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  • 03 November 2011

    Neuzugang auf der Blogroll: Elif Batuman

    Ich hatte nichts mit der Buchmesse zu tun. Ich habe schon länger das Gefühl, dass das nicht meine Veranstaltung ist. Dennoch las ich eine Bemerkung zu Elif Batuman, die in Komparatistik in New York (oder spielt mir da meine Erinnerung einen Streich?) promoviert hat, eine Türkin in Amerika. Da habe ich natürlich sofort an eine Ihnen bekannte Rumänin in Deutschland gedacht. Elif Batuman schreibt für diverse Magazine, den New Yorker (kommt das vielleicht daher?) und andere. Ich dachte: Aha, da wird also doch noch mal etwas aus mir. Ich promoviere, parallelisiere, paralysiere, und ZACK, geht’s mir so wie ihr: ich werde eines Tages über Literatur schreiben und bekomme auch noch Geld dafür.

    Frau Batuman hat ein Buch geschrieben “The Possessed. Adventures with Russian Books and the People Who Read Them”. Das ist übersetzt worden. Ich hab mir das Buch, die Übersetzung, im Internet bestellt. Soll man ja nicht tun, wenn man dem Buchhandel glaubt: das Internet ist böse. Ich hab‘s dennoch da bestellt. Ein bisschen Bosheit tut mir ganz gut. Ich dachte, es sei ein Roman. Das steht allerdings nicht drauf. Und es auch keiner drin. Dann dachte ich, es sei eine Sammlung von Essays, weil Teile, das steht immerhin im Buch, als Essays in Magazinen vorab erschienen sind. Aber es sind keine Essays.

    Ich habe schon einige schlechte Erfahrungen in Deutschland mit Worten gemacht. Unter anderem mit dem Wort Essay: man kann alles und nichts einen Essay nennen. Im Grunde kann man auch einen Rasenmäher als einen Essay auf die Kürze des Grases bezeichnen. Es ist leider kein Roman, es sind leider auch keine Essay und ein Rasenmäher ist es wohl auch nicht. Das sind Geschichten, deren Hauptfigur Elif Batuman ist. Geschichten, die sich im weitesten Sinne um Literatur drehen, weil Elif Batuman sich darum dreht. Vielleicht drehen sie sich nicht, sie tangieren, tranchieren, torpedieren und travestieren die vor allem russische Literatur. Und da kennt die Autorin sich ohne Zweifel sehr gut aus.

    Wir haben es mit einem offenkundig außergewöhnlich hohen Grad an Identität der Elif Batuman vor mit der Elif Batuman in dem Buch zu tun. Die Differenz zwischen der echten und der fiktiven Person ist offenbar gegeben durch die witzigen Formulierungen. Denn das Leben ist ernst, also muss die witzige Variante die Fiktionalisierung dieser ernsten Wirklichkeit sein. Bedauerlicherweise fand ich das Buch nicht witzig, nicht mal ansatzweise. Gerade dieser Umstand wird aber in allen Rezensionen betont, der Witz und die Klugheit, da ist sogar – hör sich einer das an – von ihr als eine der „besten Essayistinnen der Welt“ die Rede.  Also muss der Abstand der beiden Batumans für die anderen Leser größer gewesen sein als er für mich war. Ich konnte kein lyrisches Ich erkennen. Das aber wäre eine Minimalanforderung an ein literarisches Werk.

    Ich habe nicht ein Mal gelacht. Der türkisch-amerikanische Humor ist offenbar deutlich von dem deutsch –rumänischen unterschieden. Eine von uns beiden hat offenbar einen anderen Humor! Vielleich ist dieses türkisch-amerikanische-Roman-Essay-Rasenmäher-Gemisch sogar höchst explosiv. Aber die vertrocknete Frau Torik wird es nicht herausfinden. Ich habe das Buch beiseitegelegt. Welches Genre das auch immer sein mag, ich kann nur hoffen, dass es nicht zum allgemeinen Maßstab erhoben wird.

    Ich sage dennoch ausdrücklich, dass das hier kein Verriss ist. Ich wüsste gar nicht wie man das macht und es gibt keine Textsorte, die mich noch weniger interessiert als der Verriss. Ich will möglichst selbstkritisch sein und den Fehler von Elif Batuman bei mir suchen: Mir passt sowieso gerade nichts. Ich breche alle Lektüre ab. Ich werfe alles in die Ecke. Da liegt auch „Der letzte Tag“ von Pynchon und ich halte es nicht für wahrscheinlich, dass ich den da noch einmal herausbekomme. Das ist umso erstaunlicher, da er mir, als ich ihn kennenlernte, sehr gut gefallen hat. Vielleicht hat er mir nicht gefallen, sondern nur imponiert. Und heute lasse ich mir nicht mehr imponieren.

    Ich lese derzeit die Einleitung der Dissertation von Frau Batuman und die gefällt mir gut und ist weitaus besser geschrieben als das Buch. Das ist auch eine liebevoll gemachte Seite, und da sie auch eine Art Blog hat – My Life and Thoughts – nehme ich sie in meine Blogroll auf. Ich nehme auch einige von der Blogroll herunter, vor allem die fünf Litblogs-Leute, weil ich die ja schon über Litblogs verlinkt habe. Nicht, dass sich Verschwörungstheorien bilden.

    Zur Überwindung des Captchas müssen bei Kommentaren beide Worte eingegeben werden.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.



    Kommentare

    Kommentar von Philipp
    Datum/Uhrzeit 5. November 2011 um 15:05

    Liebe Aléa,

    ich glaube, dass die euphorischen Rezensionen einen Grund haben: Sowas würde jeder Kritiker gerne selber schreiben. Ein bisschen Literatur, ein bisschen Autobiografie, ein bisschen Reise-Feuilleton (habe nur online in die amerikanische Ausgabe reingeblättert beim bösen Amazon).

