Hauptmenü:

Aléas Anordnungen

Der Länge nach



Der Reihe nach

  • Juni 2016
  • April 2016
  • Oktober 2015
  • Juli 2015
  • April 2015
  • März 2015
  • Februar 2015
  • Dezember 2014
  • November 2014
  • Oktober 2014
  • September 2014
  • August 2014
  • Juli 2014
  • Juni 2014
  • Mai 2014
  • April 2014
  • Februar 2014
  • Januar 2014
  • Dezember 2013
  • November 2013
  • Oktober 2013
  • September 2013
  • August 2013
  • Juli 2013
  • Juni 2013
  • Mai 2013
  • April 2013
  • März 2013
  • Februar 2013
  • Dezember 2012
  • November 2012
  • August 2012
  • Juli 2012
  • Juni 2012
  • Mai 2012
  • April 2012
  • März 2012
  • Februar 2012
  • Januar 2012
  • Dezember 2011
  • November 2011
  • Oktober 2011
  • September 2011
  • August 2011
  • Juli 2011
  • Juni 2011
  • Mai 2011
  • April 2011
  • März 2011
  • Februar 2011
  • Januar 2011
  • Dezember 2010
  • November 2010
  • Oktober 2010
  • September 2010
  • August 2010
  • Juli 2010
  • Juni 2010
  • Mai 2010
  • April 2010
  • März 2010
  • Februar 2010
  • Januar 2010
  • Dezember 2009
  • November 2009
  • Oktober 2009
  • September 2009
  • August 2009
  • Juli 2009
  • Juni 2009
  • Mai 2009


  • Der Sache nach



    Nach Nichts nach


     



    Hier wird archiviert

    Hier wird boykottiert

    Hier wird cokettiert

    Hier wird drangsaliert

    Hier wird elaboriert

    Hier wird fingiert

    Hier wird geniert

    Hier wird illusioniert

    Hier wird jongliert

    Hier wird kastiert

    Hier wird liiert

    Hier wird massiert

    Hier wird nivelliert

    Hier wird pikiert

    Hier wird regiert

    Hier wird zentriert




    Suche


    Impressum
    Kontakt
    Anmelden
    © 2019 Aleatorik
    by WordPress


    Diesseits

    Seite 1 – Das Geräusch des Werdens
    Seite 2 – Das Blog
    Seite 3 – România
    Seite 4 – Lesungen und Veranstaltungen
    Seite 5 – Aléas Ich
    Seite 6 – Blogroll

    Jensseits

    Aboutsomething
    Der Freitag
    Glanz & Elend
    Glanz & Elend II
    Junge Welt
    LETTRE International
    Literaturkritik
    Literaturkritik II
    Poetenladen
    Roberto Bolaño
    Titel Magazin
    Unendlicher Spass

    KLG
    Literaturport
    Wikipedia


    Kommentare:

  • Silvia Kühnel: Lieber Claus, habe schon mal vor einigen Jahren geschrieben, weil ich die Idee mit der Kunstfigur gut finde. Ein frohes Fest und ein gutes neues Jahr und viel Freude mit dem Stipendium. Silvia (Buchhändlerin in Dortmund)
  • irisnebel: klasse! gratuliere! musst du ne gegenleistung bringen? als stadtschreiber z.b.?
  • nadine schmid: Ich habe mit Thien an der Uni Koeln studiert. Wir ware zeitweise befreundet, aber ich hatte wenig verstaendnis fuer seinen ‘Mangel’ am akademischen Streben und habe, trotz meiner Anerkennung seines Talents, sein Lebensziel, aus seiner Dichtung etwas zu machen, als...
  • bersarin: Es muß natürlich, entdecke ich beim zweiten Lesen, Monika Rinck heißen. Ich kann mir Namen nie merken.
  • Aléa Torik: Ja, Bersarin, seinerzeit hat‘s ziemlich gut funktioniert: es war Literatur und die Leute waren mittendrin. Manche, ohne es zu merken. Manche haben hinterher zufrieden gelächelt, weil sie bei etwas Neuem mitgemacht haben. Oder weil sie selbst zu einer Art literarischer Figur dadurch...
  • bersarin: Literarisches Bloggen, liebe Aléa Torik, funktioniert durchaus. Freilich nur bei den wenigsten. Das meiste, was geschrieben wird, stammt aus dem Klein-Klein der Halbgarküchen, ist Poesiealbumsprosa von Minderleistern, Befindlichkeitsscheiße ohne Form. Ich schreibe dahingehend und als...
  • Aléa Torik: Never ride a dead horse – das hätte auch als Überschrift dieses Beitrags herhalten können. Gestern Nacht bin ich mit dem Rad 35 km durch das ausgestorbene Berlin gefahren, bis weit jenseits der Stadtgrenze. Da ich ziemlich kaputt war, konnte ich dabei nichts denken, aber wenn...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, Du hast überschüssige Energie!? Da werden Dich viele drum beneiden, umso besser also, wenn sie in etwas fließt, was Sinn zu machen verspricht. Was soll man also dazu sagen? Ich sage: Es lebe die Literatur! Und Gratulation natürlich zum vollzogenen Ausstieg aus...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, verflixt, hab‘ ich schon wieder Recht? Ich kann sagen, was ich will, ich habe immer recht. Dabei schrieb ich das eigentlich, um zu provozieren. Entweder lässt sich keiner provozieren oder die Provokation im Netz ist so allgegenwärtig, dass man zu ganz anderen Kalibern...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, da triffst Du mal wieder den Nagel auf den Kopf wie die Faust das Auge: fiktional und ein Sein als solches hat ein literarisches Blog zu sein und nicht einfach noch ein weiterer Mitspieler auf dem Markt- und Kampfplatz realer Eitelkeiten. Als Schriftsteller:in...
  • Aléa Torik: Liebe Miss Lingen, bitte entschuldigen Sie die kleine Verspätung meiner Antwort. Ich war auf anderen Schlachtfeldern unterwegs. Sie haben absolut recht, es ist viel zu komplex. Dabei darf ich mir zugutehalten, es deutlich vereinfacht zu haben. Denn im Original – wenn wir uns darauf...
  • Miss Lingen: Obwohl, wie Sie wissen, ich hier mit Sympathie lese, frage ich doch: ist das nicht alles ein wenig zu komplex?
  • Aléa Torik: Dann bin ich gespannt, was du von dem Essay hältst.
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, die Idee des freiwilligen Ablebens um des Erfolges willen stand ja schon einmal im Raum, aber das nur zu machen, um ausgerechnet auf meine Leseliste zu kommem, nee, da hast Du recht, das wäre schon sehr übertrieben! http://www.litblogs.net/hue...
  • Aléa Torik: Lieber holio, ganz verstehen kann ich die Ottos und Ottisten ja tatsächlich nicht. Vielleicht ist das so, dass Otto und Otta, was ihr Leseverhalten betrifft, auch nicht ganz schlau aus sich werden. Sie greifen immer nur nach dem, wonach auch die anderen greifen. Das zeichnet die...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, man ist ja einiges gewöhnt bei den Autoren. Was die alles tun, um gelesen zu werden, beispielsweise das Schreiben seltsamer Bücher. Ich fände es allerdings doch etwas übertrieben, wenn sich ein Autor nach dem Schreiben seines Buchs sogleich aus dem Leben verabschiedet:...
  • holio: Traurig ist das in der Tat. Und so ganz zu verstehen auch nicht. Im Geräusch des Werdens war der Anknüpfungspunkt für Otto Normalleser ja da. Und die Bălkanexotik ist auch rezipiert und rezensiert worden. Die Sprache ist einfach, der Plot verständlich, erinnere die Szene mit dem blinden...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, noch habe ich Deinen Essay ja nicht gelesen – kommt aber noch! Bin gespannt wie ein Flitzebogen! Und was meine durch eigenes Lesen hervorgerufene Belebung von Texten inzwischen leiblich von uns gegangener Autor:inn:en angeht, so ist es nicht Trost, den ich da...
  • Aléa Torik: Lieber holio, Sie haben recht, die Politik lassen wir hier außen vor. Richtig glücklich bin ja auch nicht mit dem Etikett der Postmoderne. Aber irgendwie müssen wir es ja benennen. Sagen wir Transmoderne. Die wesentliche Information ist allerdings angekommen, schon lange: dass Sie...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • 08 Juni 2013

