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  • bersarin: Es muß natürlich, entdecke ich beim zweiten Lesen, Monika Rinck heißen. Ich kann mir Namen nie merken.
  • Aléa Torik: Ja, Bersarin, seinerzeit hat‘s ziemlich gut funktioniert: es war Literatur und die Leute waren mittendrin. Manche, ohne es zu merken. Manche haben hinterher zufrieden gelächelt, weil sie bei etwas Neuem mitgemacht haben. Oder weil sie selbst zu einer Art literarischer Figur dadurch...
  • bersarin: Literarisches Bloggen, liebe Aléa Torik, funktioniert durchaus. Freilich nur bei den wenigsten. Das meiste, was geschrieben wird, stammt aus dem Klein-Klein der Halbgarküchen, ist Poesiealbumsprosa von Minderleistern, Befindlichkeitsscheiße ohne Form. Ich schreibe dahingehend und als...
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  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, Du hast überschüssige Energie!? Da werden Dich viele drum beneiden, umso besser also, wenn sie in etwas fließt, was Sinn zu machen verspricht. Was soll man also dazu sagen? Ich sage: Es lebe die Literatur! Und Gratulation natürlich zum vollzogenen Ausstieg aus...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, verflixt, hab‘ ich schon wieder Recht? Ich kann sagen, was ich will, ich habe immer recht. Dabei schrieb ich das eigentlich, um zu provozieren. Entweder lässt sich keiner provozieren oder die Provokation im Netz ist so allgegenwärtig, dass man zu ganz anderen Kalibern...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, da triffst Du mal wieder den Nagel auf den Kopf wie die Faust das Auge: fiktional und ein Sein als solches hat ein literarisches Blog zu sein und nicht einfach noch ein weiterer Mitspieler auf dem Markt- und Kampfplatz realer Eitelkeiten. Als Schriftsteller:in...
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  • Aléa Torik: Lieber holio, ganz verstehen kann ich die Ottos und Ottisten ja tatsächlich nicht. Vielleicht ist das so, dass Otto und Otta, was ihr Leseverhalten betrifft, auch nicht ganz schlau aus sich werden. Sie greifen immer nur nach dem, wonach auch die anderen greifen. Das zeichnet die...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, man ist ja einiges gewöhnt bei den Autoren. Was die alles tun, um gelesen zu werden, beispielsweise das Schreiben seltsamer Bücher. Ich fände es allerdings doch etwas übertrieben, wenn sich ein Autor nach dem Schreiben seines Buchs sogleich aus dem Leben verabschiedet:...
  • holio: Traurig ist das in der Tat. Und so ganz zu verstehen auch nicht. Im Geräusch des Werdens war der Anknüpfungspunkt für Otto Normalleser ja da. Und die Bălkanexotik ist auch rezipiert und rezensiert worden. Die Sprache ist einfach, der Plot verständlich, erinnere die Szene mit dem blinden...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, noch habe ich Deinen Essay ja nicht gelesen – kommt aber noch! Bin gespannt wie ein Flitzebogen! Und was meine durch eigenes Lesen hervorgerufene Belebung von Texten inzwischen leiblich von uns gegangener Autor:inn:en angeht, so ist es nicht Trost, den ich da...
  • Aléa Torik: Lieber holio, Sie haben recht, die Politik lassen wir hier außen vor. Richtig glücklich bin ja auch nicht mit dem Etikett der Postmoderne. Aber irgendwie müssen wir es ja benennen. Sagen wir Transmoderne. Die wesentliche Information ist allerdings angekommen, schon lange: dass Sie...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • 10 Juli 2011

    Rezensierte Gedichte und andere: „wesentlich aufgelöst und gebildet“

    Ich hatte Anfang des Jahres angekündigt, dass ich mich vermehrt um Lyrik, vor allem aber um Literatur aus Rumänien bemühen werde. Das hat gedauert, in diesem Jahr dauert alles etwas länger, dafür geht die Zeit schneller vorbei. So kommt‘s wieder ins Lot.

    Dass ich mir ein nahezu unauffindbares Druckwerk, „Rezensierte Gedichte“ von Günther Schulz vornehme, hat auch biografische Gründe. Schulz kommt aus Siebenbürgen, aus derselben Ecke wie ich auch. Er hat diese Ecke verlassen und ist ins runde Berlin übergesiedelt, wie ich auch. Er beschäftigt sich mit Identität, wie ich auch. Es sind sowohl lebensgeschichtliche als auch literaturwissenschaftliche Interessen, die nach persönlicher, kultureller Identität als auch nach der eines Sprachkunstwerks fragen.

    Günther Schulz hat Theologie und in diesem Rahmen auch Philosophie studiert. Vielleicht, oder sogar gewiss nicht, weil er werden wollte, was er dann vorübergehend wurde, Pfarrvikar nämlich, sondern weil man in Rumänien, und daher kommt er, an dieser Fakultät fast unbehelligt, und, was in repressiven Systemen weit wichtiger ist, fast unbeschattet bleibt und man dort noch unter natürlichem Lichteinfall studieren und sich bilden kann: lumen naturale, lumen supranaturale.

