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  • Silvia Kühnel: Lieber Claus, habe schon mal vor einigen Jahren geschrieben, weil ich die Idee mit der Kunstfigur gut finde. Ein frohes Fest und ein gutes neues Jahr und viel Freude mit dem Stipendium. Silvia (Buchhändlerin in Dortmund)
  • irisnebel: klasse! gratuliere! musst du ne gegenleistung bringen? als stadtschreiber z.b.?
  • nadine schmid: Ich habe mit Thien an der Uni Koeln studiert. Wir ware zeitweise befreundet, aber ich hatte wenig verstaendnis fuer seinen ‘Mangel’ am akademischen Streben und habe, trotz meiner Anerkennung seines Talents, sein Lebensziel, aus seiner Dichtung etwas zu machen, als...
  • bersarin: Es muß natürlich, entdecke ich beim zweiten Lesen, Monika Rinck heißen. Ich kann mir Namen nie merken.
  • Aléa Torik: Ja, Bersarin, seinerzeit hat‘s ziemlich gut funktioniert: es war Literatur und die Leute waren mittendrin. Manche, ohne es zu merken. Manche haben hinterher zufrieden gelächelt, weil sie bei etwas Neuem mitgemacht haben. Oder weil sie selbst zu einer Art literarischer Figur dadurch...
  • bersarin: Literarisches Bloggen, liebe Aléa Torik, funktioniert durchaus. Freilich nur bei den wenigsten. Das meiste, was geschrieben wird, stammt aus dem Klein-Klein der Halbgarküchen, ist Poesiealbumsprosa von Minderleistern, Befindlichkeitsscheiße ohne Form. Ich schreibe dahingehend und als...
  • Aléa Torik: Never ride a dead horse – das hätte auch als Überschrift dieses Beitrags herhalten können. Gestern Nacht bin ich mit dem Rad 35 km durch das ausgestorbene Berlin gefahren, bis weit jenseits der Stadtgrenze. Da ich ziemlich kaputt war, konnte ich dabei nichts denken, aber wenn...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, Du hast überschüssige Energie!? Da werden Dich viele drum beneiden, umso besser also, wenn sie in etwas fließt, was Sinn zu machen verspricht. Was soll man also dazu sagen? Ich sage: Es lebe die Literatur! Und Gratulation natürlich zum vollzogenen Ausstieg aus...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, verflixt, hab‘ ich schon wieder Recht? Ich kann sagen, was ich will, ich habe immer recht. Dabei schrieb ich das eigentlich, um zu provozieren. Entweder lässt sich keiner provozieren oder die Provokation im Netz ist so allgegenwärtig, dass man zu ganz anderen Kalibern...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, da triffst Du mal wieder den Nagel auf den Kopf wie die Faust das Auge: fiktional und ein Sein als solches hat ein literarisches Blog zu sein und nicht einfach noch ein weiterer Mitspieler auf dem Markt- und Kampfplatz realer Eitelkeiten. Als Schriftsteller:in...
  • Aléa Torik: Liebe Miss Lingen, bitte entschuldigen Sie die kleine Verspätung meiner Antwort. Ich war auf anderen Schlachtfeldern unterwegs. Sie haben absolut recht, es ist viel zu komplex. Dabei darf ich mir zugutehalten, es deutlich vereinfacht zu haben. Denn im Original – wenn wir uns darauf...
  • Miss Lingen: Obwohl, wie Sie wissen, ich hier mit Sympathie lese, frage ich doch: ist das nicht alles ein wenig zu komplex?
  • Aléa Torik: Dann bin ich gespannt, was du von dem Essay hältst.
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, die Idee des freiwilligen Ablebens um des Erfolges willen stand ja schon einmal im Raum, aber das nur zu machen, um ausgerechnet auf meine Leseliste zu kommem, nee, da hast Du recht, das wäre schon sehr übertrieben! http://www.litblogs.net/hue...
  • Aléa Torik: Lieber holio, ganz verstehen kann ich die Ottos und Ottisten ja tatsächlich nicht. Vielleicht ist das so, dass Otto und Otta, was ihr Leseverhalten betrifft, auch nicht ganz schlau aus sich werden. Sie greifen immer nur nach dem, wonach auch die anderen greifen. Das zeichnet die...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, man ist ja einiges gewöhnt bei den Autoren. Was die alles tun, um gelesen zu werden, beispielsweise das Schreiben seltsamer Bücher. Ich fände es allerdings doch etwas übertrieben, wenn sich ein Autor nach dem Schreiben seines Buchs sogleich aus dem Leben verabschiedet:...
  • holio: Traurig ist das in der Tat. Und so ganz zu verstehen auch nicht. Im Geräusch des Werdens war der Anknüpfungspunkt für Otto Normalleser ja da. Und die Bălkanexotik ist auch rezipiert und rezensiert worden. Die Sprache ist einfach, der Plot verständlich, erinnere die Szene mit dem blinden...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, noch habe ich Deinen Essay ja nicht gelesen – kommt aber noch! Bin gespannt wie ein Flitzebogen! Und was meine durch eigenes Lesen hervorgerufene Belebung von Texten inzwischen leiblich von uns gegangener Autor:inn:en angeht, so ist es nicht Trost, den ich da...
  • Aléa Torik: Lieber holio, Sie haben recht, die Politik lassen wir hier außen vor. Richtig glücklich bin ja auch nicht mit dem Etikett der Postmoderne. Aber irgendwie müssen wir es ja benennen. Sagen wir Transmoderne. Die wesentliche Information ist allerdings angekommen, schon lange: dass Sie...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • Archiv vom Juni, 2014

