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  • Silvia Kühnel: Lieber Claus, habe schon mal vor einigen Jahren geschrieben, weil ich die Idee mit der Kunstfigur gut finde. Ein frohes Fest und ein gutes neues Jahr und viel Freude mit dem Stipendium. Silvia (Buchhändlerin in Dortmund)
  • irisnebel: klasse! gratuliere! musst du ne gegenleistung bringen? als stadtschreiber z.b.?
  • nadine schmid: Ich habe mit Thien an der Uni Koeln studiert. Wir ware zeitweise befreundet, aber ich hatte wenig verstaendnis fuer seinen ‘Mangel’ am akademischen Streben und habe, trotz meiner Anerkennung seines Talents, sein Lebensziel, aus seiner Dichtung etwas zu machen, als...
  • bersarin: Es muß natürlich, entdecke ich beim zweiten Lesen, Monika Rinck heißen. Ich kann mir Namen nie merken.
  • Aléa Torik: Ja, Bersarin, seinerzeit hat‘s ziemlich gut funktioniert: es war Literatur und die Leute waren mittendrin. Manche, ohne es zu merken. Manche haben hinterher zufrieden gelächelt, weil sie bei etwas Neuem mitgemacht haben. Oder weil sie selbst zu einer Art literarischer Figur dadurch...
  • bersarin: Literarisches Bloggen, liebe Aléa Torik, funktioniert durchaus. Freilich nur bei den wenigsten. Das meiste, was geschrieben wird, stammt aus dem Klein-Klein der Halbgarküchen, ist Poesiealbumsprosa von Minderleistern, Befindlichkeitsscheiße ohne Form. Ich schreibe dahingehend und als...
  • Aléa Torik: Never ride a dead horse – das hätte auch als Überschrift dieses Beitrags herhalten können. Gestern Nacht bin ich mit dem Rad 35 km durch das ausgestorbene Berlin gefahren, bis weit jenseits der Stadtgrenze. Da ich ziemlich kaputt war, konnte ich dabei nichts denken, aber wenn...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, Du hast überschüssige Energie!? Da werden Dich viele drum beneiden, umso besser also, wenn sie in etwas fließt, was Sinn zu machen verspricht. Was soll man also dazu sagen? Ich sage: Es lebe die Literatur! Und Gratulation natürlich zum vollzogenen Ausstieg aus...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, verflixt, hab‘ ich schon wieder Recht? Ich kann sagen, was ich will, ich habe immer recht. Dabei schrieb ich das eigentlich, um zu provozieren. Entweder lässt sich keiner provozieren oder die Provokation im Netz ist so allgegenwärtig, dass man zu ganz anderen Kalibern...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, da triffst Du mal wieder den Nagel auf den Kopf wie die Faust das Auge: fiktional und ein Sein als solches hat ein literarisches Blog zu sein und nicht einfach noch ein weiterer Mitspieler auf dem Markt- und Kampfplatz realer Eitelkeiten. Als Schriftsteller:in...
  • Aléa Torik: Liebe Miss Lingen, bitte entschuldigen Sie die kleine Verspätung meiner Antwort. Ich war auf anderen Schlachtfeldern unterwegs. Sie haben absolut recht, es ist viel zu komplex. Dabei darf ich mir zugutehalten, es deutlich vereinfacht zu haben. Denn im Original – wenn wir uns darauf...
  • Miss Lingen: Obwohl, wie Sie wissen, ich hier mit Sympathie lese, frage ich doch: ist das nicht alles ein wenig zu komplex?
  • Aléa Torik: Dann bin ich gespannt, was du von dem Essay hältst.
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, die Idee des freiwilligen Ablebens um des Erfolges willen stand ja schon einmal im Raum, aber das nur zu machen, um ausgerechnet auf meine Leseliste zu kommem, nee, da hast Du recht, das wäre schon sehr übertrieben! http://www.litblogs.net/hue...
  • Aléa Torik: Lieber holio, ganz verstehen kann ich die Ottos und Ottisten ja tatsächlich nicht. Vielleicht ist das so, dass Otto und Otta, was ihr Leseverhalten betrifft, auch nicht ganz schlau aus sich werden. Sie greifen immer nur nach dem, wonach auch die anderen greifen. Das zeichnet die...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, man ist ja einiges gewöhnt bei den Autoren. Was die alles tun, um gelesen zu werden, beispielsweise das Schreiben seltsamer Bücher. Ich fände es allerdings doch etwas übertrieben, wenn sich ein Autor nach dem Schreiben seines Buchs sogleich aus dem Leben verabschiedet:...
  • holio: Traurig ist das in der Tat. Und so ganz zu verstehen auch nicht. Im Geräusch des Werdens war der Anknüpfungspunkt für Otto Normalleser ja da. Und die Bălkanexotik ist auch rezipiert und rezensiert worden. Die Sprache ist einfach, der Plot verständlich, erinnere die Szene mit dem blinden...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, noch habe ich Deinen Essay ja nicht gelesen – kommt aber noch! Bin gespannt wie ein Flitzebogen! Und was meine durch eigenes Lesen hervorgerufene Belebung von Texten inzwischen leiblich von uns gegangener Autor:inn:en angeht, so ist es nicht Trost, den ich da...
  • Aléa Torik: Lieber holio, Sie haben recht, die Politik lassen wir hier außen vor. Richtig glücklich bin ja auch nicht mit dem Etikett der Postmoderne. Aber irgendwie müssen wir es ja benennen. Sagen wir Transmoderne. Die wesentliche Information ist allerdings angekommen, schon lange: dass Sie...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • Archiv vom Juni, 2013

