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  • Silvia Kühnel: Lieber Claus, habe schon mal vor einigen Jahren geschrieben, weil ich die Idee mit der Kunstfigur gut finde. Ein frohes Fest und ein gutes neues Jahr und viel Freude mit dem Stipendium. Silvia (Buchhändlerin in Dortmund)
  • irisnebel: klasse! gratuliere! musst du ne gegenleistung bringen? als stadtschreiber z.b.?
  • nadine schmid: Ich habe mit Thien an der Uni Koeln studiert. Wir ware zeitweise befreundet, aber ich hatte wenig verstaendnis fuer seinen ‘Mangel’ am akademischen Streben und habe, trotz meiner Anerkennung seines Talents, sein Lebensziel, aus seiner Dichtung etwas zu machen, als...
  • bersarin: Es muß natürlich, entdecke ich beim zweiten Lesen, Monika Rinck heißen. Ich kann mir Namen nie merken.
  • Aléa Torik: Ja, Bersarin, seinerzeit hat‘s ziemlich gut funktioniert: es war Literatur und die Leute waren mittendrin. Manche, ohne es zu merken. Manche haben hinterher zufrieden gelächelt, weil sie bei etwas Neuem mitgemacht haben. Oder weil sie selbst zu einer Art literarischer Figur dadurch...
  • bersarin: Literarisches Bloggen, liebe Aléa Torik, funktioniert durchaus. Freilich nur bei den wenigsten. Das meiste, was geschrieben wird, stammt aus dem Klein-Klein der Halbgarküchen, ist Poesiealbumsprosa von Minderleistern, Befindlichkeitsscheiße ohne Form. Ich schreibe dahingehend und als...
  • Aléa Torik: Never ride a dead horse – das hätte auch als Überschrift dieses Beitrags herhalten können. Gestern Nacht bin ich mit dem Rad 35 km durch das ausgestorbene Berlin gefahren, bis weit jenseits der Stadtgrenze. Da ich ziemlich kaputt war, konnte ich dabei nichts denken, aber wenn...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, Du hast überschüssige Energie!? Da werden Dich viele drum beneiden, umso besser also, wenn sie in etwas fließt, was Sinn zu machen verspricht. Was soll man also dazu sagen? Ich sage: Es lebe die Literatur! Und Gratulation natürlich zum vollzogenen Ausstieg aus...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, verflixt, hab‘ ich schon wieder Recht? Ich kann sagen, was ich will, ich habe immer recht. Dabei schrieb ich das eigentlich, um zu provozieren. Entweder lässt sich keiner provozieren oder die Provokation im Netz ist so allgegenwärtig, dass man zu ganz anderen Kalibern...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, da triffst Du mal wieder den Nagel auf den Kopf wie die Faust das Auge: fiktional und ein Sein als solches hat ein literarisches Blog zu sein und nicht einfach noch ein weiterer Mitspieler auf dem Markt- und Kampfplatz realer Eitelkeiten. Als Schriftsteller:in...
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  • Aléa Torik: Dann bin ich gespannt, was du von dem Essay hältst.
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  • Aléa Torik: Lieber holio, ganz verstehen kann ich die Ottos und Ottisten ja tatsächlich nicht. Vielleicht ist das so, dass Otto und Otta, was ihr Leseverhalten betrifft, auch nicht ganz schlau aus sich werden. Sie greifen immer nur nach dem, wonach auch die anderen greifen. Das zeichnet die...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, man ist ja einiges gewöhnt bei den Autoren. Was die alles tun, um gelesen zu werden, beispielsweise das Schreiben seltsamer Bücher. Ich fände es allerdings doch etwas übertrieben, wenn sich ein Autor nach dem Schreiben seines Buchs sogleich aus dem Leben verabschiedet:...
  • holio: Traurig ist das in der Tat. Und so ganz zu verstehen auch nicht. Im Geräusch des Werdens war der Anknüpfungspunkt für Otto Normalleser ja da. Und die Bălkanexotik ist auch rezipiert und rezensiert worden. Die Sprache ist einfach, der Plot verständlich, erinnere die Szene mit dem blinden...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, noch habe ich Deinen Essay ja nicht gelesen – kommt aber noch! Bin gespannt wie ein Flitzebogen! Und was meine durch eigenes Lesen hervorgerufene Belebung von Texten inzwischen leiblich von uns gegangener Autor:inn:en angeht, so ist es nicht Trost, den ich da...
  • Aléa Torik: Lieber holio, Sie haben recht, die Politik lassen wir hier außen vor. Richtig glücklich bin ja auch nicht mit dem Etikett der Postmoderne. Aber irgendwie müssen wir es ja benennen. Sagen wir Transmoderne. Die wesentliche Information ist allerdings angekommen, schon lange: dass Sie...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • Archiv vom Juni, 2011

