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  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • 08 August 2010

    Sie haben eine halbe Stunde

    [Mr NO and Mrs MB mahnten an, dass mein Erlebnis im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum in der vergangenen Woche, wo mich ein Asiate fotografierte und dann erschreckt fortlief, ich erst ungläubig schaute und dann laut lachte, dass dies in eine Geschichte münden müsse. Ich wechsele also ins Märchenfach. Das ist nicht das, was ich mir für meine weitere Entwicklung vorstelle, aber es geschah schließlich nicht irgendo, es geschah in the Grimms!]

    Eines Tages, Wu war schon hundert Jahre alt oder noch älter, da erzählte er, wie er vor langer Zeit nach Europa gefahren war. Er war noch jung damals. Er hatte keine Kinder und er wollte einmal nach Europa bevor er starb. Was willst du denn in Europa?, fragten die Leute. Aber das wusste Wu nicht genau. Als er fünfzig war, spürte er, dass es soweit war. Lange hatte es so ausgesehen, als spiele es keine Rolle, ob er jetzt führe oder später. Mit einem Mal drängte dann die Zeit. Eilig packte er seine Habseligkeiten zusammen. Dann saß er tagelang auf seiner Tasche. Er konnte ja nicht einfach losgehen, wie er das gewohnt war. Er musste auf den Bus warteten, der ihn die Stadt brachte. Von dort würde er mit einem Flugzeug fliegen.

    Drei Wochen blieb Wu in Europa. Als er zurück kam und aus dem Bus ausstieg, erkannte man ihn kaum wieder. Schwarzhaarig wie er immer gewesen war, hatte er in den Wochen seiner Abwesenheit graues Haar bekommen. Auf seinem Antlitz lag etwas Rätselhaftes. Wie war es in Europa?, fragten ihn die Leute. Was hast du erlebt? Aber Wu antwortete nicht. Er sprach von da an nur noch das Nötigste. Er aß, er trank und er bestellte sein Feld. Er fütterte die Ziegen und die Hühner. In seiner freien Zeit aber saß er vor seinem Häuschen und schaute in die Ferne. Das ist der Vorbote des Todes, sagten die Leute. Zuerst sprachen sie nur hinter seinem Rücken, dass er es nicht hörte. Dann wurden sie mutiger und sagten es auch in seiner Nähe. Schließlich sagten sie es ihm direkt ins Gesicht. So vergingen die Jahre. Die Leute in seinem Alter starben. Es starben auch Jüngere. Wu aber starb nicht.

    Die jungen Leute wohnten inzwischen in der Stadt, sie fuhren Auto und schauten fern und telefonierten den halben Tag. Am Wochenende kamen sie zu Besuch. Sie sahen Wu vor seiner Hütte sitzen, eine Schale Tee zwischen den Fingern. Sie erinnerten sich daran, dass Wu in Europa gewesen war und danach das Reden eingestellt hatte. Zehn oder zwanzig Jahren ist das her. Oder noch länger. Unendlich lange. Wu war uralt. Manche kannten sein Schicksal nur aus den Erzählungen der Eltern. Wu hatte schon vor seiner Hütte gesessen, als sie noch nicht geboren waren. Solange sie denken konnten, saß Wu schon dort. Erzähl uns, was du in Europa erlebt hast, hatten sie ihn als Kinder gebeten. Wu aber schaute an ihnen vorbei in die Ferne. Später forderten sie ihn jedes Wochenende auf, zu erzählen. Aber sie glaubten nicht daran, dass er, der schon immer alt und grau gewesen war, der vielleicht so auf die Welt gekommen war, den Mund aufmachen würde.

    Eines Tages, als man ihn zum hundertsten oder tausendsten Mal gebeten hatte, schaute er die Leute an als sähe er sie zum ersten Mal und als hörte er auch ihre Fragen zum ersten Mal. Sie haben eine halbe Stunde, sagte er. Ein halbe Stunde?, fragten sie Wu. Man hat für alles eine halbe Stunde, nicht mehr und nicht weniger. Die Leute wussten nicht, was sie mehr verwundern sollte, dass Wu wieder sprach oder dass er in Rätseln sprach. Als sie am kommenden Wochenende wieder zu Besuch waren, da erzählte Wu, ohne dass sie ihn auffordern mussten. Man hatte eine halbe Stunde. Für Westminster Abbey und die Tate Modern in London, das Louvre und für Sacré-Cœur in Paris, für das Prado in Madrid und Guggenheim in Bilbao, das Nationale Kunstmuseum und den Regierungspalast in Bukarest, den Reichstag und Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum in Berlin. Jedes Mal sagte der Reisebegleiter, Sie haben eine halbe Stunde. Wer weiß, was nach dieser Zeitspanne passiert. Vielleicht darf man diese Grenze in Europa nicht ungestraft überschreiten.

    Das sind seltsame Menschen, sagten seine Mitreisenden, die schon einmal in Europa gewesen waren. Man kann sie vom Äußeren kaum unterscheiden und sie starren einen an. Wu war ein wenig besorgt. Da alle anderen eine Kamera hatten, kaufte auch er einen solchen Apparat. Wer weiß, wozu das gut ist, sagte er sich. Er hatte noch nie eine Kamera besessen. Es war ein billiges Modell, eine Einmalkamera. Sie hatte nur einen einzigen Knopf, auf den man drücken musste, wenn man ein Foto machen wollte. Das konnte man fünfzig Mal tun. Dann war sie voll und man schickte sie ein und bekam die Bilder zurück. Wu trug die Kamera immer mit sich herum, aber er benutzte sie nicht. Er wusste nicht genau, ob er ein Foto machen wollte.