    29 Juni 2013

    Ich bin die Erfinderin des Begriffs der „Autobahnung“ und ich will damit in den Duden

    Es gibt Autoren, Autorinnen, Autobiografien und Autobahnen. Und ab sofort gibt auch noch die Autobahnung. Autobahnung ist nicht, wie man meinen könnte – immerhin sind wir hier in Deutschland! – die feminisierte Autobahn. Vielmehr beschreibt die Autobahnung das, was sich automatisch eine Bahn sucht, was sich Bahn bricht. Ohne auf das Auto oder den Auto(r) Rücksicht zu nehmen. Kann ich mich klar ausdrücken?

    „Autorin und Autor in ihrer herkömmlichen Weise sind Fiktionen, die von einer bürgerlichen Literaturindustrie geschaffen wurden. Damit sich unendliche Interviews führen und Proustsche Fragebögen beantworten ließen. Der gelungene Text jedoch streicht seinen Verfasser bis zur Unleserlichkeit durch.“ So steht’s hier. Auch die Musik ist wunderschön. Und hier kann man zum Thema Vergehen oder Verdienst diskutieren. Es gibt in der Tat einen faktischen Autor. Mehr lässt sich in der Regel auch nicht dazu sagen. Aber wenn er gut ist, wird ihm was einfallen, was von seiner Faktizität ablenkt.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    17 Juni 2013

    „Aléas Ich“: auf der Belletristik-Couch

    „Die Autorin versteht es meisterlich mit der Glaubwürdigkeit ihres Werkes zu spielen, den Leser immer wieder an die Grenzen des Nachvollziehbaren zu ziehen, um dann die Künstlichkeit des Romans zu enthüllen, nur um später erneut Zweifel aufkommen zu lassen, ob dieses Buch, welches man in Händen hält, wirklich reines Produkt der Fantasie sein kann. Genres werden bei dieser Arbeit respektlos über den Haufen geschossen, nicht lange können Autobiografie, Fiktion, literaturtheoretischer Beitrag, Geschichte und dergleichen als Kategorien existieren, schnell finden sie ihr Ende und die gegenseitige Durchdringung in der wortgewandten Konstruktion Toriks.“

    Sehr gut gefällt mir auch die Erkenntnis des Autors, die sich auf die in Rumänien situierten Kapitel des Romans beziehen: „Dieser Teil der Identität Aléas scheint besonders glaubwürdig, da er so gekonnt kulturelle Unterschiede aufweist, dass man nicht auf die Idee käme die Herkunft der Autorin anzuzweifeln.“ Hier finden Sie die ganze Rezension von Sebastian Riemann.

    Was mir gefällt, ist dass der Autor nichts enthüllen muss. Er versteht das Spiel das Fiktionalität immer anbietet und das auf den Leser hofft, der sich darauf einlassen kann. Denn rumrennen und behaupten, dass das alles gelogen ist: das kann ja jeder Trottel. Das einzige, was mir nicht gefällt ist die Wertung, warum nur 85 von 100 möglichen Punkten? Ich gehe mal davon aus, dass jemand, der etwas von Literatur versteht, der Lust hat, sich auf einen Text einzulassen und nicht herumnörgelt, was man besser machen kann – die, die glauben, Sie wüssten wie man es besser machen kann, können es meist gar nicht -; das so jemand ja sowieso nicht rechnen kann, also bin ich zufrieden. Nur schade, dass es nicht 88 sind, hehe!

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    10 Juni 2013

    „Aléas Ich“: im WDR 3

    Der zweite Roman von Aléa Torik besticht durch seine Vielfältigkeit. Es ist ein außerordentliches Buch, voller spannender Gegensätze auf der Höhe der Zeit, und doch fest verwurzelt in der Vergangenheit. [...] Aléa Torik hat die Beobachtungsgabe einer Dichterin und die Beschreibungsfähigkeit einer Wissenschaftlerin. Das muss ja bei derartiger Brillianz schon mal ans Neunmalkluge grenzen

    Hier geht’s zu der ganzen Rezension. Ich habe mich sehr darüber  gefreut. Eine Volte allerdings entgeht dem Autor, dass es sich um eine fiktive Autorbiografie handelt. Oder sie ist ihm nicht entgangen, denn Aléa Torik ist tatsächlich 28, das perfide Fräulein hat ja an diesem Tag, ich erinnere kurz daran, das Älterwerden eingestellt. So steht‘s im Roman und im Blog (allerdings werden die Leser Minerva nicht, wie angekündigt, kennenlernen. Ich musste den Plan ändern. Der Leser erkennt jedoch, warum Olga drei Monate nicht in Berlin war). Endlich mal einer, der meine Texte liest. Und wenn ich lese, was ich da geschrieben habe, dann bin ich nicht unzufrieden.

