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  • bersarin: Es muß natürlich, entdecke ich beim zweiten Lesen, Monika Rinck heißen. Ich kann mir Namen nie merken.
  • Aléa Torik: Ja, Bersarin, seinerzeit hat‘s ziemlich gut funktioniert: es war Literatur und die Leute waren mittendrin. Manche, ohne es zu merken. Manche haben hinterher zufrieden gelächelt, weil sie bei etwas Neuem mitgemacht haben. Oder weil sie selbst zu einer Art literarischer Figur dadurch...
  • bersarin: Literarisches Bloggen, liebe Aléa Torik, funktioniert durchaus. Freilich nur bei den wenigsten. Das meiste, was geschrieben wird, stammt aus dem Klein-Klein der Halbgarküchen, ist Poesiealbumsprosa von Minderleistern, Befindlichkeitsscheiße ohne Form. Ich schreibe dahingehend und als...
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  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, Du hast überschüssige Energie!? Da werden Dich viele drum beneiden, umso besser also, wenn sie in etwas fließt, was Sinn zu machen verspricht. Was soll man also dazu sagen? Ich sage: Es lebe die Literatur! Und Gratulation natürlich zum vollzogenen Ausstieg aus...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, verflixt, hab‘ ich schon wieder Recht? Ich kann sagen, was ich will, ich habe immer recht. Dabei schrieb ich das eigentlich, um zu provozieren. Entweder lässt sich keiner provozieren oder die Provokation im Netz ist so allgegenwärtig, dass man zu ganz anderen Kalibern...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, da triffst Du mal wieder den Nagel auf den Kopf wie die Faust das Auge: fiktional und ein Sein als solches hat ein literarisches Blog zu sein und nicht einfach noch ein weiterer Mitspieler auf dem Markt- und Kampfplatz realer Eitelkeiten. Als Schriftsteller:in...
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  • Aléa Torik: Dann bin ich gespannt, was du von dem Essay hältst.
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  • Aléa Torik: Lieber holio, ganz verstehen kann ich die Ottos und Ottisten ja tatsächlich nicht. Vielleicht ist das so, dass Otto und Otta, was ihr Leseverhalten betrifft, auch nicht ganz schlau aus sich werden. Sie greifen immer nur nach dem, wonach auch die anderen greifen. Das zeichnet die...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, man ist ja einiges gewöhnt bei den Autoren. Was die alles tun, um gelesen zu werden, beispielsweise das Schreiben seltsamer Bücher. Ich fände es allerdings doch etwas übertrieben, wenn sich ein Autor nach dem Schreiben seines Buchs sogleich aus dem Leben verabschiedet:...
  • holio: Traurig ist das in der Tat. Und so ganz zu verstehen auch nicht. Im Geräusch des Werdens war der Anknüpfungspunkt für Otto Normalleser ja da. Und die Bălkanexotik ist auch rezipiert und rezensiert worden. Die Sprache ist einfach, der Plot verständlich, erinnere die Szene mit dem blinden...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, noch habe ich Deinen Essay ja nicht gelesen – kommt aber noch! Bin gespannt wie ein Flitzebogen! Und was meine durch eigenes Lesen hervorgerufene Belebung von Texten inzwischen leiblich von uns gegangener Autor:inn:en angeht, so ist es nicht Trost, den ich da...
  • Aléa Torik: Lieber holio, Sie haben recht, die Politik lassen wir hier außen vor. Richtig glücklich bin ja auch nicht mit dem Etikett der Postmoderne. Aber irgendwie müssen wir es ja benennen. Sagen wir Transmoderne. Die wesentliche Information ist allerdings angekommen, schon lange: dass Sie...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • 07 September 2014

    Weil die Euphorie kein Zustand ist, der lange auszuhalten ist

    Das neue Manuskript – eine Novelle: eine unerhörte Begebenheit – ist gerade abgeschlossen. Es hat also jenen Zustand erreicht, dass ich damit rundum zufrieden bin. Und das bin ich nur, wenn ich eine Steigerung gegenüber dem Vorgänger erkennen kann. Obwohl Manuskripte den Zustand der Abgeschlossenheit nie erreichen. Sie erreichen mehrfach jenen Punkt, an dem sie aufhören, sich zu bewegen. Dieses Manuskript wird sich erst wieder bewegen, wenn ein Lektor sich seiner annimmt und anfängt mich zu ärgern, herauszufordern, zu verbessern, zu belehren, zu loben und zu lobhudeln. Dieser Text sollte anfangs nur ein Zwischenspiel werden, hat sich dann aber über ein Jahr hingezogen – weil man dieses ‘abschließen’ in gewisser Weise nicht betreiben kann, man kann nur dasitzen, arbeiten und hoffen – und aus dem Interludium wurde eine halbe Oper.

    Der eine Notenberg ist gerade vom Tisch, da ist schon ist der nächste da. Und das mit ungeahnter Wucht: mein Europa-Projekt. Ich habe zwei Romane über Deutschland und Rumänien geschrieben, eine Novelle, in der der Raum ausgeklammert ist und die Zeit die Hauptrolle spielt und jetzt schreibe ich einen Roman über Europa. Ich kann mich vor Ideen kaum retten. Als wenn alles andere bloß Vorarbeiten gewesen wären, um mich in den Stand zu versetzen, mit dem neuen Stoff zu Rande zu kommen. Mich vielmehr über seinen Rand hinauszuwagen. Ich bin geradezu euphorisch. Das wird sich auch wieder legen. Es wird sich legen müssen, weil die Euphorie kein Zustand ist, der lange auszuhalten ist. Es werden wieder andere Zeiten kommen, wo ich nicht weiß, wohin ich mich wenden soll. Auch das gehört dazu: innehalten, rat- und richtungslos. Derzeit aber kann ich mich in jede Richtung wenden, es geht überall weiter.

    Und dennoch macht‘s auch Sorgen. Ich bin gar nicht mehr in der Lage, etwas anders zu tun, als zu schreiben. Mir beispielsweise einen Job zu suchen und etwas für meinen Lebensunterhalt zu tun, für meinen Lebenserhalt. Für die Altersvorsorge. Etwas Vernünftiges. Auch Kafka hat vernünftige Dinge getan. Und hat‘s dann drangegeben. Das Schreiben ist, einmal drin in diesem reißenden Fluss, ersäufend. Wie soll man sich um sein Alter Sorgen machen, wenn man nicht einmal weiß, ob man nicht schon morgen mausetot am Ufer liegt? Man schreibt immer auch gegen den Tod. Als könnte man mit Worten etwas aufhalten, zumindest verlangsamen. Man kann es das künstlerische Potential nennen, das einer und eine mit sich herumschleppt, ohne allerdings sein Gewicht zu bemerken. Meine Kreativität ist die Reaktion auf Umstände, denen ich begegne – die ich mir begegnend mache – und auf die ich nicht anders reagieren kann, als sie in irgendeiner Weise zu bearbeiten, zu verändern und ihnen etwas abzugewinnen – oder nicht abzugewinnen, sondern wegzunehmen, vielleicht ist das ominöse, sogenannte Poetische kein ‚Mehr‘, sondern ein ‚Weniger‘ -, das sie zur Literatur macht. Ich kann es letztlich nicht verstehen, mit welcher Entschlossenheit mein, sagen wir Unbewusstes sich über mich erhebt und mich zum Schreiben zwingt. Aber es ist befreiend. Ich weiß nicht, wovon es befreit. Ich will es auch gar nicht wissen. Aber dieses befreiende Element muss in der Kunst spürbar sein.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    15 Januar 2014

    Aléa Torik – moartea prematură a „noii HERTA” între pseudonim și așteptare

    Das ist nicht etwa meine Einschätzung, sondern das steht hier. Und da stehen noch andere feine Dinge über mich. Die stehen da nicht direkt, sondern in übertragenem Sinne. Das Rumänische ist eine sehr sinnliche und melodiöse Sprache -  viele schöne Worte mit nahezu unbegrenzten Kombinationsmöglichkeiten – mitunter allerdings auch etwas weitschweifig und weist grade dann die eine oder andere Eigentümlichkeit auf. So etwa, wenn einer nicht genau das sagt, was ein anderer hören will: Dann muss man interpretatorisch etwas nachhelfen und dem anderen die Worte unterstellen, die man selbst in dieser Situation nutzen würde und die Absichten, die man hätte. Und wie das mit vielen Dingen im Leben so ist, kann man diesen Umstand gutheißen oder verdammen.