    25 Juni 2014

    „ … wie ein versierter Übersetzer zwar dubitativ, weil anspruchsvoll, und dennoch – paradox genug! – sicheren Schrittes verfahren soll …“

    Meine Beschreibung der Tage in Bukarest und des dortigen Übersetzerkolloquiums ist ja bereits online. Jetzt ist auch die von Professor Horatio G. Decuble allgemein zugänglich, die mit der einer sehr treffenden Beschreibung aufwartet, die ich so gar nicht hätte formulieren können, dass  Aléas Ich eine „Kombinatorik von historiographischer Metafiktion und psychologischem Hyperrealismus“ ist.

    Hier also der Bericht mit vielen Fotos von den acht ÜbersetzerInnen, Alexandru Al. Şahighian und Gabriel H. Decuble, von dem nicht nur der Text, sondern  auch die Fotos stammen. Wie allerdings, fragt man sich, können die Fotos von Horatio Decuble stammen, wenn er selbst auf den Bildern zu sehen ist? Da stimmt doch was nicht! Das sind wahrscheinlich die Rätsel der Metafiktion. Oder die des Lebens: Denn es ist doch kaum ein Tag dabei, wo man nicht denkt, dass da irgendwas nicht stimmt und es wieder mal nicht so läuft wie es laufen könnte. Möglicherweise aber ist das ein untrügliches Kennzeichen des Lebens, dass es nicht so läuft wie es laufen könnte.  Und wenn es dann endlich doch so läuft: dann weiß man, dass man tot ist.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    15 Juni 2014

    Encyclopädia Britannica: “One of the strangest novels of 2013 was ‘Aléas Ich’ … ”

    Von den etwa 70.000 belletristischen Neuerscheinungen pro Jahr in Deutschland kommen weniger als ein Dutzend in die Übersicht der Encyclopädia Britannica. Das sind in diesem Jahr: Daniel Kehlmann mit F, Sven Regner mit Magical Mystery, Helene Hegemann mit Jage zwei Tiger, Uwe Timm mit Vogelweide, Terézia Mora mit Das Ungeheuer, Reinhard Jirgl mit Nichts von euch auf Erden, Thomas Glavinic mit Das grössere Wunder, Clemens Meyer mit Im Stein. Und Aléa Torik mit Aléas Ich: One of the strangest novels of 2013 was Aléas Ich … ”, hier oder hier.