    Aber es gibt auch eine Unsicherheit: Ich hatte vor einigen Tagen ein langes Interview, in dem die Interviewerin ihre Überraschung darüber äußerte, das ich Rezensionen kommentiere, weil man das nicht tue. Normalerweise finde ich die Dinge, die man nicht tut, ja ganz gut und tue sie sogar ausgesprochen gerne, aber in diesem Fall denke ich doch darüber nach. Allerdings lasse ich mich ja nicht auf Diskussionen ein. Ich sehe, dass in der Rezension des WDR von der einen oder anderen “langatmigen Episode” die Rede ist und frage mich, welche der Autor meinen könnte, solches Empfinden ist ja individuell verschieden. Auch von sachlichen Unrichtigkeiten ist die Rede und ich weiß nicht, was gemeint ist. Mehr mache ich nicht. Ich gebe, wenn ich Rezensionen kommentiere,  ja bloß den einen oder andern kleinen Tipp, wie man mich noch besser verstehen könnte, hehe! Ich würde mich nie mit jemandem streiten, der einen Verriss schreibt. Für Verrisse gibt es oft Gründe die nicht im literarischen zu suchen sind. Das interessiert mich sowieso nicht.

    Und ein Problem: „ … ist das Buch als Autobiografie einer 28-jährigen beeindruckend“. Das steht nicht, dass das Buch beeindruckend ist, sondern in Abhängigkeit vom Alter der Autorin ist es beeindruckend. Also: es gibt ganz außerordentlich reife Leute, die sind in dem Alter quasi erwachsen und fertig mit ihrer Entwicklung. Und es gibt hochgradig unreife Leute, die emotional und intellektuell mit fünfzig noch pubertieren. Sagt das biologische Alter tatsächlich etwas über den möglichen Reifegrad eines Textes aus? Sagt das Geschlecht eines Autors etwas darüber aus? Sagt das Geschlecht und das Alter eines Rezensenten etwas darüber aus, ob das Buch positiv oder negativ besprochen wird? Vielleicht bekommen tatsächlich 28-jährige bessere Rezensionen als 48 jährige. Vielleicht bekommen Männer bessere Rezensionen von schwulen Rezensenten, Migranten bessere von Migrantinnen und Deutsche bessere von Deutschen, berühmte Autoren bessere als unbekannte, schöne bessere als hässliche und  gute bessere als schlechte.

    Und werden anspruchsvolle Texte wie meine – der zweite beginnt mit Zitaten komplexer postmoderner Schriftsteller und Theoretiker und mein Text ist ein mitunter für den wenig geübten Leser ein eher verwirrendes Gewebe – nicht viel schlechter rezipiert und verkauft als ein leichter, flockiger Hundertseiten Roman? Gute Rezension hin oder her!

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    10 Juni 2013

    Meine Beiträge bei Juli Zeh II

    Liebe Juli Zeh,

    vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Ich wusste nicht, ob es nicht vielleicht, für Sie kurz vor Frankfurt – wofür ich Ihnen ein aufmerksames Publikum wünsche! –, unangebracht ist, einen weiteren langen Text einzustellen. Aber Sie können ja selbst entscheiden, ob und inwieweit Sie antworten wollen.

    Ich denke, wir können uns über viele Dinge einigen, weil die Differenzen marginal sind. Bei zwei Punkten sehe ich jedoch ehebliche Unterschiede – was gut für eine Diskussion ist, denn über dieselbe Auffassung lässt sich schwerlich diskutieren.

    Ich hatte die durchaus provokanten Fragen eingangs gestellt, um zu zeigen, dass wir ganz viel, was im Bereich des Marketings angesiedelt wird, akzeptieren, und manches, vor allem Neues eher nicht. Radikal Neues bringt mit sich, dass die Kriterien fehlen, nach denen man es bewerten und einordnen kann. Deswegen hat es diese Neue mitunter schwer. Der Rest meines Beitrags galt dann vor allem der Darstellung, warum ich in keiner Weise Marketing gemacht habe. Wir haben im Einzelnen differierende Auffassungen, vor allem, was meinen Stalker angeht, weil ich der Meinung bin, dass die Freiheit des einen aufhört, wo die des anderen anfängt (darüber könnte man schon ewig reden). Einem Stalker geht es nicht darum, etwas aufzudecken, die Wahrheit ans Licht zu bringen oder einen Autor zu diffamieren, obwohl meiner das unablässig, wie Sie bemerkt haben, tut. Ein Stalker will einen anderen als Menschen zerstören. Und meiner garniert das immer noch mit den Bemerkungen, dass er mir ja nichts Böses will: unter der Maske des guten Menschen lassen sich nahezu alle Boshaftigkeiten begehen. Wenn Sie mal einen haben sollten, werden Sie, vermute ich, umstandslos zu meiner Auffassung wechseln.

