Diesseits
Jensseits
Kommentare:
Aléa Torik: Lieber Christian, auch Ihnen vielen Dank für Ihren Kommentar und den Link zu den Blinden. Es ist immer interessant, wenn ich als Autorin erfahre, was den Lesern gefällt und was nicht....
Aléa Torik: Lieber Philipp, vielen Dank für Ihren Kommentar zu meinem Buch. Die Verknüpfung einzelner Lebensschicksale zu einem großen Bild ist das, was ich wollte. Da ich die Wahrnehmungsweise...
Aléa Torik: Lieber Dietmar, einerseits hat Mircea Cărtărescu recht, wenn er die deutschen Journalisten anfaucht und sich beschwert, dass die immer bloß nach der Securitate fragen können, weil...
Der Buecherblogger: Liebe Aléa, Es ist ja nicht so, dass die Securitate bei Ihnen nicht erwähnt würde: “Der Geheimdienst vielleicht, dessen Namen alle kannten und den doch niemand laut...
Christian: Zum Thema blinde Fotografen gibt es hier ein Projekt: http://www.kilianfoerster.de/b linde.htm
Aléa Torik: Lieber Philipp, nur vorläufig: Sie haben Recht, es ist völlig überzogen, dass ein Blinder fotografiert: http://www.youtube.com/watch?v =2YfCgFGf9Ak Aléa
Aléa Torik: Lieber Dietmar, bevor ich jetzt zum nächsten Nervenzusammenbruch übergehe, Scheißcomputer!, mache ich eine kleine Pause. Ihr Kommentar hat mich wirklich außerordentlich gefreut. Im...
Philipp: Liebe Aléa, den Idioten habe ich nicht zu Ende gelesen. Ihren Roman schon. Wenn das kein Kompliment ist… Sehr gut gefallen hat mir der Stil und die Gesamtkomposition. Das liest sich...
Christian: Liebe Alea, das kürzen des Textes stell’ ich mir sehr schwer vor. Ehrlich gesagt hat mir die von mir erwähnte Stelle nicht am besten gefallen. Aber sie hat mir am meisten Spass...
Der Buecherblogger: Liebe Aléa, gestern nacht habe ich Ihren Roman zu Ende gelesen. Sie mögen sich schon längst zu neuen Ufern Ihrer Identität aufgeschwungen haben, aber in mir brodelt das, was ich...
Aléa Torik: Lieber phorkyas, wir Rumänistinnen sind alle auch Romanistinnen, denn die Romanistik umfasst die Sprachen Rumänisch, Italienisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch. Mindestens....
phorkyas: Liebe Aléa, dann hatte ich mich da nicht verhört. Bisher war mir nur eine rumänische Romanistin begegnet. In der Tat war das die Verteidigung – viel schlimmer war es aber den Text...
Aléa Torik: Lieber Phorkyas, ich vermute, die Situation war die, dass Sie Ihre Dissertation verteidigt haben?! Da habe ich noch Zeit. Rumäninnen können, wenn es die Männer zu beeindrucken gilt, so...
phorkyas: Liebe Aléa, bei dem Ausdruck Triumph habe ich auch länger gezögert, aber mir war kein besseres Wort eingefallen. Vor kurzem habe ich etwas Ähnliches hinter mich gebracht, stand aber...
Aléa Torik: Lieber Phorkyas, Triumph wäre nicht das richtige Wort. Ich triumphiere nicht, das wäre nicht mein Stil. Ich hätte es vorne sitzend nicht so genießen können wie hinten stehend. Es gibt...
phorkyas: Ich stand in der letzen Reihe und konnte mir das in Ruhe anhören. Das klingt nach einem wunderbar in der Stille ausgekosteten Triumph. @Dr. No: Frauen mit Akzent, oh ja! Und ein...
Aléa Torik: Lieber NO, Vielen Dank für den Kommentar. Drei Geständnisse an einem Sonntagmorgen? 1) Was die Leselänge betrifft, hatten zuvor alle gewarnt, dass es zu lang werden könnte. Außer Herr...
