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  • 29 September 2010

    Solange man nichts macht, kann man alles machen

    Ich fahre von Deutschland nach Rumänien. Zweieinhalb Wochen später fahre ich wieder zurück, dieselbe Strecke. Das sind jeweils tausendsiebenhundert Kilometer, ich fahre durch fünf Länder. Zusammengerechnet sind das fünfzig Stunden Fahrt. Zwei Mal muss ich die Uhr umstellen.

    Auf der Hinfahrt ist Decin der erste Ort jenseits der deutschen Grenze. Der erste Ort in Tschechien. Der erste Ort im Ausland. Da klingt Ausland noch fremd. Zwei Wochen später wird Zuhause fremd klingen.

    Auf der Rückfahrt ist in dem Wagon, in dem ich sitze, die Klinke an der Toilettentüre kaputt. Wenn man zur Toilette geht, ist das kein Problem, da die Türe nach innen aufgeht. Kommt man heraus und will die Türe hinter sich zumachen, zieht man dann an der Klinke, fällt sie ab. Sie fällt mit einem lauten Knall zu Boden. Osteuropäer nehmen die Klinke und hauen sie mit Schwung und einem mindestens ebenso lauten Knall auf den herausstehenden Stift. Westeuropäer sind ratlos, sie schütteln den Kopf und lassen die Klinke liegen. Amerikaner freuen sich, da haben sie zu Hause etwas zu erzählen. Und weil sie es kaum erwarten können, erzählen sie, zwei Ehepaare ohne Kinder, es sich jetzt schon einmal, sie erzählen es sich wiederholt, als wären die drei anderen nicht dabei und als könnten sie es nicht genauso sehen und hören wie man selbst.

    Auf der Hinfahrt bemerke ich, was ich jedes Mal bemerke, in Rumänien ist es nachts vor allem eins: dunkel. Eine unangenehme Dunkelheit. Auf der Rückfahrt bemerke ich, was ich jedes Mal bemerke, in Deutschland ist es tagsüber vor allem eins: hell. Eine unangenehme Helligkeit.

    Auf der Rückfahrt bekomme ich jedes Mal an derselben Stelle einen Schock. Den „clash of civilisations“. Auf der Hinfahrt spüre ich die langsame Verarmung nicht, die immer ärmlicheren Züge, die einfachere Kleidung, die Gesichter, die harte körperliche Arbeit zeigen. Auf der Rückfahrt hingegen spüre ich die langsame Bereicherung. Immer in Budapest-Keleti. Da stehen die Züge des 21. Jahrhunderts, mit den Menschen des 21. Jahrhunderts, mit ihren Laptops und ihren Handys. Dabei haben die Menschen in Rumänien auch Laptops und Handys. Auf der Hinfahrt fühle ich mich wohl in Budapest, aber auf der Rückfahrt fühle ich mich unwohl.

    Auf der Hinfahrt, mitten in der Nacht in Rumänien, fahren zwei Züge nebeneinander. Man möchte meinen, sie fahren ein Wettrennen. Ich weiß nur nicht, woran die den späteren Gewinner messen, die Geschwindigkeit jedenfalls kann nicht der entscheidende Wert sein. Vielleicht wollen sich die Zugführer unterhalten und Handykosten sparen.

    Auf der Rückfahrt bin ich erholter als auf der Hinfahrt. Aber auf der Hinfahrt war ich gesprächiger. Auf der Rückfahrt bin ich in mich gekehrt. In das verstrickt, was in den Wochen zuvor geschehen war. Und an dem strickend, was in den kommenden Wochen geschehen soll.

    Auf der Hinfahrt, der erste Halt in Rumänien, kommt ein Typ ins Abteil, es ist dunkel draußen und ich bin alleine, und spricht mich ohne erkennbare Hemmung an. Auf Englisch. Ich weiß sofort, was er will. Er will mich bescheißen. Ich antworte kurz angebunden. Auf Englisch. Er fragt, wo ich herkomme und ich sage Berlin. Er fragt, wohin ich will und ich sage Sibiu. Er fragt, was ich da will und ich sage, dass ich meine Eltern besuche. Er fragt, ob ich ihm fünf Euro leihen kann. Ich frage ihn, was er in Rumänien mit Euro will. Auf Rumänisch. Erst guckt er mich doof an und dann verlässt er wortlos das Abteil. Der ist, obwohl wir in Rumänien sind und ich zu meinen Eltern fahre, nicht auf die Idee gekommen, dass ich Rumänin bin.

