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  • Silvia Kühnel: Lieber Claus, habe schon mal vor einigen Jahren geschrieben, weil ich die Idee mit der Kunstfigur gut finde. Ein frohes Fest und ein gutes neues Jahr und viel Freude mit dem Stipendium. Silvia (Buchhändlerin in Dortmund)
  • irisnebel: klasse! gratuliere! musst du ne gegenleistung bringen? als stadtschreiber z.b.?
  • nadine schmid: Ich habe mit Thien an der Uni Koeln studiert. Wir ware zeitweise befreundet, aber ich hatte wenig verstaendnis fuer seinen ‘Mangel’ am akademischen Streben und habe, trotz meiner Anerkennung seines Talents, sein Lebensziel, aus seiner Dichtung etwas zu machen, als...
  • bersarin: Es muß natürlich, entdecke ich beim zweiten Lesen, Monika Rinck heißen. Ich kann mir Namen nie merken.
  • Aléa Torik: Ja, Bersarin, seinerzeit hat‘s ziemlich gut funktioniert: es war Literatur und die Leute waren mittendrin. Manche, ohne es zu merken. Manche haben hinterher zufrieden gelächelt, weil sie bei etwas Neuem mitgemacht haben. Oder weil sie selbst zu einer Art literarischer Figur dadurch...
  • bersarin: Literarisches Bloggen, liebe Aléa Torik, funktioniert durchaus. Freilich nur bei den wenigsten. Das meiste, was geschrieben wird, stammt aus dem Klein-Klein der Halbgarküchen, ist Poesiealbumsprosa von Minderleistern, Befindlichkeitsscheiße ohne Form. Ich schreibe dahingehend und als...
  • Aléa Torik: Never ride a dead horse – das hätte auch als Überschrift dieses Beitrags herhalten können. Gestern Nacht bin ich mit dem Rad 35 km durch das ausgestorbene Berlin gefahren, bis weit jenseits der Stadtgrenze. Da ich ziemlich kaputt war, konnte ich dabei nichts denken, aber wenn...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, Du hast überschüssige Energie!? Da werden Dich viele drum beneiden, umso besser also, wenn sie in etwas fließt, was Sinn zu machen verspricht. Was soll man also dazu sagen? Ich sage: Es lebe die Literatur! Und Gratulation natürlich zum vollzogenen Ausstieg aus...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, verflixt, hab‘ ich schon wieder Recht? Ich kann sagen, was ich will, ich habe immer recht. Dabei schrieb ich das eigentlich, um zu provozieren. Entweder lässt sich keiner provozieren oder die Provokation im Netz ist so allgegenwärtig, dass man zu ganz anderen Kalibern...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, da triffst Du mal wieder den Nagel auf den Kopf wie die Faust das Auge: fiktional und ein Sein als solches hat ein literarisches Blog zu sein und nicht einfach noch ein weiterer Mitspieler auf dem Markt- und Kampfplatz realer Eitelkeiten. Als Schriftsteller:in...
  • Aléa Torik: Liebe Miss Lingen, bitte entschuldigen Sie die kleine Verspätung meiner Antwort. Ich war auf anderen Schlachtfeldern unterwegs. Sie haben absolut recht, es ist viel zu komplex. Dabei darf ich mir zugutehalten, es deutlich vereinfacht zu haben. Denn im Original – wenn wir uns darauf...
  • Miss Lingen: Obwohl, wie Sie wissen, ich hier mit Sympathie lese, frage ich doch: ist das nicht alles ein wenig zu komplex?
  • Aléa Torik: Dann bin ich gespannt, was du von dem Essay hältst.
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, die Idee des freiwilligen Ablebens um des Erfolges willen stand ja schon einmal im Raum, aber das nur zu machen, um ausgerechnet auf meine Leseliste zu kommem, nee, da hast Du recht, das wäre schon sehr übertrieben! http://www.litblogs.net/hue...
  • Aléa Torik: Lieber holio, ganz verstehen kann ich die Ottos und Ottisten ja tatsächlich nicht. Vielleicht ist das so, dass Otto und Otta, was ihr Leseverhalten betrifft, auch nicht ganz schlau aus sich werden. Sie greifen immer nur nach dem, wonach auch die anderen greifen. Das zeichnet die...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, man ist ja einiges gewöhnt bei den Autoren. Was die alles tun, um gelesen zu werden, beispielsweise das Schreiben seltsamer Bücher. Ich fände es allerdings doch etwas übertrieben, wenn sich ein Autor nach dem Schreiben seines Buchs sogleich aus dem Leben verabschiedet:...
  • holio: Traurig ist das in der Tat. Und so ganz zu verstehen auch nicht. Im Geräusch des Werdens war der Anknüpfungspunkt für Otto Normalleser ja da. Und die Bălkanexotik ist auch rezipiert und rezensiert worden. Die Sprache ist einfach, der Plot verständlich, erinnere die Szene mit dem blinden...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, noch habe ich Deinen Essay ja nicht gelesen – kommt aber noch! Bin gespannt wie ein Flitzebogen! Und was meine durch eigenes Lesen hervorgerufene Belebung von Texten inzwischen leiblich von uns gegangener Autor:inn:en angeht, so ist es nicht Trost, den ich da...
  • Aléa Torik: Lieber holio, Sie haben recht, die Politik lassen wir hier außen vor. Richtig glücklich bin ja auch nicht mit dem Etikett der Postmoderne. Aber irgendwie müssen wir es ja benennen. Sagen wir Transmoderne. Die wesentliche Information ist allerdings angekommen, schon lange: dass Sie...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • Archiv vom Dezember, 2010

