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  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • 29 August 2013

    Kein Nachruf auf Wolfgang Herrndorf

    Vor einigen Tagen ist Wolfgang Herrndorf gestorben. Das berührt mich seltsam, obwohl ich ihn nicht kannte. Ich habe kein Buch von ihm gelesen. Ich habe manchmal in sein Blog geschaut. Aber ich wollte ihm, der von seinem unheilbaren Hirntumor berichtete, nicht beim Sterben zusehen. Die Grenzen zwischen Interesse, Neugier, Anteilnahme und Katastrophentourismus sind fließend. Also habe ich wieder weggeschaut. Dennoch verbindet uns einiges. Wir sind im selben Beruf tätig. Wir wohnen nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Und wir haben noch manche andere Gemeinsamkeit.

    Er hat offenbar, wie jetzt zu lesen ist, sehr intensiv an seinen Texten gearbeitet. Das tun wir nahezu alle. Wir alle arbeiten mit einem gerüttelt Maß an Besessenheit. Der eine ist besser, der andere schlechter. Der eine ist besser beleumundet. Der eine trifft besser den Geschmack der Massen. Der eine hat mehr Erfolg. Der eine hat mehr Glück. Was sind Millionen verkaufter Bücher wert, wenn man einen Hirntumor hat? Man arbeitet dann, um zu vergessen. Aber tut man das nicht immer? Ist es nicht ein Gerücht, dass Schriftsteller vorwiegend aus der Erinnerung arbeiten? Man arbeitet doch, um die Droge zu schmecken, die das Schreiben dann ist, wenn man eine Begabung dafür mitbekommen hat und eine Droge daraus machen kann. Das ist die Begabung! Alles andere ist bloß Fleiß. Und eben Besessenheit.

    Wolfgang Herrdorf sei bescheiden gewesen, habe ich gelesen. Ich glaube, das bin ich auch. Jedenfalls sagt man mir das nach und ich vermute, dass das keine charakterliche Disposition ist, sondern eine Folge der Besessenheit. Man hat keine Energie mehr für andere Dinge. Wenn mir jetzt einer einen Porsche schenken würde: ich wüsste nicht einmal, wo ich den parken sollte. Man will leben um weiterschreiben zu können. Eine Million verkaufter Bücher macht einen reich. Aber wenn es in dem Text, an dem man gerade arbeitet, nicht weitergeht, dann macht es einen krank. Ich kann mir vorstellen, dass mit zum Schlimmsten in seinen letzten Monaten gehört hat, dass er wusste, dass er, wenn es den gegeben haben sollte, seinen aktuellen Text nicht fertigbekommt. Ich glaube, dass viele sich gar nicht vorstellen können, inwieweit man mit seinem eigenen Text zusammenwächst und wie ungeheuer wichtig es ist, dass man den fertigbekommt. Besessenheit heißt: man wird besessen. Und die Bescheidenheit stammt aus dem Wissen darum.

    Wolfgang Herrndorf schrieb Literatur, die er Unterhaltungsliteratur nannte. Oder die von anderen so genannt wurde. Und die wahrscheinlich genau das war, unterhaltend und komisch. Und nicht nur unterhaltend. Das ist langweilig. Dass sich ein Buch mehr als eine Million Mal verkauft, ist in der Regel kein Anzeichen von Qualität, sondern von Massenware. Auch wenn sein Debüt gelobt wurde, richtig Erfolg hatte er erst mit Tschick. Da wusste er schon, dass er todkrank ist. Manche sagen, dass er deswegen diesen Erfolg hatte. Das ist das Schlimme am Erfolg: dass man nicht weiß, wo er herkommt. Und schlimm ist auch, dass man das Wissen, das man hat, wenn man erfolglos ist, wieder vergisst: dass Erfolg immer ungerecht ist.

    Ich mag keine Nachrufe. Man ist betroffen, ganz ehrlich und aufrichtig. Und dennoch hat diese Betroffenheit immer etwas Falsches. Denn sie braucht ja den Tod des anderen. Sie ist eine Anteilnahme, die dem Lebenden gegenüber nicht erbracht werden kann. Man hätte Wolfgang Herrndorf nicht einfach anrufen können, um mit ihm ein Bier trinken zu gehen und ihm die eigene Anteilnahme zu versichern. Er hätte wohl weder Zeit noch Interesse gehabt.

    Da ist einer, der mit Worten umgehen konnte, gestorben. Einer, der sich so artikulieren konnte, dass seine Texte nicht nur die Schriftstellerkollegen schätzten, oder die Germanistikstudenten, sondern die, die lesen, weil sie sich unterhalten wollen. Also eigentlich, wenn wir mal ehrlich sein wollen, die wichtigsten Leser. Und bei aller Unterhaltungswut, die diese Gesellschaft manchmal kenzeichnet, weiß doch jeder, dass er am Ende stirbt und kaum einer kann dauerhaft die Augen davor verschließen. In Wolfgang Herrndorfs Blog konnte man etwas über den Tod erfahren. Über den Tod kann nur der schreiben, der etwas über das Leben schreiben kann. Der Tod lässt sich ja nicht verstehen, der lässt sich nicht einmal erleben. Erleben lässt sich nur das Leben. Es ist legitim in seinem Blog, seinen letzten Hinterlassenschaften, nach Äußerungen zu suchen, die einem die Zerbrechlichkeit des Lebens vor Augen führen. Weil unser Leben zu einem nicht geringen Anteil daraus besteht, gerade das vergessen zu machen.

    Anders als Wolfgang Herrndorf erfahren die meisten Schriftsteller kaum Anerkennung. Die Hochachtung, die Schriftstellern entgegenschlägt – sei es als Vorzeigeintelektuelle, als Vorzeigeunterhalter oder als Vorzeigekünstler – schlägt nur dem obersten Prozentsatz entgegen. Den Berühmten. Allen anderen schlägt Ablehnung und Ignoranz entgegen. Aber bei der Art von Hochachtung die Wolfgang Herrndorf jetzt entgegenschlägt wird mir beinahe schlecht. Weil sie die 99 % unter den wenigen Berühmten geradezu verachtet. Die meisten dieser Leute bringen genau das mit, was Herrndorf auch mitbrachte, Arbeitswut und Leidenschaft und Besessenheit. Aber das interessiert keine Sau.

    Ich weiß nicht, was aus mir wird. Vielleicht steige ich mit meinen Texten ein wenig nach oben, auf der Beliebtheits- und Aufmerksamkeitsskala. Aber wie hoch ich auch steigen werde, am End esteige ich hinunter. Ich möchte bei dieser Gelegenheit ausdrücklich darum bitten, wenn ich sterbe, keine Nachrufe auf mich zu verfassen. Ich würde einen Nachruf auf meine Person oder mein Werk als eine Unverschämtheit empfinden. Man kann sich für mich, also mein Schreiben, interessieren solange ich lebe. Auch wenn manche genau auf diese Karte setzen – endlich tot, dafür aber im Literaturkanon zwei Pläze nach oben gerutscht – : ich verbitte mir das!

    Zum ersten Mal verstehe ich Kafkas Impuls und Vermächtnis, die eigenen Schriften nach dem Tod aus der Welt wissen zu wollen. So wie man selbst hinaus musste. Einfach  nichts hier zu lassen, über das dann irgendwelche Leute etwas sagen können, was sie sich nicht zu sagen getraut hätten, wenn man noch am Leben wäre. Selbst wenn es nur positive Dinge sind.

    Wolfgang Herrndorf hat sich offenbar umgebracht. Eine Tat, für die ich gleichermaßen Bewunderung wie Abscheu empfinde. Aber sich eine letzte Handlungsfreiheit zu bewahren, das ist eine menschliche Tat. Er hat sich an einem Kanal erschossen, war zu lesen, gegen 23.15 Uhr. Ich bin zu der Zeit wahrscheinlich gerade ins Bett gegangen. Einen Steinwurf von Wolfgang Herrndorf entfernt.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.



    Kommentare

    Kommentar von NO
    Datum/Uhrzeit 4. September 2013 um 09:32

    Find` ich gut – wie wir Jüngeren aus der Facebook-Generation sagen.
    Beste Grüße
    NO

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 4. September 2013 um 21:16

    Lieber NO,

    „find ich gut“ sind drei Worte. Viel zu lang. Sie haben wohl nix zu tun? Hehe! Einfach nur noch liken! Smiley hin. Fertig.

    Im Ernst: Wir hatten uns bereits über das Thema Tod unterhalten und konnten uns auf die zwei wesentlichen Eckdaten einigen: erstens: iss Scheiße, zweitens: muss aber sein. Aber wenn ich auf der anderen Seite bin, nach meinem Exitus, wenn ich da drüben heil ankomme, und davon gehe ich mal aus, dann mache ich eine schöne Party. Da drüben, im Garten Eden, lasse ich es mir richtig gutgehen. Und das auch sehr sehr lange. Deswegen find ich es in Ordnung, wenn ich mich auf dieser Seite anstrenge. Dauert ja nicht so lange, keine hundert Jahre. Und dafür werde ich dann eine Ewigkeit lang belohnt. Ist doch ein super Geschäft! Ich freu mich schon.