    28 Juni 2011

    „Immer sagen, suchen Paradies“

    „Auf der anderen Seite der Welt“ von Dieter Forte

    „Das Meer lag in der tiefen Nacht in einem schweren ruhigen Atem, in einer Stille wie vor der Geburt, während das herausgestoßene, abbrechende Todesatmen eines Menschen den Tag erwartete, das Licht weit hinter dem Meer, das wie ein jahrtausendealter schwarzer Stein unter den Sternen schlief.“

    Das ist ein Roman, der sich im seinem Verlauf sehr stark verändert. Er beginnt mit einer Geschichte, detailliert und gleichermaßen rudimentär erzählt. Er beginnt mit der Fahrt des Protagonisten, eines Mannes ohne Namen, nur ein „er“ sitzt da, ein Personalpronomen mit einer Lungenkrankheit, er fährt mit dem Zug auf eine Insel in ein Sanatorium und dort wird er tun, was sie dort alle tun: sich hinlegen und sterben. Oder, wenn er‘s schafft: aufstehen und weiterleben. Das ist das Thema des Buches: aufstehen und weiterleben.

    In dem Buch passiert nicht viel. Ein Kranker fährt von einer Stadt ans Meer. In ein Hospital, ein Sanatorium auf einer Insel. Er kommt an, es gibt ein Abendessen, er schläft eine Nacht, er bekommt ein Frühstück, er geht zur Toilette und auch ein Mittagessen ist noch drin, später geht er sogar einmal in die Kneipe und auf den hauseigenen Friedhof. Aber damit hat es sich auch schon. Mit der Handlung sind wir am Ende. Es wird kaum etwas vom Alltag berichtet, keine Besuche bei den Ärzten, keine Ängste, Sorgen, Befürchtungen. Da ist kaum mal ein Blick aus dem Fenster, kein Geschmack auf der Zunge, kein Gedanke an Frauen.

    Die Person hat keinen Namen. Es ist einer, der zum Sterben kommt. Er kommt mit einem überdimensionierten Koffer, deutsche Qualität mit tausend Jahre Garantie, aber der ist schon bei der Ankunft im Sanatorium völlig ramponiert, die tausend Jahre schon vorbei: „Für eine eventuelle Rückfahrt nicht mehr zu gebrauchen“ wie es ohne Illusionen heißt. Rückkehr allerdings in einem strengen Sinne gibt es nicht. Die Welt da draußen, jenseits des Sanatoriums, ist für die, die hier jahrelang liegen, die hoffen und verzweifeln, nicht unbedingt eine verlockende: „Wer von hier den Rückweg antrat, wer es schaffte aufzustehen und zu gehen, diese Insel wieder zu verlassen, der hatte auf ewig die Maßstäbe des Nichts, des Sinnlosen und der Bedeutungslosigkeit in sich, der konnte nie mehr die Menschen und ihr Leben verstehen.“

    Er hat einen Zimmergenossen, einen Alten, der sich zu Tode hustet. Der ihm vorher aber noch etwas erzählt. Der ihm vom Leben erzählt und von seiner Vergeblichkeit. Alle seine Geschichten beginnen mit den Worten: „Da wartet man nun auf den Tod.“ Das ist eine der Schwierigkeiten im Leben, dass ein jeder, mehr oder weniger direkt, auf den Tod wartet. Dieses Warten des Menschen auf den Tod, auf seinen eigenen Tod, nicht auf einen anderen, einen belanglosen, unbekannten Tod, das hat eine ganz einfache und höchst fatale Struktur: Der Mensch „ …hofft auf morgen.“

    Das Bett des Alten wird dann von anderen belegt, die ebenfalls husten, vom vergeblichen Leben erzählen und sterben. „Die Nachfolger des Alten blieben nur kurz in der Erinnerung, starben nach wenigen Tagen oder wurden auf eine andere Station verlegt, zogen vorbei wie in einem Totentanz, ohne dass sich für ihn dadurch ein Nacheinander ergab; als seien alle, ob tot oder lebendig, gleichzeitig in einem einzigen Bild anwesend, aus dem sich die vergehende Zeit entfernt hatte.“

