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  • Azadeh Sepehri: Interessant. Ich dachte, Sie schreiben unter Ihrem “richtigen” Namen.
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  • 20 September 2010

    Ankünfte und Abschiede

    Ich bin wieder da. In Teilen. Andere Teile kommen nach. Es war nicht möglich, alles auf einmal zu transferieren. Ich komme in kleinen Parteien und Partikeln zurück. Ein Teil von mir ist früher wieder nach Berlin gekommen, andere kommen etwas später. Das wird in den nächsten Tagen zusammengefügt. Dann bin ich wieder ganz die alte. Oder sogar noch älter. Und noch ganzer.

    Die vergangenen Wochen waren ein wenig anders als geplant. Den letzten Teil der Reise, den Schlenker über Bukarest, musste ich streichen. Ich hätte also noch ein paar Tage in Transsylvanien bleiben können, aber ich hatte mich bereits verabschiedet als diese Modifikation deutlich wurde. Dann wollte ich zurück nach Berlin. Ich bin dieses Mal nur sehr schwer aus dem Leben und der Anspannung hier herausgekommen und in das Leben und seine Verhältnisse dort hinein. Ich habe den Modus der Entspannung nicht gefunden, nicht so wie ich das wollte. Ich habe kaum etwas gelesen und nur mit Mühe und Not „Licht im August“ geschafft. Das war immer ein klares Zeichen meiner Entspannung, wenn ich den ganzen Tag lesen konnte. Es gibt hinter dem Haus eine Stelle, man muss ein bisschen klettern, das Buch zwischen den Zähne, aber wenn man dann oben ist, kann einen keiner mehr stören. Da habe ich immer gelesen. Ich weiß nicht, warum ich bei früheren Aufenthalten die Zeit zur Entspannung fand, dieses Mal fand ich sie nicht.

    Sibiu liegt im Hochland, auf einer Höhe von etwa 400 Metern, aber relativ flach. Ich hingegen komme aus einem rumänischen Bergdorf, zwanzig Kilometer südwestlich von Sibiu, in der Mărginimea Sibiului, dem Randgebiet von Sibiu. Gut zehn Kilometer südlich der Stadt fangen sehr unvermittelt und an manchen Stellen beinahe schroff die Karpaten an. Man fährt auf dem Weg in mein Dorf durch Christian, das letzte Dorf der Sachsen in der Ebene; und das mit der größten Population an Störchen in Rumänien. Nahezu auf jedem Schornstein sitzt ein Storchenpaar und brütet über dem Nachwuchs. Die Storchennester sind charakteristisch für das ganze Dorf. Ich kenne dieses Bild, und das Geräusch, das Klappern der Störche, ich bin tausend Mal durch Christian gefahren, das war der Weg zur Schule. In diesem Jahr bin ich zu spät gekommen, die Störche waren schon weg. Ihre Nester waren alle schon verlassen. Das ist ein klares Zeichen für den beginnenden Herbst. Störche wissen, wann das Wetter schlechter wird. Dann machen sie mit dem Nachwuchs den ersten Sprung ins Donaudelta, wo sie eine Pause einlegen und sich sammeln, bevor sie dann in großen Zügen zum langen Flug nach Afrika, in den Sudan ansetzten. Dieses Jahr hatten sie sich allerdings geirrt, auch wenn es an dem Morgen meiner Ankunft regnete: der Sommer gab sich noch ein langes Stelldichein.

    Noch nicht ganz angekommen, noch am ersten Abend, gab es einen weiteren Abschied. Oder doch die Ankündigung dazu. Mein Großvater hatte, was ich nicht wusste, ein Fohlen gekauft. Und da neben den drei Kühen kein weiterer Platz im Stall ist, bedeutete dies unweigerlich, dass “Kleiner Onkel”, der zu uns kam als ich acht oder neun Jahre alt war, das Ende seines Lebens erreicht hat. Wo ich herkomme sind Pferde Arbeitstiere. Es kann sich kaum jemand leisten, ihnen ein Gnadenbrot zu geben. Das Ende der Arbeitskraft zeigt auch das Ende des Lebens an.