    Leicht geschockt und gleichzeitig amüsiert hat mich der FAZ-Artikel. Genauso langweilig und gleichzeitig irgendwie anstrengend stelle ich mir den Literaturbetrieb vor. Langweilig: Wer kennt wen, wer hat wen gelobt/verrissen, wer mit wem (wie in jedem Betrieb halt). Anstrengend: Pflicht zum “Geistreich sein” in jeder Minute (ich spekulier da nur).

    Ich habe übrigens vor kurzem auch ein Buch in die Ecke gestellt, sogar nen Russen: Den Idioten, fande dieses seitenlange Geschwafel der Figuren schwer ermüdend. Also weg damit. Und der nächste bitte.

    Es grüßt
    Philipp

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 6. November 2011 um 10:52

    @Philipp
    Dostojewski hatte sich in St. Petersburg eine Wohnung gemietet mit einem Fenster, durch welches hindurch die Kuppel einer russisch-orthodoxen Kirche zu sehen war. Sein Arbeitstisch wart so gestellt, dass er dieses Gebäude immer wieder in den Blick bekam. Es war ihm vollkommen klar, für w e n er seine Romane verfasste: Der „Literaturbetrieb“ oder gar Leser, die seinen „Idioten“ vom der Rampe herunter ins Abseits stellen, waren es nicht.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 6. November 2011 um 11:46

    Lieber Philipp,

    und auch noch bei AMAZON!

    AMAZON und EBAY das sind ja die allerbösesten! Da stecken amerikanische Milliardäre dahinter, die immer reicher (reich und böse sind synonym) werden, während wir anderen immer ärmer werden. Und das Geld, was die Armen nicht haben, das haben die Reichen. Amazon ist besonders böse. Und wissen Sie, warum das so ist?

    Weil der amerikanische Milliardär die zweite oder dritte Garnitur Schriftsteller für sich arbeiten lässt! Das sind alles angebliche Schriftsteller, die sich erst noch ihre Meriten verdienen müssen, und die darum solche Texte für Amazon schreiben – Texte, was angeblich in den Büchern steht, die man bei Amazon kaufen kann -, die dann als die Texte der eigentlichen Schriftsteller dort erscheinen. Vielleicht schreiben die eigentlichen Schriftsteller inzwischen auch gar nichts mehr, sondern fragen die angeblichen Schriftsteller, ob sie ihnen nicht mit dem einen oder anderen Text aus der Bredouille helfen können. Was Sie da gelesen haben, das hat mit aller Wahrscheinlichkeit ein angeblicher Schriftsteller geschrieben, was er in das Buch von der Batuman hineinschreiben würde. Die eigentlichen Schriftsteller schreiben schon lange nichts mehr!

    Die bösen Amazonen aus dem bösen Amerika verknackten drittklassige Schriftsteller aus aller Herren Länder dazu Inhaltsangaben von den Büchern und ganze Bücher zu erstellen, die sowieso keiner kauft und auch keiner liest. Es werden zwar noch Bücher gekauft, aber die liest ja keiner mehr! Oder vielleicht gibt es diese Bücher auch alle gar nicht und die, wenn die dann doch einer bestellt, dann müssen sie über Nacht mal eben von den angeblichen Schriftstellern geschrieben werden. Das ist die bittere Wahrheit über den Literaturbetrieb.

    Das betrifft natürlich auch mich! Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass ich mich da jahrelang hinsetzte, um so einen Roman zu schreiben, wenn ein angeblicher Schriftsteller das in einer Nacht für Amazon runterschreiben kann!

    Herzlich

    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 6. November 2011 um 11:49

    Lieber Philipp, lieber Avenarius,

    man räumt immer wieder Sachen vom Tisch oder wirft sie in die Ecke, die man nicht lesen will. Und dabei fällt man möglicherweise Fehlurteile; weder Franz Kafka, noch Samuel Beckett noch Marcel Proust wären uns heute bekannt, wenn es nach denen gegangen wäre, die das Schicksal des Literaturbetriebs bestimmten. André Gide hat sich lebenslang geschämt, dass er Proust eine Absage für seine „Recherche“ geschickt hat, er hat das den größten Fehler seines Lebens genannt. Was Sie hier Geschwafel nennen, ist, meinem Vater zufolge, der die russische Literatur ähnlich liebt wie Elif Batuman, der zweitgrößte russische Schriftsteller. Wären Sie also im Literaturbetrieb tätig, könnten sie sich immerhin mit großen Leuten in eine Reihe stellen.

    Ich habe geschrieben, dass es sich bei meiner Einschätzung des Buches von Batuman nicht um einen Verriss handelt. Weil ich weiß, dass ich mich täuschen kann. Und, viel schlimmer, weil die Literatur von ihrer subjektiven Seite lebt, davon, dass Menschen Bücher anders einschätzen. Ich hoffe jedenfalls, dass meine Auseinandersetzungen mit Büchern NIEMALS den Eindruck hinterlassen, ich gehöre zu denen, die einen gültigen Maßstab in den Händen halten. Die, die das glauben, haben keine Ahnung von Literatur. Das können Sie als ein ehernes Gesetz nehmen, die großen in der Literaturkritik haben immer verstanden, dass ihr Urteil nur eingeschränkten Wert haben kann. Nur die Kleinen wissen genau wie man was macht.

    Was Sie hier so locker als seitenlanges Geschwafel bezeichnen, das finden Sie noch sehr viel deutlicher in Cervantes „Don Quijote“ und das ist das Herzstück der Gattung Roman: die Fähigkeit Lebensläufe, das Leben eines und mehrerer Menschen über eine Generation in Worte zu fassen, den Fluss von hundert Jahren in eine Erzählung hineinzuzwingen; mit dem gebotenen Maß an Ausführlichkeit und an Zurückhaltung.