    Man muss allerdings nicht mit allen Feinheiten des Rumänischen – dieser märchenhaften Sprache, die man hinter den sieben Bergen mit den sieben Zwergen spricht – vertraut sein, um zu erkennen, dass einer meiner alten Schulfreunde recht hat, als er sagte, was ich ihn in Aléas Ich sagen lasse: „Auch wenn er wiederholt das Gegenteil behauptete und betonte, wie schlecht hier alles sei, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft, hörte ich vor allem heraus, wie sehr er das Land und die Leute hier vermisste und vor allem die Sprache. Keine Sprache, sagte er, sei wie das Rumänische. Als kenne er sie, als habe er sie alle ausprobiert, als habe er sie mit Mund und Zähnen und Zunge befühlt und wisse genau, dass sie alle miteinander nichts taugten, eine unübersichtliche Menge Vokabeln, die sich nie und nimmer zu einem lebendigen Gefüge erwecken ließen.“ (AI, 157)

    Auf einer ersten Ebene scheint genau dies das Schöne beim Schreiben, dass alle sagen, was der Autor sie sagen lässt. Bei genauerer Betrachtung allerdings ist es gerade umgekehrt: die Figuren eines Romans legen dem Autor die Worte in den Mund. Das Lebendige an der Sprache ist ja gerade, dass sie selbst spricht und der vermeintliche Arrangeur bloß, wie an Fäden hängend, die Lippen bewegt.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    18 Dezember 2013

    „Achtung das Lesen dieses Buches kann bei sensiblen Menschen zu Realitätsverlust, Wahnvorstellungen bis hin zur Digitalparanoia führen!“

    Es war nicht als Kompliment gemeint, aber ich kann es beim besten Willen nicht anders verstehen. Frau Wunder schrieb mir, dass sie sich nach der Lektüre meines ersten Romans Das Geräusch des Werdens, den sie mit Genuss las – „Eine fantasievolle, ausufernde Geschichte mit wundervollem Zauber und vielen witzigen Ideen“ – über Aléas Ich geärgert habe. In einem ersten Kommentar (zu dem vorhergehenden Artikel hier) heißt es: „Ihrem zweiten Buch hab ich mit Spannung entgegengefiebert und es noch zwei Tage vor offiziellem Verkaufsstart erworben. Allein an diesem Buch wäre ich fast verzweifelt und es hat mich schier in den Wahnsinn getrieben. … Ihr zweites Buch hat mich so sehr betroffen oder betroffen gemacht, dass es nicht zum aushalten war.“ Diese Einschätzung krönte sie dann mit dem Vorschlag, den Text mit folgendem Warnhinweis auszustatten: “Achtung das Lesen dieses Buches kann bei sensiblen Menschen zu Realitätsverlust, Wahnvorstellungen bis hin zur Digitalparanoia führen!”

    Im zweiten Kommentar wird’s noch doller: „Ich hätte das Buch nicht schreiben können … Nein es ist viel schlimmer, ich habe es durchlebt. „Aleas Ich“ jeden einzelnen Satz, na gut fast jeden und lange vorm Erscheinen des Buches. Klingt wahnhaft, fühlt sich auch so an… Allerdings mit ein bisschen Abstand betrachtet, ist es gar nicht mehr mein Wahn sondern der Zeitgeist. Identität, die Suche danach, Anerkennung Wertschätzung, seinen Platz finden in Zwischenzimmern und Zwischennetzen genau so wie im RealLife. Es ist da draußen eine große Orientierungslosigkeit und ein Auseinanderfallen. Und das ganze auch noch potenziert in Digital. Es kann ganz leicht geschehen das sich die Ebenen vermischen und man nicht mehr weiß, wer man noch gestern war. Dies alles hab ich in “ Aleas Ich“ wieder entdeckt. Es hat mich angelacht wie ein paar grüne italienische Designerstiefeln, passgenau und maßgeschneidert.“

    Und im dritten Kommentar heißt es: „Ich deutete es ja schon an; es war ein wiedererkennen im Text. Ein Spiegeln, ein Zurückwerfen auf Erlebtes, Erdachtes, auf eigene Befindlichkeiten. Ihr Text las sich, wie die Zusammenfassung und Verdichtung eigener gesammelter, krauser verwirrender Erfahrungen der letzten Jahre, der letzten Zeit. Lese und Denkerfahrungen, Leserichtungen und Kommunikationshaltungen. Die Leseerfahrung ihres zweiten Buches war für mich sehr erschreckend, weil sie so genau und nah dran war an der Selbsterfahrung. … Mir scheint, als hat Ihr Buch eine Strömung im Zeitgeist getroffen und somit auch mich. Und wie das so ist, mit den unliebsamen “Wahrheiten” oder den unbewussten Strömungen, sie regen auf, sie regen an, sie erregen die Gemüter. So wie das eben immer ist, wenn es ans Eingemachte geht.“

    Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde das sind doch ausgesprochen schöne Komplimente für einen Autor. Genau das, was Frau Wunder mit ihren Worten beschreibt, habe ich darstellen wollen.

    Weitere Einschätzungen dieses Romans finden sich hier.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    28 Juli 2013

    „Die ganze rumänische Mythologie“

    René Hamann hat in seiner Rezension von »Aléas Ich« von einem oberflächlichen Literaturbetrieb gesprochen, der „auf Verwertung scharf“ ist, „auf Abbildungskarrieren. Auf interessante Biografien.“ So ähnlich sind meine Erfahrungen auch. Es geht selten um den Text.

    Ein großer deutscher, ein sogenannter Publikumsverlag schrieb mir, dass in meinem ersten Roman »Das Geräusch des Werdens« meine Figuren sehr gut gezeichnet seien, mit viel Liebe, und das ich „ausgesprochen begabt“ sei. Aber, und das führte dann zur Ablehnung: „die ganze rumänische Mythologie in dem Buch, das kann kein deutscher Leser verstehen“. Nun: die Autorin versteht die ganze rumänische Mythologie in dem Roman auch nicht. Was möglicherweise dem Umstand geschuldet ist, dass sie einfach nicht drin ist, die rumänische Mythologie – genauso wenig übrigens wie die Autorin, die ist auch nicht drin. Es handelt sich um einen Roman, also um erfundene Ereignisse, die sich nicht um die Autorin drehen wie die Erde um die Sonne -. Möglicherweise allerdings liegt es auch daran, dass die rumänische Mythologie einfach unverständlich ist.

