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  • 25 Juni 2011

    Erfahrung als Problem

    Anfang dieser Woche hatte ich einen Termin bei meinem Prof. Ich gammelte vorher im Institut herum. Um ehrlich zu sein, ich war angespannt. Ich bin immer etwas angespannt, wenn ich dort einen Termin habe. Das ist auch gut so. Man sieht mir die Anspannung allerdings nicht an. Es sieht aus, als gammele ich. Anders als das flanieren, das eine Lebenseinstellung ist, ist das gammeln eine Einstellung zum Tod. Vielmehr ist es gar keine: einfach Zeit totschlagen. Ich stand also wild um mich schlagend, gammelnd und angespannt im Institut am „Schwarzen Brett“. Dort werden Jobs und Praktika ausgeschrieben. Es gab ein Praktikum bei einer Berliner Literaturagentur. In der Spalte Arbeitsbereich stand dort: Manuskripte begutachten; in der Spalte Erfahrung stand: wenig. Um die Manuskripte in dieser Agentur zu begutachten, braucht man nur wenig Erfahrung. Man muss die vermutlich nur lesen und dann entscheiden, ob sie gut sind oder nicht.

    Diejenigen, die über die Qualität von Manuskripten entscheiden, brauchen nicht viel Erfahrung. Weil Erfahrung stört. Erfahrung ist das, was alte Männer haben und das klingt nach Resignation und Lebensüberdruss, Haarausfall und Prostatabeschwerden. Das hört sich nach Scheitern an. Wie soll man das, bitteschön?, seinem jungen Publikum klarmachen? Die wollen junge, frische, neue und wilde Literatur. Erfahrung stört womöglich überhaupt bei der Literatur, nicht nur beim anfänglichen Begutachten von Manuskripten. Auch beim Schreiben stört sie. Sie stört beim Lesen. Das stört, wenn man beim Lesen denkt: Mensch ist das langweilig, langwierig, langatmig! Erfahrung stört überhaupt. Überall da wo man originär etwas erfahren oder erleben könnte, steht sie einem im Weg. Sie stört auch im Leben. Warum nicht immer wieder von vorne anfangen? Warum nicht immer dieselben Fehler machen, immer auf dieselben Männer und Frauen reinfallen? Reinfälle haben ja auch ihren Reiz.

    Da liest also die nahezu erfahrungs- und ahnungslose Praktikantin so ein Manuskript, zwanzig, dreißig Seiten und ein Exposé. Was kann in so einem Textauszug passieren? Ein bisschen Liebe, ein bisschen Sex und ein bisschen Tod. Ein bisschen Handlung, ein paar Sätze und einige Abschnitte und Charaktere, was man so braucht und unterbringen kann. Ein bisschen Ordnung und ein bisschen Anarchie, ein paar Andeutungen und Umdeutungen, ein Anfang und ein Ende, etwas eloquentes, elegantes, ordinäres und ohnmächtiges. Und wenn sie dann, die Praktikantin nämlich, auf die geringste Erfahrung stößt: Zack! Raus mit dem Mist!

    Später, wenn es gedruckt ist – also die anderen Manuskripte, die, die es nicht bis zur Ablehnung geschafft haben – wenn es irgendwo im Buchhandel oder im Prospekt herumliegt und sich nicht verkauft, dann kommen sie alle an. Dann war der Text doch nicht erfahrungslos genug, dann muss sich irgendwo zwischen den Zeilen eine Erfahrung versteckt haben, die allen entgangen ist. Sie alle haben es übersehen und dann wird der Autor oder die Autorin verflucht, die sich unrechtmäßig eingeschlichen hat. Die Autorin, die einfach nicht in der Lage war, den derzeitigen Strebungen des Literaturbetriebs zu entsprechen und den Wunsch des jungen Publikums nach vollständiger Erfahrungslosigkeit zu erfüllen. Also gilt es, das Übel bereits an der Wurzel zu fassen:  Erfahrung ist eben ein Problem.