    Und jetzt noch ernster: die Nachricht hat mich wirklich betroffen gemacht. Vielleicht war da auch noch ein Gefühl im Spiel, das in dem Artikel gar nicht erwähnt wird, weil es mir grad erst einfällt: ich glaube, dass ich mich ganz gut mit dem Mann verstanden hätte.

    Übrigens: lange nichts von Ihnen gehört. Aber ich sehe, Sie leben noch. Vielmehr sehe ich es nicht. Aber ich erkenne es an Ihren Worten, die zwar ungewöhnlich für Sie sind, aber dennoch Ihre.

    Aléa Torik

    Kommentar von NO
    Datum/Uhrzeit 5. September 2013 um 12:25

    Ihr Artikel verdiente mehr meiner Aufmerksamkeit. Allein: Internetmüde seit einiger Zeit; und müder derzeit, ist viel los.
    Ich melde mich!
    Beste Grüße
    NO

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 5. September 2013 um 12:46

    Lieber NO,
    die Internetmüdigkeit habe ich auch. Eigentlich hätte ich das hier längst einstellen wollen und sollen. Das Ziel ist erreicht und drüber hinauszuschießen nicht sinnvoll.
    Ja, melden Sie sich, wenn Sie Lust und Zeit haben.
    Herzliche Grüße
    Aléa Torik

    Kommentar von Konrad Geyer
    Datum/Uhrzeit 4. Dezember 2013 um 22:26

    Schoener Artikel. Ich war in der Vergangenheit schon ein paar mal auf diesem Blog, habe mich eben daran erinnert, bin nach unten gescrollt und auf Herrn Herrndorf gestoßen. Ich dachte gerade heute wieder über ihn nach. Ich mühe mich selbst als Schreiber ab und muss mich bis Ende der Woche für oder gegen einen Verlag entscheiden, der eher die zweite Wahl ist. Ein Freund, dessen Weltbild von Mainstreammedien gepraegt ist und der sich in seinen Urteilen über Kunstwerke gerne an der Anzahl von “Likes” etc. orientiert, hat mir einen Ausschnitt aus dem Arbeit & Struktur-Vorabdruck im aktuellen Spiegel geschickt. “Ich kann sagen, dass ich in meinem Leben nichts getan habe, was ich nicht wollte”, schreibt Herrndorf da. Das sollte mich aufmuntern, weil ich das Schreiben aehnlich konsequent in die Mitte meines Lebens gerückt habe. Aber bei Herrndorf geht es mir wie Ihnen: Einerseits erweckt sein Blog in mir das ungewoehnlich starke Gefühl, dass ich mich gut mit ihm verstanden haette, andererseits macht sein Erfolg mich neidisch. Jetzt kommt es mir vor, dass beides zusammengehoert, dass Herrndorf wie kein anderer zeitgenoessischer deutscher Schreiber dieses vertraute Kumpel-Gefühl anspricht und genau das seinen Erfolg ausmacht. Herzliche Grüße. KG

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 7. Dezember 2013 um 16:02

    Lieber Konrad Geyer,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich hatte mich tatsächlich über die Berichterstattung zu Wolfgang Herrndorfs Tod gleichermaßen gewundert und geärgert. Als wenn wir nicht alle so viel und so intensiv und so ‚selbstauslöschend‘ arbeiten wie er es getan hat. Aber erst anhand eines Todes bemerken unsere Kritiker solche Dinge. Dass Herrndorf bei den Rezensenten – bei mir gleichermaßen und offenbar auch bei ihnen – so ein Kumpelgefühl auslöst, ist tatsächlich interessant. Es scheint so zu sein, dass man diese Nähe vor allem deswegen empfindet, weil er so früh, so tragisch und so dramatisch gestorben ist. Wenn man sehr berühmt ist oder sehr zum Tode verurteilt – also mehr als wir, die wir irgendwann nur irgendwann sterben – dann wird man vom Literaturbetrieb angehimmelt und gefeiert. Keiner ist so schön gestorben wie Herrndorf. Stirne aufschlitzen ist auch gut. Hat schon mal jemand was mit Brüste abschneiden probiert? Das gibt doch sicher 100 000 Auflage. Herrndorf ist in gewisser Weise auch das tragische Opfer einer Auffassung von Literatur geworden, deren Hauptinteresse die Authentizität ist. Eine Literatur, die sich einen Scheißdreck für Texte interessiert.

    Zu der Wahl des Verlags kann ich nichts sagen und nicht raten. Da spielen in der Regel eine Menge Überlegungen mithinein, die ich, in ihrem Fall, nicht kenne.

    Herzlich
    Aléa Torik

    Kommentar von Konrad Geyer
    Datum/Uhrzeit 9. Dezember 2013 um 14:05

    Was den Verlag betrifft: Ich habe mich für den “Spatz in der Hand” entschieden. Das Sprichwort für die Argumentation dagegen waere “Perlen vor die Saeue” gewesen. Ich werde sehen, was dabei herauskommt. Was Herrndorf betrifft: Seine ersten Bücher waren zwar bei groeßeren Verlagen, er hat beim Bachmannpreis gelesen, aber das Interesse daran war eher gering. Ich meine, Tschick hat seine erste Erfolgswelle vor allem Mund-zu-Mund-Propaganda unter Lesern zu verdanken. Seine Krankheitsgeschichte war damals noch nicht in aller Munde. Das Buch hat die Menschen einfach berührt. Die Medien sind spaeter auf den Zug aufgesprungen und gaben nach seinem Tod noch mal richtig Gas. Ich bin mir nicht so sicher, ob die Literatur sich tatsaechlich einen Scheißdreck für Texte interessiert. Aber bestimmt gibt es gewisse Stufen auf der Aufmerksamkeitsleiter, wo Geschichten hinter, um und vor den Texten essentiell werden.
    Gruß
    Konrad

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 9. Dezember 2013 um 19:02

    Lieber Konrad Geyer,

    man kann mit einem kleinen Verlag Glück und mit einem großen Pech haben und umgekehrt. Deshalb gibt es keinen Rat, den man geben könnte. Man muss sie zuvor bedenken und doch kann man nicht wissen, welche Entscheidung die bessere gewesen sein wird.

    Zu Herrndorf: ich habe seinen Werdegang nicht so genau verfolgt. Den Namen habe ich zum ersten Mal durch Tschick gehört. Ich habe in einer Buchhandlung hineingelesen, fand‘s witzig – aber doch irgendwie auch ein Kinderbuch – und habe es dann nicht gekauft. Ich glaube das Blog kannte ich schon recht lange – ohne aber zu verstehen, dass der Autor jener Wolfgang Herrndorf war, der da langsam berühmt wurde. Ich habe das Blog auch nie verlinkt, weil mir mein Lesen dieser Seite von Anfang an eher unangenehm war.

    Dass der Literaturbetrieb sich einen Scheißdreck für Literatur interessiert ist natürlich übertrieben. Das war zu flapsig. Und das ist auch nicht zu generalisieren. Bei mir war‘s eben leider so. So und nur so. Es kann auch anders sein. Dennoch glaube ich, dass die ‚Geschichten um den Text herum‘ oft sehr viel wichtiger sind, als der Text, wie hieß noch der Autor mit der Lebertransplantation der den Leipziger Buchpreis bekommen hat? Ich hab‘s vergessen. Nein, stimmt nicht. Ich habe es mir nie gemerkt. Es hat mich nicht interessiert. Ich interessiere mich nicht für Autoren (weil sie Autoren sind), nicht für deren Lebern, Lungen oder Lymphdrüsen. Ich interessiere mich für Texte.

    Viel Glück beim Schreiben!

    Herzlich
    Aléa Torik

    Kommentar von Konrad Geyer
    Datum/Uhrzeit 9. Dezember 2013 um 23:16

    Danke für den Glückwunsch was das Schreiben betrifft. Kann nicht schaden. Ich denke, du weißt von was Du sprichst. Was das Verhaeltnis von Autorenbiografien zu Texten und der Aufmerksamkeit die sie bekommen betrifft, geht das bei mir durcheinander. Es gibt hunderte Wege zu jedem Text. Es waere gelogen, wenn ich behaupten würde, dass bei mir immer der Text am Anfang stand. Zuletzt habe ich viel Kerouac gelesen. Ich behaupte, seine Texte würden auch funktionieren ohne die Authenzitaet, die sie anscheinend haben. Aber wer kann das schon auseinanderhalten. Interessant in der Beziehung bist Du und sind Deine Texte. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber ich denke, ich bin über DFW hier her gekommen. Ich gebe auch zu, ich habe maximal selektiv mitgelesen. Man koennte auch sagen “oberflaechlich”. Mir war immer klar, dass hier jemand schreibt, der mehr Lust am theoretisieren, am intellektuellen Abenteuer hat, als ich. Dass sich hier jemand eingehender mit philosophischen und literaturtheoretischen Fragestellungen beschaeftigt, als ich. Und den Eindruck habe ich auch bei Deinen Büchern. Ich habe bisher keines davon gelesen, weil immer so viel anderes ist, das mich mehr interessiert. Ich lehne mich weit aus dem Fenster jetzt: Aber kann es sein, dass es so auch DEM Betrieb geht? Zu viel Kopf? Zu wenig Gefühl? (Entschuldige die Bohlen-Ausdrucksweise, aber die Suppe ist heiß!)