    30 Dezember 2010

    Geld und die Vorstellung, was man alles damit machen kann

    Frau Torik hat mal wieder tiefgehende Einsichten. Aus einer Mangelwirtschaft kommend, betreffen sie dieses Mal das Geld. Geld ist nicht mein Thema. Ich interessiere mich auf eine geradezu fahrlässige Weise nicht dafür. Gestern bin ich übers Ohr gehauen worden. Ich habe es bemerkt und es einfach geschehen lassen. Ich habe mich nicht dagegen gewehrt. Dabei bin ich nicht auf den Mund gefallen. Ich bin auf alle Organe eher gefallen als auf den Mund.

    Geld ist das Zentrum des kapitalistischen Systems. Geld und die Vorstellung, was man alles damit machen kann. Im kapitalistischen Wirtschaftssystem kann man sich nicht ausruhen. Man kann nicht sagen, jetzt bin ich vierzig, fünfzig, sechzig und jetzt habe ich genug Geld. Man kann nicht sagen, jetzt habe ich eine Altersvorsoge, ein Haus oder Kinder, die gut verdienen und die mich, wenn ich alt bin, ernähren. Die Altersvorsorge wird von der Inflation gefressen, das Haus ist nichts wert, weil es zu wenige gibt, die es haben, also kaufen wollen und die Kinder wohnen in Amerika und interessieren sich nicht mehr für die ehemaligen Erziehungsberechtigten. Aus welchen Gründen auch immer, einfach nur, weil sie alt geworden sind, was sie früher nicht waren.

    Das waren die vorbereitenden Worte. Jetzt kommt meine Einsicht: Die Tragik des kapitalistischen Wirtschaftssystems liegt darin, dass man immer dafür sorgen muss, dass das Geld mehr wird. Damit es nicht weniger wird.

    Vielleicht betrifft diese Einsicht gar nicht das System, sondern ist eher individueller Natur. Wahrscheinlich versuche ich lediglich meine eigene Tragik, dass mich das Thema nicht interessiert, zu verdecken. Ich denke an die verlorenen 10 Euro. Und das hat keinerlei Emotion zu Folge. Ebenso gut hätte es sich um einen bedruckten Papierschnipsel handeln können. Es hat sich ja auch um einen solchen gehandelt. Ich habe eben die Vorstellung nicht, was man alles damit machen könnte. Und die ist, nicht nur für das kapitalistische System zentral.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    24 Dezember 2010

    Eine Lebensregel

    „Es gibt keine „Lebensregel“, von der man nicht sagen könnte, es wäre weiser, statt sie zu befolgen, das Gegenteil zu tun.“

    André Gide, Tagebuch zu „Die Falschmünzer“

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    21 Dezember 2010

    Es ist nicht das Leben selbst, das schön ist

    Ich wünsche allen Lesern und Leserinnen ein schönes Weihnachtsfest und einige geruhsame Tage, bevor dann, wie jedes Jahr, das neue mit Wucht über uns hereinbricht. Lassen Sie es sich gut gehen, legen Sie die Beine hoch. Machen Sie einen Spaziergang. Lesen Sie ein Buch. Achten Sie auf sich und auf die, die Ihnen etwas bedeuten. Und denken Sie daran, es ist nicht das Leben selbst, das schön ist: Es ist unsere Lust daran. Das Leben unterscheidet sich möglicherweise nur in einem Punkt vom Nichtleben, dem nämlich, dass das eine mit, das andere hingegen ohne Lust geschieht.