    Wir sind vollkommen einer Meinung, dass das Marktgeschehen unberechenbar ist: heute mehr denn je. Gut für die, die oben stehen, schlecht für die 99,99 % der anderen (nur am Rande, Sie überlesen das bitte in aller Großzügigkeit: Ihnen ermöglicht es das Schreiben, mir macht es das schwer, wenn nicht unmöglich). Weil ich das weiß – vor allem aber aus inhaltlichen Gründen – habe ich mit meinem Projekt kein Marketing gemacht. Noch einmal: die Menge an Arbeit spricht eindeutig dagegen. Ich habe ein, wahrscheinlich ziemlich einzigartiges literarischen Projekt – wenn Sie so wollen, eine Poetik – um dessentwillen ich so agiert habe; nicht von Anfang an, sondern das Projekt ist sozusagen dabei entstanden, es hat seine ihm eigene Poetik erst erzeugt. Wenn diese Assoziation, dieser Verdacht des Marketings (der liegt nahe: Rumänien, also Migration, jung, gutaussehend, klug (als seien sonst nur Männer klug und die kluge Frau die Ausnahme!) und schlagfertig) aufkommt, dann liegt das nur bedingt an mir. Es liegt daran, dass heute jedermann denkt, dass alles Marketing sei. Aber über meine Motivation wissen die Leute nichts und ihre Vermutungen sagen dann weit mehr über sie selbst als über mich: nämlich aus welchen Gründen sie dieses tun würden.

    Jetzt zu den wichtigeren Dingen: der Poetik. mir erscheint manches, was Sie sagen, einsichtig- aber ich habe dennoch eine andere Position. Ich kenne diesen „Fiktionsvertrag“ zwischen Leser und Autor, der in etwa lautet: zwischen den Buchdeckeln ist es „fiktional“, davor und dahinter ist es „echt“. Aber erstens leben wir im 21. Jahrhundert. Etwas provokant formuliert: die Buchdeckel wird es nicht mehr lange geben; etwas weniger provokant: wir leben in einer Zeit der neuen Medien. Wir nutzen die neuen Medien – nicht aus Marketingzwecken – und wir experimentieren damit. Ich tue das. Ich habe das getan, um eine authentische Figur in einem Blog zu zeigen, sie dort vom Entstehen von „Aléas Ich“ berichten zu lassen und sie dann in diesem Roman als vollkommen inauthentisch untergehen zu lassen. Ich lasse also ein und dieselbe Sache in zwei unterschiedlichen Perspektiven, sagen wir: kollidieren. Weil ich wissen will, was dann passiert. Oder weil ich diese Begriffe verstehen will. Weil ich damit arbeiten will. Weil es mich interessiert, was diese Begriffe wert sind: von daher ist mir diese Auseinandersetzung hier willkommen.

    Aber ich plädiere nicht für eine „totale Aufhebung der Grenzen zwischen Kunst und Realität“, ich habe ein literarisches Spiel gespielt, oder inszeniert, um den Finger auf solche Dinge zu legen und ich habe mehr oder weniger deutlich gesagt – wobei das natürlich auf den Rezipienten ankommt, was deutlich ist -, dass ich ein literarisches Blog führe, also Literatur mache. Um mein Blog waren keine Buchdeckel drumgewickelt:  weil das technisch nicht machbar war!

    Ich habe ein literarisches Projekt, das weit über das hinausgeht, was in zwischen zwei Buchdeckel passt, sich also mit dem angesprochenen Fiktionalitätsvertrag gar nicht fassen lässt: In »Aléas Ich« kommt Aléa Torik, eine junge Frau aus Rumänien die in Bukarest bei Mircea Cărtărescu Literaturwissenschaft studiert hat, nach Berlin und promoviert an der Humboldt-Universität bei Joseph Vogl zum Thema Fiktionalität. Sie führt ein literarisches Bog im Netz, hat einen Roman geschrieben und arbeitet an ihrem zweiten. Scheinbar eine Autobiografie, thematisiert »Aléas Ich« die Vergangenheit in Siebenbürgen und Bukarest ebenso wie die Gegenwart in Berlin. Aléa erzählt von einem penetranten Verfolger, der ihr offenbar nie von der Seite weicht, einem obsessiven Verehrer ihrer Mitbewohnerin Olga und vor allem von ihrem Wunsch, Schriftstellerin zu sein. Das Schreiben tritt langsam immer deutlicher als das allumfassende Thema in den Vordergrund. Der Leser begreift, dass er nicht etwa ihrem authentischen Leben zusieht, sondern vielmehr dem Entstehen eben jenes Romans an dem sie arbeitet und der »Aléas Ich« heißen wird. Aléa Torik beschreibt sich selbst als einen Roman schreibend, vielmehr als einen Stoff er-lebend und sich selbst be-lebend. In dem Maße wie sie als Figur sich selbst in Frage stellt, in diesem Maße gewinnt sie als Autorin an Format und an Glaubwürdigkeit. Wir haben es hier also mit zwei einander ausschließenden Prinzipen zu tun und Aléa Torik stellt entweder ihr Vorgehen in Frage oder das Ergebnis.