NO: Der Rausch des Werdens Glückwunsch!!!!! In üblichem hanseatischen Stil, den ich ja mit Wolf-Rüdiger Osburg teile, herkunftsbedingt, könnte man von einer gelungenen Veranstaltung sprechen. Die...
Aléa Torik: Ich danke Ihnen allen, für die guten Wünsche und statt hier lange zu antworten, schauen Sie meinen neuen Beitrag an. Da können Sie alles sehen, was Sie sehen wollen. Aléa
avenarius: Liebe Alea, ich wünsche Ihnen eine aufschlussreiche Lesung und hoffe, Sie treffen den Ton. Führen Sie “das Geräusch des Werdens” mit leisen Schritten herein. avenarius
Archiv vom Januar, 2012
Irgendetwas mit Moschusochsen und Karibus
„Die Autorin hält derzeit keine Lesungen und gibt keine Interviews“ heißt es in einer Pressemeldung über mich.
Ich gehöre zu der möglicherweise im Medienzeitalter seltenen Spezies der Schriftsteller_innen die tatsächlich, was sie zu sagen haben, in ihren Büchern sagen. Und was ich darüber hinaus zu sagen und zu zeigen habe, zeige ich hier auf meiner Seite. Deswegen habe ich die. Halte mich jedermann ruhig für altmodisch, aber bitte niemand für unanständig: ich will tatsächlich Bücher schreiben und Bücher lesen.
Ich möchte eines ganz bewusst nicht: eine Auseinandersetzung mit mir. Ich möchte eine Auseinandersetzung mit dem Text. Ich habe diesen Roman nicht aus Langeweile geschrieben und ich möchte, dass er auch nicht aus Langeweile gelesen wird. Wer nach der Lektüre eine Frage hat, der kann sie gerne stellen. Und ich hoffe, es ist eine Frage an den Text. Ich möchte als Literaturwissenschaftler_in und Schriftsteller_in wahrgenommen werden. Ich möchte erstgenommen werden. Und das kann ich nur über meine Texte erreichen.
Soll ich in einer Kochsendung sagen, dass ich als Vegetarier_in am liebsten Gemüse esse und Couscous und Halloumi? Oder soll ich sagen, dass ich nicht gerne ins Kino gehe und entweder einschlafe oder rausgehe. Oder soll ich im Fersehen sagen, dass ich gerne Tiersendungen anschaue, weil mich das ans Dorf erinnert? Ich habe am liebsten irgendetwas mit Moschusochsen und Karibus. Oder soll ich das in der Kochsendung sagen?
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema Allzupersönliches, Das Geräusch des Werdens, mittel | Eintrag von Aléa Torik | um 17:10 eingtragen | Kommentare: 2 | Kommentieren
Headhunter und Schürzenjäger
Seit mein Buch auf dem Markt ist, ist hier die Hölle los. Ununterbrochen klingelt das Telefon und ich bekomme tausend Mails am Tag mit Anfragen nach Interviews und one-night-stands. Hier geben sich Headhunter und Schürzenjäger die Klinke in die Hand. Das ist ein Nachteil am Netz, da gibt’s nur virtuelle Klinken. Die Leute stehen einfach morgens bei Olga und mir in der Küche, die machen sich Kaffee, toasten sich Brot, bedienen sich am Müsli, plündern den Kühlschrank und sind noch pikiert und gucken säuerlich, wenn man sich dazusetzt und auch was nimmt.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema Das Geräusch des Werdens, kurz | Eintrag von Aléa Torik | um 9:05 eingtragen | Kommentare: keine | Kommentieren
„Das Geräusch des Werdens“: Das Original des Romans
Ich vergaß zu erwähnen: Das Original meines Romans besitze nur ich. Der Verlag hat die Rechte gekauft, alle Rechte bis auf das Urheberrecht. Und das Original. Das liegt in einem Panzerschrank. Wie beim jedem Druck von einer Platte kommt der erste Abzug dem Original am nächsten. Je öfter von der Platte gedruckt wird, desto weiter entfernt es sich davon. Der erste Abzug unterscheidet sich kaum wahrnehmbar vom Ursprung und vom zweiten, beim dritten finden sich schon das eine oder andere veränderte Wort, beim hundertsten geht eine Person, statt nach links nach rechts, beim tausendsten sind ganze Kapitel umgestellt, beim zehntausendsten haben wir andere Handlungsfäden und andere Personen, beim hunderttausendsten ist es ein vollständig anderes Buch und beim millionensten ist es so unvorstellbar anders als das Original, das es wieder dasselbe ist.