    Diese Geschichten der Bettnachbarn und kurzzeitigen Zimmergenossen – der Lehrer, der Kaufmann, der Rechtsanwalt, der Vertreter – die machen sich langsam selbständig. Es werden immer neue Personen und Geschichten erzählt, es sind schon lange nicht mehr nur die Zimmergenossen, es sind nicht mehr nur noch Vertreter von Berufsgruppen, es sind Erinnerungen des jungen Mannes, es werden Namen genannt, viele Namen, die ich alle nicht kenne. Ich habe die Stadt nicht erkannt und die Insel habe ich auch nicht erkannt. Ich kenne die Namen der Jazzmusiker, der Politiker, der Maler und Schauspieler nicht: die habe ich alle miteinander noch nie gehört – immerhin weiß ich inzwischen, wer die Persildame ist. Auch das ist ein Zeichen von Tod, da hat man gelebt, vielleicht sogar mehr als die anderen, man war berühmt, da hieß man Armstrong oder Rühmann oder Beuys, und dann kommt die nächste Generation, hört die Namen, schüttelt den Kopf und sagt lapidar: nie gehört. Das ist eine Welt, die mir schon fremd ist, Worte wie „Eiltelegramm“ oder „Turnanzug“ wirken für mich bereits altbacken. Das sind Schichten und aus den Schichten werden Geschichten und diese Geschichten machen die Geschichte: die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland nach dem Krieg, nach der totalen materiellen und moralischen Destruktion.

    Es werden einzelne Schicksale erzählt, eindringlich, tragisch, lakonisch. Geschichten vom Sterben, von der Sinnlosigkeit des Lebens, die einem anhand der Sinnlosigkeit des Sterbens erst so richtig vor Augen steht. Aber dann ist es auch schon vorbei, ehe man’s richtig begriffen hat. Vielleicht meint man, auf dem Totenbett liegend, man könnte es verstehen, man könnte, wenn man jetzt aufstünde und in die Welt hinausginge, das Leben verstehen. Das sind teilweise bittere Tropfen, die kann man nicht aus der Flasche trinken. Auch aus diesem Grund hat bei mir das Lesen recht lange in Anspruch genommen.

    Da ist die schöne und tragische Geschichte des Geigers, ein Virtuose, ein absoluter Meister in seinem Fach. Eine Geige besitzt er allerdings nicht. Mit einer Geige könnte er gar nicht spielen: er kann es nur, wenn die anderen sich das vorstellen, was er spielt. Da ist die Geschichte des Geldfälschers, dessen Arbeit ganz außergewöhnlich gut sei, wie die Polizei ihm versichert. aber leider eben falsch, da nun einmal einzig die Notenbank Geldscheine herstellen dürfe, deren Scheine per Gesetz echt und alle anderen durch eben dieses Gesetz falsch seien. Da ist der Maler, dessen überdimensioniertes Gemälde zu Lebzeiten keinen Sinn ergibt und dessen Freunde, weil sie es zu seiner Beerdigung mitnehmen wollen, dieses Bild zersägen und am Grab wieder zusammensetzen: und da macht es dann mit einem Mal jenen Sinn. Da ist Boris, der vom Verkauf gefälschter Gemälde lebt und das nicht schlecht und der die Differenz von echt und falsch nicht versteht. Ein Bild ist ein Bild und grundsätzlich nicht fassbar mit dem Begriff der Echtheit. Bilder stellen etwas da. Das ist alles. Die Welt, so Boris sei nur in einem gerahmten Gemälde zu ertragen. Und darum gehe es im Leben, es zu ertragen, nicht um die Suche nach dem Echten mit dem man das Falsche desavouieren könne.