    Der Sammlung Gedichte ist sozusagen ein Vorwort mitgegeben, Lektürehinsicht nannte man das einmal, ein mehrseitiger essayistischer Text, der dem Band den Namen gibt, indem er die Gedichte rezensierte nennt. Und der in der Überschrift bereits anklingen lässt, worum es dann auch sich dreht: Re-Zensur. Was sie aber streng genommen nicht sind. Er, Günther Schulz, greift vor – oder nach -, indem er, was andere womöglich übersehen, wenn sie die Exponate „nur“ ästhetisch genießen wollen, da sie den Zusammenhang nicht verstehen, in dem sie entstanden sind und auf den sie reagieren. Sie sind 1968 / 69 in Rumänien geschrieben. Ein Jahr später ist Günther Schulz in die Bundesrepublik ausgewandert. Von Wandern kann allerdings nicht die Rede sein: er ist geflogen. Er hat von seinem Land und seinen bekanntesten Vertretern, von Herrn Ceauşescu und der Securitate, einen Tritt in den Hintern bekommen. Und eine Spritze in den Arm. Auch wenn die Flüssigkeit in der Spritze wohl keinen Wirkstoff – oder „contre la variole“ ein Antipocken-Wirkstoff – enthalten hat, die Wirkung, dass man vor Angst stirbt, die hatte es dennoch. Angst, die bei manchen, die ähnlich behandelt wurden, lebenslang nicht abgebaut werden konnte. 1971 erschien dieser Band Gedichte in einer vom LCB herausgegebenen Edition.

    Der Autor geht in seinem Vorwort, in seiner dem eigenen Werk, den Produktionsbedingungen und dem Produkt nachstellenden, einer Rezeption vorauslaufenden Rezension, auf den möglichen Einwand des Lesers ein, einer anscheinend fehlenden kritischen Auseinandersetzung mit den politischen Verhältnissen der damaligen Zeit in Rumänien, dem Regime. Er weist auf zwei Bedingungen hin, unter denen diese Gedichte entstanden sind. Da ist einmal „Zwang und Zensur“, er nennt es „eine ideologische Uniformierungskampagne, die dem Denken keine Wahl, der Meinung keine Abweichung, dem Zweifel kein Recht, dem Widerspruch kein Pardon, dem Erkenntnisprozeß weder Spielraum noch Bedenkzeit einräumte“. Eine Situation, die „der Literatur ein Engagement abnötigten, das sich aufs Ausschmücken der vorgegebenen Thesen beschränkte, entfremdeten […] den Schriftsteller seiner Arbeit.“

    Zweitens weist er darauf hin, dass diese Gedichte in Rumänien in seiner Muttersprache, also auf Deutsch entstanden sind, geschrieben von einem rumänischen Staatsbürger. Als Angehöriger einer Minderheit liegt die Bandbreite der eigenen Reaktionen zwischen Integration und Emigration. Nach dem Endes des Krieges und unter den Bedingungen der stalinistischen, später nationalkommunistischen Diktatur erschien Deutschland, also Westdeutschland, als Projektionsfläche aller materiellen und politischen Utopien: „In dieser Brechung erschien die Existenz in Rumänien unfrei und schlecht und West-Deutschland als materielle, nationale, politische und zivilisatorisch-kulturelle Utopie.“

    „Der aufs Indirekte, Verschlagene, Angedeutete eingespielten Apperzeption  bedeutete zum Beispiel auch noch das ausweichende, realitätsflüchtige von was anderen als von den sozialen, politischen Realitäten Sprechen Auseinandersetzung damit, oder zumindest, im indirekten Verständnis, negative Reaktion auf die jahrelang abverlangte dekorative Bejahung.“

    Anschrift

    diese furcht- und flucht-
    zerissenen zungen
    tabakgebeizt
    speichelbefleckt
    mit allerhand wasser
    verflucht zerbissen besungen
    erschreckt

    nach vater- und
    land befragt
    nach omen und nomen
    alles in allem:
    nie eine sache
    immer nur sätze ein band
    immer nur fallen und ratten
    der weißhaarigen mutter-
    sprache aus dem schwarz-
    haarigen schatten
    gefall’n

    aus gebot und verboten
    erinnern und ahnen
    aus anderen worten gelernt
    verdichtet versiegelt gebucht
    die anschrift
    im gordischen knoten
    von stürzenden spiegeln
    allen wandernden orten
    entfernt und an allen
    gesucht

    Hier lässt sich am leichtesten erahnen, was es heißt in einer Diktatur zu leben. Und das als Schriftsteller, dessen Tun ein Schreiben, dessen Schreiben ein Denken und dessen Denken ein Durchdringen sein sollte: der muss sich die Zunge abbeißen „diese furcht- und fluch-zerissenen zungen … verflucht zerbissen besungen“.

    Vaterland und Muttersprache: das ist in der Regel kein Widerspruch, da man im Vaterland die Muttersprache spricht. Die übliche familiäre Geborgenheit eben. Es wird dann jedoch eine besondere Situation, wenn man mit seiner Muttersprache fremd im eigenen Land ist, weil da eine andere Sprache, eine Fremdsprache gesprochen wird. Man ist dort fremd, wo die Heimat ist. Auch dann noch, wenn man, schizo-bilingue, das Rumänische spricht. Man spricht dann eine andere Sprache. Man selbst spricht die Fremdsprache, nicht der andere. Man selbst ist Fremder. (Aber der Andere ist nicht man selbst.) Man ist fremd im Eigenen. Eine andere Sprache sprechen heißt nicht, andere Vokabeln für dasselbe zu nutzen, sondern: sich nicht verständlich machen zu können. Wer das nicht kann, der ist ausgegrenzt. Ausgegliedert. Rumänien: Das ist die eigene Gegend, das eigene Land, die eigenen Straßen und die eigenen Götter, die in den eigenen Gebirgen hausen. Man ist mittendrin. Und genau deswegen sitzt man in der Falle. Man ist Ratte.

