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  • Silvia Kühnel: Lieber Claus, habe schon mal vor einigen Jahren geschrieben, weil ich die Idee mit der Kunstfigur gut finde. Ein frohes Fest und ein gutes neues Jahr und viel Freude mit dem Stipendium. Silvia (Buchhändlerin in Dortmund)
  • irisnebel: klasse! gratuliere! musst du ne gegenleistung bringen? als stadtschreiber z.b.?
  • nadine schmid: Ich habe mit Thien an der Uni Koeln studiert. Wir ware zeitweise befreundet, aber ich hatte wenig verstaendnis fuer seinen ‘Mangel’ am akademischen Streben und habe, trotz meiner Anerkennung seines Talents, sein Lebensziel, aus seiner Dichtung etwas zu machen, als...
  • bersarin: Es muß natürlich, entdecke ich beim zweiten Lesen, Monika Rinck heißen. Ich kann mir Namen nie merken.
  • Aléa Torik: Ja, Bersarin, seinerzeit hat‘s ziemlich gut funktioniert: es war Literatur und die Leute waren mittendrin. Manche, ohne es zu merken. Manche haben hinterher zufrieden gelächelt, weil sie bei etwas Neuem mitgemacht haben. Oder weil sie selbst zu einer Art literarischer Figur dadurch...
  • bersarin: Literarisches Bloggen, liebe Aléa Torik, funktioniert durchaus. Freilich nur bei den wenigsten. Das meiste, was geschrieben wird, stammt aus dem Klein-Klein der Halbgarküchen, ist Poesiealbumsprosa von Minderleistern, Befindlichkeitsscheiße ohne Form. Ich schreibe dahingehend und als...
  • Aléa Torik: Never ride a dead horse – das hätte auch als Überschrift dieses Beitrags herhalten können. Gestern Nacht bin ich mit dem Rad 35 km durch das ausgestorbene Berlin gefahren, bis weit jenseits der Stadtgrenze. Da ich ziemlich kaputt war, konnte ich dabei nichts denken, aber wenn...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, Du hast überschüssige Energie!? Da werden Dich viele drum beneiden, umso besser also, wenn sie in etwas fließt, was Sinn zu machen verspricht. Was soll man also dazu sagen? Ich sage: Es lebe die Literatur! Und Gratulation natürlich zum vollzogenen Ausstieg aus...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, verflixt, hab‘ ich schon wieder Recht? Ich kann sagen, was ich will, ich habe immer recht. Dabei schrieb ich das eigentlich, um zu provozieren. Entweder lässt sich keiner provozieren oder die Provokation im Netz ist so allgegenwärtig, dass man zu ganz anderen Kalibern...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, da triffst Du mal wieder den Nagel auf den Kopf wie die Faust das Auge: fiktional und ein Sein als solches hat ein literarisches Blog zu sein und nicht einfach noch ein weiterer Mitspieler auf dem Markt- und Kampfplatz realer Eitelkeiten. Als Schriftsteller:in...
  • Aléa Torik: Liebe Miss Lingen, bitte entschuldigen Sie die kleine Verspätung meiner Antwort. Ich war auf anderen Schlachtfeldern unterwegs. Sie haben absolut recht, es ist viel zu komplex. Dabei darf ich mir zugutehalten, es deutlich vereinfacht zu haben. Denn im Original – wenn wir uns darauf...
  • Miss Lingen: Obwohl, wie Sie wissen, ich hier mit Sympathie lese, frage ich doch: ist das nicht alles ein wenig zu komplex?
  • Aléa Torik: Dann bin ich gespannt, was du von dem Essay hältst.
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  • Aléa Torik: Lieber holio, ganz verstehen kann ich die Ottos und Ottisten ja tatsächlich nicht. Vielleicht ist das so, dass Otto und Otta, was ihr Leseverhalten betrifft, auch nicht ganz schlau aus sich werden. Sie greifen immer nur nach dem, wonach auch die anderen greifen. Das zeichnet die...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, man ist ja einiges gewöhnt bei den Autoren. Was die alles tun, um gelesen zu werden, beispielsweise das Schreiben seltsamer Bücher. Ich fände es allerdings doch etwas übertrieben, wenn sich ein Autor nach dem Schreiben seines Buchs sogleich aus dem Leben verabschiedet:...
  • holio: Traurig ist das in der Tat. Und so ganz zu verstehen auch nicht. Im Geräusch des Werdens war der Anknüpfungspunkt für Otto Normalleser ja da. Und die Bălkanexotik ist auch rezipiert und rezensiert worden. Die Sprache ist einfach, der Plot verständlich, erinnere die Szene mit dem blinden...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, noch habe ich Deinen Essay ja nicht gelesen – kommt aber noch! Bin gespannt wie ein Flitzebogen! Und was meine durch eigenes Lesen hervorgerufene Belebung von Texten inzwischen leiblich von uns gegangener Autor:inn:en angeht, so ist es nicht Trost, den ich da...
  • Aléa Torik: Lieber holio, Sie haben recht, die Politik lassen wir hier außen vor. Richtig glücklich bin ja auch nicht mit dem Etikett der Postmoderne. Aber irgendwie müssen wir es ja benennen. Sagen wir Transmoderne. Die wesentliche Information ist allerdings angekommen, schon lange: dass Sie...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • Archiv vom März, 2012

