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  • bersarin: Es muß natürlich, entdecke ich beim zweiten Lesen, Monika Rinck heißen. Ich kann mir Namen nie merken.
  • Aléa Torik: Ja, Bersarin, seinerzeit hat‘s ziemlich gut funktioniert: es war Literatur und die Leute waren mittendrin. Manche, ohne es zu merken. Manche haben hinterher zufrieden gelächelt, weil sie bei etwas Neuem mitgemacht haben. Oder weil sie selbst zu einer Art literarischer Figur dadurch...
  • bersarin: Literarisches Bloggen, liebe Aléa Torik, funktioniert durchaus. Freilich nur bei den wenigsten. Das meiste, was geschrieben wird, stammt aus dem Klein-Klein der Halbgarküchen, ist Poesiealbumsprosa von Minderleistern, Befindlichkeitsscheiße ohne Form. Ich schreibe dahingehend und als...
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  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, Du hast überschüssige Energie!? Da werden Dich viele drum beneiden, umso besser also, wenn sie in etwas fließt, was Sinn zu machen verspricht. Was soll man also dazu sagen? Ich sage: Es lebe die Literatur! Und Gratulation natürlich zum vollzogenen Ausstieg aus...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, verflixt, hab‘ ich schon wieder Recht? Ich kann sagen, was ich will, ich habe immer recht. Dabei schrieb ich das eigentlich, um zu provozieren. Entweder lässt sich keiner provozieren oder die Provokation im Netz ist so allgegenwärtig, dass man zu ganz anderen Kalibern...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, da triffst Du mal wieder den Nagel auf den Kopf wie die Faust das Auge: fiktional und ein Sein als solches hat ein literarisches Blog zu sein und nicht einfach noch ein weiterer Mitspieler auf dem Markt- und Kampfplatz realer Eitelkeiten. Als Schriftsteller:in...
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  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, noch habe ich Deinen Essay ja nicht gelesen – kommt aber noch! Bin gespannt wie ein Flitzebogen! Und was meine durch eigenes Lesen hervorgerufene Belebung von Texten inzwischen leiblich von uns gegangener Autor:inn:en angeht, so ist es nicht Trost, den ich da...
  • Aléa Torik: Lieber holio, Sie haben recht, die Politik lassen wir hier außen vor. Richtig glücklich bin ja auch nicht mit dem Etikett der Postmoderne. Aber irgendwie müssen wir es ja benennen. Sagen wir Transmoderne. Die wesentliche Information ist allerdings angekommen, schon lange: dass Sie...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • 26 Oktober 2014

    Zu ‘Das Geräusch des Werdens’: „Großartig wie eindrücklich die Autorin ihre Figurenwelten zum Leben erweckt“

    Ich habe einen Brief bekommen, wie die meisten Briefe heutzutage als Mail verkleidet, in dem Katja und Laura von aboutsomething auf ihre Besprechung meines ersten Romans hinweisen. Beide waren von Aléas Ich ja geradezu begeistert. Auch hier, so schrieben sie, seien sie „wieder sehr beeindruckt von Ihrer Erzählkunst. Mich fasziniert ihr Gefühl für menschliches Befinden, für verschiedene Persönlichkeiten und Ihre Fähigkeit Ihren Figuren diese Glaubhaftigkeit und große Charaktertiefe zu verleihen, die weder anstrengend noch bemüht wirkt. Obwohl Sie so viele Handlungsfäden und Menschenleben verknüpfen, rutschen Sie Ihnen beim Erzählen nie aus der Hand, alles fügt sich zusammen. … Ein ganz tolles Leseerlebnis.“ Der Brief schloss mit den Worten: „Wir wünschen Ihnen, dass diejenigen Leser sie entdecken, die ein Gefühl für Erzählkunst und besondere Bücher haben – abseits vom immer gleichen literaturbetrieberprobten Einerlei.“ Genau das wünsche ich mir ebenfalls.

    Hier findet sich der ganze Artikel.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    28 Juli 2013

    „Die ganze rumänische Mythologie“

    René Hamann hat in seiner Rezension von »Aléas Ich« von einem oberflächlichen Literaturbetrieb gesprochen, der „auf Verwertung scharf“ ist, „auf Abbildungskarrieren. Auf interessante Biografien.“ So ähnlich sind meine Erfahrungen auch. Es geht selten um den Text.

    Ein großer deutscher, ein sogenannter Publikumsverlag schrieb mir, dass in meinem ersten Roman »Das Geräusch des Werdens« meine Figuren sehr gut gezeichnet seien, mit viel Liebe, und das ich „ausgesprochen begabt“ sei. Aber, und das führte dann zur Ablehnung: „die ganze rumänische Mythologie in dem Buch, das kann kein deutscher Leser verstehen“. Nun: die Autorin versteht die ganze rumänische Mythologie in dem Roman auch nicht. Was möglicherweise dem Umstand geschuldet ist, dass sie einfach nicht drin ist, die rumänische Mythologie – genauso wenig übrigens wie die Autorin, die ist auch nicht drin. Es handelt sich um einen Roman, also um erfundene Ereignisse, die sich nicht um die Autorin drehen wie die Erde um die Sonne -. Möglicherweise allerdings liegt es auch daran, dass die rumänische Mythologie einfach unverständlich ist.

    Mir geht es nicht darum, jemanden zu diffamieren – im Gegenteil, ich habe für diffamierende und denunzierende Charaktere nur Verachtung übrig -, sondern um eine Diskussion darüber, inwieweit das, was wir zu erkennen meinen, nicht einfach unsere Projektionen sind. Der vermeintlich authentische, der faktische Autor oder der faktische Rezensent, der faktische Text und der ganz objektiv seines Amtes waltende, ehrliche Leser, der vom Autor nicht betrogen werden will: alles wunderbare Fiktionen aus dem Reich der Märchen und Mythen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    25 Februar 2013

    „Aléa Torik ist ein großer Roman geglückt“

    Genauso sehe ich das übrigens auch: dass es geglückt ist. Mit noch den besten Absichten kann man keinen guten Roman schreiben. Das muss einem vielmehr glücken. Dieses Glück ist etwas, das den Einzelnen, und das, was er erreichen kann, übersteigt. Es mag wunderschön sein für die verletzte, an Anerkennung arme Autorenseele, wenn er oder  sie sich einreden oder einreden lassen kann, man sei ein großer Autor. Aber das trifft nicht den wesentlichen Punkt. Und dieser Punkt lautet: dass der Text seinen Produzenten übersteigen muss. Realistisch formuliert heißt das: was da steht, das steht nur deswegen da, weil da nicht Besseres steht. Also hat Bersarin in seiner Beprechung von Das Geräusch des Werdens absolut recht.

    Wenn er sagt, dass dieser Text nur von einer Frau geschrieben werden konnte, dann bin ich auch da seiner Meinung, auch wenn wir beide meinen, dass die Literatur geschlechtsneutral funktioniert, Längen- und Breitengradeninvariant. Auch darüber wird übermorgen zu reden sein, im schönen Literaturhaus in der Fasanenstraße.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    19 Februar 2013

    Jetzt muss ich mich auch noch duellieren

    Schriftsteller brauchen enorm viele Begabungen und Fähigkeiten. Eine sichere Hand gehört dazu.

