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  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, ich bin, was die aktuelle Ausformung eines Individuums angeht, in gewisser Weise durchaus deiner Ansicht – doch wenn ich glaubte, mein aktuelles Ich sei die mir höchstmögliche Entwicklungsstufe, so würde ich mich ja vor mir selbst und der Welt lächerlich machen,...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, du gehst offenbar davon aus, dass dein aktuelles Ich die höchstmögliche Entwicklung deiner potentiellen Anlagen ist. Ich bin da etwas andere Meinung, nicht was dich persönlich betrifft, sondern generell. Ich halte die aktuelle Ausformung eines Individuums für eine...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, ich konnte, glaube ich, nichts anderes werden, als das und der, der und was ich geworden bin, zum Glück ohne staatliche Schreibschulen und staatliche Irrenanstalten. Aber du hast recht, lieber unter einem Schreibzwang leiden als unter den Zwängen, die uns...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, auch das ist eine Dimension des Schreibens, der Zwang. Die Unfähigkeit, es abzuweisen. Und die Freiheit, die es verspricht – und manchmal sogar hält. Es bewahrt möglicherweise vor anderen Zwängen. Wer weiß, wie wir geworden wären, wenn wir nicht schrieben. Man...
  • Norbert W. Schlinkert: … freiberuflich ihre Kern-Arbeit verrichten, Kontakte pflegen, zu beruflichen Anlässen reisen, mal eine Kritik und mal einen Artikel schreiben und so weiter. Ich weiß wirklich nicht, ob ich bei solchen Aussichten zum Schreiben gekommen wäre – und wahrscheinlich hätte ich es...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, dass die Schreibschulen-Absolventen in gewisser Weise einen normalen Beruf lernen, scheint mir auch so. Ich kenne einige Absolventinnen, die imgrunde ganz klassisch
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, ich glaube auch den Absolventen der Schreibschulen in Leipzig und Hildesheim geht es nicht anders. Nur weil sie erlernt haben, was wir autodidaktisch können – wenn wir es können – müssen sie Vernunft und Poesie nicht anders bewerten. Ich will Schreiben, aber manchmal...
  • Aléa Torik: Liebe Iris, so wie du das beschreibst, genauso, funktionieren Erinnerungen. Anhand solcher Mythen konstruieren wir ein mit sich selbst identisches Ich, das wir angeblich sind. Und genau das – eigentlich nicht genau das, sondern viel mehr als das, ich habe den Prozess, um ihn deutlich...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, das, was du da über dein Schreiben schreibst, wirkt angesichts der Flut der Nachwuchs-Literaten, die jedes Jahr aus den Schreibschmieden in Leipzig und Hildesheim entlassen werden, fast schon unzeitgemäß, weil in der Tat unvernünftig. Da es mir aber ebenso geht,...