    Ich habe darüber nachgedacht, was es mich kosten würde, das Pferd zu ernähren. Das wären keine hundert Euro im Monat. Ich habe ein Stipendium von tausend Euro. Ich bekomme vom deutschen Staat ungefähr so viel Geld, wie meine Eltern zusammen verdienen. Ein Zehntel des Geldes könnte ich erübrigen, ohne dass es mir wirklich weh tut. Kleiner Onkel war einmal eine Vertrauensperson, mein erster bester Freund. Wenn ich Liebeskummer hatte, dann habe ich das dem Pferd erzählt. Und vor allem: Ich habe ihm seinen Namen gegeben. In der Welt der Worte hat er seine Existenz von mir. Er hat riesengroße dunkle, beinahe schwarze Augen und er erkennt mich auch noch nach Jahren der Trennung wieder. Er schnaubt und scharrt mit den Hufen. Wenn ich ihn dann nicht beachte, dreht er mit seinen Arsch zu. Dann ist er beleidigt.

    Ich kann ihm mit hundert Euro das Leben retten, zumindest einige Zeit. Ich habe eine Nacht darüber nachgedacht, und mich dann dagegen entschieden. Aber nicht, weil die finanzielle Situation bei mir in den nächsten Jahren absehbar schwierig wird. Das ist leider kein Stipendium auf Lebenszeit. Auch deswegen mache ich seit einiger Zeit so einen Druck, weil ich Angst habe, dass ich in eine Situation komme, wo ich nicht mehr weiß wie es weitergeht. Ich habe mich vielmehr dagegen entschieden, weil es geradezu obszön wäre, ein Pferd in Rumänien zu füttern, wenn man mit diesem Geld auch Menschen vor dem Verhungern retten könnte. Überall dort gibt es Leute, die nicht wissen, wie sie über den nächsten Winter kommen sollen, deren Renten und Gehälter gekürzt worden sind, bei deutlich steigender Inflation. Nach neuen Auflagen des Internationalen Währungsfonds ist die Mehrwertsteuer in diesem Jahr von 19 auf 24 Prozent angehoben worden. Die Preise für Energie und Lebensmittel steigen und die wirtschaftliche Situation bei vielen, vor allem bei alten Menschen, ist äußerst angespannt. Und in meinem Dorf gibt es nahezu nur noch Alte. Ich könnte jedem zweiten dort hundert Euro in die Hand drücken.

    Ich konnte mich kaum über das Fohlen freuen. Ich musste Abschied nehmen. Kleiner Onkel und ich: wir sind zusammen groß geworden. Ich werde das Tier nicht mehr wiedersehen. Also habe ich mir viel Zeit genommen, mich zu verabschieden. Ich bin mit aufs Feld gegangen, ich habe ihn jeden Abend gestriegelt und ihm Futter gegeben und ihm Geschichten erzählt, Geschichten vom Pferdehimmel. Das war es, was ich tun konnte. Deswegen hatte ich keine Zeit zu lesen. Mit dem Tier stirbt ein Teil meiner Kindheit. Das Schlimme ist: ich kann nichts dagegen tun. Und das noch Schlimmere: ich könnte etwas dagegen tun, aber ich finde keine Rechtfertigung dafür.

    Rumänien ist ein Agrarland. Kinder und Jugendliche sind eine unerlässliche Hilfe auf dem Feld. Die Sommerferien gehen einher mit den Belangen der Landwirtschaft: vom 15. Juni bis zum 15 September sind Ferien und die Kinder arbeiten mit ihren Eltern auf dem Feld. Als am Montag die Schule wieder anfing, habe ich meinem ehemaligen Gymnasium einen Besuch abgestattet (sagt man abgestattet? Abstatten? Wie abhalftern? Und bestatten?). An dem Tag sind die beiden unteren Bilder entstanden. Auf dem letzten Bild ist mein ehemaliger Mathepauker: der war zum ersten Mal erfreut, mich zu sehen. Über meine mathematischen Fähigkeiten hat er früher allerdings nur den Kopf schütteln können. Mich interessieren einfach Zahlen nicht. Sie interessieren mich so wenig, dass ich nicht  mit Ihnen umgehen kann. Jedenfalls war mein Lehrer erfreut, mich zu sehen und er ist heute, wie damals schon, immer in Begleitung von schönen Frauen. Der Typ auf dem Bild darüber war zwar frei & willig, aber ich nicht so richtig. Nett war er dennoch.