    Es geht darum, was geschieht, wenn eine Person – Schriftstellerin oder Bordellbesitzerin – „Ich“ sagt. Wenn eine Person – weiblich oder männlich – anfängt, sich und seine Welt zu gestalten, auszuformen, mit Gegenständen und Vorstellungen – moralischer und unmoralischer Natur – zu füllen und ein Mensch anfängt, sich in der Auseinandersetzung mit anderen zu formen. Eine Figur namens Aléa Torik, die bereits eine Geschichte zu haben scheint, sie aber in Wirklichkeit erst im Verlauf dieses Romans bekommt: indem sie sie erzählt. Denn das ist es, was Schriftsteller machen. DAS ist die Realität des Textes. Und das Ich-sagen einer Schriftstellerin ist in ganz besonderer Weise interessant, weil wir da dem Entstehen einer fiktionalen Figur zusehen können. Aléa Torik ist nicht vorher da, sondern entsteht in der Erzählung, in dem Roman, den sie da schreibt. Da in der Kurzfassung  zu meiner Poetik, die ich auch sehr weiträumig würde entfalten können (falls sie in Frankfurt jemand fragt, ob Ihnen ein Nachfolger einfällt, dann denken Sie bitte an mich).

    Nächster Punkt: ich bezweifle, dass es möglich ist, konsistent (!) zwischen „fiktional – fiktiv“ und „echt“ zu differenzieren. Der Richter, der jemanden für eine Straftat verurteilt, geht von der Fiktion aus, dass dieser gleichermaßen frei war, sie zu begehen oder zu unterlassen. Die Frage nach der absoluten menschlichen Freiheit spielt dabei keine Rolle. Ihre Frage nach Wolfgang Herrndorf zeigt das im Grunde auch: „Ich glaube nicht“, schreiben Sie, „dass man einfach sagen kann, eine erfundene Krankheit ist eine Lüge“. Und diese Unterscheidung ist auch nicht sinnvoll, weil es für Sie und mich vollkommen gleichgültig ist ob er krank ist oder das simuliert: denn wir lesen lediglich seine Texte. Und das sind die Texte eines Kranken. Ob er ‚wirklich‘ krank ist, ist meines Erachtens belanglos, außer ich bin mit ihm befreundet. Was immer ein Schriftsteller uns präsentiert, präsentiert er uns im Modus ‚Text‘. Ebenso ist es gleichgültig, ob Sie die Deutsche Juli Zeh sind oder die Chinesin Ju Li Tse oder ein komisches Mädchen mit roten Haaren oder meine Großmutter. Alles, was ich von Ihnen bekomme, sind Worte.

    Glauben Sie wirklich, dass, nur weil mein Ich für Sie nicht weiter greifbar ist und Sie keine biografischen Daten von mir kennen und kein Bildchen haben, dass kein ‚Ich‘ dahintersteht und mein ‚Ich‘, auch wenn es mit Fiktionen garniert ist, kein authentisches ‚Ich‘ ist? Es ist nur meine Biografie erfunden, alles andere ist, ich vermeide das Wort echt und lasse hier eine Leerstelle. Hat der Leser ein Recht auf einen authentischen Autor? Oder gilt, was Aléa im Roman über sich – oder Juli Zeh – sagt: »Wir Schriftsteller leisten uns mehrere Lebenswege, weil bei uns alles übereinander liegt und nicht nacheinander« (AI, 269).

    Man muss im Netz nicht nur damit rechnen, einer ‚gefälschten‘ Identität zu begegnen, das wäre trivial, sondern man muss verstehen, dass wir, wir alle, im Netz selbst zu einer gefälschten Identität werden, weil wir gerade dort nicht zwischen echt und falsch unterschieden können. Und was die Authentizität angeht, lasse ich jemand anderen sprechen: „Eine der wirkungsvollsten Masken ist, wie erwähnt, die Maske der authentischen Hüllenlosigkeit und Maskenfreiheit; diese Maske prätendiert, das selbsteste Selbst und den andersten Anderen zu zeigen. Im kommunikativen Text ist das die Geste, die behauptet, Autor und Leser im Text seien ‚Menschen‘, gar ‚Menschen wie du und ich‘. Wer aber als unermüdlicher aufklärerischer Demaskierer die Textfunktionsposition von Selbst und Anderem stets auf die ‚Menschen‘ hinter dem Text reduzieren möchte, der erweist sich nicht nur als Metaphysiker, sondern auch als rücksichtslos hinsichtlich der Schutzfunktion der textuellen Masken.“,( Kurt Röttgers, Demaskierungen, in: Masken, Hrsg: Kurt Röttgers und Monika Schmitz-Emans, Seite 89.)

