10 September 2011
Dazwischen, ohne Zeit, ohne Richtung
Zwischen Bukuresti und Sibiu: ich bin ich mit dem Zug gefahren. Das sind etwa 300 Kilometer und 8 Stunden Fahrt. Allerdings geht es durchs Hochgebirge. Ich hätte gerne die Taubstummen im Zug fotografiert. Generell habe ich schon Schwierigkeiten damit, Unbekannten die Kamera ins Gesicht zu halten, hier war es geradezu unmöglich. Es wäre auch fraglich gewesen, ob deren ausgeprägte Körperhaltung, Mimik und Gestik auf den Bildern zu sehen gewesen wäre. Stattdessen habe ich mich mit Dora und ihren kleinen Sohn Dimi unterhalten, der mit mir kokettierte.
Die Bilder sind vielleicht nicht durchweg interessant. Zu sehen ist unter anderem ein Krankenhausdach, das ich noch jemandem schuldig war. Zu sehen ist auch der Bus, mit dem ich zur Uni gefahren, der Park, in dem ich oft nach der Uni gesessen, eine Bank auf der ich Händchen gehalten habe, ein Hinterhof, den ich kenne. Meine Erinnerungen eben.
Am Tag vor der Abreise bin ich immer voller Wehmut. Und dann saß ich bereits im Zug nach Berlin. Ich schaue die ersten Stunden aus dem Fenster. Vom Zug aus kann ich in der Ferne mein Dorf in den Bergen sehen, den Kirchturm. Ich spüre, wie das alles weniger wird und wie etwas anderes mehr wird, die Freude auf Berlin, auf alles, was mich da erwartet, vor allem aber die Freude aufs Schreiben.
Auf dem Weg nach Alba Iulia stand ein Zigeuner neben einem Wohnwagen und grüßte den vorüberfahrenden Zug mit erhobener Hand. Seltsamerweise war es nahezu leer, da war nur ein schlafender Mann und eine kleine Holländerin, kaum halb so groß wie ich, die weder Deutsch noch Rumänisch konnte – auch keine andere Weltsprache – nicht einmal Englisch, und die mich dauernd in einem frei erfundenen Kauderwelsch fragte, wie spät es sei. Es gibt in Rumänien keine Sommerzeit. Aber das ändert sich nicht alle zehn Kilometer. Die Zeit ist immer dieselbe, diesseits wie jenseits der Grenze. Sie vergeht drüben zwar langsamer, aber sie vergeht gleichmäßig langsamer, nicht stochastisch.
Ich bin also wieder da. Totul e bine când se sfârșește cu bine! – In etwa: Alles ist gut, was gut endet.
Sie wissen es schon: beim Captcha bitte beide Worte eingeben.
Geschrieben: September 10th, 2011 unter Allzupersönliches, mittel
















































Kommentar von Irisnebel
Datum/Uhrzeit 10. September 2011 um 16:13
liebe Aléa, was macht die schwarze witwe dort an der ecke mit ihren text/foto/prospekthuellen?