung einer konsistenten Erzählperspektive wie auch der Figurenrede. So wie die Wahrnehmung nun einmal funktioniert. Und das Erstaunlichste daran ist: man bemerkt es beim Lesen kaum. Vielleicht bemerkt man es auch im Leben nicht, diese Auflösung konsistenter Perspektiven. Und womöglich kann man doch, anders als eingangs behauptet, von einer natürlichen Erzählhaltung sprechen. Jedenfalls ist das das Bild, das, meiner Wahrnehmung nach, der Autor hier zeichnet.

    Das Verhältnis von Schriftstellern und Literaturwissenschaftlern entspricht in etwa dem zwischen Schwerverbrechern und der Polizei. Ein guter Schriftsteller ist seinen Verfolgern immer um eine Nasenspitze vorweg. Die Literaturwissenschaftler versuchen mit ihren Modellen zu beschreiben, was die flüchtigen Künstler machen. Diese kriminalistischen Modelle können die wahre Welt der Literatur immer nur annähernd beschreiben, sie können die Gitterlinien des Verstehens enger oder weiter ziehen, aber sie laufen immer hinterher. Deswegen will ich Schriftstellerin werden. Ich will keine Erklärungsmodelle, keine Schemata und keine Morphologien entwickeln. Ich will Verbrechen begehen!

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    03 Oktober 2010

    Licht im August I: “I believe that man will not merely endure … “

    [Krankheitsbedingt kommt der erste Eintrag in der neuen Kategorie leicht verspätet. Meine rumänischen Rassegene sind nicht mit diesen respektlosen Viren in Deutschland zurechtgekommen.]

    Ich hatte angekündigt, keine seitenlangen Buchbesprechungen mehr zu machen: zu viel Arbeit und zu wenig Plaisir. Ich versuche eine andere Form. Ich werde mich jeweils einen Monat lang mit einem Buch beschäftigen und Bemerkungen zu meiner Lektüre machen. Ich kündige im Voraus an, was ich lese. Ich mache das auch bei den Kategorien deutlich: in Lessons & Lectures gibt es ab sofort die entsprechende Splittung. In diesem Monat beschäftige ich mich mit William Faulkners wohl bekanntestem Roman „Licht im August“.

    Ich muss immer alles zweimal lesen, um es einmal zu verstehen. Beim ersten Mal nehme ich es zur Kenntnis und bei zweiten Mal nehme ich es auseinander. Der dritte Schritt, das zusammensetzen, das ist nicht mehr Teil des Verstehens. Das geht darüber hinaus. Weil man ein Buch, wenn man es einmal auseinandergenommen hat, nie wieder zusammengesetzt bekommt. Nicht so, wie es einmal war. Also belasse ich es bei den ersten beiden Schritten, für den dritten ist hier jeder selbst zuständig. Das ist ein Blog für fortgeschrittene Leser.

    Ich versuche mich also an einer neuen Form. Aber wie? Ich könnte die Handlung beschreiben, einige Personen, ich bringe das eine oder andere Zitat und schließe eigene Gedanken an. Dann hätte ich die klassische Rezension, parzelliert in eine Handvoll übersichtlicher Beiträge. Das will ich gerade nicht. Gebe ich hingegen keinerlei Anhaltspunkte zu Handlung und Personage, schließe ich Leser von der Möglichkeit zu Kommentaren aus. Das will ich natürlich auch nicht. Ich werde ein wenig experimentieren müssen, wie früher im Chemieunterricht. Obwohl offiziell Deutsch die  Unterrichtssprache in meinem Gymnasium war, wurden einige Fächer auf Rumänisch unterrichtet, Chimie, Fizică und natürlich Română. Engleză und Franceză wurden in der jeweiligen Originalsprache unterrichtet. In Sport gab’s vor allem Geschrei, in allen gängigen Sprachen. Mein Wortschatz in Chemie ist also mangelhaft. Außer dem, allerdings sehr zentralen Wort „explodieren“ habe ich kaum Chemievokabeln parat. Sollte jemand sich zu dieser neuen Präsentation äußern wollen, fordere ich ihn hiermit dazu auf. Es halte sich keiner zurück, den es zum Sprechen und Schreiben drängt.

    Ich hatte mir einmal vorgenommen, dass ich für das Blog nicht auf wissenschaftliche Literatur zurückgreife und keine Sekundärliteratur lese. Weil ich davon schon zu viel lese. Bei Faulkner bin ich geneigt, eine Ausnahme zu machen. Ich werde sie nicht machen, weil die Lektüre weiterer Wälzer derzeit nicht in meinen Arbeitsplan passt. Aber ich habe ein paar sehr interessante Sachen im Katalog bei den Grimms gefunden. Wer sich auf die Suche begeben möchte, kann das hier tun.

    Ich bin, wie viele andere auch, auf der Suche nach Autoren, bei denen ich eine Ähnlichkeit mit mir, meinen (Roman-)texten und meinem Streben erkennen möchte. Diese Ähnlichkeit sehe ich bei Faulkner. Die Verwandtschaft Faulkner und Torik ist vielleicht nur eine gewollte, eine eingebildete. Umso besser! Je größer die Vorbilder, desto näher sind sie. Etwas rückt, je größer es ist, nicht weiter weg. Im Gegenteil, die Lehre von der Perspektive zeigt, dass entfernte Dinge klein sind. Größe hingegen ist ein Zeichen von Nähe.