    Eine Diskussion über „Aléa Torik“ bei Juli Zeh

    Ich dachte schon der vielgescholtene Literaturbetrieb, der ja nicht mehr und nicht weniger ist als die Menge seiner Aktanten, mit einigen allerdings aus dem allgemeinen Agieren herausragenden Personen; ich dachte schon der Literaturbetrieb bekommt mal wieder gar nichts mit und freut sich, wenn man tot ist, dann muss er nicht mehr diese ermüdend langen Romane lesen, die einer und eine schreibt, sondern kann in aller Ruhe das ganze Zeug archivieren, die Sargdeckel schließen und kurze, knackige Totenreden halten.

    Obwohl die Rezension im Tagesspiegel ja zugegeben auch ein Lebenszeichen ist. Ich mache hiermit auf eine Diskussion bei der Schriftstellerin Juli Zeh aufmerksam, die sich und ihre Leser fragt, ob das, was ich hier gemacht habe, auch wenn sie nur teilweise weiß, was das ist, weil sie ja hier nicht seit Jahr und Tag dabei ist, eigentlich „erlaubt“ ist, ob man das „darf“. In ihrem Facebookeintrag  findet seit einigen Tagen eine ausgesprochen hochwertige Diskussion statt, in der die Begriffe genannt werden, um die es in einer solchen Diskussion gehen muss und die – Achtung: Fiktionssignal! – auch die Themen meiner Dissertation sind: „Identität, Authentizität und Illusion – Zur Theorie der Fiktionalität“. Ich habe mich dort eingemischt.

    Ich glaube nicht, dass man bei Facebook Permalinks setzen kann, die verschiedenen Artikel – Postings – beginnen mit den Worten

    1) am 4. Juni: „Und über die soeben gepostete We-read-Indie-Seite bin ich gerade auf die Causa “Alea Torik” gestoßen“

    2) am 7. Juni: „Liebe Aléa Torik,  danke, dass Sie sich hier einschalten,“

    3) ebenfalls am 7. Juni „Nein, ich kann’s nicht lassen. Noch eine Frage, auf die Gefahr hin,“

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.



    Kommentare

    Kommentar von bersarin
    Datum/Uhrzeit 9. Juni 2013 um 20:26

    Aber das ist doch immerhin eine gute Rezension, diese Besprechung im Tagesspiegel. Und wie sich zeigt, beschäftigen die ernstzunehmenden Texte sich mit dem Inhalt und der Form des Romans – jenseits von jenem Blahfasel, Deine Arbeit im Blog sei bloß Marketing (Mut zum Denken scheint in diesem Falle Mut zur Denk- und Geisteslücke zu bedeuten) oder jenem mir etwas durchgedreht erscheinenden Hilbig, der Originalität für sich reklamiert, nur leider in seinen Beiträgen ansonsten keinen einzigen gescheiten Satz hinbekommt. Beide haben Dein letztes Buch höchstwahrscheinlich nie gelesen. Hilbig ist zudem über Peter Esterházy nicht hinausgekommen.

    Der Weg der Schriftstellerei ist, wie gesagt, mühsam. Es riet Ulla Hahn – man mag von ihr halten, was man will – jeder Schriftstellerin/jedem Schriftsteller, zunächst einem Erwerbsberuf nachzugehen und parallel dazu zu schreiben. Denn die wenigsten Literaten können von der Literatur leben. Es ist wie mit dem Bloggen: es bleibt lange lange Zeit ein Freizeitvergnügen. Und wenn ich nach Leserzahlen ginge, dann müßte ich morgen meinen Blog schließen. Mein Blog ist ein special interest-Blog (auch für Leserinnen und Leser), weil ich keine Befindlichkeiten und beliebige Meinungen bediene, sondern einen Anspruch auf eine gewisse Form von Objektivität und Exaktheit hochhalte. Es werden mir in meinem Blog niemals Sätze über die Lippen kommen wie: Es hat mich der Text von XY so tief berührt und etwas in mir ausgelöst. Wenn man das schon schreibt, dann sollte die subjektive Form zumindest im Ansatz in eine objektive transformiert werden.