    „Überall immer nur Sinn gesucht. Leben voller Einbildung. Und deswegen sich das Leben nehmen. Wegen Illusion. Immer sagen, das kann nicht alles gewesen sein. Immer sagen, suchen Paradies. Wozu braucht der Mensch Paradies? Er hat doch Erde! Warum hat er Angst vor Hölle? Hat er auch auf Erde! Erde ist Paradies und Hölle. Was will der Mensch? Das Leben, wenn gutgeht, fünfundzwanzigtausend Tage, etwas mehr, etwas weniger. Kann man sich nicht beklagen. Zigtausendmal die Sonne. Zigtausendmal den Mond. Es genügt, sage ich. Mehr muss nicht sein. Wozu dann noch einmal ein Leben? Und auch noch ein ewiges. Und auch noch im Paradies. Mensch ist dumm und arrogant. Hat ein Leben. Will noch ein Leben. Aber besser. Wird Gott verzweifeln bei so viel Frechheit. Du anderer Meinung?“

    Da sind die Geschichten vom ganz normalen Leben, von Anna, die nach dem Krieg in das Land des allergrößten Wunders gerät, das Deutschland des Wirtschaftswunders und die dann, weit weg von allen Wundern, ihr Allerweltsleben lebt, sie „gab nicht auf, arbeitete, schuftete ohne viel zu schlafen auf mehreren Arbeitsstellen gleichzeitig, war Bürobotin, Parkhauswächterin, Fabrikarbeiterin, Würstchenverkäuferin, hatte rund um die Uhr ein Dutzend Putzstellen, Privat und in Büros, Privat tags, Büro nachts, mähte Rasen, schnitt Hecken, säuberte Swimmingpools, liebte Männer, wurde betrogen, verlor ihr Erspartes in großzügiger Gastlichkeit, rappelte sich wieder auf, gebar Kinder, zog sie auf, überstand alles, lebte ein abenteuerlichen Leben, und wenn sie scheiterte, sagte sie: Es ist wie es ist.“

    Geschichten, von psychisch und physisch Versehrten, die nicht wissen wie sie weiterleben sollen. Die anfangen Rollen zu spielen, eigene oder andere, die sich in dem Sanatorium vor dem Tod verstecken oder ihn dort erwarten, vielleicht, weil man mit dem Tod im Lieben besser fertig wird. All diese Geschichten werden von einem thematischen Kern zusammengehalten werden. Ein Kern, der es mir zu Beginn schwer gemacht hat, an dem ich mich gewöhnen musste und der dann immer wichtiger wurde, den ich immer besser verstanden habe, ohne ihn allerdings ganz zu verstehen: Aufstehen und Weiterleben.

    Dieses Aufstehen und Weiterleben hat einen mechanischen Anteil. Das normale Weiterleben, für das man gar nicht erst aufstehen muss. Einen Anteil, den man oft leichten Herzens absolviert, man ist motiviert, verdient Geld oder Anerkennung oder hat eins Mordsziel vor Augen, man hat am Abend zuvor entdeckt, dass man seine Frau noch immer liebt oder weiß, dass man mittags einen Ziegenkäse zu essen bekommt, den man sehr schätzt, man mag es, wie er auf der Zunge schmilzt und man spürt in diesem Moment , dass man zu einem nicht unwesentlichen Teil mit der Zunge lebt. Aber dann gibt das es noch einen anderen Anteil, den man nicht jeden Tag spürt, weil man es nicht ertragen könnte, dann und wann aber spürt man es und dann spürt man, wie schwer das ist: aufstehen und weiterleben. Weil man nämlich nicht auf diese eine Art lebt: in den Tag hineinlebt. Weil man dann auf eine andere Weise lebt: aus ihm heraus. Nicht, dass das Leben auf sein Ende zuläuft ist die Bedeutung, sondern dass man wider dieses Ende leben muss. Dass das Ende dieses Leben sinnlos macht und man dagegen anleben muss.

    Die Geschichte des jungen Mannes, zum Leben verurteilt und zum Sterben gezwungen, zerfällt zugunsten dieser anderen Geschichten. Das wenige, was man erfährt, wird sogar noch weniger. Es zerfällt etwas. Das lineare Erzählen zerfällt in einzelne Blöcke, in ein Kompositum, die Beschreibung eines Bildes, wo alles zu gleicher Zeit das ist. Wo der Tod immer anwesend ist. Man hat alles so wahnsinnig wichtig genommen, ob man diese oder andere Blumen im Garten hat, diese oder eine andere Uhr am Handgelenk, ob die Zeit im Kreis geht oder um die Ecken schleicht.