    Ich werde mich in den kommenden Tagen, wie bereits in den vergangenen, etwas zurückhalten. Vielleicht kommt ein Eintrag zu „Die Falschmünzer“ oder mir begegnet etwas, was ich beschreiben möchte. Für mich steht die Zeit bis Neujahr ganz unter dem Eindruck der Überarbeitung meines Textes.

    Ich hoffe, Sie alle im neuen Jahr wohlbehalten hier wieder anzutreffen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    18 Dezember 2010

    Wie es hätte heißen können

    Ich danke allen für die Glückwünsche und das rege Interesse, dass sie mit der Suche nach einem Titel für das Buch gezeigt haben. Statt jeden Beitrag einzeln zu kommentieren, statt an einzelnen Schachbrettern zu stehen und mit jedem Gegner im Zweikampf gegenüberzustehen, zettel ich jetzt eine Massenschlägerei an. Auf die Gefahr hin, dass das jemand unweiblich findet. Aber, wie gesagt, da ist ja noch das Netz dazwischen, das so manchen Schlag abfedert.

    Es bleibt festzustellen, dass „BERLIN AM MEER“ von den meisten favorisiert wird, nicht nur von Melusine und Iris Nebel. Auch von mir selbst (da füge ich jetzt keinen Link ein).  Auch Ulrike, die sich noch entscheiden wollte (und sich jetzt entschieden hat) findet diesen Titel ansprechend. Wie das mit dem Urheberrecht aussieht, weiß ich (noch) nicht genau. Da gibt es die einfache Möglichkeit, mit den Leuten zu reden, die sich den Titel haben schützen lassen. Ich beziehe mich in meinem Roman nicht auf den Film, den ich gar nicht kannte und nicht kenne, ich erwähne die Galerie. Und die gab es schon vor dem Film. Außerdem gibt es von dem Maler Werner Heldt ein Bild das “Berlin am Meer” heißt (1946: Berlin am Meer, Öl auf Leinwand, 42 × 72 cm, Privatsammlung Hannover). Entweder haben die Filmleute eine Urheberrechtsverletzung begangen oder Bilder kann man nicht schützen lassen. Das Buch könnte auch heißen „BERLIN, AN EINEM MEER“. Das Wort Berlin ist definitiv ein Magnet. Und das nicht nur in Berlin und in Deutschland: Der Leser und die Leserin bemerken: ich greife bereits nach den Übersetzungen. Ich greife nach dem Ausland! Wie wäre es mit „BERLIN UND DAS AUSLAND“?

    Etwas Intellektuelles wollte Norbert Schlinkert, um den anderen zu zeigen, „wo der Hammer hängt“. Wie wäre es denn dann mit „WO DER HAMMER HÄNGT“?

    Die Assoziation zum blinden Klavierspieler aus Joyce Ulysses, von parallalie vorgeschlagen, ist interessant. Ich könnte es „DER BLINDE KLAVIERSPIELER“ nennen. „EIN MEERFERNES BÖHMEN“ gefällt mir ausgesprochen gut, aber leider soll es ja die Nähe zum Meer transportieren und es ist auch nicht in Böhmen situiert. Wenn das Buch nicht Berlin am Meer heißen kann, könnte es vielleicht „EIN MEERFERNES BERLIN“ heißen (mehr Fairness in Berlin?). BÖHMISCHE DÖRFER“ ist auch gut, vielleicht könnte man das ausreizen und „BLINDE UND TAUBE IN BÖHMSICHEN DÖRFER“

    „EIN GEWISSES MASS AN BLINDHEIT“ vom Bücherblogger vorgeschlagen, relativiert bereits im Titel. Und Blindheit, wer‘s erlebt hat, weiß es, ist keine relative, sondern eine umfassende, absolute Blindheit, die, wie ich zu beschreiben versuche, die gesamte Existenz ergreift. Wer mein Buch gelesen haben wird, Futur II, wird das erkennen. “IN DER WELT OHNE AUGEN LIEGT BERLIN AM MEER” widerspricht leider der Entwicklung in meinem Roman. Und es ist zu erklärend, zu edukativ.