    Ich freue mich sehr, dass es eine ausführliche Besprechung auf Aisthesis geben wird. Formulierungen wie die Folgende, zeigen mir, dass da ein sehr ähnliches Textverständnis vorherrscht: „Die Identität des Textes hängt an keinem Fixpunkt. Autorinnen und Autoren sind keine Marionetten, aber sie sind ebensowenig die Marionettenspielerinnen oder -spieler, sie strukturieren in letzter Instanz das Feld des Textes nicht. Sie erzeugen den Überfluß des Textes und treten darin und dahinter zurück.“

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    09 November 2012

    Das Geräusch des Werdens – Auf MDR Figaro

    Es gibt eine Rezension auf auf MDR Figaro. Ein „Ein lebenskluges und zugleich poetisches Buch“ , heißt es dort über mein Debut.  Ich musste das leider herausnehmen. Ich habe wohl etwas falsch verstanden. Ich nahm an, ich dürfe es verlinken, aber ich durfte nicht. Das neue Buch – Aléas Ich - ist allerdings nicht in Arbeit, wie es da heißt, es ist schon wieder außerhalb. Das spätere Buch, der Stoff kommt auf der einen Seite herein, bleibt anstandslos  zwei oder drei Jahre drin und geht dann, mit Anstand angereichert, auf der anderen Seite wieder heraus. So ist das Romaneschreiben.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    04 Juli 2012

    «Das Geräusch des Werdens» – «Le bruit du devenir» – Roman sur la perception du monde

    Im Folgenden eine Besprechung meines Romans von Martine Rémon. Das ist in einem Newsletter des Goethe-Institutes erschienen, leider nicht online greifbar. So werden Verleger in Frankreich über Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt informiert. Der Weg in eine andere Kultur und Sprache ist ein langer und die wenigsten Schriftssteller_innen können und dürfen ihn gehen. Ich habe gestern die Erlaubnis der Autorin bekommen, das hier einzustellen und ich bedanke mich herzlich dafür!

    Das zu lesen ist wie Urlaub im Elsass, mit einem schönen, von einigen Wolken durchzogenen Himmel und der frischen französischen Luft. Abends sitzt man in einem Restaurant bei einem Glas Weißwein und schaut aus dem Fenster auf den Boulevard, wo es gerade zu regnen beginnt. Ich hoffe, Sie können sich das vorstellen!

    «C’est un grand jour pour Marijan. Une galerie berlinoise expose un choix de photographies qu’il a prises après qu’un inconnu lui a fait cadeau d’un appareil photo. Jusque-là rien d’extraordinaire, excepté que Marijan est aveugle. Il a perdu la vue à l’âge de treize ans suite à une attaque virale. Afin de lui donner le maximum de chances de se débrouiller dans la vie avec son handicap, sa mère vend la maison familiale située à Mărginime, un village des Carpates, en Roumanie, pour aller vivre à Berlin. Elle meurt accidentellement l’année des vingt ans de Marijan, et peu après le jeune homme fait la connaissance de Léonie. C’est elle qui a l’idée d’exposer les photographies. Invité à prononcer quelques mots d’introduction le jour du vernissage, Marijan évoque d’abord sa cécité puis son village natal.

    «Au début, quand je suis devenu aveugle, je n’arrivais pas à distinguer une belle journée d’un jour maussade. Je ne voulais pas que le soleil brille. Je voulais qu’une chose uniforme domine les changements continuels de temps. Le temps comme une constante, une pression atmosphérique non déterminée, une purée grise. Je me suis mis à aimer la pluie seulement des années plus tard, à Berlin. J’adore quand elle me réveille. Dans la nuit, quand il fait noir dehors. Alors je me lève, j’ouvre la fenêtre, j’épie. Ce qui n’était qu’un espace vide avant, se remplit de bruits. Ce qui était sans vie, s’anime. Des esquisses, des structures, des contours se dessinent. Les objets deviennent perceptibles, une continuité là où n’existaient avant que des découpures et des associations, de simples fragments. […] Ce n’est pas d’avoir perdu la vue qui est inquiétant, c’est ce que voient les autres».

    Petit à petit Marijan s’efface et les voix de son village se mettent à parler. Elles retracent sur trois générations la vie des habitants, leurs joies, leurs espoirs, leurs déceptions, leurs parcours tortueux dans une narration très aléatoire. Il y a là Valentin, qui rêve de partir à Paris, la «ville de la jeunesse éternelle», comme il croit l’avoir décelé dans les récits de Svetlana, son institutrice. Ioan, fils, petit-fils et arrière-petit-fils de cordonnier, désigné pour être le maire du village. Parti un temps «à la ville», il revient avec Nicolae, l’enfant né de sa liaison avec Lydija qui les a abandonnés. Il y a là Emil et Dora, les parents inconsolables: leur fille Krisztyna, 15 ans, a brusquement disparu. Depuis, il semble qu’une malédiction frappe le village. Sans oublier les étranges «jumeaux» Varian I et Varian II, dont l’un, le père de Marijan, sombre lentement dans la folie. Une folie discrète, présente elle aussi chez Maddox, l’ami de Léonie. Ces destinées s’entrecroisent dans une chronologie et des lieux décalés. En refermant le livre, on est comme ces gens venus assister au vernissage qui, à la fin du récit de Marijan, en sont presque à se disputer sur ce qu’ils viennent d’entendre. Chacun y a perçu un détail, une atmosphère, un bruit du cœur à travers sa vision personnelle du monde.

    LE COUP DE COEUR: Parabole, conte ou chronique sociale, ce premier roman inclassable joue des multiples registres de la langue et des sentiments sur une note fondamentale poétique et mélancolique. Le sujet d’inspiration n’est certes pas nouveau, Marijan a des prédécesseurs non fictionnels, notamment les photographes aveugles Evgen Bavcar, Paco Grande, Flo Fox ou Toun Ishii. Aléa Torik construit ce roman autour de la perception du monde à travers des sons, des vibrations, des parfums. On sait que chez les personnes ayant perdu la vue tardivement, le cerveau active d’autres zones qui permettent de retransformer ces perceptions dans une sorte d’image basée en partie sur des souvenirs.

    LA CRITIQUE: «Un roman exceptionnel, d’une maturité incontestable, écrit dans un allemand impeccable» (Frankfurter Allgemeine Zeitung) -«Un réalisme précis, une musicalité poétique, une fable surréaliste» (Berner Zeitung)

    L’AUTEUR: D’après l’éditeur, d’origine roumaine, née en 1983 en Transylvanie, études littéraires. «Das Geräusch des Werdens» est son premier roman. Nous ne savons pas qui se cache réellement derrière Aléa Torik, dont le pseudonyme n’est pas sans rappeler la musique aléatoire, «une musique présentant un certain degré d’indétermination pouvant affecter soit sa structure globale, soit un ou plusieurs de ses paramètres, sinon tous, une musique où les techniques des jeux de hasard sont considérées comme un processus compositionnel.» (in: Encyclopédie Larousse.)»

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    30 Juni 2012

    „Das Geräusch des Werdens“ – In der WAZ

    Das war eine schöne Überraschung gestern, der Artikel in der WAZ von Britta Heidemann. Anders als die anderen, legt sie vor allem Wert auf den spielerischen Aspekt, auf meinen Spieltrieb. Sie sagt, dass ich besser spiele als alle anderen. Dass dies auch eine sehr ernste Veranstaltung ist, steht dort ebenfalls, eines der „aufregendsten Romanedebüts des Jahres“ heißt es. Wenn es nur ein kurzer Artikel ist, freue ich mich doch über die klugen und sensiblen Worte, mit denen Frau Heidemann es  geschrieben hat, ohne Unterstellung übler Absichten, sich einzig für die Literatur interessierend: also nicht mich hinter den Worten suchend, mich und die Vorstellungen, die ich beim Schreiben hatte, sondern ihre eigenen Vorstellungen dabei suchen. Das ist Lesen: suchen, versuchen und versuchend. Das ist das Lesen und die Leser, die ich mir wünsche.