    Auf der Rückfahrt sitzt eine Frau im Abteil. Sie telefoniert und dann schreibt sie in ihr Laptop. Wir kommen ins Gespräch. Sie ist Ungarin und hat in Bonn Germanistik studiert. Wir wechseln lachend ins Deutsche. Ungarn und Rumänen können sich nicht ausstehen, aber wir beide mögen uns sofort.

    Auf der Hinfahrt kommt ein Mann ins Abteil, Mihai, ungefähr mein Alter, aber nur halb so groß, der sich mit mir unterhält, aber nervös ist, sehr nervös. Dieses Mal weiß ich nicht, was mein Gegenüber will. Das macht mich meinerseits nervös. Es betritt noch eine Frau das Abteil, die aber kein Rumänisch spricht. Wieder eine Ungarin. Sie allerdings spricht weder Rumänisch noch Deutsch, noch Englisch noch Französisch. Offenbar spricht sie nicht einmal Ungarisch. Hartnäckig verweigert sie sich jedem Gespräch, jedem Blick und überhaupt jeder noch so kleinen Reaktion auf uns beide. Als wenn sie nicht mit uns im Abteil säße. Dann rückt Mihai mit dem raus, was er will. Er will, dass ich ihn in Bukarest besuche, ihn und seine Freundin. Er will, dass ich über Nacht bleibe, bei ihm und seiner Freundin. Er wird ganz eindringlich. Er ist nicht unverschämt, er fasst mich nicht an, er schaut mich nicht einmal direkt an. Es ist sogar ziemlich freundlich dabei. Ich wollte, er wäre unfreundlich, dann könnte ich es auch sein. Ich sehe Mihai an und schüttele mit dem Kopf. Dann schaue ich aus dem Fenster. Ich zolle ihm Anerkennung für seinen Mut. Das kann ich nicht anders sagen.

    Auf der Rückfahrt kommen zwei ausgesprochen hübsche Franzosen ins Abteil. Sie haben vor zwei Jahren Abitur gemacht, waren beim Militär und jetzt fahren sie, bevor sie mit dem Studium beginnen, vier Wochen durch Europa. Jeder der beiden packt aus seiner Tasche ein Buch aus, der eine Claude Levi-Stauss, Tristes Tropiques, der andere Pascal Bruckner, Les Voleurs de beauté.

    Wir kommen sofort miteinander ins Gespräch. Der eine groß und schlaksig und der Bestimmtere von beiden. Der Leser Levi-Strauss‘ weiß, was er studieren will, er weiß überhaupt sehr viel, wo er herkommt und wo er hin will. Der andere ist unsicher, tastend, suchend, eitler auch, er greift sich in die allerdings auch sehr schönen Haare. Er ist kleiner als ich. Er lacht unsicherer als der andere, allerdings auch wilder und ungehemmter. Er schaut fragender als der Große, seine Hände zittern, er hat ausgesprochen schöne Hände, er hat einen schönen Mund. Die beiden schauen sich immer wieder an. Als wollten sie den anderen um Zustimmung bitten, mit mir zu reden. Ich hätte am liebsten mit den beiden rumgeknutscht, nacheinander oder gleichzeitig, egal.

    Man sieht ihnen ihre Freundschaft an. Man sieht ihnen an, dass sie die gemeinsame Zeit genießen und dass ihnen keine Frau dazwischen kommen kann. Weil sie seit Jahren Freunde sind und weil sie zusammen reisen, um sich diese Freudschaft zu bestätigen. Sie empfinden eine Zärtlichkeit füreinander und fragen, ob sie die auch für mich empfinden dürfen. In Prag, mitten in der Nacht, steigen sie aus und als sie weg sind, weiß ich, dass sie beide genau dasselbe wollten wie ich, dass sie die ganze Zeit über dasselbe dachten und dasselbe fühlten, mit denselben Worten, frei von jeder Obszönität: am liebsten hätten wir mit ihr rumgeknutscht, nacheinander oder gleichzeitig, egal.

