Diesseits
Jensseits
Kommentare:
Aléa Torik: Ich hatte bereits angekündigt, meine Präsenz im Netz zu reduzieren. Ich werde weiterhin Beiträge einstellen, seltener als bisher. Die Kommentarfunktion ist deaktiviert. Ich bedanke mich bei allen, die hier regelmäßig mitgeschrieben und dafür gesorgt haben, dass das ein spannendes und...
Aléa Torik: Lieber Christian, ich glaube, ich habe einen Ort für den Essay. Ich bin nicht ganz sicher, ich habe eine positive Mail bekommen und auch erfreut geantwortet, dann aber keine Reaktion mehr bekommen. Aber wenn es wahr ist – wenn es tatsächlich wahr sein sollte … dann hören Sie...
Christian: liebe Alea, apropos Essay: freue mich schon auf Ihren Essay zu David Foster Wallace den Sie hier vor Kurzem erwähnten. Gibt es schon einen Termin und Ort für die Veröffentlichung? liebe Grüße Christian
Aléa Torik: Lieber NO, zurück im Alten Europa? Ich vermute, bei Ihnen geht die Kulturumstellung inzwischen relativ schnell und Gewöhnung und der Alltag gewinnen bald Oberhand? Inzwischen beinahe schon ungewohnt, mich zu Kommentaren und Eingaben zu verhalten: Ich habe die Funktion deaktiviert, das...
NO: Alea Torik, Das Geräusch des Werdens, und Maddox, der verrückte Hund(e) Zurück aus den USA und noch ein Letztes: Maddox. Maddox, na ja. Ganz lustig. Ein Überempfindlicher, der in Masken und mit Zylinder herumläuft, der wie ein Bauchredner nicht mit den Menschen selber spricht, sondern nur...
Phorkyas: Liebe Alea, dieses Kommentarfeld hier hatte ich übersehen. Das ist eine sehr runde Sache geworden, Ihr Roman, wie ich finde – das lange Leiden und Feilen hat sich also gelohnt. Mir hat die Beschreibung von Marijans Mobilitätstraining sehr gefallen. Ich weiß nicht, ob Sie das schon...
Aléa Torik: Lieber Avenarius, vielen Dank für die wohlmeinenden Worte. Die tun mir mehr gut als Sie glauben mögen. Ich werde weitermachen, weil es auch für den nächsten Roman wichtig ist. Und ich werde wohl die Kommentarfunktion deaktivieren. Das ist eine schwierigere Entscheidung als man...
avenarius: Liebe Alea, im Verhältnis zu Ihrer vorherigen Präsenz haben Sie sich bereits aus dem Netz zurückgezogen. Aber warum sollte ein Blog nur wegen verminderter Aktivität aufgegeben werden. Ich würde weiterköcheln – auf Sparflamme. Frohe Ostertage wünscht - avenarius
Aléa Torik: Liebe Azadeh, dafür gibt es einige Gründe und einige andere, die dagegen sprechen. Ich muss mir noch überlegen, wie ich das formuliere. Einmal für mich selbst und einmal hier, in der Öffentlichkeit. Ich hatte Anfang März schon überlegt, mich gänzlich aus dem Netz zurückzuziehen:...
Azadeh Sepehri: Warum denn?
Aléa Torik: Liebe Azadeh, ich überlege, die Kommentarfunktion gänzlich auszuschalten. Ich habe mich aber noch nicht entschieden. Aléa
Azadeh Sepehri: Liebe Alea, warum kann man unter Ihren letzten Beiträgen keine Kommentare hinterlassen?
Azadeh Sepehri: Liebe Alea, ich glaube, ich hatte ihren Beitrag falsch verstanden und dachte, Sie schreiben unter einem Pseudonym. Aber auch falls Sie dies machen würden, fände ich es nicht schlimm. Schließlich hat jeder das Recht, selber darüber zu entscheiden.