    Dass wir von diesem Maß zeitabhängig andere Einschätzungen abgeben und empfinden, ist nur natürlich. Aber Dostojewski als Geschwafel abzutun ist sicher ähnlich falsch wie es falsch wäre, Steve Jobs als Telefonverkäufer zu bezeichnen. Ich habe Komparatistik in Bukarest studiert und promoviere in Berlin in Literaturwissenschaften und interessiere mich einen verdammten Scheißdreck für Telefone und wenn jetzt einer kommt, der in der Werbebrache arbeitet, der Dinge, Telefonen und Autos, verkaufen will und muss, und Dostojewski als Geschwafel bezeichnet, dann kann ich damit durchaus leben, weil ich andere Gewichtungen vornehme. Dennoch halte ich das Lesen für eine sehr viel wichtigere und anspruchsvollere Tätigkeit als das Telefonieren. Dostojewski und Tolstoi haben mehr für die Literatur getan als der – Zitat! – „I-God“ für die Technik. Nachdem Jobs mit dem Telefon fertig war, war es immer noch ein Telefon. Aber nachdem Dostojewski mit dem Schreiben fertig war, war das Geschwafel zum Roman geworden.

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von Philipp
    Datum/Uhrzeit 6. November 2011 um 13:01

    Liebe Aléa, lieber Avenarius,

    ich wollte doch nur sagen, dass dieser Roman “nicht für mich verfasst” wurde. Er hat mir nicht gefallen, also habe ich ihn nicht zu Ende gelesen. Für die einen ist Dostojewskij der größte oder zweitgrößte Schriftsteller, für andere eben nicht.

    Um die Stimmung etwas aufzuhellen ein kleines Quiz. In welchem Buch findet man folgendes Zitat?

    “Er (Dostojewskij) war ein Prophet, ein schwafelnder Journalist und ein schludriger Komödiant. Ich räume ein, daß einige seiner Szenen, einige seiner gewaltigen, farcenhaften Streitereien außerordentlich lustig sind. Aber seine empfindsamen Mörder und gemütvollen Huren hält man keinen Augenblick lang aus – ein Leser wie ich jedenfalls.”

    Preis für die korrekte Antwort: TB Der Idiot, übersetzt von Swetlana Geier, guter Zustand, Lesezeichen auf Seite 329

    Jetzt aber genug geschwafelt!

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 6. November 2011 um 13:16

    Lieber Philipp,

    das haben wir, also ich, auch genauso verstanden. Ich wollte nur meinen Standpunkt erläutern.

    So mache ich das allerdings auch; wenn mir etwas nicht gefällt, dann lege ich es, solange ich in meiner Freizeit lese, wieder weg. Ich lasse mich von großen Namen nicht beeindrucken.

    Den ausgeschriebenen Preis bekomme auf jeden Fall ich! Weil ich die erste bin, die das – vermutlich – richtig beantwortet. Das Zitat stammt vom – stets um seinen Nachruhm und um sein eigenes Gewicht im Vergleich mit den anderen russischen Autoren – bemühten Valdimir Nabokov, wahrscheinlich aus seinen Vorlesungen zur Literatur. Ich bekomme den Preis, ob es richtig ist oder nicht, allein deshalb, weil ich alle anderen Kommentare zu dem Thema nicht durchlasse. Nein, Blödsinn. Ich will das Buch nicht, weil ich, wie Sie sich denken könne, das bereits habe.

    Das sollte Ihnen nicht in den falschen Hals gekommen sein! Ich muss manchmal sagen, was mir auf den Lippen liegt. Sonst ersticke ich.

    Anderes Thema: was bekomme ich, wenn ich Ihnen einen 87 % genialen Werbevorschlag für BMW Autos mache?

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von Philipp
    Datum/Uhrzeit 6. November 2011 um 14:05

    Nicht so schnell, liebe Aléa, bisher stimmen 50% der Antwort. Denn “Vorlesungen zur Literatur” ist nicht korrekt – und ich habe doch explizit nach dem Buch gefragt und nicht nur nach dem Autor (wäre doch zu einfach für das Publikum hier!).

    @BMW: Am besten direkt ans BMW Marketing mit dem Vorschlag. Ich würde mir doch deine Idee unter den Nagel reißen und damit Ruhm und Ehre gewinnen. So sind wir halt…

    Dazu auch: http://bit.ly/tTukny

    Schönen Sonntag!

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 6. November 2011 um 14:19

    Lieber Philipp,

    es gibt laut Editionsplan Vorlesungen über russische Literatur. Die sind aber angeblich noch nicht erschienen, wir können es also nicht wissen. Und dann kommt erschwerend hinzu: ich will den Gewinn ja gar nicht! Was machen wir da?

    Aléa

    P.S. Das fällt mir noch etwas ein: Ich habe 50 % der Antwort richtig beantwortet, der nächste kann höchstens die andern 50 % richtig haben. Ein Buch kann man ja schlecht aufteilen und da ich das ja sowieso nicht haben wollte (wer liest schon Dostojewski? Haha!), frage ich mal ganz vorsichtig und derzeit noch unverbindlich: Was haben Sie denn sonst noch so anzubieten? Welche Autos haben Sie in der Garage? Welche Häuser. Urlaube? Was gibt‘s noch, worauf ich jetzt nicht komme?

    Kommentar von Philipp
    Datum/Uhrzeit 7. November 2011 um 00:02

    Liebe Aléa,

    ich habe gerade meinen treuen Butler (gutes Personal ist ja so schwer zu finden) gebeten, mir den Band “Deutliche Worte”, Band 20 der Nabokov Werkausgabe, zu reichen. Da ist er ja schon. Gut gemacht, Theodor. Er möge sich nun entfernen.

