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  • Aléa Torik: Ich hatte bereits angekündigt, meine Präsenz im Netz zu reduzieren. Ich werde weiterhin Beiträge einstellen, seltener als bisher. Die Kommentarfunktion ist deaktiviert. Ich bedanke mich bei allen, die hier regelmäßig mitgeschrieben und dafür gesorgt haben, dass das ein spannendes und...
  • Aléa Torik: Lieber Christian, ich glaube, ich habe einen Ort für den Essay. Ich bin nicht ganz sicher, ich habe eine positive Mail bekommen und auch erfreut geantwortet, dann aber keine Reaktion mehr bekommen. Aber wenn es wahr ist – wenn es tatsächlich wahr sein sollte … dann hören Sie...
  • Christian: liebe Alea, apropos Essay: freue mich schon auf Ihren Essay zu David Foster Wallace den Sie hier vor Kurzem erwähnten. Gibt es schon einen Termin und Ort für die Veröffentlichung? liebe Grüße Christian
  • Aléa Torik: Lieber NO, zurück im Alten Europa? Ich vermute, bei Ihnen geht die Kulturumstellung inzwischen relativ schnell und Gewöhnung und der Alltag gewinnen bald Oberhand? Inzwischen beinahe schon ungewohnt, mich zu Kommentaren und Eingaben zu verhalten: Ich habe die Funktion deaktiviert, das...
  • NO: Alea Torik, Das Geräusch des Werdens, und Maddox, der verrückte Hund(e) Zurück aus den USA und noch ein Letztes: Maddox. Maddox, na ja. Ganz lustig. Ein Überempfindlicher, der in Masken und mit Zylinder herumläuft, der wie ein Bauchredner nicht mit den Menschen selber spricht, sondern nur...
  • Phorkyas: Liebe Alea, dieses Kommentarfeld hier hatte ich übersehen. Das ist eine sehr runde Sache geworden, Ihr Roman, wie ich finde – das lange Leiden und Feilen hat sich also gelohnt. Mir hat die Beschreibung von Marijans Mobilitätstraining sehr gefallen. Ich weiß nicht, ob Sie das schon...
  • Aléa Torik: Lieber Avenarius, vielen Dank für die wohlmeinenden Worte. Die tun mir mehr gut als Sie glauben mögen. Ich werde weitermachen, weil es auch für den nächsten Roman wichtig ist. Und ich werde wohl die Kommentarfunktion deaktivieren. Das ist eine schwierigere Entscheidung als man...
  • avenarius: Liebe Alea, im Verhältnis zu Ihrer vorherigen Präsenz haben Sie sich bereits aus dem Netz zurückgezogen. Aber warum sollte ein Blog nur wegen verminderter Aktivität aufgegeben werden. Ich würde weiterköcheln – auf Sparflamme. Frohe Ostertage wünscht - avenarius
  • Aléa Torik: Liebe Azadeh, dafür gibt es einige Gründe und einige andere, die dagegen sprechen. Ich muss mir noch überlegen, wie ich das formuliere. Einmal für mich selbst und einmal hier, in der Öffentlichkeit. Ich hatte Anfang März schon überlegt, mich gänzlich aus dem Netz zurückzuziehen:...
  • Azadeh Sepehri: Warum denn?
  • Aléa Torik: Liebe Azadeh, ich überlege, die Kommentarfunktion gänzlich auszuschalten. Ich habe mich aber noch nicht entschieden. Aléa
  • Azadeh Sepehri: Liebe Alea, warum kann man unter Ihren letzten Beiträgen keine Kommentare hinterlassen?
  • Azadeh Sepehri: Liebe Alea, ich glaube, ich hatte ihren Beitrag falsch verstanden und dachte, Sie schreiben unter einem Pseudonym. Aber auch falls Sie dies machen würden, fände ich es nicht schlimm. Schließlich hat jeder das Recht, selber darüber zu entscheiden.
  • Aléa Torik: Liebe Azadeh, ich schlage vor, wir warten bis zur Veröffentlichung davon, was im Januar 2013 der Fall sein wird, und dann kann jeder entscheiden, was mein richtiger Name ist, was das richtige und das falsche Verhalten war. Herzlich Aléa
  • Azadeh Sepehri: Interessant. Ich dachte, Sie schreiben unter Ihrem “richtigen” Namen.
  • Aléa Torik: Liebe Azadeh, „Nehmer“ und „Geber“: Nehmen ist ja auch leichter als geben. Sein Recht in Anspruch zu nehmen ist leichter als einer daraus resultierenden Plicht zu entsprechen. Dass Recht und Pflicht so eng miteinander verbunden sind, dass sie dasselbe sind, auseinander hervorgehen,...
  • Aléa Torik: Lieber Holio, Sie können hier gerne mit Ihrem Meißel klopfen. Und ich habe auch nichts dagegen, wenn dabei etwas anderes herauskommt als ich das beabsichtigt habe. Soviel verstehe ich von Literatur, um zu wissen, dass die Autorin eine Interpretation unter anderen hat. Es stehen, sowie...
  • Aléa Torik: Lieber NO, auch für mich sind Lydijakapitel und Aufzählungskapitel die beiden Höhepunkte dieses Romans. Es sind wohl auch die beiden schwierigsten Kapitel. Das Zentrum des ganzen Textes ist sicher das Aufzählungs- oder Berlinkapitel. Das war geplant als eine Beschreibung des...
  • avenarius: Liebe Alea, ja natürlich, es gibt immer eine Macht. Macht bedarf, ganz anders als die Gewalt, keinerlei Rechtfertigung, “da sie allen menschlichen Gemeinschaften immer schon inhärent ist. Hingegen bedarf sie der Legitimität. Macht entsteht, wann immer Menschen sich zusammenfinden...
  • Aléa Torik: Lieber Ave Narius, ich bin da, soweit ich sehe, völlig einverstanden. Nur mit dem „Medusenhaupt der Macht“ habe ich Schwierigkeiten: es muss eine Verfassung geben, eine Legislative, und dann muss es auch eine Executive und eine Judikative geben. Es muss eine Macht geben und sie muss...