    Diese Sinnlosigkeit der Welt, des Alltags: das versteht vielleicht nur der, der einmal ernsthaft krank gewesen ist, der, wie es so euphemistisch heißt, mit dem Tod gerungen hat. Es ist kein Geheimnis, dass Dieter Forte hier sein eigenes Schicksal verarbeitet hat, Erlebnisse aus jungen Jahren, die offenbar lange haben liegen müssen, bis der Autor in der Lage war, diese Ereignisse und Empfindungen in Sprache zu übersetzen. Eine Übersetzung, die ein Autor immer leisten muss, eine Anstrengung, die ein Leser niemals erfährt. Dieser Text ist sicher keiner für jedermann, aber welcher Autor, der ernsthaft Wert auf sich und sein Können und Schreiben legt, will schon für jedermann sein? Das ist ein großer Erzähler.

    Der Leser hat es mit einer in hohem Maß durchgearbeiteten, geschliffenen Sprache zu tun, wie sie oft nur von der Lyrik her kennt, wie man sie bisweilen auch kaum ertragen kann, die Sprache des Romans, ja selbst wissenschaftliches Schreiben ist durchdrungen von Füllwörtern, Worten, die Einhalt gebieten, die sagen; hier geht’s nicht weiter. Wir machen mal ein Wort lang eine Pause. Solche Pausen macht Forte wenige. Es ist eine atemlose Sprache.

    „Das Meer lag in der tiefen Nacht in einem schweren ruhigen Atem, in einer Stille wie vor der Geburt, während das herausgestoßene, abbrechende Todesatmen eines Menschen den Tag erwartete, das Licht weit hinter dem Meer, das wie ein jahrtausendealter schwarzer Stein unter den Sternen schlief.“

    Der Bücherblogger hat gleich vier Teile zu dem Buch geschrieben.

    Bei Kommentaren bitte beide Worte eigeben. Auch wenn das Captcha etwas anders behauptet. Ich finde gerade den richtigen Schalter nicht.

    Dieter Forte, Auf der anderen Seite der Welt
    Fischer Verlag
    Preis € 19,90

    ISBN: 978-3-10-022116-2





    25 Juni 2011

    Erfahrung als Problem

    Anfang dieser Woche hatte ich einen Termin bei meinem Prof. Ich gammelte vorher im Institut herum. Um ehrlich zu sein, ich war angespannt. Ich bin immer etwas angespannt, wenn ich dort einen Termin habe. Das ist auch gut so. Man sieht mir die Anspannung allerdings nicht an. Es sieht aus, als gammele ich. Anders als das flanieren, das eine Lebenseinstellung ist, ist das gammeln eine Einstellung zum Tod. Vielmehr ist es gar keine: einfach Zeit totschlagen. Ich stand also wild um mich schlagend, gammelnd und angespannt im Institut am „Schwarzen Brett“. Dort werden Jobs und Praktika ausgeschrieben. Es gab ein Praktikum bei einer Berliner Literaturagentur. In der Spalte Arbeitsbereich stand dort: Manuskripte begutachten; in der Spalte Erfahrung stand: wenig. Um die Manuskripte in dieser Agentur zu begutachten, braucht man nur wenig Erfahrung. Man muss die vermutlich nur lesen und dann entscheiden, ob sie gut sind oder nicht.

    Diejenigen, die über die Qualität von Manuskripten entscheiden, brauchen nicht viel Erfahrung. Weil Erfahrung stört. Erfahrung ist das, was alte Männer haben und das klingt nach Resignation und Lebensüberdruss, Haarausfall und Prostatabeschwerden. Das hört sich nach Scheitern an. Wie soll man das, bitteschön?, seinem jungen Publikum klarmachen? Die wollen junge, frische, neue und wilde Literatur. Erfahrung stört womöglich überhaupt bei der Literatur, nicht nur beim anfänglichen Begutachten von Manuskripten. Auch beim Schreiben stört sie. Sie stört beim Lesen. Das stört, wenn man beim Lesen denkt: Mensch ist das langweilig, langwierig, langatmig! Erfahrung stört überhaupt. Überall da wo man originär etwas erfahren oder erleben könnte, steht sie einem im Weg. Sie stört auch im Leben. Warum nicht immer wieder von vorne anfangen? Warum nicht immer dieselben Fehler machen, immer auf dieselben Männer und Frauen reinfallen? Reinfälle haben ja auch ihren Reiz.

