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  • 07 Oktober 2014

    „Schlecht schreiben können einige, schlecht lesen leider viele.“

    „Fast könnte man zudem sagen, unter dem Diktat des Gängigen verlieren die Menschen ihre Lesekompetenz. Wer hält heute noch einen Proust, einen Joyce, einen Foster Wallace durch? Gefällig muß es sein, realistisch muß es sein. Die eigene Lebenswelt muß es abbilden. Schlecht schreiben können einige, schlecht lesen leider viele.“ Das sind leider nicht meine Formulierungen. Immerhin decken sie sich mit meinen Ansichten. Die Zeit, da man allen Ernstes behaupten konnte, dass lesen bilde, ist definitiv vorüber. Lesen unterhält mitunter nicht einmal mehr, es lenkt lediglich noch ab. Und wenn es ganz schlecht läuft, weiß man nicht einmal mehr, wovon es ablenkt. Hierher kommt’s.

     

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.



    Kommentare

    Kommentar von Norbert W. Schlinkert
    Datum/Uhrzeit 9. Oktober 2014 um 09:27

    Liebe Aléa,
    ein gewisser Manfred Hinrich sagte mal, “Leser, die nicht lesen können, sind ein Trost für Autoren, die nicht schreiben können.” Insofern funktioniert der Buchhandel nach einem einfachen Prinzip. Den von Arno Schmidt geforderten geübten Leser findet man zwar noch, letztens unterhielt ich mich mit einer Frau, die den ‘Mann ohne Eigenschaften’ wie auch ich zwei Mal gelesen hat, aber eigentlich steht er definitiv auf der roten Liste.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 9. Oktober 2014 um 20:50

    Lieber Norbert,

    auch das ist pointiert formuliert von Herrn Hinrich. Ja, die rote Liste, gut zum zitieren, zum vorgaukeln von Bildungsbürgertum. Aber schlecht zu lesen. Die meisten Bücher, die da drauf stehen, sind sowieso viel zu dick. Das ist ein Schicksal, das sie mit der Liste selbst teilen. Aber über das Lesen habe ich mich hier schon geäußert, hier.

    Die Äußerung Bersarins trifft es insofern, als ich annehme, dass die Gefälligkeit das oberste Ziel vieler Preisausschreiben ist. Aber im Grunde bin ich gar nicht in der Lage, eine solche Äußerung zu tun, weil ich, anders als Bersarin, kaum zeitgenössische Literatur lese. Ich habe noch nie in meinem Leben auf einen Preis, sei es der Nobelpreis oder sei es der aus dem Prenzlauer Berg mit dem Kauf eines prämierten Autors oder Titels reagiert. Der gesamte Literaturbetrieb geht vollkommen an mir vorbei. Ich finde meine Bücher anders, ich suche nie nach ihnen, aber ich habe immer zu viel davon.

    Viel Glück beim Privatleben

    Aléa Torik

    Kommentar von Norbert W. Schlinkert
    Datum/Uhrzeit 10. Oktober 2014 um 08:50

    Liebe Aléa,

    auch ich finde meine Bücher anders, sogar manchmal im wahrsten Sinne des Wortes, zuletzt wieder mal in einem Hauseingang, wo öfter mal eine Kiste mit Büchern steht. Ich nahm mir ‘Die Habenichtse’ von Katharina Hacker mit, hätte ich mir nie gekauft, wäre ich nie drauf gekommen, ist aber tatsächlich ein sehr guter Roman. Der Literaturbetrieb mit seinen gepriesenen Autor:inn:en allerdings geht auch an mir weitgehend vorbei, überhaupt sind mir Betriebe ohnehin irgendwie nie so recht geheuer. Und was die Preisvergabe angeht, so steht wohl oft tatsächlich das Thema im Vodergrund, das zuvor von den Betrieblern quasi schon durchgesetzt worden ist. Es geht eben ums Verkaufen einer Ware, da machen alle mit, die daran etwas verdienen wollen und können.

    Danke, Privatleben läuft gut – würde ich aber nie einen Roman draus machen!

    N.

    Kommentar von bersarin
    Datum/Uhrzeit 10. Oktober 2014 um 16:11

    Als ich den Anfang dieses Blog-Textes las, dachte ich: Wow, dies sind ja mal richtig coole, rasante und treffende Beobachtungen. Bis ich dann merkte, daß die ja von mir sind. Ich hatte diese gelungenen Sätze schon wieder vergessen.