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 10. Dezember 2013 um 17:38

    Lieber Konrad Geyer,

    Suppe, um 23.00 Uhr?

    Ja, das ist richtig, es gibt hundert Wege, wie man an einen Text kommt. Heute mehr als je zuvor. Das ist vielleicht sogar einer der Gründe, warum ich mich nur noch von Texten leiten lassen will. Und selbst dann lese ich kaum ein Zehntel von dem, was ich interessieren könnte.

    DER Literaturbetrieb? Den gibt’s ja nicht, es gibt nur die Menge der Beteiligten: http://www.aleatorik.eu/2013/08/18/vordertur-und-hintertur-des-literaturbetriebs/
    Kann sein, dass es manchem hier im Blog zu theoretisch war. Aber das kann nicht für die Romane gelten, jedenfalls kann ich es mir nicht vorstellen. Die meisten Rezensionen betonen, dass die Texte zwar einen theoretischen Hintergrund haben, selbst aber nicht theoretisieren. Im Gegenteil, ich meine sogar, dass immer wieder betont wurde wie sehr das erzählende Texte sind. Aber letztlich weiß ich das nicht.

    Ich glaube nicht einmal, dass der Betrieb nicht recht was mit mir anzufangen weiß. Die kennen mich gar nicht. Aber Literaturbetrieb, vielmehr Förderbetrieb, ist auch wirklich kein gutes Thema bei mir. Ich habe 400 Bewerbungen geschrieben, bei einem positiven Bescheid, ein dreimonatiges Stipendium. Eher als der Förderbetrieb mich alimentiert, alimentiere ich die Post und den Betrieb.

    Die Suppe ruft!
    Aléa Torik

    Kommentar von Konrad Geyer
    Datum/Uhrzeit 10. Dezember 2013 um 21:51

    Danke für den Link. Der Betrieb ist in meinen Augen eine ziemlich verzweigte Welt, in die man auf unzaehligen Wegen und in unzaehligen Funktionen gelangen kann. Eine Welt mit einem Zentrum, in das Aufmerksamkeit und Geld locken. Manchen gelingt dort eine Punktlandung. Manche arbeiten sich allmaehlich dahin vor. Manche gelangen nie dorthin. Der alte Mann vor dem Gesetz in Kafkas Geschichte hat zuerst versucht, den Waechter umzustimmen. Als er einsah, dass daraus nichts wurde, hat er versucht, sich mit den Floehen im Kragenpelz des Waechters zu verbünden. So machen das viele, ich verfolge das auf Facebook …
    Zur Suppe: Ich lebe ein paar Kilometer südlich von Berlin in einer anderen Zeitzone, dort haben wir eine Stunde früher, und dann esse ich auch noch oft spaet.
    Zu den Wegen zum Text: Man kann nicht alles lesen. Und ich glaube, es ist besser, nicht alles zu lesen. Man laeuft Gefahr, den Wald nicht mehr zu sehen. Das denke ich oft, wenn ich Rezensionen von Profis oder Laien lese. Sie würden anders aussehen, wenn da ein wenig Luft zwischen den Lektüren liegen würde. Wenn die Buchstaben in der Suppe Zeit haetten, sich zu setzen. Ich habe früher selbst im Buchhandel gearbeitet und es bleiben lassen, weil mir die ewig draengelnden Programme die Lust am Lesen verdorben haben. Fauser schreibt in Rohstoff “Ich hielt es für nützlicher, ein paar Bücher wirklich gut zu kennen, als ein paar tausend gelesen zu haben, von denen man doch nur vage Erinnerungen mit sich herumschleppte” — mir geht es genau so. Außerdem lese ich nicht per-se gerne. Vor allem, wenn die Bücher mich kalt lassen, fallen mir einige Sachen ein, die ich in der Zeit lieber erledige.
    Zu Deinen Büchern: Ich lehne mich wieder aus dem Fenster — Bestimmt sind deine Texte erzaehlende Texte, bestimmt theoretisieren sie nicht, aber ich würde behaupten, dass ihre Keimzellen eher in theoretischen Gefilden liegen. Nun gibt es als Schreiber wohl so viele Wege zum Text, wie als Leser. Und der über Theorien ist einer davon. Ich behaupte, dass das sich in einer bestimmten Energie niederschlaegt, die wiederum einige und vornehmlich professionelle Leser anspricht und bei breiteren Massen nicht so zündet. Um bei Herrndorf zu bleiben — Bei Tschick würde ich vermuten, dass er entweder einfach mit ein paar salingeresq attraktiven Charakteren spielen wollte, oder sich relativ ungezwungen an diesem Huck-Finn/Roadnovel-Gefühl ausprobieren wollte. Und DFW wollte vor allem alles aufschreiben, was es über Drogen und Sucht aufzuschreiben gibt. Einmal ein gewichtsloses Experiment als Keimzelle eines Textes, einmal existenzielle Erfahrungen, mit übermaechtigem, glasklarem Verstand durchlebt oder durchdrungen.
    Zurück zum Anfang: Ich meine, schreiben wollen, ist viel wollen. Wir machen es eben, so gut es geht und schauen, dass der Preis, den wir dafür bezahlen, nicht zu hoch wird. Ich bewege mich oft an der Grenze. Jetzt gerade auch. Herzliche Grüße. KG

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 10. Dezember 2013 um 22:44

    Lieber Konrad,

    der Hinweis auf den Pelz und die Flöhe ist treffend. Und auch die Charakterisierung des sogenannten Betriebs. Manchen gelingt der Senkrechtstart, anderen schwingen sich langsamer in die Höhe und manche explodieren am Boden vor Neid. In den meisten Fällen ist es völlig unverständlich. Ich für meinen Teil habe gerade das Gefühl dass ich sehr viel eingezahlt habe in die Lotterie und nahezu nichts zurückbekomme. Und ich vermute, Lotterie funktioniert auch nur so, indem ein großer Teil sehr viel mehr einzahlt als er je wird zurückbekommen können. Man muss, auch da hast du Recht, sehr gut aufpassen, dass man nicht zu viel investiert. Aber wie? Wenn man nicht alles investiert, wenn man es nicht mit aller Kraft macht, dann entwickelt es nicht den Sog, um den Autor selbst mitzuziehen. Bei mir ist das so. Ich habe lange gebraucht, um einen vernünftigen Stil zu entwickeln. Und jetzt, wo ich den endlich habe, brauche und suche ich eigentlich einen Weg mich ein wenig zu distanzieren. Um nicht zu viel zu investieren. Wenn der Preis zu hoch ist, wird es gefährlich, weil dann die Lust, aus der man seine Kreativität schöpft, verloren geht. Ich vermute, dass es bei dir ähnlich ist.

    Ist die Zeitzone südlich von Berlin – zehn, tausend oder hunderttausend Kilometer – bis jenseits des Van Allen Gürtels (ich kenne nur den Titel des Buchs von Herrndorf) – nicht immer dieselbe? Wandern die Zeitzonen nicht von Osten nach Westen? Oder hieße das, das Haar in der Suppe suchen?

    Ich finde, du lehnst dich zu weit aus dem Fenster. Aber vielleicht tust du das auch, weil du frische Luft brauchst? Ich bin sehr sicher, dass meine Texte sich nicht aus dem Theoretischen speisen. Es ist der zweite Text, der daherkommt. Nicht einmal das, nicht ursprünglich jedenfalls Ich bin eher zufällig darauf gestoßen. Aber es spielt keine Rolle. Die Texte haben etwas Elitäres und sprechen offenbar eher geübte Leser an. Und damit tun sie sich schwer, zumindest bei meinem derzeitigen Verlag. Bei anderen Verlagen ist gerade das ein Zeichen für gute Literatur. Wie du schon sagst: „Einmal ein gewichtsloses Experiment als Keimzelle eines Textes, einmal existenzielle Erfahrungen, mit übermaechtigem, glasklarem Verstand durchlebt oder durchdrungen.“

    Herzlich
    Aléa Torik

    Kommentar von Konrad Geyer
    Datum/Uhrzeit 11. Dezember 2013 um 22:25

    Liebe Aléa,

    ich fühle mich zeitzonentechnisch bloßgestellt. Stimmt: Den Unterschied macht das Ost-West-Gefaelle. Dass es von Osten nach Westen fast genauso viele Kilometer sind (ca. 2200), wie von Norden nach Süden, war mir nicht bewusst. Jetzt weiß ich es. Ich nehme an, meine Nord-Süd-Fixierung hat mit den Oliven und den Zitrusfrüchten zu tun. Nicht mit Haaren in der Suppe.