    Die wandernden Orte: wenn der Ort nicht mehr ist, wo er sein sollte. Und das ist bei den Siebenbürger Sachsen so, sie haben die Kontrolle über ihren Ort, ihr Land, dieses Siebenbürgen, lange verloren. Auch deswegen haben so viele dieses Heimatland verlassen, als es möglich war: weil das eigene fremd geworden ist. Und das zieht einen weiteren Schritt nach sich: wenn das fremde anfängt das eigene zu werden. Normalerweise ändert man seinen Aufenthaltsort. Man selbst ändert sich nicht, indem man den Ort wechselt und die beiden Orte, der alte und der neue, verändern sich ebenfalls nicht: Es bleibt alles so wie es ist. In dem vorliegenden Fall ist das anders. Wenn der Ort sich bewegt, ist eine Anschrift natürlich sinnlos. Man ist, wo immer man ist, unerreichbar.

    Schöne Beobachtung: Welche Haarfarbe man hat, im Schatten, im Schattendasein, im beschatteten Dasein, verliert man sie, diese eine der wenigen Möglichkeiten zur Individuation. Der Schatten betreibt seine Gleichmacherei: dort hat man immer schwarzes Haar. Selbst das weit entfernte Gegenteil, das weißhaarige, wird zu schwarz. Im Schatten wird man immer angeschwärzt.

    —————————————————————

    Negatives Gedicht auf den Heimgang

    von unserem langen gewürme-geschwärme
    von unserer erbärmlich belämmerten herde
    von uns keine spur

    wir sind ja nur:
    gevögel gedärme getier

    wir haben nur erde gefressen
    wir haben traumlos vergessen
    wir affen wir raben wir schlangen

    wir sind im wasser gegangen
    oder im wind sind wir sind
    alles verschollen verlassen verfangen
    alle vergessen gegangen

    wir papageien wir echsen wir bären
    wir aalen olmen menscheln chimären
    o daß wir doch seien und wären
    nicht sind:

    fische im see
    wölfe im schnee
    vögel im regen und
    würmer im wind

    aber wir haben alles vergessen
    wir haben unsere spuren gefressen
    wir flo wir schwa
    wir schwie wir sa
    wir sind verloren gega
    wir sind verlo
    wi si

    Negatives Gedicht: Unter dem Staats- und Kulturpolitischen Gebot und Zwang zur Positivität ist ein Negatives Gedicht eine direkte Provokation. Vermutlich entstanden in Auseinandersetzung mit der aufdringlichen Figur des sozialistischen „Bestarbeiters“, russisch Stachanowist, rumänisch „fruntasch in productie“. Das waren in den sozialistischen Planwirtschaftsbetrieben „ Helden der Arbeit“ mit dem roten Wimpel am Arbeitsplatz, die vorgesetzten Vorbilder, die Beispiele des Positiven.

    Wir sind die Herde. Wir sind die Tiere. Und doch sind wir es nicht: Von uns keine Spur. Indem wir vergessen, fressen wir unsere eigenen Spuren. Unsere Hinterlassenschaften. So endet es oder wir enden so: wir können nicht einmal mehr die Worte erinnern, derer wir bedürfen, um das Elementarste herauszufinden und zu beschreiben: wer wir sind. Auch wenn wir wissen wer wir sind – das was wir nicht sind: „daß wir doch seien und wären“ – es reicht nicht, um uns selbst zu bezeichnen. Wir können nur beklagen, dass wir die Tiere sind. Das wir nicht einmal erinnern, Menschen zu sein. Und am Ende wissen wir nicht einmal mehr das. Und selbst wenn wir es wüssten, uns fehlen die Worte es zu formulieren.

    ——————————————————————

    Nachruf
    einem 26-jährigen
    Sanitäter in Waldhütten-Siebenbürgen
    hinter dem Wald

    laut
    hinter den apfelbaumbergen
    bellen die füchse
    in die sächsische strohfeuernacht

    und in heimlicher mundart
    träumt östlich
    der schnee

    dort ist:
    schon bald vor vier jahr
    mein großer bruder verschieden
    auf einem maisblättersack

    im waldhüttenfrieden
    an deutschen utopien verschieden
    mit seiner rumänischen lieben
    verscholl’n

    und jetzt holt sich endlich im winter
    ländlich
    das weiße vom himmel herunter
    hinter den wäldern
    am rande der welt
    sein transsylvanisches dorf

    (ich hätte vorausschicken soll’n:
    als er noch jünger war
    hat dort mein großer bruder protestiert
    zur zeit der schweine-
    schlacht vielleicht sogar
    gegen die kälte)

    Man fragt sich, warum die letzte Strophe, die auch noch in Parenthese daherkommt, sagt, dass etwas hätte vorausgeschickt werden sollen. Die Strophe steht also an der falschen Stelle. Und vermutlich steht sie da, weil sie an der falschen Stelle richtig ist. Weil es der richtige Ort für die falsche Stelle ist. Manchmal muss man Sachen im Leben tun, von denen man weiß, dass sie falsch sind. Aber man weiß auch, dass es richtig ist sie zu tun. Dass man sie tun muss. Weil es nicht um richtig und falsch geht, sondern um einen Metaebene. Was ist das für eine Ebene in diesem Gedicht? Was hätte vorausgeschickt werden sollen? Wäre es vorausgeschickt worden, wäre die Strophe in dieser Form ja ausgefallen. An der richtigen Stelle wäre sie nämlich falsch gewesen. Diese Information ist eine, die nur unter dem Vorzeichen der Verneinung gültig ist.

