31 August 2010
Betriebsferien – Vacanţă 01. 09. – 22. 09. 2010
Gestern war ich in den Geschäften unterwegs. Ich wollte mir graue Strümpfe kaufen. Ich wollte ein wenig bummeln. Ich wollte schauen, was es so gibt. Und was es nicht gibt. Von dem, was es gab, gab es sehr viel. Von dem, was es nicht gab, gab’s sogar noch mehr. Ich habe mir auch Strümpfe gekauft. Ein Paar von denen, die es gab. Von denen, die es nicht gab, gab’s zwar auch welche, das waren auch Strümpfe und die waren auch grau, aber die waren mir zu teuer. Die gab‘s also wirklich nicht. Die Dinge, die es nicht gibt, die gibt es aus bestimmten Gründen nicht.
Ursprünglich wollte ich nicht sang- und klanglos in den Urlaub verschwinden und das Blog und Berlin alleine lassen. Jetzt mache ich das aber doch so. Ich wollte erst einige Kapitel aus meinem Roman einstellen. Man hat mir davon abgeraten. Das war gut. Und gut war auch, dass ich dem Rat gefolgt bin. Ich will den Text einmal verkaufen. Es wird also, wenn ich wieder komme, auch in diesem Bereich einige Veränderungen geben. Ich muss lernen, mich und meine Fähigkeiten zu verkaufen. Das kann ich bisher gar nicht. Dazu werde ich Anstrengungen unternehmen müssen.
Dennoch wird dies hier in den kommenden drei Wochen keine Brache. Soweit ich NO verstanden habe, wollte er noch Texte zu Uwe Johnsons „Jahrestagen“ einstellen, unter Lieber NO. Alle anderen Kommentare oder Nachrichten sind mir natürlich auch willkommen. Sollte hier nichts geschehen, ist das durchaus kein Fehler. Erholungspausen sind wichtig für die nächste Kontraktion.
Ich werde bisweilen ins Netz gehen und eventuelle Kommentare freischalten. Dazu muss ich aber nach Sibiu fahren. In meinem Dorf gibt’s kein Netz. Da gibt es nur das Netz sozialer Beziehungen und das ist für die moderne Kommunikation völlig ungeeignet. Da kann man nur mit den Nachbarn reden. Wenn ich in der Stadt bin, lasse ich mich auch gerne auf einen Kaffee einladen, sagen wir Donnerstagmorgens gegen 11.00 Uhr (Ortszeit) im „Internetcafé“ in der Strada Nikolae Balcescu 27.
Die Tasche ist mehr oder weniger gepackt und morgen geht’s mit dem Zug in Richtung Karpaten, 1700 Kilometer in 25 Stunden und 30 Minuten, durch Deutschland, Tschechien, Slowenien, Ungarn bis nach Rumänien. Warum liegt Deutschland bloß in so einem abgelegenen Winkel der Welt?
Ich habe viele gute Wünsche bekommen, Grüße und Ermahnungen. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Die denkbar seriöseste Recherche in Bezug auf meine Heimat, habe ich Bersarin zu verdanken, der nicht nur mich, sondern auch alle meine Freunde sehr genau kennt und die sagenumwobenen transsilvanischen Partys, auf die er offenbar ein begehrliches Auge geworfen hat.
Ich wünsche allen eine gute Zeit. Bleiben Sie gesund. Oder werden Sie’s. Ruhen Sie sich aus. Oder strengen Sie sich an. Lassen Sie die Flügel hängen. Oder steigen Sie in die Lüfte. Ganz wie Sie das wollen. Oder genau umgekehrt.
Ich möchte, dass alle noch da sind, wenn ich wiederkomme. Ich zähl‘ das durch.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: August 31st, 2010 unter Allzupersönliches, mittel












Kommentar von Teresa
Datum/Uhrzeit 31. August 2010 um 12:19
Liebe Aléa,
ich wünsche Dir einen wunderschönen Aufenthalt zuhause in Rumänien, vor allem eine eindrucksvolle Reise durch einen der (nicht nur landschaftlich) schönsten Räume Mitteleuropas. Wie ich Dich beneide! Es ist fast ein wenig schade, dass Du in einem Rutsch durchfährst, nicht hier oder da anhältst, aussteigst, Dich vom Reiz und der besonderen Ausstrahlung einzelner Städte einnehmen und treiben lässt.
Du kommst auf Deiner Zugfahrt durch wundervolle europäische Städte: Dresden, Prag, Brünn, Bratislava, Budapest – um nur einige wenige zu nennen.
Du er-fährst im wahrsten Sinne des Wortes „Europas Wiederkehr aus dem Geist der Städte“, wie Karl Schlögel in „Marjampole“ in vielen kleinen Essays und Reportagen seine Liebeserklärung an einige der mitteleuropäischen Städte, darunter auch Brünn, beschreibt.
Ich hoffe so sehr, wir dürfen über Deine „grenzüberschreitenden, transnationalen“ Wahrnehmungen dieser Zugfahrt lesen!!!
Wie wirst Du sie empfinden, diese Zugfahrt? Als ein Ineinandergleiten von einer europäischen Region in die nächste? Oder gar schon als Verschwinden des Raumes? Als E I N (Mittel)Europa? Oder DOCH noch als sehr unterschiedlich?
Wirst Du einmal einnicken, zwei, drei Stunden dahin fahren, aufwachen, hinaus aus dem Zugfenster blicken, die Pracht weiß getünchter Barockkirchen mit ihren Zwiebeltürmen erkennen und nicht wissen, ob Du in Ungarn oder noch in der Slowakei bist?
Wer wird zu Dir ins Abteil steigen? Ich hoffe sehr, Du sitzt in einem Abteil (das Reisen ist dort anders wie im Großraumwagen). Welche Menschen wirst Du treffen? Was werden sie Dir erzählen, auf dem kurzen Weg zwischen Dresden und Prag oder zwischen Bratislava und Budapest, bevor sie umsteigen, in eine andere Richtung wie Du weiterreisen? Werden es Europäer sein oder Menschen aus anderen Staaten der Erde, die Dich ein Stück Deines Weges morgen begleiten?
Was sind die markanten Eindrücke, die Dir nach der Ankunft an Deinem Heimatort, etwa am Donnerstagmorgen im Cafe sitzend, oder eine Woche später, am Ende Deines Urlaubs, oder dann auf der Rückreise an die Hinreise in Erinnerung sind?
Eine eindrucksvolle Zugfahrt, die Dich langsam hinüber gleiten lässt in die Heimat und eine schöne Zeit zuhause, das wünsche ich Dir, liebe Aléa.
Mit einem Taschentuch in der Hand stehe ich hier und winke Dir zum Abschied hinterher, begleitet von folgender FANFARE ciocarlia. Mögen sie Dich auf Deine Zugfahrt einstimmen: “Manea Cu Voca” unter nachfolgendem You-tube Link
Herzlich Teresa, die Dich in drei Wochen zurück erwartet, nicht dass Du mir, wie im Video die Fanfare Ciocarlia, bis zum Winter bleibst