Aléa Torik: Liebe Azadeh, ich schlage vor, wir warten bis zur Veröffentlichung davon, was im Januar 2013 der Fall sein wird, und dann kann jeder entscheiden, was mein richtiger Name ist, was das richtige und das falsche Verhalten war. Herzlich Aléa
Azadeh Sepehri: Interessant. Ich dachte, Sie schreiben unter Ihrem “richtigen” Namen.
Aléa Torik: Liebe Azadeh, „Nehmer“ und „Geber“: Nehmen ist ja auch leichter als geben. Sein Recht in Anspruch zu nehmen ist leichter als einer daraus resultierenden Plicht zu entsprechen. Dass Recht und Pflicht so eng miteinander verbunden sind, dass sie dasselbe sind, auseinander hervorgehen,...
Aléa Torik: Lieber Holio, Sie können hier gerne mit Ihrem Meißel klopfen. Und ich habe auch nichts dagegen, wenn dabei etwas anderes herauskommt als ich das beabsichtigt habe. Soviel verstehe ich von Literatur, um zu wissen, dass die Autorin eine Interpretation unter anderen hat. Es stehen, sowie...
Aléa Torik: Lieber NO, auch für mich sind Lydijakapitel und Aufzählungskapitel die beiden Höhepunkte dieses Romans. Es sind wohl auch die beiden schwierigsten Kapitel. Das Zentrum des ganzen Textes ist sicher das Aufzählungs- oder Berlinkapitel. Das war geplant als eine Beschreibung des...
avenarius: Liebe Alea, ja natürlich, es gibt immer eine Macht. Macht bedarf, ganz anders als die Gewalt, keinerlei Rechtfertigung, “da sie allen menschlichen Gemeinschaften immer schon inhärent ist. Hingegen bedarf sie der Legitimität. Macht entsteht, wann immer Menschen sich zusammenfinden...
Aléa Torik: Lieber Ave Narius, ich bin da, soweit ich sehe, völlig einverstanden. Nur mit dem „Medusenhaupt der Macht“ habe ich Schwierigkeiten: es muss eine Verfassung geben, eine Legislative, und dann muss es auch eine Executive und eine Judikative geben. Es muss eine Macht geben und sie muss...
Archiv vom Februar, 2012
„Wie Hunter Mayhem nach Uruguay reiste“
Ich mache Werbung in anderer Sache: Vor einiger Zeit fand sich eine nette Mail in meinem Postkasten. Im Nachgang ergab sich eine schöne Korrespondenz, die beinahe im Streit geendet wäre. Es ging aber nicht etwa darum, wessen Roman der Bessere ist, sondern vielmehr darum, wessen Opa den besseren Traktor besitzt. Da hat bedauerlicherweise der andere Opa derzeit mit einem selbstgebauten Modell die Nase vorn. Nun weiß man allerdings nicht, wie der wirklich fährt. Und ich lasse mir nur sehr ungern ein X für ein O vormachen.
In der Mail hat mir Francis Nenik von seinem Buch berichtet, ein Roman mit dem Titel „XO“. Man kann den Text im Netz herunterladen, man kann ihn aber auch kaufen. Mein Verständnis des Kapitalismus ist sicher eher hinkend als fliegend, ich verstehe das nämlich nicht. Ich verstehe nicht, welchen Anreiz es geben soll, das, was man gratis haben kann, zu kaufen. Indem ich es gratis abgebe, verhindere ich doch geradezu den Verkauf. Ich würde einen kleinen Teil, die ersten Seiten hergeben und wer mehr will, muss es kaufen. Hier können Sie sich das anschauen.
Der Verfasser von Mail und Roman hat auch Kurzgeschichten geschrieben. Es gibt bei den Quandery Novelists Geschichten von ihm und seiner Gang, wahlweise auf Deutsch und auf Englisch, wahlweise mit oder ohne Entlohnung. Ich habe diese Geschichte hier gelesen und die gefiel mir wirklich gut: „Wie Hunter Mayhem nach Uruguay reiste“.