    Sehe ich richtig, dass mein Buch das einzige der genannten ist, das über die Rezensionen hinaus nahezu keinerlei Aufmerksamkeit errungen hat? Obwohl keins, wenn ich richtig sehe, der hier genannten Bücher eine solch Euphorie hervorgerufen hat, wie das meine – Jirgl und Meyer muss ich vielleicht ausnehmen – . Meyer muss ich da rausnehmen: gerade der hat ja richtige Groupies. Man wundert sich aber dennoch. Man wundert sich nicht nur, man fragt sich, woran das liegt und man fragt sich nicht nur, woran das liegt, man ärgert sich auch. Und man ärgert sich nicht nur.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    04 Juni 2014

    Kennen Sie Bukarest?

    Ich hatte angekündigt, dass ich in der letzten Maiwoche in Bukarest sein werde. Diese Woche ist nun vorüber. Ich war dort und bin nun wieder hier. Möglicherweise habe ich den Aufenthalt in Rumänien auch erfunden, um mal wieder ein bisschen Stimmung in die Bude zu bringen. Oder weil ich Literatur mache und das erfinden zu meinem Job gehört. Außerdem bin ich nicht bereit, nur das als Literatur zu verstehen, was zwischen zwei Buchdeckel passt. Wie man die Irren – Michel Foucault, Wahnsinn und Gesellschaft -  gerne in bestimmte Areale aussperrt, damit man nie auf den Gedanken kommen muss, dass man selbst kaum weniger irre ist, sperrt man die Literatur zwischen die Buchdeckel. Dort können sich dann jene austoben, die sich für Napoleon Bonaparte oder Aléa Torik halten. Diese andere, die verrückte Welt – und alles, was über die reine Abbildung hinausgeht, ist verrückt – will man jederzeit wieder zuklappen können.

    Angenommen also ich war in Bukarest, auf jene verrückte Weise, die nicht die vorhandene Wirklichkeit widerspiegelt, sondern sich eine eigene erschafft; die nicht enthüllt, was da ist, sondern verhüllt, was nicht da ist. Nehmen wir an, ich sei mit dem Flugzeug geflogen. Was ich selbstverständlich nie tun würde: „Ich kann kein Flugzeug betreten, ohne in Panik zu geraten. Außerdem habe ich eine überaus lebhafte Fantasie und bei solchen Menschen ist es einerlei, ob sie wirklich abstürzen oder nur in ihrer Einbildung: Tot sind sie in jedem Fall. Sie sind nach einem eingebildeten Absturz toter, als sie es nach einem wirklichen je sein könnten.“ (Aléas Ich, Seite 14). Nehmen wir dennoch einen Start in Berlin Tegel an, einen ereignislosen Flug und das langsame Sinken des Flugzeugs im Landeanflug, ein lautes Geräusch, mit dem das Fahrwerk ausklappt. Und mit dem Fahrwerk klappt auch die Landebahn auf. Es klappen, sowie ich das Flugzeug verlasse, die Flughafengebäude auf und während der Fahrt in die Innenstadt klappt die Straße auf, links und rechts klappen die Gebäude auf, es klappt die vor mir liegende Zeit auf.

    Am ersten Abend wird ein Essen aufgeklappt, mit Beate Köhler, der Leiterin des Goetheinstituts in Bukarest, Prof. Horatio Decuble, dem Leiter der Germanistik, und Alexandru Sahigian in Beca’s Kitchen. Ich erzähle ein wenig von meiner Lebensgeschichte oder von dem, was ich dafür halte und die anderen finden es zumindest nicht unwahrscheinlich. Wir sprechen über Herta Müller und Mircea Cărtărescu – zwei sehr viel unwahrscheinlichere Lebensgeschichten als meine! – und über diese beiden, die ja durchaus als Antipoden bezeichnet werden können, wird, in wechselnden Konstellationen, noch häufiger gesprochen. Wir sprechen über den Literaturbetrieb in Rumänien und das Leseverhalten junger Leute. Wir vier sitzen uns schräg gegenüber, was man im Rumänischen nicht sagen kann, weil man sich einfach nur gegenübersitzt, ob schräg oder gerade spielt keine Rolle. Und das ist auch nicht falsch, denn wir sitzen uns tatsächlich nicht nur schräg, wir sitzen uns auch gerade gegenüber.