    Mir geht es nicht darum, jemanden zu diffamieren – im Gegenteil, ich habe für diffamierende und denunzierende Charaktere nur Verachtung übrig -, sondern um eine Diskussion darüber, inwieweit das, was wir zu erkennen meinen, nicht einfach unsere Projektionen sind. Der vermeintlich authentische, der faktische Autor oder der faktische Rezensent, der faktische Text und der ganz objektiv seines Amtes waltende, ehrliche Leser, der vom Autor nicht betrogen werden will: alles wunderbare Fiktionen aus dem Reich der Märchen und Mythen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    17 Juni 2013

    „Aléas Ich“: auf der Belletristik-Couch

    „Die Autorin versteht es meisterlich mit der Glaubwürdigkeit ihres Werkes zu spielen, den Leser immer wieder an die Grenzen des Nachvollziehbaren zu ziehen, um dann die Künstlichkeit des Romans zu enthüllen, nur um später erneut Zweifel aufkommen zu lassen, ob dieses Buch, welches man in Händen hält, wirklich reines Produkt der Fantasie sein kann. Genres werden bei dieser Arbeit respektlos über den Haufen geschossen, nicht lange können Autobiografie, Fiktion, literaturtheoretischer Beitrag, Geschichte und dergleichen als Kategorien existieren, schnell finden sie ihr Ende und die gegenseitige Durchdringung in der wortgewandten Konstruktion Toriks.“

    Sehr gut gefällt mir auch die Erkenntnis des Autors, die sich auf die in Rumänien situierten Kapitel des Romans beziehen: „Dieser Teil der Identität Aléas scheint besonders glaubwürdig, da er so gekonnt kulturelle Unterschiede aufweist, dass man nicht auf die Idee käme die Herkunft der Autorin anzuzweifeln.“ Hier finden Sie die ganze Rezension von Sebastian Riemann.

    Was mir gefällt, ist dass der Autor nichts enthüllen muss. Er versteht das Spiel das Fiktionalität immer anbietet und das auf den Leser hofft, der sich darauf einlassen kann. Denn rumrennen und behaupten, dass das alles gelogen ist: das kann ja jeder Trottel. Das einzige, was mir nicht gefällt ist die Wertung, warum nur 85 von 100 möglichen Punkten? Ich gehe mal davon aus, dass jemand, der etwas von Literatur versteht, der Lust hat, sich auf einen Text einzulassen und nicht herumnörgelt, was man besser machen kann – die, die glauben, Sie wüssten wie man es besser machen kann, können es meist gar nicht -; das so jemand ja sowieso nicht rechnen kann, also bin ich zufrieden. Nur schade, dass es nicht 88 sind, hehe!

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    10 Juni 2013

    „Aléas Ich“: im WDR 3

    Der zweite Roman von Aléa Torik besticht durch seine Vielfältigkeit. Es ist ein außerordentliches Buch, voller spannender Gegensätze auf der Höhe der Zeit, und doch fest verwurzelt in der Vergangenheit. [...] Aléa Torik hat die Beobachtungsgabe einer Dichterin und die Beschreibungsfähigkeit einer Wissenschaftlerin. Das muss ja bei derartiger Brillianz schon mal ans Neunmalkluge grenzen

    Hier geht’s zu der ganzen Rezension. Ich habe mich sehr darüber  gefreut. Eine Volte allerdings entgeht dem Autor, dass es sich um eine fiktive Autorbiografie handelt. Oder sie ist ihm nicht entgangen, denn Aléa Torik ist tatsächlich 28, das perfide Fräulein hat ja an diesem Tag, ich erinnere kurz daran, das Älterwerden eingestellt. So steht‘s im Roman und im Blog (allerdings werden die Leser Minerva nicht, wie angekündigt, kennenlernen. Ich musste den Plan ändern. Der Leser erkennt jedoch, warum Olga drei Monate nicht in Berlin war). Endlich mal einer, der meine Texte liest. Und wenn ich lese, was ich da geschrieben habe, dann bin ich nicht unzufrieden.

    Aber es gibt auch eine Unsicherheit: Ich hatte vor einigen Tagen ein langes Interview, in dem die Interviewerin ihre Überraschung darüber äußerte, das ich Rezensionen kommentiere, weil man das nicht tue. Normalerweise finde ich die Dinge, die man nicht tut, ja ganz gut und tue sie sogar ausgesprochen gerne, aber in diesem Fall denke ich doch darüber nach. Allerdings lasse ich mich ja nicht auf Diskussionen ein. Ich sehe, dass in der Rezension des WDR von der einen oder anderen “langatmigen Episode” die Rede ist und frage mich, welche der Autor meinen könnte, solches Empfinden ist ja individuell verschieden. Auch von sachlichen Unrichtigkeiten ist die Rede und ich weiß nicht, was gemeint ist. Mehr mache ich nicht. Ich gebe, wenn ich Rezensionen kommentiere,  ja bloß den einen oder andern kleinen Tipp, wie man mich noch besser verstehen könnte, hehe! Ich würde mich nie mit jemandem streiten, der einen Verriss schreibt. Für Verrisse gibt es oft Gründe die nicht im literarischen zu suchen sind. Das interessiert mich sowieso nicht.

    Und ein Problem: „ … ist das Buch als Autobiografie einer 28-jährigen beeindruckend“. Das steht nicht, dass das Buch beeindruckend ist, sondern in Abhängigkeit vom Alter der Autorin ist es beeindruckend. Also: es gibt ganz außerordentlich reife Leute, die sind in dem Alter quasi erwachsen und fertig mit ihrer Entwicklung. Und es gibt hochgradig unreife Leute, die emotional und intellektuell mit fünfzig noch pubertieren. Sagt das biologische Alter tatsächlich etwas über den möglichen Reifegrad eines Textes aus? Sagt das Geschlecht eines Autors etwas darüber aus? Sagt das Geschlecht und das Alter eines Rezensenten etwas darüber aus, ob das Buch positiv oder negativ besprochen wird? Vielleicht bekommen tatsächlich 28-jährige bessere Rezensionen als 48 jährige. Vielleicht bekommen Männer bessere Rezensionen von schwulen Rezensenten, Migranten bessere von Migrantinnen und Deutsche bessere von Deutschen, berühmte Autoren bessere als unbekannte, schöne bessere als hässliche und  gute bessere als schlechte.

    Und werden anspruchsvolle Texte wie meine – der zweite beginnt mit Zitaten komplexer postmoderner Schriftsteller und Theoretiker und mein Text ist ein mitunter für den wenig geübten Leser ein eher verwirrendes Gewebe – nicht viel schlechter rezipiert und verkauft als ein leichter, flockiger Hundertseiten Roman? Gute Rezension hin oder her!

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    08 Juni 2013

    Eine Diskussion über „Aléa Torik“ bei Juli Zeh

    Ich dachte schon der vielgescholtene Literaturbetrieb, der ja nicht mehr und nicht weniger ist als die Menge seiner Aktanten, mit einigen allerdings aus dem allgemeinen Agieren herausragenden Personen; ich dachte schon der Literaturbetrieb bekommt mal wieder gar nichts mit und freut sich, wenn man tot ist, dann muss er nicht mehr diese ermüdend langen Romane lesen, die einer und eine schreibt, sondern kann in aller Ruhe das ganze Zeug archivieren, die Sargdeckel schließen und kurze, knackige Totenreden halten.