    Was Du zur „Literaturkritik“ oder den „Literaturbesprechungen in Blogs schriebst: da kann ich Dir nur recht geben: diese Sätze kann man gar nicht oft genug wiederholen. Gelungene Literaturkritik findet nach wie vor im Medium Zeitung statt, die FAZ ist da maßgeblich, die Zeit hat nachgelassen, aber es gibt dort immer noch gelungenen Buchbesprechungen. Du schriebst hinsichtlich des Literaturkritikers im Feuilleton:

    „die meisten Kritiker dort arbeiten heute auf einem höheren Niveau, da ist mitunter viel Interesse, Verständnis und Offenheit zu finden. Alles Eigenschaften, die man in den meisten Blogs vergeblich sucht. Da findet sich Selbstgerechtigkeit, Selbstgefälligkeit und die Inszenierung als das bessere Feuilleton. Der von Ihnen verlinkte Blog gehört bedauerlicherweise auch dazu.“

    Das Problem der meisten Blogs ist, daß sie Empfindungsgeseiere produzieren (nicht alle, aber die meisten) oder die Gefühle und subjektiven Gedanken, die beim Lesen durch den Kopf gehen, verschriftlichen. Das hat nur auf der Ebene der Neugier Relevanz, sagt mehr über die Schreiberinnen und Schreiber als über das Buch aus. Ich lese keine Literaturblogs mehr. Ich überfliege allenfalls einige einschlägige Blogs. Das Problem bleibt am Ende die Zeit: Lesezeit ist begrenzt, es gibt zu viele gute Bücher, die sich mit Literatur beschäftigen.

    Der frühere Feuilletonchef der Zeit hieß übrigens Fritz J. Raddatz. Umstritten, aber in vielen seiner Texte klingt eine eigene Note mit, die über Befindlichkeiten und Schwachfugsätze wie „Ich finde …“ hinausgeht.

    Ich überlege, ob ich bei Zeh auch noch etwas schreibe, aber dazu muß ich mir einen Facebook-Zugang auf den Namen Bersarin zulegen.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 9. Juni 2013 um 23:34

    Lieber Bersarin,

    über die Rezension im Tagesspiegel habe ich mich auch sehr gefreut. Ich finde sie gut geschrieben, und sie nimmt mit Bravour eine Hürde: die bei Nicole Henneberg nie desavouierende Differenz zwischen Urheber und Autorin, Wirklichkeit und Roman, Fiktion und Metafiktion. Und es sind wichtige Themen angesprochen, das ist nicht so einfach. Man hat in den Zeitungen ja nicht drei oder sieben Seiten, sondern nur sehr wenig Platz. Was diese Rezension nicht konnte sind Bücher verkaufen, das weiß man im Verlag sehr schnell. Und warum konnte sie das nicht? Weil sie anspruchsvoll geschrieben ist. Es ist mit der Leserschaft aber auch zum Heulen.

    Hilbig, der unter verschiedenen Namen in verschiedenen Blogs Stunk gegen mich macht, ist am unteren Ende der Artikulationsfähigkeit, bei vollkommener Belanglosigkeit und Beliebigkeit seiner Beiträge. Zwar findet er meine Texte sehr schlecht, offenbar so umfassend und ausufernd, dass er nicht mal zu sagen vermag, was genau schlecht ist: Blickführung des Lesers, Charaktere, Form und Inhalt, Sprachhöhe, Metaphorik, Spannungsaufbau, Thematik etc. Wahrscheinlich alles Begriffe, die er nicht kennt. Nun gibt es ja bekanntlich sehr gute Literatur und sehr schlechte. Und alles dazwischen. Es gibt sehr gute Leser und sehr schlechte und alles dazwischen. Warum Hilbig sich nicht die Literatur aussucht, die er gut findet, wo immer er oder sie sich auf dem Spektrum nun befinden mögen, ist nicht einmal ein Rätsel: er will einfach Stunk.

    Leider kam irgendwo in den Kommentaren auch wieder mal der „gesunde Menschenverstand“ zu seinem angeblichen Recht. Wenn gar nichts mehr zieht, dann kommt der an die Reihe und muss es richten. Wenn es irgendetwas in dieser Welt gibt, was vollkommen überschätzt wird, dann ist es der gesunde Menschenverstand. Dabei bekommt man mit dem nicht mal ne Fischdose auf. Weil der erfunden wurde, als es noch keine Fischdosen gab. Damals lebten die Fische noch im Wasser, nicht in diesen Dosen mit Tomatencreme.

    Ich habe einen Artikel bei einer wichtigen deutschsprachigen Zeitung liegen, über Authentizität in der Literatur. Wenn die das endlich mal drucken würden, ScheißeHerrgottnochmalHerrjemine: Pennt Ihr da alle?

    Raddatz hieß der, richtig. Ich finde die heutigen Kritiker einfach sehr viel besser und wenn ich es auf ein Wort bringen müsste, hieße das: Neugier. Neugier finde ich in literarischen Blogs kaum, da plustern sich manche auf unglaubliche Weise auf und bringen sich und ihr Blog in Stellung gegen den offiziellen Literaturbetrieb. Seltsam, mit geht’s auch so: am Ende lese ich doch lieber Bücher und Zeitungen.

    Misch dich ruhig bei Juli Zeh ein. Das wird dem noch mal einen neuen Schub verleihen und auch theoretisch etwas anspruchsvoller. Außerdem wird sie sich bestimmt freuen, wenn du sie auf deine Kritiken aufmerksam machst, ich glaube JEDER Schriftsteller erkennt das ernsthafte Bemühen, das Ringen eines Kritikers um Inhalt und Form.