    Am darauffolgenden Tag werde ich von Marina Neacşu abgeholt, die von diesem Moment an beinahe alle meine Schritte begleitet. Wir fahren zu Radio România, wo ein Interview mit Matei Martin, Adela Greceanu und Alexander Sterescu stattfindet. Eine halbstündige Livesendung über Aléa Torik, Aléas Ich und die Ereignisse innerhalb und außerhalb der Buchdeckel. Ich habe vorher keine Zeit, nervös und hinterher keine Zeit, unzufrieden zu sein. Denn es geht gleich weiter zur Facultatii de Limbi şi Literaturi Străine. Auch wenn ich zum ersten Mal hier bin, ist es doch die Rückkehr an jenen Ort, an dem Aléa Torik studiert hat. Und wie ich so mittendrin bin in meinem alten Leben, gehe ich gleich auf die falsche Toilette. Jedenfalls halte ich sie für die falsche, ich treffe auf der Herrentoilette eine Frau. Wer Aléas Ich gelesen hat, weiß, welche Schwierigkeiten Aléa mit der Differenzierung von männlich und weiblich hat. Dann erinnere ich mich – oder man erklärt es mir -, dass an Fakultäten mit überwiegend weiblichen Studentinnen die Frauen die Toiletten der Männer mitbenutzen.

    Ich besitze einen neuen Personalausweis mit biometrischem Foto und fälschungssicheren Hologrammen: dabei käme ich nie im Leben auf die Idee, meine Identität zu fälschen! Auf der Vorderseite dieses Dokumentes steht mein männlicher, auf der Rückseite mein weiblicher Name. Allerdings findet sich keine Angabe mehr zum Geschlecht. Früher musste man zur Geschlechterbestimmung den Neugeborenen nur zwischen die Beine schauen und da man männlich oder weiblich sein musste, wurde das notfalls mit operativer Hilfe festgelegt: weil Eindeutigkeit ein erheblicher Wert war. Heute ist diese Zuordnung nicht mehr so einfach, weil man die inneren Anlagen der Geschlechtsorgane nicht von außen bestimmen kann. Und weil das Geschlecht, vielmehr die Zugehörigkeit dazu, ein konstruktiver Akt ist, den jeder im Laufe seines Lebens leisten muss. Ein jeder muss erkennen, welchem Geschlecht er sich zugehörig und von welchem er sich angezogen fühlt. Das ist eine große Freiheit und wie jede Freiheit mutet sie dem Einzelnen eine Auseinandersetzung mit dem Thema zu. Freiheit ist immer eine Zumutung.

    Raus aus der Toilette, rein in die Österreich-Bibliothek! Dort findet das Übersetzerkolloquium statt. In den vorhergehenden Tagen wurde, in zwei Gruppen unterteilt und unter Anleitung der beiden versierten Übersetzer Horatio G. Decuble und Alexandru Al. Şahighian je ein Kapitel von Aléas Ich und ein drittes, wenn ich richtig verstanden habe, gemeinsam übersetzt. Nun wollen acht attraktive junge Frauen mich mit den Ergebnissen ihrer Arbeit konfrontieren. Und sie wollen natürlich auch etwas über mich und Aléa und unseren fälschungssicheren Personalausweis wissen und stellen sehr gescheite Fragen dazu. Nicht alles, was in dem Roman steht, habe ich bedacht und nicht alles, was ich bedacht habe, habe ich auch so gemeint. Wird der Autor mit einer Übersetzung seines Textes konfrontiert, muss er offenbar lernen, dass auch die nicht bedachten und nicht gemeinten Zusammenhänge zur Sprache kommen. Weil sie, wenn sie übersetzt werden, bedacht werden müssen. Die Herrschaft des Autors über seinen Text ist zu Ende, wenn die Herrschaft des Übersetzers beginnt.