    Obwohl die Rezension im Tagesspiegel ja zugegeben auch ein Lebenszeichen ist. Ich mache hiermit auf eine Diskussion bei der Schriftstellerin Juli Zeh aufmerksam, die sich und ihre Leser fragt, ob das, was ich hier gemacht habe, auch wenn sie nur teilweise weiß, was das ist, weil sie ja hier nicht seit Jahr und Tag dabei ist, eigentlich „erlaubt“ ist, ob man das „darf“. In ihrem Facebookeintrag  findet seit einigen Tagen eine ausgesprochen hochwertige Diskussion statt, in der die Begriffe genannt werden, um die es in einer solchen Diskussion gehen muss und die – Achtung: Fiktionssignal! – auch die Themen meiner Dissertation sind: „Identität, Authentizität und Illusion – Zur Theorie der Fiktionalität“. Ich habe mich dort eingemischt.

    Ich glaube nicht, dass man bei Facebook Permalinks setzen kann, die verschiedenen Artikel – Postings – beginnen mit den Worten

    1) am 4. Juni: „Und über die soeben gepostete We-read-Indie-Seite bin ich gerade auf die Causa “Alea Torik” gestoßen“

    2) am 7. Juni: „Liebe Aléa Torik,  danke, dass Sie sich hier einschalten,“

    3) ebenfalls am 7. Juni „Nein, ich kann’s nicht lassen. Noch eine Frage, auf die Gefahr hin,“

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    04 Juni 2013

    „Aléas Ich“: Heute im Tagesspiegel

    „Mărginime ist im Roman ein (Alb-)Traum-Ort, an dem jener Sehnsuchtsfluss entspringt, der Aléa zuerst nach Bukarest, dann nach Berlin spülte – verfolgt von Doppelgängern und Beobachtern, die halb Spitzel, halb Dämonen ihres Unbewussten sind. Sie treiben sie von Seite zu Seite schneller auf jenen magischen Punkt zu, „wo die Welt sich verknotet, verdichtet und vielleicht verliert“. Immer öfter reißt in der zweiten, Romanhälfte die Erzähloberfläche auf, unter der sich aber nichts als Chaos und Verzweiflung zeigen“

    Die nicht erzählten Geschichten, die Dämonen des Unbewussten, das Dunkle des Textes und das Unenthüllte der Vergangenheit Aléas, das sind die Dinge, die am Bodensatz dieses Romans zu finden sind. Und die vielleicht auch der Grund für das Erfinden sind, für Olga, die mitunter beinahe Züge von Boshaftigkeit hat. Hier die Rezension von Nicole Henneberg.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    15 Mai 2013

    Ich stehe in der Tradition von Miguel Cervantes‘ Don Quijote

    Wer sich ein wenig mit Literatur auskennt, der weiß in welcher Tradition ich mich mit Aléas Ich verorte, in der des illusionsstörenden Erzählens. Der berühmteste Vertreter dieser Tradition ist Cervantes mit seinem Don Quijote. Dem erweise ich in meinem Roman auch meine Reverenz: ich knicke also vor ihm etwas ein. Nun musste sich Cervantes bekanntermaßen mit einem Plagiator herumschlagen, der eine Fortsetzung der Abenteuer des ingenioso hidalgo geschrieben hatte und Cervantes sah sich nun in der unangenehmen Situation, dass er eine echte Fortsetzung schreiben musste, um sich gegen die falsche zur Wehr zu setzen. Und er nimmt das auch in seinem zweiten Teil auf, wo der echte Don Quijote sich durchsetzen muss gegen den falschen.

    Diese literarischen Trittbrettfahrer sind offenbar in den vergangenen fünfhundert Jahren nicht ausgestorben. Aber man erkennt sie an ihrer Schreibe. Meine ist, so sagte man mir eben, facettenreich: „spröde, poetisch, jung, alt, hart, zart, knochentrocken, spirituell, lustig, traurig…“ Ich stehe in einer großen Tradition, auch ich werde plagiiert, von einem Mann, der mir seit vier Jahren jedes Wort von den Lippen leckt und dennoch nicht einmal in der Lage ist, das Abgeleckte auch nur einigermaßen wortgetreu wiederzugeben; außer in der Zitation. Das Schreiben muss eine große Kunst sein, wenn einer es  nach so langer Zeit nicht einmal schafft, meinen Tonfall zu imitieren.

    Es ist bedauerlicherweise eine falsche Aléa Torik aufgetaucht, die nun unter meinem Namen, meiner Identität und mit meinem Gravatar Kommentare im Netz abgibt, und zwar an Stellen, an denen ich mich durchaus äußern könnte: Aber es nicht tue. Ich kommentiere derzeit nur diese beiden Blogs: Iris Nebel und Bersarin.

    In der Tat, hat es den Punkt gegeben, an dem deutlich wurde, dass Alban Nikolai Herbst und Aléa Torik Freunde nicht mehr werden können und auch meistens anderer Meinung sind – so bin ich der Auffassung, dass die eigentliche Leistung in keiner Weise dieses Blog hier war, sondern meine beiden Romane. Aber die kennt er nicht. Was sein gutes Recht ist. Umso größer seine Einlassung zu dem dem Fall:  “Was bleibt, ist die Wunde, die Torik uns nicht geschlagen hat, nein, sie hat nur den Verband abgewickelt, damit wir druntergucken und erkennen können, in welch schlechtem Zustand sich die Wunde befindet – welche Medikamente wir zur Betäubung auch einnehmen mögen. Erkennen aber wollen wir nicht. Denn diese Wunde sind wir selbst.” Hier der ganze Text.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    01 Mai 2013

    Anfang und Ende

    »Die Dinge gehen zu Ende. Allerdings gehen sie nicht nur zu Ende. Sie gehen auch zu ihrem Anfang zurück. Die endende Treppe führt wieder in ihren Anfang. Oder in einen anderen, einen neuen Anfang. Obwohl kein Anfang voraussetzungslos ist, weil man sich, bevor man anfing, fragen musste, wie man anfangen wollte. Und kein Ende endet ohne die Frage: wie aufhören?

    Am Ende ist es vorüber. Aber dann weiß man wenigstens, dass es gewesen ist. Dass man existiert hat, dass man einmal in all der Zeit und all dem Raum da draußen und der immensen Wahrscheinlichkeit, die dagegen spricht, existiert hat. Als Kind habe ich manchmal befürchtet, dass ein für mich außerordentlich wichtiger Moment nicht zustande kommen könnte. Ich habe mir diesen Moment vorgestellt, als läge er nicht vollkommen in der Vergangenheit, sondern müsse immer wieder aufs Neue seine Wirklichkeit und seine Gegenwärtigkeit beweisen: das Kennenlernen von Magdalena und Matthias. Als wäre es noch immer möglich, dass Matthias gar bis Constanţa gekommen ist, und er Magdalena folglich nie gesehen hat. Auf der Fahrt nach Rumänien hat er im Zug eine Frau kennengelernt, mit der er kurz vor der Grenze ausgestiegen ist. Irgendwo dort lebt er jetzt, er hat, statt mit meiner Mutter, mit dieser anderen Frau ein Kind. Mein Vater hat eine Tochter, die mir ähnlich sieht, die ähnliche Neigungen und Interessen hat. Sie ist vor einigen Jahren zum Studium nach Berlin gegangen. Sie lebt mit einer extravaganten Russin in einer WG im Prenzlauer Berg, promoviert in Literaturwissenschaft und schreibt Belletristik: eine andere Aléa, die nun an meiner statt existiert, die von meinem Teller isst, in meinem Bett schläft und an meinen Roman schreibt und die tatsächlich behauptet, es sei der ihre. In dem Fall also existiere ich gar nicht. Vielmehr existiere ich als die andere und nicht als ich selbst.