    31 März 2012

    There’s nothing quite like a real book





    29 März 2012

    Ich habe Herta Müller das Leben gerettet

    Die Gerüchte schießen ins Kraut, hier. Ich sei also, vermutet man, Herta Müller. Das geht allerdings schon deshalb nicht, weil ich ja aus Siebenbürgen komme, wo die wilden Sachsen wohnen, Herta Müller aber aus dem Banat, wo die Schwaben herkommen. Die haben so ihre Befindlichkeiten, diese Schwaben. Und im Banat kenne ich mich ja auch überhaupt nicht aus. Außerdem gehören wir nicht derselben Generation an und wir schreiben auch ganz anders.

    Herta Müller also: Herta Müller, die sich, zu dem Zeitpunkt, als der König sich bei der Nobelpreisverleihung vor ihr verneigt, – Der König verneigt sich und tötet – , um sich dann, aus dieser Neigung heraus aufzurichten und zu töten, Frau Müller nämlich, die sich in diesem Moment ihrerseits neigt, nicht allerdings, um dem Todesstoß durch den urplötzlich aggressiven Carl Gustav auszuweichen, sondern um einen dringenden Beitrag auf ihrem, nämlich meinem Blog einzustellen oder einen Kommentar zu beantworten, um zu facebooken, zu twittern oder sonst eine dieser Unsinngkeiten zu machen; während also der schwedische König ihr, rasend vor Mordlust, einen Dolch ins Herz rammen will und dann, wegen der sich duckenden Frau Müller, die auf ihrem Handy einen Beitrag postet, den Naturwissenschaftler hinter ihr ersticht, einen Physiker vom CERN, sodass das Rätsel um den Ursprung des Universums jetzt noch tausend oder hunderttausend Jahre lang ungelöst bleibt; und ich schließlich, rückwirkend nämlich, Frau Müller das Leben retten konnte, trotz dass sie aus dem Banat ist, weil ich ihr ermöglicht habe, meinen Blog zu befüllen, in dem alles entscheidenden Moment, als der schwedische König sich verneigt, um ihr, Müller, aus dem Hinterhalt heraus scheinbar eine Nobelpreisplakette, oder was es da eben gibt, zu überreichen, in Wirklichkeit jedoch den Dolch zückt und tötet: da kann man mal sehen, was die Literatur alles kann, rückwirkend Leben retten! Und wahrscheinlich hat der Physiker sich sowieso verrechnet, und hätte den Nobelpreis gar nicht bekommen dürfen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    28 März 2012

    Was ist auf den Bildern des blinden Fotografen zu sehen?

    Ich wurde gefragt, was in Das Geräusch des Werdens auf den Fotos des Blinden zu sehen ist. Ich würde mich gerne aus der Affäre ziehen, indem ich zurückfrage: Woher soll ich das wissen? Ich habe sie nicht zu Gesicht bekommen. Das beschreibt der Roman nicht, weil es nicht zu seinem Bestand gehört. Ich assoziiere:

    In der Ausstellung sind, heißt es auf der ersten Seite, 28 Bilder zu sehen. Wir haben 28 Kapitel. Also ist jedes Kapitel ein Bild.

    Was ist auf den Bildern eines Blinden zu sehen? Vielleicht muss man blind sein, um das sehen zu können. Das scheint ebenso paradox wie ein Blinder, der ausgerechnet fotografiert. Aber wie soll man sich einem Paradoxon nähern, wenn nicht auf adäquate Weise? Es ist ja nicht an sich paradox, sondern nur unter den rationalen Bedingungen.

    Diesen wenigen Bildern stehen sehr vielen gegenüber: Holio hat ausgerechnet, dass Marijan 28.000 Bilder gemacht haben muss. Im Roman allerdings macht er nur ein einziges, vielmehr erleben wir ihn nur bei einem. Er macht ein Bild von Leonie. Ich empfinde das nicht als einen logischen Widerspruch, sondern als eine produktive, die Phantasie anreichernde Leerstelle.