    Ich brauche noch etwas Zeit, hier anzukommen, einige Erlebnisse in Worte zu fassen und meine handschriftlichen Notizen anzusehen. Ich möchte die kommende Woche nutzen, um anzukommen, in dieser Stadt, in dieser Sprache, in meinem Blog, im Studium, in meinen Texten und in meinem Leben hier und jetzt. In dieser Woche werde ich einige Fotoserien einstellen. Ich habe mich entschlossen, wie NO das auch in einem entschiedenen Kommentar betont hat, das Blog nicht dauerhaft mit Fotos anzureichern. Bilder lassen sich hier nicht so einfach eingliedern. Ab nächsten Montag heiß es dann: weiter im Text!

    (Noch ein Wort zu den Fotos: ich habe die Bilder im Nachhinein neu skaliert, so dass sie in dieser hier vorhandenen Größe auch die beste Auflösung haben)



    Kommentare

    Kommentar von Irisnebel
    Datum/Uhrzeit 20. September 2010 um 11:30

    es hat mich sehr beruehrt, was sie da geschrieben haben. erstaunlich, wie relativ abgeklaert Sie mit dem aufwaegen von 100 euro fuer pferd/kindheitstraum/beduerftige menschen zu ihrem entschluss gekommen sind, das pferd gehen zu lassen.
    das duerfte nicht leicht gefallen sein… schwierige verhaeltnisse vor ort. gut, dass Sie davon real/ aus erster hand berichten.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 20. September 2010 um 12:49

    Liebe Iris Nebel,

    der Umstand mit dem Pferd hat den Urlaub überschattet. Das hat mich jeden Tag beeinflusst. Aber jeder andere Entschluss wäre indiskutabel gewesen und hätte die größten Schwierigkeiten bedeutet, mit meinem Großeltern und den Eltern und auch mit mir selbst. Noch lebt er, noch muss das Fohlen von ihm lernen. Aber ich bin mit solchen Toden auch aufgewachsen, Tiere leben eine Zeit und dann müssen sie sterben. Das Nutzvieh, Hühner und Rinder und Ziegen und vor allem Schafe, hält man aus diesem einen Grund, sie sterben zu lassen und sich von ihnen zu ernähren. Dennoch, als die Kuh damals gestorben ist, von der ich dachte, dass sie meine sei, da habe ich tagelang geheult. Aber Pferde sind noch einmal etwas anderes. Zu Pferden kann man eine richtige Beziehung aufbauen. Wie in Deutschland zu Hunden. Hunde in Rumänen sind in der Regel nur Streuner. Es gibt Millionen herrenloser Hunde dort, das ist eine Plage. Und wenn es reicht, werden ganze Würfe ertränkt, einfach ausgesetzt oder totgeschlagen. Der Tod ist dort nicht so eine klinische Angelegenheit wie hier. Aber es ist mir dennoch sehr schwergefallen.

    Danke für Ihren Kommentar! Ich glaube, Sie kommen über Melusine, nicht?

    Aléa Torik

    Kommentar von Der Buecherblogger
    Datum/Uhrzeit 20. September 2010 um 14:02

    Wenn sie die letzte Bemerkung von Ulrich in “Gipfeltreffen in Berlin” lesen, dann ist zumindest das durch Gedankenübertragung am 10. September wohl in Erfüllung gegangen.

