12 April 2011
Das Blog scheint wieder zu funktionieren
Könnten Sie dies hier, wer immer sich da jetzt angesprochen fühlt, bitte versuchsweise kommentieren? Von meinem Computer geht’s, aber ich möchte gerne wissen, ob Ihre Kommentare, die ja als Mails an das Programm gesendet werden, auch tatsächlich auf Ihren Rechnern erscheinen und dann an micht gehen. Sie, die Kommentare, müssten jetzt auch sofort im Blog erscheinen und nicht erst durch mich freigeschaltet werden.
Keiner Ihrer alten Kommentare ist in meinem System gespeichert. Leider. Können Sie das vielleicht noch einmal einstellen? Ich würde mich freuen.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: April 12th, 2011 unter Allzupersönliches, kurz












Kommentar von avenarius
Datum/Uhrzeit 12. April 2011 um 10:07
Geschrieben am Mittwoch, den 30. März. Gesendet gegen 19 UHR
Liebe Alea,
ich bin aus Ossetien zurück.
Es stimmt, dass Kitsch vor lauter Realität keine Wirklichkeit hat. Ich halte ihn auch für geschichtslos, füge ich noch ergänzend hinzu. Obwohl dies die Sache nur kompliziert.
Problematisch ist Kitsch, weil er voller Erwartungen ist. Er k a n n voller Erwartungen sein.
Leute wie Damian Hirst oder Jew Koons wissen das. Jeder Gigolo weiß das.
N. war schon mit einem der ersten Busse in die Stadt gefahren. Es waren Besorgungen zu machen, Besorgungen für die anderen und für sie selbst. Die anderen, das war ihre Familie im Dorf. Weil sie alles zeitig beisammen und erledigt hatte, suchte sie eine ruhige Stelle, um die gewonnene Zeit ungestört an sich vorbeirauschen zu lassen. Zuerst setzte, dann legte sich N. auf die Wiese hinter der Stele des siegreichen Reiters. Unweit waren noch zwei Frauen beschäftigt mit einem kleinen Kind, dem sie behutsam Gehübungen abverlangten. Und ein Mann saß da, der vor sich hin starrte… vielleicht träumte er sich groß? N. begann müde zu werden. Und als flösse die Müdigkeit durch ihre Ohren in sie hinein, übermächtigte sie der Schlaf. Eine Stunde vielleicht lag sie auf der Wiese hinter dem Reiter; ein sametgrüner Ort, der, leicht abfallend, nach hundert Schritten ans Schottergelände des Wochenmarktes stieß. Ihren Kopf dumpf ins sprießende Gras gedrück, den Körper drehend gedehnt, angenehm verrenkt, so war sie in den weißlichen Strahlen dieses sonnigen Vormittags gelegen. Es ist kühl im noch empfindlichen Licht dieses März. Oder es ist kalt. Sie fror, weiß, wunderbar weiß. Über ihr war ein Himmel, so makellos blau.
Als N. erwachte war sie allein. Von der Wiese führte zur Stele ein travertingeblätteter Weg. N. ging hinauf, um von dort auf den Platz zu kommen. Die mittlere, gerade eben fünfzehnjährige Tochter der Elematarschullehrerin Gajana Prokovieva – Nelja – ging über den Platz. Ein paar Bauern kamen daher, deren verkrustetes Schweigen ihr die Sprache verschlug. Sie brachte es nicht fertig, sich bei diesen hageren Herren nach einer Haltestelle zu erkundigen. Dann fuhr ein Roller heran, auf dem ein Mann saß, der gerne sich auf sie eingelassen hätte; denn als sie ihn stoppte, um die Richtung zu erfragen, belegte sich dessen Stimme. In seinen Augen war es gewissermaßen feucht, und es dauerte, bis er endlich mit der Sprache heraus kam, den Weg erklärte. Sie verstand ihn nicht genau, in keiner Hinsicht. Es war aber so, wie ich es schreibe. Es war auch kein Mann aus dieser Gegend, der sich sicher ausgekannt hätte, sondern die Antwort war ungenau und sogar falsch. N. bemerkte bald, wie verkehrt sie ging und dass eine Haltestelle am ganz anderen Ende des Platzes stand. Nicht wie der Mann gesagt hatte, sondern wie sie es selbst feststellte, mit dem Vermögen ihrer Augen. Mit dem Vermögen ihrer Augen erblickte sie die Haltestelle am anderen Ende des Platzes. Da, wo die Straße anfing schlecht zu werden, der Asphalt rissig, die seitliche Befestigung lose, stand das Schild. Aus einem riesigen, seitlich aufgeplatzen und mit Zement gefüllten Tornister ragte es schräge heraus.
Unterm Wellblechdach eines Wetterhäuschens warteten schon Leute. Zwischen diese, vielleicht acht oder neun, platzierte sich N.
„Meine liebe Sonne“, sagte eine ältere Frau zu einer jüngeren, welche ihre Tochter gewesen sein mag, „meine liebe Sonne.“
avenarius