    Mein Kompliment übrigens für die Qualität vieler Beiträge hier! Das geht also nicht an Sie, sondern an die anderen!

    Herzlich

    Aléa Torik (eben jene Aléa Torik, die ein radikal modernes Phänomen ist, existiert sie doch nur im Netz!)

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    10 Juni 2013

    Meine Beiträge bei Juli Zeh I

    Sehr geehrte Juli Zeh,

    Sie fragen, ob ein Autor seine Identität inszenieren „darf“, um seine Bücher „an den Mann“ zu bringen? Das ist eine interessante Frage. Ich habe auch ein paar interessante Fragen, die so ähnlich sind: Darf ein Verlag Werbung für ein Buch machen, weil die Rezensionen nicht so ausfallen wie man sich das vorstellt? Darf ein Autor einen Facebook Eintrag führen – in Ihrem Fall sogar eine Fan-Seite, bei der ich mir nicht sicher sein kann, ob Sie das wirklich sind, die mit ‚Ja‘ antwortet, wenn ich frage, ob Sie es wirklich sind; oder ob es nicht doch die Marketing-Frau ihres Verlages ist -, um Leser an sich zu binden? Darf ein Mensch, nachdem er entdeckt hat, dass eine Person offenbar/anscheinend/möglicherweise nicht mit sich identisch ist, diese Person outen? Darf er dann aberduzende Einträge in seinem Blog machen, um einen Skandal zu verursachen, obwohl diejenige Person ihn vielfach auf den fiktionalen Charakter ihres Literaturprojektes aufmerksam gemacht hat? Darf ein Kerl, weil er eine Frau nicht abkriegt und die Frau nicht so ist wie er sich das vorstellt – mit rein literarischen Arsch und Busen – versuchen, diese ‚Person‘ in Interviews und Blogeinträgen zu skandalisieren. Darf er sich als Betrogener inszenieren, der emotional – und möglicherweise intellektuell – nicht in der Lage ist, zwischen Autorenich und faktischem Ich zu unterscheiden? Der Blogger, den Sie da verlinken, der fühlte sich nicht als Leser nicht ernstgenommen, der fühlte sich vielmehr als Mann nicht ernstgenommen. Der wollte eine begreif- und begrabschbare Autorin.

    Darf eine Frau sich schminken, um schöner zu sein als sie wirklich ist? Darf eine Frau einen Knopf ihres Dekolletés öffnen, um einen Mann ins Bett – oder in die Küche, in die Kirche – zu kriegen? Lauter interessante Fragen, die vor allem eins zeigen, dass, was man „darf“, gesellschaftlichen Konventionen gehorcht. Anders gefragt: wo hört das, was wir wirklich sind, auf und wo fängt das an, was wir scheinbar sind und was wir sein wollen und wo ist nun noch das, was wir wirklich nicht sind?

    Wer sagt, dass ich, was ich getan habe, getan habe, um meine Bücher „an den Mann“ zu bringen? Glauben Sie wirklich, ich hätte in einem Blog über vier Jahre lang, mit mehr als fünfhundert Artikel, die bis zu zehn Seiten lang sind – ich gehe ungefragt davon aus, dass Sie wissen, welche enorme Arbeit das Verfassen von Texten machen kann! – nichts ist als eine Marketingposse? Und warum nutze ich dann nicht den Weg, den Sie beispielsweise gehen: mir ein erratisch schönes Foto zuzulegen, um das, worum es einem Schriftsteller geht, seine Texte, besser zu verkaufen? Ich kann mich mit Photoshop schöner machen als ich wirklich bin und das ist sehr viel weniger Arbeit als einen Blog mit fünfhundert Artikeln, ich meine richtige Artikel, nicht so kleine hingerotzte Facebook- Einträge (ich beziehe das auf mich, nicht auf Sie!: ich habe mir hier Ihres Eintrages wegen einen solchen Account erst zugelegt), wo ich das Thema „Identität“ auf die vielfältigsten Weisen thematisiert habe.

    Wissen Sie, dass die Literaturförderpolitik vollkommen konservativ ist und man mit meinem schönen Namen ganz sicher keine Stipendien und keine Preise bekommt? Und dass das für eine Karriere sehr viel wichtiger ist, als die Frage ob ich sieben oder siebzehn Bücher verkaufe, denn nur mit Unterstützung des Literaturbetriebs kann man im Literaturbetrieb etwas werden. Wenn es überhaupt irgendetwas in dieser Richtung war, das mich hat tun lassen, was ich getan habe, dann war es Antimarketing, denn ohne verifizierbare Autobiografie auch keine Anerkennung, keine Preise, kein Geld etc.

