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  • bersarin: Literarisches Bloggen, liebe Aléa Torik, funktioniert durchaus. Freilich nur bei den wenigsten. Das meiste, was geschrieben wird, stammt aus dem Klein-Klein der Halbgarküchen, ist Poesiealbumsprosa von Minderleistern, Befindlichkeitsscheiße ohne Form. Ich schreibe dahingehend und als...
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  • Aléa Torik: Lieber holio, Sie haben recht, die Politik lassen wir hier außen vor. Richtig glücklich bin ja auch nicht mit dem Etikett der Postmoderne. Aber irgendwie müssen wir es ja benennen. Sagen wir Transmoderne. Die wesentliche Information ist allerdings angekommen, schon lange: dass Sie...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • Archiv vom Juli, 2012

    31 Juli 2012

    Keine eckige, sondern eine runde Vermittlungsleistung

    Auch wenn bei Fernando Pessoa, wie Bersarin betont, zu viel Innerlichkeit vorhanden ist, zu wenig Außen, zu wenig Vermittlung zwischen den beiden Extremen, denn Innen und Außen sind Extreme, weil in Wirklichkeit nichts vollständig Innen oder nichts vollständig Außen ist; auch wenn bei Pessoa ein geradezu unzulässiges Übergewicht des Innen über das Außen zu finden ist, ist er doch einer der Großen, der tiefe Erkenntnisse hatte und sie auch entsprechend tief zu formulieren wusste.

    Den Preis für die mangelnde Vermittlung zwischen Innen- und Außenwelt – was man gemeinhin so als Wirklichkeit bezeichnet: die Welt mit ihren Ansprüchen an uns und unseren an sie -, den er hat entrichten müssen mit einer wohl auch gewollten Belanglosigkeit seiner alltäglichen Existenz und, höher noch, mit einer furchtbaren psychischen Konstitution. Aber das sage ich als Außenstehende. Vielleicht war auch etwas Glück dabei. Diese Vermittlungsleistung zwischen Innen und Außen, die man immer wieder erbringen muss, jeden Moment seines Lebens, ist vielleicht gar keine dialektische, keine, die sich zwischen These, Antithese und Synthese vollzieht, sie ist, mit einem Wort, keine eckige, sondern eine runde Vermittlungsleistung, vielmehr die Verbindung zwischen dem eckigen und dem runden, in Form der Spirale:

    „Die meisten Leute kranken daran, daß sie nicht aussagen können, was sie sehen und was sie denken. Man behauptet, es sei nichts schwieriger als eine Spirale in Worten zu definieren: Man muß dazu, sagt man, in der Luft mit der literaturlosen Hand eine ansteigend geordnete, eingerollte Gebärde vollführen, dank welcher sich diese abstrakte Figur der Sprungfedern oder mancher Treppen den Augen darstellt. Doch sobald wir uns daran erinnern, daß Reden erneuern heißt, können wir eine Spirale ohne Mühe definieren: es ist ein Kreis, der aufsteigt, ohne je imstande zu sein, sich zu schließen. Die meisten Leute, ich weiß es wohl, würden es nicht wagen, auf diese Weise zu definieren, weil sie annehmen, daß definieren das aussagen heißt, was die anderen hören möchten, und nicht das, was man sagen sollte, um zu definieren. Besser gesagt: eine Spirale ist ein virtueller Kreis, der sich aufsteigend entfaltet, ohne je zu seiner Verwirklichung zu gelangen. Aber nein, diese Definition ist ebenfalls noch abstrakt: ich werde eine konkrete Formulierung suchen und alles wird klar sein: eine Spirale ist eine Kobra, die sich vertikal nicht einrollt.“

    Fernando Pessoa, Livro do Desassossego – Das Buch der Unruhe, Fragment 517, Amman Verlag, Zürich, 1989, Seite 292.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    28 Juli 2012

    „Was ich erlebte, habe ich wirklich erlebt“

    Franz Werfel, Stern der Ungeborenen I

    Das war ein geradezu furioses Leseerlebnis! Ich war kurz davor, den Roman als einigermaßen interessant wieder wegzulegen, weil ich andere Bücher hier herumliegen habe, die ich – von außen betrachtet, vom Hörensagen, von einer allgemeinen Ahnung her, die noch trügerischer sein kann als das Wissen – als außerordendlich interessant einschätze. Die vielen Beschreibungen haben auf mich zu Beginn etwas ermüdend gewirkt, dann aber hat die Dichte des Textes zugenommen und ich habe mich an die Gangart Werfels gewöhnt. Der Autor wird, wie ich meine, mit fortscheitendem Text immer besser und es gelingt ihm zunehmend, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Es hat mich gepackt und bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen. An dieser Stelle ging‘s los:

    „Der eilige Leser pflegt in einem handlungsreichen Roman sehr oft die schönen Landschaftsbeschreibungen und Wohnungsschilderungen zu überschlagen, welche der Autor ja weniger ihm, als seiner eigenen pedantischen Ehrlichkeit zuliebe über das richtige Maß ausdehnt. Wie kühn hingegen behandeln die großen Dramatiker der Vergangenheit das Problem der Beschreibung, der Bühnenanweisung, Calderón, Lope de Vega, Shakespeare schreiben einfach hin:
    ‚Nacht, Burghof‘ und wenn es sich bei letzterem um ‚Macbeth‘ handelt, muss der Dichter gar nicht erst hinzufügen ‚Wolkenzerissener Himmel, Wind. Ein Käuzchen klagt‘. In den beiden Worten ‚Nacht. Burghof‘ ist da alles vorhanden, und noch manches dazu. Jedes Wort mehr würde des Dichters Größe vermindern. Mit dem Reiseschriftsteller freilich, den ich hier vorzustellen berufen bin, muss man schon einige Nachsicht haben. Nicht Handlung, Verwicklung, Intrige und Lösung des Konflikts sind sein Hauptgeschäft, sondern, schrecklich zu sagen, Beschreiben und immer wieder Beschreiben.“

    Stern der Ungeborenen – Ein gut siebenhundert Seiten langer Zukunftsroman. Vielmehr kein Roman, sondern ein Reisebericht. Kein Sciencefiction, um Sciene geht es nicht, und beinahe geht es nicht einmal um Fiction. Franz Werfel spricht von sich selbst, mit seinen eigenen konkreten Lebensdaten und –umständen: „Ich hätte es aus angeborener Unlust, in Schwierigkeiten zu geraten, lieber vermieden, auf diesen Blättern ich selbst zu sein, aber es war nicht nur der natürliche, sondern der einzige Weg, und ich konnte leider keinen ‚Er‘ finden, der mir zulänglicher Weise die Last des ‚Ich‘ abgenommen hätte.“ Es wird einiges getan, um vom fiktionalen Charakter des Werks abzusehen. Deswegen darf man, auch wenn das hier nicht ganz verständlich sein mag, fragen, ob es dann ein fiktionales Werk ist. Denn, so kann man annehmen, zu einem fiktionalen Werk gehört die Absicht, ein solches zu schaffen. Und so, als Folge daraus, hat Werfel meines Erachtens ganz richtig behauptet: „Was ich erlebte, habe ich wirklich erlebt. Ich bin gerne bereit, mit jedem philosophisch gewandten Leser eine ehrliche Diskussion  über dieses Wörtchen ‚wirklich‘ abzuführen, und ich maße mir an, auf jeden Fall recht zu behalten.“ Oder aber die Wirklichkeit von der hier die Rede ist, ist keine, die in einem Gegensatz zur Fiktionalität steht. Ich werde das an einem anderen Ort thematisieren und zu einer anderen Zeit.

    Der Planet Erde, in uchronischer Zukunft: etwa 100.000 Jahre nach des Autors eigenem, angenommenem und prognostiziertem Tod. Er, Franz Werfel, der hier F. W. heißt, wird von seinem Freund B. H. wie es heißt, aus dem „Alphabet gestochen“: Er wird von den Toten erweckt. Er bleibt drei Tage, erlebt eine fundamentale Krise der astromentalen Menschheit und bekommt durch Zufall eine Passage zurück in seine damalige Gegenwart, vor seinem Tod, sodass er dies alles notieren und berichten kann. Diese einhunderttausend Jahre – diese drei Tage im „Elften Weltengroßjahr der Jungfrau“ – sind eine Zeitspanne, da sich einiges geändert hat gegenüber der Gegenwart Werfels; oder der unsrigen, das ist nahezu einerlei, Mittelalter oder frühe Neuzeit wird alles wird unterschiedslos als die „Anfänge der Menschheit“ bezeichnet. Es ändert sich in den kommenden hunderttausend Jahren nahezu alles, darauf können Sie sich schon mal einstellen.