  • irisnebel: Liebe A., “die Zeit kann einem ja nur wegrennen, wenn man sie chronologisch betrachtet”- merk ich mir auch- eine schöne Betrachtungsweise. und zur erinnerung nicht vergessen zu bemerken, dass sie unheimlich täuscht. wir menschen machen unsere märchen daraus, weil wir sie...
  • Aléa Torik: Liebe Miss Lingen, Kommentare sind in der Regel bei Blogbetreibern sehr beliebt, weil die daran erkennen können, dass ihr Blog angenommen wird und sie etwas zu erzählen haben, das diskussionswürdig ist. Wir Schriftsteller sind da genügsamer, uns muss es reichen, dass wir Leser haben....
  • Miss Lingen: Ich finde es sehr anregend hier mitzulesen, bin aber eher eine stille Leserin als eine Kommentatorin.
  • Aléa Torik: Liebe Iris, von wem ist dieses Beispiel mit dem Eisberg – dass uns nur ein Siebtel bewusst ist, der Rest liegt unter Wasser -?. Das ist wahrscheinlich ganz gut, dass wir nicht alles bewusst erleben. Oder noch radikaler ausgedruckt: was wir Erleben nennen, würde gar nicht...
  • irisnebel: “meist sind Momente doch von vielen Zeitschichten beeinflusst, von Erwartungen, von Hetze und Eile, von Erinnerungen an andere Orte, aber auch von Stimmungen, vom Wetter, etc.”- ja, stimmt… habe ich in diesem zusammenhang bisher noch gar nicht von dieser warte aus...
  • Aléa Torik: Liebe Iris, der Moment wird, meine ich, überschätzt. Es gibt diese seltenen Momente, die wirklich alles mitbringen. Aber meist sind Momente doch von vielen Zeitschichten beeinflusst, von Erwartungen, von Hetze und Eile, von Erinnerungen an andere Orte, aber auch von Stimmungen, vom...
  • irisnebel: wow!… “Der Wert des Urlaubs liegt in der Zeit danach, wenn sich diese Erlebnisse mit dem Alltag verbinden. (…) Aber in der zeitlichen Verschiebung von vorher und nachher, können die Ereignisse viel mehr bedeuten als in diesem einen Moment.” - ja, das stimmt. das sind...
  • Aléa Torik: Hallo Don, schön, wenn Ihnen meine Überlegungen zusagen. Dass man sich ändern kann, könnte natürlich auch zum genetischen Code gehören, der eine Veränderung innerhalb vorgegebener Linien zulässt, das darunter oder darüber, das Jenseits allerdings ausschließt und der womöglich sogar...
  • DonSilver: Hallo, zuerst einmal danke für diesen wunderbaren Eintrag der mich sehr zum Nachdenken angeregt hat. Die Idee der Simulation, wie sie sie darstellen, ist mir wunderbar neu, da ich mich noch nie mit Kierkegaard beschäftigt habe. Das jeder von uns nur eine Simulation der als gegeben...
  • Aléa Torik: Liebe Iris Nebel, witzig und verdächtig zugleich: wenn Erinnerungen in dem Moment zustande kommen, da der Akku des Fotoapparates leer ist. Für mich ist der Wert von Urlaub auch gar nicht in der Zeit vor Ort zu messen, sieben oder vierzehn Tage, soundso viele Fotos, soundso viele,...
  • irisnebel: hehe deine Betrachtungen haben mich insgesamt schon etwas stutzig und für einiges bewusst gemacht (was man nach einer gewissen zeit- und geldinvestition lieber vergessen möchte)… genau wie jener frankreichurlaub im durchreisemodus… man rast durch unbekannten, interessanten gegenden und...