    Die Leute bei der Literatur Agentur gehen vielleicht davon aus, dass über kurz oder lang sowieso keiner mehr Bücher liest und sie fangen gleich selbst damit an. Indem sie damit aufhören. Oder sie bewerten die Manuskripte nach der Farbe der Umschläge. Grün liest ja heute keiner mehr. Gut, das ich einen Verlag habe und gut auch, dass ich nur in Magenta schreibe.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.



    Kommentare

    Kommentar von Norbert W. Schlinkert
    Datum/Uhrzeit 25. Juni 2011 um 13:22

    Liebe Aléa,
    höre ich da so etwas wie Resignation heraus? Oder einfach nur Kritik an der Qualität der heutigen deutschsprachigen Literatur? Natürlich hast Du recht, doch Du solltest bedenken, daß der gemeine Leser es nicht besser verdient hat, weil er oder sie kaum in der Lage sein dürfte, höherwertige anspruchsvoll geschriebene, mit Lebens- und Berufserfahrung durchsetzte Literatur zu begreifen, ohne sich dann nicht mehr unterhalten zu fühlen. Natürlich will der Leser von sich und seiner Welt abgelenkt und in eine andere Welt entführt werden, da tut es gemeinhin ein üblicher Plot, der mit banaler Sprache in die Welt gesetzt wird. So what! Das ist die kommerzielle Welt der Unterhaltung, nichts weiter, da würden komplett unaustauschbare persönliche Erfahrungen nicht allgemein genug wirken, denn den Protagonisten muß natürlich etwas zustoßen, das dem Protagonisten des eigenen Lebens ebenso zustoßen kann, wenigstens in der Phantasie. Außerdem wollen Literaturagenturen, Verlage, Lektoren, Kritiker und Druckereien einfach nur Geld verdienen, da kann man auf Kunst wohl keine Rücksicht nehmen, jedenfalls nicht auf aktuelle. Von denen, die Kunst herstellen und das Glück haben, fürchterliche Erfahrungen gemacht zu haben, die sie dann zum Beispiel in Texten hochliterarisch be- oder verarbeiten, kann kein Mensch leben, es sei denn, es gibt den Nobelpreis. Darunter ist nix zu holen, dann aber schon, selbst wenn die Bücher dann nur verkauft und nicht gelesen werden. Aber was soll man sich aufregen – der Literaturbetrieb ist hierzulande seit über 200 Jahren verlogen bis dorthinaus wie jeder andere Betrieb auch, und wer schlau ist, der baut nicht nur Tretminen, sondern auch Tretminenräumgeräte und natürlich die Prothesen für die Opfer.
    Wer das Pferd von hinten aufzäumt, kriegt immer nur in die Fresse – auch ‘ne Erfahrung, und was für eine!

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 25. Juni 2011 um 15:43

    Lieber Norbert,

    worum ging’s mir?

    Ganz unpolemisch: darum, dass ganz unten, ganz am Anfang wo Literatur anfängt, welche zu sein, oder wo sie welche werden will: bei der Erstbetrachtung durch andere, bei der Prüfung eines Manuskriptes auf, sagen wir es so wie es ist, Tauglichkeit, das da die falschen Maßstäbe angelegt werden. Und zwar nicht einmal durch diese Agentur. Die werden das so formuliert haben, dass sie alle dort Studierenden ansprechen, du kennst das Institut ja und du kennst die Leute, die da studieren. Letztlich werden sie die Praktikantin einsetzen, um das Zeug einzupacken und zurückzuschicken. Und nicht, um die Qualität der Manuskripte zu überprüfen. Das machen sie selbst.

    Es ging mir vielleicht darum: Was sind das für Leute, die über die Tauglichkeit von Manuskripten entscheiden? Die Bücher machen, die bekannterweise zu 70 % keine einzige Reaktion auf dem Markt provozieren.

    Ich halte mich für eine anspruchsvolle und gute Schriftstellerin. Eine solche Äußerung mag man nun einschätzen wie man will. Angenommen, sie ist richtig, so ist das keine, absolut keine Aussage darüber wie meine Bücher am Markt laufen werden. Erfolg auf diesem Markt ist vollkommen unabhängig von Qualität seiner Produkte. Das ist es, was mich beunruhigt.