    Ich nippe an meinem 48-jährigen Lagavullin, zutzel an der extrem raren Cohiba Castro, blättere zur Seite 73. Und siehe da bzw. siehe oben: Vladimir und ich sind einer Meinung.

    Frau Torik, da Sie auf 50% Dostojewski verzichten, biete ich Ihnen 100% Ausgehen, wenn Sie mal in Frankfurt sind. Inklusive Auto bzw. Taxi. Das ist dann doch fast ein sehr sehr kurzer Urlaub.

    Philipp

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 7. November 2011 um 17:00

    Lieber Philipp,

    aus meiner schönen Verteidigung des russischen Romans, ja des Romans schlechthin, ist nun, wenn ich recht verstehe, eine Verabredung in einem Frankfurter Taxi geworden. Wenn das nicht die die Wandlungsfähigkeit der Gattung Roman beweist! Ich danke für die Einladung, bin allerdings selten in dieser Gegend. Aber wenn ich mal vor Ort sein sollte, schreibe ich Ihnen eine Mail.

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von KT
    Datum/Uhrzeit 8. November 2011 um 08:32

    Ja. Was soll man von Dostojewski halten. Vermutlich jeder etwas anderes.
    Wer versuchen möchte, sich ihm anzunähern, oder Vorurteile zu schüren, nochmal nachzuschauen oder gar etwas Neues zu erfahren, der kann es hier einmal versuchen;
    http://dostojewski.npage.de/

    Kommentar von phorkyas
    Datum/Uhrzeit 9. November 2011 um 00:02

    [Sollte es denn möglich sein! Diese junge Heilige hat in ihrem Blog noch nichts davon gehört, daß der Roman tot ist! - Jedenfalls gerüchteweise: http://blogozentriker.wordpress.com/2011/11/08/oh-nein-nicht-schon-wieder-eine-reflexion-uber-den-roman/ ]

    Den Idioten, muss ich gestehn, fand ich auch schon etwas zäh, aber auf der andern Seite waren von “Ada und das Verlangen” die ersten paar Seiten schon so verquast, eitel bepudert – unerträglich, dass es auch gleich wieder ins Regal zurückwanderte und auf eine zweite Chance hoffen muss. Also bei mir ein Patt zwischen den beiden Herren?

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 9. November 2011 um 13:13

    Liebe(r) KT,

    auch wenn mir die Form nicht gefällt, ich mag’s mit Anrede und der Erkenntnis, dass man nicht mit Automaten spricht, sondern mit menschlichen Wesen, aber ich weiß auch, dass solche Formalien im Netz leiden; auch wenn ich es mag, jemanden anzusprechen, denn nur dann ist es auch ansprechend, ist ihr Verweis auf ihre eigene Webpräsenz Willkommen.

    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 9. November 2011 um 13:14

    Lieber Phorkyas,

    ich fürchte, Sie haben sich verschrieben als sie „die junge Heilige“ notierten. Das passiert mir auch immer wieder, ein Buchstabe zu viel oder einer zu wenig. Es hätte heißen müssen: die junge Eilige!

    Der Roman ist nicht tot. Das ist ein Gerücht, das gleichermaßen von Bloggern wie von Verlagen produziert wird, die über jede Novelle und Kurzgeschichte die Gattungsbezeichnung „Roman“ schreiben. Keiner oder kaum einer von denen weiß, was eigentlich ein Roman ist.

    Dies scheint mir nach demselben Muster gestrickt zu sein wie das, was wir hier vor einiger Zeit hatten: die Behauptung, die Relativitätstheorie sei überholt, weil ein Lichtquant sie überholt hätte. Jeder Fahrradfahrer – und dazu zähle ich mich ebenfalls – kann heutzutage behaupten, die Relativitätstheorie zu überholen und jeder Blogger und jeder Journalist, wenn er was hermachen will, kann dasselbe für den Roman tun. Hermachen wollen viele was, aber die Relativitätstheorie oder den Roman überholen sie damit noch nicht.

    Es gibt nur eine Möglichkeit den Roman zu überholen: einen zu schreiben!

    Herzlich: die junge Eilige, die jetzt auch ganz schnell mal weg muss!

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 9. November 2011 um 22:56

    Ihnen , liebe Alea, danke ich für die Gelegenheit, hier im Netz etwas zu bringen zur verderblichen Wirkung des Lamento über den sog. „Betrieb“.

    „Buona buona notte, bambino mio, alles, alles was man will, kann man nicht haben“.