Wenn Ihnen etwas unstimmig oder kurios, unscharf oder nur angedeutet erscheint, dann liegt das an dem Druck, den sie gekauft haben. In meinem Original ist alles so wie es idealerweise sein muss.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema Das Geräusch des Werdens, mittel | Eintrag von Aléa Torik | um 16:04 eingtragen | Kommentare: keine | Kommentieren
Lauter Verbesserungen
Im Zuge technischer Verbesserungen wurde jetzt endlich diese vermaledeite Kommentarfunktion auf Vordermann gebracht Die Einstiegshürde ist weg: kein Captcha mehr! Kommentare haben einen Permalink bekommen, sodass nicht mehr nur auf den Artikel, sondern auch die Kommentare selbst geantwortet werden kann (was allerdings erst morgen funktioniert). Möglicherweise ist das der Diskussion förderlich. Das Kalendersymbol wurde entfernt. Das hat mich unter Druck gesetzt. Darüber hinaus wurden noch einige Kleinigkeiten verändert, Fotos werden jetzt anders dargestellt. Nnicht ganz anders: es ist schon noch das darauf zu sehen, was man sehen kann.
Ich habe mir noch eine kleine Spielerei einfallen lassen. Das einzig sinnvolle ist die erste Zeile: “Hier wird archiviert”. Alle anderen Links sind Sprachspielereien. Für die Ausstehenden können Vorschläge gemacht werden. Ich annonciere das noch gesondert.
Man sagte mir, dass die Artikel unter der Kategorie „mittel“ am besten ankommen. Ich werde also in Zukunft alle – vor allem die langen und die ganz langen – unter „mittel“ einordnen. Die von „mittel“ kommen zu „kurz“ und die wieder zu „schikanös“. Da die gewählten Bezeichnungen keine absoluten, sondern relative Maßstäbe sind und außerdem die Längenverhältnisse untereinander nicht geregelt sind, kann ich das frei bestimmen. Bei der nächsten Novelle dieser Seite kommt noch eine Ordnungsmöglichkeit nach Breite, Höhe und Dichte hinzu.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema Allzupersönliches, mittel | Eintrag von Aléa Torik | um 22:32 eingtragen | Kommentare: keine | Kommentieren
Das Geräusch des Werdens: Man bevorrate sich!
Heute erscheint mein Debüt. Das ist ein sehr schöner Tag in meinem Leben, saugut sozusagen!
Sie können einen Blick in den Text werfen. Ich weiß nicht, was Sie dort sonst noch sehen können, aber zumindest können Sie sehen, ob er Ihnen gefällt.
Sie können das Buch überall kaufen. Überall, wo es Bücher gibt. Meine Empfehlung ist der klassische Buchhandel. Für alle, die sich nicht in eine Buchhandlung trauen, hat man das E-Book erfunden. Auch das wird es geben. Ich weiß noch nicht, wann das soweit sein wird. Man könnte seine Hemmungen allerdings auch überwinden. In Buchhandlungen geht man ja nicht allein, um ein Buch anzuschauen und zu kaufen. Da geht man wegen der andern hin, die auch nicht wegen der Bücher da sind. Andere Menschen anzuschauen und angeschaut zu werden, gehört ja mit zum Aufregendsten im Leben. Die Bücher kauft man dann aus Verlegenheit. Oder weil man ein wenig angeben möchte, vor seiner neuen Eroberung.
Bei drohender Energiekrise, bei weltweiter Klimakatastrophe – Desertifikation, Deflation und Denudation -, bei allgemeiner Verschlechterung der Lebensbedingungen – oder Verbesserung, weil man dann so schön klagen kann -, bei möglicherweise nur noch eingeschränkter Gültigkeit der Relativitätstheorie, bei zunehmender Weltbevölkerung und Kinderarmut in Deutschland, bei Verschuldung, Zahnschmerzen, Pest und Cholera: Man bevorrate sich!