    Ich kann mir vorstellen, dass ungeheuer viel Mist bei Verlagen und Agenturen ankommt und dass man nach einer ersten und oberflächlichen Sichtung mindestens 75% Prozent vergessen kann. Und ich bin ebenso absolut davon überzeugt, dass Leute die Kafka, Joyce, Beckett, die es heute genauso gibt wie damals, heute genau wie damals, im Grunde keine Chance haben entdeckt zu werden, nicht von der Praktikantin und nicht, vielleicht sogar noch weniger von der professionellen Agentur. Entdeckt werden können sie nur durch Zufall. Und vielleicht muss der Zufall heute sogar noch sehr viel fester hinlangen, als vor hundert Jahren.

    Aléa

    Kommentar von Norbert W. Schlinkert
    Datum/Uhrzeit 25. Juni 2011 um 16:30

    Liebe Aléa,
    der Markt ist unberechenbar, und wenn in zwei oder drei Jahrzehnten die Werke von lebenserfahrenen und anspruchsvoll schreibenden Schriftstellern en vogue sind, wäre es ja entsetzlich, vorher alles Schreiben hingeworfen zu haben. Vielleicht entsteht ja überhaupt etwas Neues, ein Nebeneinander von Märkten, die nicht nach den selben Regeln funktionieren. Bleibt natürlich immer noch die Frage, wie man sich und sein Schreiben finanzieren soll, wenn der Zufall wieder einmal woanders hinlangt, aber eben dadurch bekommt man ja Erfahrungen, deren Abschöpfung sich Jahrzehnte später eventuell lohnen könnte. Oder auch nicht. Keine schönen Aussichten. Weitermachen!

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 25. Juni 2011 um 17:14

    Lieber Norbert,

    weitermachen! So sehe ich das auch. Wie sagtest du mal so schön: „Das ist ein Kampf, den man nicht gewinnen kann. Aber das heißt noch nicht, dass man ihn verlieren muss.“

    Also weiterkämpfen. Und es ist ja nicht nur Kampf, da ist ja mancher schöne strategische Sieg dabei, der ist geradezu zum Totlachen. Allerdings wär‘s schon schön, wenn man nicht immer und überall finanzielle Sorgen hätte. Der Job ist im Grunde ein ehrenamtlicher. Bei, bedauerlicherweise meistens vollständiger Verweigerung der Ehre. Er ist also ein nur amtlicher Job. Kommt jetzt nur noch drauf an, bei welchem Amt.

    Aber pessimistisch? Nein! Weder Zeit noch Lust zu Pessimismus.

    Aléa

    Kommentar von Philipp
    Datum/Uhrzeit 26. Juni 2011 um 13:14

    Liebe Aléa,

    wer braucht eigentlich noch Verlage, die nach Gutdünken entscheiden, was sie herausbringen und was nicht.

    Als Autor kannst du doch heute ohne den “Zwischenhändler” deine Werke veröffetlichen und z.B. über Amazon als E-Book (Kindle) verkaufen. Meines Wissens bleiben da ca. 70% der Einnahmen beim Autor hängen.

    Gut, da ist vor allem Unterhaltungsliteratur gefragt, aber die könntest du ja unter einem Pseudonym für den Markt produzieren (drücke ich bewusst so aus).

    Allerdings: Als Texter bin ich in solchen Dingen ja sowieso schmerzfrei…

    Hier ein Link zu weiterführender “Fachliteratur”: http://amzn.to/iL3Xx0

    Viel Spaß beim Geld scheffeln :D

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 26. Juni 2011 um 20:11

    Lieber Philipp,

    ich freue mich über deine Kommentare. Ich habe zwar den Test dieser Werbeagentur noch nicht ausgefüllt, will das aber noch tun, wenn ab Mitte Juli die Arbeitsbelastung etwas weniger wird.