    Aber der Literaturbetrieb als Lotterie, in die viele einzahlen, und ein paar raeumen dann ab? Entweder ich sehe das anders, oder bin einfach noch ein paar Desillusionierungsstufen weiter unten. Ich tendiere zu Ersterem. Man macht um der Sache willen mit, nicht um zu gewinnen. Der olympische Gedanke, der Weg ist das Ziel. Woher man Geld zum Leben bekommt, oder das Schulterklopfen, ist eine andere Frage. Eine solide Frustrationstoleranz ist Grundvoraussetzung. Manchmal wiege ich mich mit der Vorstellung von einem utopischen Buchmarkt in den Schlaf. Dort werden viel weniger Bücher auf den Markt gebracht, die sich dann aber viel besser verkaufen, so dass die Schriftsteller laenger daran arbeiten koennen, oder, falls sie das nicht noetig haben, lassen sie eben die Seele baumeln, lernen Floete spielen, durchwandern Schaffenskrisen oder andere existenzielle Taeler, die spaeter wiederum ihre Bücher interessanter machen.

    Stehen gute Texte nicht auf drei Saeulen? Eine ist Stil/ sprachliche Oberflaeche, eine der Inhalt, und eine dritte, die einigermaßen schwammig und esoterisch bleibt, aber von Juroren und Lektoren immer mal wieder als Funke ins Feld geführt wird, der dann auch noch meistens nicht richtig überspringen will, oder als letzter Kick. Ich nenne es die Energie eines Textes. Ich spüre deutlich, wenn sie da ist, will es nicht wahr haben, wenn sie fehlt. Stimmt schon: Der Stil hat schon mal mehr Mühe gemacht. Der Rest macht weiterhin viel Arbeit.

    Wo unter den Investitionen der Strich zu ziehen ist, bleibt mir auch ein Raetsel. Dann habe ich vielleicht für den Moment die Schnauze voll, kann mir aber nicht vorstellen, es auch in Zukunft bleiben zu lassen. Ich glaube nicht, dass die Grenze zwischen einer Suchtkrankheit und “ernsthaften literarischen Ambitionen” in der Mehrzahl der Faelle eine gerade Linie ist. Das ist die Gegend, wo Anerkennung wirklich wichtig wird. Sie muss kommen. Kann aber über einen laengeren Zeitraum in homoeopathischen Dosen zugeführt werden. Aber ganz ehrlich: Ich bin ziemlich überzeugt, dass Du früher oder spaeter den Anruf aus Klagenfurt bekommst und dort auch nicht unter den Tisch rutschst, oder (wahlweise oder ergaenzend), den Vorschuss von Suhrkamp/Fischer/Rowohlt …

    Wenn Du schreibst, dass deine Texte sich nicht aus dem theoretischen speisen, glaube ich dir das. Frischluftlust meinerseits hin oder her. Das ist nun ein kleiner Daempfer für mich, weil mir einbilde, für Personen und Motivationen hinter Texten eine wahre Trüffelnase zu haben. Sie regelrecht zu materialisieren. Manchmal lese ich einen Facebook- oder SPON-Kommentar und habe das Gefühl, mit dem Autoren mindestens drei Wochen Individualreise hinter mir zu haben.

    Gruß Gruß
    Konrad

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 12. Dezember 2013 um 16:51

    Lieber Konrad,

    Bloßstellung war gar nicht meine Absicht.

    Der olympische Gedanke sei: der Weg ist das Ziel? Warum rennt dann beispielsweise Usain Boldt nicht ein wenig langsamer? Ich dachte, die wollen alle um mehr oder weniger jeden Preis Erster werden.
    Spaß beiseite. Selbstverständlich ist der Spaß am Schreiben das Zentrum, sonst könnte man eine solche Existenz gar nicht führen. Vielleicht ist es auch nicht der Spaß, sondern die Art und Weise wie sie beim Schreiben etwas aus den nicht bewussten Schichten nach oben arbeitet. Ich mache es also auch um der Sache willen, aber mir fiele die Sache zu machen nicht schwerer, wenn ich ein wenig Geld dafür bekäme. Das ist meine Arbeit und von dieser Arbeit leben zu können, ist ein Anspruch den ich nicht aufgeben werde. So wie ich nicht aufgeben werde, ‚gute‘ Texte zu schreiben; solche, die ich als gut empfinde. Wenn ich das eine oder das andere aufgeben würde, wäre ich gescheitert und musste das Schreiben an den Nagel hängen. Ich selbst will gar nicht gewinnen, aber der Betrieb erscheint mir oft so, als könne man nur gewinnen oder verlieren.

    Das Durchwandern existentieller Täler, Erfahrungen, die dann in die Literatur einfließen? Das habe ich auch: in der Krise, in der ich mich nicht gebührend wahrgenommen fühle. Dass ich in mir nicht ausreichend scheinendem Maße vom Literaturbetrieb zur Kenntnis genommen worden bin, darin fühle ich sicher so wie die meisten anderen auch. Das kann am Verlag liegen, am Text, am Stoff, an der Sprache, an der Konstruktion der Geschichte oder daran, dass der Autor meint, der Erdschatten wandere von Osten nach Westen und der Leser meint, genau die gegenteilige Richtung erkennen zu können. Wie dem auch sei: Enthusiasmus – der griechische Begriff enthusiasmos lässt sich sowohl mit Begeisterung als auch mit Besessenheit übersetzen

    Darf ich dich bitte kurz fragen, ob du schon ein Buch veröffentlicht hast? Oder gilt der Vertrag mit dem Verlag deinem Debüt?

    Herzlich
    Aléa Torik

    Kommentar von Konrad Geyer
    Datum/Uhrzeit 17. Dezember 2013 um 00:27

    Liebe Aléa,

    Vergiss „der Weg ist das Ziel“ und nimm “dabei sein ist alles”. Bei den meisten sportlichen Wettkaempfen treten Leute an, die sich keine Hoffnung auf den Sieg machen, aber froh sind, dabei zu sein. Das ist keine besonders deutsche/russische/amerikanische Denke, aber allzu weit muss man nicht gehen, um Sportler zu finden, die Vorrundenteilnahme und Einzug ins Stadion euphorisch feiern und dann schon wieder nach Hause gehen und sich trotzdem feiern lassen.

    Als ich 16 war, habe ich wie besessen New Model Army gehoert. In Green & Grey singt Justin Sullivan “you used to talk about winners and losers all the time, as if that was all there was”. Das habe ich damals auf saemtliche Maeppchen, Ordner und Klotüren gekritzelt. Der Betrieb denkt in diesen Kategorien. Gewinn und Verlust. Eine durchoekonomisierte Welt denkt in diesen Kategorien. Aber ich glaube, es ist moeglich, gleichzeitig beim Betrieb mitzumachen und dabei doch den Betrieb Betrieb sein zu lassen. Natürlich willst Du vom Schreiben leben koennen. Ich will das auch. Im Prinzip sind ja selbst die renommiertesten Verlage Zuschussverlage: Wenn es kein Geld ist, das man als Autor vorschießt, ist es die Mühe, die man sich macht und vor allem die Zeit, die man sich nimmt. Aber als Arbeit will ich es trotzdem nicht sehen. Sonst müsste ich es bleiben lassen. Galianis Wolfgang Hoerner hat mein Manuskript zurückgewiesen, weil es ihm inhaltlich “noch zu konventionell” war. Und ich hatte mir bei dem Text solche Mühe gegeben, nicht zu unkonventionell zu plotten, potentielle Leser nicht mit allzu ambivalenten Charakteren zu überfordern. Aber Hoerner war so nett und hat meinen Wunsch erfüllt und mir Sven Regeners “Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt” geschickt. Und Karl Schmidt, der gefallene Konzeptkünstler, bringt es ganz gut auf den Punkt: “Eigentlich wollte man ja gar nicht arbeiten, man wollte ja Kunst machen, und über die Typen mit ihrem Areitsbegriff hatten wir immer gelacht, wir wollten spielen und nicht arbeiten, wenn wir haetten arbeiten wollen, waeren wir ja keine Künstler geworden …”
    So geht es mir auch. Zuallererst will ich spielen. Solange ich ganz im Moment stecke, ist das wunderbar. Aber auch wer nicht arbeiten will und kein Privatier ist, muss seinen Lebensunterhalt verdienen. Dann schaut man von seinem Spiel auf, und das kann sich schon existenziell anfühlen, wenn man da eine nachtschwarze Gewitterfront aufzieht. In dieser Situation greife ich dann noch weiter als New Model Army zurück, auf mein CVJM-Bibelwissen. Dieser Spruch, den die emsigen Christenameisen nie ernstgenommen haben, der mich aber dermaßen beieindruckt hat und bis heute beruhigt, wenn ich mal wieder die Spielerei vergesse und den Kopf hebe: „Seht die Voegel unter dem Himmel an: Sie saeen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernaehrt sie doch. ¨ Allerdings ist das als Lebensmaxime schwer vermittelbar. Ruckzuck hat man die Isolation in der einen oder anderen Auspraegung.

