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  • Silvia Kühnel: Lieber Claus, habe schon mal vor einigen Jahren geschrieben, weil ich die Idee mit der Kunstfigur gut finde. Ein frohes Fest und ein gutes neues Jahr und viel Freude mit dem Stipendium. Silvia (Buchhändlerin in Dortmund)
  • irisnebel: klasse! gratuliere! musst du ne gegenleistung bringen? als stadtschreiber z.b.?
  • nadine schmid: Ich habe mit Thien an der Uni Koeln studiert. Wir ware zeitweise befreundet, aber ich hatte wenig verstaendnis fuer seinen ‘Mangel’ am akademischen Streben und habe, trotz meiner Anerkennung seines Talents, sein Lebensziel, aus seiner Dichtung etwas zu machen, als...
  • bersarin: Es muß natürlich, entdecke ich beim zweiten Lesen, Monika Rinck heißen. Ich kann mir Namen nie merken.
  • Aléa Torik: Ja, Bersarin, seinerzeit hat‘s ziemlich gut funktioniert: es war Literatur und die Leute waren mittendrin. Manche, ohne es zu merken. Manche haben hinterher zufrieden gelächelt, weil sie bei etwas Neuem mitgemacht haben. Oder weil sie selbst zu einer Art literarischer Figur dadurch...
  • bersarin: Literarisches Bloggen, liebe Aléa Torik, funktioniert durchaus. Freilich nur bei den wenigsten. Das meiste, was geschrieben wird, stammt aus dem Klein-Klein der Halbgarküchen, ist Poesiealbumsprosa von Minderleistern, Befindlichkeitsscheiße ohne Form. Ich schreibe dahingehend und als...
  • Aléa Torik: Never ride a dead horse – das hätte auch als Überschrift dieses Beitrags herhalten können. Gestern Nacht bin ich mit dem Rad 35 km durch das ausgestorbene Berlin gefahren, bis weit jenseits der Stadtgrenze. Da ich ziemlich kaputt war, konnte ich dabei nichts denken, aber wenn...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, Du hast überschüssige Energie!? Da werden Dich viele drum beneiden, umso besser also, wenn sie in etwas fließt, was Sinn zu machen verspricht. Was soll man also dazu sagen? Ich sage: Es lebe die Literatur! Und Gratulation natürlich zum vollzogenen Ausstieg aus...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, verflixt, hab‘ ich schon wieder Recht? Ich kann sagen, was ich will, ich habe immer recht. Dabei schrieb ich das eigentlich, um zu provozieren. Entweder lässt sich keiner provozieren oder die Provokation im Netz ist so allgegenwärtig, dass man zu ganz anderen Kalibern...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, da triffst Du mal wieder den Nagel auf den Kopf wie die Faust das Auge: fiktional und ein Sein als solches hat ein literarisches Blog zu sein und nicht einfach noch ein weiterer Mitspieler auf dem Markt- und Kampfplatz realer Eitelkeiten. Als Schriftsteller:in...
  • Aléa Torik: Liebe Miss Lingen, bitte entschuldigen Sie die kleine Verspätung meiner Antwort. Ich war auf anderen Schlachtfeldern unterwegs. Sie haben absolut recht, es ist viel zu komplex. Dabei darf ich mir zugutehalten, es deutlich vereinfacht zu haben. Denn im Original – wenn wir uns darauf...
  • Miss Lingen: Obwohl, wie Sie wissen, ich hier mit Sympathie lese, frage ich doch: ist das nicht alles ein wenig zu komplex?
  • Aléa Torik: Dann bin ich gespannt, was du von dem Essay hältst.
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, die Idee des freiwilligen Ablebens um des Erfolges willen stand ja schon einmal im Raum, aber das nur zu machen, um ausgerechnet auf meine Leseliste zu kommem, nee, da hast Du recht, das wäre schon sehr übertrieben! http://www.litblogs.net/hue...
  • Aléa Torik: Lieber holio, ganz verstehen kann ich die Ottos und Ottisten ja tatsächlich nicht. Vielleicht ist das so, dass Otto und Otta, was ihr Leseverhalten betrifft, auch nicht ganz schlau aus sich werden. Sie greifen immer nur nach dem, wonach auch die anderen greifen. Das zeichnet die...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, man ist ja einiges gewöhnt bei den Autoren. Was die alles tun, um gelesen zu werden, beispielsweise das Schreiben seltsamer Bücher. Ich fände es allerdings doch etwas übertrieben, wenn sich ein Autor nach dem Schreiben seines Buchs sogleich aus dem Leben verabschiedet:...
  • holio: Traurig ist das in der Tat. Und so ganz zu verstehen auch nicht. Im Geräusch des Werdens war der Anknüpfungspunkt für Otto Normalleser ja da. Und die Bălkanexotik ist auch rezipiert und rezensiert worden. Die Sprache ist einfach, der Plot verständlich, erinnere die Szene mit dem blinden...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, noch habe ich Deinen Essay ja nicht gelesen – kommt aber noch! Bin gespannt wie ein Flitzebogen! Und was meine durch eigenes Lesen hervorgerufene Belebung von Texten inzwischen leiblich von uns gegangener Autor:inn:en angeht, so ist es nicht Trost, den ich da...
  • Aléa Torik: Lieber holio, Sie haben recht, die Politik lassen wir hier außen vor. Richtig glücklich bin ja auch nicht mit dem Etikett der Postmoderne. Aber irgendwie müssen wir es ja benennen. Sagen wir Transmoderne. Die wesentliche Information ist allerdings angekommen, schon lange: dass Sie...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • 21 Dezember 2011

    Machen Sie mal einen Spaziergang!

    Der Dezember ist nicht mein Lieblingsmonat. Alles dreht sich um Weihnachten, um das Kaufen von Geschenken. Es ist die Zeit, in der ich mich am wenigsten wohl fühle in meiner Haut und der Monat, schon immer gewesen, in dem ich am wenigsten produktiv bin. Ich bin am Ende des Jahres auch am Ende meiner Kräfte. Wenn ich mir meine Aufenthaltsorte frei aussuchen könnte, würde ich den Herbst in Bukarest verbringen, den Sommer in Berlin, den Frühling in den Bergen Transsilvaniens und den Winter am Meer. Aber dann käme ich wahrscheinlich durcheinander.

    Es war ein wechselvolles Jahr. Es gab, wie wohl bei Ihnen allen, nicht nur gute Dinge. Immer dann, wenn mir das heiße rumänische Blut überkocht, laufen die Dinge nicht so wie ich mir das vorstelle. Dabei kocht es ja über, weil die Dinge falsch laufen. Irgendetwas im Verhältnis von Ursache und Wirkung ist da nicht miteinander in Einklang zu bringen. Der eine Roman ist fertig, der zweite in Arbeit, für den dritten gibt es eine Skizze. Ich habe einen Essay geschrieben, vielmehr überarbeitet, und einige abstrakte Ideen für weitere kleine Texte. Ich habe an der Uni ein paar wichtige Dinge getan und andere angeschoben. Es sind Dinge zu Ende gegangen und, wichtiger, andere haben angefangen. Ich habe getrauert und gehofft und letztlich war das Verhältnis dieser Strebungen ausgeglichen; mit einem deutlichen Übergewicht ins Positive. Allerdings ist mein Gemüt so veranlagt, dass es die Dinge, die in der Schwebe sind und von Natur aus nirgendwohin neigen, in diese positive Richtung drängt. Nur Schmerz oder Lust, nur Trauer oder Hoffnung: das hält kein Mensch aus.

    Ich bleibe, wie in den beiden vergangenen Jahren, in Berlin. Ich bleibe zu Hause statt nach Hause zu fahren. Das ist eines der Dinge, die man positiv oder negativ empfinden könnte. Ich schlafe aus. Ich lese und schaue bisweilen aus dem Fenster. Ich denke an Geldorf, den schönen und stolzen Labrador, mit dem ich am Breiten Luzin Freundschaft geschlossen habe. Er hat mich vor den Geistern des Sees beschützt und ich habe ihm zum Dank das erste Kapitel von „Das Geräusch des Werdens“ vorgelesen. Da er auch aus Berlin kommt – aus Lichtenrade, wo ich noch nie war – werde ich ihn mir für einen langen Weihnachtspaziergang ausleihen. Darauf freue ich mich sehr! Bei dieser Gelegenheit werde ich ihn auch einmal auf sein kauendes und gähnendes Verhalten bei meiner kleinen Lesung ansprechen. Ich bin sicher, der hat ein schlechtes Gewissen.

    Ich lese

    - Hermann Melville, Bartleby, der Lohnschreiber

    - Daniele Del Giudice, Der Atlas des Westens

    - Wolf von Niebelschütz, Der blaue Kammerherr

    - Janet Frame, Dem neuen Sommer entgegen (eine Empfehlung)

    - Bruno Schulz, Das Sanatorium zur Sanduhr

    - F. Scott Fitzgerald, Der große Gatsby

    Das letzte wird bei dem einen oder anderen Verwunderung auslösen. Ich weiß, dass es hierzulande vielgelesen ist. Ich aber kenne es nicht und deswegen lese ich es. Ich werde mich, was ich gut kann, in mich zurückziehen. Ich schalte alle Lampen um mich herum aus und meine eigene an.