    Eine halbe Stunde hatten sie auch in Berlin, erst im Reichstag und dann im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum. Das ist eine Bibliothek, fast weiß, sehr gerade Formen, schmale Fenster, bis unter das Dach vollgestellt mit Büchern. Der Führer sagte in paar Worte zu den beiden Brüdern, die der Bibliothek den Namen gaben. Sie hatten Worte gesammelt und alte Geschichten, Mythen und Märchen. Danach wurde die obligatorische halbe Stunde angekündigt. Wu konnte sich nicht erinnern, warum die beiden andern, mit denen er bisher zusammen gewesen war, in Berlin nicht dabei waren. Jedenfalls zog er in der Bibliothek alleine los.

    Vielleicht war Wu in Gedanken gewesen. Vielleicht hatte er Hunger oder Durst gehabt, er geriet jedenfalls zwischen die Regalreihen. Wenn er am Ende einer dieser Regale angekommen war, drehte er sich um und ging den nächsten Gang entlang. Er ging Treppen hoch, Stockwerk um Stockwerk stieg er immer höher und höher, aber wohin er auch kam, es sah überall gleich aus. Regale bis ans Ende des Horizontes. Wu fühlte sich einsam. Er hatte schon lange keinen Menschen mehr gesehen. Er vernahm ein Brummen, aber er konnte nicht sagen, woher es kam. Er geriet immer tiefer hinein in den Raum und immer tiefer in die Zeit. Es wurde dunkler, die Regale rückten enger aneinander, sie bogen sich über ihm zusammen. Wu fand das unheimlich. Nach jedem Regal, wendete er sich erneut und kam wieder in einen anderen Gang, der in die Tiefe führte und an dessen Ende er wenden musste. Er vergaß alles um sich herum. Er ging nur noch die Regale entlang, wendete am Ende und ging den nächsten Gang. Es wurde immer dunkler, aber Wu bemerkte das nicht. Und dann schrie er mit einem Mal in höchster Angst auf. Er hielt sich dich Kamera zum Schutz vor das Gesicht und drückte ab. Dann schrie er noch einmal und rannte um sein Leben.

    Wu konnte sich nicht erinnern, wie er aus dem Gebäude herausgekommen war. Er konnte sich auch nicht an die Tage danach erinnern, an das restliche Europa. Er zog sich auf sein Zimmer zurück. Er sprach nicht mehr. Als seine Reisebegleiter sich nach ihm erkundigten, ließ er ausrichten, er fühle sich nicht wohl. Man solle sich keine Sorgen machen. Auf dem Flug war er in sich gekehrt. Er vergaß, sich von seinen Reisebegleitern zu verabschieden. Im Bus, der ihn in sein Dorf zurückbrachte, separierte er sich von den anderen. Als er ausstieg, sahen die Leute ihn besorgt an. Er reagierte nicht auf die Fragen, die sie ihm stellten. Er kümmerte sich um sein Haus und sein Feld und sein Vieh. Er würde alt werden. Er würde alt werden und immer älter, hundert oder tausend Jahre alt. Aber er würde nicht sterben.

    In ein paar Jahren, sagte er sich, wollte er noch einmal fahren. Er hatte es nicht eilig. Er wollte noch einmal nach Europa fahren, noch einmal dieselbe Reise. In Berlin würde er das Grimm-Zentrum besuchen und die Führung mitmachen. Dann käme dieser unverständliche europäische Ritus, Sie haben eine halbe Stunde, und Wu würde alleine losziehen. Er würde in die Tiefen dieses Gebäudes eindringen, er würde durch die Regale irren, immer tiefer und tiefer hinein in den Raum und in die Zeit, und ganz am Ende würde sie vor ihm stehen, diese große rothaarige Erscheinung, sie würde Feuer speien und lachen. Vielleicht würde sie ihn verschlingen.

    Solange dieser europäische Drache mit ihren feuerroten Haaren und ihren glühenden Augen auf ihn wartete, solange würde er nicht sterben. Wu strich mit seinen Fingern über das Foto, das er damals gemacht hatte. Das einzige Foto in dem Apparat. Er hatte nur einen Abzug anfertigen lassen, weil er der Meinung war, dass mit jedem weiteren die Erinnerung verblasse. Und das wollte Wu nicht.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.



    Kommentare

    Kommentar von Melusine B
    Datum/Uhrzeit 8. August 2010 um 18:21

    Liebe Aléa,

    Mrs. MB ist hoch erfreut ☺ Wie ich bereits bei anderer Gelegenheit andeutete, kann ich von rothaarigen Drachenweibern nie nicht genug kriegen. Für Wu kann eine rothaarige Drachin nur eine Feuerdrachin sein, ein Urmutter-Symbol, denn wussten Sie, die Chinesen stammen alle von Drachen ab? Doch müssen Sie, magische Feuerspuckerin, jetzt auf sich (und aus Verantwortung für Wu) gut aufpassen: Der Feuerdrache fürchtet nichts mehr als das Wasser. Und Berlin liegt doch am Meer….