  • 10 April 2012

    Isidore Isou – Eroii româniei chic

    „Ein ins Jahrhundert Stürzender“

    Bei dem folgenden Arrangement handelt um eine Kompilation von Texten die im letzten Schreibheft – Nummer 78 – erschienen sind, ein 120 seitiges Dossier: „Die Zeichen des Messias“, klug zusammengestellt von Stefan Ripplinger. Die Entwicklungslinien Isous, der Nucleus der Judaischen, der Erlösungsgedanke und das daraus resultierende Messianische, sein lebenslanger Versuch, die Dichtung und die aus der Dichtung herauskommenden Künste zu revolutionieren: das alles finde ich in der Textauswahl sehr schön und nachvollziehbar dargestellt. Ich danke Norbert Wehr vom Schreibheft herzlich für seine Zustimmung zu dieser Kompilation!

     

    „Für Acrimboldi war Isou nun ein ‚verfickter Scheißrumäne‘“
    (Roberto Bolaño, Los sinsabores del verdadero policía)

    „Einzig mein Name zählt, unmittelbares, oberstes Gebot! Ich musste mir einen witzigeren, den komischsten überhaupt aussuchen. Damit man die Größe besser bemerken kann, die ich ihm schließlich verliehen habe.“
    (Isidore Isou, Ludo oder die Perfektionierung der Unsterblichkeit)

    „Isous Gebiet mag zu den schönen Künsten gehört haben, seine Theorien mögen dunkel gewesen sein, aber körperlich, instinktiv war er ein hound dog.“
    (Greil Marcus, Lipstick traces, A Secret History of the 20th Century)

    „Es gibt ein gewisses Volumen von Stille in der Lyrik, das den geometrischen Rhythmus jedes Verses bildet. Man gewinnt eine untergründige Zone reiner Eingebung, einen Gürtel, der sich, durch die Verschiedenheit der Gedichte hindurch, gleichbleibt. Diese goldenen Regel der Dichtung in seinem Schematismus zu erreichen, dessen rühmt sich der Lettrismus.“
    (Isidore Isou, Die Dichtung von Isou. Die goldene Regel der menschlichen Dichtung)

    „ich traf isou in seiner wohnung in saint-germain-des-prés das erste mal am neunzehnten januar neunzehnhundertneunundneunzig gegen sechzehn uhr. isou, den hochoffiziellen inaugurator und papst des lettrismus, den megalomanen, den alles-und-die-welt-erneuerungs-maniac, den vorherseher von achtundsechzig und verkünder der paradiesischen gesellschaft.“
    (Michael Lentz, Es war einmal … Il etait une fois …, Besuch bei Isidore Isou)

    „Der Lettrismus erhebt die Nichtigkeit des Wortgeräuschs, das gleichwohl die Arkana des Verstehens darstellt, in den ästhetischen Adelsstand, und das auf Kosten der Worte, die durch ihren Gebrauch selbst heruntergekommen sind.“
    (Isidore Isou, Die Dichtung von Isou. Die goldene Regel der menschlichen Dichtung)

    „Isou lächelte und antwortete: ‚“Wenn du es wirklich willst, kannst auch du, wie ich, Gott sein.‘ Und er hat mir das bewiesen. Also erhob ich mich und rief auf, Isou sei des Messias. Von diesem Augenblick an, gab es keine Ruhe mehr, weder an diesem Abend noch an allen Abenden, die da folgten, ich habe mich nie wieder zum Schlafen gelegt.“
    (Maurice Lemaître, 1950)

    „Ich arbeitete wie ein Verrückter und peinlich genau, wie wenn man eine Uhr auseinandernimmt und repariert. Um fünf Uhr aufstehen und anfangen zu lesen oder zu schreiben. Nach der Mahlzeit schlief ich, von der Arbeit fürchterlich ermüdet. Dann von neuem, pausenlos, der mechanische Fleiß; abends ging ich auf die Straße, um Mädchen anzusprechen. Manchmal umarmten wir uns, wir schliefen miteinander, um mich von den Büchern und den Ideen zu befreien, damit die Zärtlichkeiten den hartnäckigen Moder, der auf dem Gehirn wie ein Aussatz haftete, abreiben.“
    (Isidore Isou, Ludo oder die Perfektionierung der Unsterblichkeit)

     ”Die ‚Abhandlungen‘ mit denen er uns regelmäßig überschüttet, gehen allesamt aus einem Nachdenken über Kunst hervor. Man findet, ganz im Gegensatz zu den fortschrittsverrückten Theorien der zwanziger Jahre, in ihnen eine seltsame Verdrossenheit: ‚Alles ist schon gesagt. Vielleicht gelingt es mir doch noch, wenn ich mich bemühe, ‚etwas anderes‘ zu sagen. Jedenfalls: nach mir die Sintflut …‘
    Das ist eine ästhetische Moral, von der ich mir nicht vorstellen kann, daß Breton sie unterschreiben würde. Während die Surrealisten einen Absolutheitsanspruch erhoben und in der Geschichte der Kunst nur dem Achtung zuwiesen, was ihre eigene Ära vorwegzunehmen schien, belehrt uns bereits eine flüchtige Lektüre, daß ihr lettristischer Rivale die Werke der Vergangenheit zu schätzen weiß und beim besten Willen keinen anderen Anspruch als den erhebt, einen wenn auch bescheidenen Platz auf der letzten Seite der literarhistorischen Handbücher zu erhalten.“
    (Éric Rohmer, Isou oder Die Dinge, so wie sie sind)