Obwohl es also nach meinem Verständnis wenig Anreiz gibt den Roman zu kaufen, habe ich es dennoch getan. Ich habe Auszüge online gelesen habe und fand das interessant genug, um es in Gänze lesen zu wollen. Aber ich habe keine Lust achthundert Seiten (!) am Bildschirm zu lesen. Ich werde sicher etwas dazu sagen, vielleicht im April oder Mai, wenn mein eigener Text beim Lektor liegt und hier weniger zu tun ist.
Bei der Gelegenheit werde ich auch etwas zu der Situation von Autoren sagen, wie sie sich mir darstellt: zu den klassischen Verlagen mit ihrer Dinosaurierstruktur und den modernen Publikations- und Vertriebswegen. Dazu wie Autoren sich heute präsentieren müssen, was der Markt macht und ob man da mitmachen muss, kann oder soll. Das ist eine Diskussion, die ich als wichtig, aber derzeit für mich hier nicht förderlich empfinde. Ich setzte ja auf den alten Weg: Verlag. Sonst hätte ich mein Buch schon vor drei Jahren veröffentlichen können. Heute möchte ich lediglich auf den Roman von Herrn Nenik hinweisen. Vielleicht kaufen Sie sich den ja auch. Sonst können Sie, wenn es soweit ist, nicht mitreden.
So sieht‘s aus, und hier können Sie das kaufen.
Nachtrag: Es gibt bereits die ersten Spuren des Buches, hier. Heute ist der fünfte März und ich bin dabei, XO zu lesen und bin überaus angetan.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema mittel, Zur Sprache verholfen | Eintrag von Aléa Torik | um 10:27 eingtragen | Kommentare: keine | Kommentieren
Der Atlas des Westens V
Das ist jetzt meine letzte Bemerkung zu der Auseinandersetzung mit dem Text von Daniele Del Giudice. Ich habe das schon einmal an anderer Stelle gesagt. Da wollte das keiner hören. Deswegen sage ich es jetzt noch einmal. Ich wiederhole das so lange, bis man mir endlich Gehör schenkt oder mir widerspricht: Die Bilder der Physiker – vom Universum und dem ganzen Rest – sind sehr schöne, in erster Linie allerdings poetische Bilder. Wir visualisieren die Umstände, um sie uns vorstellen zu können. Aber was wir uns vorstellen können, ist nicht die Wahrheit über das, was da draußen wirklich ist. Es ist die Wahrheit über das, was wir uns vorstellen.
Meine Vermutung zu dieser Teilchen-Physik ist: diese Leute sind auf der Suche nach einem Bild und nicht nach einem Ereignis. Oder in den Worten, die wir hier bereits hatten: unter den Worten verbergen sich die Bilder.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema - Del Giudice, Daniele : Atlas des Westens, kurz | Eintrag von Aléa Torik | um 10:15 eingtragen | Kommentare: 8 | Kommentieren
Der Atlas des Westens IV
Der Schriftsteller Epstein beschreibt drei nebeneinander stehende Personen:
„Epstein überlegte einen Augenblick lang, wie die Stellung eines jeden Einzelnen von ihnen, die kleineren und größeren Abstände zueinander, die Beziehung im Raum und zum Flugzeug, das sie inzwischen wieder alle betrachteten, noch stärker als die Gesten zum Ausdruck brachten, wie man sich und die anderen sah, und diese Bilder verbargen sich unter Sätzen wie: ‚Hoffentlich kommt er bald zurück‘, oder ‚Ich bin mir nicht sicher, ob das Fahrgestell etwas abbekommen hat, aber lieber nichts riskieren.‘ Er dachte, all dies hielte die Menschen aufrecht, wie ein Gerüst, und wenn es plötzlich wegfiele, brächen auch die Menschen zusammen, wie jemand, der im Laufen geköpft wird und dessen Körper noch ein paar Schritte macht, bevor er zusammenbricht.“
Daniele Del Guidice, Der Atlas des Westens, Seite 20
Da freut sich die Literatur_wissenschaflerin! Eine sehr gelungene Passage: die Worte halten die Menschen aufrecht und fielen sie, die Worte, weg, wäre das wie wenn jemand im Laufen geköpft wird und noch ein paar Schritte weitertaumelt. Die Bilder verbergen sich unter Sätzen!