    Aléa

    Kommentar von kid37
    Datum/Uhrzeit 13. Juli 2013 um 18:17

    Herrje, ich schreibs mal hierhin. Ich habe zuletzt gar nichts mehr mitbekommen, weil ich seit letztem Jahr aus allerlei Gründen nur noch wenige Blogs lese. Also, es schaffe zu lesen.

    Spontan und aus aller gegebenen Distanz heraus finde ich die Enthüllungsreaktionen putzig. Es war ja von Anfang an deutlich, daß hier nur im Randbereich ein ungefiltertes, “authentisches” Biografieblog geführt wird. Da ging es doch immer um Auseinandersetzung und Definition, Positionierung innerhalb eines Kunst-Zirkels und der Gestaltung eines öffentlichen Ichs. Es dürfte im übrigen nur wenige Blogger geben, die sich nicht im Netz stilisieren, die nicht darauf achteten, ein bestimmtes Bild zu kreieren. Die Literaturgeschichte ist voll mit Pseudonym-Beispielen, insofern erstaunt mich die fragende Reaktion von Frau Zeh. sie sollte das besser wissen. George Sand, irgendwer? Oder die Männer, die als “Frauen” über lange Zeiträume semi-pornografische Blogs geführt haben? (“Belle de Jour” war doch vor zehn Jahren so ein Berliner Fall, was gab es da für einen “Skandal” ;-) )

    Man könnte bestenfalls kritisieren, daß Sie hier einmal festhielten, Ihr Name sei “wirklich” Aléa Torik, was zu glauben aber eine gewisse Naivität voraussetzen würde, die selbst die meine überstiege.

    Aber warum andererseits nicht. Die “Person”, die hier spricht, ist es wohl wirklich. Ich hoffe mal, wir sind im wirklich Leben nicht verkracht, sollten wir uns zufällig kennen, und wünsche in diesem Sinne viel Erfolg!

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 14. Juli 2013 um 12:33

    Lieber kid,

    - meine Beiträge bei Juli Zeh auf Facebook sind auch in meinem eigenen Facebook Account einzusehen. Und auch nicht zu übersehen, weil sie die einzigen Einträge dort sind. Vielleicht stelle ich die Texte auch noch in mein Blog. Ich finde Facebook nach wie vor wenig interessant. Ich finde es sogar hochgradig abschreckend und bin erstaunt, wer das alles nutzt. Vor allem Juli Zeh, die sich ja immer wieder gegen Überwachungsmethoden ausspricht und dabei offensichtlich auf das weltweit ausgefeilteste und perfideste Überwachungsportal zurückgreift, um das kund zu tun.

    - „Es war ja von Anfang an deutlich, daß hier nur im Randbereich ein ungefiltertes, “authentisches” Biografieblog geführt wird. Da ging es doch immer um Auseinandersetzung und Definition, Positionierung innerhalb eines Kunst-Zirkels und der Gestaltung eines öffentlichen Ichs.“ – Schön, dass Sie das so sehen. Ich sehe da auch so. Und es war auch erkennbar, dass es so ist. Es gab allerdings einige, die das nicht erkannt haben, die es nicht haben erkennen wollen. Und die dann, nach dem – nennen wir es ‚Outing‘ – meinten, ich allein sei verantwortlich für den Umstand ihres Missverstehens. Eigentlich gab es bloß zwei: zwei, die sich persönlich angesprochen gefühlt haben und die dann gekränkt waren. Aber das hat nicht an mir und meiner Art der Inszenierung gelegen, sondern an deren a) neurotischer Persönlichkeitsstruktur und b) massiver Einsamkeit. Ich habe das in keiner Weise befördert: die waren schon vor mir neurotisch und einsam. Ich habe das meinerseits aber auch nicht erkannt, sonst hätte ich den Kontakt abgebrochen. Ich wollte durchaus, dass die Kommentatoren oder Leser dieses Blogs sich fragen, ob das hier authentisch ist.

    - Was hier über vier Jahre in mehr als fünfhundert Artikeln geschehen ist, ist die Verschränkung von Roman und Blog. Ich zitiere aus meiner Selbstdarstellung: „In dem Blog http://www.aleatorik.eu war von Mai 2009 bis Mai 2013 von der Rumänin Aléa Torik zu lesen, die über Bukarest nach Berlin gekommen ist, um zu promovieren und Schriftstellerin zu werden. Sie berichtet dort unter anderem von ihrem Leben, ihrer Lektüre und vom Entstehen ihres zweiten Romans »Aléas Ich«. Dieser Roman, der im Februar 2013 veröffentlicht wurde, erzählt von einer Rumänin, die nach Berlin kommt, um zu promovieren, ein Blog im Netz führt und an ihrem zweiten Roman schreibt. In diesem Text stellen sich jedoch nach und nach alle Umstände und Personen, die man bis dahin als authentisch hatte annehmen müssen, als frei erfunden heraus, nämlich als Erzählfäden eben dieses Romans an dem die Autorin arbeitet. Der Leser sieht dem Text, den er als fertigen in Händen zu halten meint, tatsächlich erst beim Entstehen zu.“

    - Dass Aléa Torik mein echter Name ist, darauf bestehe ich auch heute noch. Ich zitierte noch einmal, dieses Mal aus meinem Roman „Aléas Ich“: „Ich hatte für das Blog auf meinen Namen zurückgegriffen, den mir in Deutschland kein Mensch glaubte. Dabei hat er einen banalen Hintergrund. Matthias Müller ist vor dreißig Jahren aus Deutschland weggegangen, aus dem reichsten Land Europas in das ärmste. Dort hat er sich in Magdalena Torik verliebt. Sie haben geheiratet und als sie eine Tochter bekamen, brauchten sie einen Namen. In den rumänischen Ohren Magdalenas klang Katrin gut. Dann entdeckte Matthias den hebräischen Namen Aléa, den auch Magdalena schön fand. Der Nachname meines Großvaters stammt nicht aus Transsilvanien, der Heimat meiner Mutter, sondern aus Moldawien und seine Ahnen wiederum kommen aus dem russischen Raum oder dem ukrainischen. Mein Großvater schweigt sich über die näheren Umstände seiner Herkunft aus. Er war einfach Teil jener Flüchtlingsströme der damaligen Zeit, die nicht nur in Südosteuropa unterwegs waren. Ich liebe meinen exotischen Namen und würde ihn für kein Geld der Welt gegen einen anderen eintauschen, schon gar nicht gegen Katrin Müller. Ich kann die wahrscheinlichere Variante meiner Existenz nicht ausstehen.“ (AI, 179)