    Ich weiß nicht, was auf den Bildern zu sehen ist. Irgendwo, ich glaube in dem Kapitel, da Marijan die Kamera geschenkt bekommt, heißt es: jeder sieht doch etwas anderes. So ist das bei diesen Bildern auch. Die meisten Fotos auf dieser Welt haben wohl ein eindeutiges Objekt, eine Person, eine Sache oder etwas Ähnliches. Das könnte bei diesen Bildern anders sein.

    Was ist auf einem Bild zu sehen? Jeder sieht doch etwas anderes. Je nachdem, ob man das das Weiße oder das Schwarze des Bildes sieht, sieht man eine Vase oder zwei einander gegenüberliegende Gesichter, das sind sogenannte Kippbilder.

    Der Roman endet damit, dass Marijan, der nur, sozusagen, die fünf Kapitel seines Vortrages kennt, die anderen dreiundzwanzig dieses Romans also nicht, denkt, dass die Menschen nur seine Worte gehört haben, sich aber eigene Bilder und Vorstellungen dazu machen, dass man die dürren Worte mit eigenen Vorstellungen anreichert. Das hieße, dass die anderen Kapitel, die hier als der eigentliche Bestand des Romans erscheinen, nicht anderes sind, als die Vorstellungen der Zuhörer auf der Ausstellung. Wirklich wäre dann nur die Ausstellung. Man reichert die Worte mit Bildern an, um, wie Marijan das sagt, nicht selbst zu erblinden. Das ist sowohl eine Sprachtheorie als auch eine Theorie über Bilder und Vorstellungen.

    Was ist auf den Bildern zu sehen? Es ist eine Frage von Sehenden! Aber es sind die Bilder eines Blinden! Der macht sie vielleicht nicht, um willen dessen, was da zu sehen ist, denn er sieht es ja nicht. Sonder um willen des Momentes, da er sie macht. Um des Machens willen.

    Warum hat Maddox die Bilder ausgewählt? Kann das sein, dass er nicht ausgewählt hat, also kein Kriterium hatte, was, wie Leonie betont, unmöglich ist?

    Im letzten Kapitel heißt es, ein Besucher habe ein Bild gekauft. Wie hat er das ausgewählt? Warum einer? Wer ist das? Welches Bild hat er gekauft?

    Leonie sagt einmal, Marijan mache immer dann ein Foto, wenn sie keines machen würde. Im letzen Blindenkapitel sucht Marijan eine Erklärung für das, was er eigentlich fotografiert, ich zitiere „Zu Anfang wusste ich überhaupt nicht, was ich eigentlich fotografieren wollte. Ich hatte ja keine Motive außer dem einen großen Motiv, meiner Blindheit zu entkommen. In den ersten Monaten mit der Kamera, als ich feststellte, dass ich nicht alles sehen konnte und etwas ganz Spezielles nicht hatte sehen wollen, entschied ich mich für etwas Drittes: das dazwischen Liegende. Ich wollte keine Objekte fotografieren. Die konnte ich sowieso nicht sehen. Ich wollte nicht etwas und ich wollte nicht nichts fotografieren. Ich wollte nicht das Sehen und auch nicht die Blindheit abbilden. Deswegen habe ich mich für das Dazwischen entschieden. Ich wollte die Zwischenräume fotografieren. Für Räume habe ich ein gutes Gespür. Das Ergebnis können Sie nun betrachten. Ob Sie allerdings das von mir Erzählte erkennen, ob Sie das Entgegengesetzte erkennen oder möglicherweise ebenfalls ein Dazwischen, das wird sich zeigen.“ Ich wüsste nicht, was ich dem hinzufügen sollte.

    Wir fotografieren immer das, was wir sehen. Das erscheint uns selbstverständlich. Weil man ja etwas anderes gar nicht fotografieren kann. Das erscheint auch selbstverständlich. Außer in der Kunst, wenn man einem Bild zu entlocken versucht, was nicht auf den ersten Blick zu sehen ist. So ist das ja auch mit einem Roman, der sich als Kunst versteht: die Autorin will etwas zeigen, was nicht sofort zu sehen ist, sondern erst im Verständnis des Lesers entsteht. Und das können sehr wohl, wenn die Sache gut gemacht ist, Dinge sein, von denen die Autorin keine Ahnung hat.

