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  • Aléa Torik: Lieber Avenarius, vielen Dank für die wohlmeinenden Worte. Die tun mir mehr gut als Sie glauben mögen. Ich werde weitermachen, weil es auch für den nächsten Roman wichtig ist. Und ich werde wohl die Kommentarfunktion deaktivieren. Das ist eine schwierigere Entscheidung als man...
  • avenarius: Liebe Alea, im Verhältnis zu Ihrer vorherigen Präsenz haben Sie sich bereits aus dem Netz zurückgezogen. Aber warum sollte ein Blog nur wegen verminderter Aktivität aufgegeben werden. Ich würde weiterköcheln – auf Sparflamme. Frohe Ostertage wünscht - avenarius
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  • Aléa Torik: Liebe Azadeh, ich schlage vor, wir warten bis zur Veröffentlichung davon, was im Januar 2013 der Fall sein wird, und dann kann jeder entscheiden, was mein richtiger Name ist, was das richtige und das falsche Verhalten war. Herzlich Aléa
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  • 08 September 2011

    Bucureşti, zehn Minuten vor vier

    Im Vergleich mit dem vernünftigen Transsilvanien ist Bucureşti geradezu wahnsinnig. Bukarest: das sind arme Menschen, streunende Hunde, fünfunddreißig Grad Hitze. Ich habe bei einer Freundin gewohnt, eine Kanadierin, die im vergangenen Jahr einen Rumänen geheiratet hat. Die hatten eine Seilbahn im Flur hängen und ein Zimmer frei. Ich habe Freunde getroffen, im Lipscani Viertel, wir haben Bier getrunken. Ziemlich viel sogar. Erstaunlich, was alles in einen reingeht. Ich war im Cişmigiu-Park spazieren, wo ich früher häufig war, in der Nähe der Universität. Einmal bin ich in eine Zigeunerhochzeit geraten. Die haben einfach die Straße dichtgemacht, indem sie ihre Autos quergestellt haben, dann wurden zwei mannshohe Lautsprecher auf die Straße gestellt und getanzt. Das ging viele Stunden lang so. Um die Stimmung zu erfassen, müsste ich allerdings den Ton mitliefern.

    Vier Tage später ging‘s mit dem Zug zurück, der voller Taubstummer war. Die kamen möglicherweise von einer Veranstaltung oder einem gemeinsamen Ausflug. Es ist ja nicht ganz einfach mit einem Taubstummen in Kontakt zu kommen. Zumal die Hemmung auf beiden Seiten ist. Es ging durch das Prahova-Tal, das in einer der schönsten Gegenden der Karpaten liegt. Leider an diesem Tag nebelverhangen, so dass die Bilder nicht das zeigen, was sie zeigen könnten. Am letzen Abend habe ich noch ein Konzert gesehen, einen Teil davon, und dann gings wieder in ein Restaurant. Abschied eben. Der letzte Abend ist immer eine Katastrophe.

    Ich bin nicht sehr zufrieden mit den Fotos. Ich habe Schwierigkeiten, Menschen direkt ins Gesicht zu fotografieren. In Sibiu ging‘s noch. Zum einen kenne ich einige, die auf den Bildern zu sehen sind. Außerdem war die Situation so, dass alle alles fotografiert haben. In Bukarest war das schon schwieriger. Das liegt natürlich an mir. Ich mag es nicht, wenn mich jemand fotografiert. Das hat am Dienstag jemand in der Bibliothek gemacht, mehrfach. Ich bin verärgert von meinem Platz aufgestanden und habe die Frau gebeten, damit aufzuhören. Ich weiß allerdings, dass die meisten Menschen gerne fotografiert werden. Ich empfinde es dennoch als einen aggressiven Akt, wenn ich jemandem eine Kamera vor die Nase halte.



    Kommentare

    Kommentar von Philipp
    Datum/Uhrzeit 9. September 2011 um 14:33

    Liebe Aléa,

    mir gefällt die zweite Serie sogar besser als die erste. Liegt wohl an den Motiven, Mittelalterfest ist nicht so meins, Bukarest finde ich spannender. Ich hatte bisher überhaupt keine Vortstellung wie es dort aussieht. Jetzt würde ich mir die Stadt gerne mal anschauen.

    Das Volumen-Phänomen beim Biertrinken kenne ich auch gut. Es ist unvorstellbar an nem Abend 2,5 Liter Cola zu trinken. Beim Bier dagegen passt die Flüssigkeitsmenge immer irgendwie rein…

    Zu den Taubstummen: Auf jeden Fall angenehmer als ein Kegelverein auf dem Jahresausflug. Oder Kleinkinder im Hysterie-Modus.

    Bin übrigens auch etwas überrascht, dass du dir die rumänischen Kings of Heavy Metal anhörst. Die Videos, die du postest, gehen ja sonst eher in die ruhigere Singersongwriter-Richtung.

    Jedenfalls vielen Dank für die Fotos, freue mich schon auf die dritte Lieferung.