    „Breton blieb allein zurück, um die Schöpfung zu verteidigen, die ihn nährte, die ihm genügte, er deckt seinen Tisch und spannt seine Fallen für neue Naive, andere junge Leute, die unbedingt ihre Zeit vergeuden wollen. Ich glaube nicht an den Zusammenhalt der literarischen Bewegungen; ich glaube, dass eine Fabrik ihre Arbeiter viel tiefer miteinander verbindet, weil sie sie dazu zwingt, jeden Tag zur selben Zeit anzutreten und daß sie, indem sie mit Hunger oder sozialem Tod droht, die Leute existentiell auf eine ganz andere Weise zusammendrängt als eine literarische ‚Bewegung‘, die einen solchen Terror gar nicht ausüben kann. Deshalb bleiben die Arbeiter ihr Leben lang in der Fabrik und die Dichter bleiben jeweils nur ein paar Jahre der Schule von Herrn X treu.“
    (Isidore Isou, Die praktische Haltung von Isou, wie sie aus dem Gegensatz zwischen der Größe seines Werks und der üblichen Langsamkeit von dessen Verbreitung erwächst)

    ISOU
    „[ … ]
    Sein Rumänenfranzösisch
    war eigenartig Sein Genie
    sofort klar das er welches hat
    war ein bißchen Reklame
    Um sie umzubringen liebte er sie zu sehr
    die französische Literatur
    was allerdings bedauerlich ist Er war sich
    was ihn betrifft der anderen zu sicher
    zu sicher ihrer Abwehr
    Wenn ein Mensch um jeden Preis
    geschätzt werden will wirft man ihm
    lässig das hin was seinen
    Geschmack an der Diktatur nur bestärkt
    die mitunter schlecht ausgehen kann
    Ja du bist Christus Isidore
    Ja du wirst die Welt verändern
    Ja du bist zu schlau
    als das man dich wahrhaft verstünde
    [ … ]“
    (Georges Perros)

    „Ich war häßlich, wenn ich schrieb. Ich habe mich eines Tages im Spiegel gesehen und war entsetzt. Ich konnte nicht derjenige [der außergewöhnliche Künstler, Aléa Torik] sein, denn dann erhebt sich Unsterblichkeit über Schönheit. Verfolgte ich all das, was nicht an der Oberfläche war, vergaß ich meine Oberfläche, verlor meine Haltung, meine übliche Mimik und hatte einen konzentrierten Ausdruck. Wie ein Gesicht im Wasser einen düsteren Anblick bietet. Meine Mutter fragte mich, warum ich beim Schreiben so hässlich werde. Darum mochte sie diese Beschäftigung auch nicht, die sie als eine Art Schwäche betrachtete, einen schrecklichen Defekt.
    ‚Ich stelle mir vor‘, sagte sie, ‚daß ich ein hinkendes, stummes blindes Kind habe, das schwachsinnig geboren ist. Für immer verstümmelt, muss ich es trotzdem in den Armen halten.‘
    Ich dachte an Sokrates, an Voltaire; vielleicht gab es dann mehrere Gesichter gleichzeitig, die sich in einem einzigen durchdrangen und alle Zeilen verwischten, mich zum Unbekannten machten? Vielleicht kommen nur die Menschen, die Dinge aus dem Dunkel ans Licht ziehen, dreckig, verschmiert, mit Fledermäusen und Nestern im Haar daher.
    Ich versuchte, beim Schreiben schön zu bleiben, wie ein snobistischer Penner, der sich sauber zwischen Unrat und Mist bewegt. Es gelang mir.“
    (Isidore Isou, Ludo oder die Perfektionierung der Unsterblichkeit)