    Ich will es gar nicht so sehr kulturpessimistisch sehen: Bei der Vielzahl der Menschen, die Literatur lesen (oder eher: aufnehmen), ist die Quote der Kompetenten wahrscheinlich sogar höher als vor 100 oder 200 Jahren. Aber zugleich leider auch die der Irrelevanten, die sich äußern. Ob diese neue Gefühligkeit des Lesens mit dem Internet und der Massenkompatibilität zusammenhängt, vermag ich nicht zu sagen. Allenfalls macht das Internet als Kommunikationsmedium es leichter, daß sich die Banal:innen und Gefühlig:innen äußern können. In den germanistischen Seminaren der 80er, 90er Jahre saßen jedoch genau dieselben Menschen, mit genau denselben Ansichten zur Literatur. Nur war deren Resonanzraum nicht so verbreitet. In Seminaren und auf dem Campus war ich meist als arrogantes Arschloch verschrien, weil ich es nicht dulden wollte, daß im Modus eins-zu-eins über die Gefühle gesprochen wird, die Kafkas „Strafkolonie“ beim Lesen auslösen. Diese Art von Lektüre gab es damals und wahrscheinlich auch in den Weimarer Musenzirkel unserer blumenbekränzten, dichterschwärmerischen Damen. (Allerdings existierte da noch nicht die Erzählung „In der Strafkolonie“.) Heute verbreitet sich diese Art der Lektüre, alles und jedes unmittelbar und narßistisch auf die eigene Lebenswelt abzubilden, und erlangt eine ungute Ubiquität, die wiederum den Markt bestimmt. Wenn ich sehe, wie wenig bestimmte Bücher – auch der Gegenwart – vom Feuilleton wahrgenommen werden (sofern sie überhaupt einen Verlag finden), die zudem mit hohem literarischen Anspruch auftreten (und diesen auch einlösen), dann ist das erschütternd. Hatten es denn auch Joyce und Proust derart schwer? Wohl nicht – sei wurden gelesen und besprochen. Und ebenso war Kafka ein bereits zu Lebzeiten erfolgreicher, anerkannter Schriftsteller – auch wenn seine Romane nicht vorlagen und erst nach seinem Tode erschienen. Dennoch wurden seine Erzählungen in bestimmten Kreisen rezipiert. Hätte eine junge Dame auch damals schon mit halb kollabierendem Herzen und Aufregungsatem die Frage nach den Gefühlen beim Lesen der Strafkolonie gestellt? Zumindest wäre sie im Seminar vermutlich abgeblitzt.

    Am Ende kann man wohl sagen: Jedes Publikum hat die Literatur, die es verdient. Schade ist es dabei nur für die Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die vermittels solchen Marktes durch den Rost fallen. Vielleicht liegt ja hier die Aufgabe der guten Literaturblogs, sozusagen als Korrektiv zum Feuilleton: das darzustellen, was im offiziellen Betrieb verschütt geht, Kritiken schreiben und Bücher von wenig bekannten Schriftstellern in die Öffentlichkeit zu bringen. Wie etwa ANH das mit Christopher Eckers „Fahlmann“ machte. Hier sehe ich für Blogs gute Chancen der Literaturvermittlung – sofern sie sich nicht bloß auf die Leseerlebnisse kaprizieren.

    Ich selber lege mich in meiner Lektüre nicht fest. Um am Puls der Zeit zu sein und möglicherweise hoch Gelungenes nicht zu verschlafen, lese ich Gegenwartsautorinnen und -autoren. Andererseits: Die Eule der Minerva beginnt ihren Flug erst mit einbrechender Dämmerung, und wenn erst eine Gestalt des Lebens alt geworden ist … usw. Weshalb nicht einmal wieder den „Mann ohne Eigenschaften“ oder Kafkas „Prozess“ lesen. Oder die Romane Becketts? Oder Jean Paul? Es muß ja nicht immer Hegemann sein.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 11. Oktober 2014 um 10:05

    Lieber Norbert,

    das Auf-finden der Bücher, schöne Anekdote. So finde ich meine Bücher nicht, ich begegne ihnen auch meist auf ungewöhnliche Weise

    Es stimmt – zum Glück – nicht, dass ich keine zeitgenössische Literatur lese. Ich lese mich nur nicht an solchen Listen entlang, weil ich mich nicht bei jeder Zeile fragen will, ob da nun wieder Mainstream und Kompatibilität ausgezeichnet wurden statt Literatur. Zum Glück lese ich auch Gegenwartsliteratur! Ich fühle mich als gegenwärtig, mich interessiert die Gegenwart und ich will ein in der Gegenwart schreibender und lesender Mensch sein.