    Wenn mich ein Skandal interessiert, dann der, dass das, was wir tun, das Schreiben von fiktionalen Texten, nichts als Erfinden ist: es ist Lug und Trug und Täuschung. Wenn dieser Skandal endlich einmal einer werden würde, dann müssten wir uns nicht dauernd fragen, ob dieses oder jenes Verhalten legitim ist, sondern hätten die Antwort schon: Nein, es ist nicht legitim! Was Kierkegaard getan hat, ist nicht legitim: sich ein dutzend Pseudonyme zu suchen, unter denen er sein ästhetisches Werk geschrieben hat. Was Fernando Pessoa getan hat ist ebenfalls nicht legitim, sich Heteronyme, Semiheteronyme und sogar ein Orthonym zu erschaffen, all diesen Heteronymen individuelle Lebensgeschichten anzudichten und sie dann auch noch miteinander kommunizieren zu lassen. Alles nicht legitim. Nur eben, beinahe muss man hinzufügen, bedauerlicherweise: grandiose Literatur. Und was Sie tun, ist auch nicht legitim: Sie denken sich bloß irgendwelche Geschichten aus, die nicht wahr sind. Statt richtig arbeiten zu gehen (Sie dürfen hier ein Lächeln über mein Gesicht huschen sehen und ich hoffentlich auch über das Ihre)!

    Es ist dann nicht legitim, wenn wir rationale Kriterien anwenden. Aber das tun wir nicht, sondern wir machen Kunst. Und Kunst funktioniert nach eigenen Regeln. Nach solchen der Ästhetik und nach denen, die sie sich selbst gibt. Kunst macht das, was man machen kann: Das ist keine Frage der Legitimität, sondern eine Frage der Möglichkeit. Kunst ist immer ein wenig skandalös, aber das heißt nicht, dass sie es um des Skandals willens gemacht worden ist. Das skandalöse ist, dass sie nicht nach rationalen Kriterien funktioniert. Das war so beim Surrealismus, beim Dadaismus, beim Futurismus. Ganz viel von dem, was wir heute als Kunst bezeichnen, war zu der Zeit, als es entstanden ist, vor allem Skandal. Zieht man das Skandalon ab, bleibt sozusagen der Kunstwert übrig.

    Was ist überhaupt Authentizität? Und warum hat das in der Literatur nichts zu suchen? Wenn der Text authentisch ist, dann ist meines Erachtens die Sache legitim, denn in der Literatur geht es um Texte, nicht darum, ob der Autor als im Text identifizierbar verstanden werden kann. Und um das in meinem Fall bewerten zu können, müsste man mindestens „Aléas Ich“ lesen: Hier eine Kurzfassung: http://www.aleatorik.eu/2013/04/26/worum-geht-es-in-%E2%80%9Ealeas-ich/

    Es mag möglicherweise dann nicht legitim erscheinen, wenn man ein Literaturverständnis hat, das nach hermeneutischen Kriterien funktioniert, das also in erster Linie identitätslogisch vorgeht und in diesem Sinn einen Autor konstruieren will, der im Zentrum seines Textes steht und der von ihm her zu interpretieren und zu verstehen ist: einen authentischen Autor. Dass ich mit dieser Form von Literaturverständnis wenig anfangen kann, habe ich in meinem Blog in den vergangenen Jahren vielfach betont und auch gezeigt. Ich habe ein sehr viel moderneres Verständnis von Literatur, das ich hier nicht in allen seinen Dimensionen ausführen kann, das aber jedenfalls den Autor als eine nicht sonderlich interessante Größe ausklammert. Der Autor ist für einen Text uninteressant, es sind lediglich seine narzisstischen Eitelkeiten, die ihn etwas anderes annehmen lassen: jeder gute Text übersteigt seinen Autor. Und wenn – beispielsweise – Juli Zeh einen tollen Roman geschrieben hat, dann mag die Autorin am Ende sehr zufrieden mit sich und ihrer Leistung sein (ich bin‘s in so einer Situation auch). Aber der Text ist nicht so toll, weil Juli Zeh so toll schreiben kann, sondern weil es Leute gibt, die den Text toll finden! Der Autor ist nur eine belanglose Durchgangsstation für Worte.

    Nicht Sie, Frau Zeh, sind toll, sondern die anderen, sie Sie toll finden! Sie selbst sind nichts anderes als jemand, der in seiner Freizeit Romane schreibt: Sie mögen das mit Leidenschaft tun, Sie mögen das sogar als das Zentrum ihres Lebens betrachten, gar von einem Sendungsbewusstsein getrieben werden: Aber das macht noch keine tollen Text. Selbst Ihre Fähigkeiten, Worte und Sätze und Metaphern und Ideen und Textbausteine nach einem als literarisch geltenden Muster zu arrangieren, reicht nicht aus, um einen tollen Text zu schreiben. Ein Text muss vielmehr etwas können, was Sie niemals herbeizwingen können und was sie ihm nicht andichten können: er muss glücken!