    Wenn das, was vorausgeschickt hätte werden sollen, nachgestellt wird – wenn einem nachgestellt wird? – dann hat es an dem anderen Ort auch eine andere Bedeutung. Worte haben ja, je nachdem wo sie stehen, eine andere, eine verschiedene Bedeutung. Aber welche?

    Der ältere Bruder als er noch jünger war: er ist verschieden. Woran verschieden? Oder wovon verschieden? Von dem jüngeren Bruder? Oder von sich selbst als er noch jünger war? Dann hingegen heißt es, er sei verschollen. Verschollen sein, das ist ein alltägliches Schicksal junger Männer im Krieg. Also nicht verschieden. Scholle ist ein Fisch. Scholle ist auch das Stück Erde auf dem man aufgewachsen ist. Schollen sind auch die Eisstücke, die im kalten Wasser treiben. Und kalt ist es in dem Gedicht ja.

    An deutschen Utopien verschieden: Welche das wohl gewesen sein mögen? Vielleicht seine eigenen, vielleicht der Traum von Deutschland? Ein u-topos – kein Ort. Weil unerreichbar? Das alles gibt es nicht: es gibt keine Apfelbaumberge, keine Strohfeuernacht, keinen Maisblättersack, keinen Waldhüttenfrieden. Und gegen das Schlachten von Schweinen zu protestieren, ist sinnlos. Ein sinnloser Protest. So sinnlos wie gegen die Kälte zu protestieren.

    Man holt nur noch das Weiße vom Himmel, nicht mehr das Blaue. Das Blaue wird bekanntlich vom Himmel gelogen, das Vielversprechende Blaue vom Himmel.

    Bei diesem Gedicht wäre wohl eine richtige Analyse vonnöten, die Rhythmus und Reim beachtet, die Metrik, etc. Aber das kann ich hier nicht leisten.

    ———————————————————–

    KOMM:

    steig ein wenig unwirklicher
    über meine treppe
    ein wenig möglicher
    du kannst ruhig stolpern
    aber bitte mach keinen lärm

    wir spielen dann noch blinde kuh
    fuchs geht herum mundhalten
    kopfzerbrechen
    oder rote handschuh
    wenn es dir passt

    könntest du fliegen
    ich könnte mir vorstelln
    wir würden

    aber was heißt schon beweis
    möglicherweise

    möglicherweise
    weißt du dass ich weiß
    daß du weißt
    möglicherweise
    ist das ein beweis

    Was heißt schon Beweis? Blinde Kuh, Fuchs geht herum, Mundhalten, Kopfzerbrechen, Rote Handschuh. Das sind Kinderspiele. Und doch sind es keine. Die ersten beiden sind es. Die zwei folgenden sind Spiele von Erwachsenen. Was ist das dritte? Was heißt schon Beweis?

    Was heißt schon Beweis? Wofür und wogegen braucht es einen Beweis? Für eine Tat oder ein Vergehen? Möglicherweise ist das auch einerlei, wofür oder wogegen. Es lässt sich alles so oder anders drehen und wenden und was heute für einen spricht, spricht morgen schon gegen einen. Was heißt schon Beweis?

    Was heißt schon Beweis? Der Beweis ist kein zwingender Beweis. Wozu so hart mit den Dingen und den Umständen umgehen? Ein möglicher Beweis ist in manchen politischen Verhältnissen schon ausreichend. Er kann Kopf und Kragen kosten. Aber was will man schon mit seinem Kopf oder seinem Kragen? Was will man mit solchen relativen Werten wie Schuld oder Unschuld die morgen ja etwas ganz anderes bedeuten könne als heute, weil man heute ja noch nicht das Kriterium von morgen kennen kann. Jenes Kriterium, das Gut von Böse scheidet und wahr von falsch. Was heißt schon Beweis?

    Was heißt schon Beweis? Die Möglichkeit, dass es so oder anders ist. Das ist der Beweis. Möglicherweise. Das reicht vollkommen aus. Was heißt schon Beweis?

    ——————————————————-

    WOLKEN

    fliegen tanzen schwimmen
    Spielarten:
    „was wir sind
    schon sind wir es nicht mehr!“

    seit Jahren
    bewegt es mich: das Problem
    der Identität
    der Wolken

    (oder die Schwierigkeit
    der vernünftigen Ausbildung
    einer solchen)

    die Wolken
    (scheint es nicht zu bewegen)
    bewegen sich zwar nach dem Wind
    doch nicht so sehr
    nach der wechselnden Mode ihrer Betrachtung

    vorübergehend
    wesentlich aufgelöst und gebildet
    scheinen sie nur – wie Worte: Fassungen
    Versionen zu sein

    (Formsache:
    reine Erscheinung Wendung Bewegung)

    „Identität der Wolken“: Sie haben keine. Oder das identische ist, dass sie einander nicht identisch sind. Sie sind klassifizierbar. „Wir verlassen das Identische um es darzustellen“ heißt es bei Novalis. Die Wolken verlassen sich auch. Sie zerstieben, sie verregnen, sie zerlaufen.

    „die Schwierigkeit einer vernünftigen Ausbildung einer solchen“: Identität nämlich: das klingt, als gäbe es allerhand unvernünftige Ausbildungen, die auszubilden keine Schwierigkeit ist.

    „was wir sind, schon sind wir es nicht mehr“: will heißen, dass wir es nicht lange sind. Nicht lange genug, um es zu begreifen. Um es auszuschlachten. Und es zu klingender Münze zu verarbeiten. Wir sind‘s nur so lange, bis wir es begriffen haben. Wir sind es, indem wir es nicht sind. Die Wolken sind das Vorbild dieser Identität die keine ist.