    Was sieht man? Von allen Antworten, die ich hier gegeben habe, von allen Versuchen, gefällt mir diese am besten: man sieht die Offenheit des literarischen Kunstwerks für seine Interpretation. Nur indem einer sich fragt, was er sieht, sieht er etwas. Alles andere, das ungefragt Gesehene, ist unsichtbar.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    26 März 2012

    Die Demokratie

    Ich habe folgende Bemerkung gelesen oder gehört oder geträumt: In einer Demokratie muss, was sich auf der einen Seite als Recht formulieren lässt, auf der anderen Seite als Pflicht formulieren lassen. Rechte und Pflichten gehen da eine gesunde Verbindung miteinander ein: Sie sind dasselbe. Von der jeweils anderen Seite aus betrachtet.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    22 März 2012

    Von der Macht des Verdächtigens

    Ich war am Dienstag bei einer dreiteiligen Veranstaltung des Berliner Literaturhauses zu und mit Eginald Schlattner. Es gab einen Workshop, geleitet von Michaela Nowotnik , die ihre Dissertation über den Siebenbürger Schriftsteller schreibt und seinen Vorlaß bearbeitet, danach den Film von Walter Wehmeyer „Von der Macht des Verdächtigens“ und am Abend eine Lesung.

    In den fünfziger Jahren ist es in Rumänien zu Aufsehen erregenden, man muss wohl sagen Schauprozessen, gekommen wie es sie auch in Russland und in Ungarn gegeben hat. Rumänien hatte sich am Ende des zweiten Weltkrieges von der deutschen auf die russische Seite gestellt. Deutschland hat kurze Zeit später den Krieg verloren. Siebenbürgen, das zur Österreichisch-Ungarischen Monarchie gehörte, wurde nach dem Untergang des dritten Reiches Rumänien zugeschlagen. Das ganze Land geriet unter Einfluss der Sowjetunion, 1948 wurde die Partidul Muncitoresc Român, die kommunistische Partei Rumäniens gegründet. Der Siebenbürger Sachse Eginald Schlattner, der das Studium der Theologie abgebrochen und das der Hydrologie angefangen hatte und in Schriftstellerkreisen verkehrte, wurde Ende der fünfziger Jahre verhaftet. Und zwar nicht wegen eines Vergehens, sondern wegen “Nichtanzeige von Hochverrat”, also dem Vergehens eines anderen. Man steckte ihn zwei Jahre ins Gefängnis in Einzelhaft. In dieser Zeit wurde er von der Securitate zum Kronzeugen der Anklage gemacht. Ihm wurde, so muss man das wohl sehen, die Rolle des Zeugen zugewiesen und anderen wurden die Rollen der Opfer zugewiesen. Es wurde von den Anklägern ein Komplott geschmiedet aus gegenseitigen Bezichtigungen und Beschuldigungen. Schlattner hat, teils freiwillig, teils unter Zwang, also Folter, gegen andere Schriftsteller ausgesagt, die daraufhin zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, dann nach zwei, teils auch erst nach fünf Jahren begnadigt wurden.

    Eginald Schlattner hat mit vierzig Jahren noch einmal Theologie studiert und ist, inzwischen nahezu 80 Jahre alt, seither Gefängnispfarrer, sicher auch als Sühne für eigene Verfehlungen. Er hat fünfundzwanzig Jahre nichts geschrieben und dann versucht, das Trauma seines Lebens – er galt allen nur noch als der Verräter – in Worte zu fassen. Er hat drei Romane verfasst – Der geköpfte Hahn, Die roten Handschuhe und Das Klavier im Nebel. In den roten Handschuhen thematisiert er seine eigene Biografie, die zwei Jahre Kerker. Beabsichtigt war das wohl als ein Werk der Versöhnung. Er wollte Rechenschaft ablegen über sich und seine Taten und den Freunden von damals die Hand reichen. Aber es ist anders angekommen. Die Denunzierten haben die Geste nicht als eine der Versöhnung angesehen, im Gegenteil. Im Film fielen die Worte, dass sie sich zweimal von Schlattner verraten fühlen, einmal im damaligen Prozess und dann durch den Roman. Ich glaube ihm, wenn er sagt, dass er mit seinem Roman die Hand zur Versöhnung ausstrecken wollte. Aber keiner wollte diese Hand ergreifen. Die Fronten sind bis heute verhärtet. Die meisten Beteiligten leben auch nicht mehr.

    Schlattner war an diesem Tag die ganze Zeit anwesend. Hellwach und gebeugt, ein wohl auch sehr narzisstischer Mensch, ob schon immer gewesen oder über die vielen Verletzungen geworden, über den im Leben viele böse Worte gefallen sind – „man solle ihn totschlagen wie einen Hund“ – einer der um Fassung ringt. Man sieht es ihm an: der Mann versucht bis heute, sein Leben zu erfassen und zu begreifen. Er versucht zu verstehen, was das Leben mit ihm gemacht hat. Warum Gott ihn an diese Stelle gestellt hat, an einen Platz, an den er nicht hingehörte. In diesem Zusammenhang muss man es verstehen, wenn er an diesem Abend mehrfach gesagt hat, dass er heute der richtige Mann am richtigen Ort sei: ein alter Mann in Siebenbürgen, ein Gefängnispfarrer, der Mörder und Schwerverbrecher besucht und ihnen Trost spenden will für ein verpfuschtes Leben. Trost, denn die Schuld kann er ihnen nicht nehmen.