    Leider muss jetzt wieder in meinen alltäglichen Wahnsinn. Oder glücklicherweise, das kann man ja oft gar nicht voneinander trennen. Ich muss am Sonntagabend das Manuskript für  Aléas Ich beim Lektor abgeben. Das wird noch öfter passieren in den kommenden Monaten. Neben einigen Lücken, fehlenden Textstücken, neben einigen noch nicht deutlich ausgearbeiteten Passagen, noch nicht endgültig ausgefeilten Motiven, Schwächen in Darstellung und Sprache und neben noch einigen anderen Kalamitäten – unfertige Texte sind eine Ansammlung von Ungereimtheiten, Ungereimtheiten und Ahnungen großer Entwicklungen, die es nehmen könnte, wenn …, ja wenn … – fehlen noch zwei Kapitel, eines habe ich gestern entnervt gelöscht und ein anderes muss ich, weil ich das eine gelöscht habe, neu schreiben, weil ich diese Entwicklung brauche, das gelöschte brauche ich aber auch. Vor allem brauche ich einen Abschnitt, sechs, sieben Formulierungen. Ich brauche die dringend! Und ein Frühstück brauche ich jetzt auch.

    Hier finden Sie den Artikel. Leider funktioniert der Link dort auf meinen Blog nicht.

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    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    12 Juni 2012

    „Că numai la zgomotul devenirii îmi pot eu da seama că este ceva“

    Über die Rezension von Mircea M. Pop freue ich mich natürlich ganz besonders! Hier finden Sie den Text in Gänze.

    Heute den ganzen Tag lang: Hetze! Die Zeit in diesem Land hat manchmal die ausgesprochen unangenehme Eigenschaft, einem davonzulaufen. Und wohin? Man weiß es nicht! Die Zeit ist dann einfach nur weg.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    02 Juni 2012

    „Das Geräusch des Werdens“ – Im Berliner Tagesspiegel

    Ich freue mich über diese Rezension. Die Vorgänge im Roman ereignen sich zu einem nicht geringen Teil hier in Berlin. Dafür müssen sich mindestens die Berliner Zeitungen und ihre Leser interessieren. Andernfalls wäre das so, wie wenn der Bundesfinanzminister sich nicht für Zahlen interessierte.

    In dem Artikel werden einige Punkte angesprochen, die mir sehr gefallen. Das ist von „magisch fantastischen Kombinationen“ die Rede, was ich als einen Anknüpfungspunkt an die südamerikanische Literatur lese, die ich sehr schätze. Als Referenztext wir Gabriel García Márquez Hundert Jahre Einsamkeit genannt. Ein Buch, dessen Lektüre ich allerdings abgebrochen habe. Ich schätze Julio Cortázar und José Lezama Lima. Aber ich habe mich über diese Nähe gefreut. Angesprochen wird auch, was meines Wissens noch keiner angesprochen hat: dass der Text, was nicht auf den ersten Blick zu bemerken ist, von obskuren Zufällen nur so strotzt. Vollkommen überraschend war für mich, dass von Mut und meiner Unbekümmertheit gesprochen wird „mit der die Autorin Genre- und Schreibkonventionen über den Haufen fabuliert“. Den ‚Haufen‘ finde ich großartig, auch wenn ich mich selbst eher als abgebrüht, denn als unbekümmert bezeichnen würde.

    Bei allem Positiven ist da auch ein kritischer Unterton zu spüren. Beispielsweise das Motiv der verschwundenen 15-jährigen Krisztina. Ich höre das nicht zum ersten Mal, dass diese Figur als zu wenig konturiert empfunden wird. Sie wird meist nur nebenbei beschrieben, außer in dem Kapitel des Vaters, der über nichts anderes spricht als seine Tochter. Aber sie hat kein eigenes Kapitel und der Leser erfährt auch nicht, was aus ihr geworden ist. Und das wird beklagt: „Leider gewinnt die Figur inmitten der Überfülle der anderen Schicksalsschilderungen kaum Kontur.“ Ich habe das allerdings in voller Absicht so gemacht und das ist auch exakt, was ich hervorrufen wollte: Man geht ja nun einmal nicht, wenn jemand verschwunden ist – sei es, dass er von zu Hause abgehauen ist, sei es, dass ihn der Geheimdienst geholt hat – irgendwohin und kann dann mehr erfahren. Man geht nicht zur Securitate und klopft da und fragt nach Informationen, damit man sich ein besseres Bild machen könne, wie genau der Betreffende verschwunden ist. Diese fehlende Konturierung ist beabsichtigt. Möglicherweise kommt das eben nicht so an, wie ich das gerne gehabt hätte. Aber vor allem: im Zentrum Marijans, des Blinden, der nicht nur die Rahmenhandlung hergibt, sondern in der Mitte des Textes steht, wird eine Erfahrung beschrieben, die für alle anderen Personen als Lektürehinweis gelten soll. Es ist weit mehr als eine äußere Beschreibung der Blindheit. Ich wollte eine Blindheit, die der Leser spüren soll – deswegen fehlen so große Teile zwischen den einzelnen Kapitels: es fehlen Personen, es fehlen Jahre und es fehlen auch Erfahrungen. Deswegen fehlt Krisztina. Und deswegen beschweren sich die Leute bei mir, dass die Figur zu wenig Kontur hat.

    Richtig aber ist, und die Kritik ist eine nicht zu unterschätzende, dass bei mir, anders als bei vielen anderen osteuropäischen Autorinnen – genannt wird Terézia Mora  – die Brutalität des Epochenwandels nicht direkt zur Sprache kommt. Das habe ich mir teilweise aufgespart für das kommende Buch. Teilweise wird es auch angesprochen: Wenn ich mir das Kapitel Saubere Fingernägel und ein wohlproportionierter Bizeps brachialis anschaue, meine ich, dass da genügend Brutalität drin ist.

    Insgesamt ist das eine sympathische, eine sympathetische Kritik. Ich finde, es gibt im Feuilleton nur zwei verschiedene Arten mit den Büchern anderer umzugehen: eine offene, neugierige und interessierte: die darf kritisieren. Und dann gibt es die desinteressierte, die alles besser weiß und die die eigene Auffassung für das Maß aller Dinge hält. Die muss kritisieren. Weil sie nichts andres kann. Ich habe also Glück mit der Besprechung von Gisa Funck, die man hier in Gänze lesen kann.

    Ich habe dauernd Glück. Demnächst werde ich schon wieder Glück haben. Das reicht mir langsam.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    21 April 2012

    Ich habe Besuch und wir amüsieren uns königlich

    Holio initiiert nicht nur Gerüchte, er lässt auch Taten folgen. Zuerst wird Reisende auf einem Bein mit Das Geräusch des Werdens verglichen.

    “Irene zog langsam ihre Kleider an, wollte sich erinnern, wie sie nackt geworden war.” (RaeB 110.-5). Leonie: “Ich konnte mich nicht erinnern, meine Sachen ausgezogen zu haben. Jedenfalls konnte ich mich nicht genau erinnern.” (DGdW, 77.-12).