    Da liest also die nahezu erfahrungs- und ahnungslose Praktikantin so ein Manuskript, zwanzig, dreißig Seiten und ein Exposé. Was kann in so einem Textauszug passieren? Ein bisschen Liebe, ein bisschen Sex und ein bisschen Tod. Ein bisschen Handlung, ein paar Sätze und einige Abschnitte und Charaktere, was man so braucht und unterbringen kann. Ein bisschen Ordnung und ein bisschen Anarchie, ein paar Andeutungen und Umdeutungen, ein Anfang und ein Ende, etwas eloquentes, elegantes, ordinäres und ohnmächtiges. Und wenn sie dann, die Praktikantin nämlich, auf die geringste Erfahrung stößt: Zack! Raus mit dem Mist!

    Später, wenn es gedruckt ist – also die anderen Manuskripte, die, die es nicht bis zur Ablehnung geschafft haben – wenn es irgendwo im Buchhandel oder im Prospekt herumliegt und sich nicht verkauft, dann kommen sie alle an. Dann war der Text doch nicht erfahrungslos genug, dann muss sich irgendwo zwischen den Zeilen eine Erfahrung versteckt haben, die allen entgangen ist. Sie alle haben es übersehen und dann wird der Autor oder die Autorin verflucht, die sich unrechtmäßig eingeschlichen hat. Die Autorin, die einfach nicht in der Lage war, den derzeitigen Strebungen des Literaturbetriebs zu entsprechen und den Wunsch des jungen Publikums nach vollständiger Erfahrungslosigkeit zu erfüllen. Also gilt es, das Übel bereits an der Wurzel zu fassen:  Erfahrung ist eben ein Problem.

    Die Leute bei der Literatur Agentur gehen vielleicht davon aus, dass über kurz oder lang sowieso keiner mehr Bücher liest und sie fangen gleich selbst damit an. Indem sie damit aufhören. Oder sie bewerten die Manuskripte nach der Farbe der Umschläge. Grün liest ja heute keiner mehr. Gut, das ich einen Verlag habe und gut auch, dass ich nur in Magenta schreibe.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    19 Juni 2011

    Warum immer so sexuell? Oder: Idealität und Realität der Welt

    Auf meinen letzten Artikel hin schrieb mir einer, der sich Trollinger nannte und fragte mich: „Warum immer so sexuell?“ Ich antwortete ihm und war mit meiner Antwort auch zufrieden. Ich war so zufrieden, dass ich es schade fänd, wenn das nun ohne weitere Beachtung im Orkus der ungelesenen Kommentare verschwände. Also wird’s befördert (mit einigen, wenigen Veränderungen). Man kann diesen Artikel nur verstehen, wenn man den vorhergehenden zur Kenntnis genommen hat.

    Lieber Trollinger,

    Sie fragten: Warum immer so sexuell? Das ist keine unberechtigte Frage. Ich nehme sie auch ernst und versuche sie zu beantworten.

    Generell kann eine solche Antwort zwei Wege gehen: Erstens: weil die Welt, also die Menschen, nun einmal so sind, sie sind sexuell. Zweitens: weil die Welt nicht so ist wie die Menschen es gerne hätten: sie sind nicht sexuell genug. Im ersten Fall könnte man sagen, ist die Welt ideal; oder nahezu ideal. Im zweiten Fall ist sie real; oder nahezu real. Das muss vielleicht jeder für sich entscheiden. Ich kenne Ihre Welt nicht, ich kenne meine – und ich vermute, dass wir, Sie und ich und wir alle, die jeweils unsrige Welt als die Welt wahrnehmen, die die einzige ist und sie so generalisierend die Welt nennen – und ich würde sagen: wenn in dieser einzigen Welt von irgendetwas nicht zu viel vorhanden ist, dann vom Glück, von der Lust und der Liebe. Ich glaube, ich bin sogar sicher, dass mehr Unglück, mehr Unlust und mehr Hass in der Welt sind.

    Ich antworte ganz direkt und offen auf Ihre Frage: wir sind immer so sexuell, um es uns ein bisschen schöner zu machen! Um ein bisschen mehr Glück und Lust und Liebe in die Welt zu bringen. Also in unsere Welt. Möglicherweise aber ist all das Unglück nur deswegen in der Welt, weil wir davon träumen, mehr Glück zu haben. Damit habe ich Ihre Frage beantwortet, nach bestem Wissen und Gewissen.

    Ich habe nun auch meinerseits eine Frage: Ich habe Ihnen in meinem Artikel zwei Alternativen vorgeschlagen, nicht versteckt, sondern offen und sogar in der Überschrift präsent: Kino oder Bett? Wenn Sie also jetzt nur die eine sehen und kritisieren, die sexuelle nämlich, das Bett, und die andere, die nicht sexuelle, das Kino, gänzlich unterschlagen, muss ich meinerseits Ihnen nun die Frage stellen: Warum immer so sexuell, Herr Trollinger?

