12 Dezember 2011
Moo Pak II: Der Zwang, zu verstehen und verstanden zu werden
„In England dagegen, sagte er, stehe ich ständig unter dem Zwang, zu verstehen und verstanden zu werden, es gibt keine Grauzonen, wo Vertrauen und Tradition die Lücke ausfüllen könnten.“
Gabriel Josipovici, Moo Pak, Seite 93
Eine sehr interessante Formulierung, die sich mit meinen eigenen Beobachtungen deckt. Vielleicht finde ich sie deswegen interessant. Das Verstehen und verstanden werden sind Bedingungen der Kommunikation. Die genannte Grauzone, die nach Lotman gerade das poetische Schreiben insbesondere kennzeichnet und sogar als das poetische Vermögen bezeichnet werden kann, ist im umgangssprachlichen und nicht nur sprachlichen Bereich, sondern im allgemeinen Umgang oft hinderlich und macht den, der nicht verstanden wird, zu einem Fremden. Auch denjenigen, der nicht verstanden werden will. Und vielleicht sogar den, der nicht verstehen will.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: Dezember 12th, 2011 unter - Josipovici, Gabriel : Moo Pak, kurz












Kommentar von avenarius
Datum/Uhrzeit 12. Dezember 2011 um 23:47
Liebe Alea,
die Poesie will auch nicht verstanden werden -so überheblich ist sie nicht- sondern selber verstehen.
Für die systemisch gemachte Theorie ist Voraussetzung und Anlass jeglicher Kommunikation das Nichtwissen des anderen; denn ich sage niemandem etwas, das er schon weiß.
Das Poetische hingegen -als ein Verfahren des Überschreitens- ist täglich (und nächtlich) von neuem vor die Frage der Darstellung gestellt.