  • 21 April 2012

    Ich habe Besuch und wir amüsieren uns königlich

    Holio initiiert nicht nur Gerüchte, er lässt auch Taten folgen. Zuerst wird Reisende auf einem Bein mit Das Geräusch des Werdens verglichen.

    “Irene zog langsam ihre Kleider an, wollte sich erinnern, wie sie nackt geworden war.” (RaeB 110.-5). Leonie: “Ich konnte mich nicht erinnern, meine Sachen ausgezogen zu haben. Jedenfalls konnte ich mich nicht genau erinnern.” (DGdW, 77.-12).

    Und dann Der König verneigt sich und tötet, hier.

    Die Nähe mancher Formulierung ist geradezu beängstigend.

    Marijan: “Woher willst du das wissen? Ich kann nicht schwimmen.” (DGdW 15.-14). “Wahrscheinlich wagte ich mich vertrauend aufs Grasland ins tiefe Wasser hinein, ohne daran zu denken, dass ich nicht schwimmen kann.” (DKvsut 95.-3).

    Hochinteressante Koinzidenzen!

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    28 März 2012

    Was ist auf den Bildern des blinden Fotografen zu sehen?

    Ich wurde gefragt, was in Das Geräusch des Werdens auf den Fotos des Blinden zu sehen ist. Ich würde mich gerne aus der Affäre ziehen, indem ich zurückfrage: Woher soll ich das wissen? Ich habe sie nicht zu Gesicht bekommen. Das beschreibt der Roman nicht, weil es nicht zu seinem Bestand gehört. Ich assoziiere:

    In der Ausstellung sind, heißt es auf der ersten Seite, 28 Bilder zu sehen. Wir haben 28 Kapitel. Also ist jedes Kapitel ein Bild.