    Und es läuft der scheinbar so kritische Gedanke, es seien die Erzeugnisse von Literatur und Kunst jetzt heruntergekommen zu frei auf dem Markt flottierenden Waren, tauschwertfixiert, für jedermann greif- u. angreifbar, meines Erachtens auf banale Schlussfolgerungen hinaus und praktisch auf die Verhöhnung der Urteilskraft.- Nur weil Kunstwerke unter den Bedingungen ihrer Vermarktung einem Zur-Ware-Werden ausgesetzt sind, ist eine von dieser Vermarktung unabhängige eigene ästhetische Qualität dieser Werke weder zu ignorieren noch auszuschließen. Die Vorstellung eines Literatur- u. Kunstbetriebes, dessen Funktion es sei , Produkte der Kunst einzig als Gegenstände des Warenverkehrs, d. h. als Tauschobjekte, zu behandeln, fungiert leicht als Präservativmittel für die Einsicht in eine spezifisch dem Kunstobjekte, und nur dem Kunstobjekte eigene Wertform. Indessen ergibt sich aus der Analyse der Eigenart des Ästhetischen, dass es originär keinen utilitaristisch fixierbaren Gebrauchswert von Kunstwerken gibt. Die wichtige Einsicht Benjamins, den Ursprung des Kunstwerks im Bereich des Rituals zu suchen, ist hier wegweisend und erschließt einen Begriff von Gebrauchswert, der sich ganz wesentlich und zentral von dem Gebrauchswert jedes anderen Konsumgenstandes unterscheidet. Aber können Objekte, wie Kunstwerke es sind, im eigentlichen Sinne dann überhaupt noch Gegenstände von Warenverkehr werden?
    Sie können es nicht! Solche Objekte werden geraubt, sie werden auch zerstört, wie deren höchste erinnerliche Form, das Tempelstandbild, nur geraubt oder zerstört, mitnichten von den Einwohnern eingehandelt werden konnte.
    Wir rauben und zerstören in diesem Sinne heute keine Kunstwerke mehr; der rituelle Charakter der Kultobjekte hat sich von seinem religiösen Gehalt gelöst und tradiert auf die Ebene der reinen Anschauung, der reinen Darstellung. Erhalten geblieben ist die D i f f e r e n z zwischen materieller Substantialität eines Werkes und der F o r m, die dieser materiellen Substantialität zum Zweck der Anschauung gegeben wurde. Das Kunstwerk ist seiner spezifischen Wertform nach mithin nicht instrumentalisierbar für den Zweck, in ein Tauschverhältnis einzugehen. Daher gleichen die endlosen Versuche, ein im dargelegten Sinne Inkommensurables kommensurabel zu machen, dem stümperhaften chirurgischen Eingriff in den Thorax einer unverstandenen Sphinx. Es handelt sich dabei um jene die Epoche kulturell kennzeichnende Demenz, die eine am Gängelband des puren Überlebens hängende R e k l a m e ist, flüchtig hin gemacht – zur Verlängerung des Kaufs.

    Mit freundlichem Gruß

    Kommentar von phorkyas
    Datum/Uhrzeit 10. November 2011 um 00:28

    Liebe eilige Aléa,

    die Scharmützel, die ich mit dem Blogger austrage, den ich hier verlinkte, drehen sich auch wohl um ein privatimes, ästhetisches Problem, von dem ich auch nicht weiß, ob es existiert, oder ich nur meine Schreibblockade ästhetisere – oder solche Chimären sehe, wie avenarius sie beschreibt. – Gleich als nächstes entpuppt sich dieser Blogger aber ebenfalls als Emphatiker des Romans. Und ich wäre es wohl auch gerne. Aber leider sehe ich wohl ständig eher das Prekäre, Brüchige. Natürlich stellt man sich mit der Narration in eine große, mächtige Tradition.. aber ist denn nicht auch Problematisches daran? Die Einübung der Schrift und Schriftdeutung (wie sehr da noch das Religiöse hereinspielt, schien mir Benjamin Stein schön in der Leinwand herauszuarbeiten) – da wittere ich manchmal eben auch etwas wie Ritual und Religion und dann schlägt es mich schon fast in die Flucht, – wie der Teufel vor dem Weihwasser.
    Nun das sind kleine Idiosynkrasien – Das größere Problem wäre ja selbst einen Roman zu verfassen, nach all dem, was es schon gab, wie will man da neben all die krachenden Achttausender noch sein Steinchen setzen, und wie soll das bitte aussehen, glaubt man ein paar lila Sprenkel würden’s tun?

    Jetzt hab ich mich mal wieder verheddert – denn eigentlich wollte ich auch noch die sprachanalytischen Töne aufnehmen, die der blinde Hund in seiner Kritik mal anklingen ließ, aber der Faden ist nun einmal verloren. Und dass Dichtung Lüge ist und die Sinne der Leute verwirrt, ist für mich kein Problem, muss ja nicht jeder so ein Angsthase wie Plato sein oder seine Autobiographie “Dichtung und Wahrheit” tröten lassen.

    Herzlich verwirrte Grüße,
    Phorkyas

    PS. Zu Dostojevskij: Ich bin froh, dass die Magisterarbeit, die ich bald korrekturlesen werde nicht über ihn sondern von REMIZOV handeln wird.

    Kommentar von Der Buecherblogger
    Datum/Uhrzeit 10. November 2011 um 18:52

    Liebe Aléa,

    also wenn schon eine “junge Heilige” dann diese:

    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d9/Piero_di_Cosimo_-_Sainte_Marie_Madeleine.jpg?uselang=de

    Selbstverständlich lesend und mit der Perlenkette um den Kopf, nicht um den Hals!
    Vielleicht ein wenig zu demütig, aber dennoch mit Anmut scheint diese Maria Magdalena von Piero di Cosimo in ihr Buch zu schauen. Über Ihre Schönheit darf man(n) ja nicht mit Ihnen diskutieren, aber vermutlich passt sie, wie groß sie auch immer sein mag, sehr gut zu dem einzigartigen Ton, den Sie in Ihren Beiträgen immer wieder aufs Neue beweisen, egal wovon Sie erzählen. Ich raspele Süßholz, aber immerhin merke ich es noch. Der Roman kann übrigens gar nicht sterben, denn Sie schreiben ja noch daran.

    Nur ein kleiner Bildgruß in Ihre zur Zeit “asketische Schreibklause”.

    Dietmar

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 10. November 2011 um 20:55

    Sieh an, sieh an,

    da komme ich ins Internet, (h)eilig und (h)eloquent wie ich bin, und was sehe ich: schöne neue Beiträge.

    Erstaunlich welche Wege die Kommentare unter diesem Artikel gehen!

    Heute enden alle Kommentare ohne das übliche „herzlich“. Nicht, weil es weniger herzlich wäre, sondern weil ich eine Ablenkung brauche.