    „seit Jahren bewegt es mich: das Problem der Identität“: In der Bewegung ist keine Identität, denn wir verlassen das identische, wenn wir uns bewegen. Genaugenommen passen die starre Identität und die Bewegung nicht zusammen. Das hat einen komischen Anklang. Es ist wie mit den Spiegeln, wir treten aus uns heraus, um uns zu betrachten. Um uns in einer Weise zu betrachten, als seien wir nicht aus uns herausgetreten, sondern noch vollständig. Entzweit betrachten wir uns als seien wir mit uns identisch. Identisch aber ist lediglich das Abbild.

    Identität hat einen Hang zur Vollständigkeit. Wir sind mit uns identisch, wenn uns nichts fehlt. Das Fehlen ist ein Mangel und der Mangel ist die Bedrohung der Identität. Dabei ist es vielleicht umgekehrt. Die Verdoppelung ist die Bedrohung des mit sich identischen, denn erst darin, in der Spiegelung und in der Reflexion ist die Identität gefährdet. Aber vielleicht ist es auch erst die Gefährdung, die die Identität sicherstellt. Die Unsicherheit, die eine Garantie zur Sicherheit gibt.

    Wir bilden vernünftige Identitäten aus. Die Ausbildung einer unvernünftigen Identität: das wär‘s!

    ——————————————————-

    BLACK BOX

    „der Schnee ist weiß”:
    ist wahr dann und nur dann
    wenn der Schnee weiß ist

    wir beobachten
    was beobachtbar ist
    echt objektiv

    die schwarze Kiste zum Beispiel
    im Schnee
    schwarz auf weiß
    im lautlosen Hinterhof

    was drin ist
    dort vorgeht
    und ob überhaupt
    sehen wir nicht

    es könnte ein Sarg sein
    nur noch nicht abgebeizt
    anthropophag

    oder ein Zauberschrank:
    weiße Ratten schwarze Tauben
    eine weibliche Leiche

    Trickkiste
    voller blutrünstiger Schemen
    aber das – ist Spekulation

    schwarz auf weiß
    steht die Kiste im Hinterhofschnee
    keiner weiß
    wer was loswerden wollte:

    ausgedientes Volksgefängnis
    überflüssige Melancholien
    Persönlichkeitsinventar: Kinder
    dürfen nicht damit spieln

    bis Mittwoch mit großem Hallo
    die Müllmänner kommen
    geübt in der Kunst verschwinden-zu-lassen
    gut sichtbar orange
    wenig neugierig
    sehr effektiv

    Ich will es nicht interpretieren, nichts dazu sagen, nichts zu der Farbgebung, nichts zu der Idee, die Melancholie in einer Kiste verschwinden zu lassen, auch hier ist die Kunst der Differenz höher zu bewerten als die der Identität – Schnee ist dann weiß, wenn er weiß ist -, weil die Identität ohne Aussage ist. Keiner kommt auf die Idee die Kiste aufzumachen, obwohl die Nachbarn in Städten, und in Dörfern auch, vor allem eins sind: neugierig. Die Müllmänner wollen nicht, die Kinder dürfen nicht. Zu all dem sage ich nichts.

    Ich sage lediglich, dass ich die zentrale Aussage des Gedichts in der Zeile finde: „eine weibliche Leiche“. Ich könnte mir da auch keinen toten Mann vorstellen. Bei einem Mann fragte man sich sogleich, wer ihn umgebracht hat. Und wie? Vor allem: warum stellt man die Leiche in den Hinterhof? Eigentlich müsste man sie im Keller einbetonieren. Bei einer weiblichen Leiche fragt man sich das nicht. Man sieht sie durch den Sargdeckel hindurch auf rotem Samt liegen. Mucksmäuschenstill und mausetot. Die Müllmänner kommen und nehmen sie mit.

    Sie binden den Sarg oben auf dem Dach des Müllautos fest. Das sieht nicht schön aus. So packen sie die Leiche aus und legen sie auf den Rücksitz des Müllautos. Aber dort macht sie die Müllmänner nervös. Tot oder nicht tot, sie lag nackt in dem Sarg und nackt liegt sie nun auf dem Rücksitz. Also halten sie vor einem Supermarkt, kaufen eine Vorratspackung Zellophan, wickeln sie in die transparente Folie ein und stellen sie an den Straßenrand. Gegen Abend kommt ein distinguierter älterer Herr, schaut sie sich genau an und findet sie ganz ungeheuerlich schön. Er nimmt sie mit nach Hause, legt sie in sein Bett und versucht, Liebe mit ihr zu machen. Seine Versuche bleiben erfolglos, was allerdings mehr seinen eigenen körperlichen Unzulänglichkeiten zuzuschreiben ist als den ihren. Am nächsten Tag, bitter enttäuscht, bringt er sie wieder fort. Er stellt sie an eine Kreuzung wo sie recht zügig einen interessierten Abnehmer findet. Auch diesem zeigt sie die kalte Schulter. Auch er bringt sie wieder fort. Er stellt sie in das Schaufenster eines großen Bekleidungshauses, wo sie einige Zeit dafür sorgt, dass Zellophan die gesamte Frühjahrskollektion bestimmt. Monatelang gibt nur noch transparente Kleidung zu kaufen. Dann bricht jemand in der Nacht ins Kaufhaus ein, er nimmt sie in den Arm. Er liegt ihr zu Füßen. Er betet sie an. Die anrückende Polizei, nimmt den Mann fest. Und die Frau auch. Sie kommt ins Frauengefängnis, die Presse bekommt Wind von der Sache, sie wird wieder freigelassen, das Ganze ist der Gefängnisdirektion peinlich, man will sie loswerden und stellt sie an eine Straßenecke, wo an einem windigen Tag ein paar Kinder vorbeikommen und mit dem Finger auf sie zeigen. Es kommt ein Künstler, der sie anmalt, um die Brüste herum und die Schultern. Es kommt einer, der sie küsst, einer, der Lieder für sie singt, einer der weint, einer lächelt, einer erzählt ihr eine Geschichte, weil er vermutet, dass sie gerne eine hören möchte und dann erzählt er ihr noch eine zweite. Am nächsten Morgen ist sie weg. Es ist nur noch das eine Ende der Folie da. Man nimmt ihre Spur auf, man folgt der Zellophanfolie, an dessen anderem Ende muss sie sein. Man folgt ihr, indem man die Folie aufwickelt, man wickelt immer schneller, es wickeln immer mehr Leute, es entsteht eine Hysterie, alle wickeln mit, alle sind verwickelt, alle wollen sie wiedersehen. Aber es bleibt bei diesem Wunsch. Es war Endlosfolie.