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema - Del Giudice, Daniele : Atlas des Westens, mittel | Eintrag von Aléa Torik | um 14:00 eingtragen | Kommentare: keine | Kommentieren
Der Atlas des Westens III
[Die Einträge zu Del Giudice sind jetzt ein wenig zerrissen, was den Umständen mit der Lesung zuzuschreiben ist und dem Absturz meiner Festplatte. Aber es muss ja nun einmal weitergehen.]
Sehr interessant sind solche Formulierungen wie die folgende, wo einer mit seinem Auto über eine Straße fährt: „Brahe betrachtete die bewegliche Landschaft oberhalb des Armaturenbretts.“
Wir wissen, dass die Landschaft feststeht und wir es sind, die sich durch sie hindurchbewegen. Aber wir wissen auch, dass in dem Moment wo wir das tun, sich die Landschaft an uns vorbeibewegt. Unser Wissen von den Tatsachen – die Landschaft steht fest – lässt sich mit unserer Wahrnehmung nicht in Einklang bringen. Wir sind daran gewöhnt, diesen Widerspruch zu ignorieren. Aber er ist dennoch da. Es ist immer da, wenn wir uns ins Verhältnis zu den Dingen setzen.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema - Del Giudice, Daniele : Atlas des Westens, kurz | Eintrag von Aléa Torik | um 22:38 eingtragen | Kommentare: 2 | Kommentieren
Schreiben Sie mir eine E-Mail
Bedauerlicherweise ist gestern meine Festplatte kaputtgegangen. Die Dateien hatte ich auf einem Stick, alles andere lag in Gottes Händen. Und der kannte sich leider mit Computern nicht aus. Die gesamte Architektur meines Rechners ist weg. Unter vielen Dingen auch alle E-Mail-Adressen. Und nicht nur die Adressen. Sollten Sie mir am 15. oder am 16. Februar eine Mail geschrieben haben, ist die nicht angekommen.
Bitte schreiben Sie mir eine Mail, dann habe ich wenigsten Ihre Adressen. Am liebsten ohne Inhalt, sonst muss ich hundert Mal meine Verfassung erklären. Die wird davon aber nicht besser. Ich nutze jetzt nur noch eine Adresse:
alea.torik(ät)aleatorik.eu
Vielen Dank!
Ich vermute, dass mintestens – da ist mir doch das rumänische Wort minte dazwischen gerutscht, mintestens ist die Steigerung von minte. Es muss also heißen: mindestens – einer von Ihnen mir eine Mail geschrieben hat. Ich habe keine bekommen. Was immer das ist. Wenn es etwas Dringendes gibt, vorläufg bin ich zu erreichen unter aleatorika@googlemail.com
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema Der Sache nach | Eintrag von Aléa Torik | um 12:06 eingtragen | Kommentare: 2 | Kommentieren
Mysterium
„Die tiefste Lehre Prousts – wenn Dichtung je belehrend sein kann – besteht darin, das Wirkliche in der Beziehung zu dem zu sehen, was auf immer anders bleibt zu dem Anderen als Abwesenheit und Mysterium“. (Emmanuel Lévinas)
„Die Beziehung zum Andern, so betont Lévinas immer wieder, ist Ethik. Nur wenn diese wahrgenommen wird, kann der Andere als Anderer erscheinen. ‚Das absolut Neue ist der Andere‘. Nur in diesem ‚Ausgehen vom Anderen‘ wird der andere nicht objektiviert, kein Gegenstand des forschenden Wissens, der Deutung oder der vereinnehmenden Behandlung. Der Andere fordert zum Handeln in Güte heraus. … Nach Lévinas ist der Andere nicht etwas, das aus mir erwächst, sondern in mich einfällt.“ (Heinz J. Kersting).