    Kommentar von Irisnebel
    Datum/Uhrzeit 20. September 2010 um 17:06

    das klingt, als koenne man abschiednehmen lernen. ich tu mich sehr schwer damit. aber Ihre erfahrungen sind ja auch ganz andere. wussten Sie schon bevor Sie dorthin fahren, dass es ein abschiednehmen geben wird?
    so, wie sie es gehaendelt haben, finde ich das schoen, ich hoffe, ihr pferd auch…

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 20. September 2010 um 22:22

    Liebe Iris Nebel,
    das klingt professioneller als es war, Abschied nehmen lässt sich wohl eher nicht lernen. Und ich wusste auch nicht, was mich erwartet. Die Familie hatte mich im Dunkeln gelassen, das war auch besser so. Pferde können sehr, sehr sensibel sein. Es wird sicherlich nicht genau spüren, was auf ihn zukommt, aber es spürt sehr wohl, dass es älter wird und Schmerzen hat. Er hat auch gespürt, dass ich mich viele Tage lang sehr um ihn bemüht habe. Und das hat er auch honoriert. Mein Großvater hat versprochen, dass es dabei bleibt, wenn das Tier im Frühjahr eingeschläfert wird.

    Kommentar von NO
    Datum/Uhrzeit 21. September 2010 um 19:25

    Das ist wirklich ein sehr berührender Text. So schonungslos, so herzoffen, so zartfühlend. Haltung in Bildern. Pragmatisch, lebensnah, trotzig.

    „Kleiner Onkel“ wird in diesem Text weiterleben. Wie „Boxer“ auf der Animal Farm.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 22. September 2010 um 00:18

    Lieber NO,
    ich bin gerade etwas angetrunken. Sie wollten ja damals, bei meiner Besprechung der “Sizilischen Reise” von ANH, unbedingt eine Kritik am Autor hören. Ich habe den Grund genannt, mit dem Sokrates zum Tode verurteilt wurde: er verdirbt die Jugend. Ich habe mich eben mit ANH getroffen. Und er hat mich verdorben: er hat mich zum Biertrinken verführt. Also bin ich jetzt betrunken. Ich finde, das adelt ANH, wenn ich ihn mit einem so großen Verführer wie Sokrates in einem Atemzug nenne. Ich bin betrunken, aber ich antworte Ihnen dennoch: „Kleiner Onkel“ hat seinen Namen ja von mir. Auch wenn ihn mein Großvater nicht aussprechen kann. Meine Großmutter auch nicht. Ich habe durchgesetzt, dass er so heißt. Obwohl ich schon seit beinahe zehn Jahren dort nicht mehr wohne und nur zu Besuch komme, das Tier kennt mich und es kennt seinen Namen. Es hat etwas Kindliches, für das ich mich nicht schämen muss, ein Pferd so zu nennen, wie Pipi Langstrumpf es getan hat.
    Genug. Ich muss ins Bett. Morgen gehe ich wieder in „The Grimms“.
    Gute Nacht!

    Kommentar von Melusine Barby
    Datum/Uhrzeit 22. September 2010 um 10:09

    Liebe Aléa,
    wenn ich mich recht erinnere, dann ging es NO nicht um eine Kritik am Autor, sondern am Text. Oder habe ich das missverstanden?

    Im Sommer habe ich die “Sizilische Reise” gelesen und mir viele Notizen gemacht. Am Anfang hat mich vor allem interessiert, wie Landschaft dargestellt wird (wohl weil mich zeitgleich noch einmal Hans Henny Jahnn und dessen Landschaften beschäftigten). Inzwischen sind – auf dem Umweg über andere Lektüre – weitere Aspekte hinzu gekommen: die Zeitform und der “Manierismus” (Herr Herbst braucht nicht die Messer wetzen, ich meine das nicht negativ). Mal sehen, ob ich einen Text dazu zusammenkriege. (Was ich NO ja versprochen habe.)

    (Übrigens: Ich finde, Sie haben richtig entschieden. Und: Betrachten Sie es als ein Privileg, dass Sie als “Kind vom Land”, diese Zusammenhänge kennen, begreifen, verstehen: wie der Tod zum Leben gehört und, ja auch, das Töten.)