    Und dann Der König verneigt sich und tötet, hier.

    Die Nähe mancher Formulierung ist geradezu beängstigend.

    Marijan: “Woher willst du das wissen? Ich kann nicht schwimmen.” (DGdW 15.-14). “Wahrscheinlich wagte ich mich vertrauend aufs Grasland ins tiefe Wasser hinein, ohne daran zu denken, dass ich nicht schwimmen kann.” (DKvsut 95.-3).

    Hochinteressante Koinzidenzen!

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    28 März 2012

    Was ist auf den Bildern des blinden Fotografen zu sehen?

    Ich wurde gefragt, was in Das Geräusch des Werdens auf den Fotos des Blinden zu sehen ist. Ich würde mich gerne aus der Affäre ziehen, indem ich zurückfrage: Woher soll ich das wissen? Ich habe sie nicht zu Gesicht bekommen. Das beschreibt der Roman nicht, weil es nicht zu seinem Bestand gehört. Ich assoziiere:

    In der Ausstellung sind, heißt es auf der ersten Seite, 28 Bilder zu sehen. Wir haben 28 Kapitel. Also ist jedes Kapitel ein Bild.

    Was ist auf den Bildern eines Blinden zu sehen? Vielleicht muss man blind sein, um das sehen zu können. Das scheint ebenso paradox wie ein Blinder, der ausgerechnet fotografiert. Aber wie soll man sich einem Paradoxon nähern, wenn nicht auf adäquate Weise? Es ist ja nicht an sich paradox, sondern nur unter den rationalen Bedingungen.

    Diesen wenigen Bildern stehen sehr vielen gegenüber: Holio hat ausgerechnet, dass Marijan 28.000 Bilder gemacht haben muss. Im Roman allerdings macht er nur ein einziges, vielmehr erleben wir ihn nur bei einem. Er macht ein Bild von Leonie. Ich empfinde das nicht als einen logischen Widerspruch, sondern als eine produktive, die Phantasie anreichernde Leerstelle.

    Ich weiß nicht, was auf den Bildern zu sehen ist. Irgendwo, ich glaube in dem Kapitel, da Marijan die Kamera geschenkt bekommt, heißt es: jeder sieht doch etwas anderes. So ist das bei diesen Bildern auch. Die meisten Fotos auf dieser Welt haben wohl ein eindeutiges Objekt, eine Person, eine Sache oder etwas Ähnliches. Das könnte bei diesen Bildern anders sein.

    Was ist auf einem Bild zu sehen? Jeder sieht doch etwas anderes. Je nachdem, ob man das das Weiße oder das Schwarze des Bildes sieht, sieht man eine Vase oder zwei einander gegenüberliegende Gesichter, das sind sogenannte Kippbilder.

    Der Roman endet damit, dass Marijan, der nur, sozusagen, die fünf Kapitel seines Vortrages kennt, die anderen dreiundzwanzig dieses Romans also nicht, denkt, dass die Menschen nur seine Worte gehört haben, sich aber eigene Bilder und Vorstellungen dazu machen, dass man die dürren Worte mit eigenen Vorstellungen anreichert. Das hieße, dass die anderen Kapitel, die hier als der eigentliche Bestand des Romans erscheinen, nicht anderes sind, als die Vorstellungen der Zuhörer auf der Ausstellung. Wirklich wäre dann nur die Ausstellung. Man reichert die Worte mit Bildern an, um, wie Marijan das sagt, nicht selbst zu erblinden. Das ist sowohl eine Sprachtheorie als auch eine Theorie über Bilder und Vorstellungen.

    Was ist auf den Bildern zu sehen? Es ist eine Frage von Sehenden! Aber es sind die Bilder eines Blinden! Der macht sie vielleicht nicht, um willen dessen, was da zu sehen ist, denn er sieht es ja nicht. Sonder um willen des Momentes, da er sie macht. Um des Machens willen.

    Warum hat Maddox die Bilder ausgewählt? Kann das sein, dass er nicht ausgewählt hat, also kein Kriterium hatte, was, wie Leonie betont, unmöglich ist?

    Im letzten Kapitel heißt es, ein Besucher habe ein Bild gekauft. Wie hat er das ausgewählt? Warum einer? Wer ist das? Welches Bild hat er gekauft?

    Leonie sagt einmal, Marijan mache immer dann ein Foto, wenn sie keines machen würde. Im letzen Blindenkapitel sucht Marijan eine Erklärung für das, was er eigentlich fotografiert, ich zitiere „Zu Anfang wusste ich überhaupt nicht, was ich eigentlich fotografieren wollte. Ich hatte ja keine Motive außer dem einen großen Motiv, meiner Blindheit zu entkommen. In den ersten Monaten mit der Kamera, als ich feststellte, dass ich nicht alles sehen konnte und etwas ganz Spezielles nicht hatte sehen wollen, entschied ich mich für etwas Drittes: das dazwischen Liegende. Ich wollte keine Objekte fotografieren. Die konnte ich sowieso nicht sehen. Ich wollte nicht etwas und ich wollte nicht nichts fotografieren. Ich wollte nicht das Sehen und auch nicht die Blindheit abbilden. Deswegen habe ich mich für das Dazwischen entschieden. Ich wollte die Zwischenräume fotografieren. Für Räume habe ich ein gutes Gespür. Das Ergebnis können Sie nun betrachten. Ob Sie allerdings das von mir Erzählte erkennen, ob Sie das Entgegengesetzte erkennen oder möglicherweise ebenfalls ein Dazwischen, das wird sich zeigen.“ Ich wüsste nicht, was ich dem hinzufügen sollte.

    Wir fotografieren immer das, was wir sehen. Das erscheint uns selbstverständlich. Weil man ja etwas anderes gar nicht fotografieren kann. Das erscheint auch selbstverständlich. Außer in der Kunst, wenn man einem Bild zu entlocken versucht, was nicht auf den ersten Blick zu sehen ist. So ist das ja auch mit einem Roman, der sich als Kunst versteht: die Autorin will etwas zeigen, was nicht sofort zu sehen ist, sondern erst im Verständnis des Lesers entsteht. Und das können sehr wohl, wenn die Sache gut gemacht ist, Dinge sein, von denen die Autorin keine Ahnung hat.

    Was sieht man? Von allen Antworten, die ich hier gegeben habe, von allen Versuchen, gefällt mir diese am besten: man sieht die Offenheit des literarischen Kunstwerks für seine Interpretation. Nur indem einer sich fragt, was er sieht, sieht er etwas. Alles andere, das ungefragt Gesehene, ist unsichtbar.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    11 März 2012

    „Natürlich heißt niemand Aléa Torik“ I

    Ich bin überaus glücklich mit dem Artikel von Nicole Henneberg, dem diese Formulierung, die Überschrift, entnommen ist! Nicht allein, weil mein Buch da gut wegkommt, sondern weil sie ausnahmslos alle mir wichtigen Umstände benennt.