    „AUSLÖSCHUNG“, von Bersarin, wäre auch gut, ist aber schon vergeben! Sehr schön, dass dabei der Artikel weggelassen wurde. Das ist übrigens auch ein gutes Buch. Hier muss ich vehement wiedersprechen, die Kritik an “Feuchtgebiete” kann ich nicht unterstützen, das Buch ist Scheiße, aber der Titel ist grandios, eben weil er kein Donaudelta umschreibt. Bersarin: du musst deine alten, also die jungen Fähigkeiten reanimieren. Das ist jetzt wichtig. Du hast dich doch vor Kurzem noch beklagt, dass die alten Zeiten vorüber sind. Jetzt hast du die Möglichkeit noch mal jung zu sein. Also streng dich an!

    „DAS WORT NOCH“ von Dr. Schnocker (ein nahezu neuer Name unter den Kommentatoren), der Titel hat, behauptet er, Wiedererkennungswert. Das kann sein, ist aber ohne jedweden Zusammenhang mit meinem Roman, also nicht einmal ansatzweise. Welches Wort denn? In dem Roman stehen etwa 120 000 Wörter. Das können Sie nicht wissen, aber jetzt wissen Sie es. Wenn Sie also je mein Buch kaufen werden, können Sie der Buchhändlerin erzählen, wie es hätte heißen können.

    Syra Stein schrieb mir die ausführlichsten Assoziationen. Da gefällt mir am besten: „DAS DRITTE UFER“. Allerdings habe ich das bereits etwas treffender in einer Kapitelüberschrift die inzwischen lautet „DIE DRITTE HÄLFTE“ (ein Experiment, das letztlich auf NO zurückgeht). Die anderen Titelvorschläge spielen mit der Nähe von Bild und Blind: aber das funktioniert nicht reibungsfrei, weil in den beiden Worten zwei Buchstaben nicht an derselben Stelle stehen. Und eine Klammer in einem Wort, und einem Titel: ich denke, das ist nicht gut, weil man es nicht aussprechen kann.

    Genova schlägt vor. „BERLIN AM MEER” IST SCHON ALS FILMTITEL VERGEBEN. NUR SO RECHTETECHNISCH MAL“ Das gefällt mir, klingt aber zu sachlich und ist auch zu lang.

    NO kommt etwas überraschend, ganz in der Tradition Arno Schmidts (und seit einigen Jahren auch Reinhard Jirgl): „DA SCHA(H)=MANNÄ GUTE NO CHRICHT!“

    Schneck sagt: „SCHWIERIG, SCHWIERIG“. Sie, oder sind wir beim Du?, ich kann mich oft gar nicht erinnern, haben Recht, wenn Sie darauf hinweisen, dass Berlin zwar möglicherweise verkaufsfördernd ist, aber letztlich nicht unbedingt für literarische Seriosität einsteht. Und das ist es, das haben Sie richtig erkannt, worum es mir geht. Ich will gute Texte schreiben ob da nun „A“ oder „B“ als Titel drübersteht, ist nicht weiter von Belang.

    Snöflinga (ein ganz neuer Name unter den Kommentatoren!) schlägt vor, das zu nehmen, was ich früher  als Untertitel wollte und was ich schon aussortiert hatte. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, gefällt es mir immer besser. „DAS GERÄUSCH DES WERDENS“. Das ist zwar ein (pseudo-) philosophischer Titel, aber der Hinweis auf „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ ist ganz zu Recht. Die Leute scheint das nicht abzuschrecken. Selbst wenn, man kann nicht everybodys Darling sein, man schreckt immer ab und zieht aber auch immer an. Und der Text, so sagte man mir, käme in weiten Strecken in einem ruhigen und nahezu philosophischen Ton daher.

    Walter schlägt vor, Berlin und das Dorf im Titel zu nennen „BERLIN – UND WIEDER ZURÜCK“. Das ist nicht unzutreffend, aber doch auch wieder etwas gewunden. „NICHT BERLIN“ hingegen wird es nicht. Keine Verneinungen und Negativismen!

    Thorsten Krämer, per Email, schlägt vor “nach Lektüre des Exposés zu dem Roman und Berücksichtigung aller sonstigen Faktoren” -  “BILDLEGENDE”, das ist gut, weil es sich auf die Bilder der Ausstellung bezieht und weil man jedes Kapitel dieses Romans wie ein Bild lesen und betrachten kann, so dass ich so viele Bilder in der Ausstellung hängen wie ich Kapitel im Roman habe. Dahinein spielt dann auch der Begriff der Legendenbildung hinein, was aber in meinem Roman nicht thematisiert wir. Das wäre der bisher ernsthafteste Anwärter auf einen Titel, neben meinen eigenen Kapitelüberschriften.

