24 Juli 2011
Anpassung, Teil I
Ein Internetprojekt hat mich gebeten, eine Handvoll Bücher zu empfehlen. Das habe ich getan. Postwendend antworte man , dass ich mich an die Struktur halten solle. Dazu gehöre, dass ich die Bücher in eigenen Worten empfehle. Ich finde aber, dass die Autoren sich sehr viel besser selbst empfehlen können. Also habe auf die Teilnahme verzichtet. Vielmehr habe ich auf die Anpassung verzichtet. Von der Teilnahme bin ich ausgeschlossen worden. Es war für mich wichtiger, meinen eigenen Vorstellungen zu entsprechen. Meine Vorschläge hätten nicht allein von der Form der Präsentation nicht zu dem Projekt gepasst. Da ich nun einmal Zeit darauf verwandt habe, kommen die fünf für mich wichtigen Bücher jetzt hierher. Zwei Deutsche, ein Engländer, ein Amerikaner, ein Rumäne. Fünf Männer, keine Frau.
- Ottfried Preußler, Krabat: „Er schien einen Augenblick nachzudenken, dann lehnte er sich im Sessel zurück und sagte: ‚Nun gut – ich gewähre dir eine Frist von acht Tagen. In dieser Zeit, dafür sorge ich, wirst du Gelegenheit haben zu lernen, wie es sich lebt, wenn man nicht mehr zaubern kann. Alles und jedes was du im Lauf der Jahre bei mir gelernt hast – von dieser Sekunde an soll es aus und vergessen sein! Heute in einer Woche, am Vorabend des Silvestertages, werde ich dich ein letztes Mal frage, ob du mein Nachfolger werden magst: Dann wird sich ja herausstellen, ob du auf deiner Antwort beharren willst.‘“
- Lewis Carroll, Alice im Wunderland: „‚Ich bin ganz deiner Meinung’, sagte die Herzogin; ‚und die Moral davon ist: ‚Scheine, was du bist, und sei, was du scheinst’ – oder einfacher ausgedrückt: ‚Sei niemals ununterschieden von dem, als was du jenem in dem, was du wärst oder hättest sein können, dadurch erscheinen könntest, dass du unterschieden von dem wärst, was jenen so erscheinen könnte, als seiest du anders!’“
- M. Blecher, Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit: „‘Ich gehe ins Kabinett, ein Pulver einnehmen, ich habe Kopfschmerzen, ich bitte dich, folge mir nicht.‘ Ich versprach es unter Schwüren und folgte ihr nach einer Sekunde. Im Kabinett begann ein regelrechter Kampf, in dem, völlig klar, Claras Kräfte dazu neigten nachzugeben. Dann, als wäre sie über etwas gestolpert, fiel sie mit einmal auf das Kanapee. Sie legte die Hände unter den Kopf und schloß die Augen, als würde sie schlafen. Es war unmöglich, die Lage ihres Körpers um einen Zentimeter zu verändern; so wie sie da halb auf der Seite lag, musste ich ihr den Rock unter den Waden wegreißen und mich an sie schmiegen. Clara übte keinerlei Widerstand gegen meine Handgriffe, aber sie bot mir auch kein Entgegenkommen. Sie war unbeweglich und gleichgültig wie ein Stück Holz, und allein ihre intime und geheime Wärme zeigte mir an, daß sie aufmerksam war und wusste.“
- David Foster Wallace, Unendlicher Spaß: „DeLints Lachen klang für Steeplys feines Gehör wie das Lachen eines älteren, weit weniger fitten Mannes, wie das mukoide, die Faust auf die Brust schlagende Lachen eines alten Mannes im Liegestuhl im Kiesgarten in Scottsdale, Arizona, mit über den Schoß gebreiteter Decke, der seinen Sohn sagen hört, seine Frau behaupte, ihn nicht mehr zu kennen.“
- Albert Vigoleis Thelen, Die Insel des zweiten Gesichts: „Man sieht, der Bogen ist weit gespannt: ein hoher Soldat, geschmückt mit den Orden seines plemperrasselnden Heldentums, den Sternen seines Ranges, den Streifen seiner Hose; der Verehrung seines Volkes gewiß, irgendwo auf einer märchenhaften Insel im Mittelmeer, der langweilt sich mit seiner abgegriffenen Generalin und läßt einen hübschen Küchendragoner zum hygienischen Nachexerzieren mehrmals täglich antreten – und nach dreißig Jahren sitzt irgendwo in einem Hinterzimmer der wenig märchenhaften Stadt Amsterdam ein Mann mit dem Namen Vigoleis, ohne Sterne, ohne Rang, an den Hosen nur die Spiegelstreifen seines stubenhockerischen Lebenswandels, Held nur in den Seiten seines eigenen Buches, und ein trauriger obendrein – er sitzt und schreibt sich noch das Ochsenfieber an den Leib.“
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: Juli 24th, 2011 unter mittel, Paralipomena












Kommentar von avenarius
Datum/Uhrzeit 25. Juli 2011 um 00:06
Gut aufgepasst, Alea.