    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 10. November 2011 um 20:56

    Lieber Dietmar,

    die Äußerung auf der ersten Seite meiner Webpräsenz steht schon einmal aus vorauslaufendem Gehorsam dort. Ich möchte hier über Literatur diskutieren, das ist nicht immer möglich. Aber anhand meines eigenen Romans werde ich darüber reden und über sonst gar nichts. Daran kann sich jeder beteiligen, den das interessiert. Ich vermute, dass, wenn der Roman da ist, auch einige kommen, die das nicht interessiert. Es gibt hier bisher keine Trolle, aber die kommen vermutlich. Und denen wollte ich nur sagen, dass ich hier die Regeln diktiere. Und die lauten: keine Spam, keine Trolle, keine Frauen-, Männer- und Ausländerfeindlichkeiten. Zweifel an meiner Intelligenz und solche an meiner Fähigkeit zu schreiben sind dann erlaubt, wenn sie argumentativ vorgehen. Und wenn ich etwas lernen kann. Und ich gehöre zu denen, die sich nicht scheuen, etwas zu lernen. Im Gegenteil, ich scheue eher bei anderen Dingen.

    Was den einzigartigen Ton angeht: ich habe da im Moment so meine Zweifel, und nicht nur was den Ton angeht. Aber es betrifft nicht den Roman, sondern diese Webseite. Ich habe derzeit nicht das Bedürfnis, etwas hier mit anderen zu teilen. Ich weiß nicht, woher das kommt. Ich habe eigentlich gar keinen Exhibitionismus. Aber den muss man zu einem gewissen Teil hier mitbringen. So halte ich mich ein wenig zurück. Oder ich halte gar nicht. Es hält mich zurück. Vielleicht ändert sich das auch mal wieder. Aber die mir gemäße Form des Ausdrucks ist nicht das Blog. Das ist seltsamerweise der Roman.

    Die Askese müsste ich ja spüren, damit es eine wäre. Es ist keine. Ich fühle mich wohl. Ich spüre nichts, was darüber hinausgeht oder darunter bleibt. Ist das vielleicht das Asketische? Oder bin ich emotionslos.

    Das Bild ist doch aus dieser Gesichter Ausstellung im Bodemuseum, nicht?

    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 10. November 2011 um 20:58

    Lieber Phorkyas,

    seltsam, dass auch sie unter derselben Wahnvorstellung leiden wie ich: Romane schreiben zu müssen. Wer soll es verlegen und wer soll all das Zeug lesen? Daran sollte man gar nicht denken. Wenn man das wirklich will, muss man es machen. Und dann muss man sich einfach hinsetzen. Ich habe einmal bei TT gesagt, dass ich nicht an die Schreibhemmung glaube. Das kam dort nicht so gut an. Ich kenne Sie nicht und weiß nicht wie das bei Ihnen aussieht. Aber Sie sollten nicht mit der Schreibhemmung kämpfen, sondern mit dem Text. Sich von irgendwelchen Erhebungen beeindrucken lassen, das ist nicht die richtige Art und Weise ins Gebirge zu gehen. Das ist einfach nicht die Aufgabe eines Schriftstellers, sich über das Gedanken zu machen, was der Ergebnis wert ist und welche Höhe es haben wird. Das ist die Aufgabe der anderen. Leider!

    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 10. November 2011 um 20:58

    Lieber Avenarius,

    Kritik ist immer willkommen. Weil sie die Möglichkeit zur eigenen Reflexion eröffnet. Und weil sie es ermöglicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Was wir ja sonst nicht tun. Auch wenn ich mich derzeit nicht ganz anschließen kann. Mein Roman ist Kunst und ich will, dass er sich verkauft. Nicht weil ich so narzisstisch wäre, sondern weil ich mir einen Namen machen muss und nur so kann ich eines Tages davon leben. Und dieser Tag, an dem ich und andere feststellen werden, dass ich nichts anderes kann, der ist nicht mehr weit weg.

    Ich empfinde etwas Ähnliches wie das, was Sie hier vorbringen, nicht bei Kunstgegenständen, sondern bei Kultgegenständen. Bei Apple und CO. Die Leute schämen sich doch nicht, sich mit ihren I-Phone oder Apple Computer abbilden zu lassen, als sei das allein der Schlüssel zu was weiß ich. Das kenne ich so nicht und ich empfinde das als abstoßend. Die Huldigungen an Apple, Prada und Gucci. Das ist vielleicht „die D i f f e r e n z zwischen materieller Substantialität eines Werkes und der F o r m“ von der Sie sprechen?

    Aléa

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 10. November 2011 um 22:33

    Liebe Alea.

    Das stimmt, man kann alles miteinander vergleichen. Man kann auch Kohlen mit Wolken vergleichen. Und indem man vergleicht, erkennt man die Unterschiede. Zu behaupten, man könne etwas nicht miteinander vergleichen läuft immer auf eine Art Denkverbot hinaus.
    Ich habe den ästhetischen Gegenstand hingestellt als erfassbar nur von seiner jeweiligen Form her, nicht jedoch von seinem materiellen Substat. Er wird qua seiner Anschaubarkeit zum Gebrauchsgegenstand. Dies unterscheidet ihn von reinen Gebrauchsgegenständen sehr.
    Damit habe ich aber nicht gesagt, dass ein Kunstwerk keinen Handelswert habe. Dass Künstler ihre Werke verkaufen halte ich für normal. Man sollte nur wissen, w a s man verkauft.

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 11. November 2011 um 08:04

    P.S.

