17 Juli 2010
„Als ich das erste Mal mit einem Jungen im Bett lag“
„Als ich das erste Mal mit einem Jungen im Bett lag war es, es war so gemacht, dass Enttäuschung nicht möglich war.“
Für mich ist diese Formulierung von Birgit Kempker eine der schönsten Formulierungen über die Liebe. Wenn man schon ein paar Tage gelebt hat und wenn man nicht ganz vorbeigegangen ist, am Leben meine ich, wenn man also mit anderen zusammengestoßen ist, und sich dann wieder hat trennen müssen, wenn man mit Hoffnungen begonnen hat und mit Enttäuschungen geendet, wenn man Hoffnungen in Enttäuschungen sich hat verwandeln sehen müssen; wenn man sich dann an das erste Mal erinnert und daran, was möglich gewesen wäre, wenn mit der ersten Enttäuschung nicht die Enttäuschung in das eigene Leben gekommen wäre, dann versteht man, oder man meint zumindest zu verstehen, was für eine ungeheure Situation Frau Kempker da beschreibt: „ … es war alles so gemacht, dass Enttäuschung nicht möglich war“.
Hier gibt es das als pdf. Wunderschön gemacht von Urs Engeler, roughbooks, wo ich es auch ausgeliehen habe. Ich hätte sehr gerne das pdf als Bild hierher gestellt, aber ich habe es nicht geschafft, das zu verwandeln. Die Technik hat mir ein Bein gestellt. Wenn jemand weiß, wie man ein pdf in ein Bild verwandelt, dann bitte eine Nachricht an mich, ich nähme es gerne.
Ich lese – leider – gerade, dass Enttäuschung durchaus möglich war, mehr als Enttäuschung: im Schreibheft, die Autorin ist vor Gericht gelandet und das Buch verboten worden. Da glaubte offenbar jemand, sich wiedererkannt zu haben. Und hat die Ehre nicht verstanden mit einer solchen Formulierung gemeint zu sein, der Adressat einer solchen Formulierung zu sein! Einklagen müsste einer vielmehr, dass er permanent von Birgit Kempkers lyrischen Worten gemeint ist. Das müsste einer versuchen, sich bei einem Schriftsteller als „gemeint“ einzuklagen.
Hier ein Auszug, ich habe das irgendwo gefunden.
„Als ich das erste Mal mit einem Jungen im Bett lag
war es Cornelius Busch, er war Mann, Junge,
Mädchen, Frau, Mutter, Vater, Oma, Opa, Blume, Tier
und Sofa, er war wie ich, er war das andre von mir,
gar nicht wie ich, er war sanft, fuhr den Bulli mit den
Rollstühlen drin durch die Wiesen mit den Stieren,
er hatte Muckis und Matrosenpullover, er hatte was
im Kopf, was Verrücktes, Locken, er war streng,
zärtlich, witzig, normal, außergewöhnlich, sehr ernst,
er passte in die Natur, war ordentlich, wirr höflich,
er war künstlich, ironisch, bös, er war lieb, anmutig,
tapsig, galant, ein Fisch, ein Vogel, Frosch, er war so
alt wie ich, ich viel älter, er viel jünger, und er viel
älter und ich viel jünger als er, phasenverschoben, das
war, wenn wir sagten: liegen da nicht ein Mädchen
und ein Junge im Bett? es ist nicht zu fassen, dass ich
eine bin, zu der so ein Satz einmal passt.“
Hier gibt ein einige Informationen zur Autorin.
Und hier ist es auch. Mit bestem Dank an Dietmar Hillebrandt, dem Bücherblogger.
Geschrieben: Juli 17th, 2010 unter Lyrik, mittel, Sprache & Liebe













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Datum/Uhrzeit 17. Juli 2010 um 11:04
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