    Du schießt wahrscheinlich schon lange vor. Du hast zwei Bücher bei einem kleinen Verlag veroeffentlicht. Der Betrieb schenkt dir einiges an Aufmerksamkeit. Es sind doch nur noch die Leser, die dir Fehlen? Oder die Preise und Stipendien. Kalte, harte theoretische Kerne sind da nicht, sagst du ja, aber vielleicht ist es das Mühen um Unantastbarkeit und Kontrolle, das noch zwischen Dir und einer breiteren Leserschaft steht. Du merkst, ich stehe schon wieder über den Fenstersims gebeugt. Aber ich bin mir so sicher, da fehlt nicht viel.
    Bei mir geht es um mein Debüt, richtig. Ich schieße auch schon lange vor. Wenn ich rückwärts schaue, ist es ganz gut gelaufen, seit ich den Mut hatte, dem Spieltrieb mit einiger Konsequenz zu folgen. Und das ist etliche Jahre her. Allerdings schaue ich im Moment auf und bekomme Muffensausen. Das einzige, was dagegen hilft, ist mein zweites Lieblingsspiel: Das Meer spüren, Wellen reiten. Da arbeitet sich nichts aus „nicht bewussten Schichten nach oben“, das reicht nur in die nicht bewussten Schichten hinab. Weitab von Sprache und Bewusstsein. Irgendwohin, wo ich einfach bin. Die Rechnung kommt dann so oder so. Herzliche Grüße jedenfalls.

    Konrad

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 17. Dezember 2013 um 19:42

    Lieber Konrad,

    wir sind uns in vielem ähnlich, in einigen Positionen liegen wir weit auseinander.

    Natürlich macht das Schreiben Spaß – sagen wir lieber Lust – aber ich mache es nicht spaßeshalber. Wenn ich es nur um Willen des Spaßes machen würde, müsste ich es aufgeben. Für mich ist es Arbeit. Und so will ich es sehen. Hobbyschriftsteller gibt es mehr als genug. Das heißt aber nicht, dass ich meinem Spieltrieb nicht folge. Natürlich will ich ökonomisch davon leben können. Ich habe es lange probiert, Job und Schreiben unter einen Hut zu bringen: mit genau zwei Ergebnissen, in dem Job habe ich mir alle Karrierechancen versaut und beim Schreiben bin ich nicht weitergekommen. Das läuft erst, seit ich meinen Job hingeworfen habe. Und diese Zeit, diese Intensität, diese Bereitschaft, dich deinem Text auszuliefern, die musst die auch mitbringen. Einen Hobbyschriftsteller erkennt man am Text (zugegeben; das ist ein wenig frech: auch Profischriftsteller schreiben miserable und Hobbyschriftsteller schreiben tollte Texte. Diese von dir zitierte Auffassung – „wenn wir haetten arbeiten wollen, waeren wir ja keine Künstler geworden …” ist aber exakt das Gegenteil von meiner. Ich kenne keine Tätigkeit, die mich so anstrengt wie das Schreiben, nichts, was mein Hirn so auswringt wie dies.

    Ich gehe davon aus, dass du, was du über Galiani und Sven Regner sagst, ohne jeden Hintersinn formulierst. (ich mag diesen Autor überhaupt nicht, aber das hat nichts zu sagen: ich mag auch Kehlmann nicht und der läuft wie geschnitten Brot). Aber was der Hörner dir dazu sagt, das kannst du gleich wieder vergessen. Was ein Lektor sagt, darauf kannst du keine drei Cent geben. Alle, und mit alle meine ich alle – alle alle alle – fantasieren sich irgendetwas zusammen, weil keiner, und mit keiner meine ich keiner – keiner, keiner, keiner – auch nur die allerkleinste Ahnung hat, was in kommenden Frühjahr läuft und was nicht läuft. Keiner weiß, was ein guter Text ist, aber alle glauben es zu wissen. Vielmehr: alle haben so ihre eigene Definition. Du kannst einzig darauf hoffen, einen Lektor oder einen Verleger zu finden, der das, was du machst, gut findet. Einen, der dieselbe Definition hat. Der Hörner findet es zu konventionell und der nächste nicht konventionell genug. Es gibt keine Rezepte. Erst wenn irgendein Lektor dein Lektor geworden ist, dann würde ich ihn erst nehmen. Ich habe jedenfalls meinen alten Lektor sehr ernst genommen, jeden einzelnen Einwand; und mich dennoch in den meisten oder doch sehr vielen Fällen gegen seinen Rat, respektive Auffassung entschieden. Also mach dir nichts aus dem Urteil vom Hörner. Ich habe meinen ersten Roman an insgesamt fünfzig Verlage geschickt: ausnahmslos Absagen. Einer dieser Lektoren schrieb mir dann sogar „Was haben sie sich da eigentlich für einen Blödsinn ausgedacht?“ (das war ein Zitat, nicht nur ein Satz in Gänsefüßchen!) Das war ein Lektor, der in einem renommierten deutschen Verlag sein Geld verdient. Die Urteile des Feuilletons über denselben Roman lauten: „Ein gewagtes, außerordentlich gelungenes Debüt“ – „Es ist ein seltenes Ereignis, beim Lesen eines Erstlings schon nach dreissig Seiten zu ahnen, dass man da einen neuen Stern am deutschen Autorenhimmel aufgehen sieht.“ –„Ein neues Talent von bewundernswerter Einfühlungsgabe und Sprachkraft“ – „Poetisch bis weise … aus verschiedenen Blickwinkeln und über mehrere Generationen hinweg erzählt Aléa Torik ihre komplexe und hervorragend komponierte Geschichte“ – „Ein verrücktes, ausschweifendes Buch voller Anspielungen“ – Und so weiter. Nochmal: keiner hat eine Ahnung, was morgen läuft, was man schick oder nicht schick findet. Auch wenn es im Moment der Absage weh tut, weil du vielleicht gerne zu Galiani wolltest, weil du dich da gut einsortieren konntest.

    Wahrscheinlich hast du Recht, ich bin auf einem ganz guten Weg, es konnte jedenfalls schlechter sein. Vielleicht braucht es beim Betrieb eben ein wenig länger bis man versteht, was ich mache. Und das ich noch mehr kann. Nur kann ich es nicht alles auf einmal zeigen. Ich bin nicht ganz so optimistisch wie du. Literaturbetrieb ist eine sehr konservative Veranstaltung und wer da, vermute ich, nur ein wenig anders tickt, der tickt nicht richtig. Es fehlt ein wenig an Lesern, an Stipendien Preisen. Aufmerksamkeit eben. Das ist die Währung, um die es geht. Und ich meine nicht die, die sich aus einem Skandal oder einen Skandälchen ergibt, sondern Aufmerksamkeit für die Texte.

    Muffensausen ist nicht gut. Aber das habe ich auch immer wieder – Ich habe ein Rennrad, das hilft.Nicht wenn man es anschaut, sondern wenn man es fährt. Surfen ist wahrscheinlich noch ein bisschen besser, zumindest welliger – Aber warum eigentlich? Du hast doch jetzt einen Vertrag bei einem Verlag über dein Debüt, oder? Hast du Termine, weißt du, wann es herauskommt, hast du konkrete Daten von deinem Lektor? Oder ist es das, was dir Muffensausen bereitet?

    Ich beneide dich ein wenig für den Blick, den du hast, wenn du aus dem Fenster schaust. Auch wenn ich den gar nicht kenne. Ich beneide ich einfach so.