    Wenn Gebrauchsprodukte zu Kultgegenständen werden sieht die Sache m. E. so aus:
    Als in die Produktgestaltung involviert wird das Kunstwerk (und seine Derivate) kraft ihrer ästhetischen Form schnell zum bloßen Dekor bestimmter Produktionsverhältnisse. Hier steht es auf der Schwelle zur Ideologie oder besser, mit einem Bein schon im Raume der Ideologie. Dies mag der Grund sein für die heftige Abwehr vieler Künstler gegen solcherlei Formwucherung und deren Entsprechung im Verhalten vieler Menschen.
    Man sollte also auch wissen, w o man verkauft. Aber dann hätten wir ja schon fast einen Dichter…

    Einen guten Tag wünsche ich, avenarius. .

    Kommentar von Der Buecherblogger
    Datum/Uhrzeit 11. November 2011 um 18:59

    Liebe Aléa,

    das von mir verlinkte Bild hätte sicher auch gut in die “Gesichter der Renaissance”-Ausstellung gepasst, ich bin aber in einem kleinen Bildband von Thomas Blisniewski: “Die Entdeckung der Frauen in der Renaissance” darauf gestossen, den ich gerade lese. Bei dem versonnenen Blick auf das Buch kam mir spontan Phorkyas “junge Heilige” in den Sinn.
    Romanmäßig stecke ich im Anfang von “Die Wissenden” ein wenig fest und habe etwa ein Drittel von Ford Madox Ford “Die allertraurigste Geschichte” gelesen. Ein Jahrhundert macht doch einen großen Kontrast aus.
    Dass die Ihnen “gemäße Form des Ausdrucks der Roman ist”, unterstreicht die Ernsthaftigkeit Ihres Schreibens. Wenn der Blog nur eine Fingerübung ist oder bleibt, darf man sich auf die Etage freuen, in die der Roman einziehen wird.

    Abendgrüsse in Ihr hoffentlich geheiztes Domizil

    Dietmar

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 12. November 2011 um 10:50

    Lieber Avenarius,

    - „man sollte wissen was man verkauft“: Ich, in meinem Falle, weiß es. Aber der Verlag weiß etwas anderes. Der erste Leser wird etwas anderes wissen. Der zweite und der dritte wissen wieder anderes. Und so fort bis sich mal einer findet, der dasselbe weiß wie ich. Und ich vermute, dass das bei mir gar nicht gut ankommt: das ist ja mein Wissen, das der hat! Vielleicht erkenne ich das dann aber auch gar nicht mehr als meins wieder.

    - „Man sollte wissen, wo man verkauft“: hat man darauf denn einen Einfluss? Was Sie zur Kunst sagen, passt, wie ich finde, besser zu darstellenden Kunst als zur Schriftstellerei. Oder es passt zu einer Kunst, die, sagen wir mal, am Markt vorbei schreibt oder produziert. Wir schreiben, um gelesen zu werden. Aber vielleicht sind jene die besseren Künstler, die das nicht wollen. Vielleicht wären jene die besseren Künstler, wenn es sie gäbe. Es gibt womöglich nur die, die behaupten, dass sie das nicht tun, aus Trotz oder Verletzung, vom Markt zurückgewiesen worden zu sein. Die, die wirklich nicht um des Marktes und seiner Vertreter, der Leser und Betrachter willen schreiben und malen und fotografieren, von denen wissen wir ja nichts. Und wenn wir dann doch mal etwas von ihnen erfahren, dann sind alle ungläubig und skeptisch, weil sie nicht verstehen können, dass es manchen Menschen tatsächlich reicht: der Akt des Produzierens. Erinnern Sie sich an diese Vivian Maier?.

    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 12. November 2011 um 10:54

    Lieber Dietmar,

    die Heizung ist, anders als der Netzzugang über den Nachbarn, von mir selbst zu bedienen und einigermaßen funktionsfähig.

    Ich kann mich erinnern, Ford Madox Ford gelesen zu haben. Dieses Buch, das Sie da angeben. Aber ich kann mich nicht an Einzelheiten erinnern. Ich kann mir vorstellen, dass man, wenn man den Text direkt mit Orbitor vergleicht, wenn man die beiden quasi zusammen liest, einiges sehr unterschiedlich klingt. Dass Sie bei „Die Wissenden“ stolpern oder stehen bleiben, das gehört zum Programm. Man muss sich da manchmal wirklich durchbeißen. Und das liegt nicht nur daran, dass hier kein einfacher Text vorliegt. Ich hatte Sie aber vorgewarnt.

    Ob mein eigener Roman meinem Anspruch gerecht wird, ist ja noch gar nicht heraus. Ich bin gespannt auf die Reaktionen, die hoffentlich kommen werden. Und hoffentlich auch außerhalb der Bloggerwelt. Das Schreiben von Romanen – obwohl ich ja keine lange Liste vorzuweisen habe – ist das Ernsthafteste, was ich bisher in meinem Leben gemacht habe. Und was immer ich sonst noch im Leben tun werde, es wird, vermute ich, nichts mit dieser Ernsthaftigkeit betrieben werden.

    Ich bin derzeit skeptisch, was das Netz betrifft. Oder vielmehr bin ich skeptisch, ob das wirklich mein Medium ist. Ich hatte das schon geschrieben, in der Hoffnung, ich würde das Gefühl damit beseitigen. Aber das Unbehagen wächst sogar noch. Womöglich betrifft es nur mich selbst und das Konzept meiner Webseite. Nimmt man die Literaturbesprechungen heraus, die sowieso selten kommentiert werden, bleiben beinahe nur persönliche Dinge. Und gerade dieser persönlichen Dinge, das empfinde ich immer deutlicher, gehören nicht ins Netz. Jedenfalls nicht bei mir. Vielleicht ist das nur eine kleine Krise, die auch wieder vorbeigeht. Wolken, die vorübergehen und mich dann klarer sehen lassen, auf die darüber liegenden Wolken.

    Heute jedoch: strahlend blauer Himmel!