    ——————————————————————-

    Der Autor Günther Schulz geht, so hat er das in seiner Vorrede bezeichnet, einen Weg in die Sprache. Er nimmt sich, wie viele Dichter, irgendwann das Werkzeug vor, mit dem er die Dinge bearbeitet. Die Sprache. Die großen Dichter sind die, die den Weg in die Sprache gesucht, und den Weg wieder zurückgefunden haben. Oder kann man nicht zurückfinden? Und die großen sind die, die dort verschollen sind?

    Das Werkzeug des Schriftstellers sind nicht Hammer noch Meißel. Anders als beim Gewehr, wo man die Objekte totschießt, schießt man mit der Sprache die Objekte lebendig. Das ist die Jagd nach Bedeutung. Schreiben nannte der Autor in einem Interview mit sich selbst einmal „eine spitzfindige Art, sich hinterrücks für ein vereiteltes Lebensglück zu entschädigen, d. h. Kapitulation vor dem Gegebenen und Flucht ins Belletristische zu erlesenerem Genuß – oder aktive Weigerung, sich mit dem, was ist, glücklich abzufinden“.

    In einem Roman Eginald Schlattners, dem Maler siebenbürgischer Panoramen, in „Das Klavier im Nebel“ ist das wohl bekannteste Gedicht Günther Schulz‘ abgedruckt, „Nachruf einem 26-jährigen Sanitäter in Waldhütten-Siebenbürgen hinter dem Wald“  Er war Mitarbeiter der „Neuen Literatur“, jener, unter deutschsprachigen Rumänen bekannten deutschsprachigen Literaturzeitschrift der, wie sie damals hieß, Sozialistischen Republik Rumänien.

    In der neusten Ausgabe der „Spiegelungen – Zeitschrift für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas“ (Heft 1, 2011, München) von Peter Motzan und Stefan Sienerth sind neue Gedichte von Günther Schulz zu lesen, unter anderen die beiden mit denen ich diesen Artikel beschließe. Was ich eingangs gesagt, vor allem zitiert habe, gilt für die beiden letzten Gedichte wohl nur noch eingeschränkt. Sie stammen aus neuerer Produktion. Aber ganz vergessen kann man Unterdrückung und Destruktion wohl nie.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.



    Kommentare

    Kommentar von Irisnebel
    Datum/Uhrzeit 10. Juli 2011 um 14:27

    eine sehr eindrueckliche rezension, die man mit steigendem interesse liest. wolken und black box knuepfen besonders unmittelbar an meine momentanen interessen an. alles, was an systembedingtheit von kunst anknuepft war auch mal ein thema fuer mich.

    aber am meisten gibt mir ihre netzbildung zur weiblichen leiche. es ist erfrischend, phantasievoll und wunderbar natlos zu guenther schulz, zugleich ganz eigenstaendig. sie haben den schulz dabei NICHT/VERGESSEN. ich kann erahnen, was sie beide verbindet und sie haben es ja selbst eingangs auf den punkt gebracht. man ist drinnen und draussen zugleich. nicht nur aus oertlichen und sprachlichen gruenden. auch wir befinden uns in einer folie von un-/moeglichkeiten, wenn wir orts-/und/oder sprachgebunden sind. …in unseren und fremden projektionsfolien. betrachter und betrachtete.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 10. Juli 2011 um 20:46

    Liebe Iris,

    vielen Dank für Ihren schönen Kommentar. Es freut mich, wenn Ihnen das gefällt. Ich fürchtete, dass es erstens sowieso niemand liest und zweitens niemand beim Lesen – der eine niemand, der es doch liest – bis zu meiner Leiche vordringt. Es freut mich nicht nur einfach, sondern doppelt, wenn Sie beide Befürchtungen überflüssig machen. Und dass Sie es, wie immer, in eigene Worte fassen, die Orts- und Sprachgebundenheit, gefällt mir natürlich auch.

    Vermutlich gibt es bei Herrn Schulz und mir einige Gemeinsamkeiten, auch wenn er Lyriker ist und ich eher der Prosa zuneige und er schon mehr als zehn Jahre weg war, bevor ich da war. Es gibt gemeinsame Projektionsfolien.

    Dank auch für den Kopf in den Wolken.

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von GS
    Datum/Uhrzeit 10. Juli 2011 um 22:52

    Aléa, meine Beste,

    bist wohlbehalten schon wieder hinter der Tastatur, mach doch mal bitte,
    poetologisch bestimmt, in die “Black Box” noch eine Leerzeile zwischen
    “sehen wir nicht” und “es könnte ein Sarg sein”, das entspricht dann auch
    endlich dem Original.