    Der wirkliche und der erzählte Zustand der Welt vermischen sich. Zwischen Anfang und Ende, in jenem seltsamen Zwischenraum, den wir beleben müssen, liegt die Sprache. Sie ist das einzige Werkzeug, mit dem wir der Sache beikommen können. Wir gestalten mit der Sprache unsere Wirklichkeit und können dann behaupten, sie sei schon vorher dagewesen. Hinterher lässt sich ungestraft behaupten, es sei vorher schon so gewesen. So oder anders wird es sich ereignen. Je nachdem, wo Matthias aus dem Zug steigt. Wo er aus dem Zug gestiegen sein wird.«

    Das ist ein Auszug aus “Aléas Ich“. Der letzte der zwölf Blogeinträge aus ALEATORIK: dem Blog von Aléa Torik. Der Roman hat zwölf dieser Einschübe, die allesamt das Erzählen thematisieren. Damit enden Roman und Blog: im Roman. Und das hier endet auch damit. Auch wenn nicht ganz klar ist, wo wir hier eigentlich sind.

    Aléa Torik, Aléas Ich
    Osburg Verlag, 2013
    423 Seiten, 19,95 €


     

     

     

     

     

     

     

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    14 April 2013

    Geschlechtermaskerade II: Nicht wir tragen die Kleider, sondern die Kleider tragen uns

    Die bereits zitierte Ina Schabert, erzählt in ihrem Aufsatz die Geschichte zweier Kinder, die in einen Garten schauen und lauter nackte Menschen sehen. „Sag mal, sind das Männer oder sind das Frauen?“, fragt eines der beiden Kinder und das andere Kind antwortet „Das weiß ich nicht, wir müssen abwarten, bis sie ihre Kleider wieder angezogen haben.“

    Nicht wir tragen die Kleider, sondern die Kleider tragen uns. Das sagt Virginia Woolf in ihrem Roman Orlando - „ … there is much to support the view that clothes wear us and not we them; we may make them take the mould of arm or breast, but they mould our hearts, our brains, our tongues to their liking” -,Virgina Woolf, Orlando, Seite 188.

    Wir sind nicht von Natur aus so wie wir sind. Wir werden dazu gemacht. Wir machen die anderen zu dem, was sie zu sein glauben. Und wir lassen uns dazu machen. So ist es mir auch ergangen, in den letzten Jahren. Ich habe mich auf eine bestimmte Weise dargestellt, wie jeder das tut. Vielleicht war ich ein wenig phantasievoller als die meisten anderes es sind. Aber ich wurde auch von anderen zu etwas gemacht. Sie sind mit ihren Phantasien womöglich weit übers Ziel hinausgeschossen. Aber vielleicht haben sie es auch genau getroffen. Genauer als ich das je könnte. Nun werde ich wieder zu etwas gemacht. Beide Male handelt es sich um Projektionen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
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    13 April 2013

    Geschlechtermaskerade I: „‘Frau‘ existiert hier nur insoweit und solange, als sie dem männlichen Wunschdenken zuspielt.“

    „‘Frau‘ existiert hier nur insoweit und solange, als sie dem männlichen Wunschdenken zuspielt.

    [ Ich mache, was man nicht machen sollte, ich unterbreche das Zitat, ich lasse einen Teil weg, der nicht hierher passt, weil ich aus einem Aufsatz zitiere, der sich mit dem Roman Fantomima von Eliza Haywood beschäftigt, und sich nach der obigen Stelle Ausführungen anschließen, die zu viele Erklärungen dieses Roman bedürften. Wenn in dem Aufsatz von 'Weiblichkeit als Maskerade' die Rede ist, dann bezieht sich das darauf, dass Frauen einem männlich entworfenen Frauenbild entsprechen und sich dementsprechend ausrichten, positionieren und auch fühlen. Es geht sieben Zeilen später weiter: ]

    Das Ungewöhnliche an dem Text ist, daß dieser Zusammenhang von männlichem Begehren und weiblicher Scheinexistenz offen dargelegt wird. Vertraute Frauenbilder werden als Konstrukte vorgeführt, als weibliche Posen, die sich nach der phallischen Ökonomie ausgerichtet haben. Ein mögliches Sein hinter der Maske scheint nur als Rätsel, als Negativum auf. Normalerweise haben wir in der männlichen Kultur einfache Erzählungen von der Frau als Verführerin, als femme fatal, als Unschuld vom Land, als dark lady, als Julia, als Cleopatra, als Gretchen etc. So ist die Frau, behaupten die Erzähler und Dichter, ohne die Maskeradendimension anzusprechen. Das Bewußtsein – oder verdrängte Bewußtsein – dessen, daß die Frau nicht von sich aus so lebt und denkt, sondern die vom Mann vorgegebenen Rollen spielt, kommt nur indirekt, in Bildern unverläßlicher, labiler, trügerischer, schlangenhaft schillernder Weiblichkeit zum Ausdruck.“

    Ina Schabert, „Geschlechtermaskerade“, Seite 55; in: Die Sprache der Masken, Hrsg. Tilo Schabert, Würzburg 2002.

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    12 April 2013

    „Jeder heutige Mensch kann einen Anspruch vorbringen gefilmt zu werden“

    Das schreibt Walter Benjamin in seinem Essay „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“. Der Aufsatz in seiner ersten Variante ist von 1935, aber der Anspruch ans Medium ist geblieben. Das Wort Anspruch ist heute sogar noch in einem viel umfassenderen Verständnis zu deuten: nicht ich werde von dem Medium angesprochen, sondern ich spreche das Medium an. Was jeder kann, das kann ich auch! Allerdings kann ich auch noch ein paar Dinge, die andere nicht können. Von denen ich jedenfalls behaupte, dass sie sie nicht können. Obwohl das – behaupten, dass das, was sie selbst können, andere nicht können – natürlich alle können.

    Wenn ich die Literatur an den Nagel hängen sollte, täte ich genau dies, ich hinge sie an den Nagel – oder anderswohin-, und ginge zum Fernsehen und zwar am kommenden Montag, 15. 04. 2013 um 21. 30 Uhr. Ich gehe zu Katrin Bauerfeind. Aber ich hänge sie nicht an den Nagel, die Literatur. Deswegen sind Alternativszenarien nicht von Interesse.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
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    08 April 2013

    Masken und Stimmen. Figuren der modernen Lyrik

    „In der Lyrik unseres Jahrhunderts zeigt sich diese Dialektik immer wieder: Der Dichter, der sich maskiert, versucht unter der Maske seine authentische Stimme zu finden. Der Möglichkeiten, der Varianten sind viele: sie reichen von den Personae Ezra Pounds und dem Personenpluralismus der Heteronyme Fernando Pessoas bis in die linguistischen Exerzitien Helmut Heißenbüttels, Oskar Pastiors oder Inger Christensens; von der Ausdrucksartistik Gottfried Benns bis zum reduktionistischen grido Guiseppe Ungarettis, von der nüchternen Wahrheit Phillip Larkins bis zu den kühnen Metaphern, unter denen Tomas Transtömer den Kampf um den verlorenen Namen führt. Und der Name, unter dem Paul Antschel im anagrammatischen Silbentausch zu Paul Celan wurde, bot er nicht so viel Schutz, dass in seinem Schatten Atem und ‚Atemwende‘ möglich wurden?“

    Masken und Stimmen. Figuren der modernen Lyrik, Harald Hartung, München, Wien 1996, Seite 27. Hervorhebung von mir.

