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  • Phorkyas: Liebe Alea, dieses Kommentarfeld hier hatte ich übersehen. Das ist eine sehr runde Sache geworden, Ihr Roman, wie ich finde – das lange Leiden und Feilen hat sich also gelohnt. Mir hat die Beschreibung von Marijans Mobilitätstraining sehr gefallen. Ich weiß nicht, ob Sie das schon...
  • Aléa Torik: Lieber Avenarius, vielen Dank für die wohlmeinenden Worte. Die tun mir mehr gut als Sie glauben mögen. Ich werde weitermachen, weil es auch für den nächsten Roman wichtig ist. Und ich werde wohl die Kommentarfunktion deaktivieren. Das ist eine schwierigere Entscheidung als man...
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  • Aléa Torik: Liebe Azadeh, ich überlege, die Kommentarfunktion gänzlich auszuschalten. Ich habe mich aber noch nicht entschieden. Aléa
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  • Aléa Torik: Liebe Azadeh, ich schlage vor, wir warten bis zur Veröffentlichung davon, was im Januar 2013 der Fall sein wird, und dann kann jeder entscheiden, was mein richtiger Name ist, was das richtige und das falsche Verhalten war. Herzlich Aléa
  • Azadeh Sepehri: Interessant. Ich dachte, Sie schreiben unter Ihrem “richtigen” Namen.
  • Aléa Torik: Liebe Azadeh, „Nehmer“ und „Geber“: Nehmen ist ja auch leichter als geben. Sein Recht in Anspruch zu nehmen ist leichter als einer daraus resultierenden Plicht zu entsprechen. Dass Recht und Pflicht so eng miteinander verbunden sind, dass sie dasselbe sind, auseinander hervorgehen,...
  • Aléa Torik: Lieber Holio, Sie können hier gerne mit Ihrem Meißel klopfen. Und ich habe auch nichts dagegen, wenn dabei etwas anderes herauskommt als ich das beabsichtigt habe. Soviel verstehe ich von Literatur, um zu wissen, dass die Autorin eine Interpretation unter anderen hat. Es stehen, sowie...
  • Aléa Torik: Lieber NO, auch für mich sind Lydijakapitel und Aufzählungskapitel die beiden Höhepunkte dieses Romans. Es sind wohl auch die beiden schwierigsten Kapitel. Das Zentrum des ganzen Textes ist sicher das Aufzählungs- oder Berlinkapitel. Das war geplant als eine Beschreibung des...
  • avenarius: Liebe Alea, ja natürlich, es gibt immer eine Macht. Macht bedarf, ganz anders als die Gewalt, keinerlei Rechtfertigung, “da sie allen menschlichen Gemeinschaften immer schon inhärent ist. Hingegen bedarf sie der Legitimität. Macht entsteht, wann immer Menschen sich zusammenfinden...
  • Aléa Torik: Lieber Ave Narius, ich bin da, soweit ich sehe, völlig einverstanden. Nur mit dem „Medusenhaupt der Macht“ habe ich Schwierigkeiten: es muss eine Verfassung geben, eine Legislative, und dann muss es auch eine Executive und eine Judikative geben. Es muss eine Macht geben und sie muss...

  • 10 September 2011

    Dazwischen, ohne Zeit, ohne Richtung

    Zwischen Bukuresti und Sibiu: ich bin ich mit dem Zug gefahren. Das sind etwa 300 Kilometer und 8 Stunden Fahrt. Allerdings geht es durchs Hochgebirge. Ich hätte gerne die Taubstummen im Zug fotografiert. Generell habe ich schon Schwierigkeiten damit, Unbekannten die Kamera ins Gesicht zu halten, hier war es geradezu unmöglich. Es wäre auch fraglich gewesen, ob deren ausgeprägte Körperhaltung, Mimik und Gestik auf den Bildern zu sehen gewesen wäre. Stattdessen habe ich mich mit Dora und ihren kleinen Sohn Dimi unterhalten, der mit mir kokettierte.

    Die Bilder sind vielleicht nicht durchweg interessant. Zu sehen ist unter anderem ein Krankenhausdach, das ich noch jemandem schuldig war. Zu sehen ist auch der Bus, mit dem ich zur Uni gefahren, der Park, in dem ich oft nach der Uni gesessen, eine Bank auf der ich Händchen gehalten habe, ein Hinterhof, den ich kenne. Meine Erinnerungen eben.

    Am Tag vor der Abreise bin ich immer voller Wehmut. Und dann saß ich bereits im Zug nach Berlin. Ich schaue die ersten Stunden aus dem Fenster. Vom Zug aus kann ich in der Ferne mein Dorf in den Bergen sehen, den Kirchturm. Ich spüre, wie das alles weniger wird und wie etwas anderes mehr wird, die Freude auf Berlin, auf alles, was mich da erwartet, vor allem aber die Freude aufs Schreiben.

    Auf dem Weg nach Alba Iulia stand ein Zigeuner neben einem Wohnwagen und grüßte den vorüberfahrenden Zug mit erhobener Hand. Seltsamerweise war es nahezu leer, da war nur ein schlafender Mann und eine kleine Holländerin, kaum halb so groß wie ich, die weder Deutsch noch Rumänisch konnte – auch keine andere Weltsprache – nicht einmal Englisch, und die mich dauernd in einem frei erfundenen Kauderwelsch fragte, wie spät es sei. Es gibt in Rumänien keine Sommerzeit. Aber das ändert sich nicht alle zehn Kilometer. Die Zeit ist immer dieselbe, diesseits wie jenseits der Grenze. Sie vergeht drüben zwar langsamer, aber sie vergeht gleichmäßig langsamer, nicht stochastisch.

