05 September 2011
Sibiu, zehn Minuten vor acht
Ich war kurz weg und nun bin ich wieder da. Ich berichte nur in wenigen Worten. Ich lasse lieber die Bilder sprechen. Dann habe ich Zeit, in Berlin anzukommen. Es gibt drei Fotostrecken, aus Sibiu, aus Bucureşti und dann der Rest.
Ich bin in den ersten Tagen nur auf dem Dorf, bei der Familie geblieben. Ich habe manchmal Sehnsucht nach Familie und die kann die eigene am besten erfüllen. Ich bin einen Tag nach Ocna Sibiului – Salzburg zum Baden gefahren. Ich war einen weiteren Tag mit meinem Vater zum Wandern in Victoria, am Fuß der Munţii Făgăraş. Da habe ich leider die Kamera vergessen. Vielmehr einen kleinen Teil derselben: den Akku. Am letzen Wochenende im August findet traditionellerweise in Sibiu das Cetăţi Transilvane statt, ein beliebtes Mittelalterfestival. Da war ich natürlich auch dabei. Die Hauptattraktion, die Band Corvus Corax, habe ich allerdings nicht mitbekommen. Zu der Zeit saß ich bereits in einem Weinkeller. Ich habe an dem Abend einige Male ziemlich laut gelacht.
Nach einer Woche bin ich dann nach mit dem Bus nach Bucureşti gefahren. Ein großer Teil des Verkehrs wird mit Bussen bestritten, sie sind billiger als Züge und schneller. Ich habe diese Fahrt früher oft gemacht. Es läuft immer laute Musik im Bus. Auf der Fahrt wird irgendwo in den Vorstädten auf Autohöfen gehalten: Rumänien eben. Es geht durch das malerische Olt-Tal über Pitești, eine durch die ersten Jahre des Kommunismus sehr unrühmliche Stadt. Der Bus an diesem Tag hatte Plätze für genau 23 Personen, darin befanden sich ungefähr 33 Personen. So verdienen die Busfahrer Geld, denn bezahlen müssen auch die, die keinen Platz haben: Rumänien eben. Unter anderem stand Marlene, die gerade das Abitur absolviert hat und seit drei Wochen in Rumänien unterwegs war. Ihre Eltern haben siebzehn Jahre in Rumänien gelebt und die Tochter konnte, obwohl sie in Deutschland aufgewachsen ist, fließend Rumänisch. Auf dem letzten Teil der Fahrt, auf der berühmten, weil einzigen Autobahn des Landes, standen zwei Frauen, ein Mann und ein Baby am Straßenrand: Rumänien eben. Der Busfahrer hat gehalten und die Anhalter mitgenommen. Als der Mann ihm dann Geld anbieten wollte, hat der Busfahrer selbstverständlich abgelehnt. Rumänien eben: zutiefst menschlich.
Geschrieben: September 5th, 2011 unter Allzupersönliches, mittel























































Kommentar von Der Buecherblogger
Datum/Uhrzeit 6. September 2011 um 09:44
Liebe Aléa,
schön, dass Sie zurück sind. Wie man sehen kann bereichert mit so lebendigen Fotos, dass man Sie um die Erlebnisse nur beneiden kann. Wenn sie von “zutiefst menschlich” sprechen, dann drückt der Blick der Fotografin auf diesen Bildern genau das aus und ich bin mir nicht mehr so sicher, ob Sie nicht mit diesen Aufnahmen genauso gut erzählen können, wie mit Ihren Texten.
Ich wünsche Ihnen eine möglichst schmerzfreie Anpassung an das Berliner Klima.