    Der neue Kommentar bedürfte eigentlich einer sehr ausführlichen Antwort. Da ich mir aber vorgenommen hatte, den Abend mit einem Buch zu verbringen, schränke ich das etwas ein.

    Ich müsste hier eine sehr ausführliche Markteinschätzung geben, mit Daten und Prognosen arbeiten. Will ich alles nicht. Nur so viel. Es ist nicht neu, dass manche Leute Bücher verkaufen und Millionenauflagen erreichen. Das ist also nichts Besonderes und kein spezifisches Zeichen des elektronischen Marktes.

    Ich bediene nach meiner Einschätzung ein Nischenprodukt. Wie man das Blog und die Texte hier einschätzt, ist eine Sache, eine andere ist meine Art einen Roman zu schreiben. Das hat potentiell nicht eine Million Leser. Sondern Hunderttausend. Die kann ich mit meinem Blog nicht erreichen. Die kann ich eher mit den Marketingstrategien eines Verlages erreichen. So in etwa lautet meine derzeitige Einschätzung. Das kann in zehn Jahren anders aussehen.

    Ich kenne das Buch von dem Locke nicht. Aber ich unterstelle, dass es einen Fehler hat; dass es mit einer Unterstellung arbeitet, die nicht haltbar ist. Ich spreche von folgendem Umstand. Als ich angefangen habe, mich über den Buchmarkt zu informieren, bin ich auf Verlage gestoßen, die Anzeigen geschaltet haben, wo sie Manuskripte gesucht haben. Das ist eigentlich ungewöhnlich, weil die Verlage alle ersticken an Manuskripten. Später habe ich in einer Initiative des Fairlage eine schöne Formulierung gelesen, die diese so genannten Zuschussverlage von seriösen Verlagen abgrenzen. Dort stand: „Seriöse Verlage suchen keine Autoren. Seriöse Verlage suchen Leser.“

    Das ist der Punkt um den es mir geht, um den es in der Sache zuallererst geht, und den der Locke, so unterstelle ich einfach, wahrscheinlich unterschlägt, wenn er weismachen will, man könne im Internet das finden, was man außerhalb des Netzes nicht mehr, jedenfalls nicht in ausreichendem Maße findet: Leser. Es gibt einfach viel zu wenig Leser und viel zu viele Bücher. Das ist ein Problem, was das Netz und der, im Vergleich um Buch, sehr günstige download nicht löst.

    Jeder Strategie, jede Prognose über die Zukunft der Verlagslandschaft etc. muss mir als erstes die Lösung Problems erklären und jeder Versuch, der das nicht tut, den empfinde ich meinerseits als unseriös.

    Aber wie gesagt, ich will jetzt lesen. Sonst trifft mich noch meine eigene Kritik, weil ich auch nichts mehr lese.

    Was macht übrigens der Roman über Strauss-Kahn?

    Aléa

    Kommentar von Philipp
    Datum/Uhrzeit 27. Juni 2011 um 14:44

    Liebe Aléa

    klar, die Eigenvermarktung von Groschenheften (nach den Covern zu urteilen ist das Locke’s Niveau) ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Vor allem, weil der Typ ja hauptsächlich durch ne aggressive Preisstrategie (E-Book für 99 Cent) seine Leser gewinnt.

    Eine Antwort auf die Frage nach den fehlenden Lesern habe ich auch nicht. Aber durch deinen Blog (nicht durch deinen Verlag) hast du mindestens einen Käufer deines Buches gewonnen – mich. Leider muss ich auf die Veröffentlichung noch monatelang warten. Wenn du es hier in deinem Blog verkaufen würdest, hätte ich schon den PayPal-Button geklickt…

    Die Musiker haben ja ein ähnliches Problem. Bandcamp (http://bandcamp.com/) zeigt da eine Richtung, die vielleicht bald auch für Schrifsteller eine Vertriebs-Alternative werden könnte.