    Wir drei erkennen es in demselben Moment, als sie draußen vor dem Fenster stehen, in Prag, auf dem Bahnhof, und wir uns anschauen und es im selben Moment wissen, auf eine besondere Art und Weise, dass sie zwei Hälften sind, die einander ergänzen und dass ich ihnen nicht dazwischen gekommen wäre, in ihrer Zuneigung zueinander. Zwischen uns die vom Wind quer über die Scheibe getriebenen Regentropfen. Sie wissen es beide, wir wissen es alle drei, dass ich ihnen nichts wegnehmen kann, ihre Freundschaft nicht zerstören, mich nicht zwischen sie drängen würde, weil ich eben diese Freundschaft der beiden so sehr bewundere und weil ich gerne daran teil hätte. An dieser Freundschaft und dieser Zärtlichkeit, die sie füreinander empfinden. Wir drei wissen es in diesem Moment, dass ich genau zwischen sie passe. Und dass ich es genauso meine wie sie auch, voller Zärtlichkeit für das was sie sind, was sie wollen vom Leben, das Unsichere und Tastende und das Sichere und Klare.

    Wir hatten dieselben Phantasien. Aber wir haben es vorübergehen lassen. Wie haben uns nicht umarmt. Wir haben nichts miteinander angefangen. Vielleicht war das gut so. Denn solange man nichts macht, kann man alles machen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.



    Kommentare

    Kommentar von Irisnebel
    Datum/Uhrzeit 29. September 2010 um 22:13

    was fuer eine herrliche geschichte… ich schau erst mal aufs ende- soetwas sind kostbare momente. zum glueck koennen Sie sie schreibend festhalten… auch die beiden ungekuessten. :) und so, wie sie die beiden beschreiben, knuepfen Sie automatisch an den film 1900 an, den ich schon Guido Rom neulich waermstens empfohlen habe. vielleicht kennen Sie ihn? da wird u.a. auch so ein warmes verhaeltnis zwischen zwei freunden thematisiert. wunderbar! Robert De Niro: Alfredo Berlinghieri und Gérard Depardieu: Olmo Dalcò…

    die gegenueberstellung der empfindungen/ erlebnisse von hin- und rueckfahrt legt unbewusstes frei. differenzierte milieuschilderungen, offen, mittendrin… Ihre zuege fahren ueberall hin…

    Kommentar von NO
    Datum/Uhrzeit 30. September 2010 um 14:22

    Liebe Aléa,

    was für eine herrliche Geschichte. Iris Nebel hat in allem recht. Zartheit von Text und Kommentar wie Empathie der Autorinnen will ich nicht durch Unnötiges zerstören.

    Wenn, weil vom Bienenfleiß entschleunigt, Wahrnehmungszeit nicht mehr fehlte, gelänge mit dem letzten Satz der „Traurigen Tropen“ wohlmöglich das Ziel, „das Wesen der menschlichen Gattung zu erfassen“:

    „Zum Beispiel in dem Blick – schwer von Geduld, Heiterkeit und gegenseitigem Verzeihen – , den ein unwillkürliches Einverständnis zuweilen auszutauschen gestattet mit einer Katze.“

    Beeindruckt

    NO

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 30. September 2010 um 21:47

    Liebe Iris,
    ich kenne den Film nicht, aber ich kenne mich mit Filmen auch nicht gut aus. Aber Gérard Depardieu kenne ich. Leider: http://www.aleatorik.eu/2009/06/09/sprache-und-liebe/
    Ich freue mich, wenn Ihnen die Texte hier gefallen. So einfach ist das.
    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 30. September 2010 um 22:05

    Lieber No,

    Sie haben es heute mit Anfangs- und Endsätzen. Entsetzen? Die gehören auch mit zum Schwierigsten in diesem Handwerk. Ich weiß nicht, wieso das so ist. Vielleicht verspricht man mit den ersten Sätzen und mit den letzen muss sich zeigen, ob man es einzuhalten in der Lage war. Vielleicht muss man es zu Beginn zum Laufen bringen und am Ende am Laufen hindern, am Verlaufen oder Weglaufen.