    Was beeindruckt mich an Faulkner? Sicher nicht sein Hauptthema: das Amerika der Südstaaten, zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, die Rassenproblematik, die Sklaverei, die Nigger, ein Wort, das in geradezu penetranter Weise in seinem Werk wiederholt wird. Mich beeindruckt vielmehr, was sich davon in die heutige Welt mit hinübernehmen lässt. Als Trauma oder Schuld, die sich in den Personen und Charakteren eingeschrieben haben, ob sie nun im eigentlichen Sinne Täter sind oder den Ereignissen tatenlos zuschauen. Auch das lässt sich in seinen Romanen schön beobachten: es gibt Ereignisse, in die kann man nicht eingreifen. Das erfährt man zwar auf eine abstrakte Weise, wenn am Samstag die Lottozahlen ermittelt werden, aber nicht alles, was man erfährt wird auch zu einer Erfahrung. Vielleicht macht man im Leben sogar nur wenige echte Erfahrungen. Bei Faulkner kann man so eine Erfahrung machen. Man erfährt, wie die Ereignisse um Joe Christmas sich langsam verdichten, sie schnüren diesen Mann immer weiter ein und drücken ihn zusammen, bis sie ihn schließlich vernichten.

    Angeblich hat Christmas Joanna Burden, mit der er jahrelang ein Verhältnis hatte, getötet und ihr Haus in Brand gesteckt. Sicher ist das nicht. Es könnte auch Joe Brown getan haben. Christmas und Brown leben zusammen in einer Hütte hinter dem Haus von Joanna Burden. Sie arbeiten gemeinsam in einem Hobelwerk und verkaufen illegal Whiskey. Brown wird sturzbetrunken am Tatort gefunden wird und will einen zufällig am Tatort Mann daran hindern, das Zimmer zu betreten, in dem die Leiche Joanna Burdens liegt. Brown ist der Tatverdächtige, kann das Blatt im Verhör aber wenden, als er sagt, dass Joe Christmas möglicherweise, (ich zitiere dieses Wort, das in den Mund zu nehmen ich ablehne) „Niggerblut“ in den Adern hat. Von diesem Zeitpunkt an wird die Täterschaft Christmas kaum mehr in Frage gestellt.

    Am Ende wird Joe Christmas gelyncht. Er wird erschossen und von seinem Mörder bei lebendigem Leibe kastriert. So wenig wie ihm die Tat nachgewiesen werden konnte, so wenig ist seine tatsächliche Herkunft geklärt. Christmas weiß nicht, ob er schwarze Vorfahren hat und, soweit ich das verstanden habe, weiß es auch der Erzähler nicht. Es ist der Person nicht anzusehen und von daher ist es eher unwahrscheinlich. Dennoch ist diese Unsicherheit das Trauma seines Lebens, da er das als Mangel an Identität empfindet. Die Wahrheit daüber verschwindet dann in den Umständen, in einer sich zunehmend verdichtenden Gegenwart, wo es dann plötzlich so ist wie es aussieht: da ist Christmas dann halb „Nigger“ und er hat Mrs Burdon getötet.

    Die Dinge, die Umstände, die Personen meinetwegen, sind nicht einfach aneinander gekettet, wie auf einer Perlenreihe, wo man sich nur von vorne nach hinten durchzählen müsste, um die Zusammenhänge zu begreifen. Die eigentlichen Verkettungen liegen jenseits des Sichtbaren und Greifbaren. Jenseits auch des einfach Erzählbaren. Das mehrt sich durch die mehrfache Erzählung. Darin möchte ich die eigentliche Kunst dieses Autors erkennen: die Erschaffung eines Sinns ist nicht an eine Person gebunden. Oder eine Perspektive. Das brennende Haus hat einen anderen Sinn, je nachdem ob es einfach nur brennt, ob jemand darin verbrennt, ob ein Mordopfer darin verbrennt, ob es der mögliche Mörder ist oder ob der mögliche Mörder ein Konkurrent in der Liebe um eine Frau ist. Und so liest man sicher zwanzig oder dreißig Mal von dem brennenden Haus. Und jedes Mal enthüllt es, während es abbrennt, andere Details der Geschichte. Eine andere Wahrheit. Wahrheit ist nicht die absolute Wahrheit, sondern die Wahrheit der Verhältnisse, die sich nicht haben überwinden lassen. Das sind die Verkettungen, in denen wir auch heute noch existieren: Wahrheit, die nicht unsere Wahrheit ist, sondern nur eine unter anderen, aber die einzige, die greifbar ist.

    Die Überschrift zu diesem Artikel stammt aus Faulkners Nobelpreisrede. Vollständig lautet der Satz: “I believe that man will not merely endure: he will prevail. He is immortal, not because he alone among creatures has an inexhaustible voice, but because he has a soul, a spirit capable of compassion and sacrifice and endurance.”

    Ich habe das entdeckt als ich zufällig auf die Besprechung von Katharina Dittes bei Literaturkritik stieß, wo ich auch schon einmal etwas geschrieben habe. Sie macht da einige schöne Bemerkungen zu der neuen Übersetzung, hier.

    William Faulkner
    Licht im August
    Rowohlt Verlag, 480 Seiten
    19,90 €
    ISBN 978-3-498-02068-2

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.