    „zum beispiel, ob er den lettrismus auch als selbstexperiment begriffen habe. wie er heute die lettristische malerei im zusammenhang mit den neuen medien sehe. ob der lettrismus für ihn immer noch eine universelle sprache sei. ob der lettrismus von seiner warte aus ein generalangriff auf die tradition gewesen sei.“
    (Michael Lentz, Es war einmal … Il etait une fois …, Besuch bei Isidore Isou)

    „ … in denen das Schreiben auf der Suche nach einem Zentrum ständig seine Richtungen wechselt, wie Degen, die eine Brust verfolge; wie Scheinwerfer in der Nacht, auf der Suche eines in den Wolken verirrten Flugzeugs; diese Schritte eines Trunkenen, bei denen man nicht weiß, wer schließlich recht haben wird, der ebene Weg oder die Straßenlaternen.“
    (Isidode Isou, Ludo oder die Perfektionierung der Unsterblichkeit)

    ——————–

     

    Anfang und Ende von Stefan Ripplingers schönem Essay  - Mundomanie, Eine Einführung in das Denken von Isidore Isou – werden von Bemerkungen gebildet, die den scheinbaren Größenwahn des Autors thematisieren. Isous messianische Botschaft war vor allem eine des Glaubens an das Schöpferische im Menschen: „Der Name Isidore wird gewöhnlich mit ‚von Gott gegeben‘ übersetzt. Isous Sache ist immer von höchster Provenienz, sie betrifft wenigstens die ganze Menschheit. Was auf den ersten Blick wie ein größenwahnsinniger Ego-Trip aussieht, läßt sich ebensogut als Aufopferung begreifen; er will sich selbst helfen, indem er allen hilft“

    Am Ursprung des Lettrismus stand, so jedenfalls der Gründungsmythos, die Lektüre eines Buches von Hermann Keyserling, Erfindung und Form. Isou las, das Keyserling dem Wort und der Sprache eine neue Bedeutung geben wolle, indem er dem Vokal eine andere Gewichtung beimaß. Später fiel Isou auf, dass er sich verlesen hatte, und Keyserling mitnichten den Vokal ändern wolle, sondern im Allgemeinen von der „Vokabel“ gesprochen hatte. Dieser Lapsus führte jedoch dazu, und da wird man den Darstellungen Isous Glauben schenken müssen, dass er sich von nun an der Vorstellung im wahrsten Sinne des Wortes: hingab, die Vokale – die Laute, die Buchstaben im Allgemeinen – zu bearbeiten.

    Der Mann kommt aus dem tiefsten Rumänien mit nicht einmal zwanzig in Paris an, wirft Gaston Gallimard zwei Manuskripte auf den Tisch, von denen zumindest das eine – L’Agrégation d’un nom et d’un messie – Zulassung eines Namens und eines Messias – in der Wortwahl deutlich an Nietzsche erinnert: „Das Ganze“, schreibt Ripplinger, „hat etwas von einer übergeschnappten Werbekampagne“. Das Buch jedoch erscheint tatsächlich zwei Jahre später bei Gallimard; der Mann kommt also nach Paris und fängt sozusagen am ersten Tag an, womit er bis zum letzten nicht mehr aufhört: die Welt von seiner Erfindung überzeugen zu wollen und tausende und zehntausende Seiten vollzuschreiben. Wie ein Wahnsinniger.

    Zwei Jahre später wanderte Isidore Isou wegen Pornografie ins Kittchen, aufgrund eines Films, seines zweiten bereits, in dem die Vorteile der Masturbation dargestellt werden: Isou ou la Méchanique des femmes. Er legte sich mit Tristan Tzara an, dem Landsmann, der ebenfalls, wie nahezu die gesamte rumänische Avantgarde, in Paris lebte, dem wohl wichtigsten Vertreter des Dadaimus in Frankreich; Und dann auch noch mit André Breton, dem Erfinder und Nutznießer des Surrealismus, denn „jede Avantgarde erwürgt die ihr vorangegangene“, so Ripplinger.