    Herzliche Grüße nach Marokko
    Aléa Torik

    Kommentar von Konrad Geyer
    Datum/Uhrzeit 19. Dezember 2013 um 00:07

    Liebe Aléa,

    wir sind hier ja ganz ordentlich ins Plaudern gekommen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Aber der Austausch macht mir Spass. Genau das. Der macht mir Spass. Im Gegensatz zum Schreiben von literarischen Texten. Das macht mir nur ganz selten Spass. Hatte ich mit dem Begriff angefangen? Entschuldige, das war ein Fehler. Tatsaechlich ist das Schreiben meistens eine ziemlich unangenehme Unternehmung. Nichts wie Bier trinken mit Freunden, nichts wie Romane lesen, die gerade passen, oder Musik hoeren, Filme sehen, in den Himmel schauen, sich durch das Internet zappen, perfekte Wellen surfen etc. Vielleicht ein bisschen wie Surfen, wenn es nicht so laeuft. Dann hat es mit surfen nicht viel zu tun. Man schluckt eher jede Menge Salzwasser, wird unter Wasser gedrückt und in die Mangel genommen, bekommt Steine über die Füße gerollt und das Brett gegen den Kopf geknallt, rutscht auf schleimigen Felsen und Buhnen aus, tritt in Seeigel und Finnen, schrammt und schneidet sich an Muschelbaenken und Riffen blutig und paddelt gegen Stroemungen, Weißwasserwalzen und was weiß ich noch was, bis die Muskeln wie Feuer brennen. Der Move ans Meer hat die Tage mit schlechten Bedingungen ein Stück weit minimiert, aber sie bleiben nicht aus. Die Erfahrung laesst mich weniger Fehler machen, aber sie bleiben nicht aus. Vielleicht wird das mit dem Schreiben mit der Zeit ja auch besser. Aber ich bin nicht überzeugt davon. Ich bin nicht besonders faehig, wenn es darum geht, Routine zu entwickeln, und ich misstraue im Bezug auf mein Schreiben diesem Prinzip. Kaum laeuft der Zug, stelle ich meistens selbst einen Wagen quer. Nur weil es laeuft, heisst das noch lange nicht, dass die Richtung stimmt.
    Aber das Konzept „Arbeit“ mag ich in der Beziehung trotzdem nicht. Arbeit hat für mich viel mit Mitmachen zu tun. Schreiben mit den Moeglichkeiten, nicht mitzumachen oder nicht alles mitzumachen. Mit der Frage, wie wir leben wollen. Von der war ich in meiner Jugend besessen, aber dann habe ich sie für pubertaer abgetan und verdraengt, erst vor ein paar Jahren bin ich darauf gestoßen, dass es genau diese Frage ist, die allem, was ich schreibe, Feuer gibt oder geben koennte. Schreiben erscheint mir für mein Leben einfach als eine sinnvolle Betaetigung.
    Diesen Anspruch, damit Geld verdienen zu koennen, habe ich nicht. Wenn ich arbeite, habe ich ihn schon. Beim Schreiben muss ich mich darauf verlassen, dass das Geld, das ich zum leben brauche, irgendwie zu mir gelangt. Ich hoffe, Geld für mein Buch zu bekommen, aber nicht weil ich es geschrieben habe, sondern weil Menschen es lesen wollen und dafür bezahlen. Was Stipendien betrifft, bin ich zurückhaltend. Mich schreckt der Eindruck ab, dass alle, die sie nicht bekommen, der Meinung sind, sie haetten sie mehr verdient, als die, die sie bekommen. Und ich nehme dabei mich selbst nicht raus. Preise? Immer mal wieder, wenn der Aufwand nicht zu groß ist. Die Einschlaege kommen naeher. Immerhin. Ich denke, man kann sich da ein Stück weit unabhaengig machen. Beispielsweise an Orte gehen, in denen das bisschen Geld, das man zur Verfügung hat, mehr Wert hat, wenn man es in Schreibzeit investiert. Nicht immer einfach. Vor allem, wenn ein enges soziales Umfeld oder gar eine Familie im Spiel ist. Dann fallen Spaene. Aber es geht ja nicht unbedingt um die Ewigkeit. Schritt für Schritt.
    Dass du Regener nicht magst, überrascht mich nicht. Man kann ihm einiges vorwerfen. Aber auch einiges zugute halten. In dem Fall hat es einfach viel besser gepasst, als ich erwartet habe. Kehlmann habe ich auch mal versucht. Sein Erfolg ist mir ein Raetsel. Ich habe aber den Eindruck, dass er sehr arbeits-maeßig vorgegangen ist und seine Karriere mit auf Jahrestage abgestimmten Texten über bekannte Leute in Gang gebracht hat. Ich kann das aber nicht belegen und mich auch taeuschen. Kehlmann ist ja nun auch wirklich egal.
    Es ist wohl ein Problem, dass viele Leute anscheinend nicht die Zeit oder den Mut oder den Überblick haben, den man braucht, um sich selbst eine Meinung zu bilden. Deshalb übernehmen sie voller Hingabe und Dankbarkeit die Meinung einiger Meinungsmacher. Und es ist wohl auch ein Problem, dass viele Leute, die eigentlich Geld und den Kopf für Kunst und Kultur haetten, seit einigen Jahren ein Groß ihres Geldes vor allem ein paar Elektronik- und Telekommunikationskonzernen in den Rachen werfen. Für ein neues iPhone stehen sie sich die Füße platt, für Deine Bücher anscheinend (noch) nicht.
    Wegen Hoerner mach dir keine Sorgen. Ich kenne den Buchmarkt als Buchhaendler, als Verlagsvertriebler, und jetzt von den aeußersten Raendern als Schreiber. Mich interessieren solche Meinungen schon und ich habe immer Fragen an meine Texte, die ich mir bis jetzt mit solchen Brocken wenigstens teilweise beantworten konnte. Hoerner hat hier einen meiner Zweifel benannt, deshalb habe ich mir seine Meldung zu Herzen genommen. Ich wollte wirklich alles richtig machen. Das geht nicht. Das war ein Fehler. Den mache ich nicht wieder.
    Abgesehen davon habe ich auch die verschiedensten und oft widersprüchliche Sachen über meine Manuskripte gelesen: Die erste Haelfte lahm, die zweite ansprechend. Die erste Haelfte spannend, die zweite zu vorhersehbar. Nur eine schroffe, wüste Absage hatte ich nie. Da bin ich ein bisschen neidisch auf dich. Ich dachte, das gibt es heutzutage überhaupt nicht mehr. Das waeren Mythen. Ich verbuche es jedenfalls generell als Erfolg, überhaupt eine persoenliche Absage zu bekommen.
    Zu meinem Muffensausen: Der Vertrag ist noch nicht unterschrieben, aber ich rechne jeden Tag damit. Mit der Lektorin habe ich im Groben abgesprochen, wie die Zusammenarbeit ablaufen soll. Das Muffensausen hat mit dem Verlag zu tun. Es ist nicht nur mein, sonderen auch deren erstes Buch. Ich stehe nicht hinter allem, was sie bisher nach außen kommunizieren. Ich habe Angst, dass ich Perlen vor die Saeue werfe. Aber ich habe mich dafür entschieden. Weil ich weiter will, und — wie du irgendwo schon geschrieben hast — man weiß nie, was wird. Die Chance, dass ein Buch einfach übersehen wird, ist immer da und nie klein . Als großes Buch im kleinen Verlag, als kleines Buch im großen Verlag, etc.
    Und jetzt widerspreche ich dem ganzen Quatsch von Spiel und Arbeit, aber nur, weil ich überzeugt bin, dass da eigentlich kein Widerspruch ist, ich ihn nur im Moment nicht aufgeloest bekomme: Ich habe Muffensausen und bin ein bisschen enttaeuscht, weil ich einige Jahre auf eine Veroeffentlichung hinGEARBEITET habe, und mir vorgestellt habe, dass sich das anfühlen muss, wie kurz vor der absoluten Erschoepfung beim Schwimmen auf dem offenen Meer eine Insel zu sehen und die letzten Kraefte zu mobilisieren und dann einfach im heißen Sand zu liegen und vielleicht an der Kokosnuss zu nuckeln, die mir womoeglich eine hübsche Eingeborene im Blumenroeckchen an die Lippen setzt. Und natürlich habe ich auch Muffensausen, weil der kleine Verlag mir nicht mit dem Vertragsabschluss das bisschen Geld zuschiebt, das ich vielleicht morgen brauchen würde, um weiterzuschreiben.
    Herzliche Grüße. Wenn Du in Berlin lebst (was ich — glaube ich — irgendwo gelesen habe) bin ich auch neidisch. Auf die Antiquariate. Die vielen kleinen Klitschen, in denen man für wenig Geld feine Sachen aus aller Welt essen kann. Auf die ganzen Leute, die Deine (zweite?) Sprache sprechen. Auf den deutschen Weihnachtsrummel (- da ist man ein Leben lang angepisst bis zum geht nicht mehr, und dann —)
    Konrad

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 20. Dezember 2013 um 19:39

    Lieber Konrad,

    du sagst es selbst, das Schreiben ist Arbeit. Auch wenn du es nicht so nennst. Du kannst dir tausend Namen ausdenken, aber es ist dennoch Arbeit. Und sie ist, je leichter sie aussieht, umso schwerer zu vollbringen. Ich nenne es weiterhin Arbeit. Ich habe mit dem Begriff auch überhaupt kein Problem. Und bei dem Anspruch, Geld damit zu verdienen, geht es nicht um das Geld, sondern darum, von seiner Arbeit überhaupt leben zu können. So betrachtet, ist auch die künstlerische Arbeit nicht anders als alle andere: was man gemeinhin so unter Arbeit versteht. Ich glaube sogar, dass bei ganz vielen Arbeiten nicht die Arbeit selbst im Vordergrund steht, sondern die Definition der eigenen Person, das eigene Selbstverständnis, das sich dann über Geldmenge, Macht, Einfluss, Anerkennung anderer, Karriere etc artikuliert. Aller Arbeit gemein ist aber, dass man den Anspruch nicht aufgeben darf, davon leben zu können. Etwas anderes als meine Arbeitskraft habe ich als Subjekt ja nicht. Ob ich die in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis investiere – als Vorstand von RWE oder als Putzfrau der RWE-Toiletten – oder in einen Roman, ist dabei meines Erachtens kein wesentlicher Unterschied.