    Kommentar von Irisnebel
    Datum/Uhrzeit 9. September 2011 um 17:25

    Liebe Aléa,
    danke fuer die beiden sehr unterschiedlichen Serien. In dieser liegt der Charme in der Architektur. Nichts ist totsaniert, alles darf noch seine Geschichte tragen. Manch ein Ort erinnert mich total an Markus Hedigers Alte Nationalbibliothek.
    http://www.avenidaperdida.com/
    Ihre Unterkunft muss fantastisch gewesen sein. War das auch ein altes Gebaeude? Im Inneren scheint es jedenfalls so.
    Die vielen kleinen Klimaanlagen an den Fassaden jedoch verschandeln das Bild total…

    LG
    Irisnebel

    Kommentar von der blinde Hund
    Datum/Uhrzeit 9. September 2011 um 17:26

    Tolle Bilder, schöne Beschreibungen – will man sofort nach Rumänien.

    Kommentar von Irisnebel
    Datum/Uhrzeit 9. September 2011 um 17:29

    p.s.: die alte parkuhr auf bild 1 ist herrlich.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 10. September 2011 um 10:08

    Liebe Iris,

    das Haus war ein altes Haus. Die beiden haben denselben Fimmel, deswegen haben die geheiratet – gut, dass die das hier nicht lesen können -: die sammeln alte Sachen. Alte Bücher, alte Bilder, alte Möbel. Aber die machen das mit Geschmack.

    Klimaanlagen in einer Stadt, in der es im Sommer oft weit über dreißig Grad ist: leider unvermeidlich. Außer in den modernen Bürogebäuden ist das jeweils Sache der Mieter. Also kauft man sich so ein Dinge und muss dafür mehrere Durchbrüche an den Fassaden machen, die Haken, wo das aufgestellt wird, Stromzufuhr, die Leitung, wo das Wasser abtropft, das den Passanten dann auf den Kopf tropft. Das ist nicht intelligent geregelt.

    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 10. September 2011 um 10:09

    Lieber Philipp,

    Bukarest kann man gut anschauen. Es ist allerdings weit ab von den üblichen Touristenpfaden. Ob wohl es Charme hat, aber man braucht Zeit, um den zu entdecken. Und ich weiß auch nicht, ob man den als Tourist überhaupt empfindet. Man kommt zwar heute schnell und günstig überall hin. Aber war man wirklich da? Hat man wirklich etwas von der Stadt erlebt, von den Menschen. Oder hat man nur Fassaden mit Klimaanlagen gesehen?

    Die Haevy Metal Gruppe hatte ich nur fotografiert, weil sie dort aufgetreten sind. Ich fand das Konzert auch nicht besonders gut. Aber: selbst wenn es die beste Metal Band der Welt gewesen wäre (was ja bekanntlich Metallica ist: jetzt staunst du, nicht?): ich hätte es nicht erkannt. Ich mag in der Tat die ruhigen Sachen. In einem Plattenladen an der Volksbühne in Berlin steht ein Regal, das genau meine Musik hat, mit der Überschrift: Singer, Songwriter, Selbstmörder. Ansonsten mag ich die Musik, die man in Rumänien hört, die klassischen Hochzeitskapellen, die dort alle Fanfaren heißen, die berühmteste ist die Fanfare Ciocărlia (sprich: Fanfare Schtokolia) oder das Boban Markovic Orchestra. So ist das in Rumänien, etwas überzogen, ins Ironische überzeichnet. Aber im Kern trifft es das Leben dort: http://www.youtube.com/watch?v=BNJUArES7yw&feature=related

    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 10. September 2011 um 10:10

    Lieber blinder Hund,

    vielen Dank. Es ist nicht meine Aufgabe, das Klischee von Rumänien, das man hier teilweise hat – Roma mit Goldzähnen – zu beseitigen. Aber es ist in keiner Weise das Bild, welches ich habe. Es ist nicht das, was ich erlebt habe. Ich habe ein ganz anderes Bild und vielleicht und wahrscheinlich und ganz sicher will ich davon auch etwas transportieren. Also freue ich mich, wenn du sagst, dass, dass man sofort hin will.

    Aléa

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 11. September 2011 um 16:48

    Liebe Alea,
    die verspiegelten Scheiben in den Fenstern der philosophischen Fakultät haben es in sich.

    Mit freundlichem Gruß

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 11. September 2011 um 17:25

    Lieber Avenarius,

    die verspiegelten Fenster haben es außer sich. Das ist bei den philosophischen Fakultäten so: das Innen ist nur ganz wenigen, in der Regel sehr großen Geistern vorbehalten. Großen und großzügigen Geistern. Und neugierigen, die wissen wollen wie es weitergeht. Denn weiter geht’s auf jeden Fall. Und Innen und Außen ist ja auch in interessantes Thema.

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 11. September 2011 um 18:45

    Natürlich mussten mir die verspiegelten Fenster des philosophischen Institutes auffallen. In keinem anderen Bild ist die Ikonographie treffsicherer als gerade hier.
    Das hat nichts mit Rumänien zu tun. Sollte ich falsch verstanden worden sein, dann tut es mir leid.
    Schade um das gelungene Foto!

    Alles Gute – avenarius

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 11. September 2011 um 18:50

    Lieber Avenarius,
    vielleicht hatte ich es nur falsch verstanden. Ich verstehe manches, manches falsch, manches gar nicht. Aber es ist auch egal. Es sind ja noch genug andere Fotos da. Und mit Rumänien hatte das nichts zu tun, das ist richtig.
    Aber darüber hinaus gibt es keinerlei Missverständnisse. Es ist alles in Ordnung. Wenn je im Leben alles in Ordnung ist. Eigentlich ist da ja ein katastrophaler Zustand.
    Herzlich
    Aléa