    Vergessen und Vergebung: das ist ein schwieriges Thema. Für beide Seiten, für Opfer und Täter. Das liegt vor allem daran, das Opfer und Täter oft nicht genau auseinandergehalten werden können. Wie hängen Aktion und Reaktion zusammen? Wo fängt die eigene Tat an? Und wo ist sie bloß eine Reaktion. Wo hört die Rechtmäßigkeit des eigenen Tuns auf? Wo hört die Wahrheit auf und wo fängt die Denunziation an? Wo fängt die eigene Schuld an?  Solche Dinge am eigenen Leib zu erfahren, tut sehr weh. Als Schriftsteller hat man immerhin eine Möglichkeit damit umzugehen: Aufschreiben!

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    21 März 2012

    Die moderne Zeitvorstellung

     

    Die angezeigt Wartezeit entspricht nicht der zu erwartenden Zeit. Das finde ich sehr interessant. Ich hätte da so einige Fragen. Etwa: Warum zeigt man sie dann überhaupt an? Oder: Worin findet die Wartezeit eine Entsprechung, wenn nicht in der zu erwartenden Zeit? Außerdem: Wenn Wartezeit und zu erwartende Zeit einander nicht entsprechen, ja geradezu auseinanderfallen, was zieht das nach sich für die allgemeine Zeitauffassung, wenn Zeit nicht als Wartezeit definiert wird? Was bedeutet das – außerhalb der Zeitvorstellung – für die Begriffe Warten und Erwarten? Das sind sehr wichtige Fragen und ich bedanke mich hiermit ausdrücklich bei der Berliner Verwaltung, die damit einen wesentlichen, in seiner Bedeutung kaum zu überschätzenden Beitrag zur modernen Zeittheorie liefert.

    Das Schild kann übrigens besichtigt werden: Bürgeramt Mitte, Karl-Marx-Allee 31, 10178 Berlin, an Werktagen in der Zeit von 8.00 bis 16.00 Uhr.

    (Mit dem Wort „Zeit“ meine ich jene Zeit, die vor der neuen Definition lag. Die klassische Zeit, die man auf der Uhr ablesen konnte: eine inzwischen gänzlich überholte Definition, da die Zeit einzig sich selbst entsprach.)

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    15 März 2012

    Rumänische Autoren auf der Leipziger Buchmesse

    Ohne weiteren Kommentar, nur um der Information willen, hier

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    14 März 2012

    So! Und damit erlange ich meine Handlungsfähigkeit wieder zurück

    Alles Blödsinn! Ich mache das jetzt genauso wie geplant. Ich arbeite seit beinahe drei Jahren dafür und ich mache das auch zu Ende. Selbstverständlich tue ich das! Das heißt, ich führe das hier weiter.

    Das Blog, dieses Projekt hier, endet mit dem Erscheinen meines zweiten Romans – Aléas Ich – im Januar 2013. Also an genau der Stelle, an der auch der Roman endet. Und der Roman thematisiert eine Rumänin, die an der Humboldt Universität zum Thema Fiktionalität promoviert, nach Das Geräusch des Werdens ihren zweiten Roman schreibt und ein Blog im Netz hat. Ein Blog, das an dem Tag endet, an dem Aléas Ich erscheint. Ist doch plausibel, oder?

    Ich – also ich nämlich, nicht die Frau aus dem Roman, die allerdings genauso heißt wie ich – stehe dann noch einige Monate für eine Diskussion zur Verfügung und an meinem 30. Geburtstag, am ersten Mai 2013, mache ich hier Schluss. Ich ziehe den Stecker heraus und investiere meine Energie in andere elektrische und elektrisierende Dinge.

    Ich habe ein poetologisches Konzept, das erst hinterfragbar und diskutabel ist, wenn man es kennt. Das ist mit vielen Dingen so. Ich werde nicht einfach wegrennen. Aber wenn ich renne, dann dahin.

    So! Und damit erlange ich meine Handlungsfähigkeit wieder zurück.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    11 März 2012

    „Natürlich heißt niemand Aléa Torik“ I

    Ich bin überaus glücklich mit dem Artikel von Nicole Henneberg, dem diese Formulierung, die Überschrift, entnommen ist! Nicht allein, weil mein Buch da gut wegkommt, sondern weil sie ausnahmslos alle mir wichtigen Umstände benennt.