    Alle Technik, alle Mechanik ist abgeschafft, vor allem das Rad. Die astromentale Menschheit wird nicht mehr krank, aber sehr alt, man stirbt auch nicht mehr, sondern geht, wenn es soweit ist, aus freien Stücken in den ‘Wintergarten’. Man sieht bis zuletzt jung aus. Die Menschheit ist sehr ausgedünnt, spricht nur noch eine einzige Sprache, die Monolingua, und lebt in Städten unter der Erde. Die Menschen tragen in der Öffentlichkeit Schleiergewänder, zu Hause sind meist nackt, aber man sieht es nicht, weil das Licht sie verhüllt, es macht sie unscharf. Viele Tierarten sind ausgestorben, andere haben sich weiterentwickelt, die Hunde plappern sich ein kindisches Zeug zusammen. Es gibt niemanden mehr, der Arbeit hat. Vielmehr gibt es nur noch einen Arbeiter, der für alle arbeitet. Es gibt für vieles eine Art Generalisierung: der Arbeiter des Zeitalters, der Jude des Zeitalters etc. Der Arbeiter stellt die Dinge auch nicht persönlich her, er lebt in einem Park, wo es eine Art Brunnen gibt, in welchen sich die Dinge, die die Menschen brauchen, materialisieren, die Kraft der Sterne wird angezapft. Das Leben ist entspannter, aber auch langweiliger. Der Planet ist runder als früher, er hat keine Vertiefungen und keine Erhebungen mehr, auch keine richtigen Landschaften, die Umwelt ist zu einem grauen Brei geworden. Außerdem ist die gebrochene Linie beim Menschen verpönt, es wird nur die gerade Linie geschätzt. Und das bedeutet: Stehen oder Liegen. Sitzen ist unfein. Die Menschen bewegen sich – und in diesem einen Sinne wäre das genau mein Zeitalter, der ich mich ja nicht gerne bewege, jedenfalls nicht mit Gerätschaften, die schneller sind als mein Rad – nicht mehr auf das Ziel zu, sondern sie bewegen das Ziel auf sich zu!

    In den drei Tages seines Aufenthaltes durchläuft F. W. alle wichtigen Stationen dieser Welt. Am Ende kehrt er zurück in sein eigenes Zeitalter. Wiederholt wurden Vergleiche angestellt, die, wiewohl Werfels Gegenwart die des Zweiten Weltkrieges war, die Flucht aus Österreich über Frankreich nach Amerika, immer deutlicher zu Ungunsten der Zukunft ausfallen. Obwohl die letzten Worte des Bischofs auch wieder versöhnlich gedeutet werden könnten, dass der Mensch sich im Laufe der Jahrtausende nicht nur von Gott entfernt, sondern sich auch wieder auf ihn und den Anfang zurückbiegt: letztlich kann der Mensch wohl nur in seinem Zeitalter leben. Und letztlich kann der Mensch nur leben, weil an seinem Ende, unvorhergesehen und doch gewusst, unerwartet und immer befürchtet, weil am Ende überraschend der Tod kommt. Alles andere wäre kein Leben. Das was die astromentalen Menschen statt des Todes anzubieten haben, das ist – auch wenn es freiwillig geschieht, vielleicht sogar, weil es freiwillig geschieht – eine Zumutung, die weit größer ist als der Tod. Der Tod, der ebenfalls eine Zumutung ist, solange er noch bevorsteht. Aber er ist auch ein Ende, eine Erlösung vom Leben, das ja bisweilen auch eine Zumutung ist. Und manchmal einfach grandios. Nicht zu steigern.

    Kurz nach dem Abschluss des Romans war Franz Werfel tot. Stern der Ungeborenen war der Abschluss seines Schriftstellerlebens, sein opus magnum. Ich kenne Die vierzig Tage des Musa Dagh , aber das hier ist eine andere Gewichtsklasse. Werfel hat einen Roman in den Ring geworfen, der wirklich groß ist, großartig. Ein so ein Ding im Leben! Ein so ein Werk und alle Mühe hätte sich gelohnt: dieser lebenslange Anlauf für einen einzigen Sprung, den man dann vielleicht gar nicht mehr hat, der nicht gelingt oder der schon vor langer Zeit misslungen ist. Auch das Schreiben ist eine Zumutung. Eine beschissene Zumutung und manchmal grandios. Nicht zu steigern.