    Herzliche Grüße

    M.

    PS. Witzig heute das Captcha in dem Zusammenhang: herbstmo however :-)

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 22. September 2010 um 21:51

    Liebe Melusine,

    ich weiß leider gar nicht, worauf sich das hier bezieht: „wenn ich mich recht erinnere, dann ging es NO nicht um eine Kritik am Autor, sondern am Text. Oder habe ich das missverstanden?“ Ich hatte nicht den Eindruck, dass es ein Missverständnis gegeben hat. Aber ich bin auch immer noch nicht auf ganz auf der Höhe.

    Ja, schreiben Sie etwas zu dem Buch von ANH: und wenn es nicht klappt, Sie haben mein Verständnis. Das ist nicht immer leicht, einen eigenen Zugang zu Büchern zu finden. Manchmal bleibt das verwehrt. Oder man findet ihn, aber nur im Rahmen der Rezeption. Auf der Seite der Produktion bekommt man es dann nicht hin, es entgleitet einem wieder, sowie man es in eigene Worte fassen möchte. Dann ist es besser, man weiß es, kann es aber nicht ausdrücken, als es nicht zu wissen, aber viele Worte drum und Drumherum zu machen.

    Dieses Privileg vom Lande zu sein, eigentlich eher von den Bergen, kann auch nützlich sein, aber der Schmerz um ein geliebtes Tier, das in der Liebe das tierische Antlitz verloren und ein menschliches dafür bekommen hat; dieser Schmerz wird dadurch nicht geringer.

    Aléa

    Kommentar von Melusine Barby
    Datum/Uhrzeit 22. September 2010 um 23:48

    Liebe Aléa,
    “wenn ich mich recht erinnere…”- das bezog sich scherzhaft darauf, dass NO wohl meinte (aber das habe ich vielleicht missverstanden) Ihre Rezension zur “Sizilischen Reise” verzichte auf ein “kritisches Urteil”. Stattdessen lieferten Sie ihm jetzt eine -freilich auch nicht ernstgemeinte – Kritik an der Person des Autors.

    Über die Darstellung der Landschaften werde ich auf jeden Fall was schreiben, darüber denke ich schon lange nach. Die anderen beiden Aspekte: der Umgang mit Zeit und Zeitformen und das “Manieristische” – da weiß ich´s noch nicht.

    Den Schmerz um ein geliebtes Tier, den verstehe ich. Das Privileg, mit Tieren aufzuwachsen und also auch mit deren Sterben, halte ich gar nicht mal so sehr für “nützlich”, sondern eher für “Erkenntnis bildend”. Man weiß dann sehr früh etwas, was andere sich sehr lang verbergen können. Dieses Wissen (wie jedes Wissen) mildert Leid nicht. Es hilft höchstens, das vermeidbare Leid vom unvermeidlichen unterscheiden zu können. Wie Sie es getan haben.

    Herzlichen Gruß
    M.

    Kommentar von Teresa
    Datum/Uhrzeit 24. September 2010 um 14:50

    Liebe Aléa,

    wie schön, Dich wieder bei uns zu haben! Reisen verändert die Blickwinkel ins Leben, v.a. wenn man nach längerer Zeit “heim”fährt, “heim”kommt. Ich sage heute noch “ich fahre heim”, wenn ich die Heimat, in der ich geboren und aufgewachsen bin, meine. Auch mich schockt es manchmal, wenn ich Dinge nicht mehr wieder erkenne, weil sie sich binnen Monaten radikal (seit dem letzten Besuch) verändert haben. Weil auch dort die Zeit weitergeht, sich Dinge verändern oder auch nicht. Beides bewegt einen!
    So wie einen Deine Eindrücke aus Rumänien, auch mich als Leserin, bewegen (obwohl mir vieles von dem, was Du schreibst, vertraut) und mich erinnern an die Eigenen…

    Ich fühle mit Dir, wenn ich dieses Abschied nehmen vom langjährigen Tiergefährten lese und den Zwiespalt aus den Leerstellen heraus lese…