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    06 April 2013

    Eine neue Kategorie: Masken und Schleier

    Ich werde in den kommenden Wochen eine neue Kategorie in diesem Blog befüllen: Masken und Schleier.

    „Bei euch, ihr Herren, kann man das Wesen
    gewöhnlich aus dem Namen lesen,
    Wo es sich allzu deutlich weist,
    Wenn man euch Fliegengott, Verderber, Lügner heißt“

    Goethe, Faust I, Vers 1330 bis 1335

    Man kann etwas aus dem Namen lesen, bei Herren und bei Wesen. Vielleicht auch bei Frauen. Das passte nicht mehr ins Reimschema. Geschenkt!  Wenn man zu lesen versteht, kann man aus meinem sprechenden Namen einiges herauslesen. Ich würde etwa Folgendes vorschlagen: Aletheia ist die Göttin der Wahrheit. Alea ist die Abbreviatur von Eulalia, ein Name der sich aus der Vorsilbe eu – ‚gut‘ und lalein – ‚Reden‘ zusammensetzt: die Rede- oder Sprachgewandte. Alea bedeutet im Hebräischen ‚Augen‘. Ich habe nicht umsonst ein Buch über einen Blinden geschrieben. Augen werden auch die Kerben eines Würfels genannt. Torik erinnert an die Thora, die fünf Bücher Mose, der Pentateuch. Der Übergang vom Vor- zum Nachnamen zeigt einen Übergang zweier Kulturstufen an, von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit. Die Schrift steht für das Abwesende, das Vergessen: Alea und thea verweisen auf a-lethe-a: Lethe ist der Fluss des Vergessens. Torik erinnert an den ägyptischen Gott Theuth, der Erfinder des Würfels, der Zahlen und der Schrift. Nichts davon bin ich, aber ich halte mich in der Nähe von alledem auf.  Vor allem in der Nähe der Kerben, von denen ich einige auf der Seele habe. Wer nicht?

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
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    04 April 2013

    „Identität“

    Identität

    „Was ich weiß
    über mich und was andere

    über mich wissen
    was ich nicht weiß
    über mich und was andere wissen

    was ich
    weiß über mich
    und was andere nicht wissen
    und was ich nicht weiß

    über mich und was andere
    nicht wissen. Die Münder meiner Wunden
    wissen etwas zu erzählen
    über mich. Der Trug
    der Wahrheit: Der Faden zwischen mir und den anderen.“

    Asher Reich (aus dem Hebräischen von Lydia und Paulus Böhmer)

    Identität ist das Verhältnis von mir zu anderen. Identität ist das, was sich herausbildet, wenn ich mit anderen ins Verhältnis trete. Das, was übrigbleibt, wenn die anderen mir etwas nehmen von dem, was ich sein will. Das, was andere mir geben, von dem, was ich sein will und von dem, was ich nicht sein will. Von dem, was ich weiß und was ich nicht weiß und sein will und nicht sein will und habe und nicht habe. Was ich retten kann und was untergeht. Identität ist immer in Bewegung.

    Siehe auch hier: Identitäten im 21. Jahrhundert.

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    01 April 2013

    Das multiple Subjekt

    In der Einleitung ihrer Dissertation schreibt Julia Weber, dass die literarische Moderne nicht denkbar sei ohne eine Vielzahl Formen der Selbstentgrenzung, die aber in der Regel als negative, als Spaltungs- oder Dissoziationsphänomene begriffen würden, nicht als alternative Formen von Subjektivierung. Aber genau dies will sie mit ihrem Buch über Pessoa, Beckett und Mayröcker tun. Ich zitiere aus dieser Einleitung.

    „Die Vorstellung einer ästhetischen Subjektivität, die im medialen Selbstbezug des Schreibens erst entsteht, steht autobiografischen Lesarten die davon ausgehen, dass sich das Subjekt im Schreibakt reproduziert, diametral entgegen. Das Erproben neuer ästhetischer Subjektivitätsformen kann jedoch – nur weil es zunächst im Freiraum der Literatur geschieht – nicht als unabhängig oder gar abgekoppelt von der empirischen Realität aufgefasst werden. Die Tatsache, dass hier ein neuer Raum des Selbstbezugs entsteht, heißt weder, dass keine realen Bezüge in das Schreiben einfließen, noch, dass das Schreiben keine Rückwirkungen auf die lebensweltliche Selbstkonstitution des schreibenden Subjekts hätte. Im Gegenteil: Schreiben wird gerade in der Moderne für viele Autoren zu einer existentiellen Selbstpraxis, in der das Ich sich nicht nur ausdrückt, sondern auch selbst erschafft und die Freiräume seiner Selbstkonstitution reflexiv und spielerisch auslotet. Der Begriff der ästhetischen Subjektivität – so wie er hier verwendet wird – grenzt ästhetischen Selbstbezug zwar von anderen Formen eines außerästhetischen (praktischen, ethischen, kognitiven, moralischen etc.) Selbstbezug ab, lässt sich jedoch nie ganz von diesen lösen. Ästhetische Subjektivität lotet, wenn man so möchte, immer konstitutiv die inhärenten Spannungen zwischen den beiden Polen der externen Referenz und der immanenten Konstruktion, zwischen Widerspiegelung und Neuerschaffung aus. Um diese inhärente Spannung zu markieren, verwende ich zur Charakterisierung der Ich-Erzähler bei Pessoa, Beckett und Mayröcker den Terminus schreibendes Ich.“

    Julia Weber, Das multiple Subjekt. Randgänge ästhetischer Subjektivität bei Fernando Pessoa, Samuel Beckett und Friederike Mayröcker. Wilhelm Fink, München 2010, Seite 14.

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    29 März 2013

    Der Pinguin Apollodor

    Vom Pinguin Apollodor erzähle ich in „Aléas Ich“. Das ist ein Buch von Gellu Naum, ein Kinderbuch. Der Pinguin Apollodor arbeitet im Zirkus, aber er hat große Sehnsucht nach seiner Familie und seiner Heimat. Also begibt er sich auf große Fahrt. Bis er jedoch an den Südpol findet, führt ihn seine Reise durch die ganze Welt. Er lebt als Cowboy in Amerika, verliebt sich in Afrika in ein hübsches Affenfräulein und wird später durch Zufall zum Millionär. Die deutsche Übersetzung ist von Rolf Bossert.

    Es lebte einst in Bukarest
    - Ein Kühlschrank diente ihm als Nest -,
    Im Zirkus auf der Moschilor,
    Ein Pinguin aus Labrador.
    Sein Name war Apollodor.
    Beschäftigung: Er sang im Chor.
    Er war also kein Mathador,
    Kein Zuckerbäcker, kein Major.
    Er hatte bloß ein gutes Ohr
    Und sang im Chor. (Er war Tenor.)
    Er war vergnügt, er hatt’ Humor
    Und einen Frack, schwarz wie ein Mohr:
    So kannte man Apollodor.