    Ich wünsche Ihnen allen eine gute Zeit, ein schönes Fest und geruhsame Tage danach! Machen Sie mal einen Spaziergang! Mit oder ohne Hund. Ich hoffe, es ergeht Ihnen wie mir, dass Sie sich auf das neue Jahr freuen. Ich freue mich unbändig!

     Crăciun fericit! – Frohe Weihnachten!

    Und dann doch noch etwas Weihnachtliches, aus Südamerika, Agentienien: Ariel Ramírez, Missa Criolla, wir hören das Gloria mit Jose Carreras!

     

    Nachtrag: Als ich heute las was ich gestern schrieb, hatte ich das Gefühl, dass es in einem Punkt nicht der Wahrheit entspricht. In Wirklichkeit war das ein ganz außergewöhnlich gutes Jahr! Ich bin gerade nur kaputt und das ist ein Zustand, den zu begreifen ich mich schwer tue. Das sind Tage, an denen nichts läuft und ich nicht verstehe, warum das so ist. Das verdunkelt meine Stimmung. Bis ich dann begriffen habe, dass ich nicht mehr kann. Und dann lasse ich es auch gut sein. So ein Zustand war das gestern. Ich hatte heute ein langes und außergewöhnlich gutes Gespräch mit meinem Verleger. Jetzt lasse ich bis Sylvester alles liegen und lege mich dazu. Am ersten Januar stehe ich wieder auf.

    Bei Kommentaren bitte beide Worte des Captcha eingeben. Das ändert sich im neuen Jahr.

     

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
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    03 Dezember 2011

    Tratamentul lombalgiei și al crizei de lumbago

    Hinter dem Titel dieses Artikels verbirgt sich nichts Gutes: man kann leider nicht viel machen. Es tut verdammt weh, ist aber angeblich nicht tödlich. Dennoch ist man geradezu hilflos. Was auf Rumänisch lumbago heißt, hat im Deutschen einen anderen Namen: Hexenschuss. Offenbar haben weder die klassische Medizin noch die Naturheilkunde ernsthaft etwas anzubieten. Es gibt vor allem die sogenannte konservative Therapie: Abwarten und Tee trinken. Ein Ratschlag allerdings findet sich auf beiden Seiten: Relaxarea – Entspannung. Großartiger Tipp. Ich könnte mich schon entspannen, wenn das, wovon ich entspannen müsste, nicht wäre. Was für eine hinterhältige Schweinerei!

    Also: eine Krise. Phorkyas  hatte sich noch beklagt, dass bei M Blecher – Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit – zu Beginn so oft von der Krise die Rede ist. Im Deutschen würde man wohl eher von einer Erkrankung reden oder einem Anfall. Aber die Krise trifft es besser. Weil es keine inhaltsleere Krise ist, sondern immer eine bestimmte Krise, die der Pubertät oder die einer verrückten Hexe, die einen hinterrücks erschießt. Und das auch noch im Schlaf! Es sieht danach aus, als wenn ich meinen Aufenthalt hier abbrechen und nach Berlin zurückkehren müsste.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
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    18 November 2011

    Geldorf, die Fahnen und ich

    Heute früh lief hier ein Mann um die Hütten herum und rief lauthals meinen Namen. Meine Hütte ist eine von sechs, die einen halben Kilometer von der Straße weg sind. Das war mal eine kleine Siedlung von DDR Oberen, die sich irgendwie gemacht haben und belohnt wurden. Inzwischen hat das hier offenbar mehrfach den Besitzer gewechselt. Ich wohne in der Hütte am einen Ende und ein älterer Mann wohnt mit seinem Hund am anderen Ende, die vier dazwischen stehen leer. Der Hund ist ein bildhübscher Labrador und heißt Bob Geldorf. Er hört seltsamerweise nicht auf Bob, der ignoriert seinen Vornamen, sondern nur auf Geldorf. Er ist noch kein Jahr alt und hat nur Blödsinn im Kopf.

    Der Mann der hier herumlief und erstaunlicherweise meinen Namen kannte, war von einem Kurierdienst. Der hat die Fahnen vom ersten Roman gebracht. Den hatte ich schon völlig vergessen. Ich habe also erst einmal ausgepackt, im Beisein von Geldorf.  Sein Besitzer ist heute für einen Tag nach Berlin gefahren und hat mich gebeten, auf den Hund aufzupassen. Geldorf ist offenbar sehr an neuster Literatur interessiert und hat den Vorgang des Auspackens mit äußerstem Interesse verfolgt. Vor Aufregung hat er sich fast in den Schwanz gebissen. Ich sitze also jetzt auf dem Sofa und halte den Ausdruck in Händen. Geldorf liegt auf dem Boden und kaut an einem Hundeknochen, beobachtet mich aber ununterbrochen. Ich bin ganz sicher, dass er schon überlegt, an meinem Laptop herumzukauen.

    Das ist ein nicht unwichtiger Moment. Ich halte zum ersten Mal den gesetzten Text in Händen, wie er als Buch erscheint, mit den entsprechenden Zeilen- und Seitenumbrüchen. Das muss ich bis Mittwoch kommender Woche gelesen haben. Wahrscheinlich werde ich es Geldorf vorlesen und dann die Stellen umschreiben, bei denen er jault. Mit den Fahnen steht nun auch bereits der Drucktermin fest. Und der Erscheinungstermin steht ebenfalls fest: der 23. Januar 2012.

    Die wichtige Frage die Sie jetzt alle haben, lautet natürlich: um wie viel Uhr erscheint es? Das weiß ich noch nicht, aber ich wäre für elf Uhr morgens. Spätestens! Bücher, die nachmittags erscheinen, haben oft so eine unnötige Schwere, die Charaktere sind bleiern und das Personal unlustig, und bei abendlichen Erscheinungen sind die Handlungsfäden bisweilen geradezu verworren.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
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    22 Oktober 2011

    Beschäftigen, bewegen, beruhigen und beunruhigen

    Ich brauche das Netz derzeit nicht so. Wenn man das bei sich feststellen kann, kann man ebenfalls feststellen, dass das Netz einen auch nicht braucht. Man weiß nicht, welche der beiden Feststellungen die beruhigende und welche die beunruhigende ist.

    Es sind einfach gerade andere Dinge, die mich beschäftigen, bewegen, beruhigen und beunruhigen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
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    10 Oktober 2011

    Blog – Drogen – Welt – Einstein – Licht – Straßenverkehrsordnung

    Mein Blog war einige Tage nicht zu erreichen. Jedenfalls nicht von meinem Rechner. Ich habe das, da ich jeden Tag einmal hinein schaue, auch recht bald bemerkt. Aber ich war so in meinem Schreiben versunken, dass ich nichts dagegen unternommen habe. Ich habe einen Brief an den Provider geschrieben und ihn auf der Hälfte liegen lassen. Ich habe einige Emails angefangen und liegen lassen. Ebenso diesen Beitrag: angefangen und liegengelassen. Ich wollte etwas für die Zeit formulieren, in der das Blog wieder zu erreichen ist. Jetzt ist diese Zeit überraschenderweise schon da: Ohne meinen Brief an den Provider. Und ich habe keinen Artikel, den ich einstellen könnte. Ich habe gerade andere Drogen. Ich weiß nicht, was ich darüber hinaus sagen soll. Ich bin derzeit in verschiedenen Hinsichten abwesend.

    Die Welt wird sich wohl auch ohne mich weiterdrehen. Und wenn sie sich nicht dreht, dann macht sie etwas anderes, vielleicht schlägt sie Kapriolen. Dieses jahrmillionenlange Drehen ist ja auf Dauer auch eintönig. Das liegt alles an der Relativitätstheorie. Falls das in den kommenden Tagen hier noch einmal ausfällt, schreiben Sie bitte einen Beschwerdebrief an Albert Einstein. Schreiben Sie bitte: das Licht bewegt sich womöglich gar nicht mit Lichtgeschwindigkeit. Oder schreiben Sie etwas anderes.

    Ich komme bestimmt bald wieder: mit einem zwar nicht schnelleren, aber helleren Artikel. Auf die Schnelligkeit, sagen Sie das Mr. Einstein, kommt es im Leben auch nicht immer an. Nicht einmal beim Licht. Das kommt es auf die Helligkeit an. Jedenfalls beim deutschen Licht, siehe Straßenverkehrsordnung, der Paragraf, der die Beleuchtung von Fahrrädern regelt. Da durfte ich mir vor einiger Zeit etwas anhören. Und demnächst darf ich es wohl auch anzahlen.

    Das war ein schöner Rundumschlag: Blog – Drogen – Welt – Einstein – Licht – Straßenverkehrsordnung.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
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    17 September 2011

    Apocalipsă

    Wenn ich aus Rumänien wieder nach Deutschland komme, habe ich in der Regel Schwierigkeiten mich hier einzuleben. Ich komme aus einer anderen Welt und ich bin hier dann mehr oder weniger schnell an dem Punkt, wo ich mich frage, wie sinnvoll das alles ist, was ich tue.

    Das Leben dort ist ganz anders als hier. Ich beschäftige mich mit anderen Sachen und ich spreche eine andere Sprache. Ich habe andere Menschen vor der Nase, andere Probleme, andere Geschichten. Ich bin politischer als hier, wo ich nur teilweise verstehe was passiert. Dort sitze ich den ganzen Tag lang herum und rede.