    Ich lese die Stelle mit dem Wolkenfragment, in dem der latente Verfolgungswahn Aléas deutlich hervortritt und Horatio Decuble fragt nach der Aktualität des Themas Securitate. Ein Vierteljahrhundert, eine Generation nach dem Untergang des Systems sitzt in dem Seminar keine Studentin, die das noch am eigenen Leib erlebt hat. Hat das noch irgendeine Relevanz? Ich entgegne, dass auch wir auch heute Verfolgungsstrukturen entwickeln, wir werden von anderen verfolgt und wir verfolgen sie ebenfalls: im Internet. Wir nennen es nur nicht mehr Verfolgung. Mit WhatsApp wissen wir jederzeit, wo die anderen sind und was sie da tun: denn sie hinterlassen überall Spuren. Wie wir. Wir alle sind in ein Gewebe verstrickt, dem wir uns gar nicht mehr entziehen können, weil es längst die Herrschaft über uns hat. Wir schauen ja nicht freiwillig alle paar Sekunden auf das Display unserer smartphones! Sondern die anderen, die Spuren auf unserem Display hinterlassen, zwingen uns dazu. Damit fällt ein Stückweit die Unterscheidung zwischen Freiheit und Unfreiheit, Täter und Opfer. Im Netz sind wir immer beides zugleich. Der Unterschied allerdings, wird mir berechtigterweise entgegengehalten, sei die Angst. Zur Zeit des Geheimdienstes habe man Angst haben müssen, heute sei man, wenn man in Netz unterwegs ist, angstfrei. Was ich wiederum für ein Problem halte.

    Wir sprechen über konkrete Übersetzungsprobleme, etwa bei dem Kapitel über den Flohmarkt am Mauerpark: „Die Deutschen sind in der Regel sehr darauf bedacht, einen körperlichen Abstand zueinander einzuhalten, der idealerweise genau einen Meter beträgt. Sie rempeln höchstens aus Protest. Angehörige anderer Ethnien hingegen, insbesondere Süd- und Osteuropäer rempeln aus Vergnügen. Es sind vor allem Fremde, Ausländer und Touristen, die auf diesem internationalen Flohmarkt unterwegs sind“ (Aléas Ich, Seite 198). Die Frage ist, ob es sich bei den Ausländern und Touristen um nähere Bestimmungen von Fremden handelt oder ob es eine Aufzählung dreier Gruppen ist. Ich kann die Frage nicht konsistent beantworten. Am darauffolgenden Tag, bei der öffentlichen Lesung und Diskussion bei der ein großer Teil des Fachbereiches anwesend ist, werden Dorian, Damian, Dionisie und Desideriu, die vier rumänischen Surfer zum Problem, vielmehr ihr Waschbrettbauch, der von der Abdominalmuskulatur gebildet wird. Den Begriff gibt es nicht. Ein „sehr muskulöser Mann“ trifft nicht das Gemeinte. Auch die Möglichkeit, einen stehenden Begriff wie etwa eine „karierte Tischdecke“ zu benutzen und deren Bedeutungsspielraum damit zu erweitern, ist wahrscheinlich nicht zielführend. Der englische Begriff „sixpack“ trifft es wohl am besten.

    Es wird nach der Art meiner Recherchen gefragt. Eines der übersetzten Kapitel ist in Bukarest situiert und man sagt mir hier wie auch schon bei der Lesung in Sibiu – wo ich eines der Kapitel aus Siebenbürgen gelesen habe -, dass die Texte außerordentlich authentisch seien und ich mit den Beschreibungen nicht nur die Stadt, sondern auch das Gefühl der jungen Leute für sie getroffen habe. Man will wissen, ob ich nicht doch wenigstens mal eine rumänische Freundin hatte, was ich bedauerlicherweise verneinen muss. In diesem Zusammenhang werde ich gefragt, ob es in Deutschland das Bild der schönen Rumänin gebe und ich antworte, dass es das meines Wissens durchaus gebe und ich, in gewisser Weise jedenfalls, auch deren Verkörperung sei.  Ich finde, ohne, dass ich mir je Rechenschaft darüber abgelegt hätte, dass Osteuropa für ein Gut steht, das in Westeuropa vielleicht schon verlorengegangen ist: eine Form der Unmittelbarkeit, die man als Natürlichkeit bezeichnet. Gewagte These.