    - Ich schreibe hier als ich. Als Aléas Ich. Nicht als irgendein anderes Ich. Sondern als die, die ihren Namen von den Eltern bekommen hat. Ob dahinter Aléa steckt? Ob die wirklich so oder anders heißt? Wer weiß das immer so genau. Ist das wichtig? Es herrscht keine vollkommene Identität. Wann ist die schon gegeben? Sie schreiben als kid 37. Sie anonymisieren es, ich heteronymisiere es. Manche pseudonymisieren es. Und manche glauben tatsächlich, dass sie ungefiltert und echt im Netz erscheinen, dass Sie, weil sie ihren bürgerlichen Namen angeben, authentisch sind. Und dann stellen sich die authentischen netten älteren Herren als Stalker und Denunzianten heraus. Und dann fragt man sich also: was war die gelungene Inszenierung? Aléa Torik ist wirklich mein Name, so wie Hans Castorp wirklich sieben Jahre auf dem Zauberberg war.

    - Was den Skandal betrifft. Ich habe ihn nicht gewollt, ich habe ihn nicht gemacht. Diejenigen, die jetzt „Skandal“ schreien, das sind die, die diesen Skandal überhaupt erst in Szene gesetzt haben. Ich mache hier bloß Literatur. Man könnte die Wurzeln meines Tuns bei Kierkegaard oder Pessosa finden. Aber dazu müsste man sich die Mühe machen, diese Wurzeln zu identifizieren. Ist aber eine weit mühsamere Angelegenheit, als einfach „Skandal“ zu brüllen. Und angeblich sind Skandale ja auch immer förderlich fürs Geschäft. Auch das ist eine einfach so dahin geplapperte Binsenweisheit. Irgendein Trottel hat‘s mal gesagt und alle anderen Trottel plappern‘s jetzt nach.

    - Wir beide verstritten? Überhaupt gar nicht! Sie sind einer der wenigen, dessen Blog ich, auch wenn ich nicht mehr kommentiere, noch lese und noch verlinkt habe. Wenn ich mal in Hamburg sein sollte, schreibe ich Ihnen eine Mail, dann können wir uns, wenn Sie Lust und Zeit haben, treffen und dann können wir uns streiten. In guten oder schlechtem Sinne. Je nach Lust und Laune.
    Herzlich

    Aléa (weil es hier niemand anderen gibt: nicht vor mir, nicht hinter mir)

    Kommentar von kid37
    Datum/Uhrzeit 16. Juli 2013 um 11:01

    Mich wundert auch, daß Frau Zeh kein normales Blog führt, bei dem sie mehr Kontrolle über ihre Daten hätte und vielleicht sogar besser und “barrierefreier” (nicht jeder ist bei FB) diskutieren könnte.

    Daß Menschen nicht immer sind, was sie scheinen, weiß jeder, der mal an einer Bar eine falsche Telefonnummer kassiert hat. Oder erst wenn die Steuerfahndung kommt, versteht warum die Firma des Nachbarn immer so hohe Gewinne abgeworfen hat.

    Ich habe mein Blog mal charakterisiert, da drin würde ich Autobiografien über Leben schreiben, die ich nie geführt habe. Das bezog sich auf die meist recht absurden Erzählungen über angebliche frühere Karrieren und Unternehmungen – die allerdings wohl eindeutig als Parodien zu erkennen sind.

    Pessoa fiel mir auch noch ein, und ich denke, die Unternehmung, sich wie in einem experimentellen Versuchslabor als Künstler und “Autor” eines Werks gleich mitzugestalten, ganz interessant (wenn man denn die Energie dafür hat). Wir haben ja eher das Problem, Werk und Künstler nicht gut voneinander unterscheiden zu können oder zu wollen. Die Empörung ist demnach groß, wenn die “wahre Beichte” sich bloß als weiterer doppelter Boden entpuppt. Diese Enttäuschung auf der Rezeptionsebene befeuert wohl gerade den aktuellen “Skandal” (wenn man es so nennen will). Dabei muß man erkennen, daß man sich – wie in der Liebe – im Grunde nur selbst betrogen hat.

    Melden Sie sich ruhig. Ich zieh mir so eine Hasenmaske über!

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 16. Juli 2013 um 12:55

    Lieber Kid,

    vielen Dank für den erneuten Kommentar.

    In jedem anderen Bereich wäre das wohl unschön, im Sachbuchbereich wäre das unmöglich, aber in der Belletristik ist das, was ich getan habe, genau wie Sie sagen, ein sehr interessantes Projekt: nämlich den Autor gleich mitsamt seinem Text zu erfinden. Und das ist ja nicht etwas, das in meinem Fall in der freien Luft schwebt, sondern das Thema des Romans, den ich geschrieben habe. Ich musste dafür nicht mehr Energie aufwenden als wenn ich ein Blog unter irgendeinem anderen Namen geführt hätte, vielleicht dem eigenen, einem fiktiven oder kid 81. Ich musste lediglich ein wenig mehr Fantasie aufbringen. Aber das muss ich immer tun, wenn ich einen Roman schreibe: ich muss von mir selbst abstrahieren und dennoch eigenen Tendenzen, Interessen, ich muss metonymische Abspaltungen erzeugen und dann textuell unterbringen. Ich tue nichts anderes als was ich tue, wenn ich einen fiktionalen Text schreibe, nur dass ich es nicht nur innerhalb der Buchdeckel tue, sondern auch davor und dahinter. Weil Buchdeckel nicht mehr lange – pardon: schon lange nicht mehr – die Grenzen zwischen echt und erfunden markieren können. Man sei ganz und gar authentisch: das ist die perfideste Verstellung, die man im Netz machen kann.