In diesem Zusammenhang schrieb mir Alice, von der ich Zitat und Stellenangabe habe: „In Ihrem Roman erlebe ich die Figuren in diesem Sinne oder mit der gleichen Haltung dargestellt: mit Liebe und Respekt, fast so, als würden Sie selbst sich den Zugriff auf die von Ihnen erschaffenen Figuren verbieten, denn diese sind frei, auch zu scheitern.“
Das sind Formulierungen, die mich ganz ungeheuer freuen. Etwas in der Art empfinde ich ebenfalls. In der ästhetischen Formung fiktiver Figuren – eines Figurenensembles -, entzieht sich immer etwas. Das ist kein Fehler und auch keine Schwäche, sondern literarisch notwendig. Und das ist eine Art ethischer Grundierung. Diese Figuren sind insoweit frei, und also nicht an die Autorin gebunden, da sie tatsächlich auch scheitern können. Also nicht in ihrer Konzeption durch mich, sondern in ihrem Sein an sich.
Das ist etwas, das ich dem Leben gegenüber habe, der Respekt, der aus dem Wissen stammt, dass man scheitern kann. Das muss ich als Autorin meinen Figuren mitgeben können. Das ist eine Intensität, die weit über Fragen von Handlungsaufbau, Plot oder Spannung hinausgeht. Ich muss meinen Figuren etwas mitgeben können, das über mich hinausgeht. Das ist das Mysterium.
Ich glaube, mit diesen Formulierungen findet der langwierige Abnabelungsprozess von dem Roman wirklich zu seinem Ende! Deswegen ist das ein wichtiger Eintrag.
Emmanuel Lévinas, Amour et révélation, In: Huot-Pleuroux, P. u.a. (ed.): La charité aujourd’hui. S.O.S, Paris 1981: S. 133-148. In: Heinz J. Kersting: Zirkelzeichen. Supervision als konstruktivistische Beratung. Wissenschaftlicher Verlag des Instituts für Beratung und Supervision (IBS) Aachen, 2002: S. 79.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema Das Geräusch des Werdens, mittel | Eintrag von Aléa Torik | um 17:00 eingtragen | Kommentare: keine | Kommentieren
Gehirn und Gedicht
Ich fand das erst interessant, dann aber sehr schnell nicht mehr: die neurologische Fundierung des Lesens und Denkens im Gehirn. Wenn es so ist wie im Folgenden beschrieben wird, dass ein aufnehmende Lesen nur innerhalb der Pausen möglich ist, die das Auge von den permanenten Blickrichtungswechseln macht, dann ist das eben so. Das ist bei allen Menschen der Fall, das ist einfach die neurologische Grundlage. Wir müssen da nicht lange drüber nachdenken, was sein könnte, machten unsere Augen keine Pausen oder wären wir doppelt so intelligent wie wirs sind.
Ich habe diesen Gedanken schon einmal anhand der These Cărtărescu angesprochen, dass die Welt der Termiten so aussieht wie ihre Kaufwerkzeuge ihnen das vorgibt. Diese termitische Strukturierung der Welt, das gilt auch für uns. Bei Cărtărescu können Sie sich einen Termin holen, und danach gehen Sie gleich mal zu dem Kollegen über den Flur und dann rechts, zu Ion Manolescu hierher, der hat einen großartigen Roman geschrieben, die Ausschnitte finden Sie hier, und dann sind sie eins, zwei drei auf dem neusten Stand.