    Und danke,
    GS

    Kommentar von Marion
    Datum/Uhrzeit 12. Juli 2011 um 08:15

    Ach fragen Sie doch den Herrn Schulz, ob Sie nicht auch mein Lieblingsgedicht “Nicht wahr Kassi ich weiß” veröffentlichen dürfen. Und “Der Wettermacher, der Narr”, oder “In östlicher Gegend”. Wer diese Gedichte öfters las, findet darin garantiert einige, die im Gedächtnis haften bleiben. Ist das ein Zeichen für Qualität? Schade, daß nicht mehr von ihm veröffentlicht wurde in all den Jahren

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 12. Juli 2011 um 08:27

    Liebe Marion,

    ich hatte nicht damit gerechnet, auf eine intime Kennerin der rumäniendeutschen Lyrik zu stoßen.

    Es ist in solchen Zusammenhängen wie diesem hier angebracht, etwas zum Bestehenden, nicht zum Ausstehenden zu sagen. So kann sich jeder und jede hier äußern, indem er oder sie sagt, wie und in welcher Weise ihm das gefällt, was hier getan wurde, einerlei ob es von Herrn Schulz oder von mir getan wurde. Fühlen Sie sich also aufgefordert, sich in diesem Rahmen zu äußern: was genau Ihnen an der Lyrik des Autors gefällt. Sollte Ihnen aber wahllos alles gefallen, dann müssen Sie sich wirklich direkt an den Autor wenden und ihm eine Ausgabe und Herausgabe und Finanzierung aller seiner Werke anbieten und aller Dinge, die da in Schubladen auf Blicke wie Ihren warten

    Herzlich

    Aléa

    P. S. Und so ist es ja auch in der Liebe: für den Liebenden ist sein Gefühl ausschlaggebend und umwerfend. Aber der Geliebte, nicht zu Unrecht argwöhnend, dass dieses umwerfende Gefühl vollkommen beliebig ist, will nicht wissen, dass er, sondern wie er geliebt wird. Er will es dargestellt und ausbuchstabiert wissen.

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 13. Juli 2011 um 09:29

    Vielen Dank für für den Hinweis auf diese zauberhaft-nüchternen Gedichte. Ich kannte diesen Dichter nicht. Das Leben ist kurz, und vieles fliegt ungesehen an uns vorbei, leider auch vieles vom Guten.
    Jedenfalls danken wir Ihnen für den Hinweis.

    Eben sind Ferien… Stellen Sie sich das nicht so erholsam vor wie es sich anhört.

    Vielleicht kommen mir noch einige Gedanken zu den Gedichten.

    avenarius

    Kommentar von GS
    Datum/Uhrzeit 13. Juli 2011 um 17:33

    Liebe Aléa,

    wie ich doch auf Avenarius’ Semiose-Spuren nach dem “zauberhaft-nüchternen” suchend “Black Box” wiederlese, merke ich, dass das im Blog noch immer nicht aufs Haar gleicht dem Original.
    Merke sogar, dass da schon in den “Spiegelungen” zusätzlich zu den 3 Abweichungen eine 4. “ereignet sich aber”. Es muss nämlich, – um wie im Original den Logiker Tarski “sinngemäss-korrekt ” zu zitieren – das Gänsefüsschen, aber nur das hinter dem “weiss” der 1. Zeile, entfernt werden. Oder getilgt. Bitte um Entschuldigung.
    Um das schöne zauberhaft nüchtern, wofür ich danke, doch mal auseinanderzunehmen: das zu merken konnte ja möglicherweise nur mir entgehen.
    Da aber auch wir mit Hölderlins Nymphe verkehren, geben wir Avenarius gerne noch den weiteren Hinweis, wir seien, – nachzulesen in der vita-brevis-Notiz der “Spiegelungen” – auch herstellend beteiligt an der “grössten Erfindung”, dem Vater des Semiose-Rauschs: Rotwein,Typ Medoc, wie Hölderlin ihn zu sich nahm, eventuell in Blanquefort. Da fällt ihm in den Ferien vielleicht noch was ein.
    Würden Sie aber miterleben wie das jetzt hier regnet, es wäre geschehen um Ihren Glauben an den diesjährigen Wein.
    Und doch müssen, sollen und wollen wir daran glauben,

    grüssend, GS

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 13. Juli 2011 um 21:21

    Lieber Günther,
    ich hoffe, hiermit sind alle Korrekturforderungen erfüllt. Obwohl ich die letzte nicht verstehe, auch nicht verstehen will, ich bin derzeit mit meinem eigenen Text ausgelastet. Plötzlich sehe ich, wo wenige Tage vorher lauter Stärken waren, nur noch Schwächen. Das ist normal, so viel habe ich inzwischen verstanden.
    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 13. Juli 2011 um 21:21

    Lieber Avenarius,
    da können Sie jetzt gar nichts mehr dagegen machen: ich stelle mir Ihre Ferien extrem entspannend vor. Ich stelle mir vor, dass sie bis mittags im Bett liegen, dann kommen Ihre vielen wohlerzogenen Kinder, bringen Ihnen Frühstück ans Bett, dann schlafen Sie wieder bis nachmittags, dann kommen Ihre vielen wohlerzogenen Kinder, bringen Ihnen Kaffee und Kuchen ans Bett, dann schlafen Sie wieder bis abends, dann kommen Ihre vielen wohlerzogenen Kinder, bringen Ihnen Abendbrot ans Bett und dann schlafen Sie wieder und Ihre vielen wohlerzogenen Kinder geben Obacht, dass Sie auch wohl ruhen und keine bösen Träume haben. Und das sechs Wochen lang. Alle Achtung!
    Aléa

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 13. Juli 2011 um 23:05

    Zwei Wochen sind ja schon rum.