    Dass Menschen nicht immer sind, was sie zu sein scheinen: ja, das ist so, weil die Menschen anders sind und weil wir, die wir sie wahrnehmen, es auch sind. Es steht nirgends geschrieben, dass man mit dem Schein, den man bei anderen hinterlässt, identisch sein muss. Der andere ist mit seinem Schein ja auch nicht identisch. Ich fänd‘s auch mitunter eher armselig, wenn man das müsste. Man ist mit dem Schein, den man bei anderen hinterlässt nicht identisch, weil man ihn nicht erzeugt: der andere erzeugt ihn! Mit der Liebe ist genau das richtige Stichwort gefallen: Wenn sie vorbei ist, stehen Anspruch und Enttäuschung sich unvereinbar gegenüber.

    Zu genau diesem einen Punkt mache ich einen sehr ausführlichen Kommentar: dass wir – der Leser, teilweise sogar der Kritiker, der Literaturbetrieb ganz stark – immer nur den Autor sehen wollen. Wir interessieren uns gar nicht für seine Texte, sondern lediglich dafür, ob sie ein authentischer Ausdruck seines wahren Ich sind. Ich finde das geradezu fatal: wir verstehen ja dann seine Texte gar nicht. Denn nicht das Abbild seines wahren Lebens ist das Authentische an des Autors Literatur, sondern die Fähigkeit das ‚Erfundene‘ als ‚echt‘ wirken zu lassen. Ich glaube übrigens nicht an die Fähigkeit, echt und falsch voneinander unterscheiden zu können. Ich kann es nicht und ich finde auch, dass die Literatur der Ort ist, an dem man eine solche Trennung aufgeben sollte.

    Falls ich mal eine Lesung in Hamburg haben sollte, melde ich mich auf jeden Fall. Dass ich ohne Lesung in diese Stadt komme, ist sehr unwahrscheinlich: ich kenne dort niemanden.

    Herzliche Grüße
    Aléa

    Kommentar von summacumlaude
    Datum/Uhrzeit 13. August 2013 um 09:01

    Hallo Alea!
    Diese Diskussion nahm ich erst jetzt wahr, da über Sommer ausßerhalb des Netzes, gewissermaßen entwirrt unterwegs.

    Frau Zehs Frage mit dem “darf” ist schon falsch gestellt, sie sollte heißen: “muß” man das so machen, wie Du es gemacht hast und die moralisch intendierte Antwort lautet: JA!

    Die Begründung hatte bereits bei bersarin geschrieben: Mit Deiner Aktion – und in gut dadaistischer Tradition sehe ich Deinen Text und Deine Aktion gleichberechtigt nebeneinander – hast Du die Mechanismen des Literaturbetriebes demaskiert. Daher (teilweise) die Reaktionen. Aber auch die lobenden sehen diesen Moment der Demaskierung nicht oder wollen ihn nicht sehen. Dabei steht er zentral. Deinen Text mit der biographischen Konnotation: Ü40, männlich, im Reihenhaus im Ruhrgebiet aufgewachsen! Verlagen angeboten? Du hättest (oder hast wahrscheinlich) nur Ablehnungen erhalten. Als vermeintliche Migrantin wurdest Du gedruckt.

    Ein wenig ärgerlich finde ich Frau Zehs Frage schon. Zunächst einmal: Mit der Frage und der Unterstellung der Merchandising-Intention anerkennt sie, dass es genau diesen außerliterarischen Mechanismus gibt! Sodann hinterfragt sie diesen Mechanismus BEI ANDEREN! Und hätte doch beim Blick auf die eigene Karriere genug Anlass zur Analyse.

    Wie war das noch vor 10-15 Jahren? Jung, weiblich, photogen – das literarische Fräuleinwunder war geboren. Außertextliche Qualitäten spielten auch damals eine große Rolle (wann nicht?), und für Frau Zeh trafen all diese geforderten, biographischen Detaiils zu. Das Nichterkennen dieser außerliterarischen Faktoren beim eigenen Werdegang ist umso ärgerlicher, umso mehr Frau Zehs Texte sich gar nicht verstecken müssen: Sie sind gut! Aber dennoch haben sie nicht allein ihre Karriere befördert.

    Nagut, das sind Kleinigkeiten! “Corpus delicti” ist sogar sehr gut und dagegen verblasst kleinkariertes Genöhle. Dennoch wäre es schön, wenn mal einer der Arrivierten die Umstände, ALLE Umstände des glücklichen Ankommens darlegen würde. Und diese Darlegung nicht nur bei anderen einklagt.

    Güße an Dich und jedenfalls Glück bei Deiner Ankunft wünscht summacumlaude

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 13. August 2013 um 22:21

    Lieber summacumlaude,

    vielen Dank für Deinen Kommentar.

    99 von 101 Personen halten, was hier gemacht wurde, für moralisch vertretbar oder in Ordnung oder sogar, wie Du, für notwendig. Ich habe auch keinerlei moralische Probleme. Ich durfte oder musste das sogar tun: das ist das autobiografische Element. Aber dann gibt es noch ein literarisches Element, das mir noch wichtiger ist. Und das lautet: Dies ist die Seite von Aléa Torik. Jemand anderen gibt es hier nicht. „Die Krankheit zum Tode“ hat nicht Kierkegaard geschrieben und „Das Buch der Unruhe“ nicht Pessoa: „Mit ihren Gedanken, ihren Gefühlen, ihrer Kunst hat er, der wirkliche Verfasser, nichts zu schaffen, abgesehen davon, daß er bei der Niederschrift das Medium von Gestalten war, die er selbst geschaffen hat. Weder dieses noch die folgenden Werke haben irgendetwas mit dem Verfasser zu tun. Weder ist er einverstanden mit dem, was in ihnen niedergelegt ist, noch ist er dagegen“, schreibt in „Das Buch der Unruhe“ nicht Fernando Pessoa noch Bernado Soares‚ sondern ‚das Medium von Gestalten‘. Die beiden Romane sind Romane von Aléa Torik. Jemand anderes hätte sie anders geschrieben. Aber sie sind so, wie sie sind. Und das ist ein hinreichender Beweis, dass es sich nicht um einen Text von jemand anders handelt.