    Den Strauss-Kahn-Stoff habe ich übrigens an Tom Wolfe verkauft, der macht daraus “Fegefeuer der Eitelkeiten, 2.Teil”

    Bevor du den Copytest ausfüllst, hier noch ein Tipp: Was Werber momentan gut finden, siehst du auf Seiten wie http://www.canneslions.com/work/ oder http://media.adc.de/gewinner/terminalviewer/

    Wenn das alles etwas wirr klingt, liegt das an der Hitze. Ächz.

    Philipp

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 27. Juni 2011 um 16:34

    Liebe Alea.

    Einmal kannte ich einen, und ich kenne ihn immer noch, mit dem konnte ich über eigentlich gar nichts anderes reden als über dieses Thema. Sobald wir zusammen kamen und wo immer dies geschah mündete das Gespräch über kurz oder lang in dem komplexen Problemfeld des literarischen Broterwerbs. Bald machte ich deutlich, dass man die Begrifflichkeit der Subsistenz immerhin zu trennen habe von der der Existenz und dass damit schon das Meiste den Meisten beantwortet sei. Bald musste ich dem Mann, der ja gut eingestellt war bei einer großen, fürs höhere Allgemeine zuständigen Tageszeitung und dort Kritiken schrieb, umständlich erläutern, dass die Produktion von Kunst und Literatur eheren Gesetzen folge. Die Gesetze des Broterwerbs seien andere. Bei Kaufleuten sei da eine strukturelle Nachbarschaft. Diese gäbe es für die Dichtung nicht. Es sei sogar fraglich, ob die Dichtung etwas lehren oder vermitteln könne. Gerade der Kritiker möchte dies bedenken. Und ich zitierte Musil, der einmal meinte, der Geldwert sage ebenso wenig über einen Gegenstand aus wie die Feststellung, dass dieser eine räumliche Ausdehnung habe.
    „Das ist arrogant“, antwortete der Kritiker.
    „Danke“, gab ich zurück, „das ist eine aristokratische Tugend.“
    Aber weil ich kein Aristokrat bin, quälten mich diese Gespräche im Nachhinein fort.
    Zum Glück kam mir dann irgendwann einmal die Poesie zur Hilfe und ich schrieb:-

    Tierfabel.-
    Den Nachmittag über lag die Löwin auf einem dicken Baumstamm; mit schweren Gliedern und übereinander geschlagenen Tatzen schlief sie von Zeit zu Zeit ein. Spekulative Sätze bewegten sie, bloß dass ihr die Fliegen manchmal das eine oder andere Auge zucken ließen. So ruhte sie, auf wehrte Zebras oder flinke Gazellen zu warten. Als aber lange keine Beute kam, und es mag ein Jahrhundert verstrichen sein, sprang sie zur Ermunterung auf den heißen Steppenboden.
    Schon merkte der Geier auf: „Wird heute wohl Hunger geben, wie!?“ – „Das kann dir gleich sein, wo du von Hungernden Beute und als Beute Verhungerte frisst.“
    Der Geier schüttelte wirr den Kopf, als sei ihm sein graues Herz zerrissen.

    Kommentar von Phorkyas
    Datum/Uhrzeit 28. Juni 2011 um 15:11

    @avenarius: Ihr Musil-Zitat trifft’s wunderbar. Ähnlich dachte ich auch, als ich kürzlich von den Umständen las, unter denen Bulgakow oder Remizow “produzierten” -

    Bei Ihrer Fabel juckt es mich jedoch, sie gerade invers abzuschließen: die Löwin wartet so sehr auf wertvolle Beute, dass sie schließlich nichts erjagt, während der Geier, der das Aas nicht verschmäht, doch den ein oder anderen Gourmetbissen ergattert. (Bulgakow z.B. schrieb fürs Feuilleton oder auch mal populärere Theaterstücke)

    (@Alea: Die Kommentareinstiegshürde liegt leider oft etwas hoch, da warte ich dann doch ´ne Woche ehe ich was schreib´.. und bin dann immer noch nicht zufrieden..