    Andererseits: Die Märchen, auch die chinesischen, gehen immer gut aus. Die Grimmschen sowieso (hier sind sie übrigens, die fleißigen Brüder: http://picasaweb.google.com/115278108945397062386/BruderGrimm#5503064184561701218 ): „Do kricht die Königsdochter den ollen Brögam noch ton Mann, un se lävt recht vergnögt un herrlich un in Freuden.“ Womit ich lautmalerisch wieder beim Mecklenburger Johnson wäre, aber jetzt ganz eleeeegant die Kurve wieder kriege mit den „Jahrestagen“ zurück zu den Chinesen: „Welcome to San Francisco, Gesine! Und was mache in S.F. die Chinesen? Einige stehen entgeistert in einer Galerie zum Schießen mit Luftgewehren auf bewegte Ziele, da betrachten sie eine europäische Touristin mit einem amerikanischen Kind, die haben einen fremdsprachigen Wortwechsel. Geht die Dame hin, nimmt ein Gewehr, hat nach zehn Schüssen eine Weckeruhr sich verdient, den Hauptpreis. Klatschen Beifall, neidlos die Zuschauer. Das machen in S.F. die Chinesen.“

    Ich kann jedoch nichts beisteuern, um einen Blick zu werfen auf die hügelige Stadt am Pazifik, die ich leider nur aus die „Straßen von San Francisco“ kennen (Erkennungsmelodie: http://www.youtube.com/watch?v=_EaSV4Mgjwo ) Können Sie aushelfen, lieber NO?
    (By the way: Über die „Sizilische Reise“ kann ich noch nicht schreiben, da ich noch mittendrin stecke, hab´s im Urlaub nicht geschafft…Ist aber nicht vergessen.)

    Herzliche Grüße
    MB

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 8. August 2010 um 21:10

    Liebe Melusine,

    ich habe als Kind nicht viele Märchen gelesen und wenn, dann stammten sie entweder aus der Siebenbürger Ecke, d.h. sie waren deutschsprachiger Herkunft und auf Deutsch geschrieben oder es waren rumänische Märchen. Grimms Märchen kannte ich nur dem Namen nach. Also habe ich mir zur Vorbereitung meiner kleinen Geschichte einen Band mit Grimms Märchen übers Wochenende aus der Bibliothek ausgeliehen. Und dabei bin ich auf die schärfsten Sachen gestoßen, ich wollte am Wochenende anderes machen, aber dann habe ich Grimms Märchen gelesen, nicht nur, aber mehr als ich wollte. Kennen Sie dieses, es heißt „Das eigensinnige Kind“ könnte aber ebenso gut Die herzlose Mutter heißen:

    „Es war einmal ein Kind eigensinnig, und tat nicht, was seine Mutter haben wollte. Darum hatte der liebe Gott kein Wohlgefallen an ihm, und ließ es krank werden, und kein Arzt konnte ihm helfen, und in kurzer Zeit lag es auf dem Totenbettchen. Als es nun ins Grab versenkt war, und Erde über es hingedeckt, so kam auf einmal sein Ärmchen wieder hervor, und reichte in die Höhe, und wenn sie es hineinlegten und frische Erde darüber taten, so half es nicht, es kam immer wieder heraus. Da musste die Mutter selbst zum Grabe gehen, und mit der Rute aufs Ärmchen schlagen, und wie sie es getan hatte, zog es sich hinein, und das Kind hatte nun erst Ruhe unter der Erde.“

    Ich wusste auch nicht so genau, wo ich das Märchen nun einordnen sollte, dann hatte ich den Namen Wu und das klingt eher chinesisch als japanisch. Ich kenne mich mit Drachen auch nicht so aus, ich kennen einen, der kommt aus dem Russischen und heißt Smok – also eigentlich Смок – , in Rumänien heißt er Zmeu oder Zmey und der sieht so aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Zmei_Gorinich_%28colour_fixed%29.jpg

    Da bin ich ganz froh, dass ich den nicht näher kenne. Außerdem kenne ich noch Frau Mahlzahn von „Jim Knopf und die Wilde 13“ und die ist ja nun Chinesin, sozusagen. Wenn Drachen eine Nationalität haben. Ich wusste ebenfalls nicht, ob Drachen nicht eher männliche Tiere sind, habe mich dann aber einfach über die Geschlechterfrage bei dieser Spezies hinweggesetzt und meine Zeit lieber mit dem Experimentieren mit Fotos verbracht. Eigentlich sollten die Leuchten im Hintergrund einen Feuerschein abgeben, aber das ist nicht so gut gelungen und ich wollte auch nicht die Wohnung in Brand setzten, nur um einen feuerspeienden Drachen zu imitieren. Ich hätte nicht gewusst, wie ich es der Feuerwehr erklären sollte.

    Ich kenne mich nicht nur mit New York nicht aus, auch San Francisco kenne ich nicht. Aber wir werden hier immer internationaler.

    Ich bin gespannt, was Sie zu dem Buch von ANH sagen. Es wundert mich nicht, dass Sie das Buch noch nicht gelesen haben. Ich hatte mich eher gewundert, dass Sie Ihren gesamten Urlaub damit verbringen, so lange Texte einzustellen, da ist ja kaum ein Tag vergangen, an dem Sie keine Eintragung gemacht haben.

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von Melusine B
    Datum/Uhrzeit 8. August 2010 um 22:19

    Liebe Aléa,
    herrliches Bild vom Zmey (die Version gefällt mir am besten, weiß aber nicht warum)! Die Verbindung zwischen den Drachen und den Chinesen ist offensichtlich intensiv. Über die Geschlechterfrage sollten Sie nicht hinweg gehen :) , falls Sie sich weiter in Drachenkunde vertiefen. Wichtig ist außerdem die Unterscheidung in Feuer- und Wasserdrachinnen. (Das ist bei Ihnen gar keine Frage!)