    Was ist auf den Bildern eines Blinden zu sehen? Vielleicht muss man blind sein, um das sehen zu können. Das scheint ebenso paradox wie ein Blinder, der ausgerechnet fotografiert. Aber wie soll man sich einem Paradoxon nähern, wenn nicht auf adäquate Weise? Es ist ja nicht an sich paradox, sondern nur unter den rationalen Bedingungen.

    Diesen wenigen Bildern stehen sehr vielen gegenüber: Holio hat ausgerechnet, dass Marijan 28.000 Bilder gemacht haben muss. Im Roman allerdings macht er nur ein einziges, vielmehr erleben wir ihn nur bei einem. Er macht ein Bild von Leonie. Ich empfinde das nicht als einen logischen Widerspruch, sondern als eine produktive, die Phantasie anreichernde Leerstelle.

    Ich weiß nicht, was auf den Bildern zu sehen ist. Irgendwo, ich glaube in dem Kapitel, da Marijan die Kamera geschenkt bekommt, heißt es: jeder sieht doch etwas anderes. So ist das bei diesen Bildern auch. Die meisten Fotos auf dieser Welt haben wohl ein eindeutiges Objekt, eine Person, eine Sache oder etwas Ähnliches. Das könnte bei diesen Bildern anders sein.

    Was ist auf einem Bild zu sehen? Jeder sieht doch etwas anderes. Je nachdem, ob man das das Weiße oder das Schwarze des Bildes sieht, sieht man eine Vase oder zwei einander gegenüberliegende Gesichter, das sind sogenannte Kippbilder.

    Der Roman endet damit, dass Marijan, der nur, sozusagen, die fünf Kapitel seines Vortrages kennt, die anderen dreiundzwanzig dieses Romans also nicht, denkt, dass die Menschen nur seine Worte gehört haben, sich aber eigene Bilder und Vorstellungen dazu machen, dass man die dürren Worte mit eigenen Vorstellungen anreichert. Das hieße, dass die anderen Kapitel, die hier als der eigentliche Bestand des Romans erscheinen, nicht anderes sind, als die Vorstellungen der Zuhörer auf der Ausstellung. Wirklich wäre dann nur die Ausstellung. Man reichert die Worte mit Bildern an, um, wie Marijan das sagt, nicht selbst zu erblinden. Das ist sowohl eine Sprachtheorie als auch eine Theorie über Bilder und Vorstellungen.

    Was ist auf den Bildern zu sehen? Es ist eine Frage von Sehenden! Aber es sind die Bilder eines Blinden! Der macht sie vielleicht nicht, um willen dessen, was da zu sehen ist, denn er sieht es ja nicht. Sonder um willen des Momentes, da er sie macht. Um des Machens willen.

    Warum hat Maddox die Bilder ausgewählt? Kann das sein, dass er nicht ausgewählt hat, also kein Kriterium hatte, was, wie Leonie betont, unmöglich ist?

    Im letzten Kapitel heißt es, ein Besucher habe ein Bild gekauft. Wie hat er das ausgewählt? Warum einer? Wer ist das? Welches Bild hat er gekauft?

    Leonie sagt einmal, Marijan mache immer dann ein Foto, wenn sie keines machen würde. Im letzen Blindenkapitel sucht Marijan eine Erklärung für das, was er eigentlich fotografiert, ich zitiere „Zu Anfang wusste ich überhaupt nicht, was ich eigentlich fotografieren wollte. Ich hatte ja keine Motive außer dem einen großen Motiv, meiner Blindheit zu entkommen. In den ersten Monaten mit der Kamera, als ich feststellte, dass ich nicht alles sehen konnte und etwas ganz Spezielles nicht hatte sehen wollen, entschied ich mich für etwas Drittes: das dazwischen Liegende. Ich wollte keine Objekte fotografieren. Die konnte ich sowieso nicht sehen. Ich wollte nicht etwas und ich wollte nicht nichts fotografieren. Ich wollte nicht das Sehen und auch nicht die Blindheit abbilden. Deswegen habe ich mich für das Dazwischen entschieden. Ich wollte die Zwischenräume fotografieren. Für Räume habe ich ein gutes Gespür. Das Ergebnis können Sie nun betrachten. Ob Sie allerdings das von mir Erzählte erkennen, ob Sie das Entgegengesetzte erkennen oder möglicherweise ebenfalls ein Dazwischen, das wird sich zeigen.“ Ich wüsste nicht, was ich dem hinzufügen sollte.