    Im Zentrum meines Romans steht ein Blinder: einer, der sich seiner Sache, seiner sinnlichen Wahrnehmungen, nicht sicher sein kann. Das ist eine zutiefst verstörende Erfahrung. Dann ist Krisztina angesprochen, die beinahe zentrale Figur, die wiederholt erwähnt, aber nie richtig thematisiert wird; die sich bis zuletzt entzieht und den Leser zwingt, sich seine eigenen Phantasien zu machen. Dadurch versetze ich den in die Situation eines Blinden. Das ist es, was das Buch können muss, seine innerste Absicht: einem Sehenden die Erfahrung des Blindseins zu vermitteln. Dann haben wir die schöne Formulierung über Maddox: „Je tiefer ihn etwas berührt, desto vorsichtiger wird er“. Außerdem werden die beiden mir liebsten Kapitel genannt: das über Berlin, über den Überfluss und die Liebe – Der Salon Sucre – und das der Hellseherin Lydija, das, weil hier die Gegensätze zwischen Vergangenheit und Zukunft aufgehoben werden, am schwierigsten zu schreiben war. Frau Henneberg benennt, wie das erste und das letzte Kapitel zusammenhängen und spricht dabei jene Stelle an, von der ich befürchte, dass die meisten Leser sie übersehen: wenn am Ende des Vortrags des blinden Marijan angedeutet wird, dass alles andere, alle Figuren dieses Romans möglicherweise gar nicht wirklich existieren, sondern nur als Einbildung der Zuhörer während des Vortrags . Was man sich eben so einbildet, um nicht selbst zu erblinden, heißt es da irgendwo sinngemäß. Dann ist da gleich zu Anfang die sensationell intelligente Thematisierung meines Identitätsthemas: der Hinweis auf meine Dissertation, wo ich mit den Begriffen Identität, Authentizität und Illusion den Kern von Fiktionalität zu beschreiben und zu begreifen versuche.  Und schließlich am Ende des Artikels die Frage: Stand Mircea Cărtărescu Pate? Sie können sich vielleicht erinnern, dass ich voller Bewunderung für den Mann bin.

    Ich kannte das Gefühl nicht, wenn ein anderer über einen schreibt. Jemand, der wirklich wissen will, was in dem Buch steht. Genau das ist der Umstand, der auch mich interessiert und den ich nur durch einen anderen erkennen kann. Man hat beim Schreiben Absichten und dann ändern die sich, mit oder gegen den eigenen Willen, dann verliert man sie aus den Augen und bekommt anderes in den Blick, das geht so hin und her und jahrelang. Am Ende ist es fertig und man weiß kaum noch, was man da eigentlich fabriziert hat. Das kann nur ein anderer wissen. Ein wohlwollendenden anderer, der nicht das hineinliest, was er gerne sehen will, sondern das heraus, was die Autorin sehen wollte. Der Text ist dann, im Idealfall, eine Art Leinwand, auf die beide, Leser_in und Autor_in gleichermaßen projizieren. Und projizieren müssen sie, denn die Leinwand ist im Grunde, bis auf die dürren Worte, einigermaßen leer.

    Das ist doch eine schöne Kuh auf dem Bild in dem Artikel, oder? Ausgeprägter Rücken und wahrscheinlich ein schönes Gesicht. Nicht so schön und stolz wie die Galloways, aber auch schön. Wäre allerdings dieses Bild verwendet worden, hätte wohl jeder gedacht: Mensch, die Torik hat aber schöne Locken!

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    10 März 2012

    „Das Geräusch des Werdens“ – Heute in der Literaturbeilage der FAZ

    Springen Sie aus dem Bett, lassen Sie alles stehen und liegen, rennen Sie aus dem Haus und kaufen Sie sich eine FAZ! In der heutigen Beilage zur Leipziger Literaturmesse findet sich eine Besprechung meines Romans.

    Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich darüber freue. Ich müsste Ihnen mein halbes Leben erzählen und das mache ich nicht. Sie müssen sich das stattdessen vorstellen. Das schult die Einbildungskraft! Aber bevor Sie die schulen, springen Sie aus dem Bett, lassen Sie alles stehen und liegen, kaufen Sie sich eine FAZ und lesen Sie den ausgezeichneten Artikel von Frau Henneberg. Meint die wirklich mich?

    Machen Sie das nicht! Bleiben Sie liegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich tatsächlich eine solche Besprechung an einem dermaßen exponierten Ort findet, ist so gering, dass es sich nicht lohnt das ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Das Ganze ist wieder mal ein Traum: Ich träume immer dasselbe. Gleich kommt meine Mutter und weckt mich. Ich muss zur Schule, wo ich neben Roxana sitze, die mir zum hundertsten Mal erzählt, dass ihr Bruder Dumitru sie tyrannisiert. Ich schlafe noch und träume wieder, dass ich eines Tages in Berlin leben und Schriftstellerin sein werde, dass ich einen Roman geschrieben habe und an einem zweiten arbeite. Ich bin sechzehn Jahre alt und liege im warmen Bett. Gleich kommt meine Mutter und weckt mich.

    Schlafen Sie weiter. Und sagen Sie meiner Mutter, wenn Sie sie auf der Treppe treffen, dass ich noch träumen möchte. Es dauert noch mehr als zehn Jahre, bis es soweit ist. Träumen Sie, dass Sie jemand mit dem unwahrscheinlichen Namen Aléa Torik kennen – der aber tatsächlich in meinem Personalausweis steht, die ein Buch geschrieben hat mit dem noch unwahrscheinlicheren Titel Das Geräusch des Werdens, der aber tatsächlich auf dem Cover steht. Träumen Sie, es sei eine Rezension in der FAZ erschienen. Und dann springen Sie aus dem Bett, lassen Sie alles stehen und liegen, rennen Sie aus dem Haus und kaufen Sie sich diese verdammte Zeitung: ich stehe da mit einer Besprechung drin. Herrgottnochmal! Wie oft muss ich Ihnen das denn noch sagen?!?

    Hier.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    05 März 2012

    „Das Geräusch des Werdens“ – Am Mittwoch im WDR 3 – Radio

    Die Besprechung meines Romans läuft am Mittwoch, den 7. 3. 2012 zuerst morgens in der Sendung Mosaik – 06:05 bis 09:00 Uhr – und dann in der Sendung Passagen – 12:05 – 15:00 Uhr -. Das sind Magazine mit Kurz-Beiträgen, die genaue Sendezeit ist nicht bekannt. Einen Tag später, sagte man mir, kann man sich die Rezension dann auch gezielt online anhören. Hier kann man sich einen Recorder herunterladen und die Sendung aufnehmen. Ich weiß nicht, wie lange das dauern wird, zwei, drei Minuten vielleicht, oder fünf oder zehn? Wir werden es sehen, nämlich hören. Ich bin sehr gespannt.

    Und hier kann man das jetzt hören. Das hat der Autor wirklich sehr schön gemacht!

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    15 Februar 2012

    Mysterium

    „Die tiefste Lehre Prousts – wenn Dichtung je belehrend sein kann – besteht darin, das Wirkliche in der Beziehung zu dem zu sehen, was auf immer anders bleibt zu dem Anderen als Abwesenheit und Mysterium“. (Emmanuel Lévinas)

    „Die Beziehung zum Andern, so betont Lévinas immer wieder, ist Ethik. Nur wenn diese wahrgenommen wird, kann der Andere als Anderer erscheinen. ‚Das absolut Neue ist der Andere‘. Nur in diesem ‚Ausgehen vom Anderen‘ wird der andere nicht objektiviert, kein Gegenstand des forschenden Wissens, der Deutung oder der vereinnehmenden Behandlung. Der Andere fordert zum Handeln in Güte heraus. … Nach Lévinas ist der Andere nicht etwas, das aus mir erwächst, sondern in mich einfällt.“ (Heinz J. Kersting).