    Abschließend sei gesagt, dass ich mich über das Geschenk von Norbert Schlinkert freue, der mir folgende Worte für einen Titel schenkte: “BALD SCHON ODER IRGENDWANN”. Vielleicht brauche ich das noch mal. Wer weiß, wo mich das Leben hintreibt, in welche extremen Situationen und wann mich der Teufel am Schlafittchen zu fassen bekommt, dem werde ich dann sagen, du kriegst mich, bald schon oder irgendwann, aber nicht jetzt. Jetzt habe ich nämlich keine Zeit. Und so ergeht es mir auch gerade, ich bin, was das Blog angeht, nicht sonderlich fleißig, ich stecke bis über beide Ohren in der Arbeit an diesem Roman. Wie hatte ich je auf die Idee kommen können, der sei fertig? Das wird ein lustiges Weihnachtsfest.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    14 Dezember 2010

    Auf der Suche nach einem Titel

    Es gibt gute Nachrichten: Ich habe einen Verlag für meinen ersten Roman gefunden! Er, der Verlag, lag nicht auf der Straße. So habe ich ihn nicht gefunden. Ich habe auch nicht den ganzen Verlag gefunden, sondern nur einen Vertrag mit ihm. Und auch der lag nicht auf der Straße. Ich habe ihn nicht gefunden, wie man vielleicht einen Tausend-Euro-Schein findet. Ich habe den Verlag gefunden, obwohl ich gar nicht gesucht habe. Ich hatte die Suche auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Ein anderer hat für mich gesucht. Es hat sich jemand für mich eingesetzt und der war erfolgreicher als ich mit meinen Bemühungen. Meinem Mentor danke ich sehr!

    Es ist ein kleiner Verlag. Vielmehr ist es nicht ein, sondern mein Verlag. Die Besitzverhältnisse haben sich dort geändert. Ich bin nun Autorin des Osburg Verlages. Im kommenden Herbst erscheint mein Debüt. Ich freue mich darüber. Die Gespräche mit dem Verleger und dem Lektor waren sehr interessant und vielversprechend. Nach eingehender Lektüre bin ich allerdings zu der Erkenntnis gekommen, dass der Text nicht auf der Höhe meiner Fertigkeiten ist. Ich habe mich in den vergangenen zwei Jahren weiterentwickelt. Da kommt also noch Arbeit auf mich zu. Ich werde, daran kann kein Zweifel bestehen, einen exzellenten Roman abliefern.

    Ich brauche einen Titel für den Text. Ohne Titel wäre originell, ist dann aber schwer beim Buchhändler zu bekommen. Ich kenne nur wenige Bücher mit schönem Titel. Dazu gehörten „Feuchtgebiete“, „Morgen in der Schlacht, denk an mich“, „Du bist mein Moskau und mein Rom und mein kleiner David“, „Vom Küssen, Kitzeln und Gelangweilt sein“ und „Lolita“ und natürlich “À la recherche du temps perdu”.

    Zu Beginn hatte mein Text einen beschreibenden Titel: „Der blinde Fotograf“. Ein Blinder kompensiert den Verlust seines Sehens mit einer Kamera und dem Fotografieren. Das ist zwar das Hauptthema, aber dennoch sind es nur sechs von 30 Kapiteln, die direkt aus der Perspektive des Blinden geschrieben sind. Dann hatte ich mich für „Berlin am Meer“ entschieden. Das hat seinen Reiz, weil Berlin nicht am Meer liegt und es ist ein schöner Kommentar zu dem zweiten Thema: seinen Platz im Leben finden. Damit tun sich Blinde oft schwerer als andere; aber es ist kein Privileg von Blinden, sich schwerer zu tun als andere. Es sieht jedoch aus, als sei der Titel urheberrechtlich geschützt. Allerdings ist das auch der Name einer Galerie in der Kollwitzstraße. Dort findet die Ausstellung der Fotografien statt, die der Blinde in den Roman macht. Urheberrecht hin oder her, ich zitiere mit meinem Titel nicht den Film, sondern die Galerie und mit dem Galeristen werde ich schon einig. Da zieht die Frau Torik ein hübsch dekolletiertes Kleid an und macht einen Besuch. Wenn ich eine Lesung machen werde und mir den Ort aussuchen kann, dann möchte ich in dieser Galerie lesen. Allerdings ist auch dieser Titel nicht treffend, der Roman spielt in Berlin, aber zum Ende hin gehen doch zentrale Personen wieder in das Dorf aus dem sie kommen. Sie finden ihren Ort, indem sie einen anderen verlassen.