    Wir fotografieren immer das, was wir sehen. Das erscheint uns selbstverständlich. Weil man ja etwas anderes gar nicht fotografieren kann. Das erscheint auch selbstverständlich. Außer in der Kunst, wenn man einem Bild zu entlocken versucht, was nicht auf den ersten Blick zu sehen ist. So ist das ja auch mit einem Roman, der sich als Kunst versteht: die Autorin will etwas zeigen, was nicht sofort zu sehen ist, sondern erst im Verständnis des Lesers entsteht. Und das können sehr wohl, wenn die Sache gut gemacht ist, Dinge sein, von denen die Autorin keine Ahnung hat.

    Was sieht man? Von allen Antworten, die ich hier gegeben habe, von allen Versuchen, gefällt mir diese am besten: man sieht die Offenheit des literarischen Kunstwerks für seine Interpretation. Nur indem einer sich fragt, was er sieht, sieht er etwas. Alles andere, das ungefragt Gesehene, ist unsichtbar.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    11 März 2012

    „Natürlich heißt niemand Aléa Torik“ I

    Ich bin überaus glücklich mit dem Artikel von Nicole Henneberg, dem diese Formulierung, die Überschrift, entnommen ist! Nicht allein, weil mein Buch da gut wegkommt, sondern weil sie ausnahmslos alle mir wichtigen Umstände benennt.

    Im Zentrum meines Romans steht ein Blinder: einer, der sich seiner Sache, seiner sinnlichen Wahrnehmungen, nicht sicher sein kann. Das ist eine zutiefst verstörende Erfahrung. Dann ist Krisztina angesprochen, die beinahe zentrale Figur, die wiederholt erwähnt, aber nie richtig thematisiert wird; die sich bis zuletzt entzieht und den Leser zwingt, sich seine eigenen Phantasien zu machen. Dadurch versetze ich den in die Situation eines Blinden. Das ist es, was das Buch können muss, seine innerste Absicht: einem Sehenden die Erfahrung des Blindseins zu vermitteln. Dann haben wir die schöne Formulierung über Maddox: „Je tiefer ihn etwas berührt, desto vorsichtiger wird er“. Außerdem werden die beiden mir liebsten Kapitel genannt: das über Berlin, über den Überfluss und die Liebe – Der Salon Sucre – und das der Hellseherin Lydija, das, weil hier die Gegensätze zwischen Vergangenheit und Zukunft aufgehoben werden, am schwierigsten zu schreiben war. Frau Henneberg benennt, wie das erste und das letzte Kapitel zusammenhängen und spricht dabei jene Stelle an, von der ich befürchte, dass die meisten Leser sie übersehen: wenn am Ende des Vortrags des blinden Marijan angedeutet wird, dass alles andere, alle Figuren dieses Romans möglicherweise gar nicht wirklich existieren, sondern nur als Einbildung der Zuhörer während des Vortrags . Was man sich eben so einbildet, um nicht selbst zu erblinden, heißt es da irgendwo sinngemäß. Dann ist da gleich zu Anfang die sensationell intelligente Thematisierung meines Identitätsthemas: der Hinweis auf meine Dissertation, wo ich mit den Begriffen Identität, Authentizität und Illusion den Kern von Fiktionalität zu beschreiben und zu begreifen versuche.  Und schließlich am Ende des Artikels die Frage: Stand Mircea Cărtărescu Pate? Sie können sich vielleicht erinnern, dass ich voller Bewunderung für den Mann bin.