    In diesem Zusammenhang schrieb mir Alice, von der ich Zitat und Stellenangabe habe: „In Ihrem Roman erlebe ich die Figuren in diesem Sinne oder mit der gleichen Haltung dargestellt: mit Liebe und Respekt, fast so, als würden Sie selbst sich den Zugriff auf die von Ihnen erschaffenen Figuren verbieten, denn diese sind frei, auch zu scheitern.“

    Das sind Formulierungen, die mich ganz ungeheuer freuen. Etwas in der Art empfinde ich ebenfalls. In der ästhetischen Formung fiktiver Figuren – eines Figurenensembles -, entzieht sich immer etwas. Das ist kein Fehler und auch keine Schwäche, sondern literarisch notwendig. Und das ist eine Art ethischer Grundierung. Diese Figuren sind insoweit frei, und also nicht an die Autorin gebunden, da sie tatsächlich auch scheitern können. Also nicht in ihrer Konzeption durch mich, sondern in ihrem Sein an sich.

    Das ist etwas, das ich dem Leben gegenüber habe, der Respekt, der aus dem Wissen stammt, dass man scheitern kann. Das muss ich als Autorin meinen Figuren mitgeben können. Das ist eine Intensität, die weit über Fragen von Handlungsaufbau, Plot oder Spannung hinausgeht. Ich muss meinen Figuren etwas mitgeben können, das über mich hinausgeht. Das ist das Mysterium.

    Ich glaube, mit diesen Formulierungen findet der langwierige Abnabelungsprozess von dem Roman wirklich zu seinem Ende! Deswegen ist das ein wichtiger Eintrag.

    Emmanuel Lévinas, Amour et révélation, In: Huot-Pleuroux, P. u.a. (ed.): La charité aujourd’hui. S.O.S, Paris 1981: S. 133-148. In: Heinz J. Kersting: Zirkelzeichen. Supervision als konstruktivistische Beratung. Wissenschaftlicher Verlag des Instituts für Beratung und Supervision (IBS) Aachen, 2002: S. 79.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
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    08 Februar 2012

    Veranstaltungshinweis: Lesung am 10. Februar 2012

    Am kommenden Freitag wird bei der Vernissage Stadt, Land, Fluss mein Roman „Das Geräusch des Werdens“ vorgestellt.   Es wird, wenn das technisch machbar ist, einen Mitschnitt dieser Lesung geben, den ich hier auf der Seite einstellen werde.

    Hier ist die Ankündigung. Wenn Sie kommen möchten, dann können Sie sich anmelden unter: ms(ät)schwindkommunikation.de

    19.00 Galerie SCHMALFUSS BERLIN Knesebeckstr. 96 VH 3. St. 10623 Berlin.

    Und der Tagesspiegel hat auch Wind von der Sache bekommen.

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    geschehn aus unablässigem Bestreben.
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    31 Januar 2012

    Irgendetwas mit Moschusochsen und Karibus

    „Die Autorin hält derzeit keine Lesungen und gibt keine Interviews“ heißt es in einer Pressemeldung über mich.

    Ich gehöre zu der möglicherweise im Medienzeitalter seltenen Spezies der Schriftsteller_innen die tatsächlich, was sie zu sagen haben, in ihren Büchern sagen. Und was ich darüber hinaus zu sagen und zu zeigen habe, zeige ich hier auf meiner Seite. Deswegen habe ich die. Halte mich jedermann ruhig für altmodisch, aber bitte niemand für unanständig: ich will tatsächlich Bücher schreiben und Bücher lesen.

    Ich möchte eines ganz bewusst nicht: eine Auseinandersetzung mit mir. Ich möchte eine Auseinandersetzung mit dem Text. Ich habe diesen Roman nicht aus Langeweile geschrieben und ich möchte, dass er auch nicht aus Langeweile gelesen wird. Wer nach der Lektüre eine Frage hat, der kann sie gerne stellen. Und ich hoffe, es ist eine Frage an den Text. Ich möchte als Literaturwissenschaftler_in und Schriftsteller_in wahrgenommen werden. Ich möchte erstgenommen werden. Und das kann ich nur über meine Texte erreichen.

    Soll ich in einer Kochsendung sagen, dass ich als Vegetarier_in am liebsten Gemüse esse und Couscous und Halloumi? Oder soll ich sagen, dass ich nicht gerne ins Kino gehe und entweder einschlafe oder rausgehe. Oder soll ich im Fersehen sagen, dass ich gerne Tiersendungen anschaue, weil mich das ans Dorf erinnert? Ich habe am liebsten irgendetwas mit Moschusochsen und Karibus. Oder soll ich das in der Kochsendung sagen?

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
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    29 Januar 2012

    Headhunter und Schürzenjäger

    Seit mein Buch auf dem Markt ist, ist hier die Hölle los. Ununterbrochen klingelt das Telefon und ich bekomme tausend Mails am Tag mit Anfragen nach Interviews und one-night-stands. Hier geben sich Headhunter und Schürzenjäger die Klinke in die Hand. Das ist ein Nachteil am Netz, da gibt’s nur virtuelle Klinken. Die Leute stehen einfach morgens bei Olga und mir in der Küche, die machen sich Kaffee, toasten sich Brot, bedienen sich am Müsli, plündern den Kühlschrank und sind noch pikiert und gucken säuerlich, wenn man sich dazusetzt und auch was nimmt.

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    26 Januar 2012

    „Das Geräusch des Werdens“: Das Original des Romans

    Ich vergaß zu erwähnen: Das Original meines Romans besitze nur ich. Der Verlag hat die Rechte gekauft, alle Rechte bis auf das Urheberrecht. Und das Original. Das liegt in einem Panzerschrank. Wie beim jedem Druck von einer Platte kommt der erste Abzug dem Original am nächsten. Je öfter von der Platte gedruckt wird, desto weiter entfernt es sich davon. Der erste Abzug unterscheidet sich kaum wahrnehmbar vom Ursprung und vom zweiten, beim dritten finden sich schon das eine oder andere veränderte Wort, beim hundertsten geht eine Person, statt nach links nach rechts, beim tausendsten sind ganze Kapitel umgestellt, beim zehntausendsten haben wir andere Handlungsfäden und andere Personen, beim hunderttausendsten ist es ein vollständig anderes Buch und beim millionensten ist es so unvorstellbar anders als das Original, das es wieder dasselbe ist.

    Wenn Ihnen etwas unstimmig oder kurios, unscharf oder nur angedeutet erscheint, dann liegt das an dem Druck, den sie gekauft haben. In meinem Original ist alles so wie es idealerweise sein muss.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    23 Januar 2012

    Das Geräusch des Werdens: Man bevorrate sich!

    Heute erscheint mein Debüt. Das ist ein sehr schöner Tag in meinem Leben, saugut sozusagen!

    Sie können einen Blick in den Text werfen. Ich weiß nicht, was Sie dort sonst noch sehen können, aber zumindest können Sie sehen, ob er Ihnen gefällt.

