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  • Phorkyas: Liebe Alea, dieses Kommentarfeld hier hatte ich übersehen. Das ist eine sehr runde Sache geworden, Ihr Roman, wie ich finde – das lange Leiden und Feilen hat sich also gelohnt. Mir hat die Beschreibung von Marijans Mobilitätstraining sehr gefallen. Ich weiß nicht, ob Sie das schon...
  • Aléa Torik: Lieber Avenarius, vielen Dank für die wohlmeinenden Worte. Die tun mir mehr gut als Sie glauben mögen. Ich werde weitermachen, weil es auch für den nächsten Roman wichtig ist. Und ich werde wohl die Kommentarfunktion deaktivieren. Das ist eine schwierigere Entscheidung als man...
  • avenarius: Liebe Alea, im Verhältnis zu Ihrer vorherigen Präsenz haben Sie sich bereits aus dem Netz zurückgezogen. Aber warum sollte ein Blog nur wegen verminderter Aktivität aufgegeben werden. Ich würde weiterköcheln – auf Sparflamme. Frohe Ostertage wünscht - avenarius
  • Aléa Torik: Liebe Azadeh, dafür gibt es einige Gründe und einige andere, die dagegen sprechen. Ich muss mir noch überlegen, wie ich das formuliere. Einmal für mich selbst und einmal hier, in der Öffentlichkeit. Ich hatte Anfang März schon überlegt, mich gänzlich aus dem Netz zurückzuziehen:...
  • Azadeh Sepehri: Warum denn?
  • Aléa Torik: Liebe Azadeh, ich überlege, die Kommentarfunktion gänzlich auszuschalten. Ich habe mich aber noch nicht entschieden. Aléa
  • Azadeh Sepehri: Liebe Alea, warum kann man unter Ihren letzten Beiträgen keine Kommentare hinterlassen?
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  • 30 Januar 2011

    Die Falschmünzer IV: „Wer wirklich liebt, kann nicht mehr aufrichtig sein“

    Ich schließe meine Auseinandersetzung mit „Die Falschmünzer“ mit zwei Bemerkungen aus dem Romantext. In beiden geht es um die Liebe. Zuerst spricht Monsieur de La Pérouse über seine Frau. Die beiden sind ein altes Ehepaar, das seit Jahren übereinander herfällt und wo der eine am anderen kein gutes Haar mehr lassen mag. Von der einstigen Liebe ist nichts mehr zu spüren.

    „Alles, was sie verkehrt gemacht hat im Leben, legt sie mir zur Last. Alles verdreht sie. Und wissen Sie, das ist ganz einfach zu erklären. Die Wahrnehmungen der Außenwelt bilden sich auf unserer Netzhaut doch verkehrt herum ab, um von einem nervlichen Mechanismus wieder umgekehrt zu werden. Nun, bei Madame de La Pérouse fehlt dieser Korrekturmechanismus. Bei ihr bleibt alles verkehrt herum. Sie können sich vorstellen, wie mühsam das ist.“

    Nun derselbe Sachverhalt, viele Jahre früher. Auch hier dreht es sich um das Richtige und das Verkehrte. Man sucht Worte für seine Liebe, sucht, sich vom anderen zu unterscheiden und definiert sich doch über ihn:

    „Ohne sie, die mir Richtung und Ziel gibt, gewänne meine Person, glaube ich, keine deutlichen Konturen; mein Wesen verdichtet und klärt sich durch sie. Wie bloß konnte ich mich bis zum heutigen Tag der Illusion hingeben, ich formte sie nach meinem Bild? Wo doch im Gegenteil ich es war, der sich ihr anglich; und ich merkte es nicht! Oder vielmehr veränderte sich unser beider Wesen durch eine wunderliche Verschränkung gegenseitiger liebender Beeinflussung. Unwillkürlich, unbewusst formt sich das Wesen von zweien, die sich lieben, nach den Erwartungen des anderen, sucht jeder der beiden Liebenden den Idol zu gleichen, dessen er im Herzen des anderen ansichtig wird … Wer wirklich liebt, kann nicht mehr aufrichtig sein.“

    So, mit dem letzen Satz betrachtet, lieben sich Madame und Monsieur de La Pérouse noch immer. Vielleicht lieben sie sich nur aufrichtiger als früher. Verkehrtherum oder richtigherum. Wer kann das sagen? Wer könnte sagen, welches der Gefühle das innigere ist. Die Liebe, wenn sie alt wird und gebrechlich, wenn ihr die Jahre des Miteinanders in den Knochen stecken, ist dann nicht mehr so leicht als Liebe zu erkennen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.



    Kommentare

    Kommentar von Phorkyas
    Datum/Uhrzeit 10. Februar 2011 um 00:14

    Zur Liebe etwas zu sagen bin ich leider grad nicht in der Stimmung – aber ich glaube, es war eine Liebesszene zwischen Édouard und Laura, die mir beim zweiten Lesen doch etwas fies papiern vorkam (überhaupt war das Lesevergüngen mehr ein distanziert, ästhetischer Genuß) – wobei ich es wieder herrlich fand, wie Édouard seine eigene Verlogenheit in seinem Verhalten Laura gegenüber, das Leugnen seiner eigenen Liebe, seziert…

    Wo doch auch Sex gerade das Thema ist, passt Liebe nicht so ganz? Leider habe ich wohl den rechten Zeitpunkt verpasst, jetzt ist eigentlich schon alles gesagt – und ich liebe es doch auch eher still (daher als Selbstaufforderung: http://www.youtube.com/watch?v=owuWXK3RQwA&feature=related – gerade auch von Tom Waits über den es doch einmal im Dschungel hieß: “So, wie mich auch der ordinäre Geruch um Tom Waits’ wochenlang getragene, gelb verfleckte Unterhemden abstößt, diese Mischung aus Bieratem und Larmoyanz, dieses gestoßene, aber selbstbefeierte Proletentum – das eben nicht Proletariat meint, sondern die Affirmation des proletarischen Zustands.” Tja, dieser ästhetisch-poetische Rigorismus des Dschungelherrns. Manchmal liebe ich ihn ja dafür, und es ist vielleicht auch Treibstoff für seine Kunst, aber manchmal wie hier hätte ich doch gerne widersproschen, wo es doch so wundervolle Lieder gibt von Waits wie: http://www.youtube.com/watch?v=iuFHsIBMcsg [aber da war ich wieder zu spät, s.o. {..und jetzt sollte ich die Klammerstruktur einmal auflösen bevor es zu unübersichtlich wird}]

    Hoffentlich verbessert sich Ihr Fieberzustand langsam – ich habe einmal fiebernd eine 8 stündige Busfahrt verbracht, bei der im Rückteil des Busses Kinder spielten, der Unmut, nein Haß, den diese Störung hervorrief, an den kann ich mich jetzt 16 Jahre danach noch erinnern -.. so etwas kann einem ordentlich die Stimmung verhageln.

    Lieben Gruß,
    Phorkyas