    Auch wenn Sie das ja alles schon hinter sich haben, fand ich das hier ganz amüsant:
    http://www.cracked.com/blog/how-to-become-author-in-5-incredibly-difficult-steps/ )

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 28. Juni 2011 um 17:56

    Lieber Philipp,

    danke für die neusten Tipps zum Marketing. Der besten dieser Tipps ist übrigens der bezüglich Tom Wolfe. !ch werde das vielleicht auch in Zukunft so machen: ich entwickele Stoffe mit Handlungsgerüsten und verkaufe die dann an einfallslose Autoren oder Verlage. Man muss dann nur noch die Leerstellen ausfüllen. So ein Gerüst mit Exposé verkaufe ich für 2500,00 Euro. Kinder zahlen die Hälfte, Bestseller Autoren das zweihundertfünfzigfache.

    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 28. Juni 2011 um 17:57

    Lieber Avenarius,

    Tod und Teufel und Vergnügen: so könnte man das sagen.

    Der ganze erste Teil Ihres Kommentars ist wahrscheinlich und bedauerlicherweise nicht von der Hand zu weisen. Die Trennung von Subsistenz und Existenz, so wenig wie die, dass die Produktion von Kunst nicht den Gesetzen des Marktes gehorche.

    Großartig ist das Zitat von Musil, das insbesondere auf Kunst, auf Literatur zutrifft, wo sie für einen Roman von Musil dasselbe zahlen wie für einen von einem nobody. Übrigens: bei gleicher oder doch ähnlicher räumlicher Ausdehnung.

    Die Fabel habe ich nicht ganz verstanden, aber das liegt an mir. Auch in der Steppe meiner Wohnung ist es heiß und mir summen die Fliegen ums Auge. Aber dass einer Löwin spekulative Sätze durch den Kopf gehen, gefällt mir sehr gut.

    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 28. Juni 2011 um 22:06

    Lieber Phorkyas,

    was meinen Sie damit, dass die Kommentareinstiegshürde zu hoch läge? Ich habe sie da nicht hingelegt. Legen Sie sie tiefer. Außerdem liegt die Hürde für Ausstiege doppelt so hoch.

    Aber im Ernst: was soll ich tun? Ist meine Art zu schreiben zu hermetisch, zu selbstsicher zu …? So dass ein Kommentator, eine Kommentatorin (die es hier ja gar nicht mehr gibt) sich gehemmt fühlt? Anregungen und Kritik sind willkommen.

    Aléa

    Kommentar von Phorkyas
    Datum/Uhrzeit 30. Juni 2011 um 09:17

    Liebe Aléa,

    die Kommentareinstiegshürdenhöhe bestimmt sich natürlich jeder selbst (aber es hängt vielleicht auch von der Art der Blog-Hütte ab – ob man da eher gediegener unterwegs ist usw.) – Ich kann da nur für mich schreiben, bei mir dauert’s leider oft bis ich mich äußer und dann ist die Diskussion schon an anderer Stelle… zu den jüdischen Schädeln z.B. hätte ich mich gerne noch geäußert, aber da wurde die Kommentarspalte ja hochgeklappt.

    Kritik? Ob Sie einen Duktus pflegen, der Kommentatoren abschrecken könnte o.ä.? Für mich sicher nicht – das ist einfach eigene Trägheit (und mangelnde/s Zeit/managment).

    Gruß,
    Phorkyas

    PS. Hier wollte ich eigentlich einhaken bei dem Bild der Verlagslandschaft, das Sie zeichnen. Ob die Manuskript-Bewertung nach der Farbe, nicht etwas übertrieben sei oder zu pauschal (ich kenne mich einfach nicht aus)? Gut, wenn ich in so eine große Buchhandelskette gehe, dann sehe ich da natürlich das Buch als Massenware. Da kann man anhand des Umschlags schon das Genre erkennen und es gibt Rubriken, die würden mich sofort verjagen: “Freche Frauen”, z.B. musste ich da mal lesen, also ehrlich, als Frau käme ich mir da schon verarscht vor (und die Umschlaggestaltung war auch entsprechend “frech und fesch” – zum Glück betrifft’s mich nicht und ich kann einfach weggehen – gestern in “Tree of Life” saß ich dann fest und musste mir dieses Machwerk doch bis zum Ende geben, weil ich ja auch etwas bezahlt hatte).