    Sie können das Buch überall kaufen. Überall, wo es Bücher gibt. Meine Empfehlung ist der klassische Buchhandel. Für alle, die sich nicht in eine Buchhandlung trauen, hat man das E-Book erfunden. Auch das wird es geben. Ich weiß noch nicht, wann das soweit sein wird. Man könnte seine Hemmungen allerdings auch überwinden. In Buchhandlungen geht man ja nicht allein, um ein Buch anzuschauen und zu kaufen. Da geht man wegen der andern hin, die auch nicht wegen der Bücher da sind. Andere Menschen anzuschauen und angeschaut zu werden, gehört ja mit zum Aufregendsten im Leben. Die Bücher kauft man dann aus Verlegenheit. Oder weil man ein wenig angeben möchte, vor seiner neuen Eroberung.

    Bei drohender Energiekrise, bei weltweiter Klimakatastrophe – Desertifikation, Deflation und Denudation -, bei allgemeiner Verschlechterung der Lebensbedingungen – oder Verbesserung, weil man dann so schön klagen kann -, bei möglicherweise nur noch eingeschränkter Gültigkeit der Relativitätstheorie, bei zunehmender Weltbevölkerung und Kinderarmut in Deutschland, bei Verschuldung, Zahnschmerzen, Pest und Cholera: Man bevorrate sich!

    Aléa Torik
    Das Geräusch des Werdens
    Osburg Verlag
    Roman, 368 Seiten, 19,95 €
    ISBN 978-3-940731-75-3





    14 Januar 2012

    Das Raunen der Piraten

    Ich habe in langen Jahren ein Schiff gebaut, einen schönen Dreimaster. Und so wie mein Schiff nicht an einem Tag gemacht worden ist, so läuft es auch nicht an einem Tag vom Stapel. Am 23. Januar wird es in allen deutschsprachigen Häfen liegen. Aber am Horizont kann man es bereits sehen.

    Es gibt Dinge, die man hier nicht sehen kann. Ich hatte eine Einladung vom WDR für ein einstündiges Radiointerview mitsamt Lesung. Ich musste es absagen. Darüber hat sich mein Verleger nicht gefreut. Gefreut hat er sich allerdings darüber, dass der Text offenbar Eindruck macht. Ich weiß derzeit noch nicht, wo ich die kommenden Monate verbringe. Es gibt die Möglichkeit nach Paris zu fahren oder nach Bukarest, wo ich Freunde haben und wohnen kann. Ich will mich zurückziehen, weil ich am nächsten Buch arbeiten muss. Jetzt habe ich ein Urlaubssemester und kann überallhin. Das Blog kann ich von allen Orten der Welt aus bedienen.

    Für den potentiellen Leser kommt das Schiff langsam näher. Und wo es für andere größer wird und greifbarer, wird es für mich kleiner. Auch wenn mein Name groß draufsteht: mich werden Sie an Bord nicht finden. Andere haben das übernommen, ein Kapitän und ein erster Offizier und Matrosen und ein Koch. Wer hier regelmäßig liest, der weiß, dass die Trennung vom Buch für mich emotional schwierig war. Es war immer meins und dann habe ich es an einen Verlag verkauft und erkennen müssen, dass es nicht mehr mir gehört. Ich musste einiges lernen, womit mein Widerspruchsgeist nicht gut zurechtgekommen ist. Ich hatte mit diesen emotionalen Verwicklungen gar nicht gerechnet.

    Ich bin nicht mehr an Bord. Ich stehe an Land und werde zusehen wie es sich bewegt, mal in der Nähe, mal etwas weiter entfernt. Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit das anzuschauen. Es liegt noch in ruhiger See, aber es wird in den nächsten Monaten hoffentlich etwas windiger werden. Das Schiff kommt ja nur voran, wenn die Segel sich blähen. Vielleicht kommt es sogar in einen Sturm. Ich kann mir schon vorstellen, aus welcher Richtung der kommt. Aber so manches kleine Gebläse hat sich schon für eine Naturgewalt gehalten. Mein Schiff wird nicht kentern.

    Der Leser wird’s lesen, auf die eine oder andere Weise „schön, schön“ sagen, und dann wird er es ins Regal stellen und vergessen. So wie ich das mit Büchern auch mache. Aber für mich ist das etwas anderes. Dieses Schiff wird immer bleiben. Und anders als die Leser, die sich längst anderen Schiffen zugewandt haben, anders als für den Verlag, der den aktiven Vertrieb irgendwann aufgibt, weil die nächsten Schiffe aufgetakelt werden, eine neue Saison kommt und mit ihr neue Bücher; anders als für alle anderen wird es mich immer begleiten. Es wird immer am Horizont zu sehen sein, deutlicher oder verschwommener, wichtiger oder unwichtiger. Aber es wird immer da sein, allezeit.

    Ich habe mich schon längst abgewendet. Ich muss ja mein nächstes Schiff bauen. Nicht, weil ich nichts anderes kann. Ich kann auch mein Dissertationsrennbot fahren. Will ich aber derzeit nicht. Ich will weder einen Rumpf aus Stahl noch einen aus Carbon, keine Schaluppe, keine Pinasse. Ich will fünf Masten. Ich will die Segel setzen, die Takelage ächzen hören, ich will den Wind in den Masten spüren und abends will ich das Raunen der Piraten hören, uralte Geschichten vom Meer und seinen Opfern, seinen Helden und ihren Toden.

    Ich beende mit diesem Artikel eine Serie, die „Das Geräusch des Werdens“ begleitet hat. Nicht von Anfang an, denn der Roman war fertig, als ich dieses Blog begonnen habe. Am Tag des Erscheinens wird es einen Hinweis geben, aber hiermit findet die Trennung von der Produktion statt. Jetzt geht es um die Wirkung und, so sagt man, um die Würdigung.

    Hat ein Text eine Würde? Hat er sie von Anfang an oder bekommt er sie durch seine Leser? Durch seine, auch das sagt man so, Aneignung?

    Bis zum 23 Januar noch: zwei Worte um das Captcha zu überlisten.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.

     





    03 Januar 2012

    978-3-940731-75-3

    Ich muss sicher nicht erklären, was diese Nummer zu bedeuten hat. Sollten Sie jetzt denken ‚Das ist aber karg‘, so kann ich Ihnen versichern: Üppiger geht’s woanders auch nicht zu! Das was ich da habe, das hat kein anderer auf dem Markt. Das ist eine absolut einmalige Sache. Wenn Sie sich das etwas genauer anschauen, wie da vorne die neun neben der sieben und die wieder neben der acht steht. Wie die Zahlen sich aneinander schmiegen: Das ist schon gut, nicht? Und vollkommen einzigartig.

    Ich habe mir gerade einmal angeschaut, wie die ISBN Nummern zustande  gekommen sind. Leider musste ich zur Kenntnis nehmen, dass die einzigartige Anschmiegsamkeit der ersten drei Ziffern alle anderen in diesem Land auch haben. Das ist die für Deutschland übliche Länderkennung. Also alles wieder zurück! Ich behaupte das Gegenteil: Wie sich die sieben und die fünf da hinten aneinander schmiegen, das ist schon gut, nicht? Und vollkommen einzigartig. Jedenfalls im Verbund mit der neun, der sieben und der acht da vorne.

    Die Bedingung der Einzigartigkeit ist nämlich, dass man dasselbe vorweisen kann wie alle anderen auch. Da man sich aber in irgendeiner Weise unterscheiden muss, steht zu vermuten, dass es dasselbe ist, in welchem man sich unterscheidet.