    Eine verlorengegangene Natürlichkeit, die man seltsamerweise wieder zurückzuholen versucht, indem man etwa die Literatur zur Authentizität verpflichtet. Mit diesem Begriff habe ich meine Schwierigkeiten. Ich lege zwar den größten Wert darauf, dass mein Roman authentisch ist, aber nur, weil ich damit diesen Begriff ad absurdum führen kann. Es hat zu Beginn dieses Jahres in Deutschland eine Diskussion in den Feuilletons gegeben, warum die moderne Literatur so wenig „welthaltig“ ist und im Grunde immer wieder dasselbe erzählt. Ich meine, der Grund dafür ist einfach zu erkennen: weil man von den Autoren authentische Literatur erwartet und weil wir Schriftsteller, wenn wir dem nachkommen, Erfahrungen nicht länger in der Erfindung verdichten müssen, sondern in der bloßen Entsprechung der Realität entleeren. Aber auch Kafka war – seinem Text „Die Verwandlung“ zum Trotz – nie ein riesiges Insekt, wie Bersarin einmal formuliert hat. Würde man seine Texte mit Authentizität konfrontieren – oder mit Insektiziden behandeln – bliebe vom größten Schriftsteller Europas nicht viel übrig: Kafka würde wie eine tote Kakerlake aus dem Bücherregal fallen.

    Einmal geht es um das Bild der Vögel: Aléa trifft in den ersten vier Jahren in Bukarest jeweils einen Mann mit einem Vogel auf der Schulter, ein Pinguin, ein Papagei, ein Pfau und ein Pelikan. Das ist ein in dem Roman sehr weit verzweigtes Bild, an dem ein ganzes Bedeutungsfeld sichtbar wird. Alle zusammengehörigen Gruppen – meistens Personen, also Charaktere, manchmal auch Tiere und Ortschaften – werden aus vier Vertretern gebildet, deren Namen alle mit demselben Buchstaben beginnen. Ich habe in die Runde der Frauen gefragt, ob sie wissen, was es bedeutet, wenn man sagt, jemand habe einen Vogel. Aléa ist einsam, sie ist nach Deutschland gekommen, wo vielleicht nicht alles so gelaufen ist, wie sie sich das erhofft hatte, sie sehnt sich nach einem Mann, nach Liebe, Geborgenheit, Zärtlichkeit und Sex: ich habe also gefragt, ob sie wissen, welche Bedeutung das Wort vögeln hat. Flugzeuge nennt man auch Vögel. Aléa hat Angst vorm Fliegen, eine Angst, die entstanden ist, da sie als 6-jährige die Flucht von Nicolae und Elena Ceaușescu mit dem Hubschrauber vom Dach des Präsidentengebäudes gesehen hat und wenige Tage später deren Erschießung durch das Militär. Im kindlichen Vorstellungsvermögen verbinden sich diese beiden Ereignisse zu einem. Im Gespräch mit ihrem Doktorvater rät dieser seiner Doktorandin, sich mit der eigenen Angst zu konfrontieren und das Unförmige so in eine Form zu bringen. Und das tut sie, indem sie in ihrem Roman alle ihre Exfreunde mit dem Flugzeug abstürzen lässt und sich am Ende selbst in ein solches Flugzeug setzt, von dem vermutet werden kann, dass es ebenfalls abstürzt. Angst und Lust treffen sich in diesem Bedeutungsfeld. In dem Roman taucht ein Spaßvogel auf; auch die Lieblingsgestalt ihrer Kindheit, der Pinguin Apollodor, ist ein Vogel. Amer Amira Al Amour ist Aléas und Olgas Papagei, der nie gekauft, nie gefüttert und der, auch wenn er vier Sprachen lernen sollte, nie unterrichtet wird und der am Ende bloß die Geräusche von Flugzeugabstürzen simulieren kann. Und schließlich ist auch ihr Professor ein Vogel, Joseph Vogl nämlich.