Aléa Torik
Das Geräusch des Werdens
Osburg Verlag
Roman, 368 Seiten, 19,95 €
ISBN 978-3-940731-75-3
Thema Das Geräusch des Werdens, mittel | Eintrag von Aléa Torik | um 18:16 eingtragen | Kommentare: 17 | Kommentieren
Alle Orte meiner Welt
In gewisser Weise ist das der längste Artikel, der hier je erschienen ist. Sie brauchen exakt sechs Tage.
Ich sagte in einem der letzten Artikel, ich wisse noch nicht, wo ich mich in den kommenden Monaten aufhalte, aber ich könne das Blog von allen Orten der Welt aus moderieren. Ich meinte natürlich: von allen Orten meiner Welt. Von hier kann ich es nicht bedienen.
Ich brauchte ein wenig Zeit, um es zu verstehen. Das ist ein Kunstprojekt. Sechs Alpinisten beim sechstägigen Aufstieg zum Nanga Parbat. Sechs Künstler suchen Antworten auf die Frage, warum der Mensch sich so einem Abenteuer aussetzt.
Sie müssen nach dem Ladevorgang auf das Wort „Basislager“ klicken. Man kann in der Höhe und in der Zeitleiste und teilweise sogar in den Bildern navigieren: wenn man mit dem Mauszeiger gegen den Bildrand drückt. Die Bilder wechseln, wenn Sie die Uhr in der Zeitleiste verschieben, je nach Tageslicht. Es sind auch einige Interviews eingearbeitet. Man muss ein wenig probieren. Und hören Sie sich die Musik dazu an! Jeder Tag bringt eine neue musikalische Inszenierung. Gute Reise!
Bis zum 23 Januar noch: zwei Worte um das Captcha auszutricksen.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema kurz, Schall & Rauch | Eintrag von Aléa Torik | um 22:02 eingtragen | Kommentare: 15 | Kommentieren
Wie soll ich’s machen?
Am Ende meines Lebens werde ich etwa achtzig Jahre alt sein und achtzig Meter Bücher besitzen oder doch gelesen haben. Neunundsiebzig Meter davon sind mit neunundsiebzig Jahren überflüssig. In den letzten Momenten geht es nur noch um den einen Meter außergewöhnlich guter Literatur, die besten Texte aller Zeiten und Sprachräume. Wenn man vor seinem Herrgott steht, hat man nicht die Muße, miteinander das ganze Bücherregel abzuschreiten und die Vorzüge und Nachteile eines jeden Titels abzuwägen. In den letzten Momenten kann man nur noch sein Bestes vorzeigen. Gott will wissen, was man gelesen hat und ob es sich lohnt, dass er sich das auch bestellt.
Bei achtzig Jahren und achtzig Metern kommt etwa einmal im Jahr etwas Außergewöhnliches dazu. Ich habe in den letzten Tagen des vergangenen Jahres ein solches Buch gelesen. In diesen seltenen Fällen ist das Lesen ja das reine Glück. Andere empfinden so etwas vielleicht bei der Besteigung eines Berges oder beim Tauchen. Nun stehe ich allerdings vor einem Problem: Ich weiß nicht wie ich es bewerkstelligen soll, das hier vorzustellen. Eine ernsthafte Auseinandersetzung würde mich Wochen kosten, wie damals bei David Foster Wallace. Das sind 1200 Seiten, die ich noch ein zweites Mal lesen müsste und das Schreiben eines konsistenten Textes mache ich auch nicht an einem Sonntagvormittag. Das kostet mich vier Wochen und diese Zeit habe ich in diesem Jahr nicht.