    Ich habe einen halben Tag mit einer Freundin über Roșia Montană gesprochen. Rumänien geht’s wirtschaftlich nicht sonderlich gut. Anders als Griechenland, an dem Europa und die Welt mitleidet – nicht weil die Griechen netter sind als die Rumänen, sondern weil die einen den Euro haben und die anderen nicht – leidet Europa nicht an Rumänien. In Roșia Montană sieht der rumänische Präsident Traian Băsescu die Teil-Lösung dieses wirtschaftlichen Problems. Dort liegen gigantische Goldvorräte .

    Vor einigen Jahren hat man sich zur Zusammenarbeit mit dem kanadischen Konzern Gabriel Resources Ltd. entschlossen, vielmehr hat man die Schürfrechte sozusagen abgegeben. Nun liegt das Gold da leider nicht – wie in Fort Knox – in schönen handlichen Barren im Keller herum. Das Gold muss nicht nur gestapelt, sondern es muss abgebaut werden, es ist ein in Gesteine eingespengseltes mineralisches Gold. Die Kanadier wollen das tun, indem sie ein Verfahren benutzen, das in der EU so nicht mehr zulässig ist: indem sie Cyanid einsetzen. Das Verfahren nennt man Auslaugen. Zurück bleiben gigantische Abraumhalden mit vergifteter Natur. Zurück bleiben auch riesige Mengen zyaniertes Wasser, das in Staubecken eingelagert wird. Was passiert, wenn die Dämme brechen, hat man schon einmal erfahren müssen. Im Jahr 2000 hat es in Baia Mare die nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl zweitgrößte Umweltkatastrophe Europas gegeben. Eigentlich war das Projekt auch schon vom Tisch. Aber der rumänische Präsident hat es neu für sich entdeckt. Und der steigende Goldpreis tut sicherlich auch nichts für die Umwelt.

    Cyanid ist ein Schwermetall, die Blausäure zerstört die ganze Gegend dort. In der beabsichtigten Menge ist das eine Umweltkatastrophe, die nicht zufällig entsteht, sondern bewusst eingeleitet wird. Nun ist diese Gegend, die Munții Metaliferi, eine einmalige Natur, die zerstört wird. Das Empfinden für Natur ist in Siebenbürgen sehr ausgeprägt. Man weiß, jedenfalls empfindet man das so, dass die Karpaten einer der schönsten Gegenden Europas sind. Das Empfinden für die Zerstörung der Natur ist allerdings vor allem bei Gebildeten vorhanden. Oder die Bereitschaft, sich darauf einzulassen. Und Umweltprojekte sind nahezu nicht zu finanzieren. Die Leute sind froh, wenn sie Arbeit bekommen und genau das verspricht die kanadische Firma ja auch. Von Mülltrennung wie sie in Berlin und wahrscheinlich in ganz Deutschland praktiziert wird, ist man weit entfernt. Einen Artikel zu dem Widerstand, allerdings schon einige Jahre alt, aber mit Fotos, gibt es im Eurasischen Magazin, hier.

    Aber es ist so weit weg, von meinem Leben hier, von meinem Schreiben und meinen anderen Interessen, dass ich gar nicht darüber berichten möchte. Dort drüben höre ich immer Geschichten, während ich hier nie Geschichten höre. Alle erzählen mir dort Geschichten, von der Nachbarin, deren Dachstuhl eingestürzt ist und die glaubt, dass da wer am Werk war. Von der Cousine, die heiraten will oder die vielleicht nur das will, was der Mann will, der sie heiraten will. Von der Frau, die in den Wald gegangen und nicht wieder herausgekommen ist. Hier muss ich mir alle Geschichten selbst ausdenken. Dort war noch Sommer, hier ist schon Herbst. In Bukarest waren fünfunddreißig Grad, da geht alles um zehn oder zwanzig Prozent langsamer. Und es geht nicht nur langsamer, gemächlicher, schwitzender, es geht einfach anders. Das sind genau die zehn Prozent, die das Leben dort und hier voneinander unterscheidet.

    Hier steht mir ein Urlaubssemester bevor, mit vor allem einer großen Aufgabe, den zweiten Roman zu beenden. Damit ich in den beiden kommenden Semestern an der Diss arbeiten kann. Hier ist alles sehr stark durchstrukturiert. Es ist natürlich deswegen so, weil ich das mache. Ich vermute, dass das Leben zu einem großen Teil aus Alltäglichkeit besteht. Eingespannt in einen Rahmen aus Interessen und Notwendigkeiten, aus Eintönigkeit und Abwechslung, stellt man sich die Frage nach einem Sinn eigentlich nicht. Ich stelle sie mir nicht. Ich stelle sie an solchen Umbrüchen, wenn ich von der einen in die andere Gegend, von der einen Vorstellung in die andere reise. Jetzt steht der Klotz „Roman“ vor mir. Das sind sechs arbeitsreiche Monate. Dann muss das fertig sein. Die Art von fertig, die es eben sein muss, bevor ich mit dem Lektor zusammenarbeite. Oder gegen ihn.

    Die Apokalypse ist sehr beliebt in Rumänien. Man sieht sie überall am Werk. Überall apokalyptische Reiter. Ich erzähle einen Witz. Aus irgendeinem für den Witz nicht wichtigen Grund geht die Welt unter: Vulkane und Atome. Vulkanausbrüche, Atomkraftwerks- oder Atombombenausbrüche und- explosionen, Erdbeben, Asteroiden, untergehender Dollar, untergehender Euro. Weltweit stürzen die Flugzeuge ab. Missgeburten, Tod und Pestilenz. Alles kaputt. Alle Menschen verstrahlt, verstümmelt und tot. Nur die Rumänen haben überlebt. Nur den Rumänen geht es wie immer. Und warum ist das so? Ganz einfach: Weil die Rumänen eben schon immer 50 Jahre hinterher waren.

    Bei Kommentaren bitte beide Worte eingeben.

    Ich war in Sibiu in einer Ausstellung. Weil man nicht fotografieren durfte, gibt es nur das Plakat dazu.





    10 September 2011

    Dazwischen, ohne Zeit, ohne Richtung

    Zwischen Bukuresti und Sibiu: ich bin ich mit dem Zug gefahren. Das sind etwa 300 Kilometer und 8 Stunden Fahrt. Allerdings geht es durchs Hochgebirge. Ich hätte gerne die Taubstummen im Zug fotografiert. Generell habe ich schon Schwierigkeiten damit, Unbekannten die Kamera ins Gesicht zu halten, hier war es geradezu unmöglich. Es wäre auch fraglich gewesen, ob deren ausgeprägte Körperhaltung, Mimik und Gestik auf den Bildern zu sehen gewesen wäre. Stattdessen habe ich mich mit Dora und ihren kleinen Sohn Dimi unterhalten, der mit mir kokettierte.

    Die Bilder sind vielleicht nicht durchweg interessant. Zu sehen ist unter anderem ein Krankenhausdach, das ich noch jemandem schuldig war. Zu sehen ist auch der Bus, mit dem ich zur Uni gefahren, der Park, in dem ich oft nach der Uni gesessen, eine Bank auf der ich Händchen gehalten habe, ein Hinterhof, den ich kenne. Meine Erinnerungen eben.

    Am Tag vor der Abreise bin ich immer voller Wehmut. Und dann saß ich bereits im Zug nach Berlin. Ich schaue die ersten Stunden aus dem Fenster. Vom Zug aus kann ich in der Ferne mein Dorf in den Bergen sehen, den Kirchturm. Ich spüre, wie das alles weniger wird und wie etwas anderes mehr wird, die Freude auf Berlin, auf alles, was mich da erwartet, vor allem aber die Freude aufs Schreiben.

    Auf dem Weg nach Alba Iulia stand ein Zigeuner neben einem Wohnwagen und grüßte den vorüberfahrenden Zug mit erhobener Hand. Seltsamerweise war es nahezu leer, da war nur ein schlafender Mann und eine kleine Holländerin, kaum halb so groß wie ich, die weder Deutsch noch Rumänisch konnte – auch keine andere Weltsprache – nicht einmal Englisch, und die mich dauernd in einem frei erfundenen Kauderwelsch fragte, wie spät es sei. Es gibt in Rumänien keine Sommerzeit. Aber das ändert sich nicht alle zehn Kilometer. Die Zeit ist immer dieselbe, diesseits wie jenseits der Grenze. Sie vergeht drüben zwar langsamer, aber sie vergeht gleichmäßig langsamer, nicht stochastisch.

    Ich bin also wieder da. Totul e bine când se sfârșește cu bine! – In etwa: Alles ist gut, was gut endet.

    Sie wissen es schon: beim Captcha bitte beide Worte eingeben.





