27 August 2010
Die “Transfăgărăşan”
In den letzen Tagen habe ich sehr viel mehr Zeit als gewöhnlich. Der Druck der letzen Monate ist raus. Oder er geht so langsam raus. Ich fühle mich wie ein Luftballon, ich werde schlaffer und schlaffer. Jetzt kommt, kurz vor der Fahrt, auch noch ein schwerer Anfall von Heimweh dazu. Mein Heimweh besteht aus zwei Teilen, der eine fragt sich, wie ich hierhergekommen, und der andere, wieso ich wegegangen bin. Normalerweise kenne ich beide Antworten. Manchmal kommt’ s eben durcheinander.
Ich komme aus einem kleinen Dorf bei Sibiu. Das liegt in den Karpaten, da ist es schon bergig. Als Kind bin ich die Hügel hoch und wieder herunter gekraxelt. Der alpine Teil der Karpaten, das Făgăraş-Gebirge, liegt genau zwischen Sibiu (Hermannstadt) und Brașov (Kronstadt). Dort liegt der Moldoveanu, der höchste Berg Rumäniens. Wenn man von der einen Seite des Gebirges auf die andere will, von Siebenbürgen in die Walachei oder umgekehrt, muss man durch dieses Gebirge. Und dann nimmt man die die Transfăgărăşan. Das ist angeblich eine der schönsten Straßen der Welt. Diese Passstraße führt zu einem See auf einem Hochplateau, das Bâlea Lac. Wer meinen Vornamen in Erinnerung hat, kann sich vorstellen, dass ich eine spezielle Bindung an dieses Gewässer habe. Als Kind habe ich mir eingebildet, dass das mein See ist. Vielleicht war‘s auch keine Einbildung.
Das sind von zu Hause eineinhalb Stunden Fahrt mit dem Auto, das sind vielleicht sechzig oder achtzig Kilometer. Ich kenne mich da nicht so aus, Kilometerangaben interessieren Menschen, die einen Tachometer vor Augen haben und das habe ich nie. Da dauert auch deswegen so lange, weil die Straßen nicht geradeaus gehen.
Ich war ich da mehr als einmal. Ich kenne das dort, ich kenne den Weg dahin, ich kenne den langsamen Aufstieg, das Gefühl, dass einem schwindelig wird und auch das, wenn man oben angekommen ist, dieser See und das Château dort, das alles gehört zu meiner Kindheit. In dem folgenden Video kann man sehen, was ich damals gefühlt habe, jedenfalls meine ich, dass man das sehen kann.
Das folgende Video beschreibt auf den ersten Blick dasselbe, viel professioneller allerdings, Bilder von Spezialisten. Witzig, wenn man british humor mag, die behaupten da: the road surface is as pimply as a teenagers face. Vielleicht fahren die auch einfach nicht die richtigen Autos.
Obwohl dieses Video die Sache, die Transfăgărăşan schöner darstellt, gibt das erste meine Kindheit treffender wieder, den Blick aus dem Autofenster. Und wahrscheinlich war das Auto, das wir damals hatten, auch eine Nummer besser.
Im Folgenden ein paar Bilder aus Sibiu und der Umgegend. Ich kann die leider nicht einzeln beschriften, weil es mir nicht gelingen will, die Worte über die Bilder zu setzen, das verschiebt sich immer. Ich befürchte, wenn ich zu lange mit den html-codes experimentiere, dass etwas kaputtgeht. (Alle Fotos sind bei Flickr heruntergeladen, mit Angabe des Autors oder der Autorin. Ich hoffe, dass ich damit den jeweiligen urheberrechtlichen Bedingungen entspreche).
Geschrieben: August 27th, 2010 unter Allzupersönliches, lang
























Kommentar von schneck08
Datum/Uhrzeit 28. August 2010 um 02:06
Ich bin sehr gespannt, was Sie berichten werden. Wieso haben Sie eigentlich das “Alea hat’s hier reingestellt…” etc., diesen kleinen Reim, weggemacht? Den fand ich immer recht schön. /Eine genauso schöne Reise wünsche ich, und kommen Sie gut, gesund und voll wieder zurück!