    Fortsetzung folgt.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    23 Juli 2012

    Weil uns eine App das abnimmt

    Als Steve Jobs, der erste Mann von Apple, gestorben war, stand in einem der unzähligen Nachrufe, dass die Welt heute anders aussähe, wenn Mr Jobs uns nicht all die kleinen Dinge gebracht hätte, die mit einem i anfangen, das iPhone vor allem, dieses Wunderwerk der Technik.

    Bisweilen ändert sich die Welt. Das hat sie getan, als sie sich von einer Scheibe in eine Kugel verwandelt hat. Sie hat sich durch die Rotation – das Drehen um sich selbst – und die Revolution – das Drehen um die Sonne – verändert. Sie hat sich mit dem aufrechten Gang des Menschen verändert, mit der Erfindung des Rads, der Entwicklung der Anästhesie und der Sequenzierung des menschlichen Genoms. Und offenbar hat sie sich auch mit der Erfindung des Smartphones verändert.

    Es ist ausgesprochen komfortabel, dieses kleine Gerät aus der Tasche zu ziehen und jemanden anzurufen oder eine SMS zu schreiben, bei Facebook oder Twitter etwas zu posten, sich im Netz zu informieren wann der Zug fährt, sich das Wetter zeigen, Musiktitel ansagen oder an Geburtstage erinnern zu lassen. Aber es nervt auch ein wenig, wenn alle dauernd auf ihr Display schauen, statt auf die Straße. Weil sie von ihrem Smartphone wissen wollen, wo sie gerade sind oder wie sie woandershin kommen. Oder einfach, weil sie meinen, im Netz sein zu müssen und sich ein Leben außerhalb gar nicht vorstellen können.

    Es ist komfortabel im Netz, weil man sich da kleine Applikation herunterladen kann, die einem das Leben leichter machen. Man kann mit Apps Kalorien zählen, auch wenn man davon nicht abnimmt. Man kann Vokabeltraining machen, auch wenn man es aus Zeitmangel nicht tut, seinen IQ testen, auch wenn man es aus Angst vor dem Ergebnis lässt. Man kann mit Hubble in den Weltraum, auch wenn man nicht weiß, was man da soll, sich Fragen zur Geschlechterdifferenz herunterladen, als könnte oder wollte man sie beantworten. Es tauchen immer neue Dinge auf, die das Gerät mit Hilfe einer App tun oder lassen, wissen oder vermeiden könnte. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass, bevor die dazugehörige App da war, die Sache selbst gar nicht existiert hat. Wie manche Krankheit mit der Möglichkeit, sie zu behandeln erst entsteht.

    Ein nicht geringer Teil der Zeit geht mit dem downloaden und upgraden von Apps dahin, mit dem formatieren und synchronisieren von Hard- und Software, mit einer allgemeinen Evaluierung der eigenen Wertigkeit, weil man sich auf den Anerkennungsskalen so weit oben wie möglich einzusortieren möchte. Wie sähe die Welt wohl aus, wenn Mr Jobs sie nicht verändert hätte? Vielleicht würde man sich in der U-Bahn noch ansehen, statt auf sein Display zu schauen. Ohne dass der andere es bemerkt, kann man das Gesicht des anvisierten Objekts von einer App scannen lassen, die einem Auskunft darüber gibt, wer er ist, welche Absichten er hegen könnte, welche charakterlichen Defizite und Vorteile er hat. Vielleicht würde man sein Gegenüber anlächeln, statt vor sich hin zu lächeln und vielleicht könnte man sich noch erinnern, ob man sich früher angeschaut, angelächelt und angesprochen hat. Sicher gibt es bald eine App wo man nachschauen kann wie das damals war. Zu einer Zeit, da mehr Menschen auf diesem Planeten leben als jemals gelebt haben, sind wir auch einsamer als je. Einsamer als wir wären, wenn niemand anderes da wäre.