    Meine Familie und ich unterstützen in Nordrumänien seit fünf Jahren zwei Seniorinnen, deren Rente kaum zum Leben reicht, über einen Verein “Das Deutsche Forum”. Mit dem Beitrag, den wir einmal im Jahr “überweisen”, sind die Grundnahrungsmittel für die Beiden jeden Monat gedeckt, so dass sie wenigstens nicht mehr hungern müssen. Hinzukommen an Weihnachten und zu den Geburtstagen nochmal extra Taschengeld. Mir ist immer sehr daran gelegen, dass die beiden dieses “Extra” für sich ausgeben, d.h. sich beim Friseur schön machen lassen (das liebt die Jüngere von den Beiden sehr); die andere “rüscht sich” mit ihren 88 Jahren immer noch gerne auf, um anschließend alleine ins Café nach Suceava zu fahren, einen Kaffee zu bestellen und eine Zigarette zu rauchen (auch wenn sie beides aus gesundheitlichen Gründen das eigentlich nicht mehr tun sollte…) Außerdem telefonieren wir regelmäßig mit den beiden alten Damen, v.a. an Feiertagen, weil sie dort keine Familie und niemanden mehr haben, der sich um sie kümmert. Besonders dramatisch war es vor einem Jahr, als die 63jährige Tochter der älteren Dame überraschend verstarb. Ich hoffe sehr, ich kann im Februar 2012 zum 90sten Geburtstag dorthin reisen…

    Deine Eindrücke mahnen mich, heute Abend mal wieder bei den Beiden anzurufen!

    Was Deinen treuen Vierbeiner betrifft, kenne ich eine kleine, sehr schöne Geschichte, die ich gleich mit Extra-Kommentar einstelle.

    Herzlich
    Teresa

    Kommentar von Teresa
    Datum/Uhrzeit 24. September 2010 um 14:55

    “Die Regenbogenbrücke

    Irgendwo auf dieser Seite des Himmels gibt es einen wunderschönen Platz, den man Rainbow Bridge nennt. Wenn ein Tier stirbt, das hier auf der Erde einem Menschen ganz nah war, dann geht dieses Tier zur Rainbow Bridge. Dort sind Wiesen und Hügel für alle unsere besonderen Tiere, und dort können sie laufen und zusammen spielen. Sie finden dort viel Futter und Wasser und Sonnenschein, und sie fühlen sich dort sehr wohl. Die Tiere, die krank und alt waren, sind wieder völlig gesund und voller Energie; die verletzt oder verstümmelt waren, sind wieder heil und stark, so wie wir uns an sie erinnern, in unseren Träumen von vergangenen Tagen und Zeiten. Sie fühlen keinen Schmerz und kein Leid, nur Wohlbefinden.
    Die Tiere sind glücklich und zufrieden bis auf eine Kleinigkeit: Sie vermissen jemand ganz Besonderen, den sie zurücklassen mussten. Sie alle laufen und spielen zusammen, aber der Tag wird kommen, an dem eines plötzlich stehen bleibt und besorgt in die Ferne schaut. Die klaren Augen sind aufmerksam, der gespannte Körper zittert. Plötzlich läuft es von der Gruppe weg, fliegt über das grüne Gras, seine Beine tragen es schneller und schneller.
    Es hat Dich entdeckt, und wenn Du und Dein besonderer Freund endlich zusammentreffen, haltet ihr Euch in freudiger Wiedersehensfeier aneinander fest, um nie wieder getrennt zu werden. Glückliche Küsse regnen auf Dein Gesicht herab; Deine Hände streicheln wieder den geliebten Kopf; und Du schaust wieder in die treuen Augen Deines Freundes, der vor so langer Zeit und schmerzvoll aus Deinem Leben gegangen ist, aber nie aus Deinem Herzen.
    Und dann geht Ihr gemeinsam über die Rainbow Bridge…. um für immer zusammen in Frieden und Freude und Liebe zu leben.
    …….wann immer Du einen Regenbogen siehst, weißt Du das Dein Freund in Deiner Nähe ist.”