    Doch eines Tages ging was vor
    Mit unsrem Freund Apollodor:
    „Ich bin zwar gern im Chor ein Sänger,
    Doch wird’s ums Herz mir eng und enger …
    Zu meinen Brüdern, nach wie vor,
    Will ich, ins ferne Labrador!
    Wie gerne säße ich, bloß so,
    Auf einem Eisberg und wär froh …“
    Tränen vergoß Apollodor …

    Einiges wurde von Ada Milea vertont. Das finden Sie hier, genauer: unter dem Schaf ist ein kleiner Musikplayer, Apollodor in Afrika und als Cowboy, Lied 13 und 14. Ich erzähle das, weil ich annehme, dass Sie wissen wollen, zu welcher Musik man in den ersten Jahren dieses Jahrtausends in Bukarest, in den Clubs und auf der Straße getanzt hat.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
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    Aléa hat’s hierher gestellt,
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    20 März 2013

    Hier stehen inzwischen beinahe fünfhundert Artikel und für jeden habe ich einen Titel gefunden. Aber heute fällt mir keiner ein. Oder ich will ihn für mich behalten. Womöglich liegt‘s am Alkohol.

    Mir schrieb heute jemand, oder war‘s schon gestern?, dass er viel liest, selten etwas zu Ende, weil wenig Schätze unter den Bücher sind und dass er bei meinem Roman auf so einen Schatz gestoßen ist. Er spricht noch von Das Geräusch des Werdens. Ich freue mich darüber. So wie mich freute, als mir Ulrike vor einigen Wochen schrieb, dass sie in ihrer Buchhandlung zwanzig Exemplare verkauft hat und alle – ob jung, ob alt – begeistert seien. Natürlich wünscht man sich, dass man hunderttausend Bücher verkauft, hunderttausend mal Anerkennung bekommt und davon leben kann, vom Geld, von der Arbeit – dass man auch von der Arbeit lebt und nicht nur dafür – und dem Lob; natürlich weiß man, dass das nicht geschehen wird. Man weiß, dass der Einzelne nicht der Anfang einer Lawine ist.

    Ich war in Leipzig zur Buchmesse. Eigentlich bin ich nicht messekompatibel. Ich brauche den Trubel nicht. Aber ich kann ihn aushalten. Ich habe einige Leute kennengelernt. Deswegen geht man hin. Natürlich weiß man, dass es für alle ein Geschäft ist. Und für die meisten ist es keins. Man selbst sucht ebenfalls seinen Vorteil. Der besteht für mich darin, Möglichkeiten zu finden, um weiterzuschreiben. Ich hatte zwei Lesungen, in der Moritzbastei und im Café Puschkin. An einem Morgen kamen zwei junge Frauen auf mich, auf uns alle am Stand zu und erzählten, leicht errötend, dass sie die eine Lesung mit mir ganz toll fanden. Ja, es ist ein Geschäft. Ich will Bücher verkaufen und ich will, dass Leute sich an dem erfreuen, was ich da gebaut habe. Die zweite Lesung war in einer Kneipe mit Kneipenstimmung und das lief nicht so gut. Ich bin nicht warm geworden mit den Leuten. Oder die nicht mit mir. Ich hatte das Gefühl, die hätten lieber einen Krimi gehört. Aber ich hatte keinen. Ich bin wahrscheinlich einer der wenigen Menschen, die in ihrem ganzen Leben noch nie einen Krimi gelesen haben. Außerdem habe ich noch ein dickes Kompliment für meinen Aufsatz über Pierre Bayard bekommen. Was will man mehr? Man will wahrscheinlich eben einfach mehr. So ist der Mensch. Kann den Hals nicht voll bekommen.

    Es gibt nahezu kein literarisches Gebäude, dass nicht jeder abbruchbereite Trottel innerhalb weniger Minuten einreißen könnte: zu kurze Sätze, zu lange Sätze, zu philosophisch, zu hermetisch, zu hermeneutisch, zu hermaphroditisch, zu aphoristisch oder zu artistisch. Ein Verriss bedarf keiner Fähigkeiten. Aber eine Kunst ist es als Leser, sich selbst und seine eigenen Interessen aufzugeben und sich in ein Buch hineinzubegeben. Sich gefangen nehmen zu lassen. Und so freue ich mich über die Anerkennung per Mail und im direkten Gespräch.

    Ich habe im Nachgang einige Mails geschrieben. Alles Dinge, aus denen sich etwas entwickeln könnte, Bekanntschaften, Freundschaften, Zukunftsaussichten. Ich habe jemanden kennengelernt, den ich bis dahin nur per Mail kannte. Und das war ein sehr schöner Vormittag. Francis: wo ist das versprochene Buch?

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
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    09 März 2013

    „Morgen war Weihnachten“

    Das ist Unsinn: Morgen kann nicht Weihnachten gewesen sein. Es muss heißen: ‚Morgen wird Weihnachten sein‘ oder ‚Gestern war Weihnachten‘. Und auch das ist Unsinn: heute ist der neunte März.

    Die Formulierung „Morgen war Weihnachten“ dient Käte Hamburger in ihrer damals wohl bahnbrechenden Habilitation „Die Logik der Dichtung“ als Exempel für das sogenannte „epische Präteritum“. Das epische Präteritum, so Hamburger, kennzeichne nicht das Tempus der Vergangenheit, sondern diene in fiktionalen Erzählungen als Kennzeichen der Fiktion. Das ist dann in den folgenden Jahrzehnten, etwa von Franz K. Stanzel und Gérard Genette, teilweise in Bausch und Bogen verworfen worden. Aber diese Arbeit war, wenn ich das richtig einschätze, der Ausgangspunkt für die Entwicklung der modernen Erzähltheorie in Deutschland und in Frankreich. Auch wenn man heute auf diese Theorie nicht mehr zurückgreift, mache ich genau das, um zu erläutern, dass man in Aléas Ich die erste und die letzte Seite, die im Präsens daherkommen, als die grundlegende Ebene der Wirklichkeit empfinden kann und alles andere als Fiktion: im epischen Präteritum erzählt die Autorin, was abgeschlossen der Roman „Aléas Ich“ ist.

    Näheres dazu erläutere ich dort, wo es heißt: “Ebenso handelt dieser Roman davon, wie ein Ich sich bildet, wie eine Fiktion entsteht, wie eine Autorin damit beginnt, ‘ich’ zu schreiben.“, hier.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    03 März 2013

    Zwischen Männern und Frauen

    Die ersten beiden Lesungen liegen hinter mir. Es ist so gekommen, wie ich das vermutet hatte. Ich bin in den Stunden zuvor etwas angespannt. Aber das legt sich. Wenn aller Augen auf mich gerichtet sind, dann weiß ich, dass ich aus dieser Situation nicht mehr herauskomme. Sowohl beim Lesen, als auch in den dann folgenden Diskussionen fühlte ich mich nicht unwohl. Ich kann mich sicher noch verbessern. Aber ich weiß immerhin, dass ich meiner Stimme vertrauen kann, meiner Art, den Zuhörer in den Text hineinzuziehen. Diese Erkenntnis ist als Ergebnis der ersten beiden Lesungen nicht schlecht.

    Das ist mein Text und während des lauten Lesens kann ich das noch einmal betonen. Ich kann dem Zuhörer, wenn ich merke, dass er meiner Stimme vertraut, auch ein Vertrauen auf den Text abgewinnen. Im eigenen Lesen und im fremden Zuhören verbindet sich der Text noch einmal zu etwas Neuem. Zu etwas intensiverem als er zu dem Zeitpunkt war, da ich ihn geschrieben habe. Das laute Lesen ist die Kunst mit seinem Text zu verwachsen, der Text zu sein und den Zuhörer da mit hinein zu nehmen.