    Im Zentrum meines Romans steht ein Blinder: einer, der sich seiner Sache, seiner sinnlichen Wahrnehmungen, nicht sicher sein kann. Das ist eine zutiefst verstörende Erfahrung. Dann ist Krisztina angesprochen, die beinahe zentrale Figur, die wiederholt erwähnt, aber nie richtig thematisiert wird; die sich bis zuletzt entzieht und den Leser zwingt, sich seine eigenen Phantasien zu machen. Dadurch versetze ich den in die Situation eines Blinden. Das ist es, was das Buch können muss, seine innerste Absicht: einem Sehenden die Erfahrung des Blindseins zu vermitteln. Dann haben wir die schöne Formulierung über Maddox: „Je tiefer ihn etwas berührt, desto vorsichtiger wird er“. Außerdem werden die beiden mir liebsten Kapitel genannt: das über Berlin, über den Überfluss und die Liebe – Der Salon Sucre – und das der Hellseherin Lydija, das, weil hier die Gegensätze zwischen Vergangenheit und Zukunft aufgehoben werden, am schwierigsten zu schreiben war. Frau Henneberg benennt, wie das erste und das letzte Kapitel zusammenhängen und spricht dabei jene Stelle an, von der ich befürchte, dass die meisten Leser sie übersehen: wenn am Ende des Vortrags des blinden Marijan angedeutet wird, dass alles andere, alle Figuren dieses Romans möglicherweise gar nicht wirklich existieren, sondern nur als Einbildung der Zuhörer während des Vortrags . Was man sich eben so einbildet, um nicht selbst zu erblinden, heißt es da irgendwo sinngemäß. Dann ist da gleich zu Anfang die sensationell intelligente Thematisierung meines Identitätsthemas: der Hinweis auf meine Dissertation, wo ich mit den Begriffen Identität, Authentizität und Illusion den Kern von Fiktionalität zu beschreiben und zu begreifen versuche.  Und schließlich am Ende des Artikels die Frage: Stand Mircea Cărtărescu Pate? Sie können sich vielleicht erinnern, dass ich voller Bewunderung für den Mann bin.

    Ich kannte das Gefühl nicht, wenn ein anderer über einen schreibt. Jemand, der wirklich wissen will, was in dem Buch steht. Genau das ist der Umstand, der auch mich interessiert und den ich nur durch einen anderen erkennen kann. Man hat beim Schreiben Absichten und dann ändern die sich, mit oder gegen den eigenen Willen, dann verliert man sie aus den Augen und bekommt anderes in den Blick, das geht so hin und her und jahrelang. Am Ende ist es fertig und man weiß kaum noch, was man da eigentlich fabriziert hat. Das kann nur ein anderer wissen. Ein wohlwollendenden anderer, der nicht das hineinliest, was er gerne sehen will, sondern das heraus, was die Autorin sehen wollte. Der Text ist dann, im Idealfall, eine Art Leinwand, auf die beide, Leser_in und Autor_in gleichermaßen projizieren. Und projizieren müssen sie, denn die Leinwand ist im Grunde, bis auf die dürren Worte, einigermaßen leer.

    Das ist doch eine schöne Kuh auf dem Bild in dem Artikel, oder? Ausgeprägter Rücken und wahrscheinlich ein schönes Gesicht. Nicht so schön und stolz wie die Galloways, aber auch schön. Wäre allerdings dieses Bild verwendet worden, hätte wohl jeder gedacht: Mensch, die Torik hat aber schöne Locken!

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    10 März 2012

    „Das Geräusch des Werdens“ – Heute in der Literaturbeilage der FAZ

    Springen Sie aus dem Bett, lassen Sie alles stehen und liegen, rennen Sie aus dem Haus und kaufen Sie sich eine FAZ! In der heutigen Beilage zur Leipziger Literaturmesse findet sich eine Besprechung meines Romans.

    Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich darüber freue. Ich müsste Ihnen mein halbes Leben erzählen und das mache ich nicht. Sie müssen sich das stattdessen vorstellen. Das schult die Einbildungskraft! Aber bevor Sie die schulen, springen Sie aus dem Bett, lassen Sie alles stehen und liegen, kaufen Sie sich eine FAZ und lesen Sie den ausgezeichneten Artikel von Frau Henneberg. Meint die wirklich mich?

    Machen Sie das nicht! Bleiben Sie liegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich tatsächlich eine solche Besprechung an einem dermaßen exponierten Ort findet, ist so gering, dass es sich nicht lohnt das ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Das Ganze ist wieder mal ein Traum: Ich träume immer dasselbe. Gleich kommt meine Mutter und weckt mich. Ich muss zur Schule, wo ich neben Roxana sitze, die mir zum hundertsten Mal erzählt, dass ihr Bruder Dumitru sie tyrannisiert. Ich schlafe noch und träume wieder, dass ich eines Tages in Berlin leben und Schriftstellerin sein werde, dass ich einen Roman geschrieben habe und an einem zweiten arbeite. Ich bin sechzehn Jahre alt und liege im warmen Bett. Gleich kommt meine Mutter und weckt mich.