    Mark Zuckerberg, der erste Mann von Facebook, hat, wie ich gerade erfahre, die Welt auch schon wieder verändert. Sollte ich selbst jemals in die Situation kommen, die Welt verändern zu können, dann würde ich es dahingehend tun, dass sie so bleibt wie sie ist. Das wäre die denkbar größte Veränderung. Und wahrscheinlich ein Skandal.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    19 Juli 2012

    „Je fortgeschrittener die Menschheit .. „

    „Je fortgeschrittener die Menschheit, um so später steht sie auf.“

    Franz Werfel, Stern der Ungeborenen, Frankfurt 1992, Seite 45.

    Das ist auch nicht besser als das vorhergehende. Die Menschheit schreitet fort und schläft dennoch. Es soll keiner glauben, er könne, indem er liegenbleibt, fortschreiten. Auch hier ist das so, dass die Menschheit an einem vorbeischreitet, während das Individuum alles verschläft.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    18 Juli 2012

    Der Kulturzustand einer Gesellschaft

    „Je höher der Kulturzustand einer Gesellschaft, je größer scheint die Tendenz zur Isolation zu sein.“

    Hans Rudolf Picard, Der Geist der Erzählung, Bern 1987, Seite 184.

    Woraus allerdings nicht geschlossen werden kann, dass, je isolierter und einsamer einer ist, er desto kultivierter auch sei. Das nun gerade nicht. Noch so viele Isolierte ergeben nämlich keine Gesellschaft. Die Gesellschaft fängt vielleicht sogar gerade erst da an, wo der Einzelne aufhört.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    17 Juli 2012

    One day baby, we’ll be old / Oh baby, we’ll be old / And think of all the stories that we could have told

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    14 Juli 2012

    Die Allmacht Gottes

    Es gehört schon einiges dazu, aus einem wunderschönen Monat, aus einem Sommer wie er im Buche steht – dreißig Grad, Sandstrand und Wellen, Meeresrauschen, schöne Musik und ein wolkenloser Himmel -; Es gehört schon einiges dazu, aus einem wunderschönen Juli so einen beschissenen November zu machen. Das kann nach meiner Auffassung nur einer auf der Welt. Nehmen wir das derzeitige Wetter also als einen Gottesbeweis. Und warum nicht? Warum sollte man nicht, wenn man schon Gott ist, den Menschen mal zeigen, was man alles kann? Wär ich Gott, ich würd‘s genauso machen! Vulkanausbrüche und Erdbeben, Weltkriege, Gemetzel und Seuchen, das Erlöschen der Sonne, das alles ist furchtbar primitiv und macht auch sehr viel humanoide Biomasse kaputt. Man hat da als Gott heute viel feinere Methoden, die Menschen Ehrfurcht zu lehren.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    09 Juli 2012

    “Wolken … ganz allein wirklich zwischen der nichtigen Erde und dem nicht existierenden Himmel …”

    Ein Freund hat heute die Verteidigung seiner Dissertation: Die Wolke als Dispositiv der Literatur. Zur Feier des Tages und des Ereignisses, einer der größten Dichter des vergangenen Jahrhunderts:

    „Wolken … Heute erlebe ich den Himmel mit Bewußtsein, es gibt nämlich Tage, an denen ich ihn nicht anschaue, sondern höchstens fühle, weil ich in der Stadt lebe und nicht in der Natur, die sie einschließt. Wolken … Sind heute für mich die Hauptsache der Wirklichkeit und beschäftigen mich so, als ob das Überwachen des Himmels eine der großen Sorgen meines Schicksals sei. Wolken … Sie ziehen von der Hafeneinfahrt hinüber zur  Burg, von Westen nach Osten, in zerstreutem, nacktem Tumult. Zuweilen erscheinen sie weiß, wenn sie zerfetzt die Vorhut von etwas Unbekanntem bilden; andere sind halbschwarz, wenn es länger dauert, bis sie der hörbare Wind hinwegfegt. Dunkel und schmutzigweiß sind sie, wenn sie bei ihrer Ankunft schwarz einfärben, was die Straßen an falschem Raum zwischen den Linien des Häusermeers öffnen.
    Wolken … Ich existiere, ohne daß ich es wüsste, und werde sterben, ohne daß ich es wollte. Ich bin der Zwischenraum zwischen dem, was ich bin und dem, was ich nicht bin,  zwischen dem, was ich träume und dem, was das Leben aus mir gemacht hat, der abstrakte und leibliche Mittelwert zwischen Dingen, die nichts sind, da ich ebenfalls nichts bin. Wolken … welche Unruhe, wenn ich fühle, welches Unbehagen, wenn ich denke, welche Nutzlosigkeit, wenn ich will! Wolken … sie ziehen immer vorbei, einige riesengroß und es sieht so aus, als nähmen sie den ganzen Himmel ein, weil die Häuser nicht erkennen lassen, ob sie wohl weniger groß sind als sie scheinen; andere von unbestimmter Größe, dabei können es zwei zusammen sein, oder auch eine, die sich in zwei aufteilt; Wolken … Sinnlos heben sie sich vom ermüdeten Himmel ab; wieder andere, kleine wirken wie Spielzeuge Mächtiger, wie unregelmäßige Kugeln eines absurden Spiels, nur nach der einen Seite hin stark isoliert und kalt.
    Wolken … Ich befrage mich und verkenne mich. Was ich getan habe, das war unnütz, und was ich tun werde, läßt sich nicht rechtfertigen. Ich habe den Teil des Lebens, den ich nicht verloren habe, vertan, indem ich auf wirre Weise ein Nichts ausdeutete, indem ich Verse in Prosa aus den unübertragbaren mache, mit denen ich mir das unbekannte Universum aneigne. Ich habe mich satt, objektiv gesehen und subjektiv. Ich habe alles satt und alles mit allem satt. Wolken … Sie sind alles, Verwüstungen der Höhe und heute ganz allein wirklich zwischen der nichtigen Erde und dem nicht existierenden Himmel; nicht zu beschreibende Fetzen des Überdrusses, den ich in sie hineinlege; zu Drohungen abwesender Farbe verdichteter Nebel; schmutzige Wattebäusche aus einem wandlosen Krankenhaus. Wolken … Sie sind wie ich, ein zerstörter Übergang zwischen Himmel und Erde, der einem unsichtbaren Antrieb nachfolgt, gewittrig oder auch nicht; ihr Weiß erfreut, ihr Schwarz verdunkelt, sie sind Fiktionen des Zwischenraums und der Wegabweichung, fern vom Getöse der Erde und doch ohne die Stille des Himmels. Wolken … sie ziehen noch immer vorbei, ziehen ständig vorbei und werden ständig vorbeiziehen; unstet rollen sie dunkle Gewebe aus und ein und bilden die weitschweifige Ausuferung eines falschen zerstörten Himmels.“

    Fernando Pessoa, Livro do Desassossego – Das Buch der Unruhe, Fragment 154, Amman Verlag, Zürich, 1989, Seite 87/88.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    07 Juli 2012

    Vom Nachteil des Lesens

    Der Nachteil des Lesens ist: Es kostet enorm viel Zeit. Für das Nichtlesen hingegen hat man immer Zeit. Man weiß gar nicht, wohin damit.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    04 Juli 2012

    «Das Geräusch des Werdens» – «Le bruit du devenir» – Roman sur la perception du monde

    Im Folgenden eine Besprechung meines Romans von Martine Rémon. Das ist in einem Newsletter des Goethe-Institutes erschienen, leider nicht online greifbar. So werden Verleger in Frankreich über Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt informiert. Der Weg in eine andere Kultur und Sprache ist ein langer und die wenigsten Schriftssteller_innen können und dürfen ihn gehen. Ich habe gestern die Erlaubnis der Autorin bekommen, das hier einzustellen und ich bedanke mich herzlich dafür!

    Das zu lesen ist wie Urlaub im Elsass, mit einem schönen, von einigen Wolken durchzogenen Himmel und der frischen französischen Luft. Abends sitzt man in einem Restaurant bei einem Glas Weißwein und schaut aus dem Fenster auf den Boulevard, wo es gerade zu regnen beginnt. Ich hoffe, Sie können sich das vorstellen!

    «C’est un grand jour pour Marijan. Une galerie berlinoise expose un choix de photographies qu’il a prises après qu’un inconnu lui a fait cadeau d’un appareil photo. Jusque-là rien d’extraordinaire, excepté que Marijan est aveugle. Il a perdu la vue à l’âge de treize ans suite à une attaque virale. Afin de lui donner le maximum de chances de se débrouiller dans la vie avec son handicap, sa mère vend la maison familiale située à Mărginime, un village des Carpates, en Roumanie, pour aller vivre à Berlin. Elle meurt accidentellement l’année des vingt ans de Marijan, et peu après le jeune homme fait la connaissance de Léonie. C’est elle qui a l’idée d’exposer les photographies. Invité à prononcer quelques mots d’introduction le jour du vernissage, Marijan évoque d’abord sa cécité puis son village natal.