    „Berlin am Meer“ ist die Überschrift des ersten Kapitels. Ich habe noch weitere Kapitelüberschriften. Da bieten sich vor allem die Kapitel des Blinden an, die alle dieselbe Überschrift tragen „Das Geräusch des Werdens“. Das klingt sehr philosophisch und schreckt vielleicht ab. Außerdem ist es eine Genetivkonstruktion und schließt damit fünfzig Prozent der Bevölkerung vom Verständnis aus. Andere Kapitelüberschriften lauten „Ein mediterranes Fluidum und in der Ferne das Meer“ (mein derzeitiger Favorit) oder „Das Paradies im Zentrum von Apoptygma III“? Beide Titel lassen jedoch keinen Aufschluss über den Inhalt des Buches zu, letzterer klingt nach einem Science-Fiktion-Roman. Wie wär’s mit „Die mesio-bukale des vorderen Höckers des ersten oberen Molars“: das erinnert an Peter Weiss, „Der Schatten des Körpers des Kutschers“. Wer soll das kaufen? Man muss den Titel ja, wenn er nicht gerade auf dem Büchertisch liegt, und da liegen meist die Bücher der großen Verlage; man muss den Titel, wenn man ihn bestellt, nennen, also aussprechen. Wie wäre es mit „Das Verhältnis von Innen und Außen umgekehrt“. Oder etwas kurzes „Diarrhöe und Delirium“ oder „Der Salon Sucre“? In beiden Titeln finden sich allerdings Worte, von denen einige Käufer nicht sicher wissen, wie man sie ausspricht. Auch das könnte eine Hemmung sein, das Buch zu erwerben. Oder sollte man gar nicht nach Käufern schielen? Schielen vielleicht auch die Käufer und deswegen gilt: je schräger desto besser?

    Oder etwas ganz anderes? Haben Sie Ideen? Was könnte Ihnen gefallen? Können Sie Gründe dafür nennen? Ich werde mich über Voten und Vorschläge freuen. Wer immer hier so mitliest, ohne sich je zu Wort zu melden, der hat jetzt eine gute Gelegenheit, etwas zu sagen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    13 Dezember 2010

    Ich bin eine Ausnahmefrau

    „Natürlich“, so schrieb man mir heute per SMS, „sind Sie eine Ausnahmefrau“. Das hatte ich allerdings auch schon länger vermutet, seit heute kann ich es aber auch beweisen. Ist es mir doch, nach mehr als einjähriger Benutzung der Bibliothek, zum ersten Mal gelungen, mir nach dem Packen meiner Tasche, was mangels besserer Gelegenheit auf dem Boden geschieht, beim wiederhochkommen, ausnahmsweise nicht den Kopf am darüber liegenden Schrank zu stoßen.

    Lieber Herr Lichtenberg: Das direkt frontale herausfordernde meines letzten Beitrages (beispielsweise) ist ja auch nur ein Versuch, sich einer männlichen direkten Sprache zu bedienen. Etwas zu draufgängerisch vielleicht. Ich hatte tatsächlich, eine Sekunde, vielmehr war es eine Minute, lang überlegt, ob ich den Beitrag wieder herausnehme, den jüngst vergangenen. Diese Überlegung, etwas einmal Veröffentlichtes zu löschen, hatte ich bisher noch nie. Was wohl zeigt, dass ich in dem, wie ich bin und mich hier darstelle, etwas über das Ziel hinausgeschossen bin. Ansonsten mag ich mich ganz gerne als diejenige sehen, die sich mit allen anlegt. Ich mag, wie Sie wissen, die Schlagfertigkeit. Und ich mag es, mit anderen zu ringen. Dass dies bisweilen wenig feminin erscheint, ist ein Preis, der mir so ganz angenehm nicht ist. Ich bin ja auch nur im Netz so. Privat bin ich, wie Sie wissen, sehr viel friedliebender. Das wissen Sie doch, oder? Übrigens: Was meinten Sie denn mit der Formulierung: „das in Frage stehende Ding“? Das müssten Sie der Ausnahmefrau noch erklären, bitteschön! Aber erklären Sie das so, dass mein weibliches Gemüt sich nicht schamvoll windet.

    Morgen mache ich eine Ankündigung, es gibt eine gute Nachricht, auch wenn da noch nicht alles bis ins letzte geregelt ist.