    Aléa Torik

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 11. Oktober 2014 um 10:14

    Lieber Bersarin,

    warum nicht noch einmal Proust lesen? Weil wir die Zeit nicht haben. Wir hatten sie, als wir jünger waren. Weil wir für alles Zeit hatten. Ich lag tzu Beginn meines Studiums sechs Wochen, lange Wochen, in Berlin im Krankenhaus und sechs weitere, noch viel längere, in einer Rehabilitationsklinik an der Ostsee, drei Monate meines Leben, wo ich nur halb Tote und halb Lebende getroffen habe. Ich kann mich heute nicht mehr genau daran erinnern, war wohl nicht so ne‘ tolle Zeit. Die Diagnose war, so muss man das wohl nennen, Scheiße. Die trug den hübschen Namen MS. Und ich habe zehn Jahre gebraucht, um sie zu widerlegen. Um damit zu leben. Und mich dagegen zu wehren. Das findet sich nicht in meinen Büchern. Gehört da auch nicht hin. Ich habe mein Privatleben. Ich will nicht mich selbst in meine Texte einschreiben. Ich interessiere mich auch nicht für biografische Literatur, ich will keine Nierentransplantationsromane und Herzrhythmusmaschinenromane und auch Dialysepatientenromane lesen. Ich will keine Literatur lesen, deren Autoren etwas ‚verarbeiten‘. Jedenfalls habe ich eine sehr gute Erinnerung an Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Das hätte ich niemals im Verlauf eines Semesters lesen können. Aber heute haben wir die Zeit nicht mehr. Oder nur noch selten.

    Was die Gefühle betrifft, sind wir vermutlich einer Meinung. Ich habe überhaupt gar keine Gefühle beim Lesen. Und so wenig wie ich Bücher lesen will, deren Autoren allerlei Transplantationen verarbeiten, will ich solche lesen, deren Autoren Gefühle beim Schreiben haben. Ich will einzig Bücher lesen, die etwas darstellen – denn das ist die Aufgabe der Literatur; glaube ich jedenfalls -,meinetwegen auch Transplantationen, Dialysen und Gefühle.

    Ich habe tatsächlich Anfang des Jahres noch einmal den Zauberberg gelesen. Da war durchaus ein einschneidendes Ereignis. Schlicht großartig! Thomas Mann würde sicher auch heute noch einen Verlag dafür finden. Bei Kafka und Beckett wäre ich mir nicht so sicher. Nicht weil sie schlechter sind, sondern weil ihre Lebenserfahrung heute so nicht mehr …. Ich kann den Satz nicht beenden. Wenn ich das Blog hier noch aktiv betriebe, machte ich eine neue Reihe auf: Literatur, die keine keinen Verlag mehr fände. Und da ist dann sicherlich ein großer Teil dabei, der als Kulturgut verstanden wird. Oder zumindest wird er so bezeichnet. Und wenn ich in dieser Reihe einige Texte verfasst hätte, denn wäre ich auch in der Lage den Satz da oben zu beenden.

    Aber so ist das immer gewesen. Die Zeit geht weiter. Wir haben heute eine ganz andere Arbeitswelt, Freizeitwelt, ein ganz anderes Selbstverständnis als vor hundert Jahren. Und natürlich brauchen wir auch eine andere Literatur, die das beschreibt. Und ich zähle mich zu denen, die das wollen und die, weil sie es wollen, es auch können. Allerdings muss man schon sehr langanhaltend wollen können, bis ein großer Text fertig ist. Das lässt sich nicht allein mit Geduld erledigen, sondern da gehört eine Portion Aggressivität dazu. Und manchmal auch Wut.