    Kommentar von GS
    Datum/Uhrzeit 14. Juli 2011 um 17:34

    Liebe Aléa,

    ich weiss du rotierst um dein Manuskript, ich aber muss die erste Strophe von “Black Box ” besorgen.
    Da gibt es ja mögliche Leser, die davon was verstehen, oder verstehen wollen und können.
    Und die Würfel liegen, die Augen liegen noch immer nicht richtig.
    Fragt sich ja auch, um der Wahrheit die Ehre zu geben, was Herr Tarski, Alfred Tajtelbaum, dazu sagen würde.
    Ich bitte deshalb nach mehrfachen sekundär auch von mir zu verantwortenden Verfehlungen dieser ersten Strophe von “Black Box” definitiv um folgende Variante:

    ” der Schnee ist weiss”:
    ist wahr dann und nur dann
    wenn der Schnee weiss ist.

    Das hat auch Konsequenzen für deinen ganzen Artikel, also natürlich auch für das, was du mit meiner weiblichen Leiche so rührend angestellt hast.

    GS

    Kommentar von Der Buecherblogger
    Datum/Uhrzeit 15. Juli 2011 um 07:18

    @Black Box
    Der erste Vers des letzten Gedichts zeigt etwas von den Schwierigkeiten, in die sich Lyrik begibt, wenn sie ihr Anliegen mit Logik zu begründen versuchen würde. Hier scheint der Autor die Logik aber eher selbst an der Nase herum führen zu wollen. Schon der auf einem abstrakten, systemtheoretischen Begriff verweisende Titel löst sich im Verlauf in das von der Gesellschaft Unterdrückte, Weggesperrte, in beseitigte, dunkle Gewalt auf, die den Tod als zu Verschweigendes mit einschließt. Der schwarze Sarg und der weiße Schnee sind wiederum zu offensichtliche Kontraste, die hypothetisiert werden müssen. Auf eine feine Art bemächtigt sich so ein Gefühl der Bedrohung des Lesers. Wer schließt hier wen weg?
    Mit Logik läßt sich in der Poesie nur spielen und genau das machen Sie, Aléa, mit der angedeuteten weiblichen Leiche dann in Prosa. Man kann Ihnen beim Spinnen des Gedankenfadens in den Kopf schauen, der nicht anders kann, als nicht davor zurück zu schrecken auch zu sexualisieren und der männlichen Nekrophilie gleich mit eins auszuwischen. Ich finde diese kleine Geschichte über eine weibliche Leiche großartig. Das Gedicht sollte in Zukunft mit ihr zusammen erscheinen. -:)
    Nachdem ich über diesen Beitrag und über die Gedichte zuerst nur hinweggelesen habe, fühle ich mich jetzt bereichert und geginne mich näher mit ihnen zu beschäftigen. So wie vor fast einem Jahr das Gedicht auf dem vom Himmel fallenden Zetteln um Hilfe rief (Gedichte die keiner liest), ruft das Gedicht mit dem Tarski-Anfang nach der Wahrheit in einer Welt voller Lügen. Die Lügen der Gesellschaft sind in der Black Box, immer, heute und damals in Rumänien.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 15. Juli 2011 um 17:32

    Lieber Dietmar,

    vielen Dank für Ihren Kommentar.

    Zu den Änderungen will ich gar nicht viel sagen. Da ist hier wild hin und her gegangen. Dass Ihnen meine Phantasie zu der Leiche gefällt, zu dem sich in der Box befindenden Inhalt, ist schön. Auch ihr Vorschlag, dass man Gedicht von Günther Schulz und meine Assoziationen zusammen einmal veröffentlicht, ist eine gute Idee. Es ist auch schon Iris Nebel aufgefallen, dass das gut zusammenpasst.

    Ich habe Ihre Anspielung mit den vom Himmel gefallenen Zetteln erst gar nicht verstanden. Sie haben recht, das war ich, als ich die neue Kamera hatte. In diesem Jahr gibt‘s dann Bilder aus Bukarest.

    Ich habe noch mein Wort nicht eingelöst, etwas zu Ihrer Forte Besprechung zu sagen. Das kommt noch. Ich hatte und habe noch so viele richtig dicke Sachen auf meiner Liste. Ein Kapitel der Diss musste fertig werden – und es ist in der vorletzten Woche auch fertig geworden- , der zweite Roman ist heute in einer Leserversion an drei Leute meines Vertrauens gegangen, das war noch einmal ein Stück Arbeit. Aber das musste jetzt sein, damit ich, wenn ich aus Rumänien wiederkomme, mit den dreien darüber reden und dann gleich daran weiterarbeiten kann. Das kommende Semester ist ein Urlaubsssemester und an seinem Ende muss der fertige Roman stehen! Inzwischen ist der erste Roman aber wieder hier gelandet: die letzten Korrekturen des Lektors müssen eingearbeitet oder abgelehnt werden. Und das alles sind dann immer viele, viele Arbeitsstunden. Da bleibt kaum noch Zeit, das eigene Blog zu bedienen. Und für die anderer Leute schon gar nicht. Aber das wird in den kommenden Wochen besser.

    Ich werde am Wochenende mit „Gegen den Tag“ anfangen. Ich bin gespannt.

    Herzlich
    Aléa

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