    Ich kannte das Gefühl nicht, wenn ein anderer über einen schreibt. Jemand, der wirklich wissen will, was in dem Buch steht. Genau das ist der Umstand, der auch mich interessiert und den ich nur durch einen anderen erkennen kann. Man hat beim Schreiben Absichten und dann ändern die sich, mit oder gegen den eigenen Willen, dann verliert man sie aus den Augen und bekommt anderes in den Blick, das geht so hin und her und jahrelang. Am Ende ist es fertig und man weiß kaum noch, was man da eigentlich fabriziert hat. Das kann nur ein anderer wissen. Ein wohlwollendenden anderer, der nicht das hineinliest, was er gerne sehen will, sondern das heraus, was die Autorin sehen wollte. Der Text ist dann, im Idealfall, eine Art Leinwand, auf die beide, Leser_in und Autor_in gleichermaßen projizieren. Und projizieren müssen sie, denn die Leinwand ist im Grunde, bis auf die dürren Worte, einigermaßen leer.

    Das ist doch eine schöne Kuh auf dem Bild in dem Artikel, oder? Ausgeprägter Rücken und wahrscheinlich ein schönes Gesicht. Nicht so schön und stolz wie die Galloways, aber auch schön. Wäre allerdings dieses Bild verwendet worden, hätte wohl jeder gedacht: Mensch, die Torik hat aber schöne Locken!

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    10 März 2012

    „Das Geräusch des Werdens“ – Heute in der Literaturbeilage der FAZ

    Springen Sie aus dem Bett, lassen Sie alles stehen und liegen, rennen Sie aus dem Haus und kaufen Sie sich eine FAZ! In der heutigen Beilage zur Leipziger Literaturmesse findet sich eine Besprechung meines Romans.

    Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich darüber freue. Ich müsste Ihnen mein halbes Leben erzählen und das mache ich nicht. Sie müssen sich das stattdessen vorstellen. Das schult die Einbildungskraft! Aber bevor Sie die schulen, springen Sie aus dem Bett, lassen Sie alles stehen und liegen, kaufen Sie sich eine FAZ und lesen Sie den ausgezeichneten Artikel von Frau Henneberg. Meint die wirklich mich?

    Machen Sie das nicht! Bleiben Sie liegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich tatsächlich eine solche Besprechung an einem dermaßen exponierten Ort findet, ist so gering, dass es sich nicht lohnt das ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Das Ganze ist wieder mal ein Traum: Ich träume immer dasselbe. Gleich kommt meine Mutter und weckt mich. Ich muss zur Schule, wo ich neben Roxana sitze, die mir zum hundertsten Mal erzählt, dass ihr Bruder Dumitru sie tyrannisiert. Ich schlafe noch und träume wieder, dass ich eines Tages in Berlin leben und Schriftstellerin sein werde, dass ich einen Roman geschrieben habe und an einem zweiten arbeite. Ich bin sechzehn Jahre alt und liege im warmen Bett. Gleich kommt meine Mutter und weckt mich.

    Schlafen Sie weiter. Und sagen Sie meiner Mutter, wenn Sie sie auf der Treppe treffen, dass ich noch träumen möchte. Es dauert noch mehr als zehn Jahre, bis es soweit ist. Träumen Sie, dass Sie jemand mit dem unwahrscheinlichen Namen Aléa Torik kennen – der aber tatsächlich in meinem Personalausweis steht, die ein Buch geschrieben hat mit dem noch unwahrscheinlicheren Titel Das Geräusch des Werdens, der aber tatsächlich auf dem Cover steht. Träumen Sie, es sei eine Rezension in der FAZ erschienen. Und dann springen Sie aus dem Bett, lassen Sie alles stehen und liegen, rennen Sie aus dem Haus und kaufen Sie sich diese verdammte Zeitung: ich stehe da mit einer Besprechung drin. Herrgottnochmal! Wie oft muss ich Ihnen das denn noch sagen?!?

    Hier.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    05 März 2012

    „Das Geräusch des Werdens“ – Am Mittwoch im WDR 3 – Radio

    Die Besprechung meines Romans läuft am Mittwoch, den 7. 3. 2012 zuerst morgens in der Sendung Mosaik – 06:05 bis 09:00 Uhr – und dann in der Sendung Passagen – 12:05 – 15:00 Uhr -. Das sind Magazine mit Kurz-Beiträgen, die genaue Sendezeit ist nicht bekannt. Einen Tag später, sagte man mir, kann man sich die Rezension dann auch gezielt online anhören. Hier kann man sich einen Recorder herunterladen und die Sendung aufnehmen. Ich weiß nicht, wie lange das dauern wird, zwei, drei Minuten vielleicht, oder fünf oder zehn? Wir werden es sehen, nämlich hören. Ich bin sehr gespannt.