    Schlafen Sie weiter. Und sagen Sie meiner Mutter, wenn Sie sie auf der Treppe treffen, dass ich noch träumen möchte. Es dauert noch mehr als zehn Jahre, bis es soweit ist. Träumen Sie, dass Sie jemand mit dem unwahrscheinlichen Namen Aléa Torik kennen – der aber tatsächlich in meinem Personalausweis steht, die ein Buch geschrieben hat mit dem noch unwahrscheinlicheren Titel Das Geräusch des Werdens, der aber tatsächlich auf dem Cover steht. Träumen Sie, es sei eine Rezension in der FAZ erschienen. Und dann springen Sie aus dem Bett, lassen Sie alles stehen und liegen, rennen Sie aus dem Haus und kaufen Sie sich diese verdammte Zeitung: ich stehe da mit einer Besprechung drin. Herrgottnochmal! Wie oft muss ich Ihnen das denn noch sagen?!?

    Hier.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    05 März 2012

    „Das Geräusch des Werdens“ – Am Mittwoch im WDR 3 – Radio

    Die Besprechung meines Romans läuft am Mittwoch, den 7. 3. 2012 zuerst morgens in der Sendung Mosaik – 06:05 bis 09:00 Uhr – und dann in der Sendung Passagen – 12:05 – 15:00 Uhr -. Das sind Magazine mit Kurz-Beiträgen, die genaue Sendezeit ist nicht bekannt. Einen Tag später, sagte man mir, kann man sich die Rezension dann auch gezielt online anhören. Hier kann man sich einen Recorder herunterladen und die Sendung aufnehmen. Ich weiß nicht, wie lange das dauern wird, zwei, drei Minuten vielleicht, oder fünf oder zehn? Wir werden es sehen, nämlich hören. Ich bin sehr gespannt.

    Und hier kann man das jetzt hören. Das hat der Autor wirklich sehr schön gemacht!

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    04 März 2012

    Veränderungen: Ich ziehe mich aus dem Netz zurück

    Ich dachte, ich könne das noch ein wenig hinauszögern. Vielleicht kann ich es auch. Aber diese Ankündigung kann ich nicht verzögern. Es wird hier zu deutlichen Veränderungen kommen, die ich noch nicht in allen Einzelheiten kenne. Ich werde mich aus dem Netz zurückziehen. Nicht in Gänze, aber zu einem wesentlichen Teil. Das Blog werde ich in dieser Form nicht weiterführen. Ich kenne das Ende noch nicht genau. Meinem Charakter aber liegt ein radikaler Schnitt sehr viel näher als ein langsames Sterben.

    Das hat verschiedene Gründe, die in erster Linie in der Arbeit mit Texten zu finden sind. Ich habe mich beim Essaywettbewerb von Edit beworben und dazu meinen Essay zu David Foster Wallace überarbeitet, vielmehr neu geschrieben. Nach meiner eigenen Einschätzung ist dies das mit Abstand Beste, was ich bisher gemacht habe. Das war sehr viel befriedigender als das Schreiben im Blog. Und während ich im Blog keinerlei Entwicklungen mehr spüre, ich spreche von meinen eigenen Entwicklungen!, ist in dem essayistischen Bereich sehr viel möglich. Ich muss mir Bereiche suchen, wo ich mich entwickeln kann. Das wichtigste Ziel in meinem Leben lautet: ich will eine exzellente Schriftstellerin werden.

    Da sind noch einige andere Dinge, die ich mir gerne erschließen möchte: textintensive Arbeiten zu Autoren und theoretischen Zusammenhängen, beispielsweise Der blaue Kammerherr von Niebelschütz. Ich kann das nicht nebenbei machen. Dass mein Essay bei Edit erscheint, ist recht unwahrscheinlich, es hat mehr als siebenhundert Einsendungen gegeben. Ich werde mir wohl nach dem Wettbewerb einen Ort dafür suchen müssen. Leider suchen dann auch noch sechshundertneunundneunzig andere. Sicher ist jedenfalls, dass ich nicht mehr hundert Artikel im Jahr schreibe. Ich will lieber zehn gute schreiben. Ich will auch wieder mehr lesen. Ich schiebe so viel vor mir her, wie nie zuvor. Das Interesse an diesem Blog scheint auch so gering wie noch nie, es gibt nahezu keine Kommentare mehr. Das ist vielleicht eine gute Koinzidenz.