    «Au début, quand je suis devenu aveugle, je n’arrivais pas à distinguer une belle journée d’un jour maussade. Je ne voulais pas que le soleil brille. Je voulais qu’une chose uniforme domine les changements continuels de temps. Le temps comme une constante, une pression atmosphérique non déterminée, une purée grise. Je me suis mis à aimer la pluie seulement des années plus tard, à Berlin. J’adore quand elle me réveille. Dans la nuit, quand il fait noir dehors. Alors je me lève, j’ouvre la fenêtre, j’épie. Ce qui n’était qu’un espace vide avant, se remplit de bruits. Ce qui était sans vie, s’anime. Des esquisses, des structures, des contours se dessinent. Les objets deviennent perceptibles, une continuité là où n’existaient avant que des découpures et des associations, de simples fragments. […] Ce n’est pas d’avoir perdu la vue qui est inquiétant, c’est ce que voient les autres».

    Petit à petit Marijan s’efface et les voix de son village se mettent à parler. Elles retracent sur trois générations la vie des habitants, leurs joies, leurs espoirs, leurs déceptions, leurs parcours tortueux dans une narration très aléatoire. Il y a là Valentin, qui rêve de partir à Paris, la «ville de la jeunesse éternelle», comme il croit l’avoir décelé dans les récits de Svetlana, son institutrice. Ioan, fils, petit-fils et arrière-petit-fils de cordonnier, désigné pour être le maire du village. Parti un temps «à la ville», il revient avec Nicolae, l’enfant né de sa liaison avec Lydija qui les a abandonnés. Il y a là Emil et Dora, les parents inconsolables: leur fille Krisztyna, 15 ans, a brusquement disparu. Depuis, il semble qu’une malédiction frappe le village. Sans oublier les étranges «jumeaux» Varian I et Varian II, dont l’un, le père de Marijan, sombre lentement dans la folie. Une folie discrète, présente elle aussi chez Maddox, l’ami de Léonie. Ces destinées s’entrecroisent dans une chronologie et des lieux décalés. En refermant le livre, on est comme ces gens venus assister au vernissage qui, à la fin du récit de Marijan, en sont presque à se disputer sur ce qu’ils viennent d’entendre. Chacun y a perçu un détail, une atmosphère, un bruit du cœur à travers sa vision personnelle du monde.

    LE COUP DE COEUR: Parabole, conte ou chronique sociale, ce premier roman inclassable joue des multiples registres de la langue et des sentiments sur une note fondamentale poétique et mélancolique. Le sujet d’inspiration n’est certes pas nouveau, Marijan a des prédécesseurs non fictionnels, notamment les photographes aveugles Evgen Bavcar, Paco Grande, Flo Fox ou Toun Ishii. Aléa Torik construit ce roman autour de la perception du monde à travers des sons, des vibrations, des parfums. On sait que chez les personnes ayant perdu la vue tardivement, le cerveau active d’autres zones qui permettent de retransformer ces perceptions dans une sorte d’image basée en partie sur des souvenirs.

    LA CRITIQUE: «Un roman exceptionnel, d’une maturité incontestable, écrit dans un allemand impeccable» (Frankfurter Allgemeine Zeitung) -«Un réalisme précis, une musicalité poétique, une fable surréaliste» (Berner Zeitung)

    L’AUTEUR: D’après l’éditeur, d’origine roumaine, née en 1983 en Transylvanie, études littéraires. «Das Geräusch des Werdens» est son premier roman. Nous ne savons pas qui se cache réellement derrière Aléa Torik, dont le pseudonyme n’est pas sans rappeler la musique aléatoire, «une musique présentant un certain degré d’indétermination pouvant affecter soit sa structure globale, soit un ou plusieurs de ses paramètres, sinon tous, une musique où les techniques des jeux de hasard sont considérées comme un processus compositionnel.» (in: Encyclopédie Larousse.)»