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 1. Juli 2011 um 16:57

    Lieber Phorkyas,

    ich hatte das mit der Kommentareinstiegshürdenhöhe wohl falsch verstanden. Ich dachte, Sie seien der Meinung, ich lege diese Latte aus irgendeinem Grunde so hoch an. Das tue ich sicher nicht.

    Die Kommentarleiste bei den jüdischen Schädeln hatte ich eingezogen, weil ich da einen Moment nicht nachgedacht habe. Das nicht denken empfinde ich zwar eigentlich als ganz angenehm, kann aber mitunter fatal sein. Und ich wollte da nichts provozieren.

    Manuskripte werden sicherlich nicht der Farbe nach beurteilt. Aber wonach sie beurteil werden ist mir dennoch ein Rätsel. Ich habe hier lediglich auf das Stilmittel der Übertreibung zurückgegriffen.

    Aléa

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 1. Juli 2011 um 22:10

    …eine polemische Übertreibung in Richtung Wahrheit.

    Kommentar von Schmuck
    Datum/Uhrzeit 6. Juli 2011 um 15:13

    Also ich fand den Beitrag höchst amüsant. Ich musste schmunzeln und denke, dass es keine schöneren Stilmittel gibt als die Übertreibung. Denn auch in der Übertreibung steckt soviel Wahrheit, dass es zwar lustig ist, dennoch aber die Problematik klarstellt.
    Und man kann in den Blogeinträgen wirklich dein Talent für das Schreiben entdecken. Ich finde deine Beiträge immer wieder super.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 6. Juli 2011 um 22:57

    Liebe, ich nenne dich mal so und ich duzte dich auch, weil du das mit mir machst, irgendwie muss ich dich ja anreden, also: Liebe Schmuck

    Danke fürs Kompliment dass du in meinem Schreiben ein Talent meinst erkennen zu können. Die Literaturförderung in diesem Land kann das nämlich nicht. Ich habe viele viele viele viele Dutzend Versuche gemacht und nicht einen einzigen Erfolg vorzuweisen. Möglicherweise ist es aber auch nicht die Aufgabe der Literaturförderung Talente zu entdecken und zu fördern. Man weiß nicht genau, was dann ihre Aufgabe eigentlich ist. Vielleicht die Desillusionierung der Literaten und die Zerstörung der Literatur. Ich habe heute mal wieder eine Absage für eine Literaturförderung im Briefkasten. Das wird langsam ärgerlich. Und noch sehr viel ärgerlicher wird es, wenn man sich anschaut, was die fördern. Noch ärgerlicher und noch unverständlicher, was deren Aufgabe eigentlich ist. Ich habe gerade ausgesprochen schlechte Laune.

    Kommentar von Phorkyas
    Datum/Uhrzeit 8. Juli 2011 um 12:22

    Liebe Alea,

    Ihre schlechte Laune erscheint mir nur zu verstaendlich (sich die Klagenfurter Nasen anzuschauen waere da vielleicht sogar gefaehrlich?).. Leider kann ich wenig Aufmunterndes beitragen, ausser dass das naturwissenschaftliche Gras (hier) auch nicht gruener ist (Durfte die letzte Woche hier ungefaehr 200 Daten-Fits/Kurvenanpassungen – gefuehlte Tausend – durchfuehren, sich durch die Datensaetze wuehlend und nur ein ungefaehres Licht am Tunnel – und selbst dann, sollte ich da eines Tages zu einem Ergebnis kommen, interessiert’s vermutlich keine Sau… aber so isses nun einmal. Ich troeste mich immer damit, dass man mit meinen Kurven zumindest keine Haeuser sprengen koennen wird – und mit den Romanen ist es hoffentlich aehnlich [ich wollte schon aehnliches ueber Metaphern sagen, aber die koennen doch hoch gefaehrlich/explosiv sein])