    08 September 2011

    Bucureşti, zehn Minuten vor vier

    Im Vergleich mit dem vernünftigen Transsilvanien ist Bucureşti geradezu wahnsinnig. Bukarest: das sind arme Menschen, streunende Hunde, fünfunddreißig Grad Hitze. Ich habe bei einer Freundin gewohnt, eine Kanadierin, die im vergangenen Jahr einen Rumänen geheiratet hat. Die hatten eine Seilbahn im Flur hängen und ein Zimmer frei. Ich habe Freunde getroffen, im Lipscani Viertel, wir haben Bier getrunken. Ziemlich viel sogar. Erstaunlich, was alles in einen reingeht. Ich war im Cişmigiu-Park spazieren, wo ich früher häufig war, in der Nähe der Universität. Einmal bin ich in eine Zigeunerhochzeit geraten. Die haben einfach die Straße dichtgemacht, indem sie ihre Autos quergestellt haben, dann wurden zwei mannshohe Lautsprecher auf die Straße gestellt und getanzt. Das ging viele Stunden lang so. Um die Stimmung zu erfassen, müsste ich allerdings den Ton mitliefern.

    Vier Tage später ging‘s mit dem Zug zurück, der voller Taubstummer war. Die kamen möglicherweise von einer Veranstaltung oder einem gemeinsamen Ausflug. Es ist ja nicht ganz einfach mit einem Taubstummen in Kontakt zu kommen. Zumal die Hemmung auf beiden Seiten ist. Es ging durch das Prahova-Tal, das in einer der schönsten Gegenden der Karpaten liegt. Leider an diesem Tag nebelverhangen, so dass die Bilder nicht das zeigen, was sie zeigen könnten. Am letzen Abend habe ich noch ein Konzert gesehen, einen Teil davon, und dann gings wieder in ein Restaurant. Abschied eben. Der letzte Abend ist immer eine Katastrophe.

    Ich bin nicht sehr zufrieden mit den Fotos. Ich habe Schwierigkeiten, Menschen direkt ins Gesicht zu fotografieren. In Sibiu ging‘s noch. Zum einen kenne ich einige, die auf den Bildern zu sehen sind. Außerdem war die Situation so, dass alle alles fotografiert haben. In Bukarest war das schon schwieriger. Das liegt natürlich an mir. Ich mag es nicht, wenn mich jemand fotografiert. Das hat am Dienstag jemand in der Bibliothek gemacht, mehrfach. Ich bin verärgert von meinem Platz aufgestanden und habe die Frau gebeten, damit aufzuhören. Ich weiß allerdings, dass die meisten Menschen gerne fotografiert werden. Ich empfinde es dennoch als einen aggressiven Akt, wenn ich jemandem eine Kamera vor die Nase halte.





    05 September 2011

    Sibiu, zehn Minuten vor acht

    Ich war kurz weg und nun bin ich wieder da. Ich berichte nur in wenigen Worten. Ich lasse lieber die Bilder sprechen. Dann habe ich Zeit, in Berlin anzukommen. Es gibt drei Fotostrecken, aus Sibiu, aus Bucureşti und dann der Rest.

    Ich bin in den ersten Tagen nur auf dem Dorf, bei der Familie geblieben. Ich habe manchmal Sehnsucht nach Familie und die kann die eigene am besten erfüllen. Ich bin einen Tag nach Ocna Sibiului – Salzburg zum Baden gefahren. Ich war einen weiteren Tag mit meinem Vater zum Wandern in Victoria, am Fuß der Munţii Făgăraş. Da habe ich leider die Kamera vergessen. Vielmehr einen kleinen Teil derselben: den Akku. Am letzen Wochenende im August findet traditionellerweise in Sibiu das Cetăţi Transilvane statt,  ein beliebtes Mittelalterfestival. Da war ich natürlich auch dabei. Die Hauptattraktion, die Band Corvus Corax, habe ich allerdings nicht mitbekommen. Zu der Zeit saß ich bereits in einem Weinkeller. Ich habe an dem Abend einige Male ziemlich laut gelacht.

    Nach einer Woche bin ich dann nach mit dem Bus nach Bucureşti gefahren. Ein großer Teil des Verkehrs wird mit Bussen bestritten, sie sind billiger als Züge und schneller. Ich habe diese Fahrt früher oft gemacht. Es läuft immer laute Musik im Bus. Auf der Fahrt wird irgendwo in den Vorstädten auf Autohöfen gehalten: Rumänien eben. Es geht durch das malerische Olt-Tal über Pitești, eine durch die ersten Jahre des Kommunismus sehr unrühmliche Stadt. Der Bus an diesem Tag hatte Plätze für genau 23 Personen, darin befanden sich ungefähr 33 Personen. So verdienen die Busfahrer Geld, denn bezahlen müssen auch die, die keinen Platz haben: Rumänien eben. Unter anderem stand Marlene, die gerade das Abitur absolviert hat und seit drei Wochen in Rumänien unterwegs war. Ihre Eltern haben siebzehn Jahre in Rumänien gelebt und die Tochter konnte, obwohl sie in Deutschland aufgewachsen ist, fließend Rumänisch. Auf dem letzten Teil der Fahrt, auf der berühmten, weil einzigen Autobahn des Landes, standen zwei Frauen, ein Mann und ein Baby am Straßenrand: Rumänien eben. Der Busfahrer hat gehalten und die Anhalter mitgenommen. Als der Mann ihm dann Geld anbieten wollte, hat der Busfahrer selbstverständlich abgelehnt. Rumänien eben: zutiefst menschlich.





    20 August 2011

    Auf der faulen Haut

    Morgen in aller Frühe geht es nach Rumänien. Endlich. Ich hatte in den vergangenen Tagen auf nichts anderes mehr Lust. Ich breche hier regelrecht zusammen oder auseinander. Es ist gut, dass es jetzt nach Hause geht. Für eine gewisse Zeit. Mehr als eine gewisse Zeit Zuhause ist nicht zu haben. Dann gehen wir wieder in die Fremde und träumen von Zuhause. Andere träumen von der Fremde. Oder sie träumen gar nicht. Das ist die bedauerlichste Variante.

    Ich werde etwa zwei Wochen unterwegs sein. Ich werde auf der faulen Haut liegen, dem Opa beim Holzhacken zuschauen und der Oma beim Einkochen helfen. Ich werde mit aufs Feld gehen und das neue Fohlen anschauen. Ich werde das Kind meiner Eltern sein. Ich werde die sein, die ich hier nicht bin und nie sein kann.

    Wer hier als Kommentator/in angemeldet ist, kann Texte einstellen. Alle anderen müssen sich gedulden, bis ich wieder zurück bin. Ich schaue unterwegs in keinen Computer. Wenn ich wieder in Berlin bin, zeige ich Fotos. Dieses Mal aus Bukarest.

    Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Sommer.

    Bonnie ‚Prince‘ Billy – “New Partner”

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    26 Juli 2011

    Anpassung, Teil II

    Noch einmal die Frage nach der Anpassung. Dieses Mal ist es schon schwieriger, weil nicht deutlich ist, ob es überhaupt eine Frage der Anpassung ist. Ich hatte ein Gespräch mit meinem Lektor, ein wichtiges und gutes Gespräch. Die meisten Dinge, vor allem formale Fragen, sind ganz unstrittig. Es gibt allerdings auch Differenzen. Die kann man sicher damit erklären, dass wir anderen Geschlechts und anderen Alters sind, dass ich den Text produziert und er ihn lektoriert hat. Er streicht gerne Sätze, ich würde sie lieber umformulieren. Ich mag es gerne etwas verspielter, er ist da ernster.

    Es sind viele Geschmacksfragen dabei. Allerdings ist das bei der Literatur so: da kann man lange mit Argumenten kommen, es urteilt nicht der Verstand, sondern der Geschmack. Und das ist es auch, was der Leser als erstes an den Text anlegt: seinen Geschmack. Denn er liest ihn nur einmal und beim ersten Mal hat man, um einen  Text zu begreifen in der Regel nichts als seinen Geschmack: Weil das erste Begreifen ein Genießen ist!

    Der Lektor möchte gerne zwei, drei Kapitel streichen, er möchte einen für mich wesentlichen Erzählfaden ausdünnen. Er hätte das Ganze gerne etwas runder. Ich hingegen mag das eckige und halte es für eine wesentliche Qualität meines Schreibens. Auf der Ebene wo der Text inzwischen angekommen ist, geht es um viele Fragen: die nach seiner Qualität, die nach seiner Stimmigkeit, die nach dem Erfolg auf dem Markt. Das alles ist gar nicht mehr voneinander zu unterscheiden. Der unveröffentlichte Text verschwimmt auf eine eigenartige Weise zwischen sich selbst auf der einen und der möglichen Rezeption auf der anderen Seite.

    Diese Rezeption beginnt mit dem Lektor. Es ist sehr schwierig für mich, die Seite der Produktion zu verlassen und die der Rezeption einzunehmen. Und ich darf es auch nicht tun, weil ich die Änderungen vornehmen muss. Nähme ich eine kontemplative Haltung gegenüber meinem Text ein, wäre das nicht mehr möglich.

    Was ist das Richtige für den Text? Ist das Thema Blindheit, was am Anfang meines Interesses stand und was für mich überaus wichtig war und ist und da für mein Empfinden den gesamten Text strukturiert; ist das auf der Ebene, auf der der Text inzwischen angekommen ist, noch immer zentral? Verliert der Text, weil er von den anderen, sehr poetischen Kapiteln wiederholt zu dem Blinden und seinem berichtenden Stil zurückkehrt? Oder ist diese wiederholte Rückkehr in einem unruhigen Text, ein beruhigendes Moment? Ist die Verwirklichung meines eigenen Stils immer leserfreundlich? Muss ich das immer und notwendig sein? Muss ich, um es zu sein, unter meinen Möglichkeiten bleiben?