    Für Isou stehen die sprachlichen Zeichen am Anfang der Welt. Die Welt der Kunst evolutioniere sich in zwei Phasen, einer erweiternden phase amplique die in eine zersetzende, ziselierende phase ciselante übergeht, die mit Baudelaire, Cezanne und Debussy begonnen habe. Die Kunst zersetze sich selbst und müsse dann, anders als im Dada – „ein Mordanschlag ohne Leiche“ – aus den Grundelementen etwas Neues schaffen. Diese Elemente sind nach Isou die graphischen und phonetischen Bestandteile der Sprache, die sprachlichen  Zeichen. Der Lettrismus, der den Buchstaben eine veränderte Bedeutung zuerkennt und der erkennt, dass alles, was in Sprache dargestellt wird, sich verändern muss, will nacheinander alle Künste und Wissenschaftszweige erobern und revolutionieren. Der Lettrismus scheint eine Art Weltformel zu sein.

    Als Lettrie, als ein Zeichen das nichts mehr bedeutet, verweist es gleichzeitig auf das alte Zeichensystem und auf eine neues: „Kunst ist kommunikationsförmige Nicht-Kommunikation. Sie kann nichts bedeuten, zeigen übermitteln, aber sie ähnelt den Systemen, die bedeuten, zeigen, übermitteln. Alle diese Zeichensysteme haben etwas Unheimliches an sich, weil sie von Abwesendem handeln. Wenn das Zeichen auf etwas verweisen kann, muss das, auf was verwiesen wird, abwesend sein. Und das Zeichen hält sich, obwohl anwesend, zugleich beim Gezeigten auf, ist also selbst abwesend. Es ist deshalb von Natur aus etwas Gespenstisches. Aber wie gespenstisch wird es erst, wenn das Zeichen nichts mehr zeigt!“

     

    ——————–

    „Jedes Jahr verschwinden Tausende von Einfühlungsvermögen, ohne sich wieder konkretisieren zu können.“
    (Isidore Isou, Das Manifest der lettristischen Poesie)

    „Es gibt diese Exzesse der Empfindsamkeit in unserer Familie, die wer weiß wo zum Ausbruch kommen und alles zerstören, was der Egoismus mit zäher Geduld so gut aufzubauen verstand.“
    (Isidore Isou, Der Vater im Schaffen seines Sohnes)

    „Das Denken verschiebt den Genuß bis zum abschließenden Verstehen. Wenn es dieses Begreifen nicht gibt, kommt man nicht zum Genuß. Der Lettrismus badet uns in jedem Augenblick in der Wonne. [ … ] Die Suche nach einer immer ungewöhnlicheren Buchstabenkombination führte uns zur komischen und verquälten Verdrehung des Vokabulars, der Gemeinplätze, denen wir begegneten. Die geschälten Wörter verloren ihr Gesicht und wurden bei lebendigen Leib Gehäutete, die uns im Ohr schmerzten.“
    (Isidore Isou, Die Dichtung von Isou. Die goldene Regel der menschlichen Dichtung)

    „Im Augenblick wird man jedoch sagen müssen, dass das abendländische Gedicht immer noch von einem Formgedanken zusammengehalten wird und sich durch Wörter gestaltet, nicht durch Rülpsen und Husten.“
    (Gottfried Benn, Probleme der Lyrik)

     