    Aléa Torik

    Kommentar von Norbert W. Schlinkert
    Datum/Uhrzeit 11. Oktober 2014 um 17:44

    Liebe Aléa,

    auch ich lese ja zeitgenössische Literatur, oft von Menschen, die ich persönlich kenne. Wichtig ist mir aber immer, egal ob das Werk von Homer oder Pynchon ist, daß es aktuell ist, mich also (thematisch) im Hier und Jetzt anspricht als Gegenwartsmensch! Listen im Spiegel oder Long- und Shortmäßiges interessieren mich aber gar nicht, auch weil ich Bücher lieber selber finde, auf meine Weise.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 11. Oktober 2014 um 17:56

    Lieber Norbert,

    dass die meisten Menschen keine Bücher finden können und sie deswegen in Listen nach ihnen suchen müssen, ist der Grund warum diese Listen existieren. Nicht, weil da gute oder schlechte Literatur versammelt ist. Es ist eher Hilflosigkeit, sich an eine Liste zu wenden. Aber diese Hilflosigkeit entspricht ja auch jener der Autoren, der Verleger, Lektoren und Marketingmenschen, die das Geschriebene verlegen, lektorierten dann verkaufen müssen: man wendet sich immer an die Gesamtheit der Leser, weil keiner der Beteiligten in der Lage ist, jene zwei Prozent, die sich wirklich für das Thema des Buches interessieren – und das sind ja immer noch hunderttausend – aus der Menge aller potentiellen Leser herauszufiltern. Deswegen werden alle mit allem überschüttet. Und machen dicht. Und wenden sich an Listen. In denen sie, behaupte ich mal frech, meistens nicht finden, was sie interessiert.

    Aléa Torik

    Kommentar von Norbert W. Schlinkert
    Datum/Uhrzeit 11. Oktober 2014 um 18:45

    Liebe Aléa,

    die Menschen werden also sozusagen in den Laden gelockt, auf die Liste, wo sie dann, wo sie schon mal da sind, sich auch was aussuchen?! Ja, ich denke, so läuft das, der Leser will einfach nicht zurück ins völlig Unübersichtliche und nimmt dann irgendwas, was sich so halbwegs nach was anhört.

    Ich hab übrigens auch vor nicht langer Zeit den “Zauberberg” noch mal gelesen, ein ohne Zweifel ziemlich gutes Buch mit ein paar Längen zwar, aber auch grandiosen Textpassagen. Ob ein heutiger Lektor es womöglich ruiniert hätte?

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 11. Oktober 2014 um 19:00

    Lieber Norbert,

    es gehört zum Anforderungsprofiel eines tausendseitigen Buches, dass es Längen hat. Man hatte damals aber auch mehr Zeit: der Leser hat sich an einer zweiseiteigen Beschreibung von Vorhängen erfreut. Heute denkt man nach zwei Zeilen: wann geht’s denn endlich weiter? Wir haben heute ein ganz anderes Verhältnis zum Ereignis. Wir wollen, dass was passiert. Handlung, Handlung Handlung. Weil wir auch in unserem Leben Handlung wollen und keine Zeit haben für die endlose Betrachtung von Gardienen und Vorhängen. Abgesehen davon, dass das heute keiner mehr kann, diese stillstehen Betrachtungen und Vertiefungen. Aber es hat eben auch jene Längen, die man heute nicht mehr braucht, die gesellschaftskritischen und –theoretischen Erwägungen wirken heute etwas altbacken. Dasselbe Buch von demselben Autor würde heute sicher auch etwas anders aussehen: da würde, statt der Gesellschaft, das Netz thematisiert. Thomas Mann war ja auch immer, soweit ich seine Texte kenne, am Puls der Zeit. Auch wenn er den Puls mitunter in der Antike gesucht hat.

    Aléa Torik

    Kommentar von Norbert W. Schlinkert
    Datum/Uhrzeit 11. Oktober 2014 um 19:08

    Liebe Aléa,

    ja, die Längen müssen schon sein, der Dicke wegen. Als weniger “veraltet” habe ich übrigens Robert Musils ‘Mann ohne Eigenschaften’ empfunden, kürzlich beim zweiten Lesen nach 25 Jahren. Auch da ist es ja mit der Handlung nicht weit her, ich würde sogar sagen, das Werk ist weniger ein Roman als das längste Essay der Welt. Und Musil würde sich heutigentags ganz sicher mit dem Internet beschäftigen, denke ich: http://www.litblogs.net/das-literarische-weblog-als-nachlass-zu-lebzeiten/

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 11. Oktober 2014 um 19:14

    Lieber Norbert,
    das ist wahr, die Dicke der Bücher liegt vor allem an ihrer Länge. Wenn die Länge kürzer wär, wär die Dicke dünner.
    AT

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