    Ich habe ein Kapitel, das den Überfluss in Deutschland beschreibt. Der Lektor sagt, es sei ausgezeichnet geschrieben. Aber überflüssig. Natürlich ist es das! Ein Kapitel über den Überfluss wäre, wäre es nicht überflüssig, überflüssig. Aber reicht das, um seinen Verbleib im Roman zu rechtfertigen? Wir haben uns darauf geeinigt, dass es reicht und behalten es drin. In einem anderen Kapitel, so der Lektor, bliebe ich unter meinen Möglichkeiten. Also löschen wir es. Aus geometrischen Gründen, was immer das bedeutet, würde ich daraus folgend, noch ein anderes Kapitel löschen wollen. Aber ist Geometrie wichtig?

    Es sind viele Fragen. Fragen, die keiner beantworten kann. Aber ich werde sie beantworten müssen. Ich muss handeln. Das muss vor dem Sommerurlaub vom Tisch sein. Es muss noch einmal an den Lektor, dann an die Setzerin und danach haben Lektor und Autorin noch einmal zwei Wochen Zeit, um die Fahnen zu lesen und letzte Korrekturen anzubringen.

    Ich selbst, mein Text, der Lektor, der, ganz ohne jede Frage dem Text gut tut (das habe ich ihm gesagt und ich habe mich dafür bedankt. Es gibt Dinge, die sind mit Geld nicht zu klären, da bleibt nur der Dank), der Leser, der Rezensent, der mögliche Erfolg auf dem Markt, das Buch als Debüt einer Autorin, die noch sehr viel vorhat, und die Angst unterzugehen, aus Zufall oder weil man sich für das eine oder gegen das andere Kapitel entschieden hat und der Gesamteindruck dann eben nicht genau der ist, den andere erwarten: das alles verschwimmt auf eine eigenartige Weise miteinander.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
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    17 Juli 2011

    Wie sehr ich mich auch anstrenge

    Ich habe eine anstrengende Zeit hinter mir. Monate, in denen ich manchmal so erschöpft war, dass ich nicht ein noch aus wusste. Ich habe eine Grenze nicht, die ich als natürlich und als gesund empfinde. Wo ich, ähnlich wie beim Hunger, wenn ich satt bin aufhöre Appetit zu verspüren. Ich empfinde diese Grenze bei der Erschöpfung nicht. Ich bin kaputt und kaputter. Aber ich höre nicht auf, mich weiter kaputt zu machen. In den vergangenen Wochen war ich bei zwei Ärzten. Der Internistin sagte ich, ich könnte mich nicht erholen, wie sehr ich mich auch anstrenge. Die antwortete mir, dass man den Zustand der Erholung auch nicht durch Anstrengung erreiche, sondern indem man aufhört, sich anzustrengen. Neben ihren eigenen Untersuchungen schickte sie mich zu einem Neurologen. Dem habe ich meine Situation recht ausführlich geschildert und er sagte anschließend, ich rede „wie aus dem Lehrbuch“. Bedauerlicherweise ist es das Lehrbuch für Psychosomatik.

    Ich werde Entspannungstechnicken erlenen müssen, sonst sagte die Ärztin, sagten beide Ärzte, würde ich ernstlich krank werden können. Ich mache also ab sofort Yoga. Und ich schaue mir schöne Bilder an. Wie gestern. Und heute auch. Und morgen. Vielleicht. Allzu viel Entspannung kann ja auch zermürbend sein.

    Hier habe ich es gefunden.

    Noch immer ist der Technik Murks nicht behoben: Bitte geben Sie, wenn Sie kommentieren möchten, beide Worte ein!





    14 Juni 2011

    Torik tot?

    Mitnichten! Ich hatte lediglich viel zu tun. Zehn Tage keinen Eintrag, das hat es allerdings noch nicht gegeben seit ich hier das Zepter in der Hand habe. Vielleicht bin ich doch schon tot? Woher soll ich das wissen? Woran merkt man sein Totsein? Daran, dass man nichts mehr merkt? Das kann man ja nicht merken. Vielleicht kann man das nicht merken, weil beim Totsein alles wie immer ist. Während sonst immer alles ganz anders ist. Oder umgekehrt?

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    01 Mai 2011

    Das Gute und das wenige weniger Gute

    Mein Blog und ich, wir sind nun seit zwei Jahren im Netz. Das Blog permanent, ich nur bisweilen. Meist bin ich in der sogenannten Wirklichkeit, die so wirklich ja auch gar nicht ist. Sodass ich dann denke: wäre ich jetzt nur im Netz. Da kann einem nichts passieren. Im Netz wird man nicht von der Straßenbahn überfahren, man kann nicht verhungern und nicht verdursten. Und wenn man einsam ist, dann geht man dahin, wo andere auch einsam sind. Ich nutze mein zweites anniversaire, um in die Vergangenheit und in die Zukunft zu schauen. Und in alle anderen Richtungen. Nur wenig ist einzig zukünftig oder vergangen.

    Es liegt ein gutes Jahr hinter mir. Ich kann, durch das wenige weniger Gute bedingt, das viele Gute besser schätzen. Ich habe Leute kennengelernt, ich habe einen Mentor und einen Verlag gefunden, mein erster Roman wird veröffentlicht. Ich habe den zweiten geschrieben. Es hat sich von selbst geschrieben, ich musste bloß die Finger hinhalten.

    Das Schreiben im Netz ist für mich nicht mehr so ganz wichtig wie zu Beginn. Das liegt an einer persönlichen Auseinandersetzung Anfang des Jahres, auf die ich hier nicht noch einmal eingehen will. Ich habe mich aus diesen Kreisen etwas zurückgezogen. Und ich bin zu stark in andere Aktivitäten involviert, um mir neue Kreise zu suchen. Ich kommentiere kaum noch bei anderen. Ich glaube allerdings, dass Leserbindung vor allem durch Kommentare stattfindet. Bloggen ist eine recht hermetische Veranstaltung, die nach dem do-ut-des-Prinzip abläuft: ich gebe, damit du gibst. Oder, strenger, alttestamentarischer: wie du mir so ich dir. Kommst du auf meine Seite, komme ich auch auf deine. Es ist von daher sinnvoller, wenige Artikel zu schreiben und viel bei anderen zu kommentieren. Damit macht man sich eher einen Namen als mit eigenen Artikeln. Ich bin also ein wenig enttäuscht.

    Das Führen eines Blogs ist viel Arbeit. Bisweilen frage ich mich, wofür ich das eigentlich tue. Ich habe die Antwort gefunden: Ich tue es für niemanden. Nicht einmal für mich selbst. Ich tue es einfach so. Weil es ein Medium ist, das man bedienen kann und vielleicht sogar muss. Ich werde keine Tagebücher herausgeben, das Blog steht an dieser Stelle. Ich habe zweihundertfünfzig Seiten Text dafür geschrieben und hundertfünfzig Seiten Kommentare. Es sind einige Kommentatoren abgesprungen, wenige neue hinzugekommen. Ich danke allen, die sich hier beteiligt haben und die dies Blog mit Lesen und Schreiben unterstützen.

    Ich mache mir periodisch wiederkehrend Gedanken zum Thema Geldverdienen. Es wird einen postuniversitäten Zeitraum meines Lebens geben, den es zu überbrücken gilt. Man geht ja nicht gleich, frisch von der Uni, in die Rente. Ich habe mich jüngst mit einigen Leuten getroffen, die alle schreiben und die alle wissen, dass man damit kein Geld verdienen kann. Diese profane Erkenntnis gilt es nun zu veredeln und anschließend zu monetarisieren. Wir sind da ganz optimistisch.

    Im Ernst: Das Entlohnungsmodell für Schriftstellerinnen ist revisionsbedürftig. Man bekommt zwischen 8 und 12 Prozent des Nettoumsatzes der tatsächlich über den Buchhandel verkauften  Bücher. Wenn man die durchschnittliche Anzahl verkaufter Exemplare anspruchsvoller Literatur in Deutschland hochrechnet, wird der Autoir für einen oder zwei Monate leidlich bezahlt. Die verbleibenden zehn oder hundert Monate muss er eben sehen wo er bleibt. Da das kein ernstzunehmendes Modell ist, werden über kurz oder lang andere Modelle entstehen. Dazu zählt auch, dass man seine Texte im Netz anbietet. Die ersten drei Kapitel gibt’s gratis, der Download des gesamten Werks kostet dann 3,99 Euro. Man bietet ein selbstgestaltetes Cover an. Der potentielle Leser kann entscheiden, ob er den Text auf dem Bildschirm liest oder ob er sich das ausdruckt. Die Entlohnung des schreibenden Personals ist aus wirtschaftlicher Sicht kompletter Unsinn, jeder Lektor und jede beteiligte Agentur verdient besser als der Produzent des Primärgutes. Und weil es Unsinn ist, werden andere Modell entstehen. Auch Blogs sind da nicht das letzte Wort, weil da alles gleichermaßen gratis angeboten wird, sie sind eine Art Übergangserscheinung. All das ist spannend und auch belastend.