    Stipendien und Preise? Für die meisten Preise kann man sich nicht bewerben, das kann nur der Verlag und da haben nur die großen Verlage die personellen Kapazitäten, sich für ihre Autoren zu engagieren.

    „Es ist wohl ein Problem, dass viele Leute anscheinend nicht die Zeit oder den Mut oder den Überblick haben, den man braucht, um sich selbst eine Meinung zu bilden. Deshalb übernehmen sie voller Hingabe und Dankbarkeit die Meinung einiger Meinungsmacher.“ – So sehe ich das auch. Auf der einen Seite leben wir in einer interaktiven Gesellschaft, die in den letzten Jahren ganz wesentlich eine Netzkultur geworden ist, von Belangen des Netzes strukturiert wird (etwa permanente Erreichbarkeit) und auf Beteiligung anderer angewiesen ist. Und gleichzeitig werden die, die sich beteiligen könnten, immer willfähriger und konsumieren fraglos alles, auch das, was gar nicht konsumierbar ist wie Geschmack oder Meinung.

    Alles richtig machen wollen beim Schreiben eines Romans ist wirklich der denkbar größte Fehler! Weil du es dann allen gleichermaßen richtig machen willst. Und das geht nicht, es gibt tausend und einen Literaturgeschmack. Zum Glück. Für mich selbst gerade Pech, weil ich nicht zu Hundertprozent hineinpasse in den Geschmack, aber vielleicht liegt auch woanders dran, an meinem Namen, oder weil man nicht so genau weiß, wie man mit mir umzugehen hat. Und wer ich eigentlich bin. Die schlaueren machen sich Gedanken, ob man es bei den anderen weiß und die weniger schlauen machen nichts. Und dennoch haben wir eine so vielschichtige Literatur, weil wir so viele unterschiedliche Literaturgeschmäcker haben.

    Was meine Sprachkenntnisse betrifft, habe ich die in Aléas Ich folgendermaßen beschrieben: „Bei uns zu Hause herrschte ein geradezu babylonisches Durcheinander. Mein Großvater war als junger Mann aus der Ukraine gekommen und sprach Ukrainisch, Russisch und einen Dialekt. Meine Großmutter war Rumänin, sprach jedoch einen verwandten Dialekt. Die Betonung war anders, aber es gab eine große Übereinstimmung der slawischen Worte. Dieser Dialekt war ihre gemeinsame Sprache. Mein Vater war Deutscher, sprach mit den Jahren ein gutes Rumänisch und verstand auch etwas Russisch. Meine Mutter versteht meinen Vater, wenn er deutsch spricht, aber sie selbst spricht es nicht. Ihren eigenen Vater hingegen versteht sie fast nie. Ich spreche mit meiner Mutter rumänisch und manchmal französisch und mit dem Vater deutsch. Ich verstehe etwas Russisch und den Dialekt meiner Großeltern. Ein paar ungarische Brocken können bei uns die meisten. In diesem Durcheinander der Sprachen und Dialekte, die einer sprach und ein anderer nur verstand oder nicht verstand und anhand des Tonfalls erahnen musste, worum es ging, in diesem Durcheinander hatte ich manchmal so viele Worte für ein und dieselbe Sache, dass ich daran zweifelte, ob die Dinge sich nicht tatsächlich mit ihrer Benennung änderten.“ Ich kann also mindestens vier Sprachen und gleichzeitig kann ich gerade mal ein paar Brocken Deutsch und ich wollte, dass ich es sehr viel besser könnte. Aber bei Sprache, bei der Sprache, geht es ja nicht darum, sie zu beherrschen, sondern sich beherrschen zu lassen, jedenfalls wenn man Schriftsteller ist. Anders ausgedrückt: Du hast schon die kleine Differenz zur Kenntnis genommen, die beispielsweise in der Rezension der ZEIT oder von Literaturkritik.de zu erkennen gewesen ist oder auch in den Kommentaren von Frau Wunder?

    Herzlich Grüße und Schöne Weihnachten in der Wüste!
    Aléa Torik

    Kommentar von Konrad Geyer
    Datum/Uhrzeit 21. Februar 2014 um 15:10

    Liebe Alea,

    endlich komme ich dazu. Bei all dem Text hier ist die Gefahr sich zu wiederholen nicht klein. Die Sache mit der Arbeit ist wahrscheinlich eine unendliche Geschichte. Aber mich würde schon interessieren, wo du diejenigen Schreiber unterbringst, deren “Arbeit” du nicht respektierst? Hat jeder der sich Mühe gibt ein Anrecht auf Entlohnung? Und wenn ja, wie hoch? Für mich funktioniert das nicht. Auch wieder in Analogie zum Surfen: Das zieht wirklich viel Kraft, man riskiert einiges, zumindest solange man im Wasser ist, kann man sich nicht in sinnvoller Weise um andere Dinge kümmern, und wenn man sich vernünftig verausgabt muss man sich danach auch direkt eine Stunde aufs Ohr hauen. Aber das ist keine Arbeit und vor allem kann ich daraus keinen Anspruch auf Entlohnung ableiten. In Ordnung, der Vergleich hinkt: Schreiben hinterlaesst Spuren, beim Surfen verlieren sich die in dem Moment, in dem sie entstheen.
    Ich lande jedenfalls beim bedingungslosen Grundeinkommen (ohne hier besonders bewandert zu sein) und Chestertons Aussage, dass jeder ein Anrecht auf eine Kuh und drei Morgen Land hat. Meine Utopie: Jeder hat ein Recht zu existieren. Menschengeld, die Tatsache am Leben zu sein ist Daseinsberechtigung genug. Aber keine Ahnung, ob solche Konzepte finanzierbar waeren und wie man mit Zuwanderern umgehen müsste. Andererseits die Überzeugung, dass es nicht sein kann, dass lebensgefaehrliche Hindernisse aufgebaut werden um Leute abzuhalten, die ihr Glück versuchen wollen. Aber gut, das kommt jetzt alles sehr aus dem Bauch und ist ein Thema für den Rest eines Lebens.

    Was die Meinungen betrifft, bin ich wieder etwas optimistischer als du. Zu viele machen sich nicht die Mühe, eigene Meinungen zu bilden, aber ich denke schon, dass das Netz die kulturelle Welt ein Stück weit aufgeklaert hat. Was an Literatur, Film und Musik konsumiert wird, wird mittlerweile bestimmt weniger von den entsprechenden Industrien kontrolliert als in Zeiten vor dem Netz. Wenn mir die Netz- und Fortschrittsbegeisterung einiger Zeitgenossen irritiert muss ich mich oefter daran erinnern, wie ich gegen Ende meiner Kindheit vor dem Radio oder MTV gesessen und getraeumt habe, man koennte einfach vorspulen bis wieder etwas “gespielt” wird, das einen interessiert. Wie viel besser das heute ist! Der Eindruck, dass die Leute immer dümmer werden, kommt bestimmt auch davon, dass man so viel Meinung kommuniziert, weil man so oft (wieder von der Industrie) aufgefordert wird, seine Meinung kundzutun. Nützlich oder nicht? Gefaellt dir? Hilfreich? Aber immerhin wird über Big-Data diskutiert … Die Dialektik der Aufklaerung, darum ging es doch!

    Verfolgst du diese Debatte über den Weltgehalt der Literatur? Ich versuche mich nicht darüber zu aergern, dass die Leute in den entsprechenden Positionen dermaßen schmalbrüstige Beitraege veroeffentlichen dürfen und darauf zu vertrauen, dass ich irgendwie davon profitieren werde.

    Gruss & alles Gute
    Konrad

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 23. Februar 2014 um 13:11

    Lieber Konrad,

    ich muss zugeben, dass ich nicht mehr richtig drin bin in der Diskussion. Ich bin sogar richtig raus.