    Anhand einer Frage – ich erinnere mich an Anna im gepunkteten Kleid- nach dem Verhältnis von Wirklichkeit und Fantasie, bemühe ich das diesem Buch vorangestellte Zitat Cărtărescus: „Der postmoderne Mensch glaubt an keine andere Wirklichkeit als die von ihm selbst erschaffene. […] Phantasie und ›Wirklichkeit‹ befinden sich auf ein und derselben Ebene und überschreiben einander unaufhörlich.“ Die klassische Philosophie postuliert einen Ursprung, ein Original, ein Urbild, das – wenn auch als nicht mehr Vorhandenes – im Abbild noch immer präsent ist. Setzt man aber ein synchrones Verhältnis von Abbild und Urbild, geht das eine nicht mehr dem anderen vorher, beide befinden sich auf derselben Ebene. Ich versuche das mit dem Problem des Anfangs von Aléas Ich zu erklären. Der tatsächliche Anfang lautet so: »Es ist September, der frühe Morgen des 11. September 2011, und ich sitze im Lesesaal der Zentralbibliothek der Humboldt-Universität, dem Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, es ist der frühe Morgen eines strahlend schönen Septembertages, den ich durch die Oberlichter sehen kann, ich sitze vor dem aufgeklappten Laptop und schaue auf den Bildschirm, auf die erste Seite meines Manuskripts;« (AI, Seite 9). In einem späteren Kapitel sagt Aléa allerdings, dass der Anfang ihres Romans Aléas Ich das Gespräch mit ihrem Professor über ihren Roman sei, das man bis dahin für ein authentisches Ereignis ihres Lebens hatte halten müssen: »Was ist das Wirkliche an der Wirklichkeit?«, fragte Joseph Vogl. Ich saß in der Sprechstunde meines Professors. Ich hatte ihm das erste Kapitel meines Romans und ein Exposé gegeben und ihn um einen Rat gebeten – vielmehr um dieses Gespräch, und mir dann wohl einen Rat erhofft. Er aber stellte eine Frage. Vielleicht erkannte er nicht, dass ich einen Rat erhofft hatte, oder ich erkannte nicht, dass diese Frage ein Rat war« (AI, Seite 20).  Wenn dies aber das erste Kapitel ihres Romans ist, muss man sich fragen, welches Kapitel Aléa Joseph Vogl dann zur Lektüre gegeben hat. Das müsste dann ein Kapitel sein, das es gar nicht gibt. Oder das sich selbst darstellt. Und vor allem: wo ist es? Und zwischen diesen beiden Kapiteln liegt der erste Eintrag in dem Blog  der überschrieben wird mit Anfang, vor allem Anfang. Der Relativsatz kann als nähere Bestimmung des Substantivs gelesen werden und bedeutet dann: es geht vor allem um den Anfang. Er kann aber auch als temporale Bestimmung gelesen werden: jedem Anfang geht noch etwas vorher. Dieses Blog ist der eigentliche Anfang Aléa Toriks, einer Figur oder Person – nutzen wir besser den englischen Begriff character – die es nur im Netz gibt. Diese Ebenen von Wirklichkeit und Fiktion überlagern und überschreiben sich in Aléas Ich ununterbrochen. Es ist nicht die Frage, ob Huhn oder Hühnerei zuerst da waren, Gott, der den Menschen als sein Ebenbild erschafft, oder der Mensch, der diesen erschaffenden Gott erschafft, um sich seine Existenz zu erklären. Das erste ist kein Gottesbeweis und das letzte keine Widerlegung Gottes. Wir Postmodernen würden sagen, beide sind zuerst da gewesen: „und überschreiben einander unaufhörlich“. Es ist nicht die Frage, ob Autor oder Figur zuerst da waren, ob der Autor die Wahrheit über seine Figur ist oder umgekehrt. Es ist die Frage, wie sie sich zueinander verhalten. Und damit wird ein ästhetischer Umstand beschrieben, kein chronologischer.

    Der erste Abend steht ganz im Zeichen der europäischen Literaturnacht, die zum dritten Mal von zwölf europäischen Kulturinstituten organisiert wird. Der Ort liegt ein wenig abseits der eigentlichen Wege und weil das Format der öffentlichen Lesung in Rumänien nicht so bekannt ist, sind die Räume nicht so reich besucht wie wir uns das erhofft haben. Das anwesende Publikum ist allerdings außerordentlich angetan von Aléa Torik. Ein, wie ich schon sagte, ästhetisches Phänomen, das mit Leben und mit Projektionen gefüllt werden muss. Und da ich in den vergangenen Jahren auf diesem Gebiet bereits einiges geleistet habe, gönnt das Goetheinstitut mir an diesem Abend eine Pause und hat eine Schauspielerin engagiert. Das zentrale Bukarest Kapitel, zuvor von den Studentinnen übersetzt, wird im Stundentakt von Michaela Popa  vorgetragen, die das ganz ausgezeichnet macht. Da das Kapitel aus der Ichperspektive geschrieben ist, ist das Bild Aléas an diesem Abend sicher zu einem großen Teil ihr zu verdanken.