    Von den Grimmschen Märchen kannte ich die längste Zeit nur die verharmlosten Kinderversionen. Die allerdings wurden vorgelesen, so lange ich denken kann. Die “harten Sachen” habe ich erst spät gelesen. Als Kind war mir wichtig, dass “sie sich am Ende kriegen” (ich mochte eben vor allem die Geschichten mit Prinzessinnen). Im Prinzip ist das immer noch so!

    Herzliche Grüße
    MB
    (Das Schreiben im Blog im Urlaub war gar nicht aufwändig. Sonst habe immer so ein kleines Notizheft geführt, diesmal hab ich´s halt gleich ins Notebook getippt.)

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 8. August 2010 um 22:42

    Liebe Melusine,
    ich bin nicht ganz sicher, ob ich mich noch weiter in die Drachenkunde einarbeite. Erst einmal bin ich ganz zufrieden mit meinem ersten Märchen und werde morgen wieder ans Romanschreiben gehen.
    Das liegt mir mehr im Blut.
    Noch eine Banalität zum Schluss – weil Sie sagten, Sie hätten nur in den Laptop tippen müssen, was Sie früher in ein Notizbuch geschrieben haben – ich wüsste nicht mehr, wie ich ohne meinen Laptop klarkommen sollte.
    Aléa

    Kommentar von NO
    Datum/Uhrzeit 9. August 2010 um 18:47

    In China, weißt du ja wohl, ist der Kaiser ein Chinese, und alle, die er um sich hat, sind Chinesen.

    Liebe Inspektorin Heller,

    klar könnte ich, nur wo anfangen? In China Town? Durchs große Drachentor in die größte Ansammlung von Chinesen außerhalb von China? Im chinesischen Teehaus im Golden Gate Park? Bei Asian Food mit Freunden im „Flying Saucer“!? – aber das ist schon lange zu.

    Eine der schönsten und europäischsten Städte in den ganzen großen USA. Da sitzt einer, der hätte John Mulhern heißen können, der macht heute Musik. Die besten Eggs Benedict gibt’s im Cliff House, in Sausalito wohnt eine Anwältin auf einem Hausboot, und „Berkely“, das hat heute noch denselben zauberhaften, großen Klang, wie damals, als Dustin Hoffman im roten Cabrio da hochfuhr.

    Ihre Johnson-Einsprengselung ins Chinesische ist ja so etwas von märchenhaft, das gibt’s ja gar nicht. Und a` propos Märchen: Nicht umsonst stehen die von den Grimms auf der ZEIT-Liste der 100 Bücher. Und nun Frau Fafner. Welche Schätze hütet die …..

    Beste Grüße

    Mike Stone

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 9. August 2010 um 22:09

    Lieber NO,
    ich sehe nicht mehr durch. Ich bin mit meinem Deutsch am Ende. Und auch mit meinem Latein! Wie heißt das?: ich strecke die Flügel? Ich habe da eine Formulierung im Kopf, die ich nicht richtig im Kopf habe. Ich denke Melusine und die hoffentlich anderen Johnson Freunde hier können etwas damit anfangen. Dustin Hoffman im Cabrio? Frau Fafner? Inspektorin Heller? Mike Stone? Ich verstehe all diese Anspielungen nicht. Aber das macht nichts. Ich freue mich dennoch.
    Aléa

    Kommentar von Melusine B
    Datum/Uhrzeit 10. August 2010 um 00:46

    Liebe Aléa,

    er (NO) spielt auf “Die Straßen von San Francisco an. http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Straßen_von_San_Francisco
    So alte Leute wie NO und ich haben das geguckt :) Wenn Karl Malden so ein bisschen bedenklich den Kopf geschüttelt hat, weil Michael Douglas ein wenig zu lang einer Langbeinigen auf oder unter den Mini-Rock schaute. Oder: die Autoverfolgungsjagden. Ich habe es ja nur wegen denen eingeschaltet (Ha, alles gelogen, zu der Zeit hatte ich überhaupt kein Mitspracherecht. Papa hat eingeschaltet.)

    NO, Sie wecken meinen Neid. In SF kennen Sie chinesische Heilpraktiker, werden von bezaubernden Anwältinnen auf Hausboote eingeladen und fahren im Cabriolet den Berg hoch, um Mrs. Robinson zu verführen :)

    “All across the nation such a strange vibration
    People in motion
    There’s a whole generation with a new explanation
    People in motion people in motion”

    Ich würde auch Blumen im Haar tragen. Sogar das.

    Herzliche Grüße
    Melusine

    Kommentar von NO
    Datum/Uhrzeit 10. August 2010 um 12:37

    Meine liebe Mrs. Bancroft, also kurz: MB,

    wir kommen zwar vom Thema ab, nämlich das ganz bezaubernde, anrührende, nach mehr zaghaft zu bitten wagende, bild-schöne Märchen von Frau Fafner. Und fehlten mir nicht immer noch die Worte ….. Was ist schon eine chinesische Nachtigall verglichen mit einer Drachin?

    Aber das muss jetzt mal eben dahinstehen wie die anstehende Bearbeitung der Stücke Papier vor mir. Selten so geschmunzelt wie über die Kombi dieser beiden Kommentare!!

    Doch wenn Sie mir mit Scott McKenzie kommen, liebe MB, dann komme ich Ihnen mit „parsley, sage, rosemary and thyme“:

    If you say that you can’t, then I shall reply,
    Parsley, sage, rosemary and thyme,
    Oh, Let me know that at least you will try,
    Or you’ll never be a true love of mine.