    Das nimmt, wie ich meine, jeder Fremdenfeindlichkeit und jeder Xenophobie den Boden: Wir sind alle gleich. Denn nur auf dem Boden der Gleichheit können wir anders sein. Ich plädiere für die Bastardisierung der Gesellschaft! Es ist ja wohl überall deutlich erkennbar, dass es den Deutschen nicht gut tut, unter sich zu sein! Mit ein wenig Feinfühligkeit, kann man es sogar an den hiesigen ISBN Nummern erkennen.

    Langsam wird die Sache spannend. Ich gehe dennoch erst einmal ins Bett.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    29 November 2011

    Ändern Sie Ihr Gehen!

    Es gibt Dinge, die ich wirklich nicht gerne tue. Putzen und Spülen gehören dazu. Ich telefoniere auch nicht gerne. Man muss die ganze Zeit dieses Telefon festhalten und das stört mich. Ich weiß oft nicht einmal, wo sich mein Telefon gerade befindet. In der vergangenen Woche musste ich allerdings ein wichtiges Telefonat führen. Es waren die letzten Änderungen an den Fahnen zu besprechen. Das war ein fünfstündiges Gespräch mit meinem Lektor Ulrich Steinmetzger! Danach war ich richtig platt. Mein Ohr tat mir weh und mein Mund auch. Man muss ja beim telefonieren die ganze Zeit reden oder zuhören. Das ist ein frappanter Unterschied zum normalen Miteinander, wo man auch mal schweigen kann. In dieser Woche wird die Setzerin alle Änderungen einarbeiten und dann gibt es einen weiteren Fahnenabzug, allerdings nur noch in elektronischer Form. Dieses Dokument wird noch ein letztes Mal vom Lektor und der Autorin überprüft. Wenn dann noch etwas übersehen wurde, dann ist es wohl nicht mehr zu ändern? So in der Art fragte ich. Und mein Lektor antwortete mit einem Zitat von Volker Braun: „Was nicht zu ändern geht, ändert das Gehen.“

    Falls Sie den Text einmal lesen und einen Fehler finden sollten: ändern Sie Ihr Gehen! Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.

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    18 November 2011

    Geldorf, die Fahnen und ich

    Heute früh lief hier ein Mann um die Hütten herum und rief lauthals meinen Namen. Meine Hütte ist eine von sechs, die einen halben Kilometer von der Straße weg sind. Das war mal eine kleine Siedlung von DDR Oberen, die sich irgendwie gemacht haben und belohnt wurden. Inzwischen hat das hier offenbar mehrfach den Besitzer gewechselt. Ich wohne in der Hütte am einen Ende und ein älterer Mann wohnt mit seinem Hund am anderen Ende, die vier dazwischen stehen leer. Der Hund ist ein bildhübscher Labrador und heißt Bob Geldorf. Er hört seltsamerweise nicht auf Bob, der ignoriert seinen Vornamen, sondern nur auf Geldorf. Er ist noch kein Jahr alt und hat nur Blödsinn im Kopf.

    Der Mann der hier herumlief und erstaunlicherweise meinen Namen kannte, war von einem Kurierdienst. Der hat die Fahnen vom ersten Roman gebracht. Den hatte ich schon völlig vergessen. Ich habe also erst einmal ausgepackt, im Beisein von Geldorf.  Sein Besitzer ist heute für einen Tag nach Berlin gefahren und hat mich gebeten, auf den Hund aufzupassen. Geldorf ist offenbar sehr an neuster Literatur interessiert und hat den Vorgang des Auspackens mit äußerstem Interesse verfolgt. Vor Aufregung hat er sich fast in den Schwanz gebissen. Ich sitze also jetzt auf dem Sofa und halte den Ausdruck in Händen. Geldorf liegt auf dem Boden und kaut an einem Hundeknochen, beobachtet mich aber ununterbrochen. Ich bin ganz sicher, dass er schon überlegt, an meinem Laptop herumzukauen.

    Das ist ein nicht unwichtiger Moment. Ich halte zum ersten Mal den gesetzten Text in Händen, wie er als Buch erscheint, mit den entsprechenden Zeilen- und Seitenumbrüchen. Das muss ich bis Mittwoch kommender Woche gelesen haben. Wahrscheinlich werde ich es Geldorf vorlesen und dann die Stellen umschreiben, bei denen er jault. Mit den Fahnen steht nun auch bereits der Drucktermin fest. Und der Erscheinungstermin steht ebenfalls fest: der 23. Januar 2012.

    Die wichtige Frage die Sie jetzt alle haben, lautet natürlich: um wie viel Uhr erscheint es? Das weiß ich noch nicht, aber ich wäre für elf Uhr morgens. Spätestens! Bücher, die nachmittags erscheinen, haben oft so eine unnötige Schwere, die Charaktere sind bleiern und das Personal unlustig, und bei abendlichen Erscheinungen sind die Handlungsfäden bisweilen geradezu verworren.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
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    15 Oktober 2011

    Reißen Sie sich zusammen!

    Die neusten Nachrichten über „Das Geräusch des Werdens“ stimmen mich wirklich froh. Bevor das Buch im Februar des kommenden Jahres im Buchhandel greifbar ist, müssen einige Dinge angeschoben werden. Das wird nicht einfach gedruckt und dann liegt es da: Dieses „Da“ muss konkretisiert werden. Mein Verleger hat mich angerufen und mir seinen sehr positiven Eindruck von dem fertigen Text übermittelt. Er hat ihn, nachdem er ihn gekauft hatte, nicht mehr gesehen. Der Text hat sich aber deutlich verändert: er ist reifer geworden. Dennoch hätte es passieren können, dass der Verleger nicht glücklich mit den Änderungen ist. Das ist zum Glück nicht der Fall. Er ist begeistert und das hat er mir in aller Deutlichkeit gesagt. Er macht jetzt auf der Buchmesse die ersten Kontakte dafür und hat dabei einige interessante Namen in den Mund genommen. Ob sich dies alles verwirklichen lässt, wird sich zeigen. Frau Torik kommt jedenfalls ins Gespräch. Dabei wird auch auf meine Webseite verwiesen.

    Deswegen diese Ansprache: Auf meiner Seite bin ja nicht nur ich präsent. Da sind auch viele andere. Wir alle stehen jetzt unter verschärfter Beobachtung. Ich bitte Sie also: Reißen Sie sich zusammen! Achten Sie auf ihr Äußeres, ziehen Sie einen Anzug an, wenn Sie vor dem Rechner sitzen, oder ein hübsches Kleid oder ein Kostüm. Achten Sie auf Ihr Schuhwerk! Keine fettigen Finger auf der Tastatur. Keine Fehler bei der Interpunktion. Achten Sie auf Syntax und Semantik. Das gilt natürlich auch für die heimlichen Leser. Die, die ich nicht sehen kann: Achten Sie auf sich und auf mich.

    Achten Sie drauf oder achten Sie nicht drauf. Machen Sie einfach, was Sie wollen. Sie sind ja alle schon erwachsen. Nehme ich an. Und deswegen nehme ich ebenfalls an – wie immer man dieses Erwachsen-sein definiert – wissen Sie auch, dass Sie gerade dies häufig nicht können: machen, was Sie machen wollen. Hier können Sie es. Nehmen Sie das also als eine Ausnahmesituation. Machen Sie, was Sie wollen. Aber reißen Sie sich zusammen.

    Noch immer gilt: die Kommentarhürde wird überwunden, indem man – erstens – die Anweisungen des Captcha ignoriert und dann -  zweitens – beide Worte eingibt. In dieser Reihenfolge!

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
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    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.