    Dein Vergleich von Schreiben und Surfen hinkt. Der hinkt so wie der Surfer nach einer Begegnung mit dem Hai hinkt. Einbeiniges Surfen. Aber der Vergleich hinkt natürlich, so wie der Hai hinken würde, wenn er der übermütigen Frau Torik beim Wellenreiten begegnete. Ich würde dem einfach eine Flosse abbeißen. Angriff ist doch die beste Verteidigung. Habe ich jedenfalls gelesen.

    Was das bedingungslose Grundeinkommen angeht – deine schöne Formulierung „die Tatsache am Leben zu sein ist Daseinsberechtigung genug“ -. Auch ich weiß nicht, ob das finanzierbar wäre. Man könnte es ja vielleicht einmal für Künstler ausprobieren. In einem Punkt sind wir uns jedoch einig (sind wir das?): dass eine Gesellschaft nicht allein nach monetären und pekuniären Gesichtspunkten funktionieren kann, vielmehr darf, weil sie damit einen wesentlichen humanen Aspekt verlöre. Aber ich – will heißen: alle Künstler – will nicht alleinverantwortlich für diese Humanität sein, ich will, dass die Gesellschaft das mitverantwortet. Ich habe manchmal das Gefühl, dass Künstler – oder vielmehr die Kunst – (ich verstehe mich nicht als Künstler und ich bezeichne, was ich tue, nicht als Kunst, weil mir die Opposition von Natur und Kunst heute nicht mehr einsichtig ist) – wie eine Art gesellschaftliches schlechtes Gewissen funktioniert. Wir wissen alle, dass das Streben nach Geld, über den Selbstzweck, sich zu ernähren hinaus, einen Hang zur Perversion hat. Wissen wir das alle? Ich weiß das. Weiß ich das? Es ist gar nicht einfach, sich in diesem Punkt Rechenschaft über sich selbst anzugeben.

    Was das Netz betrifft, bin ich nur teilweise pessimistisch. Ich glaube sogar, dass es nichts seit dem Buchdruck gegeben hat, was unsere Gesellschaft so nachhaltig und umfassend verändern wird, wie das Netz.

    „Verfolgst du diese Debatte über den Weltgehalt der Literatur? Ich versuche mich nicht darüber zu aergern, dass die Leute in den entsprechenden Positionen dermaßen schmalbrüstige Beitraege veroeffentlichen dürfen und darauf zu vertrauen, dass ich irgendwie davon profitieren werde.“ – Ich vermute, dass diese Autoren nicht darauf hoffen, dass du davon profitierst, die hoffen darauf, dass sie selbst davon profitieren. Auch hier unterscheiden wir uns – in wohltuender Weise – ein wenig. Ich versuche, diese Dabatte nicht zu verfolgen. Aber ich versuche nicht, mich nicht zu ärgern. Ich ärgere mich sogar ausführlich. Genau über diese von dir angesprochene Schmalbrüstigkeit. Die dort Debattierenden debattieren ja teilweise nicht einmal, die fühlen sich irgendwie angesprochen, oder konstruieren das einfach schlankerhand, ohne auf die Argumente der anderen einzugehen. Vor drei Jahren hätte ich hier einen Beitrag zu dieser Diskussion veröffentlicht. Ich hätte versucht, eine eigene Position zu formulieren. Mache ich heute nicht mehr. Ich habe kurz überlegt, mich mit einem Beitrag an die FAZ oder die ZEIT zu wenden. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass das gedruckt wird, ist so gering, dass die Arbeit nicht lohnt. Vielleicht ist diese Einschätzung pessimistischer als deine. Vielleicht unterscheide ich nicht in wünschenswerter Weise zwischen umsonst und vergeblich? Aber ich kann mich immerhin schön ärgern.

    Nachtrag, beinahe vergessen: die beklagte Seichtigkeit der Literatur wird in der Diskussion darum nicht etwa behoben, sondern imitiert.

    Wir sind vom anfänglichen Thema recht weit abgekommen. Aber das ‚abkommen‘ beschreibt einen gelungenen Bogen.

    Herzlich
    Aléa Torik

    Kommentar von Konrad Geyer
    Datum/Uhrzeit 27. Februar 2014 um 18:27

    Liebe Alea,

    stimmt, die Luft hier ist raus, bzw. der Bogen überspannt. Zu unserem Ausgangspunkt bin ich die Tage in einem Kommentar bei der Neukoellner Botschaft zurückgekommen. Ausserdem breite ich in meinem jüngsten Blogbeitrag mein Halbwissen zu einem Thema aus, das du atmest und lebst. Vielleicht willst du dort ja noch ein wenig Substanz abladen. Ich würde mich freuen. Die Tage hatte ich übrigens einen Roman in der Hand bei dem bereits in der Einleitung dein “adjektivierter” Vorname genannt wird (ich meine sogar doppelt), allerdings habe ich ihn fürs Erste wieder in die Sitzbank gepackt, das ist mir gerade einfach zu konzeptionell, riecht nach scharfem Chlorreiniger, wie marokkanische Treppen- und Krankenhaeuser. Hast du eine Idee, was es ist?

    Was die Autoren der schmalbrüstigen Artikel hoffen, ist mir tendenziell egal, oder steht jedenfalls hinter meinen eigenen Hoffnungen zurück.”Sich [permanent] angesprochen fühlen” oder etwa sogar sich generell angesprochen fühlen, wenn das Thema nur ordentlich Aufmerksamkeitspotential birgt, scheint mir eine gute Strategie um solche Potentiale anzuzapfen. Aber ich glaube, man verliert dabei Klasse und Stil.

    Wenn die Kunst als das schlechte Gewissen der Gesellschaft herhalten soll, was bietet sich dann für das gute Gewissen an? Wie eine Gesellschaft funktionieren kann? Ich glaube nicht, dass wir als Einzelteile der Gesellschaft uns darum wirklich befriedigend kümmern koennen. Die einen sind Blutkoerperchen, weiße oder rote, die anderen Stammzellen etc., und dann gibt es eben noch diejenigen mit dem Hang zur Perversion, die unter bestimmten und schwer ergründlichen Bedingungen zu wuchern beginnen und Geschwüre bilden und damit sind wir doch auch wieder irgendwie am Ausgangspunkt. Was passiert, wenn man einen Bogen überspannt? Entweder er bricht, oder er ist flexibel genug und seine beiden Enden berühren sich …

    Herzliche Grüße
    Konrad

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 6. März 2014 um 11:42

    Lieber Konrad,

    dass die Luft raus und der Bogen überspannt ist: gut, das ist eben so. Aber darüber hinaus ist bei mir noch einiges andere im Argen: Ich bin derzeit organisatorisch etwas überfordert. Ich schlage also vor, wir brechen das Gespräch hier ab, unterbrechen es, und führen es bei dir fort. Allerdings bin ich jetzt ein paar Tage unterwegs und am Montag erst wieder in der Nähe eines Internetzugangs, meines eigenen, ich fingere ja nicht auf jeder Tastatur herum, ich habe da ganz streng monogame Fantasien, und ich will auch nur über meinen angeheirateten Router ins Netz.

    Ich habe nicht die geringste Vorstellung von welchem Roman du sprichst. Währest du eventuell bereit, mir das einfach hierherzuschreiben?

    Aléa Torik

    Kommentar von Konrad Geyer
    Datum/Uhrzeit 7. März 2014 um 20:07

    Liebe Alea,

    Klar und kein Thema und das war mit dem überspannten Bogen mehr oder weniger auch gemeint. Ohnehin überraschend, wohin uns das nun geführt hat. Das Buch das ich meine ist: Das Leben – Gebrauchsanweisung von Georges Perec. Ich freue mich jedenfalls, dich hier so getroffen zu haben. Und egal wo, früher oder später führen wir bestimmt noch andere Unterhaltungen. Bis dahin: Alles Gute & viel Glück & wenig Überforderung.

    Gruß
    Konrad

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 16. März 2014 um 16:30

    Lieber Konrad,

    ich muss mich entschuldigen, schon wieder. Ich bin derzeit unglaublich unzuverlässig. Das liegt in erster Linie daran, dass ich dem Medium hier, dem Bloggen im Allgemeinen, nicht mehr so viel abgewinnen kann. Diese, womöglich letzte Auseinandersetzung mit Dir hier, die fand ich allerdings auch bereichernd. Danke auch für den Buchtipp. Ich meine mich erinnern zu können, den Namen des Autors schon mal gehört zu haben. Aber mehr auch nicht. Letzten Endes kennt man doch sehr wenig, man hat ein paar Favoriten, einige Klassiker, eine Handvoll neuer Namen, selten echte Neuentdeckungen, noch seltener das Gefühl der Begeisterung. Vielleicht kommt das noch mal wieder. Vielleicht wird man auch nur müder.

    Herzliche Grüße

    Aléa Torik

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