    Es gibt Dinge, die ziehen sich durch das ganze Leben. Und das ist gut so. Und so kriegen wir auch wieder den Bogen zur Literatur, Märchen oder nicht. Bei mir ist das nicht nur der ernsthafte Uwe Johnson, sondern auch der vielleicht nur anders ernsthafte Charles Webb, ich las „The Graduate“ schon im Englischunterricht in der Schule. Der Film ist Kult, Simon and Garfunkel selten (aber erinnerungsschwer), und vor einigen Jahren sah ich eine Bühnenfassung der „Reifeprüfung“ am Broadway mit der wunderbaren Kathleen Turner, womit wir wieder zurück sind bei Michael Douglas, deren Filmpartnerin das war (u.a. im „Rosenkrieg“), bevor er großartige Filme ohne sie machte wie „Wall Street“ und „Traffic“.

    Tja, über all diese Dinge und noch viel mehr könnten wir plaudern, wie ein altes Ehepaar, das haben Sie ja, meine liebe MB, zu Recht festgestellt.

    Beste Grüße

    Benjamin Braddock

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 10. August 2010 um 17:38

    Mrs MB and Mr NO,
    ich sehe, hier wird geflirtet. Das findet unbedingt meine Zustimmung, vielleicht kann ich ja noch etwas lernen.
    AT

    Kommentar von Melusine B
    Datum/Uhrzeit 11. August 2010 um 14:08

    Aber Aléa, wir flirten doch nicht. Wir sind zwei sentimentale älter Werdende, die sich freuen, Erinnerungen zu teilen. (Ich habe ja im Übrigen hinlänglich klar gestellt, warum ich gar nicht flirten kann ;-) : Sie erinnern sich an die Karte im Zug usw…

    Lieber No, Rosmarin und Thymian – bringt mich nach Italien. Zu dem Versprechen zurück, Ihnen meine Lektüreerlebnisse zur “Sizilischen Reise” zu schildern. Werde ich. Dieses brennend-verbrannte Sizilien in Herbsts Buch ist mir grade gleichzeitig nah und fern von meinem grüngewässerten Garten aus durch die Rauchschwaden um Moskau geblickt und demnächst Wein aus Irland ordernd, hört man? —Ich glaube, ich werde Ihnen darüber schreiben, wie Herbst Landschaft (be-)schreibt. Oder so. Wenn ich fertig gelesen habe.

    Bis dahin: Wird eine Landschaft gezeigt, in der sie nicht heimisch werden wird, die Lisbeth Cresspahl, und weiß auch nicht, ob sie´s will. (Ich ging noch mal zurück auf Anfang, lieber NO.). Steht beim Thatched Cottage (6. Oktober 1967) und “befaßte sich mit dem vorgegebenen Blick auf die Themse hinunter, über straff abfallende Parkwiesen, zwischen vornehm und gefällig arrangierten Baumgruppen auf die buschigen Ufer, die Inselhaine, das Wasser, das im Abendschatten bläulich wurde; sie zählte auch in Briefen auf, was klare Tage an Weitsicht hergaben: das Schloss von Windsor, die Höhen von Berkshire, den Berg von St. Anne, den Schweinerücken und davor die Wolken aus Kastanienblüten über dem Bushey Park mit seinen zahmen Hirschen und Rehen; es tröstete sie nicht.” Richmond: ´Da konnte sie doch nicht klagen´, meint Marie. Ja, es wird einem bang von Lisbeths Trostlosigkeit, weiß man doch, was kommt, auf sie zukommt, weil sie nicht bleiben mag dort. Weiß, wohin sie zurück geht. Aber Marie: Nur so kam´s, dass Gesine und Jakob und du…So. Alles in allem. Ist´s nie recht.

    Alle wollen immer woanders sein. Damit Berlin am Meer liegt. Und Böhmen auch.

    Gruß
    Melusine

    Kommentar von NO
    Datum/Uhrzeit 13. August 2010 um 01:07

    Liebe Melusine B.,

    ich will keineswegs woanders sein, ich bin schon ganz richtig da, wo ich bin. Aber reisen, dass wäre natürlich trotzdem was – vielleicht im Herbst.

    Und Ihr Beschrieb von dessen sizilianischen Märchen, ja darauf warten ich und andere. Zumal ich selber noch nicht dort war leider. Vor Jahren las ich Fests “Im Gegenlicht”, der Italien von Süd nach Nord bereiste, wie Goethe, und von den Felsnspringern berichtete, Schillers Taucher erwähnend. Das war ein Meilenstein! Ich versank nämlich ernsthaft in Schillers Balladen für immer.

    Und genauso wenig kenne ich Irland und Moskau, und was Sie da alles benennen. Aber Cornwall – Penzance und Lands End – dahin hat es mich geführt, mit einem, der könnte Neil Craiger Maccraiger geheissen haben (hat er aber nicht), und noch welchen es war a party of four,im südlichen England.

    Die Johnson-Passagen in und über England waren komischerweise nicht meine Lieblingsstellen, aber Sie haben schön die Verbindung geschlagen zu der zitierten (und hübschen) Stelle. Ja, ich habe das jetzt sogar ein- oder zweimal nacgelesen. Die Passage ist wunderschön. Sie haben recht und ehernhalber füge ich ein Zitat an (vom 30. September 1967):

    “Sie beschrieben von Richmond den Park, die behäbigen Geschäfte in der George Street,Reiter im Park, Paraden der East Surreys in ihren roten Röcken, Schlittschuhlaufen auf der Eisbahn an der ichmond Bridge”.