    Ich bin also wieder da. Totul e bine când se sfârșește cu bine! – In etwa: Alles ist gut, was gut endet.

    Sie wissen es schon: beim Captcha bitte beide Worte eingeben.



    Kommentare

    Kommentar von Irisnebel
    Datum/Uhrzeit 10. September 2011 um 16:13

    liebe Aléa, was macht die schwarze witwe dort an der ecke mit ihren text/foto/prospekthuellen?

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 10. September 2011 um 20:47

    Liebe Iris,

    ich hatte erst nicht verstanden, was Sie mit „Schwarzer Witwe“ meinte, aber dann ist es mir aufgefallen. Ich habe das Foto wegen des Kontrastes zwischen diesen beiden sehr unterschiedlichen Wirklichkeiten gemacht, auf der einen Seite die jungen Mädchen, die sehr modern und offen gekleidet waren und sich ungehemmt nach den Jungs umgedreht haben (die hier nicht mehr zu sehen sind) und dann die gläubige Nonne, die gesenkten Blickes ihre Zeitschriften anbietet. Ich weiß nicht, zu welchem Kloster (Mănăstire) sie gehört http://ro.wikipedia.org/wiki/Categorie:M%C4%83n%C4%83stiri_%C3%AEn_Rom%C3%A2nia aber sicher, in dem Aufzug, zu einem sehr streng gläubigen.

    Rumänien ist das Land mit den (ich glaube weltweit) meisten Klosterneugründungen und den meisten Neuzugängen. Und egal wohin Sie kommen, in welches Dorf oder in welche Stadt: die Kirchen und die Klöster sind immer im besten Zustand. Wie groß die Armut auch sein mag, es reicht immer noch, um seinen Glauben zu pflegen. Es gehen vor allem viele Mädchen aus armen Gegenden ins Kloster: weil sie die Wirklichkeit, denke ich, nicht aushalten. Die Männer saufen, die Zukunft sieht bescheiden aus, die Städte, und die Chancen auf Bildung und Arbeit sind oft weit, es gibt sozusagen keinen öffentlichen Nahverkehr: ob das zwanzig Kilometer oder zweihundert sind, sie sind eben weit weg. Das kann ausgesprochen trostlos sein. Da ist das Kloster noch die beste Alternative. Und: man glaubt eben auch noch. An Gott und vor allem an den Teufel.

    Ich könnte Ihnen jetzt eine Geschichte erzählen, die ich in Sibiu gehört haben: da sträuben sich Ihnen die Haare, von einem Priester, der sich nebenbei noch als Hellseher versteht, der ein Mädchen in die Heirat treibt mit einem anderen Priester, der eine Frau braucht. Dieser Mann hat nur zwei Möglichkeiten nach dem Studium: er geht in einen Orden oder er übernimmt eine Pfarrei. Aber die bekommt er nur, wenn er eine Frau vorweisen kann. Aber ich erzähle Ihnen die Geschichte nicht. Erstens habe ich sie von meiner Freundin Anna und die will bestimmt nicht, dass ich sie erzähle und zweitens, viel wichtiger: ich verstehe sie selbst nicht. Alle Beteiligten und alle Unbeteiligten verstehen sie nicht: aber die beiden werden dennoch heiraten.

    Aléa

    Kommentar von Irisnebel
    Datum/Uhrzeit 11. September 2011 um 16:53

    liebe Aléa,
    das wusste ich alles gar nicht. hmmm… interessant, aber traurig wegen der fehlenden chancen und entwicklungsmoeglichkeiten. was leisten denn die schulen diesbezueglich? werden den jungen menschen nicht die dennoch vorhandenen moeglichkeiten der weiterbildung/ausbildung ans herz gelegt? oder geht das auch nicht, sich durch hoehere bildung mehr wege zu erschliessen? in ihrem falle scheint es zumindest funktioniert zu haben…

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 11. September 2011 um 19:32

    Liebe Iris,

    woher sollten Sie auch solche Details über ein Land wissen, dass am unteren Ende des Interesses in diesem Land hier steht. Das ist alles weit weg und es gibt auch ganz selten etwas über Rumänien in den Nachrichten, jedenfalls nicht in denen, die ich mitbekomme.

    Schule, Bildung und Lebenschancen: das ist wirklich eine lange Geschichte und ich müsste mehr erzählen als ich wirklich erzählen kann. Ich hoffen Sie nehmen mir das nicht übel, wenn ich das nicht tue!! Das ist das zweite Mal, dass ich Ihnen etwas nicht erzähle. Aber das ist Zufall.

    Bei mir liegen die Sachen ein wenig anders. Das will ich, und werde ich auch, in meinem nächsten Roman darstellen.

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von Irisnebel
    Datum/Uhrzeit 11. September 2011 um 20:09

    insofern ist ihr blog nicht nur von privatem interesse.
    sie leisten aufklaererische arbeit.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 11. September 2011 um 20:14

    Liebe Iris,
    das tun Sie ebenfalls, wenn sie etwas zu Malern und Künstlern sagen, von denen ich noch nie etwas gehört habe.