Jetzt aber zu den Gehirnforschern:
„Sie wissen auch, obwohl die Worterkennung die Basis des Lesevorgangs ist, ist es ja noch viel komplizierter, denn Bedeutung entsteh ja auch in Wortkombinationen, in Sätzen in Phrasen. Das ist keine Statische Angelegenheit, sondern wir müssen dreimal oder viermal pro Sekunde ruckartig unsere Augen bewegen, zwölf Blickbewegungsmuskeln müssen dafür von unserem Gehirn koordiniert werden. Zwischen diesen ruckartigen Sakkaden (Blickzielbewegungen) liegen kurze Pausen, Fixation genannt, die im Mittelwert nur eine Viertelsekunde dauern und nur während dieser Fixationen, kann das Gehirn die Information aufnehmen, die es zum sinnentnehmenden Lesen benötigt. Kurzum, das Gehirn verhält sich ein bisschen wie Bölls Clown, der nur Augenblicke sammelt, aber aus diesen Augenblicken konstruiert es dann etwa ein Gedicht, das wiederum dem Gehirn einer anderen Person entnommen ist, in diesem Fall Ricarda Huchs.“ (Arthur Jacobs)
Raoul Schrott und Arthur Jacobs über “Gehirn und Gedicht”, hier.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema mittel, Paralipomena | Eintrag von Aléa Torik | um 18:21 eingtragen | Kommentare: keine | Kommentieren
Am 16. Dezember 2010 ist Thien Tran in Paris verstorben
Am 16. Dezember 2010 ist Thien Tran in Paris verstorben. Er hat das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium bekommen. Ich kann mich an die Lektüre von Rom, Blicke von Brinkmann erinnern. Ich habe das Buch einmal in eine Reihe mit zwei anderen mich beindruckenden Büchern gestellt: Örtliche Leidenschaften von Barbara Bongartz und Die Insel des zweiten Gesichts von Albert Vigoleis Thelen.
Wie Thien Tran wohl gelebt haben mag? In Vietnam geboren, kam er mit drei Jahren nach Deutschland. Fühlt man, wenn man in dem Alter hierher kommt, die eigene Fremdheit oder die der anderen? Er studierte Literatur und Philosophie, hat einen Band mit Gedichten veröffentlicht, und wollte, wie ich irgendwo gelesen habe, immer mit dem Kopf durch die Wand. Das ist keine schlechte Angewohnheit für einen Dichter. Es gibt einfach sehr viele Wände und wenn man anders hindurch käme als mit dem Kopf, dann bräuchte man nicht Dichter werden. Man nähme einfach Türen, Fenster, Treppenhäuser, Aufzüge. Man sieht die natürlichen Löcher in den Wänden und muss nicht mühsam eigene hineinbrechen.
Wie Thien Tran wohl gestorben sein mag? Vielleicht ist er genauso tragisch, so lächerlich ums Leben gekommen wie Brinkmann in London. Weil er nicht an den Linksverkehr gewöhnt war und beim Überqueren der Straße instinktiv in die falsche Richtung geschaut hat. Aber Thien Tran ist in Paris gestorben. Vielleicht hat er keine Wand mehr gesehen, durch die er hindurch konnte? Überall nur Ausweglosigkeit statt Wände und Löcher. Vielleicht hat er sich vom Leben verabschiedet, wie so viele Dichter. Suizid und Sprachlosigkeit haben einiges gemein.
Ich weiß kaum etwas über den Mann, nichts über seine Dichtung, nichts darüber, wie er mit Worten gelebt hat. Ich kenne ihn gar nicht. Er steht im Alphabet bei Literaturport einfach nur unter mir. Vorher stand er unter Claudia Tomann.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema mittel, Paralipomena | Eintrag von Aléa Torik | um 10:52 eingtragen | Kommentare: keine | Kommentieren
Wo haben Sie eigentlich alle gesteckt?