    Am letzten Tag findet ein Interview mit Bianca Filip für Radio Bukarest statt, das für die deutschsprachige Minderheit in Rumänien sendet. Bianca und Alexandru begleiten mich zwei Tage lang auf meinen Wegen in Bukarest. Ich begleite sie, vielmehr machen wir die Wege, die sie um meinetwillen machen, zusammen. Bei den beiden habe ich das gute Gefühl, Freunde gefunden zu haben. Sie laden mich ein, bei nächster Gelegenheit wiederzukommen. Und das werde ich auch tun. Wenn das Stückchen Literatur beendet ist, an dem ich derzeit arbeite, in diesen Tagen und Wochen, werde ich ein ausführliches Exposé zu dem darauffolgenden Roman schreiben und mich um Förderungen bemühen. Das ist ein längeres Projekt und Bukarest wird, neben einigen anderen Städten, eine gewichtige Rolle spielen. Voraussichtlich jedenfalls, dazu muss ich irgendeine Förderung finden. Mit diesem Text will ich einen entscheidenden Schritt in Richtung europäischer Literatur gehen. Das Goetheinstitut hat sich für mich als ein Glücksgriff erwiesen, Marina Neacşu und Beate Köhler sind außerordentlich engagiert. Am diesem Abend sitze ich noch einmal mit Prof. Decuble zusammen, in der Donau Lounge, und wir reden über europäische Literatur in Bukarest und hoffentlich kommt da noch etwas hinterher, mindestens ein gemeinsamer Text. Und es kommen auch noch ein, zwei Interviews auf die ich bei Gelegenheit verweisen werde.

    Eine der Studentinnen hat offenbar Interesse, das gesamte Buch zu übersetzen. Ich würde mich natürlich außerordentlich freuen, wenn das geschieht. Die Begeisterung der Leute, auf die der Text getroffen ist, zeigt deutlich, dass er ebenso nach Rumänien gehört wie nach Deutschland. Ich hoffe sehr, dass es zu einer Interessenbekundung eines rumänischen Verlages kommt. Ich kann bei der Suche vor Ort nicht helfen, aber ich kann bei der Übersetzung sicher zur Seite stehen. Für mich wäre das gut und für sie wäre es das auch, direkt aus der Uni heraus zu einer literarischen Übersetzung zu kommen, mit einem Buch, das, wie ich finde, nicht ganz einfach zu übersetzen ist, das aber, so wird allgemein festgestellt, eine junge Übersetzerin benötigt.

    Kennen Sie Bukarest? Da sind mitunter Löcher in der Straße, das kann man mögen oder nicht. Man kann es hassen oder lieben. Man kann es erfinden oder so nehmen wie es ist und außen herum gehen. Man kann in Bukarest ankommen oder von dort weggehen. Und während sich alles, was sich beim Landeanflug aufgeklappt hat, die Landebahn und die Flughafengebäude, die Straßen der Stadt und ihre Bewohner, die hierhin und dorthin laufen, Verabredungen treffen und sich verpassen, die studieren und arbeiten … Alexandru und Bianca, der Professor und seine hübschen Studentinnen, die eines Tages, wie Aléa zuvor, nach Deutschland gehen, um Übersetzerinnen zu werden oder Romane zu schreiben; all das klappt wieder zusammen, während das Flugzeug abhebt, um mich auf einer anderen Landebahn ab- und auszusetzen, wo ein anderer Ort aufklappt.

    Am Ende ist alles erfunden. Ich bitte Sie! Wie hätte ich denn – bei meiner Flugangst! – nach Bukarest kommen sollen? Ich wäre nicht nur beim Hinflug abgestürzt, sondern auch beim Rückflug.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.