    Selbstverständlich werde ich diese Webpräsenz weiterführen. Ich will über Das Geräusch des Werdens reden. Da passiert mir zu wenig und ich werde das wohl anschieben müssen. Außerdem, das ist vielleicht sogar noch der wichtigere Grund – dafür nämlich, dass ich nicht gänzlich gehe -: ich will über meinen nächsten Roman – Aléas Ich – reden, der im Januar des kommenden Jahres erscheinen wird. Ich weiß das bereits von meinem Prof und ich höre es auch aus anderen Ecken, derzeit vor allem von Literaturwissenschaftlern: da wird es ganz massiv Diskussionsbedarf geben. Ich weiß, dass da einige begeistert sind, andere schütteln den Kopf. Dieser Auseinandersetzung  werde und will ich mich stellen. Das wird, wenn ich das richtig voraussehe, eine wilde Diskussion geben.

    Ich kenne das Neue noch nicht, aber ich spüre sehr deutlich, dass dies das Alte ist.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    03 März 2012

    Dem neuen Sommer entgegen

    Ich konnte dem Roman von Janet Frame bedauerlicherweise nicht viel abgewinnen. Ich bin in den Text einfach nicht hineingekommen. Ich habe bis zur Hälfte gelesen, mit zunehmender Mühe. Dabei ist es eigentlich ein Thema, das mich sehr interessiert. Eine Frau aus Neuseeland kommt nach England, ein Land dessen Sprache sie zwar spricht, in dem sie sich aber fremd fühlt. Grace Cleave, alter ego der Autorin, ist Schriftstellerin, fährt für ein Wochenende zu dem Literaturkritiker Philip, dessen Frau ebenfalls aus Neuseeland kommt, aufs Land. Und da fühlt sie sich unwohl. Möglicherweise war es auch zu sehr mein Thema, dass ich mich meinerseits nicht wohl gefühlt habe mit dem Buch.

    Grace Cleave fühlt sich überhaupt unwohl. Sie ist unter Menschen einsam, gehemmt und am falschen Platz. Das ist oft mit Künstlern so, dass sie sich nicht ganz wohl in Gesellschaft befinden, weil sie eben eigen sind, eigensinnig, eigenwillig und eigenartig. Grace Cleave verbringt ein Wochenende auf dem Land, es passiert nichts und wenn außen nichts passiert, ist das ist immer eine gute Gelegenheit auf das Innen zu verweisen. Grace ist überaus empfindsam, das Zwischenmenschliche ist ihr fremd. Sie weiß sich nicht zu artikulieren, zu bewegen und zu verhalten. Sie ist der Überzeugung kein Mensch, sondern ein Zugvogel zu sein. Aber darüber kommt es nicht hinaus. Jedenfalls nicht in dem was ich gelesen habe.

    Die Sprache ist schnörkellos und einfach und es wird kaum mehr als die alltäglichen Belanglosigkeiten berichtet. Das ist der Punkt, an dem ich Wiederstand entwickelt habe. Ich habe nichts gesehen, was an einen Plot erinnert. Das ist für mich eine kurze Erzählung und dafür ist sie zu lang. Gefallen haben mir allerdings die Erinnerungen an Neuseeland. Die sind sehr einfühlsam geschildert. Das ist aber nur ein kleiner Teil, der überwiegende Rest beschreibt das Unwohlsein eines Lebens in London und das Zugvogeldasein. Das bleibt in meinem Empfinden weit hinter Virginia Woolf zurück. Allerdings möchte ich auch nicht vorgehalten bekommen, dass ich schlechter schreibe als Herta Müller.

    Es wird sicher an mir liegen. Am Ende steht dann der Geschmack und fällt ein Urteil. Und wenn es nicht geht, muss man es eben lassen. Ich nehme es auch nicht in die Liste der gelesenen Bücher auf. Alle anderen sind auch anderer Meinung als ich. Hier sehen Sie Frau Radisch, die wohl eine sehr berühmte Literaturkritikerin ist.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    01 März 2012

    “Mărţîşor”

    Mărţîşor – sprich: Märzischor -: Vom ersten bis zum dritten März werden die sogenannten Mărţîşoare – Märzchen – verschenkt. Das sind kleine Glückssymbole, meistens Amulette aus geflochtenen Seidenfäden. Damit wird der Frühling begrüßt. Kommen die Störche, wird das aufs Hausdach geworfen oder vergraben. Die kleinen Geschenke sollen der Schönheit der Frauen dienen, was ja wieder, das ist nicht selbstlos, den Männern zugutekommt. Die Welt ist weit weniger kompliziert als bisweilen angenommen. Hier gibt es die Einzelheiten.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.