    Ich weiß, das tut weh. Aber Sie und ich: wir sind hier nicht auf einer therapeutischen Couch, sondern wir produzieren Texte. Nichts als Texte. Und die bedürfen des Lesers und dessen Auslegung. Der Autor selbst ist uninteressant. Der eine hat Glück mit seinen Lesern und dem Literaturbetrieb, die meisten haben dieses Glück nicht. Die meisten Texte fallen niemandem auf und die Texte, die auffallen, wären vielleicht, wären sie jemand anderem aufgefallen, sang- und klanglos untergegangen. Dass einer berühmt wird -vielmehr seine Texte -, hängt an vielen Zufällen. Es hängt auch am Text. Aber kaum am Autor. Ein Text ist nicht objektiv gut, sondern er hat gute Leser. In diesem Sinne ist in „Aléas Ich“ zu lesen: „Jemand ist ja nicht durch sich und seine Taten berühmt, sondern durch die anderen, die diese Taten loben. Unbemerkt sind auch die größten Taten verschwindend gering. Durch das Lob aber verändern sie sich, sie hören auf, die des Gelobten zu sein, und gehen in den Besitz des Lobenden über. So haben beide etwas davon. Auch wenn der Berühmte es aufgrund seiner eigenen Leistungen ist: Berühmt gemacht haben ihn andere.“ (AI, 239)

    Das ist alles wirklich nicht legitim. Aber ich mach‘s trotzdem so.

    Ich könnte noch stundenlang weiterschreiben!

    Herzliche Grüße

    Frau (!) Aléa Torik

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    08 Juni 2013

    Eine Diskussion über „Aléa Torik“ bei Juli Zeh

    Ich dachte schon der vielgescholtene Literaturbetrieb, der ja nicht mehr und nicht weniger ist als die Menge seiner Aktanten, mit einigen allerdings aus dem allgemeinen Agieren herausragenden Personen; ich dachte schon der Literaturbetrieb bekommt mal wieder gar nichts mit und freut sich, wenn man tot ist, dann muss er nicht mehr diese ermüdend langen Romane lesen, die einer und eine schreibt, sondern kann in aller Ruhe das ganze Zeug archivieren, die Sargdeckel schließen und kurze, knackige Totenreden halten.

    Obwohl die Rezension im Tagesspiegel ja zugegeben auch ein Lebenszeichen ist. Ich mache hiermit auf eine Diskussion bei der Schriftstellerin Juli Zeh aufmerksam, die sich und ihre Leser fragt, ob das, was ich hier gemacht habe, auch wenn sie nur teilweise weiß, was das ist, weil sie ja hier nicht seit Jahr und Tag dabei ist, eigentlich „erlaubt“ ist, ob man das „darf“. In ihrem Facebookeintrag  findet seit einigen Tagen eine ausgesprochen hochwertige Diskussion statt, in der die Begriffe genannt werden, um die es in einer solchen Diskussion gehen muss und die – Achtung: Fiktionssignal! – auch die Themen meiner Dissertation sind: „Identität, Authentizität und Illusion – Zur Theorie der Fiktionalität“. Ich habe mich dort eingemischt.

    Ich glaube nicht, dass man bei Facebook Permalinks setzen kann, die verschiedenen Artikel – Postings – beginnen mit den Worten

    1) am 4. Juni: „Und über die soeben gepostete We-read-Indie-Seite bin ich gerade auf die Causa “Alea Torik” gestoßen“

    2) am 7. Juni: „Liebe Aléa Torik,  danke, dass Sie sich hier einschalten,“

    3) ebenfalls am 7. Juni „Nein, ich kann’s nicht lassen. Noch eine Frage, auf die Gefahr hin,“

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    04 Juni 2013

    „Aléas Ich“: Heute im Tagesspiegel

    „Mărginime ist im Roman ein (Alb-)Traum-Ort, an dem jener Sehnsuchtsfluss entspringt, der Aléa zuerst nach Bukarest, dann nach Berlin spülte – verfolgt von Doppelgängern und Beobachtern, die halb Spitzel, halb Dämonen ihres Unbewussten sind. Sie treiben sie von Seite zu Seite schneller auf jenen magischen Punkt zu, „wo die Welt sich verknotet, verdichtet und vielleicht verliert“. Immer öfter reißt in der zweiten, Romanhälfte die Erzähloberfläche auf, unter der sich aber nichts als Chaos und Verzweiflung zeigen“

    Die nicht erzählten Geschichten, die Dämonen des Unbewussten, das Dunkle des Textes und das Unenthüllte der Vergangenheit Aléas, das sind die Dinge, die am Bodensatz dieses Romans zu finden sind. Und die vielleicht auch der Grund für das Erfinden sind, für Olga, die mitunter beinahe Züge von Boshaftigkeit hat. Hier die Rezension von Nicole Henneberg.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.