    Aléa

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 13. November 2011 um 00:51

    Was man verkauft.
    Hinsichtlich der Darstellungsfunktion von Kunst (dass nämlich die Region Kunstwerk wesentlich bestimmt ist durch ihre formale Beschaffenheit) passt meine These -cum grano salis- auch zur Literatur.
    Wo man verkauft.
    Es gibt Orte, an denen eine Selbstverwirklichung, zu der das Kunstwerk aufruft: „Du
    mußt dein Leben ändern“, nicht willkommen ist.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 13. November 2011 um 22:31

    Lieber Avenarius,

    ich habe das Gefühl, dass ihr „Lamento“ auf für Sie nicht sehr fruchtbaren Boden gefallen ist.

    Ich konnte mich nicht so darauf einlassen, wie ich das vielleicht unter anderen Umständen getan hätte. Ich habe zu dem Literaturbetrieb auch eine Meinung, die sicher nicht ganz konform ist mit der, die man von mir erwartet. Ich werde ja nun, ob ich das will oder nicht, Teil dieses Betriebes. Aber ich bin jetzt und in Zukunft sehr vorsichtig. Auch wenn ich sicher eines mit meiner Vorsicht nicht werde verhindern können: dass mich Leute für Zwecke instrumentalisieren, die nicht meine Zwecke sind.

    „Du musst dein Leben ändern“: das ist Rilke. Aber nicht jedes Kunstwerk hat diese Aufgabe. Das scheint mir sogar ein wenig pathetisch. Nicht, dass ich etwas gegen das Pathos hätte, es passt vielleicht auch eher zu Hölderlin. Warum muss ich mein Leben ändern? Ich muss es bewahren, ich muss es vielleicht verdichten, intensivieren. Aber verändern? Im Sinne einer Umkehr? Und wer, wenn diese Aufforderung richtig sein sollte, wenn sie das Wesen der Kunst sein sollte (jetzt bin ich zu pathetisch); wer hört diese Aufforderung, in einer Zeit wo Kunst nahezu identisch mit Kunstmarkt ist. Aber da treffen wir uns ja wieder, Sie mit ihrer Klage und ich mit dieser Bemerkung dazu.

    Aléa

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 14. November 2011 um 00:27

    Liebe Alea,
    ich möchte weder starrköpfig noch aufdringlich sein. Erlauben Sie mir jedoch bitte noch eins, zwei Sätze zum Thema.
    Wenn ich meine Kommentare von oben überblicke, kann ich darin kein Lamento erkennen. Ich habe zu zeigen versucht, worin der Unterschied liegt zwischen einem Kunstwerk und zum Beispiel einem Kaugummi. Dieser ist entsprechend seiner Wertform ein Gegenstand des Gebrauches, jenes hingegen ein Gegenstand der reinen Anschauung. Ferner habe ich einige Implikationen aufgezeigt, die sich aus dieser Differenz ergeben mögen. Die Situation eines Produzenten von Kunstwerken, dessen Produkte einem Wertaspekt unterliegen, wie ich ihn dargelegt habe, ist eine andere als die eines Produzenten von einfachen Gebrauchsgegenständen deshalb, weil z. B. ein Waffeleisen keinerlei Reflexionswert besitzt. Für das Kunstwerk hingegen als reiner Anschauungsgegenstand ist ein solcher Reflexionswert konstitutiv.
    Die Analyse war vor jeder kritischen Auseinandersetzung zunächst phänomenologisch gemeint.
    Meine Anmerkungen zum „Was“ bezogen sich genau auf diese Analyse.
    Meine Anmerkungen zum „Wo“ bezogen sich auf den unbestreitbaren Aspekt des Kunstwerkes als i d e o l o g i s c h e m W e r t.
    Den Markt, d. h. die marktregulierenden Instanzen in ihrer Realität, zu beklagen käme mir gar nicht in den Sinn. Ich muss aber deshalb kein Handlanger sein.

    Sie kennen doch die Geschichten vom Herrn Keuner.

    „Herr Keuner begegnete Herrn Wirr, dem Kämpfer gegen die Zeitungen. „Ich bin ein großer Gegner der Zeitugen“, sagte Herr Wirr, „ich will keine Zeitungen.“ Herr Keuner sagte: „Ich bin ein größerer Gegner der Zeitungen: ich will andere Zeitungen.“

    Einfach und klar? Schlechterdings nicht.

    Freundliche Grüße – avenarius

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 15. November 2011 um 21:07

    Lieber Avenarius,

    ich halte Sie in keiner Weise für starrköpfig oder aufdringlich. Man hat seine These und seinen Text und die will man auch ins rechte Licht gerückt wissen.

    Ich meinte die Bezeichnung „Lamento“ gar nicht negativ. Ich habe das als eine Klage empfunden – so ist die Bedeutung des Wortes im Rumänischen – und die Situation ist ja auch beklagenswert. Ich meinte Lamento nicht pejorativ, sondern als eine Art Gattungsbezeichnung.

    Wir stimmen, beispielsweise in solchen Formulierungen „Für das Kunstwerk hingegen als reiner Anschauungsgegenstand ist ein solcher Reflexionswert konstitutiv“ völlig überein. Und ich hatte auch nicht das Gefühl, nicht bei meinem letzten Beitrag, dass wir da voneinander abweichen. Von meiner Seite ist kein Missverständnis, ich wollte mich mit meinem letzten Kommentar sozusagen entschuldigen, dass ich nicht weiter auf Ihren langen Beitrag eingegangen bin.

    Ich kenne die Geschichten von Herrn Keuner nicht. Oder kenne ich sie doch? Ich schaue mir das aber demnächst mal an. Vielleicht, wenn ich es schon nicht kenne, erkenne ich es wenigstens wieder.

    Aléa

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