    Gewohnt ver(w)irrte Gruesse,
    Phorkyas

    Kommentar von Hildegard
    Datum/Uhrzeit 8. Juli 2011 um 20:48

    Liebe Aléa,
    manche Absagen sind wohl in Wahrheit Auszeichnungen. Leider kann man sich von dieser Erkenntnis keine Brötchen kaufen. Jedoch: Sich selbst treu zu bleiben, sich den Schneid nicht abkaufen zu lassen, nährt nachhaltiger. Also “Furchtlos weiter!” (HS) und Gruß von Hildegard

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 9. Juli 2011 um 15:37

    Liebe Hildegard,

    vielen Dank für den Zuspruch. Ich finde das Schreiben selbst gar nicht so schwierig. Nicht mehr. Ich empfinde das in die Form zwingen eines Stoffes als eine Herausforderung, die ich sehr persönlich nehme. Schwierig ist der Literaturmarkt. Diese ganze Förderungscheiße (das kann ich nicht anders formulieren). Irgendwann funktioniert das nicht mehr, wenn man all sein Tun als Widerstand begreifen muss, Widerstand gegen die Literaturförderung, Widerstand gegen die allgemeine Auffassung von Literatur als banale Unterhaltung, Widerstand gegen Mainstream, gegen Sprachunfähigkeit und Alltäglichkeit. Aber das ist es, was aus der Literatur gerade wird. Ich kenne die anderen, die geförderten Projekte nicht. Aber ich schaue in jedes Buch, in das ich hineinschaue, auch hinten hinein, wo die Danksagungen stehen. Und daran kann man durchaus erkennen, was gefördert wird. Literaturförderung in Deutschland ist ganz sicher keine Eliteförderung. Würde ich heute die Buddenbrooks oder den Zauberberg irgendwo einsenden, würde ich etwas von Thomas Bernhard oder Beckett einsenden, bekäme ich sofort eine Absage und die würde sich sicherlich nicht damit schmücken, dass das schon veröffentlicht ist.

    Aber noch funktioniert es und es funktioniert umso besser, je weniger ich mit dem Markt zu tun habe. Das sind sicher Erfahrungen, die auch andere machen. Und weil diese anderen sehr viele sind, glaube ich, dass dieser Markt vor Veränderungen steht und dann in Zukunft immer mehr Autoren eigene Wege, abseits von Verlagen, von Förderungen und Preisgeldern, gehen. Allerdings haben diese Modelle alle einen logischen Fehler: die können nicht erklären, womit sie die weniger werdenden Leser kompensieren wollen.

    Herzlich

    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 9. Juli 2011 um 15:37

    Lieber Phorkyas,

    meine schlechte Laune, den Literaturbetrieb betreffend, ist anhaltend. Ich will mich da jetzt aber keiner ausführlichen Betrachtung hingeben, weil es wirklich ausführlich sein müsste. Und ich mich wieder ärgern würde. Klagenfurt schaue ich mir nicht an. Ich habe auch erst im vergangenen Jahr erfahren, was da eigentlich passiert. Ich habe mich mit Clemens Setz getroffen und der hat mich aufgeklärt. So aufgeklärt wollte ich allerdings gar nicht sein. Ein kleines Mysterium ist ja eigentlich ganz gut.

    Ich schaue heute Abend Fußball. Deutschland gegen jemand anders, ich hab‘s vergessen. Ich finde Fußball nicht sonderlich ästhetisch, weder von den Bewegungsabläufen, noch von den Spielern. Die Spielerinnen, sind da schon etwas hübscher anzuschauen. Die einzige echte Ausnahme, die ich kenne, die Hope Solo, die Torhüterin der amerikanischen Mannschaft. Die kenne ich auch erst seit vergangener Woche. Hier kommt schon wieder die Schriftstellerin ins Spiel, die vor allem nach Worten beurteilt und sich fragt, ob man was daraus machen kann. Und aus Hope Solo könnte man was machen.

    Schönes Wochenende und danke für den Kommentar.

    Aléa

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