29 März 2012
Ich habe Herta Müller das Leben gerettet
Die Gerüchte schießen ins Kraut, hier. Ich sei also, vermutet man, Herta Müller. Das geht allerdings schon deshalb nicht, weil ich ja aus Siebenbürgen komme, wo die wilden Sachsen wohnen, Herta Müller aber aus dem Banat, wo die Schwaben herkommen. Die haben so ihre Befindlichkeiten, diese Schwaben. Und im Banat kenne ich mich ja auch überhaupt nicht aus. Außerdem gehören wir nicht derselben Generation an und wir schreiben auch ganz anders.
Herta Müller also: Herta Müller, die sich, zu dem Zeitpunkt, als der König sich bei der Nobelpreisverleihung vor ihr verneigt, – Der König verneigt sich und tötet – , um sich dann, aus dieser Neigung heraus aufzurichten und zu töten, Frau Müller nämlich, die sich in diesem Moment ihrerseits neigt, nicht allerdings, um dem Todesstoß durch den urplötzlich aggressiven Carl Gustav auszuweichen, sondern um einen dringenden Beitrag auf ihrem, nämlich meinem Blog einzustellen oder einen Kommentar zu beantworten, um zu facebooken, zu twittern oder sonst eine dieser Unsinngkeiten zu machen; während also der schwedische König ihr, rasend vor Mordlust, einen Dolch ins Herz rammen will und dann, wegen der sich duckenden Frau Müller, die auf ihrem Handy einen Beitrag postet, den Naturwissenschaftler hinter ihr ersticht, einen Physiker vom CERN, sodass das Rätsel um den Ursprung des Universums jetzt noch tausend oder hunderttausend Jahre lang ungelöst bleibt; und ich schließlich, rückwirkend nämlich, Frau Müller das Leben retten konnte, trotz dass sie aus dem Banat ist, weil ich ihr ermöglicht habe, meinen Blog zu befüllen, in dem alles entscheidenden Moment, als der schwedische König sich verneigt, um ihr, Müller, aus dem Hinterhalt heraus scheinbar eine Nobelpreisplakette, oder was es da eben gibt, zu überreichen, in Wirklichkeit jedoch den Dolch zückt und tötet: da kann man mal sehen, was die Literatur alles kann, rückwirkend Leben retten! Und wahrscheinlich hat der Physiker sich sowieso verrechnet, und hätte den Nobelpreis gar nicht bekommen dürfen.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: März 29th, 2012 unter Auf dem Fischmarkt, mittel












Kommentar von Azadeh Sepehri
Datum/Uhrzeit 30. März 2012 um 15:09
Interessant. Ich dachte, Sie schreiben unter Ihrem “richtigen” Namen.