    Nach beiden Lesungen saß ich mit anderen im Restaurant. Ich saß zwischen Männern und Frauen. Und da fühle ich mich auch am wohlsten. Zwischen Leuten, die sich so für Literatur interessieren wie ich das tue: zwischen zuhören und selber reden. Ich saß zwischen Leuten, die sich für Literatur interessieren. Und da gehöre ich hin.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
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    25 Februar 2013

    „Aléa Torik ist ein großer Roman geglückt“

    Genauso sehe ich das übrigens auch: dass es geglückt ist. Mit noch den besten Absichten kann man keinen guten Roman schreiben. Das muss einem vielmehr glücken. Dieses Glück ist etwas, das den Einzelnen, und das, was er erreichen kann, übersteigt. Es mag wunderschön sein für die verletzte, an Anerkennung arme Autorenseele, wenn er oder  sie sich einreden oder einreden lassen kann, man sei ein großer Autor. Aber das trifft nicht den wesentlichen Punkt. Und dieser Punkt lautet: dass der Text seinen Produzenten übersteigen muss. Realistisch formuliert heißt das: was da steht, das steht nur deswegen da, weil da nicht Besseres steht. Also hat Bersarin in seiner Beprechung von Das Geräusch des Werdens absolut recht.

    Wenn er sagt, dass dieser Text nur von einer Frau geschrieben werden konnte, dann bin ich auch da seiner Meinung, auch wenn wir beide meinen, dass die Literatur geschlechtsneutral funktioniert, Längen- und Breitengradeninvariant. Auch darüber wird übermorgen zu reden sein, im schönen Literaturhaus in der Fasanenstraße.

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    24 Februar 2013

    „Jede Art von Text schränkt die Wirklichkeit ein, um sie zu konzentrieren“

    Zu der gestrigen Radiosendung: Dein Name von Navid Kermani scheint – in welchen Dimensionen, vermag ich nicht zu sagen – die Entstehung von Dein Name von Navid Kermani zu beschreiben. Hier, wie so oft, auch bei Jean Paul eben, werden die Bedingungen des Entstehens von Literatur Teil dieser Literatur: weil der Autor wissen will, was dessen Bedingungen sind und er es nur erfährt, indem er es thematisiert. Indem er, was er erlebt, in Worte fasst, von sich wegbringt und dann als ein Kunstprodukt, als Artefakt zu erfassen versucht.

    „Die avancierte Literatur von heute, tariert die Grenzen zwischen Roman und Wirklichkeit stets aufs Neue aus, ohne sich mit der sogenannten Realität gleichzustellen. Etwa in John Coetzees Romanen, in denen der Protagonist ein berühmter Schriftsteller als John Coetzee auftritt. Ein Selbstportrait? In der ‚Unsichtbaren Loge‘ verneint das Jean Paul, der in seinen Romanen ebenfalls als Jean Paul auftritt, und könnte gerade damit die Unwahrheit gesagt haben.“

    So ähnlich, allerdings mit anderen Vorzeichen, mache ich das in Aléas Ich auch. Die scheinbare Autobiografie, die sich nach und nach als eine Fiktion herausstellt, wird gerade in dem Maße doch noch zur Autobiografie, wie der Leser erkennt, dass hier nicht die Autorin am Werke ist, sondern die fiktive Figur. Die Figur ist es, die die Autorin erschafft. Nicht umgekehrt.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
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    06 Februar 2013

    „Die kontemplative Geborgenheit vorm Gelesenen“

    Das folgende Zitat bezieht sich auf den sogenannten realistischen Roman. Der auktoriale, allwissende Erzähler präsentiert dort seinen Erzählstoff so unmittelbar wie möglich, so dass der Leser dem Eindruck erliegt, er habe Teil an der Handlung. Der Leser glaubt, er werde zum objektiven Zeugen des Beschriebenen. Diese Haltung gilt es, ja!, zu zerstören.

    „Zu den Extremen, an denen mehr über den gegenwärtigen Roman sich lernen lässt als an irgendeinem sogenannten ‚typischen‘ mittleren Sachverhalt rechnet das Verfahren Kafkas, die Distanz vollends einzuziehen. Durch Schocks zerschlägt er dem Leser die kontemplative Geborgenheit vorm Gelesenen.  Seine Romane, wenn anders sie unter den Begriff überhaupt noch fallen, sind die vorweggenommene Antwort auf eine Verfassung der Welt, in der die kontemplative Haltung zum blutigen Hohn ward, weil die permanente Drohung der Katastrophe keinem Menschen mehr das unbeteiligte Zuschauen und nicht einmal dessen ästhetischen Nachbild mehr erlaubt.“

    (Theodor Adorno, „Standort des Erzählers im zeitgenössischen Roman“, in: Noten zur Literatur I, Seite 69)

    Wir verstehen erst einmal nicht mehr als dies, aber das verstehen wir genau: es gilt den Leser hineinzuziehen in den Text oder ihn herauszustoßen. Ihm die Zuflucht, das unbeteiligte Zuschauen, das „interesselose Wohlgefallen“ und die kontemplative Betrachtung zu verbauen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
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    18 August 2012

    Man träumt von Meteoren

    Ich hatte Anfang der Woche eine Verabredung mit Frank Berberich und Esther Gallodoro von LETTRE International. Ich wollte meine Belegexemplare persönlich abholen und mich auch vorstellen. Das war eine sehr interessante Verabredung. Frau Gallodoro zeigte alle acht Seiten ihres schönen kubistischen Gesichts. Herr Berberich, ein Intellektueller wie er im Buche steht und bisweilen auch im wirklichen Leben existiert, hat mir einen Schriftsteller empfohlen – Romain Gary, mit dem Nancy Housten ein Interview  gemacht hat -, ich habe gleich auch ein Exemplar von der Nummer mitbekommen, einen Vortrag zur Geschichte der Stadt Weimer gehalten und mir dann vom Internationalen Essay Contest erzählt, den LETTRE zusammen mit Weimar im Jahr 1999 organisiert hat.

    Wir sprachen über das ostentativ Weibliche meines Namens. Am Ende des Gesprächs hat er nach meinem Blog gefragt und ich habe kurz erzählt, was mir passiert ist. Er hat nicht einmal müde gelächelt. Und ich habe wieder einmal verstanden, dass Blogs eine miserable Reputation haben. Und ich habe auch verstanden, warum das so ist. Mit dem Blog hier werde ich nichts erreichen. Vor allem keine Leser. Ich hatte mal mehrere hundert davon am Tag. Von denen haben keine zehn mein Buch gekauft. Bloggen ist beinahe ein Zeichen unseriöser Literatur. Keiner der Nominierten hat einen Blog, weder beim Deutschen Buchpreis noch bei der Hotlist der unabhängigen Verlage. Ich verstehe inzwischen, warum das so ist.

    Man könnte Steine in den Himmel werfen, in der Hoffnung, dass sich richtige Meteore daraus entwickeln, die mit mehreren tausend Stundenkilometern zurück auf die Erde rasen und riesige Löcher schlagen, kilometertiefe Krater und Verwüstungen. Aber die Steine werden lediglich langsamer, sehr schnell sogar, stehen dann für einen kurzen Moment lang still und fallen schließlich kunstlos wieder herunter. Aber man träumt von Meteoren.

    (Ja, Holio: was Sie twittern ist richtig!) (Und man macht sogar schon Werbung für mich, sehr schön)

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
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