Es handelt sich um Wolf von Niebelschütz: Der blaue Kammerherr. Das ist einer der reichsten und reichhaltigsten Romane aus deutscher Feder. Das sprüht und spritzt nur so vor Witz und Ideenreichtum. Die Kinder der Finsternis hatte mir schon gut gefallen, aber das hier ist noch besser. Ich finde es nicht erstaunlich, dass die Romane von Umberto Eco ein solches Medienecho hervorrufen. Eco ist dabei nicht einmal der größte Stilist. Erstaunlich ist vielmehr es im Deutschen ein ähnliches Schwergewicht gibt und man offenbar nahezu nichts davon weiß. Kaum ein Mensch kennt den Autor dieser zwei Romane. Obwohl er besser ist als Umberto Eco. Beide sind auch im gleichen Feld tätig: Abenteuerromane.
Eigentlich müsste ich eine Zeitung oder eine Zeitschrift suchen, die mir Geld oder Ruhm verspricht. Dann wäre ich verpflichtet, es zu tun. Zeitungen interessieren sich allerdings nur für aktuelle Bücher. Und Zeitschriften, Literaturzeitschriften sind eher träge oder antworten nicht, wenn man ihnen schreibt. Ich kenne die Szene auch nicht so gut. Ich habe es einige Male probiert und nie eine Antwort bekommen. Ich werde es vielleicht mal bei Edit, den Manuskripten, LETTRE und beim Schreibheft versuchen. Oder ich suche mir eine literaturwissenschaftliche Zeitschrift. Aber die alle wollen einen fertigen Text. Und dann schaffen sie es nicht einmal, eine Absagemail zu schreiben.
Diese Dinge bedeuten viel Lauferei, sehr viel sinnlose Arbeit, totale Zeitverschwendung. Ich könnte mit meinem Professor sprechen. Dann muss es allerdings auch einen Niederschlag in meiner Dissertation finden, sei es als Exkurs oder als eine mörderische Fußnote, und das wird richtig Arbeit. Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit zu einem Lexikonartikel. Lexika allerdings werden ja auch nicht alle Tage neu geschrieben. Ich weiß derzeit nicht wie ich es machen soll.
Bis zum 23 Januar noch: zwei Worte um das Captcha zu überlisten.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema lang, Paralipomena | Eintrag von Aléa Torik | um 14:30 eingtragen | Kommentare: 4 | Kommentieren
Die „Costa Concordia“
Die, die hier regelmäßig lesen, wissen, dass ich nicht sehr medienaffin bin. Ich gehe nie ins Kino, ich schaue sehr selten Fernsehen oder höre Radio. Dann und wann schaue ich aus meinem Fenster und bin manchmal schockiert. Vor allem, wenn es um Unglücke geht. So habe ich im Frühjahr letzten Jahres nach Fukushima geschaut und so schaue ich jetzt auf das Schiffsunglück nach Italien. Anders als im vergangenen Jahr will ich versuchen zu verstehen, was ich auf solchen Bildern (aus der Süddeutschen Zeitung und dem Spiegel) sehe.






Die Metaphorik von Natur und Technik überschneidet sich hier auf interessanteste Weise. Das Schiff, die Technik, sieht aus wie ein gestrandeter Wal. Dieses riesige Schiff, das da beinahe am Strand liegt, auf der Seite, und aus eigener Kraft nicht wieder wegkommt. Die Motoren, die Rotoren, die Turbinen, so könnte man sich vorstellen, drehen mit aller Kraft, der Wal schlägt mit seiner Schwanzflosse, aber es reicht nicht, um sich dort weg zu bewegen. Die Kraft, die innerhalb des Mediums Wasser zigtausende Tonnen bewegen kann, ist außerhalb vollkommen machtlos. Wehrlos liegt das Meeres-Ungetüm auf der Stelle.
Da liegt das Schiff und alle stehen am Strand auf der Insel und sehen ihm beim Sterben zu. Die Dramatik wird dadurch verstärkt, dass womöglich noch Menschen eingeschlossen sind, wie Jonas im Wal. Es ist nicht irgendein langweiliges Containerschiff. Es ist ein Kreuzfahrschiff. Hier wird deutlich das Humane in den Mittelpunkt gestellt. Das ist ein Container, der Menschen transportiert die jetzt eingeschlossen sind. Wie die Seemöwen auf dem Wal, klettern die Feuerwehrleute auf dem Ungetüm herum, die Möwen picken ein Loch in den Koloss, die Feuerwehr klopft, um nach Eingeschlossenen zu suchen.