    PROMENADE PARMI LES MOTS DE MON PAYS

    Vianvîgîian pédoupînnedeschte
    Piangroupîigan goldoubînvechte
    Dousse! Souîscouipîienne louna
    SOUSSE Kroulcîiénne Vrousse!
    Botoschan, yachch, yach, boloîganne!
    Vraschh!
    Nou! Vinne, vinne, schouîouié linne
    Douténvîouié’n bînvoui; ioui; inne!
    Scoulcouié, scoulcoucînne plinne
    Kiouioué schpoulpouié’n dinne!
    Kald Kangralinne!
    Kald cangac line.
    ZOOU! SARGUE! JOHOZDOOU!
    Schourfouîén plinne Largue
    HCARGUE
    Vinonne peschhgräî! Bîdîraî
    Haidénspéplaî. Iarganagaî!
    Iarganagaî!
    FOUI! NA! Couîpéguiora!
    ROUNDEGAIA! Roungûé’n coungîénhà
    Roungûé’n coungîénha
    Scoumbî Rombimbia…
    Rombimbia
    Schtaî ! Opréchpémicaî
    Poungoulînhanne
    Sourbroulînbranne
    Gongolanaî
    Gongolonaî
    (Isidore Isou)

    Was auf den ersten Blick frei von Sinn scheinen will – denn nichts will freiwillig sinnlos sein -, wandelt sich, nimmt man die rumänische Sprache zu Hilfe, in eine ausgesprochen interessante Angelegenheit (das ist übrigens oft im Leben so, das, nimmt man die rumänische Sprache zu Hilfe, sich die Dinge klären!). Oskar Pastior hat sich die Arbeit gemacht und jede einzelne Zeile mit möglichen Anspielungen Isous nachverfolgt. Ich zitiere lediglich die letzen fünf, Zeile 34 bis 27; alles andere würde den Rahmen sprengen.

    Schtaî! : stai! = halt
    Opréchpémicaî : opreste = halte auf
    apără = schütze, verteidige
    pe mica = die (das) kleine

    Poungoulînhanne : pungilița = Beutelchen, Geldbeutel

    Sourbroulînbranne : sumbru = dunkel
    umbră = Schatten
    sub lima = unter der Zunge (sic!: sub limba)

    Gongolonaî : golanii, golaneii = die Lumpigen, die Armen
    gol = nackt
    gologani = kleine, wertlose Münzen
    (Oskar Pastior, Spaziergang in den Wörtern meines Landes)

    „Wenn ich während der spektakulären Vorführung von Traité de bave et d’éternité irgendetwas empfunden habe, dann dies: Das konsequente Ziel des Lettrismus ist, wenn schon nicht die Rückkehr zu traditionellen Formen, ein völliger Verzicht auf diese antibürgerliche und verneinende Geisteshaltung unserer Literatur der Zwischenkriegszeit von André Breton bis Antonin Artaud und sogar Pierre Drieu la Rochelle oder Henry de Montherlant. Jenseits des provokanten Tons dieses Films spürt man das respektvolle Bemühen, die Dinge so aufzusuchen, wie sie sind.“
    (Éric Rohmer, Isou oder Die Dinge, so wie sie sind)

     „Das Kino allein hat mich zu dieser kinematographischen Explosion geführt. Ich habe gemeint, dass die Worte, durch ihre Nuancen und Definitionen, die Grenzen und Schwächen des Bildes aufzeigen! Ich habe gemeint, dass ein Text, der nicht das Photo berücksichtigt, die Möglichkeiten des Photos erweitern und dem Kino sein Verjüngungsserum einspritzen würde. Und indem ich erfolgreich die Grenzen des Kinobildes sprengte, habe ich es abgeschafft, genau so, als ob ich erfolgreich aus einem Frosch einen Ochsen gemacht hätte. [ … ] Der Bruch zwischen den Worten und dem Photo wird das bilden, was ich das DISKREPANTE KINO nenne. Ich verkünde das Manifest des diskrepanten Kinos! Ich nenne ein zerfetztes oder vom Cineasten freiwillig bearbeitetes Zelluloid ein ziseliertes Zelluloid.
    (Isodore Isou, Traité de bave et d’éternité Traktat von Geifer und Ewigkeit)

    „Ich wusste seit langem, daß es Menschen gibt, die sich so weit in ihren Forschungen verlieren, daß keine entsandte Expedition mehr Überreste von ihnen finden könnte. Von der Wüste oder den Wäldern verschlungen, gibt man sie als Verschollene aus.“
    (Isidore Isou, Ludo oder die Perfektionierung der Unsterblichkeit)