    Und haben Sie gelesen am 1. Oktober 1967:

    “Mrs. Robinson hat nach Dir gefragt. Und so mit schönen Grüßen.”

    Beste Grüße
    ach und: Sagen Sie Phyllis Kiehl unbekannterweise bitte: Weitermachen und Bild zurück, böse Menschen lesen keine Literatur- und Kunstseiten.

    NO

    Kommentar von Melusine B
    Datum/Uhrzeit 13. August 2010 um 23:58

    Lieber No,

    Phyllis Kiehl richte ich das aus.

    Ich verstehe gut, warum Sie die England-Stellen nicht so mochten. Meine Erinnerung an das Erstleseerlebnis ist auch so: Es lag bei mir daran, dass ich Lisbeth dort nicht leiden mochte. Wie Marie. Richmond. “Da kann man doch nicht klagen.” (Ich mag Greenwich noch lieber). Das Paar Lisbeth/Cresspahl – das ist eh´so eine Sache. Ein anderes Mal… Ich komme gerade an die Bücher nicht ran, möchte Ihnen aber doch schon antworten. Sonst würde ich Ihnen auch gerne mit einem Zitat “entgegnen” (besser wäre: “entsprechen”).

    Danke für die Mrs.Robinson-Stelle. Hatte ich überlesen.

    Schillers Balladen haben eine Geschlechter-Schlagseite: nicht nur die Glocke. Ach, das ist so eine Sache mit Schiller. Ich mag ihn lieber als den anderen. Aber die Schwestern: Charlotte und Karoline. Armgard und Melusine – Sie verstehen? Das Schiller´sche Produktionsmodell braucht die eine daheim. Die andere als: Muse. Überholt. (ist das nicht?) (Und spiegelverkehrt?) Aber ich verstehe, wie Sie der Taucher hinabziehen konnte. Man muss den laut lesen, stimmt´s?

    Ich war auch noch nie auf Sizilien. Nicht in Rom. Oder St. Petersburg. Das ist, was mir am Älterwerden zu schaffen macht. Nicht dass ich mich weniger schön finde (eigentlich gefalle ich mir heute besser als vor zehn Jahren:) Doch die Zeit wird knapp. Die Bücherstapel. Was ich noch lesen will. Und wieder lesen will. Was ich noch sehen will. (Sogar Braunschweig steht auf der Liste: Eine Freundin sagt: Du musst unbedingt ins Herzog-Anton-Museum nach Braunschweig). Ich rechne. Das ist einfach nicht zu schaffen.

    Freue mich für Sie, dass Sie sagen können: Ich bin richtig da, wo ich bin. Den Satz kann ich für mich so nicht übernehmen. Was allein an mir liegt.

    Herzlich

    Melusine

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 14. August 2010 um 09:51

    Liebe Melusine,

    mir gefällt die Formulierung auch sehr gut, dass jemand dort, wo er ist, richtig ist. Aber auch an diesem Ort wird die Zeit knapp. Und durchs Lesen und Reisen vermehrt sie sich ebenfalls nicht. Vielleicht ist diese Bestimmung, dass man an dem Ort ist, an dem man sein will, ja auch anders gemeint? Man kann durchaus weg wollen – mit Büchern oder mit Reisen – aber man muss auch dort sein wollen, wo man gerade ist. Oder, wenn man weg will, muss man es umsetzen. Oder man muss das Wegwollen so umsetzen, dass man es nur in Reisen oder Lesen umsetzt. Für mich hat Lesen auch etwas mit Reisen zu tun. Mit wegwollen. Vielleicht hat das Wegwollen auch gar nichts mit dem zu tun, ob man da, wo man ist, weg will oder nicht. Ob man sich da wohlfühlt oder nicht. Sondern einfach mit einer Art Disposition.
    Oder habe ich etwas falsch verstanden?

    Aléa

    Kommentar von NO
    Datum/Uhrzeit 16. August 2010 um 14:23

    Liebe Aléa Torik,

    aus meiner Sicht haben Sie nichts falsch verstanden. Und tatsächlich, die Zeit wird überall knapp, wird sie immer, haben schon ganz andere gesagt und ich erlaube mir, hier aufschreibwürdige Worte dreier Merk-Würdiger zu wiederholen:

    „Aber die Jugend ist: Unwiederbringlich.
    Unwiederbringlich. J e d e s Jahr, jede Stunde, Minute. Nie derselbe Fluss (aber ähnlich ist er – wenn die Behörde das zulässt).
    So verrast die Zeit. Als gäbe es sie nicht.
    Nicht, dass sie langsamer vergeht, die Zeit, oder schneller, sie vergeht einfach. Du kannst nichts dafür oder dagegen tun. Wenn einem an normalen Tagen die Zeit davonläuft, wenn sie einem fehlt, wenn man die Zeit füllt wie ein leeres Gefäß, es wird jeden Tag aufs Neue entleert. Nur Einbildungskraft und Imagination formen vielleicht aus dem harten und unnachgiebigen Strom der Zeit etwas Wächsernes und Weiches.“

    Wenn Sie einmal unterstellten, man schaffte es, pro Jahr 10 gewichtige Bücher zu lesen, dann wären das in – sagen wir einmal – 30 Jahren ziemlich genau 300 Stück. Und zwar einschließlich derer, die man noch einmal lesen will! So einen Stapel von 300 Büchern könnte eine Frau durchaus neben sich aufbauen. Das wäre keine Unmöglichkeit. Aber daran, dass man das kann – vier, fünf Bücherstapel machen ein Zimmer nicht voll – sieht man die Endlichkeit. Es erinnert mich an jenen Jorge aus „Nachtzug nach Lissabon“, vielleicht nicht die allergrößte Weltliteratur, aber ein Büchlein, was mir sehr lieb geworden ist (u.a. wegen Maria Joao‘s braunen Knie). Jorge kaufte sich ein Klavier, weil er immer spielen lernen wollte. Und dann begreift er, die Zeit reicht nicht. Es bleibt nicht mehr genug Lebenszeit, um Klavierspielen noch so zu lernen, dass er die geliebten Goldberg-Variationen noch wird spielen können. Seitdem ist ihm das Klavier Symbol der verrinnenden Zeit.