    Ich werde dieses Jahr im August nach Rumänien fahren. Ich werde in Transsilvanien auf der faulen Haut liegen. Ich werde mit Minerva – wer meinen zweiten Roman liest, wird auch Minerva kennenlernen – nach Bukarest fahren, um bei der Eröffnung seiner (sic!) Securitate-Akte dabei zu sein. Das muss man sich so vorstellen, dass einer nach vielen, nach beinahe zwanzig Jahren, in denen er immer wieder gezögert hat und vor diesem Schritt zurückgeschreckt ist, sich in einen Raum zurückziehen wird, wo er mit einer dicken Akte und seiner Vergangenheit konfrontiert ist. Wer hat damals über ihn berichtet? Welcher seiner Freunde hat einen Bericht geschrieben? Welche seiner Freundinnen hat ihn denunziert? Wo unterscheiden sich Bericht und Denunziation? Wer hat das nur aus Notwehr getan, wer aus Überzeugung. Kann man das heute noch unterscheiden? Das wird eine emotional sehr angespannte Situation. Was erwartet Minerva da? Wie sehr wird das schmerzen? Wäre es nicht besser, diesen Teil der Vergangenheit auf sich beruhen zu lassen? Warum das Leichentuch anheben? Warum diese Zeit und das eigene Leben jetzt noch in einem anderen Licht sehen wollen? Minerva fährt mit seiner Freundin. Ich begleite die beiden lediglich.

    Ich gehe voller Hoffnung ins neue Jahr. Der Roman wird erscheinen. Allerdings nicht, wie angekündigt im Herbst 2011, sondern erst im Frühjahr 2012. Ich hatte mich so sehr gegen das Cover gesperrt, dass dem Verlag vielleicht nichts anderes übrig blieb, als es erst einmal aufzuschieben. Das ist mehr als ein Wehrmutstropfen. Das ist sehr bitter. Es sind die Fetzen geflogen und als es sich wieder beruhigt hatte, war der Verlagsprospekt für den kommenden Herbst bereits gedruckt. So ist das, wenn uns Rumänen das Blut in den Kopf steigt, dann schlagen wir um uns. Ich um mich. Wenn der Roman nicht untergeht, dann wird er besprochen, er wird gelesen. Unter den biografischen Angaben  – die denen aufs Haar gleichen, die Sie alle kennen – ich kann mich nicht jede Woche neu erfinden, nicht einmal jedes Jahr : „Ich kann mir nicht jeden Tag ein Ohr abschneiden“ – wird sich auch die Adresse dieses Blogs finden. Es werden also Reaktionen auf das Buch kommen, auf die ich meinerseits reagieren werde. Auch das wird spannend.

    Ich werde ein Urlaubssemester einlegen. Das bedeutet, dass ich von Juni 2011 bis März 2012 nicht für die Uni arbeiten werde. Ich muss den zweiten Roman fertig machen und wie ich am ersten, von dem ich meinte, er sei es, fertig nämlich, erkennen musste, gibt es verschiedene Phasen der Fertigkeit. Die letzen Schritte kosten Kraft, da man kaum noch Fortschritte erkennen kann. Es wird eben nur immer fertiger. Der neue Text ist sehr viel leichtsinniger als der erste. Das dauert, bis man sich Leichtigkeit und Leichtsinnigkeit erarbeitet hat. Zitat Torik aus diesem neuen Text: „Man braucht Erfahrung beim Schreiben, bis man erkennt, dass die falschen Wege sehr wohl in die richtige Richtung führen können. Eine Richtung, die man nie und nimmer nehmen könnte, ginge man den richtigen Weg.“

    Ich habe mich nicht verliebt. Was immer der Grund dafür war. Es gab einige Möglichkeiten, ich habe sie nicht genutzt. Anderen bin ich vorher schon ausgewichen. Ich habe bei einigen Gelegenheiten eine ablehnende Haltung einnehmen müssen und einmal eine direkte und unmissverständliche. Ich habe jemandem weh getan, was auch mir wehgetan hat. Dazu gäbe es noch das eine oder andere zu sagen, aber ich habe mir Anfang des Jahres vorgenommen, sehr viel vorsichtiger mit Intimitäten in der Öffentlichkeit umzugehen und das mache ich auch.

    Mein Zusammenleben mit der bisweilen kapriziösen Frau aus Russland läuft nach wie vor sehr gut. Olga war drei Monate nicht da, mir ist die Decke auf den Kopf gefallen. Der Vermieter erklärte, er sei nicht zuständig.

    Ich bin in den Zoologischen Garten in Berlin eingebrochen und habe Knut erwürgt. Und so die deutsche Kultur vor der Infantilität gerettet. Vielleicht kann ich mir das vom Senat fördern lassen.

    Ich habe schöne Musik gehört, schönen Wein getrunken, schön gelacht, schön geheult: was man so macht, wenn man auf diesem Planeten lebt. Auf anderen Gestirnen herrschen sicher andere Gepflogenheiten, aber wir kommen hier nicht weg und deswegen müssen wir uns an die Dinge anpassen. Nicht an alle – ich predige sicher keinen Konformismus -, aber an einige: Wein trinken, lachen, weinen und manchmal, bei Liebeskummer, Geschirr fallen lassen und, wenn‘s ganz dick kommt, aus dem Fenster werfen.

    Bevor ich es vergesse, das ist nicht unwichtig für alles weitere, ich stelle mit dem heutigen Tag, der früher einmal mein Geburtstag gewesen ist, das Altern ein. Ich sag’s nur, nicht dass da später Unklarheiten entstehen. Ich halte das Altern für keine zeitgemäße Art, für keine adäquate Methode des Reifeprozesses. Ich bleibe ab sofort gleichalt. Ich mach da einfach nicht mehr mit.

    Totul este frumos și bine. Totul va fi și mai bine. –  Alles ist schön und gut und wird noch viel besser sein.

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    22 April 2011

    Ostern – Paşti

    Die Etymologie in der Limba română ist, anders als in der Limba germană, lateinisch: Pascha. Ostern gehört von der Datierung her zu den beweglichen Feiertagen. Im Gegensatz zu anderen westeuropäischen Ländern, die sich am gregorianischen Kalender orientieren, wird in den orthodoxen Kirchen der osteuropäischen Länder bei der Berechnung des Osterdatums am julianischen Kalender festgehalten. Im vergangenen wie in diesem Jahr sind es dieselben Daten. Das Ganze ist ein bisschen komplizierter und zeigt noch heute, woran wir nicht mehr gewöhnt sind, welch enorme Synchronisationsleistung ein Kalender ist. Wem das nicht reicht, wer ein philosophisches Werk und eine These braucht, der sollte Norbert Elias lesen, Über die Zeit.

    Ostern ist das wichtigste religiöse Fest in România. Das wird wie Weihnachten in ganz Europa ähnlich gefeiert. Es gibt bei uns den Karfreitag und den Ostermontag. Es gibt gefärbte Eier und selbst in einem Agrarland, wo man die wesentlichen Zusammenhänge kennt und weiß, dass Eier von Hühnern gelegt werden, spielt der Osterhase eine kleine Rolle. Frauen werden, wie in vielen Gegenden mit slawischen Traditionen, mit Wasser bespritzt und symbolisch von den Männern mit einer Rute geschlagen. Angeblich werden sie dadurch schön. Als Dank bekommen die Männer von den Frauen und Mädchen ein bunt bemaltes Ei geschenkt. In manchen Gegenden zieht man in der Osternacht mit Fackeln durch den Wald.

    Über Ostern tut sich hier nicht viel. Also ich tue nicht viel. Ich habe die Arbeit bereits an den Nagel gehängt. An dem Nagel hängt inzwischen einiges: der biegt sich bedenklich. Ich werde dennoch ein wenig am Schreibtisch sitzen. Ich muss einen Brief an meinen Prof schreiben und dieser Brief will wohlformuliert sein. Ich muss mich, mit der Absage für das eine im Nacken, für ein anderes Stipendium bewerben. Es warten angefangene Blogtexte auf mich. Ich muss für die Diss einen Text lesen und noch eine Handvoll andere Dinge tun. Ich muss Kontakte zu den Freunden in Rumänien halten, sonst habe ich bald keine mehr. Es gibt ein kleines WG-Frühstück. Ich möchte über Ostern mein Leben so banal wie möglich gestalten, auch wenn es das schon von Natur aus ist. Man muss das Leben mit seinen eigenen Waffen schlagen.

    Zur Kommentarfunktion: Es gibt immer noch Schwierigkeiten, die auch erst in der Woche nach Ostern gelöst werden können. Wenn Sie einen Kommentar eingeben wollen, müssen Sie, auch wenn dort etwas anderes steht, beim Captcha beide Worte eingeben. Ich denke allerdings, dass Sie dasselbe tun werden wie ich, sich aus dem Netz heraushalten.

    Das neue Lesezeichen von Litblogs ist da. Das ist ein schönes Tool, dass Christiane Zintzen und Hartmut Abendschein dort anbieten.

    Und dann steht da noch einen Posten auf meinem Zettel, der nicht unwichtig ist: Hummeln anfassen. Man muss mit den Händen einen Hohlraum um die Hummel bilden, mit einer kleinen Öffnung, die man sich dann ans Ohr hält. Wie eine Muschel. Hummeln können einem nichts tun. Wollen die auch gar nicht. Die bekommen auch keine Panik. Die leben einfach so vor sich hin. Das will ich die kommenden Tage auch versuchen.