    „Wirst du je diese Zeilen lesen, in die deine Falten, deine Wangen, deine Lippen eingegangen sind, mein Vater? Wie sehr hast du Frankreich mißtraut, wie sehr habe ich es geliebt! Wie oft hast du mit Abscheu von seinen dreckigen Straßen gesprochen, von seinen Dämchen, von seinen stinkenden Puffs!
    Wisse, mein Vater, Ich bin nun einmal tot, erstickt von den Literaten dort, getötet von den Lakaien, von den Concierges und den Tippfräuleins.
    Aber du wirst mich rächen, nicht wahr, du oder ein ferner Sproß meiner Familie, einer, der das verwirklichen wird, was mir nicht gelungen ist, zu verwirklichen. Er wird Paris mit dem Fuß zertreten, er wird wie Nero Feuer in alle Eckenlegen. Um des Vergnügens willen, ein Gedicht zu deiner Ehre, zu meiner Ehre zu schreiben.“
    (Isidore Isou, Der Vater im Schaffen seines Sohnes)

    „Und ich hoffe, dass der Zusammenhalt der Lettristen auf den der jungen Leute trifft, und sie so zu jungen Lettristen werden. Sie werden auf den Zusammenschluss der Schöpfer auf der ganzen Welt treffen, verstehen Sie? Sie werden sich ebenso mit Medizin wie mit Kunst, mit Poesie, mit Malerei, mit Chemie und anderem beschäftigen. Das zusammengenommen wird zu einem höheren Glück für die Menschen führen, die daran glauben. Denn was auf der Welt zählt, ist doch der Zusammenschluss der Geister, die das Beste wollen. Es gibt den Zusammenschluss derer, die, ich weiß nicht, es lieben zu lesen und zu schreiben, also sind die Menschen, die nicht mehr lesen und nicht mehr schreiben aus diesem ausgeschlossen. Und dieser Zusammenschluss ist dabei, auf dieser Welt zu siegen, verstehen Sie?“
    (Michael Lentz, Es war einmal … Il etait une fois …, Besuche bei Isidore Isou)

    Isidore Isou starb am 28. Juli 2007 in Paris. Ein Einzigartiger und doch nur einer von vielen: Eroii romaniei chic.

     

     

     

     

    Entstanden an meinem Schreibtisch in Berlin, aber unter, wie ich mir anrechnen lassen möchte, geschickter Verarbeitung eines Gerüchts über Isidore Isou, das man in Bukarest nahezu an jeder Straßenecke hören kann, am besten aber an der Metrostation Eroilor der Linie eins.

    Ich habe Michael Lentz‘ Arbeit, Lautpoesie/-musik  nach 1945, edition selene, angeschaut, eine nach Umfang und Inhalt außerordentlich beeindruckende Dissertation, sie aber nicht zur Kenntnis genommen, das hätte diesen Artikel deutlich verlängert. Dort finden sich auch die verwandten Dichtungen, neben dem Surrealismus, auch Dada und Oulipo (Akronym für L’ Ouvroir de Littérature Potentielle). Darüber hinaus gibt es die Arbeit zu diesem Thema:  Richard Grasshoff, Der befreite Buchstabe, hier. Den Film Traité de bave et d’éternité – Traktat von Geifer und Ewigkeit – kann man hier in Gänze sehen und hier ein Ausschnitt. Hier findet sich eine Selbstbeschreibung Isous. Hier kann man drei Lettristen bei einer Performance sehen. Das Hauptwerk Isous – La Créatique ou à la Novatique – ist derzeit indisponibel.  Die offizielle Seite der Lettristen, die eine schöne Übersicht über das Schaffen Ihrer créateurs im Bereich der Künste und diversen Wissenschaften gibt, findet sich hier. Eine Darstellung von Roland Sabatier, dem treuen Gefolgsman hier  und ein Werkverzeichnis hier.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.