15 Juni 2011
Schädelsammlungen
Ich habe eine neue Kategorie: Fundstücke. Ich gehe im Grimm Zentrum jeden Tag an einer Million Bücher vorbei. Ich muss mich dort konzentrieren. Manchmal fallen mir allerdings Bücher in die Hand, die mich interessieren könnten. Ich nehme auch schon mal Bücher aus dem Regal, die mich nicht interessieren. Weil mir der Titel gefällt. Oder weil er mir nicht gefällt. In dieser Kategorie mache ich hier keinen Unterschied zwischen solchen Dingen. Ich schlage die Bücher einfach auf und zitiere den ersten Satz der mir ins Auge fällt. Oder den zweiten, an meinem Augen fällt nämlich auch viel vorbei.
„In unseren großen Sammlungen finden sich mehr Schädel von den entlegenen Inselgruppen der Südsee und von den unbedeutendsten afrikanischen Negerstämmen, als von den Juden. Und doch sind die wenigen Judenschädel, die ich selbst in Händen gehabt und gesehen habe, so interessant und schön, dass ich in allem Ernste meine, die Juden müssten schon aus Nationalstolz danach trachten, möglichst große Serien, hunderte und tausende von ihren Schädeln in Museen zu deponieren, anstatt sie elend in der Erde vermodern zu lassen.“
Aus: Anja Laukötter, „Von der ‚Kultur‘ zur ‚Rasse‘ – vom Objekt zum Körper?“, transcript Verlag 2007, Seite 117 (Zitat nach Felix von Luschan, Anleitung zum ethnologischen Beobachten und Sammeln, Berlin 1914)
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: Juni 15th, 2011 unter Fundstücke, mittel












Kommentar von Philipp
Datum/Uhrzeit 15. Juni 2011 um 22:33
Interessantes, bizarres und irgendwie auch leicht unheimliches Fundstück. Vor allem dachte ich bisher, dass alle menschlichen Schädel relativ gleich aussehen. Und einen Schädel als schön zu bezeichnen? Hmm…
Und dann war dieser Herr von Luschan auch noch so eine Art Indiana Jones, wie Wikipedia verrät:
Zu Beginn seiner Laufbahn forschte Felix von Luschan gemeinsam mit Otto Benndorf in Lykien (Südwesttürkei). Bei Zincirli entdeckte er die Ruinen von Sam’al, der Hauptstadt eines späthethitischen Kleinfürstentums, die er 1888 bis 1902 freilegte. Während der dortigen Ausgrabungen entdeckte er auch die nahe gelegene hethitische Bildhauerwerkstatt von Yesemek.
Und was kaum einer weiß: Die hethitischen Bildhauer verstanden sich vor allem auf die täuschend echte Nachbildung menschlicher Schädel…
So, ich versuche jetzt mal das Captcha zu entziffern.
LG
Philipp