    Paşte fericit!

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    12 April 2011

    Das Blog scheint wieder zu funktionieren

    Könnten Sie dies hier, wer immer sich da jetzt angesprochen fühlt, bitte versuchsweise kommentieren? Von meinem Computer geht’s, aber ich möchte gerne wissen, ob Ihre Kommentare, die ja als Mails an das Programm gesendet werden, auch tatsächlich auf Ihren Rechnern erscheinen und dann an micht gehen.  Sie, die Kommentare, müssten jetzt auch sofort im Blog erscheinen und nicht erst durch mich freigeschaltet werden.

    Keiner Ihrer alten Kommentare ist in meinem System gespeichert. Leider. Können Sie das vielleicht noch einmal einstellen? Ich würde mich freuen.

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    09 April 2011

    Natur versus Technik

    Ich habe immer noch Schwierigkeiten mit der Technik. Die Angelegenheit lässt sich vor Montag nicht klären. Vielleicht ist das ganz einfach zu lösen, nur kann ich es eben nicht selbst tun. Es haben sich einige gemeldet, die einen Kommentar eingestellt hatten. Bitte keine Vorwürfe, ich habe das alles nicht bekommen. Ich werde es selbstverständlich freischalten, wenn es nach der Reparatur noch da ist, ansonsten würde ich mich freuen, wenn Sie es noch einmal einstellen könnten.

    Ich stelle jetzt um auf Natur. Meine Mitbewohnerin und ich haben den Balkon bepflanzt. Wir waren in einem Gartencenter und dann haben wir auf dem Balkon unsere Blumenkästen mit Kräutern geschmückt: Basilikum. Thymian, Zitronenmelisse, Rosmarin, Petersilie, Schnittlauch und ein dicker Busch Lavendel. Im nächsten Monat kommen Bohnenkraut, Tomaten und ein Olivenbaum dazu. Dabei haben wir einen leckeren Weißwein getrunken. Der Vormittag war sehr lustig. Das wurde auch Zeit, dass ich mal wieder so etwas unternehme, einen Unsinn bei dem es was zu lachen gibt. Ich mache ja sonst nur sinnvolle Sachen. Wer immer das Leben erfunden haben mag, es war sicher nicht seine Absicht, dass der Mensch nur sinnvolle Sachen macht. So gesehen waren Olga und ich der Absicht des Schöpfers heute Vormittag sehr nahe. Was genau die Absicht des Schöpfers war, weiß ich derzeit noch nicht. Dem komme ich schon noch auf die Schliche. Immerhin studiere ich ja Literaturwissenschaften. Und wenn Gott je einen Job hätte machen wollen, dann sicher den des Schriftstellers. Und da bin ich ihm auf dem Fersen. Auf den Versen. Das wäre auch eine schöne Überschrift für diesen Artikel gewesen, aber doch etwas vermessen: Ich bin Gott auf den Versen.

    Mit den Kräutern kann ich endlich mal eine richtige Suppe zubereiten. Man kriegt ja in Deutschland keine vernünftigen Suppen zu essen. Das ist ein Manko. Ich bin ein bisschen blau, obwohl das, stand auf der Flasche, ein Grauburgunder war. Ich geh jetzt mal ins Bett. Sonst ruiniere ich mir mit einem einzigen Artikel meinen schönen Ruf. Also das, was ich als meinen schönen Ruf bezeichne. Aber vielleicht trinke ich ja auch vorher noch einen kleinen Schluck.

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    07 April 2011

    Ich habe technische Schwierigkeiten

    Also nicht ich persönlich, sondern das Schrott-Blog hier. Mein havariertes Atomschrottblog. Ich habe mich gewundert, dass ich seit Wochen keinen Kommentar bekomme. Das ist ja manchmal so, dass es niemanden interessiert, was man macht. Aber dass wirklich nicht einer ein Wort verliert, fand ich verwunderlich. Nun war ich heute Abend mit Norrrrrrbert W. Schlinkert ein Bier trinken und der mault mich an, warum ich seine Kommentare nicht freischalte: Nun, ich habe sie einfach nicht. Ich habe niemandes Kommentare. Schicken Sie mir Ihre Kommentare in Zukunft per Post an die im Impressum angegebene Adresse.

    Ich werde morgen also mal jemanden losschicken, mit einem Hammer in der Hand, der das hier repariert. Ich hoffe, dass sich das morgen erledigen lässt. Sonst wird’s Montag. Und ich hoffe, dass Ihre Kommentare dann noch da sind. Wenn da welche sind.

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    26 März 2011

    Auch das Lassen ist ein Tun

    Jetzt tue ich gerade dies. Zuvor habe ich etwas anderes getan. Der Text wird mit einem kleinen Abstand auch hier erscheinen. Wer es kommentieren möchte, muss sich noch ein paar Tage gedulden und kann das dann unter dem Artikel. Wer es nicht kommentieren möchte, kann das schon heute tun. Auch das Lassen ist ein Tun. Es macht nur weniger Arbeit.

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    20 März 2011

    Jaaaaahhhhhhhhh

    Roman beim Lektor abgegeben! 323 Seiten, 114.962 Wörter, 594.724 Zeichen, mit Leerzeichen sind es 709.034, 2.683 Absätze, 9.822 Zeilen. Hoffentlich ist alles in der richtigen Reihenfolge. Gute Literatur ist einfach nur die richtige Reihenfolge aller beteiligten Zeichen.

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    13 März 2011

    Die Gravitation hat mich am Wickel

    Es läuft gerade nicht rund bei mir. Ich stecke sehr viel Arbeit in die letzen Korrekturen an meinem Roman bevor der Ende kommender Woche an den Lektor geht. Ich stecke nicht viel Arbeit hinein, sondern viel Zeit, lähmend viel. Die Diss liegt, ich wollte noch einen Aufsatz zu einem theoretischen Thema schreiben, das liegt auch, der zweite Roman sowieso. Es liegt auch dieses Blog, der Artikel über den Kitsch (zentraler Satz sollte lauten: Kitsch ist das Fehlen von Realität. Die Formulierung ist gut, provokant, aus solchen Dingen lässt sich mitunter etwas machen. Aber mir fällt nicht ein, wie es weitergehen soll, es darf nicht bei der Provokation bleiben), der nächste Artikel zu Niebelschütz ebenfalls. Es liegen Ideen herum, angefangene Artikel. Ich mache eine Besprechung eines Romans für eine Zeitschrift, auch die bewegt sich derzeit nicht. Die Wohnung müsste mal geputzt werden. Auch hier ist es so: alles, was ich liegen lasse, liegt herum. Ist das sonst anders? Meine Stimmung ist ein wenig deprimiert, weil ich die Dinge nicht so überfliege wie oft, die Schwerelosigkeit fehlt. Die Gravitation hat mich am Wickel.

    Normalerweise abstrahiere ich von den Ereignissen der Welt. Ich will damit gar nicht erst anfangen, weil ich nicht weiß, wo und wie ich damit aufhören sollte. Jetzt aber kann ich mich von den Ereignissen in Japan kaum lösen. Ich kann nicht aufhören, dahin zu schauen. Es ist nicht so, dass ich Angst habe, hiervor nicht und auch nicht hiervor. Obwohl es sicher in beiden Fällen Gründe gibt, Angst zu haben, Angst ist auch nichts Schlechtes. Es ist vielmehr so, dass ich es fehl am Platze fände, jetzt etwas zur Literatur zu sagen.

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    13 Februar 2011

    Ich rücke ein wenig in die Ferne

    Ich danke Ihnen allen für die vergangenen, naja, beinahe zwei Jahre. Ich danke Ihnen für Ihre Beteiligung, Ihre Neugier und Ihre Worte. Es hat viel Spaß gemacht.

    Ich halte die Uhren an und hänge das Bloggen an den Nagel. Ich habe bei LITBLOGS meinen Abschied angekündigt. Ich will schreiben und ich will davon leben können. Das lässt sich mit so einem Blog nicht verwirklichen, das Ziel kommt nicht näher, es dreht sich vielmehr im Kreis.

    Ich ziehe mich aus der virtuellen Welt zurück. Ich werde nicht mehr dauernd ins Netz schauen. Es passiert sehr viel weniger als man glauben möchte. Dieses Wenige werde ich dann nicht mehr auf mich beziehen müssen. Es werden hier bisweilen Texte erscheinen. Die Kommentarfunktion bleibt allerdings deaktiviert. Es wird hier sehr viel ruhiger werden.

    Ich werde im Sommer nach Bukarest reisen und der Öffnung der Securitate-Akte Minervas beiwohnen (die man unten auf dem Bild erkennen kann, links, mit dem Speer). Danach geht es sicher zwei Wochen in die Berge, in die Munții Cindrel, in die Mărginimea Sibiului. Oder ich fahre ans Meer. Vielleicht werde ich Bilder einstellen. Vielleicht auch nicht. Es sollten hier nicht mehr so viele private Dinge stehen. Ich habe wieder einmal etwas lernen müssen, was ich nicht lernen wollte.

    Wenn mein Debüt im September auf dem Markt ist, gibt es die Möglichkeit darüber zu diskutieren. Ich schreibe denen, die hier gelesen und kommentiert haben, eine Mail.