Lesen konnte man, dass die Menschen die das Unglück erlebt haben, sagten, die Kollision und die anschließende Schräglage, die Havarie des Schiffes sei wie in dem Film „Titanic“ gewesen. Der Film, der ein tatsächliches Unglück nachspielt – die Kunst, die die Natur imitiert und nachahmt -, wird so zum Vorbild für ein natürliches Ereignis: Zu einem emotionalen Vorbild. Der Film Titanic ist eine Wirklichkeit, die durch das Erleben einer ähnlichen Situation höchstens imitiert werden kann. Das wahre Erleben des Menschen, so scheint es, ist durch die Medien gegeben. Die Menschen schauen auf ihr Display, wenn sie wissen wollen, wie der Verkehr ist, nicht auf die Straße, wenn sie sie überqueren.
Das wahre Leben im Film: Man hat auf See vielleicht nicht nur sein Vergnügen gesucht, die Langeweile oder den Blick aufs Meer, sondern das Abenteuer und die Gefahr. Weil man dachte, dass das wie im Film ist. Ich habe „Titanic“ nicht gesehen, aber ich vermute, dass die Hauptpersonen das Unglück überlebt haben. Wie im Film! Da kann man sich ja eigentlich nicht beschweren. Oder, wenn man sich doch beschwerte, dann ist die Frage worüber: darüber, dass der Film so wirklichkeitsgetreu war? Oder darüber, dass die Wirklichkeit wie ein Film ist?
Normalerweise will man mehr vom Film und von Büchern: mehr Inhalt als das eigene Leben bietet, mehr Dichte und mehr Konsistenz. Fiktionale Literatur ist, wie man das nennt, überdeterminiert. Die Frage ist, ob das für das Leben auch gelten kann.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema lang, Paralipomena | Eintrag von Aléa Torik | um 13:50 eingtragen | Kommentare: 6 | Kommentieren
Das Raunen der Piraten
Ich habe in langen Jahren ein Schiff gebaut, einen schönen Dreimaster. Und so wie mein Schiff nicht an einem Tag gemacht worden ist, so läuft es auch nicht an einem Tag vom Stapel. Am 23. Januar wird es in allen deutschsprachigen Häfen liegen. Aber am Horizont kann man es bereits sehen.
Es gibt Dinge, die man hier nicht sehen kann. Ich hatte eine Einladung vom WDR für ein einstündiges Radiointerview mitsamt Lesung. Ich musste es absagen. Darüber hat sich mein Verleger nicht gefreut. Gefreut hat er sich allerdings darüber, dass der Text offenbar Eindruck macht. Ich weiß derzeit noch nicht, wo ich die kommenden Monate verbringe. Es gibt die Möglichkeit nach Paris zu fahren oder nach Bukarest, wo ich Freunde haben und wohnen kann. Ich will mich zurückziehen, weil ich am nächsten Buch arbeiten muss. Jetzt habe ich ein Urlaubssemester und kann überallhin. Das Blog kann ich von allen Orten der Welt aus bedienen.
Für den potentiellen Leser kommt das Schiff langsam näher. Und wo es für andere größer wird und greifbarer, wird es für mich kleiner. Auch wenn mein Name groß draufsteht: mich werden Sie an Bord nicht finden. Andere haben das übernommen, ein Kapitän und ein erster Offizier und Matrosen und ein Koch. Wer hier regelmäßig liest, der weiß, dass die Trennung vom Buch für mich emotional schwierig war. Es war immer meins und dann habe ich es an einen Verlag verkauft und erkennen müssen, dass es nicht mehr mir gehört. Ich musste einiges lernen, womit mein Widerspruchsgeist nicht gut zurechtgekommen ist. Ich hatte mit diesen emotionalen Verwicklungen gar nicht gerechnet.
