Archiv vom 24.07.2010
24 Juli 2010
Und sie vögelten die ganze Nacht
Ich wollte eine Besprechung zu „Die wilden Detektive“ von Roberto Bolaño schreiben. Aber ich werde das nicht tun. Ich habe inzwischen so viel Zeit damit, ich kann nur noch das Verb verschwendet nutzen, dass ich jetzt die Notbremse ziehen muss. Dieser Mann und ich, seine und meine Vorstellungen sind nicht kompatibel. Gehen wir einfach davon aus, dass es meine Unzulänglichkeit ist. Aber ich will wenigstens andeuten, was mir missfällt.
Mein Ärger entzündet sich am Sex. Am Umgang Bolaños mit dem Thema. Für mich hat der Mann nur ein Thema: vögeln und gevögelt werden. Er macht das – für mein Empfinden – auf eine Weise, dass ich nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. Da sind reihenweise Männer die vollkommen lieblos mit ihren Schwänzen in Frauen herumstochern. Weder den Frauen noch den Typen scheint‘s, bis auf wenige Ausnahmen, sonderlich zu gefallen. Von Emotionen ist da gar nicht die Rede. Da wird nicht verführt, da wird nicht angebahnt, da ist keine zärtliche Hand, keine fragende oder zustimmende Geste: da ist nur Schwanz und Votze. Die Geschichten drum herum, die empfinde ich als belanglos. Hinterher wird dann doch jeder von jedem gevögelt. Das empfinde ich als adoleszentes Gestammel. Und darauf habe ich keine Lust. Mag sein, dass es andere erregt. Mag sein, dass er oder sie das als wild und erotisch empfinden, die deutsche Literaturkritik ist offenbar begeistert von diesem Mann und seinen Büchern. Ich finde, dass Erotik am anderen Ende der Veranstaltung angesiedelt ist. Von dieser Erotik hat Bolaño keine Ahnung. Oder meinetwegen sagen wir: ich habe sie nicht. Ich habe keine Ahnung von Literatur und auch nicht von Sex, meinetwegen: solange ich nichts mehr von dem lesen muss, stimme ich zu. Das ist manchmal so, da passen zwei nicht zusammen und dann muss man es lassen. Es bedarf eines Funkens. Bei Bolaño nicht, aber bei mir.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema mittel, Paralipomena | Eintrag von Aléa Torik | um 16:27 eingtragen | Kommentare: 19 | Kommentieren











