30 Oktober 2010
Es ist nicht gut, weil es noch schlimmer ist als gut
Bei mir läuft‘s gerade nicht so richtig. Oder vielmehr läuft es richtig gut. Besser könnte es nicht laufen. Eigentlich läuft es zu gut. Der Plan war, dieses Semester einen großen Schritt nach vorne zu machen und in den Winterferien an meinem Roman zu schreiben. Aber dieser Text ergreift mich derzeit mit solcher Vehemenz und Unnachgiebigkeit, dass ich den ganzen Tag nichts anderes tue als daran zu schreiben. Da das fiktionale Schreiben das anstrengendste ist, was ich kenne, bin ich abends fix und fertig. Ich muss da tief in mein Gehirn, in meine Kreativität, in mein Selbst. Tiefer als bei allem anderen. Ich bin ganz weit unten, da wo Glück und Angst sehr nahe beieinander sind. Das ist wie Apnoetauchen, hier und hier.
Ich komme abends nach Hause und meine Lungen wollen nur noch Sauerstoff. Mir tun die Arme vom Schreiben weh. Mir tut alles weh. Ich will dann nichts mehr. Ich will nicht und ich kann auch nicht. Ich kann nichts schreiben und nichts lesen. Mein Kopf ist leer. Ich will nur noch in Ruhe atmen. Ich kann mich nicht auf Faulkner konzentrieren oder auf etwas anderes. Ich wüsste nicht einmal, was das andere sein sollte.
Wenn es so wäre, nur so, dann wäre es gut. Denn es ist ja gut. Ich bin so produktiv wie erst ein Mal zuvor in meinem Leben. Und ich bin inzwischen sehr viel besser als damals. Es ist gut wie es ist. Es ist schlimm, dass es so ist, und doch ist es gut. Aber es ist eben nicht gut, weil es noch schlimmer ist als gut. Ich kann nicht einfach nach oben und durchatmen. Ich darf nicht. Ich kann nicht mit dem Schreiben aufhören. Es hört in mir nicht auf. Ich bin ganz tief unten. Tief in mir drin arbeitet es weiter. Immer. Auch nachts. Die Tiefe. Die Dunkelheit. Der Druck. Das Nichtatmen können. Das Nichtkönnen. Nicht dürfen. Schlaflosigkeit. Angst. Nicht wehren können nicht dürfen nicht atmen es ist gut es ist schlecht es ist schlimm und schlimmer nicht atmen nicht können nicht dürfen es ertragen damit verschmelzen die Tiefe der Druck das Atmen nicht können nicht dürfen nicht wollen.
Dann wieder oben. Musik.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: Oktober 30th, 2010 unter Allzupersönliches, mittel












Kommentar von Irisnebel
Datum/Uhrzeit 30. Oktober 2010 um 15:57
diesen selbstverzehrenden, gluecklichen zustand, den flow, kenne ich. gluecklich dem, der sich davon durch nichts abbringen laesst. dieser zustand muss ausgenutzt werden, oder man wirft sich zeitlebens vor, ihn nicht ausgelebt zu haben. das ist das schlimmere uebel. das eisen muss geschmiedet werden, solange es heiss ist. danach kommt bei mir oft ein tiefes, tiefes, leeres loch… es dauert, da wieder herauszukommen.