    Wenn Sie Melusine sehen, Aléa, dann sagen Sie ihr doch, es gäbe ein arabisches Sprichwort, welches sagt, „wer in seinem Leben die Alhambra nicht gesehen hat, der ist blind gestorben“, dass ich aber nach eigener Inaugenscheinnahme glaubte, dieses Sprichwort sei übertrieben, also nicht wahr, dass ich aber glaubte, nein wüsste, mit Rom sei das anders.

    Und lassen Sie mich abschließend noch einmal, und diesmal vielleicht deutlich und laut, sagen, dass Sie ein wunderschönes Märchen geschrieben haben. Ich wollte, es gäbe mehr.

    Liebe Grüße

    NO

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 16. August 2010 um 19:48

    Guten Abend.

    Ja, es wird und wurde viel über die Zeit philosophiert.
    Ich habe jetzt auch wieder Zeit. Wir waren ein paar Tage in Verona, wo meine Frau den Schaden an einem Tafelbild aus dem chinquecento betrachten und beurteilen sollte. Ein erheblicher Schaden, Schimmel usw.. Endlich konnte sie mal zeigen was sie kann. Der Auftrag kam zwar über soziales Kapital (Beziehungen), aber, wie gesagt, sie kann es auch. Es kommt immer darauf an, was einer kann, dass einer was kann.
    Ich bin die Zeit über in der Stadt herumgelaufen.
    Aber ich habe keine „Erzählung“ dabei, machen Sie sich keine Sorgen.
    Es gibt von den Arabern auch noch andere Sprüche über die Zeit, einer geht so: Alles und jeder hat seine Zeit, selbst ein Hund hat seine Zeit.

    Herzliche Grüße
    Avenarius

    Kommentar von Melusine Barby
    Datum/Uhrzeit 17. August 2010 um 17:55

    Ich philosophiere nicht. Über die Zeit. Alles relativ. Selbstverständlich. Außer dem Tod. Heute keine ganzen Sätze. Warum? Weiß nicht.

    “Jesus, lass mich fröhlich enden / dieses angefangne Jahr. /Trage stets mich auf den Händen, / halte bei mir in Gefahr. / Freudig will ich dich umfassen, /wenn ich soll die Welt umfassen.”

    Singen die. Silvester 1950/51. Steht direkt vor der “Gelben Phase” bei Johnson (31. Juli 1968) Erste Silvesterfeier bei Cresspahls seit 1937. Jakob bringt Krebse. Gesine kocht. Nach Rezeptzettel. Ist abgelenkt. Vom sich rasierenden Jakob. Dann, offenbar, wird gesungen. Nicht: Auld lang syne, wie´s Marie tun wird. Denk ich. Godet Niejar, Gesine! Sagt Jakob. Denk ich mir. Danach wird´s gelb.

    “Sie müssen die Sache mehr gelb sehen.” ´Tschuldigung, Mr. Johnson/Mr. No, ich sehe grün. Am 3. August erfahren wir etwas über Mrs. Blumenroth. Aus den Karpaten. Mag die Karpaten nicht, die andere Mrs. B. Will nach Prag. Oder Rom. Oder Chicago. Alexander Dubcek geht ihr nicht aus dem Sinn: “Sozialismus mit menschlichem Antlitz”. Antlitz und Heimsuchung. Da verfolgt dich das. Tagelang. Bloß zwei Wörter. Kommst du nicht von los.

    @No. Alhambra. Meine Mama sagt: Die musst du sehen. Die auch. Noch. Und Rom. Und…Ach, ich lerne fliegen: Giermomentausgleich (http://de.wikipedia.org/wiki/Hubschrauber) . Noch so ein Wort. Taucht hervor aus einem schönen, wärmeren Tag her. Ohne Regen. Am See.

    Weiterlesen. 10 gewichtige Bücher im Jahr. Ich schaff das.

    Herzliche Grüße

    Melusine

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 17. August 2010 um 21:29

    Liebe Melusine,

    nur wenige Worte: wie machen Sie das eigentlich? Sie schreiben an Ihrem eigenen Blog und dann noch für die Veranda und kommentieren auch noch bei mindestens einem Dutzend anderer Blogs. Schränken Sie da irgendetwas anders ein? Schlafen Sie nicht? Vielleicht fällt die Wahl auf elliptische Satzkonstruktionen auch aus ökonomischen Gründen.

    Welches sind die 10 wichtigen Bücher in diesem Jahr?