    Und hier kann man das jetzt hören. Das hat der Autor wirklich sehr schön gemacht!

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    15 Februar 2012

    Mysterium

    „Die tiefste Lehre Prousts – wenn Dichtung je belehrend sein kann – besteht darin, das Wirkliche in der Beziehung zu dem zu sehen, was auf immer anders bleibt zu dem Anderen als Abwesenheit und Mysterium“. (Emmanuel Lévinas)

    „Die Beziehung zum Andern, so betont Lévinas immer wieder, ist Ethik. Nur wenn diese wahrgenommen wird, kann der Andere als Anderer erscheinen. ‚Das absolut Neue ist der Andere‘. Nur in diesem ‚Ausgehen vom Anderen‘ wird der andere nicht objektiviert, kein Gegenstand des forschenden Wissens, der Deutung oder der vereinnehmenden Behandlung. Der Andere fordert zum Handeln in Güte heraus. … Nach Lévinas ist der Andere nicht etwas, das aus mir erwächst, sondern in mich einfällt.“ (Heinz J. Kersting).

    In diesem Zusammenhang schrieb mir Alice, von der ich Zitat und Stellenangabe habe: „In Ihrem Roman erlebe ich die Figuren in diesem Sinne oder mit der gleichen Haltung dargestellt: mit Liebe und Respekt, fast so, als würden Sie selbst sich den Zugriff auf die von Ihnen erschaffenen Figuren verbieten, denn diese sind frei, auch zu scheitern.“

    Das sind Formulierungen, die mich ganz ungeheuer freuen. Etwas in der Art empfinde ich ebenfalls. In der ästhetischen Formung fiktiver Figuren – eines Figurenensembles -, entzieht sich immer etwas. Das ist kein Fehler und auch keine Schwäche, sondern literarisch notwendig. Und das ist eine Art ethischer Grundierung. Diese Figuren sind insoweit frei, und also nicht an die Autorin gebunden, da sie tatsächlich auch scheitern können. Also nicht in ihrer Konzeption durch mich, sondern in ihrem Sein an sich.

    Das ist etwas, das ich dem Leben gegenüber habe, der Respekt, der aus dem Wissen stammt, dass man scheitern kann. Das muss ich als Autorin meinen Figuren mitgeben können. Das ist eine Intensität, die weit über Fragen von Handlungsaufbau, Plot oder Spannung hinausgeht. Ich muss meinen Figuren etwas mitgeben können, das über mich hinausgeht. Das ist das Mysterium.

    Ich glaube, mit diesen Formulierungen findet der langwierige Abnabelungsprozess von dem Roman wirklich zu seinem Ende! Deswegen ist das ein wichtiger Eintrag.

    Emmanuel Lévinas, Amour et révélation, In: Huot-Pleuroux, P. u.a. (ed.): La charité aujourd’hui. S.O.S, Paris 1981: S. 133-148. In: Heinz J. Kersting: Zirkelzeichen. Supervision als konstruktivistische Beratung. Wissenschaftlicher Verlag des Instituts für Beratung und Supervision (IBS) Aachen, 2002: S. 79.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    08 Februar 2012

    Veranstaltungshinweis: Lesung am 10. Februar 2012

    Am kommenden Freitag wird bei der Vernissage Stadt, Land, Fluss mein Roman „Das Geräusch des Werdens“ vorgestellt.   Es wird, wenn das technisch machbar ist, einen Mitschnitt dieser Lesung geben, den ich hier auf der Seite einstellen werde.

