03 August 2010
Männerfreizeit
Ich sehne mich nach einer Liebesnacht mit einem Mann: Das jedenfalls schrieb mir der Bücherblogger. Er tat es, weil ich meinen vorletzten Beitrag mit den Worten endete, dass alle Bücher meiner Sommerlektüreliste von Männern geschrieben wurden.
Da hat dieser Mann nicht ganz unrecht. Ich lese üblicherweise im Bett. Meist ohne jeden erotischen Anflug. Und wenn, wird’s hier aller Voraussicht nicht thematisiert. Es wäre in der Tat nicht schlecht, wenn sich hier und heute ein stattliches männliches, oder zumindest vorwiegend männliches Exemplar einfinden könnte, um holden Minnedienst zu leisten. Dieses Exemplar möchte bitte zuvor nicht bei meiner Mitbewohnerin vorbeigehen, um daselbst abgefangen zu werden und dann niedere Liebesarbeit verrichten zu müssen.
Ich sehne mich nach einem Mann. Allerdings ist mir auch nicht gleich jeder recht und billig. Ich sitze fünf Tage in der Woche in einer Bibliothek, die als der Laufsteg unter den Berliner Bibliotheken gilt, und nicht nur für Frauen. Da läuft durchaus das eine oder andere mit Testosteron angereicherte Exemplar dieser in Frage kommenden Spezies herum. Das dürfte nicht so schwer sein, einen von denen mittels – das nehme mir bitte niemand krumm – recht einfacher Mittel davon zu überzeugen, sich etwas näher mit einem zu beschäftigen. Die Argumente, für die Männer wirklich empfänglich sind, werden im Anatomiekursus unterrichtet, nicht im Logikkurs.
Vielleicht bekäme ich das infrage kommende Exemplar auch noch zu mehr als einer Liebesnacht herum, zu zehn oder tausend, oder, wenn er richtig fleißig sein sollte, auch zu zehntausend Liebesnächten. Allerdings werden weder aus zehn noch aus zehnttausend Liebesnächten jemals tausendundeine Nacht. Weil dies eine Zahl ist, ein Wert, der nicht auf der Zahlenskala zu finden ist. Das ist eben der Zauber, jenseits von Zahl und Wert und sonstigen Maßeinheiten, die bei Männern wie bei Frauen angelegt werden können; ein Zauber, der sich nur im Moment erweisen kann: Bei einem Rendezvous, das irgendwo zwischen Versprechen und Verführen liegt. Jenseits vom vögeln. Wobei das, wie ich bereits sagte, auch gut sein kann. Und manchmal kommt ja auch zusammen, was zusammen gehört.
Das sieht heute Abend also tatsächlich nach einer Männerfreizeit aus, auch bei Olga iss nix mit Männern. Wir machen uns gleich Mangolassi, es gab drei Mangos für einen Euro fünfzig! Und Morgen gibt es noch Salat mit Mangostreifen. Statt Männer. Das wäre der Alternativtitel dieses Beitrags gewesen: Mangolassi statt Männer. Dann habe ich mich aber doch noch für den etwas anspruchsvolleren Titel entschieden.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: August 3rd, 2010 unter Confusion sexuelle, mittel












Kommentar von Rolf S.
Datum/Uhrzeit 3. August 2010 um 23:02
Liebe Aléa,
entschuldigen Sie bitte meinen unerwarteten Kommentar an dieser Stelle, die kaum passender hätte sein können, da es um den Roman einer Frau geht, aber es treibt mich immer noch um, seit ich die letzte Seite gelesen habe. Wovon rede ich? Von “Nichts” von Janne Teller. Bitte lesen Sie das “Buch”, die einhundertvierzig Seiten kosten Sie vielleicht zwei oder drei Stunden Ihres Lebens und sind es wirklich wert. Wenn es einen Wert gibt. Nihilismus wird in dem Buch groß geschrieben.
Frauenfreizeit
Ich sehne mich nach einem Kuß von einer Frau. Diesen ersten kleinen Kuß, der fragt, ob man küssen darf und wie es sich anfühlt, der zweite kleine Kuß, um sicher zu gehen, daß einen die Sinne nicht getäuscht haben, der dritte längere Kuß, um alle Zweifel auszuräumen, den Blick in die Augen zwischendurch, weil man sich jetzt schon nicht mehr sicher ist, ob man träumt, den vierten, der, der den Teppich entführt und nicht mehr endet.