22 April 2011
Ostern – Paşti
Die Etymologie in der Limba română ist, anders als in der Limba germană, lateinisch: Pascha. Ostern gehört von der Datierung her zu den beweglichen Feiertagen. Im Gegensatz zu anderen westeuropäischen Ländern, die sich am gregorianischen Kalender orientieren, wird in den orthodoxen Kirchen der osteuropäischen Länder bei der Berechnung des Osterdatums am julianischen Kalender festgehalten. Im vergangenen wie in diesem Jahr sind es dieselben Daten. Das Ganze ist ein bisschen komplizierter und zeigt noch heute, woran wir nicht mehr gewöhnt sind, welch enorme Synchronisationsleistung ein Kalender ist. Wem das nicht reicht, wer ein philosophisches Werk und eine These braucht, der sollte Norbert Elias lesen, Über die Zeit.
Ostern ist das wichtigste religiöse Fest in România. Das wird wie Weihnachten in ganz Europa ähnlich gefeiert. Es gibt bei uns den Karfreitag und den Ostermontag. Es gibt gefärbte Eier und selbst in einem Agrarland, wo man die wesentlichen Zusammenhänge kennt und weiß, dass Eier von Hühnern gelegt werden, spielt der Osterhase eine kleine Rolle. Frauen werden, wie in vielen Gegenden mit slawischen Traditionen, mit Wasser bespritzt und symbolisch von den Männern mit einer Rute geschlagen. Angeblich werden sie dadurch schön. Als Dank bekommen die Männer von den Frauen und Mädchen ein bunt bemaltes Ei geschenkt. In manchen Gegenden zieht man in der Osternacht mit Fackeln durch den Wald.
Über Ostern tut sich hier nicht viel. Also ich tue nicht viel. Ich habe die Arbeit bereits an den Nagel gehängt. An dem Nagel hängt inzwischen einiges: der biegt sich bedenklich. Ich werde dennoch ein wenig am Schreibtisch sitzen. Ich muss einen Brief an meinen Prof schreiben und dieser Brief will wohlformuliert sein. Ich muss mich, mit der Absage für das eine im Nacken, für ein anderes Stipendium bewerben. Es warten angefangene Blogtexte auf mich. Ich muss für die Diss einen Text lesen und noch eine Handvoll andere Dinge tun. Ich muss Kontakte zu den Freunden in Rumänien halten, sonst habe ich bald keine mehr. Es gibt ein kleines WG-Frühstück. Ich möchte über Ostern mein Leben so banal wie möglich gestalten, auch wenn es das schon von Natur aus ist. Man muss das Leben mit seinen eigenen Waffen schlagen.
Zur Kommentarfunktion: Es gibt immer noch Schwierigkeiten, die auch erst in der Woche nach Ostern gelöst werden können. Wenn Sie einen Kommentar eingeben wollen, müssen Sie, auch wenn dort etwas anderes steht, beim Captcha beide Worte eingeben. Ich denke allerdings, dass Sie dasselbe tun werden wie ich, sich aus dem Netz heraushalten.
Das neue Lesezeichen von Litblogs ist da. Das ist ein schönes Tool, dass Christiane Zintzen und Hartmut Abendschein dort anbieten.
Und dann steht da noch einen Posten auf meinem Zettel, der nicht unwichtig ist: Hummeln anfassen. Man muss mit den Händen einen Hohlraum um die Hummel bilden, mit einer kleinen Öffnung, die man sich dann ans Ohr hält. Wie eine Muschel. Hummeln können einem nichts tun. Wollen die auch gar nicht. Die bekommen auch keine Panik. Die leben einfach so vor sich hin. Das will ich die kommenden Tage auch versuchen.
Paşte fericit!
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: April 22nd, 2011 unter Allzupersönliches, mittel












Pingback von hummeln auf psychedelischen wassern | Irisnebel
Datum/Uhrzeit 22. April 2011 um 11:17
[...] Als die Musik zu spielen beginnt, falle ich kopfüber aus dem Bett. Die Katze hat dein Frühstück bereits zur Hälfte geschleckt… [...] Hummeln anfassen. Man muss mit den Händen einen Hohlraum um die Hummel bilden, mit einer kleinen Öffnung, die man sich dann ans Ohr hält. Wie eine Muschel. Hummeln können einem nichts tun. Wollen die auch gar nicht. Die bekommen auch keine Panik. Die leben einfach so vor sich hin. [...] (ein wunderbares Bild, gefunden bei Aléa Torik) [...]