    Dieter Forte – „Auf der anderen Seite der Welt“ – macht es sich anscheinend einfach: es beginnt und endet mit denselben Formulierungen. Aber vielleicht hat er es sich auch nicht einfach gemacht, sondern er hat das aus wohlüberlegtem Kalkül getan. Meer ist ja eine ausgezeichnete Metapher für Anfang und Ende, eben Unendlichkeit.

    Vielleicht werden ich bei meiner Lektüre dazu etwas sagen können. Oder Sie, der sie das ja schon gelesen sagen, sagen etwas dazu.

    Sie überraschen mich immer wieder, Sie kennen auch die strukturale Anthropologie? Und so gut, dass Sie sogar den Schluss der „Traurigen Tropen“ zitieren können

    Ich freue mich bei Ihrer erneuten Johnsoneinlassung, dass Sie mich da noch einmal geehrt haben mit dem Zitat zur Zeit. Inzwischen erkenne ich es auch als mein eigenes wieder. Das klang ja jetzt tatsächlich nach einem Schluss.

    Ich bin heut Abend nicht so spritzig.

    Aléa

    Kommentar von Thorsten Krämer
    Datum/Uhrzeit 1. Oktober 2010 um 11:08

    Liebe Aléa,

    Ich weiß, es ist unfein, sich selbst zu zitieren, aber zum Thema des willentlichen Verstreichenlassens von (erotischen) Gelegenheiten fiel mir eine Stelle aus meinem ersten Roman ein:

    “Auch wenn sie in dieser Nacht noch nicht zusammen schliefen, hatten sie am nächsten Morgen nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben, eher im Gegenteil: Plötzlich war ihnen alles möglich geworden, der neue Tag lag offen da.”

    So, jetzt konnte ich das Lebenszeichen gleich mit dem Anreiz verbinden, doch mal mein Buch zu lesen… ;-)

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 1. Oktober 2010 um 22:23

    Lieber Thorsten,

    sich selbst zu zitieren ist nicht unfein. Schon gar nicht, wenn es sich um Texte handelt, die die Thematik behandeln.

    Dein Buch lesen? Ich? OK. Neue Musik aus Japan, das meinst du. Aber ich warne dich, ich bin eine Koryphäe in neuer japanischer Musik, wenn ich da auch nur einen Akkord klassischer traditioneller japanischer Musik hören muss, dann musst du dir etwas anhören. Gibt’s das noch bei den typischen Buchversendern? Ich meine mich erinnern zu können, dass mein Dealer mir sagte, das sei vergriffen. Oder warst du das selbst?

    P.S. Lebenszeichen ist angekommen, wenn ich davon ausgehen kann, dass du selbst diese Nachricht verfasst hast. Und dass du selbst den Roman verfasst hast. Wenn beides nicht von dir ist, sondern von einem anderen, der durchweg behauptet du zu sein, kann dein Kommentar hier dennoch als ein Lebenszeichen von dir gewertet werden, weil ich dann nur den kenne, der als du firmiert und dich, wer du in Wirklichkeit auch immer sein magst, nicht kenne.

    Ich trinke übrigens Kräutertee, nicht dass da einer auf andere Gedanken kommt.

    Herzlich

    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 1. Oktober 2010 um 23:41

    Lieber Julian,

    das gehört hierher, auch wenn du anderer Meinung bist.

    Der obige Text führt doch tatsächlich dazu, dass ich eine längst verschüttete Fähigkeit aktivieren muss, auf den Fingern zu pfeifen: ich mache das jetzt, es ist schon nach elf Uhr in der Nacht, aber ich pfeife anerkennend auf den Fingern: der obige Text hat doch tatsächlich meinen Busenfreund Julian eifersüchtig gemacht. Gerade wenn es um Freundschaft geht, und darum geht es meines Wissens in dem obigen Text (man sollte allerdings Aussagen von Autoren und Autorinnen über ihre eigenen Texte nicht allzu ernst nehmen), ist Julian etwas empfindlich. Freundschaft bedeutet uns beiden sehr viel. Er hätte nichts dagegen einzuwenden, wenn ich jede Nacht mit einem anderen ins Bett ginge, aber befreunden solle ich mich bitte nicht mit ihnen.