    Wichtig ist der zweite Aspekt, den bisher, auch bei der Diskussion bei Juli Zeh niemand genannt hat: die Frage, ob ich durch einen Trick oder einen Betrug hinterrücks in den Literaturbetrieb gekommen sei, während andere völlig legal durch die Vordertüre gekommen sind. Das unterstellt, wie Du richtig sagst, und das wird nicht hinterfragt, ob es diese legale Vordertür überhaupt gibt. Vordertür heißt: aufgrund objektiver Kriterien ist der Text für gut befunden worden. Hintertür heißt: das war noch ein bisschen mehr als nur der Text, eine tolle Biografie oder ein tolles Dekolleté. Weder das eine noch das andere hilft einem beim Schreiben von guten Texten. Aber es hilft beim Türöffnen. Hintertüren wohl gemerkt. Vordertüren gehen ja nur durch den Text auf (also eigentlich nie!). Wer den Unterschied nicht macht, möchte wohl insinuieren, dass er auf legale Weise hineingekommen ist und stellt die andere Weise, das Betreten durch die Hintertür in Frage, indem er oder sie formuliert: „Darf man das?“. Um es noch einmal zu sagen, die Diskussion bei Juli Zeh war gut. Auch wenn diese Differenz nicht gemacht wurde.

    Tatsächlich wussten alle während des Frolleinwunders – alle, die etwas von Literatur verstehen -: die Texte der Frolleins sind Scheiße! Viele waren nicht einmal das. Das hat damals keinen gestört. Ich weiß nicht, ob Juli Zeh zu denen gehört hat, die damals das Haus betreten haben. Damals musste man nicht schreiben können, um hunderttausend Mark Vorschuss zu bekommen. Da musste man ein hübsches Gesicht haben und mit dem Popo wackeln können. Damals gab‘s keine Vordertür und niemand hat sich über die Hintertür beklagt, die Türsteher nicht, die Kassierer nicht. etc.

    Ich habe nicht durch die Hintertür hineingewollt. Ich wollte durch die Vordertür. Ich habe in zehn Jahren 350 Bewerbungen bei Literaturförderungen und Verlagen in Deutschland abgegeben. Ich habe 350 Mal an der Vordertür geklingelt. Ohne einen einzigen Erfolg. Ich bin aber nicht durch die Hintertür hineingegangen. Ich habe mir einfach eine eigene Tür ins Haus gemacht. Man unterstellt, dass es eine legitime und eine illegitime Weise des Betretens gibt. Und das ist sicher Unsinn. Nur mussten die meisten nicht so brachial dabei vorgehen, da hat sich die Türe einfach irgendwie geöffnet. Und die glauben dann natürlich gerne an die Qualität ihres Textes und an die Vordertür. Bei den meisten hat keiner gefragt wie sie hineingekommen sind. Die hatten es unzweifelhaft ein bisschen leichter als ich. Und da kann Frau Zeh locker philosophieren, ob man solche Sachen darf oder nicht darf: die hatte es sicher sehr leicht. Darf man Brot klauen, wenn man Hunger hat? Das ist eine Frage. Eine andere wäre: darf man solche Fragen stellen, wenn man, wie Juli Zeh, im KDW einkaufen geht?

    Entwirrt ist gut: wir sind vernetzt oder entwirrt, verwirrt oder entnetzt.

    Herzlich

    Aléa

    P.S. Wieso habe ich hier im vergangenen Monat sage und schreibe 1000 % (tausend!) Zuwachs bei den Besucherzahlen? Wer sind diese Leute und was wollen die? Offenbar jedenfalls keine Kommentare hinterlassen. Vielleicht meine Kontonummer? Ja? Gebe ich gerne raus. Ich bin mit dieser einen Zahl sehr vertraut. Das ist auch beinahe die einzige Zahl, die ich auswendig kenne. Und die Seitenzahl meines neuen Manuskriptes, die kenne ich auch.

    Kommentar von summacumlaude
    Datum/Uhrzeit 14. August 2013 um 11:56

    Tja mein Lieber, so ist das! Frau Zeh darf natürlich solche Fragen stellen, auch wenn sie im KDW einkaufen geht (tut sie das?). Sie sollte dann aber auch die entsprechenden Antworten ertragen können.
    Ihre soziolog. Daten (Geburtsjahr, Erstveröffentlichung, Geschlecht) sowie die damalige mediale Präsentation weisen sie als typische Vertreterin des Fräuleinwunders aus; es ist übrigens ein Wunder, das damals für Publizität sorgte, dem aber heute keine mehr zugerechnet werden will….

    Zehs Beispiel finde ich deswegen als Diskussionsgrundlage so interessant, gerade weil ihre Texte gut bis sehr gut sind. Auch deswegen nenne ich sie namentlich. Mir fallen weißgott andere ein, deren Machwerke nun wirklich “Schrott” sind. Ich könnte diese weiblichen Schreiberlinge auch namentlich nennen: Doch dann wäre eine Diskussion über dieses wesentliche Thema reines Denunziantentum. Und wie ich Dich bisher als Netzexistenz kennen gelernt habe, ist Dir daran nicht gelegen.