    Ich kann Ihnen diese Frage auch beantworten. Sie beantworten sie vielmehr schon selbst. Warum glauben Sie, so war Ihr Vorschlag, will der Mann sich einen Bart stehen lassen? Natürlich, weil es männlich ist – oder glauben Sie vielleicht, weil er im Gesicht friert? -.  Sich einen stehen lassen: das sind Ihre Worte! Weil er will, dass die Frauen das männlich, also sexy finden. Die Antwort auf die Frage lautet: weil die Welt nun mal so sexuell ist. Weil die Welt ideal oder real ist, annähernd ideal und annähernd real. Das ist einerlei. Wir machen sie uns dann schon so zurecht wie sie uns passt, insgesamt nämlich ein bisschen mehr oder weniger sexuell. Und das geschieht ein wenige offener – wie bei mir – oder ein wenig versteckter – wie  Ihnen -. Das eine ist nicht schlechter als das andere. Es ist nur unterschiedlich.

    Deswegen gibt es vielleicht die Sexualität: weil man ihn ihr vom einen wie vom anderen, von der Idealität wie von der Realität der Welt, ein wenig Abstand nehmen kann. Und ein wenig Abstand von der Welt: das ist doch nicht schlecht oder?

    Ich hoffe nun, Sie finden meine Antwort nicht flapsig. So ist sie nicht gemeint. Es war eine ernste Antwort auf eine ernste Frage. Und ich bin auch ganz zufrieden damit. Ich bin geradezu glücklich!

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    17 Juni 2011

    Kino oder Bett

    Ich könnte noch eine andere Kategorie einrichten und sie “Vermutungen” nennen. Im Vorbeigehen höre ich oft Halbsätze. Sätze jedenfalls, wo ich den Zusammenhang nicht kenne. Heute zum Beispiel sagte ein junger Mann zu einer jungen Frau, beide etwa Anfang zwanzig, auf der Straße:

    „Ich kann nicht. Da hat meine Freundin etwas dagegen.“

    Mein Kopf spinnt sich sofort eine Geschichte zusammen. Sie hat ihm soeben angeboten, gemeinsam irgendwohin zu gehen, ins Kino oder ins Bett. Er will. Aber er weiß nicht, wie er das seiner Freundin sagen soll. Er lächelt das Mädchen an, er möchte mit seinem Lächeln zeigen, dass er sie mag, dass er mitgehen will, Kino oder Bett, er könnte schon, er will auch, und wie er will!, aber er weiß einfach nicht, wie er das dann mit seiner Freundin machen soll. Also sagt er, dass er nicht kann. Aber er fühlt sich dabei, als könne er alles.

    Ich werde diese Kategorie nicht einrichten. Dann schreibe ich nur noch für dieses Blog. Ich leide nicht darunter, dass ich zu wenige Ideen haben, sondern, im Gegenteil, ich habe zu viele. Ich will und ich muss mich konzentrieren. Kein Kino und kein Bett. Jedenfalls nicht für die beiden. Und nicht in meinem Kopf. Die können sich gerne einen anderen Kopf suchen, wo sie miteinander ins Bett gehen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    16 Juni 2011

    Vergessen machen

    Da wollte ich doch gerade ein Loblied auf meine neue Kategorie singen und betonen, wie gleichermaßen spannend und entspannend es ist, nicht mehr alles, was mir unter die Finger kommt, zu bewerten, es nach seiner Verwertbarkeit zu erfassen und einzustufen. Alles für Dissertation, Roman und Blog zu, wie man heute sagt, scannen, zu durchleuchten; immer wachen Kopfes. Sondern stattdessen, statt des permanenten Denkens, einfach ein Buch aufzuschlagen und ohne darüber nachzudenken einen oder zwei Sätze abzuschreiben. Das scheint nicht zu funktionieren, ie mir Norbert mit seinem Kommentar zu dem ersten meiner Fundstücke deutlich, überdeutlich gemacht hat.