    Mein Freund: du bist der Beste!

    Aléa

    Kommentar von NO
    Datum/Uhrzeit 4. Oktober 2010 um 16:15

    Nein, Aléa,

    so sehr interessiert mich Anthropologie nicht. Obwohl hübsche Stellen sind in dem Buch: Reisebeschreibungen, sehr interessant und erkennbar Vorbilder für Le Clezio, ergötzliche Geschichten mit Eingeborenen, weise Passagen eines einfühlsamen Gelehrten. Aber insgesamt nicht spannend genug für mich, auch und gerade nicht erzählerisch-literarisch, zu lang, zu öde. Aber ich bekam das Buch geschenkt und las es, weil es auf der ZEIT-Liste der 100 Bücher steht. Kommentiert vom Altmeister der frühmittelalterlichen Literatur, vom brillanten Erklärer des Rings der Nibelungen, Peter Wapnewski.

    Doch wie bei so manchen großen Werken (Ulysses, Auf der Suche nach der Verlorenen Zeit, Don Quichotte, Die Dämonen) habe ich dann auch hier irgendwann ab der Hälfte angefangen, bei zu öden Kapiteln weiter zu blättern oder ganze Passagen zu überspringen, nur um es irgend wie zu Ende zu bringen. Nicht jedes Werk passt zu jedem.

    Bei den Traurigen Tropen habe ich mich aber noch auf den Schluss konzentriert, denn ich wusste von Wapnewski, was alles passiert, geschieht zwischen dem ersten Satz „Ich verabscheue Reisen und Forschungsreisende.“ und dem berühmten letzten mit der Katze. Der allerdings ist so schön, dass er mir dauerhaft in Erinnerung bleiben wird. Nicht in ganzer Fülle, denn er ist sehr lang:

    „Wenn der Regenbogen der menschlichen Kulturen endlich im Abgrund seiner Wut versunken sein wird, dann wird – solange wir bestehen und solange es eine Welt gibt – jener feine Bogen bleiben, der uns mit dem Unzugänglichen verbindet, und uns den Weg zeigen, der aus der Sklaverei herausführt und dessen Betrachtung dem Menschen, auch wenn er ihn nicht einschlägt, die einzige Gnade verschafft, der er würdig zu werden vermag: nämlich den Marsch zu unterbrechen, den Impuls zu zügeln, der ihn dazu drängt, die klaffenden Risse in der Mauer der Notwendigkeit einen nach dem anderen zuzustopfen und damit sein Werk in demselben Augenblick zu vollenden, da er sein Gefängnis zuschließt; jene Gnade, nach der jede Gesellschaft begehrt, wie immer ihre religiösen Vorstellungen, ihr politisches System und ihr kulturelles Nievau beschaffen sein mögen; jene Gnade, in die sie ihre Muße, ihr Vergnügen, ihre Ruhe und ihre Freiheit setzt; jene lebenswichtige Chance, sich zu entspannen, loszulösen, das heißt die Chance, die darin besteht, in den kurzen Augenblicken, in denen es die menschliche Gattung erträgt, ihr bienenfleißiges Treiben zu unterbrechen, das Wesen dessen zu erfassen, was sie war und immer noch immer ist, diesseits des Denkens und jenseits der Gesellschaft: zum Beispiel bei der Betrachtung eines Minerals, das schöner ist als alle unsere Werke; im Duft einer Lilie, die weiser ist als unsere Bücher; oder in dem Blick – schwer von Geduld, Heiterkeit und gegenseitigem Verzeihen -, den ein unwillkürliches Einverständnis zuweilen auszutauschen gestattet mit einer Katze.“.

    Aber für jene obige Bemerkung hier habe ich ihn nachgeschlagen und drastisch verkürzt.

    NO