    Sie können mit mir nicht mehr in Kontakt treten. Ich rücke ein wenig in die Ferne. Nicht in die große Ferne, sondern nur dorthin, wo die Dinge unscharf werden. Wie in der Erinnerung. Und in der Phantasie, die das eine mit dem anderen verbindet.

    Machen Sie es gut!

    Ihre Mărgineanca
    Aléa Torik





    11 Februar 2011

    Liebe Leser und Leserinnen,

    aus diversen, vor allem persönlichen Gründen werde ich dieses Blog für Kommentare sperren. Texte werden hier weiterhin erscheinen, weniger persönliche Sachen, insgesamt sehr viel weniger. Ich ziehe mich zurück und konzentriere mich auf anderes. Vielleicht muss ich nur einen Sturm überstehen. Vielleicht gebe ich auch das Bloggen auf. Ich habe offenbar kein gutes Gespür gehabt. Für einen Text und für eine Person nicht. Auch wenn ich Täterin war: jetzt werde ich gerade zum Opfer. Und das steht mir nicht. Ich bitte von persönlichen Nachfragen abzusehen.

    Aléa Torik





    10 Februar 2011

    Confusion sexuelle

    Mein letzter Artikel hat eine Menge Wirbel hervorgerufen. Man hat mir von verschiedenen Seiten nahegelegt, dass ich mich daneben benommen habe. Im Anschluss haben sich eine ganze Menge andere Leute auch daneben benommen und wollten mir so wahrscheinlich zeigen, dass mein Verhalten falsch war. Falsches Verhalten wird nicht dadurch richtig, dass es potenziert wird, aber am Anfang stand mein Verhalten. Ich habe mich dann mehrfach privat und öffentlich bei ANH entschuldigt, dass ich in einer Weise über seine Party hergezogen bin, die er als unangemessen empfindet. Das kann ich verstehen, er hatte mich eingeladen und ich habe etwas geschrieben, worin er – und offenbar nicht nur er – eine seiner Gäste verunglimpft sah. Ich habe mich nicht anständig benommen. Obwohl ich das nicht gewollt hatte. Aber ich habe es dennoch getan. Es ist nachher, sowohl hier als auch in Die Dschungel, zu einer nicht sehr schönen und für alle Seiten belastenden Diskussion gekommen.

    Ich muss den Artikel ein wenig erklären, weil ihn offenbar kaum jemand gelesen hat. Ein- und ausgeleitet wurde er von der Beschreibung meines Zustandes: ich hatte Fieber. Wenn die Party, auf die ich mich gefreut habe, nicht gewesen wäre, hätte ich das Bett nicht verlassen. Ich habe anhand einer Ausgangssituation einen Artikel geschrieben. Ausgangssituation war: eine attraktive Frau, sehr sexy gekleidet, saß in der Mitte einer Gruppe. Ich habe das mit folgenden Worten beschrieben „Sie war äußerst aufreizend gekleidet. Sie wollte gut aussehen, sexy vor allem. Sie wollte ihre Brüste zeigen. Sie wollte ihr Körper sein.“

    Ich bin dann im Weiteren nicht mehr auf diese Situation und den Abend eingegangen. Alles Folgende bezieht sich allein auf meine eigene Sexualität. Es bezieht sich nicht auf den Alban, nicht auf die Samarkandin, von der ich, bevor der Alban es sagte, nicht wusste, wer sie war: sondern allein auf mich. Das kann man durchaus erkennen, wenn man es erkennen möchte. Ich habe eine Kategorie auf meiner Blogroll „Confusion sexuelle“, unter der ich diese Dinge einsortiere. Da steht nicht viel, weil es mir eigentlich zuwider ist, diese Dinge breitzutreten. Zumindest meine Sexualität gehört nicht in die Öffentlichkeit meines Blogs, ich habe da ganz strenge Vorstellungen von Intimität.

    Wahrscheinlich habe ich gerade diese Vorstellungen einer anderen von Intimität unterschätzt. Oder sogar völlig falsch bewertet. Alle haben in Ihrer Interpretation dann unterstellt, ich spräche weiterhin von dieser Frau. Das war mit keinem Gedanken der Fall. Ich habe so lange nicht an sie gedacht, bis hier die Wellen hochgeschlagen sind und ich bemerken musste, dass sie vollkommen an meinen Artikel, an meinen Intentionen und zum Teil sogar an meiner Wortwahl vorbeischrammen. Es ist hier zu Auswüchsen gekommen, von denen ich normalerweise verschont bleibe.

    Frau Sarmakandin: ich hatte Sie nur kurz im Auge, eine Minute vielleicht. So ist das bei mir oft, ich habe die Umstände nur kurz im Auge. Dann ziehen sie ihrer Wege: durch mein Gehirn. Manchmal kommen sie da wieder heraus. Und dann mache ich etwas damit, ich bearbeite sie, ich fasse sie in Worte. So war das auch an jenem Abend. Weder wollte ich Sie verletzen noch mich selbst. Ich entschuldige mich, sollte das doch der Fall gewesen sein. Ich versichere Ihnen, Sie spielen in meinen Artikel keine Rolle. Sie waren nicht gemeint, ich war gemeint.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    08 Februar 2011

    Zu viel Arsch und Titten

    Ich war gestern Abend auf der Geburtstagsparty von AHN und seinem Freund, dem Profi. Es war ein ausgewählter Kreis, fast alles Leute, die mit Büchern und Schreiben zu tun haben. Wer nicht selber schreibt, der bewundert die, die es tun. Das hat Alban jedenfalls angedeutet. Ich war nicht lange dort. Ich war und bin noch immer krank, Fieber. Ich bin ein empfindliches Wesen und kann nur bei 37,2 Grad Körpertemperatur existieren. Ich bin dem Gastgeber geradewegs in die Arme gelaufen. Ich wollte mich nicht in den Kreis hinzu bitten lassen, sondern gleich wieder gehen. Ich war krank. Ich kann lamentieren nicht ausstehen. Bei dieser Gelegenheit hat ANH mich dem Norbert Schlinkert vorgestellt. Von dort wo wir drei für kaum mehr als zehn Minuten standen, hatte ich einen ausgezeichneten Blick in den ausgeleuchteten Bereich unter dem Bild des Massenmörders Mao. Was Massenmörder betrifft, habe ich ein nicht minder feines Empfinden. In der Runde, mittiger konnte man kaum sitzen, saß die Freundin von ANH. Die Geliebte. Eine Geliebte. Die fieberte ebenfalls, aber anders als ich. Sie war äußerst aufreizend gekleidet. Sie wollte gut aussehen, sexy vor allem. Sie wollte ihre Brüste zeigen. Sie wollte ihr Körper sein.

    Ich habe nicht immer, aber bisweilen Schwierigkeiten mit Menschen, die ihre Sexualität deutlich in den Vordergrund rücken. Weil dadurch anderes in den Hintergrund gerückt wird. Auf das, was man in den Vordergrund rückt, hat man einen Einfluss. Auf das andere, was dadurch in den Hintergrund gerückt wird, nicht. Wenn die Sexualität in den Vordergrund gerückt wird, wird in der Regel alles andere in den Hintergrund gerückt. Ich empfinde Verführung und Andeutung als explizit weiblich, die Reaktion darauf als explizit männlich. Zu viel Busen, Korsage und BH, zu viel Absatz, Bein und Fessel, zu viel Arsch und Titten: das ist nicht Andeutung. Das ist sehr viel mehr.

    Gegen diese starre und strenge Einteilung ließe sich vieles einwenden: dass die Grenze, wo Andeutung aufhört und das Angedeutete anfängt, natürlich fließend ist. Mal fließt es gemächlicher, mal reißender, mal stehen die Wasser, mal fallen sie. Auch muss nicht notwendig zwischen männlichen und weiblichen Verhaltens- und Erscheinungsweisen unterschieden werden. Wenn Frauen jedoch als Sexualobjekte der Männer auftreten, sieht das für mich geradezu willenlos aus. Und das finde ich unerotisch. Bei Männern wie bei Frauen. Das sieht aus, als geschähe es, das Sexuelle, nicht, weil die Betroffenen es wollen, sondern weil der Trieb es will. Sie machen Sex, weil sie triebhaft sind. Wären sie es nicht, getrieben nämlich, würden sie auch keinen Sex haben wollen. Anders ausgedrückt: Sie machen das nicht, weil sie Lust drauf haben.

    Das ist ein Sex, bei dem es nicht um den anderen geht. Es geht nur noch um einen selbst. Und der Sex, der sich um das eigene Selbst dreht und nicht um das Selbst des anderen: vor dem habe ich Angst. Der etwas schamvoller agierende gefällt mir besser. Auch da fallen irgendwann die Hemmungen. Hemmungen sind ja da, um zu fallen (wir hatten dieses Thema hier schon bei mechanischen Uhren). Ich mag es, wenn Menschen ihre Sexualität etwas verhaltener zeigen. Weil ich den Anlauf mag, das Andeutende und das Mögliche. Ficken kann jeder. Brüllen kann jeder, Raunen und Flüstern nicht.

    Ich bin krank, ich fiebere, ich friere. Ich kann lamentieren nicht ausstehen. Verdammter Kapitalismus.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.