    Vielleicht hilft Dir die kleine Geschichte bei der Trauer um das geliebte Tier…

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 24. September 2010 um 15:52

    Liebe Teresa,

    vielen Dank für deine beiden Nachrichten.

    Die Dinge vor Ort ändern sich immer. Bei meinem vorletzten Aufenthalt in Sibiu stand da plötzlich eine vielstöckige Bauruine mitten in der Innenstadt, direkt am Bahnhof, was die Gegend da, die sowieso nicht schön ist, noch weiter verschandelt. Die Dinge würden sich aber auch verändern, wenn man dabei wäre, um es zu beobachten.

    Es gibt viele Menschen, die etwas für andere tun. Ob du das mit deiner Familie bist, die etwas für rumänische Rentner tun, und die Rentner sind mit die Ärmsten in dieser Gesellschaft; ob es die GTZ ist oder die KfW, die sich in Rumänien engagiert haben, ob das Leute sind, die an Weihnachten für Afrika spenden oder ein privater Förderer, der einem Künstler, einem Maler, ein Stipendium ausgelobt hat, wie ich letztens hörte; ob es Haiti ist oder Bangladesch oder Pakistan: Solange es Menschen gibt, die mehr haben als andere und diese bereit sind, das zu teilen, was sie haben und nicht brauchen, solange Menschen das noch können, zwischen dem, was sie brauchen und dem was sie nicht brauchen zu unterscheiden, solange ist mir ganz gut zumute. Solche Menschen und solche Institutionen sind wichtig.

    Wenn ich nicht zufällig gerade Schriftstellerin werden wollte, dann würde ich am liebsten Wohltäterin werden. Ich wollte als Kind, nachdem ich mir das rumänische Präsidentenamt abgeschminkt hatte, im Dezember 1989, zur Uno. Das ist heute keine wirkliche Alternative mehr, weil ich da die falsche Ausbildung habe. Der Gedanke ist jedoch manchmal noch da. Außerdem stecke ich schon zu tief drin, im Sumpf dessen, der im Kern die Schriftstellerei ausmacht, Zitat ANH: „Ruhmsucht“. es geht nicht um geld, es geht um eine andere Währung: Ruhm. Anerkennung.

    Die Geschichte um die Rainbow Bridge ist schön. Sie ist kindlich naiv, aber das ist nichts Schlechtes, das kann einem durchaus helfen. Wer hat das geschrieben?

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von Teresa
    Datum/Uhrzeit 24. September 2010 um 20:46

    Liebe Aléa,

    ich weiß leider nicht, von wem die Geschichte über die REGENBOGENBRÜCKE stammt, ich erhielt sie selbst vor einigen Monaten von einer Freundin, als der erste der beiden Zwillingskater, die uns 20 Jahre begleitet hatten, im November letzten Jahres, sich wie ein alter Indianer auf- und davon machte, um sich ein Plätzchen für die ewigen Jadggründe zu suchen. Zwei Tage nach Erhalt der Geschichte sah ich zwei Regenbögen und dachte an die Geschichte und sah “Mogly” vor mir, wie er fröhlich vereint mit “Diva”, unserer 14jährigen Katzenlady, die drei Jahre vorher gegangen, über die Farbenbrücke tollen… Diese Vorstellung half…

    Warum nicht ein Praktikum bei der UNO wagen, liebe Aléa? Es sind dort Menschen mit ganz unterschiedlichen Ausbildungen, und aus unterschiedlichsten Berufskontexten kommend, tätig. Entscheidend ist es, dass man sprachlich versiert ist (mindestens Engl. od. Französisch gut beherrscht und eine weitere UNO-Sprache). Unter folgendem Link findest Du weitere Infos über die sog. “Internships bei der UNO” bei ihrem Ableger in Wien (Praktikumsmöglichkeiten von 2 bis max. 4 Monaten): http://www.unvienna.org/unov/en/job_internship.html

    Falls Dich weitere Infos interessieren, maile mir.

    Herzlich
    Teresa