    Ich wollte gerade betonen, wie schön das ist, Worte nicht nach der eigenen Interessenlage einzuordnen und, was man ja sonst im Leben nie oder selten tut, nicht zu bewerten, nicht zu sagen, ob man es mag oder nicht mag: da muss ich feststellen, dass das nicht so einfach ist und dass ich da ganz schnell in die Bredouille kommen kann. Ich hatte das mit den Judenschädeln nicht bedacht. Es wird mir hier wohl kaum jemand eine dumpfe Ideologie vorwerfen. Wer das täte, der hat sich nicht ernsthaft mit meinen Texten beschäftigt. Der ist also falsch hier. Die Problematik ist mir natürlich bekannt, aber ich hatte sie nicht so präsent. Nicht in dieser absoluten Gegenwärtigkeit in der die Deutschen in Deutschland diese Präsenz spüren.

    Um das vergessen zu machen, stelle ich sicher bald den nächsten Beitrag in dieser Kategorie ein. Weil ich sie nicht aufgeben will. Es sind hier in der Bibliothek zu viele schöne Bücher und Sätze und die grundlegende Idee, nicht zu bewerten, ist für mich ein interessantes Experiment. Nur muss ich eben das „nicht“ relativieren. Ich bewerte, wenn ich in Zukunft nicht bewerte, nur ein klein wenig.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    16 Juni 2011

    Biologisch abbaubare Werbeartikel

    Ich sehe es kommen, „Fundstücke“ wird noch meine liebste Kategorie. Das Spannende ist, dass ich hier – und nur hier – keinen Unterschied zwischen meinen Interessen und meinen Desinteressen mache.

    Das Folgende ist der Titel einer Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades doctor rerum agriculturarum, und den finde ich gleichsam hochliterarisch und mache mich erst gar nicht auf die Suche nach einer besseren Formulierung:

    „Einsatzmöglichkeiten eines biologisch abbaubaren Werbeartikels mit integrierten keimfähigen Pflanzensamen in der Werbung zur Kommunikation des Nachhaltigkeitsgedanken“

    Tim Schäfer, Titel wie oben, Berlin (offenbar in der Universitätsdruckerei der HU gebunden und auch veröffentlicht, also Berlin, 2006)

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    15 Juni 2011

    Schädelsammlungen

    Ich habe eine neue Kategorie: Fundstücke. Ich gehe im Grimm Zentrum jeden Tag an einer Million Bücher vorbei. Ich muss mich dort konzentrieren. Manchmal fallen mir allerdings Bücher in die Hand, die mich interessieren könnten. Ich nehme auch schon mal Bücher aus dem Regal, die mich nicht interessieren. Weil mir der Titel gefällt. Oder weil er mir nicht gefällt. In dieser Kategorie mache ich hier keinen Unterschied zwischen solchen Dingen. Ich schlage die Bücher einfach auf und zitiere den ersten Satz der mir ins Auge fällt. Oder den zweiten, an meinem Augen fällt nämlich auch viel vorbei.

    „In unseren großen Sammlungen finden sich mehr Schädel von den entlegenen Inselgruppen der Südsee und von den unbedeutendsten afrikanischen Negerstämmen, als von den Juden. Und doch sind die wenigen Judenschädel, die ich selbst in Händen gehabt und gesehen habe, so interessant und schön, dass ich in allem Ernste meine, die Juden müssten schon aus Nationalstolz danach trachten, möglichst große Serien, hunderte und tausende von ihren Schädeln in Museen zu deponieren, anstatt sie elend in der Erde vermodern zu lassen.“

    Aus: Anja Laukötter, „Von der ‚Kultur‘ zur ‚Rasse‘ – vom Objekt zum Körper?“, transcript Verlag 2007, Seite 117 (Zitat nach Felix von Luschan, Anleitung zum ethnologischen Beobachten und Sammeln, Berlin 1914)

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    14 Juni 2011

    Torik tot?

    Mitnichten! Ich hatte lediglich viel zu tun. Zehn Tage keinen Eintrag, das hat es allerdings noch nicht gegeben seit ich hier das Zepter in der Hand habe. Vielleicht bin ich doch schon tot? Woher soll ich das wissen? Woran merkt man sein Totsein? Daran, dass man nichts mehr merkt? Das kann man ja nicht merken. Vielleicht kann man das nicht merken, weil beim Totsein alles wie immer ist. Während sonst immer alles ganz anders ist. Oder umgekehrt?

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    05 Juni 2011

    Machtlosigkeit

    Die vielleicht fatalste Form der Machtlosigkeit ist das Mitmachen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.