Das war gestern ein rundum gelungener Abend. Besser hätte das nicht laufen können. Ich war den ganzen Tag über ziemlich aufgeregt. Ich habe mich vor der Lesung mit einer Dame von der Presse getroffen. Die wollte mich auf Herz und Nieren prüfen. Dummerweise hatte ich, bevor ich das Café betrat, das Gefühl, weder das eine noch das andere zu haben. Ich war aufgeregt. Das bin ich auch jedes Mal, wenn ich mich mit meinem Prof. treffe. Ich bin ein wenig zu spät gekommen. Sie saß schon da und hatte mein Buch auf dem Tisch liegen.
Ich habe ihr dann von meinen beiden Roman erzählt und sie mir von ihrem Vater, der lange mit dem Schreiben gekämpft, es aufgegeben hat und jetzt gerade wieder damit anfängt. Das Schreiben kann ein Kreuz sein. Aber auch ein großes Glück. Dann haben wir über die rumänische Literatur gesprochen - Mircea Cărtărescu, Herta Müller und Oskar Pastior – und über Rumänien natürlich. Das ganze Gespräch war ausgesprochen gut. Das war sogar noch besser.
Danach bin ich zu spät zu meiner Lesung gekommen! Da war gewollt. Zwei Freunde haben für mich gelesen: Valentina und Claus. Es waren etwa fünfzig Leute anwesend. Ich stand in der letzen Reihe und konnte mir das in Ruhe anhören. Ich habe die Worte von Herrn Osburg mitbekommen, der von meinem Buch geschwärmt und die von Frau Schwind, die meine beiden Vorleser_innen schön eingeführt hat. Dann wurde „Es war dasselbe, es fühlte sich nur vollkommen anders an“ gelesen. Ich konnte kaum glauben, dass ich das geschrieben habe. Wieder einmal stellte ich fest, dass der Text, wenn man alleine davor sitzt, ein anderer ist. Ein anderer als der, der dann in einem Buch steht. Und er verändert sich noch einmal, wenn er von fremden Stimmen gelesen wird. Er verändert sich, wenn er gehört, wenn er verstanden wird. Und wahrscheinlich verändert er sich auch, wenn er nicht verstanden wird.
Ich muss die Dinge manchmal aus der Ferne wahrnehmen. Ich fühle mich dann sicherer. Außerdem bin ich nur vorlaut, wenn das Netz dazwischen ist. Ich stand dort hinten und habe gelächelt und ich weiß, dass die beiden da vorne das gesehen haben. Später drückte mir Herr Osburg den nächsten Vertrag in die Hand. Damit wäre auch „Aléas Ich“ unter Dach und Fach: Erscheinungstermin Januar 2013! Das war also wirklich ein sehr schöner Tag. Dann habe ich meine beiden Vorleser noch in ein Restaurant eingeladen.
Wo haben Sie eigentlich alle gesteckt?
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema mittel, Paralipomena | Eintrag von Aléa Torik | um 15:23 eingtragen | Kommentare: 8 | Kommentieren
Veranstaltungshinweis: Lesung am 10. Februar 2012
Am kommenden Freitag wird bei der Vernissage Stadt, Land, Fluss mein Roman „Das Geräusch des Werdens“ vorgestellt. Es wird, wenn das technisch machbar ist, einen Mitschnitt dieser Lesung geben, den ich hier auf der Seite einstellen werde.
Hier ist die Ankündigung. Wenn Sie kommen möchten, dann können Sie sich anmelden unter: ms(ät)schwindkommunikation.de
19.00 Galerie SCHMALFUSS BERLIN Knesebeckstr. 96 VH 3. St. 10623 Berlin.
Und der Tagesspiegel hat auch Wind von der Sache bekommen.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema Allzupersönliches, Das Geräusch des Werdens | Eintrag von Aléa Torik | um 17:59 eingtragen | Kommentare: 8 | Kommentieren