Ich bin nicht mehr an Bord. Ich stehe an Land und werde zusehen wie es sich bewegt, mal in der Nähe, mal etwas weiter entfernt. Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit das anzuschauen. Es liegt noch in ruhiger See, aber es wird in den nächsten Monaten hoffentlich etwas windiger werden. Das Schiff kommt ja nur voran, wenn die Segel sich blähen. Vielleicht kommt es sogar in einen Sturm. Ich kann mir schon vorstellen, aus welcher Richtung der kommt. Aber so manches kleine Gebläse hat sich schon für eine Naturgewalt gehalten. Mein Schiff wird nicht kentern.
Der Leser wird’s lesen, auf die eine oder andere Weise „schön, schön“ sagen, und dann wird er es ins Regal stellen und vergessen. So wie ich das mit Büchern auch mache. Aber für mich ist das etwas anderes. Dieses Schiff wird immer bleiben. Und anders als die Leser, die sich längst anderen Schiffen zugewandt haben, anders als für den Verlag, der den aktiven Vertrieb irgendwann aufgibt, weil die nächsten Schiffe aufgetakelt werden, eine neue Saison kommt und mit ihr neue Bücher; anders als für alle anderen wird es mich immer begleiten. Es wird immer am Horizont zu sehen sein, deutlicher oder verschwommener, wichtiger oder unwichtiger. Aber es wird immer da sein, allezeit.
Ich habe mich schon längst abgewendet. Ich muss ja mein nächstes Schiff bauen. Nicht, weil ich nichts anderes kann. Ich kann auch mein Dissertationsrennbot fahren. Will ich aber derzeit nicht. Ich will weder einen Rumpf aus Stahl noch einen aus Carbon, keine Schaluppe, keine Pinasse. Ich will fünf Masten. Ich will die Segel setzen, die Takelage ächzen hören, ich will den Wind in den Masten spüren und abends will ich das Raunen der Piraten hören, uralte Geschichten vom Meer und seinen Opfern, seinen Helden und ihren Toden.
Ich beende mit diesem Artikel eine Serie, die „Das Geräusch des Werdens“ begleitet hat. Nicht von Anfang an, denn der Roman war fertig, als ich dieses Blog begonnen habe. Am Tag des Erscheinens wird es einen Hinweis geben, aber hiermit findet die Trennung von der Produktion statt. Jetzt geht es um die Wirkung und, so sagt man, um die Würdigung.
Hat ein Text eine Würde? Hat er sie von Anfang an oder bekommt er sie durch seine Leser? Durch seine, auch das sagt man so, Aneignung?
Bis zum 23 Januar noch: zwei Worte um das Captcha zu überlisten.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema Das Geräusch des Werdens, lang | Eintrag von Aléa Torik | um 9:28 eingtragen | Kommentare: 2 | Kommentieren
Mit Befremden
Nimmt einer etwas mit Befremden zur Kenntnis, ist das alles andere als positiv. Ich plädiere für eine Umwertung dieser Formulierung. Ich empfinde das Befremden sogar als ausgesprochen angenehm und anregend. Wer mich nicht in mindestens einer Weise leicht befremdet, der interessiert mich gar nicht. Das ist die Vorstufe eines echten Interesses.
Das Fremde steht genau zwischen dem eigenen und dem anderen, es hat an beiden gleichermaßen teil. Es ist sozusagen das einzig stabile zwischen den beiden variabel Beteiligten. Im Befremden treffen das eigene Ich und das Ich des anderen zusammen.
„Sehr geehrte Frau Meier, mit Befremden musste ich feststellen, dass ich mich Hals über Kopf in Sie verliebt habe….“ So sollten Liebesbriefe anfangen. Das ist eine gute Grundlage für eine Beziehung. „Sehr geehrter Herr Müller, mit Befremden habe ich heute Ihr Bekennerschreiben erhalten …“
Irgendwann gerät man sich sowieso in die Haare. Es ist gut, wenn das Befremden nicht erst in diesem Moment entsteht, sondern bereits zuvor dagewesen ist. Dann kann man auf etwas zurückgreifen, wenn es schwierig wird. Ein Reservoir für karge Zeiten.
Bis zum 23 Januar noch: zwei Worte um das Captcha zu überlisten.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema mittel, Worte, nichts als Worte | Eintrag von Aléa Torik | um 17:55 eingtragen | Kommentare: 4 | Kommentieren