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    11 Dezember 2010

    Literaturblog und Sexspielzeug

    Dass ich ein Literaturblog führe, bedeutet nicht, dass der Gegenstand meines Interesses die Literatur ist. Der Gegenstand könnte ebensogut jeder andere sein. Sex beispielsweise. Ein Literaturblog zu führen, bedeutet, dass der Zugriff auf den Gegenstand des Interesses ein literarischer ist, wobei der Gegenstand nicht näher bestimmt ist. Es ist gleichgültig, ob ich mich hier über Bücher beuge oder über Sexspielzeug. Und weil es gleichgültig ist, schreibe ich über Bücher. Wenn es nicht gleichgültig wäre, schriebe ich über Sexspielzeug.

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    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    06 Dezember 2010

    Die Falschmünzer I: Das lineare und homogene meistern von Krisen

    André Gide war einer der maßgeblichen Intellektuellen Frankreichs zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, Herausgeber der „La Nouvelle Revue Française“ . Er hat Dostojewski in Frankreich bekanntgemacht und Rilke, er war Schüler von Mallarmé und Freund Paul Valerys. Gegen Ende seines Lebens ist er mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden. Camus nannte in „le contemporain capital“. Der Titel des Romans „Die Falschmünzer“, im Original „Les Faux Monnayeurs“, bezieht sich auf den ersten Blick auf eine Bande adoleszenter Jungen, die Falschgeld herstellen und in Umlauf bringen. Tatsächlich handelt sich um das zentrale Motiv des Textes. Im Zusammenhang von echt und falsch, wahr und unwahr stellt der Text die Frage nach der Bedeutung der Literatur. Fiktionale Literatur ist erfunden und hat dennoch einen Wahrheitsanspruch. Etwas pointierter ausgedrückt: Hätte Literatur diesen Wahrheitsanspruch nicht, wäre sie nicht fiktional.

    Eine der Hauptfiguren, der Schriftsteller Édouard, schreibt an einem Roman der denselben Titel trägt wie das Buch in dem er erwähnt wird. Édouard, darf man vermuten, wird daran scheitern. Er kommt nicht über die Skizzierung seines Projekts hinaus. Diese Skizzen trägt er in sein Tagebuch ein. Das hat auch Gide getan. Die Auszüge daraus sind dem Text angehängt. Damit wird dem Leser vor Augen geführt, was es bedeutet, einen Roman zu schreiben. Diese Notizen sind aufschlussreich, heute, wo der Begriff  “Roman” keine Gattungsbezeichnung mehr ist, sondern ein Verkaufslabel. Édouard scheitert und ob Gide das ebenfalls tut oder vielleicht sogar aufgrund des Scheiterns seiner Figur erfolgreicher ist, kann erst mit der Lektüre entschieden werden. Obwohl Scheitern im Zusammenhang mit Kunst kein schöner, da unscharfer Begriff ist. Wie viele große Romane sind gescheitert!

    „Die Falschmünzer“ ist in einer Zeit entstanden, in der allgemein großes Interesse an den formalen Bedingungen der Gattung Roman herrschte, erkennbar an Rilke, Mann, Broch, Joyce, Kafka, Jahnn. Allerdings, trotz Proust, kaum in Frankreich. Dort ist die existentielle Krise dieser Gattung, wenn ich die Situation richtig einschätze, erst sehr viel später vom Medium selbst wahrgenommen worden; dann allerdings weit radikaler als bis dahin, mit dem nouveau roman. Den Falschmünzern ist bei seinem Erscheinen keine Begeisterung entgegen geschlagen. Die damaligen Rezeptionsgewohnheiten waren an den Realismus gewöhnt und der kannte nur die chronologische Erzählweise. Diese vermittelt dem Leser eine homogene Konstruktion des Subjektes, das zwar seine Krisen hat, diese aber – linear und homogen – meistert und nach der Katharsis erstarkt aus dem Konflikt hervorgeht. Eine solche Erzählweise, eine solche Konstruktion des Subjektes ist mit Gide nicht mehr zu erreichen.