    Aléa

    Kommentar von Melusine Barby
    Datum/Uhrzeit 17. August 2010 um 21:57

    Was ich einschränke: das Kochen mehrgängiger Menüs unter der Woche, die Gartenarbeit (Unkraut gedeiht gut bei mir dieses Jahr), das Bügeln (habe ich schon immer gehasst), Fernsehen (gar nicht mehr), Zeitungslektüre (nur noch ausgewählte). Außerdem ist momentan Fußball-Sommerpause:)

    Die Bücher aus diesem Jahr, die mir spontan einfallen (ohne wiedergelesene):
    Ford Maddox Ford: Some don´t/No more Parades/A man could stand up
    Alice Munro: The view from castle rock
    Janet Frame: Selected poems
    Brian K. Vaughan: Y. The last man (1-10)
    Alex Ross: The Rest is Noise (lese ich noch dran)
    Hans Belting: Florenz und Bagdad
    Alban N. Herbst: Sizilische Reise (bin ich auch noch dran)
    So bis hierher. Sind ja noch 5 Monate. Außerdem lese ich auch noch Sachen wieder und jetzt habe ich bestimmt ganz viel vergessen und so…
    Gruß Melusine

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 17. August 2010 um 22:00

    Lieber Avenarius,

    keine Geschichte: schade!

    Ihre Frau begutachtet Schäden. Könnte ich mal vorbeikommen und mein Gesicht vorzeigen? Was würde Ihre Frau dann mit mir machen? Ist alles reparabel? Von Schimmel würde ich noch nicht reden wollen, vielleicht eher Materialerschöpfung. Aber der Urlaub steht ja ins Haus. Und so ein Urlaub kann sicher auch das eine oder andere rückgängig machen. Echter Verletzungen allerdings nicht. Die heilt angeblich die Zeit. Oder die Restauratorin.

    Zu dem Spruch aus dem Arabischen: es gibt auch etwas Ähnliches in meiner Muttersprache, das fällt mir gerade nicht ein, ich komme noch drauf. Wenn nicht, bringe ich es aus Rumänien mit.

    Herzlich aus der Hauptstadt der Betrunkenen
    (gerade grölt da einer, vielleicht grölt er auch nicht, sondern er singt etwas aus dem Radio)

    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 17. August 2010 um 22:38

    Lieber NO,

    ich fürchte, mein Ausflug in die Welt der Märchen ist vorerst vorüber. Aber dennoch vielen Dank für das Kompliment, eigentlich war ich auch ganz zufrieden. Es ist immerhin mein erstes Märchen. Und es ist auch nicht mein, sagt man Spielplatz? (nachträgliche Verbesserung: man sagt Spielfeld)

    Zur verrinnenden Zeit. Dazu hat man sicher, je nach Alter, ein anderes Verhältnis. Ich erkenne Ihre Geschichte, wo das Klavier als ein Symbol für die verrinnende Zeit beschreiben wird. Ich erinnere mich aber auch, ich glaube, es war Schnitzler, einer dieser Autoren, die sehr viel in dieser österreichisch-ungarischen Zeit gelesen wurden, oder war das dieser Sandor Márai? Jedenfalls ist da von einem 80-jährigen Mann die Rede, der voller Enthusiasmus das Geigenspiel erlernt. Wahrscheinlich wird er kein guter Violinist mehr. Aber das werden die meisten nicht, unabhängig vom Alter. Er ist einfach jemand, der optimistisch an die Sache herangeht. Auch wenn es dazu eigentlich keinen Grund gibt.

    Sekunde: ich muss mal eben einen Eintrag zur Zeit machen. Zum Älterwerden, ich muss ein paar Minuten basteln.

    AT & T

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 18. August 2010 um 22:01

    So schlimm kann es nicht sein, Alea. Meine Frau hat es ja leider nur mit alten „Schinken“ zu tun.
    Damit eine auf Restauration gezielte Expertise sich lohne, sollte vorher das Exponat wenigstens ansatzweise bekannt sein. Dazu würden schon einige Lichtbilder genügen, aus denen hervor geht, in welche Richtung sich die Veränderung bewegt. Bringt die Veränderung der Farbstoffe und Pigmente ein Verblassen des Kolorits, handelt es ich um mindestens eine andere Ursache als im Falle einer Tendenz ins Dunkel. Ein Durchscheinen des Primer fordert die ganze Kenntnis und Phantasie des Kunstgelehrten, damit das Verlorene gefunden werde und nicht ein Surrogat alles verderbe. Risse und Brüche in Nessel und Holz können gut photographiert werden. Es muss immer die einmal erreichte Einheit das Ziel sein, ganz wie in Ethik und Moral, wo die Fragmentierung das Ende bedeutet. Hier, ganz unten, wo das Material spricht, konvergiert die Kunst mit der Moral, das hat Jünger ganz gut beobachtet, besser noch Montaigne.

    Avenarius

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 18. August 2010 um 23:22

    Lieber Avenarius,
    so schlimm ist es nicht, es ist Erschöpfung, die ich bald ein wenig beheben werde, auskurieren. Ich werden drei Wochen eine Rekonvaleszente sein und dann hier in good old germany wieder mit aller Kraft an die Arbeit gehen. Ich bin nur gerade richtig ausgelaugt und bei mir konvergiert derzeit gar nichts mehr. Ich bin heute ganz früh aus der Bibliothek nach Hause gegangen und habe mich ins Bett gelegt, was gar nicht meine Art ist. Ein alter Schinken bin ich noch nicht. Ich habe vor Kurzem vernommen, dass eine Frau mit 30 ihren Schachtelgeburtstag hat. Dann hört sie auf eine (junge) Frau zu sein. Und wird zu einer alten Schachtel.
    Gute Nacht
    Aléa

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 18. August 2010 um 23:30

    Gute Nacht.

    Ich bewundere Ihr Vokabular.

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