    Hier ist die Ankündigung. Wenn Sie kommen möchten, dann können Sie sich anmelden unter: ms(ät)schwindkommunikation.de

    19.00 Galerie SCHMALFUSS BERLIN Knesebeckstr. 96 VH 3. St. 10623 Berlin.

    Und der Tagesspiegel hat auch Wind von der Sache bekommen.

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    31 Januar 2012

    Irgendetwas mit Moschusochsen und Karibus

    „Die Autorin hält derzeit keine Lesungen und gibt keine Interviews“ heißt es in einer Pressemeldung über mich.

    Ich gehöre zu der möglicherweise im Medienzeitalter seltenen Spezies der Schriftsteller_innen die tatsächlich, was sie zu sagen haben, in ihren Büchern sagen. Und was ich darüber hinaus zu sagen und zu zeigen habe, zeige ich hier auf meiner Seite. Deswegen habe ich die. Halte mich jedermann ruhig für altmodisch, aber bitte niemand für unanständig: ich will tatsächlich Bücher schreiben und Bücher lesen.

    Ich möchte eines ganz bewusst nicht: eine Auseinandersetzung mit mir. Ich möchte eine Auseinandersetzung mit dem Text. Ich habe diesen Roman nicht aus Langeweile geschrieben und ich möchte, dass er auch nicht aus Langeweile gelesen wird. Wer nach der Lektüre eine Frage hat, der kann sie gerne stellen. Und ich hoffe, es ist eine Frage an den Text. Ich möchte als Literaturwissenschaftler_in und Schriftsteller_in wahrgenommen werden. Ich möchte erstgenommen werden. Und das kann ich nur über meine Texte erreichen.

    Soll ich in einer Kochsendung sagen, dass ich als Vegetarier_in am liebsten Gemüse esse und Couscous und Halloumi? Oder soll ich sagen, dass ich nicht gerne ins Kino gehe und entweder einschlafe oder rausgehe. Oder soll ich im Fersehen sagen, dass ich gerne Tiersendungen anschaue, weil mich das ans Dorf erinnert? Ich habe am liebsten irgendetwas mit Moschusochsen und Karibus. Oder soll ich das in der Kochsendung sagen?

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    29 Januar 2012

    Headhunter und Schürzenjäger

    Seit mein Buch auf dem Markt ist, ist hier die Hölle los. Ununterbrochen klingelt das Telefon und ich bekomme tausend Mails am Tag mit Anfragen nach Interviews und one-night-stands. Hier geben sich Headhunter und Schürzenjäger die Klinke in die Hand. Das ist ein Nachteil am Netz, da gibt’s nur virtuelle Klinken. Die Leute stehen einfach morgens bei Olga und mir in der Küche, die machen sich Kaffee, toasten sich Brot, bedienen sich am Müsli, plündern den Kühlschrank und sind noch pikiert und gucken säuerlich, wenn man sich dazusetzt und auch was nimmt.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    26 Januar 2012

    „Das Geräusch des Werdens“: Das Original des Romans

    Ich vergaß zu erwähnen: Das Original meines Romans besitze nur ich. Der Verlag hat die Rechte gekauft, alle Rechte bis auf das Urheberrecht. Und das Original. Das liegt in einem Panzerschrank. Wie beim jedem Druck von einer Platte kommt der erste Abzug dem Original am nächsten. Je öfter von der Platte gedruckt wird, desto weiter entfernt es sich davon. Der erste Abzug unterscheidet sich kaum wahrnehmbar vom Ursprung und vom zweiten, beim dritten finden sich schon das eine oder andere veränderte Wort, beim hundertsten geht eine Person, statt nach links nach rechts, beim tausendsten sind ganze Kapitel umgestellt, beim zehntausendsten haben wir andere Handlungsfäden und andere Personen, beim hunderttausendsten ist es ein vollständig anderes Buch und beim millionensten ist es so unvorstellbar anders als das Original, das es wieder dasselbe ist.

    Wenn Ihnen etwas unstimmig oder kurios, unscharf oder nur angedeutet erscheint, dann liegt das an dem Druck, den sie gekauft haben. In meinem Original ist alles so wie es idealerweise sein muss.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.