    Das Thema ist für solch eine Krawalldiskussion auch zu wichtig: Welche außerliterarischen Faktoren beeinflußen die Publizität eines Schriftstellers? Um bei Deinem Bild zu bleiben: Wie viele Türen gibt es? wer öffnet sie? Wer schlägt sie zu? Solche Diskussionen sind mindestens ebenso spannend, wie ästhetisches Kampfgerangel.
    Du hast Dir selbst den Weg verschafft, mein talentfreier Tunnelbau ist hier nachzulesen:

    http://summacumlaudeblog.wordpress.com/

    (hoffentlich klappt der link, ich bin ja so ein digitaler Analphabet)

    Grüße

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 15. August 2013 um 15:00

    Lieber summacumlaude,
    ich mache zu der ganzen Angelegenheit noch einmal einen Eintrag, in den kommenden Tagen.
    Herzlich
    Alea

    Kommentar von kleist
    Datum/Uhrzeit 21. August 2013 um 21:21

    Für jeden Besucher hier wird Ihr Buch einmal weniger gelesen.
    Im übrigen ist das prosaische Material, und namentlich der Roman, gar nicht so weit vom lyrischen entfernt wie sie meinen.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 21. August 2013 um 21:55

    Sehr geehrter (Herr) Kleist,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Mir ist nicht ganz deutlich, ob er als Kompliment gemeint ist – in dem Sinne, dass jeder, der hier liest, das Lesen meiner Romane gar nicht mehr nötig hat, weil er sich so gut amüsiert – oder umgekehrt: dass jeder, der mein Zeug liest, ein für allemal geheilt ist von der Art wie ich die Sprache verhunze.

    Ich bin mir nicht sicher, worauf Sie anspielen, wenn Sie von der Entfernung von Prosa und Lyrik sprechen. Ich hatte mich einmal darüber geäußert, dass ich mich der Lyrik für nicht fähig halte, aber das sollte nicht heißen, das der Prosaautor nicht lyrisch schreiben kann oder der Lyriker nicht prosaisch. Historisch betrachtet, muss man den Unterschied zwischen Epik-Roman, Dramatik und Lyrik machen. Und auch hier sind natürlich Übergänge und Vermischungen möglich, allein in der Übernahme der wörtlichen Rede, die ja ein dramatisches Element ist.

    Mit Kleist haben Sie sich übrigens einen Patron gewählt, den ich sehr schätze und der einzige Schriftsteller, von dem ich alles gelesen habe. Ich bin mehrfach in die Tradition des magischen Realismus eingeordnet worden; eine Tradition, in der ich tatsächlich auch stehe. Daneben gehört Kleist zu jenen Geistern, denen ich mich verpflichtet, oder sagen wir lieber, denen ich mich nahe fühle.

    Oder sollte Ihr Betrag etwa ironisch gemeint sein? Wie Sie sehen, ist die ironische gar nicht so weit von der tatsächlich gemeinten Version der Wirklichkeit entfert. Man muss sich hier wie dort sehr präzise ausdrücken.

    Aléa Torik

    Kommentar von summacumlaude
    Datum/Uhrzeit 22. August 2013 um 09:33

    @Kleist: Was ist der Unterschied zu einer Taube? Je höher, desto fliegt sie.
    gez. Dr. Büchner

    @Alea Vielen Dank für Dein Posting.
    Es gibt übrigens einen Praezedenzfall aus dem Jahr 1952. Damals veröffentlichte ein Lektor mit Namen Förster unter dem Namen Forestier eine Lyriksammlung, die von Gott und der Welt gelobt wurde, unter anderem mit der seinerzeitigen Variante des Begriffs authentisch: UNVERFÄLSCHT waren diese Gedichte, so hieß es, zart und bitter zugleich usw. Zu den Lobern zählten u.a. Krolow und Benn. Maßgeblich zu diesem Urteil beigetragen hat die fingierte Biographie des Herren Forestier: Angeblich ein ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS, nun verschollener Fremdenlegionär in Indochina. Die Lyrik als einzig Überlebende…
    Ach wie war das Erwachen schrecklich, als sich hinter dem Fremdenlegionär ein Bausparkassenspießer mit Dispo und Vollkaskoversicherung entpuppte. Wie üblich war der Lit-Betrieb nicht in der Lage, diesen offenbaren Fall von “Reingefallen” als solchen zu reflektieren. Förster wurde fortan totgeschwiegen. Diese Geschichte hat ihm sehr geschadet, denn das Totschweigen im Betrieb ist der Tod.
    Anders erging und ergeht es da Herrn Schirrmacher, der ebenfalls ein wenig an seiner Biographie frisiert hat. (Villa statt Reihenhaus, you know.)
    Ich hoffe sehr, dass Dein Schicksal in Richtung Schirrmacher, nicht in Richtung Förster wandert. Nur noch ein Tip: Deine Erfahrungen mit der Vordertür, den vielen Seiteneingängen und dem selbst gebauten Tunnel sind ein Roman wert(smile!).
    Grüße!

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 22. August 2013 um 13:44

    Lieber summacumlaude,
    den Roman habe ich bereits geschrieben: Aléas Ich!
    A.T.

    Kommentar von summacumlaude
    Datum/Uhrzeit 22. August 2013 um 15:26

    Schon bin ich reingefallen…Aleas Ich kenne ich in der Tat noch nicht. Somit hast Du nun einen Käufer mehr generiert. Was weiterhin zwingend beweist: Aleas Handeln folgt allein einem merkantilen Grundrauschen! Darf der das?(smile)

    Lustig zum Schluß nur noch diese kleine Geschichte: Kurz nach meinen Wünschen an Dich, dass der Betrieb Dir bitte nichts Übles will, ging ich mir die Print-Ausgabe der “Zeit” zu holen….
    Also, darüber habe ich mich dann doch gefreut!!! Sehr, sehr schön.
    Ich schließe nun und wir werden uns sicherlich – äh, wie sagt man es auf Online? – auch mal wiedersehen/hören/lesen. Also: Alles Gute!

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 22. August 2013 um 15:44

    Lieber scl,
    ja, die Rezension ist sehr gut und die Rezensentin unzweifelhaft mir und meinem Roman sehr zugetan. Ich bin allerdings auch wirklich der Meinung, dass ich mir nichts zuschulden habe kommen lassen. Außer vielleicht, dass ich sehr sehr hartnäckig bin.
    Aléa

    Pingback von Zugabe 2 und Schluß | summacumlaude
    Datum/Uhrzeit 10. Mai 2016 um 05:30

    [...] eine spannende an der dann die „Alea Torik“ selbst teil nahm und die sich dann auf Aleas Blog ergänzte . Man kam überein, dass solche Metafiktionsspiele natürlich erlaubt seien, ebenso wie die Frage [...]

    Ein Kommentar schreiben