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    02 Juli 2012

    Mal auf dem Rücken und mal auf dem Bauch

    Eine spontane Entscheidung in meinem eher von Zeitplänen bestimmten Dasein: Ich mache eine Woche Pause. Der nächste Roman ist beim Lektor abgegeben und es tut sich glücklicherweise eine Lücke auf. Ich tue sie auf. Ich lege mich aufs Bett und lese, mal auf dem Rücken und mal auf dem Bauch. Ich verlese die kommende Woche. Die Wahl war nicht leicht, sie war sogar schwer. Herausgefallen, also verschoben,  sind leider: José Lezama Lima – Paradiso -; William Faulkner – As I lay dying -; James Joyce – Ein Portrait des Künstlers als junger Mann -, Alfred Döblin – Berge, Meere und Giganten -; William Gass – Der Tunnel -. Gelesen wird Franz Werfel – Stern der Ungeborenen - . Ich werde bestimmt davon berichten. Vielleicht berichte ich auch stattdessen von jenen  Büchern, die ich nicht gelesen habe. Das hält die Phantasie in Schwung.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    01 Juli 2012

    Buch des Monats bei Halma Network

    Das Buch des Monats beim Halma Netzwerk. Empfohlen von der Übersetzerin, Autorin und Kulturmanagerin Corina Bernic: Lucian Dan Teodorovici Matei Brunul.

    “Matei Brunul este unul dintre puţinele romane din ultimii ani care au în prim plan un fragment foarte dureros al istoriei recente a României: cum poate fi deturnată o viaţă de om de un sistem totalitar. Unul din puţinele romane scrise cu atât de mult talent şi într-un stil atât de profesionist. De la păpuşar, la păpuşă în mâna unui regim dictatorial sau, pe scurt, Matei Brunul. După ce familia lui părăsise România pentru Italia, păpuşarul decide să se întoarcă în ţară în cei mai crunţi ani ai regimului comunist, anii ’50. La scurt timp este trimis în puşcărie politică. După ce îşi petrece tinereţea în închisorile comuniste unde se încearcă să fie reeducat într-un „nou om”, el chiar ajunge să îşi piardă memoria din ultimii 20 de ani într-un accident de muncă pe şantierele patriei. Eliberat din închisoare, Matei Brunul va încerca să îşi regăsească un drum către propria viaţă – într-o lume în care nimeni nu ştie de cine sunt trimişi cei care îţi apar în cale, cine îi manipulează şi cât de mult te pot manipula.

    Bruno Matei ist einer der seltenen Romane, die einen wenig bekannten und sehr bitteren Teil der rumänischen Geschichte behandeln und dabei meisterhaft und glanzvoll das Leben eines Menschen innerhalb eines totalitären Systems darstellen. Lucian Dan Teodorovici, einem der interessantesten Vertreter der jüngeren rumänischen Prosa, ist es gelungen, einen der schönsten Romane nach der Wende zu schreiben. Vom Marionettenspieler zur Marionette eines teuflisch-verwickelten diktatorischen Systems: Nachdem seine Familie Rumänien verlassen hatte und nach Italien ausgewandert war, kehrt der Marionettenspieler Bruno Matei in den 1950er Jahren – den schlimmsten Jahren des kommunistischen Regimes – nach Rumänien zurück und wird sofort verhaftet. Er verbringt seine Jugendjahre im rumänischen Gulag (kommunistische Straflager), wo man aus ihm den „neuen Menschen“ zu machen versucht. Nach einem Unfall verliert er sein Gedächtnis und kann sich an die letzten 20 Jahre seines Lebens nicht mehr erinnern. Als ehemaliger politischer Gefangener versucht er, den Weg zu seinem eigenen Leben zu finden – in einer Welt, wo niemand weiß, von wem die Freunde und Begleiter geschickt werden, wer sie manipuliert und inwiefern man von ihnen manipuliert wird.”

    Das Buch gibt es möglicherweise auch bald auf Deutsch, das muss ja alles erst übersetzt werden. Warum schreiben diese Leute, werden Sie sich jetzt fragen, eigentlich alle in ihren Nationalsprachen? Statt sich gleich allgemeinverständlich auszudrücken. Vorläufig können Sie das also erst auf Rumänisch lesen, hier können Sie es bestellen. Auch wenn Sie es nicht verstehen, können Sie es immerhin schon einmal kaufen. Wer weiß, vielleicht sprechen Sie von heute auf morgen Rumänisch. Den Versuch muss man schon machen.

    Matei Brunul, Lucian Dan Teodorovici
    Roman, Polirom, Iaşi, 2011
    34,95 RON