    Der Text ist in drei Teile unterteilt, der erste und der letzte sind in Paris situiert, der mittlere in der Schweiz, in Saas – Fee. Die einzelnen Kapitel sind kurz, es gibt kaum durchgehende Erzählfäden. Gide setzt vielmehr mit jedem Kapitel neu an. Er entdeckt dem Leser immer andere Verhältnisse und Abhängigkeiten zwischen seinen Figuren. Wir haben keine Hauptfigur, wir haben eine Handvoll Erzählzentren, die nach und nach sehr geschickt miteinander in Verbindung gebracht und ausgebaut werden. Da sind die beiden Abiturienten Olivier und Bernard, die ihre Sexualität entdecken, die Freundschaft zueinander und die Eifersucht, und die beide schreiben wollen. Da ist Édouard, ein mehr oder weniger bekannter Schriftsteller, der seit einiger Zeit Notizen für einen neuen Roman verfasst und der ausführlich Tagebuch schreibt. Als seine Antithese lesen wir Robert Passavant, der ein Modeschriftsteller ist, mehr ein Dandy als ein Literat, er besitzt etwas Dämonisches, er ist womöglich von Kierkegaard „Tagebuch des Verführers“ inspiriert; und er hat, in der Literatur wie auch im Leben, Erfolg. Wenn man im Leben Erfolg haben kann. Man kann vielleicht Karriere machen, man kann seine Haut möglichst teuer verkaufen. Man kann die Liebe seines Lebens treffen, oder ihrer viele. Aber Erfolg? Passavant und Édouard sind in Olivier verliebt, aber Passavant gewinnt dieses Duell und Édouard muss mit Bernard vorliebnehmen, mit dem er jedoch nicht gut auskommt. Passavant ist mit Lady Griffith befreundet, die spaßeshalber mit Vincent, dem älteren Bruder Oliviers zusammen ist und die als junge Frau ein Schiffsunglück überlebte, es auf ein überfülltes Rettungsboot schaffte und dort allen, die noch hineinwollten, die Hände abhackte. Das ist ihre Lebenseinstellung geblieben, Madame ist also ein einigermaßen durchtriebenes Früchtchen.

    Dann sind da ein Dutzend jüngerer Gestalten, auch der kleine Bruder Oliviers, Georges. Das sind noch halbe Kinder, die dennoch in ein Bordell gehen, sich ausnutzen lassen, um Falschgeld in Umlauf zu bringen. Da ist Laura, die einmal in Édouard verliebt war, nun aber verheiratet ist, und die von Oliviers älterem Bruder Vincent geschwängert wird. Da ist La Perouse, der ehemalige Klavierlehrer Édouards, der einen Enkel hat, den er nicht kennt. Édouard verspricht ihm, den kleinen Boris nach Paris zu bringen. Das ist der Grund für die Reise nach Saas-Fee. Dort, in den Schweizer Bergen, ist der Junge in Behandlung bei Sophroniska, die den kranken Jungen nach einer neuartigen Behandlungsmethode kurieren will, der Psychoanalyse.

    Der Stoff wird dem Leser aus zwei Positionen nahegebracht, durch den Erzähler und durch Édouards Tagebuch. Der Erzähler ist kein Vertreter der klassisch allwissenden Art, sondern einer, der an den Taten und Charakteren seiner Figuren bisweilen zweifelt, der eine ironische Distanz zu ihnen pflegt und manchmal ganz froh ist, wenn er sie verlassen kann. Er scheint in keiner Weise Herr, also Erfinder des Geschehens zu sein, sondern nur ein mehr oder minder beteiligter Beobachter. Dieselbe, nicht vollkommen eindeutige Position, hat auch die zweite Erzählinstanz. Zwar ist Édouards Tagebuch eine sehr viel subjektivere Instanz als üblicherweise die des Erzählers, allerdings wird ihm, Édouard, das Tagebuch gleich zu Beginn von Bernard entwendet, der schmökert in aller Ruhe darin herum und weiß Dinge von Édouard, die er nicht wissen könnte: er partizipiert an dessen Erzählposition. Édouard seinerseits ist keine souveräne Gestalt. Er liefert Laura, wohlwissend um die Mesalliance, wenn er sie mit Douvier verheiratet, gleichsam ans Messer. Er kann gewinnt niemandes Interesse an seinem neuen Roman, er glänzt nicht im Vergleich mit Passavant und er kann am Ende nicht verhindern, dass Boris sich von den anderen Jungs in den Tod getrieben wird. Wir haben es also mit zwei, sagen wir einmal, weil die Literaturwissenschaft diesen Begriff gerne nutzt, unzuverlässigen Erzählern zu tun.

    Wir werden sehen, was die uns zu bieten haben. Eines aber haben sie nicht zu bieten: Erotik. Der Roman hatte auch deswegen bei seinem Erscheinen Schwierigkeiten, weil er eine bis dahin unbekannte erotische Freizügigkeit vor Augen führte. Davon allerdings ist nicht viel geblieben, der Text wirkt heute geradezu prüde. Gide war homosexuell und nicht wenige seiner Figuren sind es auch oder neigen dazu, zumindest aber neigen sie sich nicht gleich weg.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.