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  • 19 Juni 2010

    „Wo seelenlos ein Feuerball sich dreht“

    Seit einiger Zeit versuche ich, ein richtiges Wochenende zu machen das mindestens aus einem, idealerweise aus zwei Tagen besteht. Ich will nichts schreiben und ich will nichts für die Uni machen. Das klappt natürlich nicht immer. Es klappt nie. Aber ich halte an dem Plan fest.

    Heute ist Samstag und meine Freundin Stella war zu Besuch. Stella ist inzwischen sieben Jahre alt. Wir sind, sagt Stella, Freundinnen. Ich empfinde das genauso. Der Altersunterschied ist uns beiden nicht so wichtig. Nach kurzen Anfangsschwierigkeiten, da ich ihren Besuch nicht erwartete und ich meinen Tagesablauf umbauen musste, saßen wir auf den Boden und spielten Memory.

    Das Spiel besteht aus vielleicht sechzig Karten, die mit Tiermotiven bedruckt sind, jeweils zwei Karten mit demselben Motiv, die Pärchen genannt werden. Die Karten werden auf den Boden gelegt, mit dem Rücken nach oben, das bei allen dasselbe Muster zeigt. Die Aufgabe der Spieler besteht darin, Pärchen zu finden. Man darf zwei Karten umdrehen, sich anschauen und dann muss man sie wieder mit dem Rücken nach oben auf den Boden legen. Beide Spieler sind abwechselnd dran. Es gilt also das Gedächtnis zu trainieren und zu behalten, welche Motive an welchen Stellen auf dem Boden liegen: man sieht ja nur die vielen Karten mit demselben Rückenmuster. Wenn man zwei Karten mit demselben Motiv hat, darf man sie wegnehmen. Wer am Ende die meisten Pärchen hat, der hat gewonnen. Das ist im Leben so: es gewinnt immer der, der am meisten hat.

    Stella war sehr versessen aufs Gewinnen, ich gar nicht, mir war‘s egal. Ich war an diesem Morgen ein wenig in Gedanken. Ich hatte zuvor mit meiner Mutter telefoniert, die Großmutter ist gefallen und ins Krankenhaus gekommen. Meine Mutter wollte von mir wissen, ob ich im Sommer komme und wann ich komme. Das ist alles nicht schlimm, die Oma ist schon wieder entlassen worden und meine Mutter wollte von mir einen Termin wissen: das sind keine unüberwindlichen Hürden. Ich war, aus welchen Gründen weiß ich gar nicht, am Telefon etwas ruppig. Oder nicht anteilnehmend genug. Ich hatte das seltsame Gefühl, meine Mutter sei gegen mich und nicht für mich. Auch dabei weiß ich nicht so genau, woher das kam. Da spielen sicher Dinge eine Rolle, die lange her sind und die es in jeder Familie gibt. Das alles hat mich beschäftigt, als Stella aufkreuzte, unbeschwert und gutgelaunt, und gewinnen wollte: gegen mich und nicht mit mir zusammen.

    Es kam zu einer Situation, wo Stella ein Pärchen aufnehmen konnte. Aber etwas stimmte nicht, ich war unkonzentriert und schaute nicht genau hin. Stella nahm die beiden Karten, schaute mich aber zweifelnd an, lachte lauthals, und sagte dann: „Lea, das war doch gelogen.“ Sie hatte das Pärchen gar nicht gebildet, sie hat meine Unkonzentriertheit bemerkt und mich übers Ohr gehauen! Aber mit welcher Selbstverständlichkeit das Kind annahm, dass ich die Lüge durchschaue. Weil sie selbst ja wusste, dass sie log, nahm sie an, dass ich es auch wissen musste. Sie unterschied gar nicht zwischen Wahrheit und Lüge, das waren einfach nur zwei Optionen und Stella hat die für sie günstigere gewählt.

    Das erinnert mich an Aristoteles, glaube ich. Ich kann das im Moment nicht nachschauen. Da wird ein Ruder beschrieben, das ins Wasser gehalten wird. Bis zu der Wasseroberfläche sieht das Ruder gerade aus, dort bricht es sich und dann sieht das Ruder gebogen aus. Aristoteles sagt nicht, dass das eine die richtige, das andere hingegen die falsche Wahrnehmung ist. Er spricht nicht von Täuschung und da wird auch nicht eines zugunsten des anderen geopfert. Aristoteles sagt vielmehr, dass zur Wahrnehmung des Ruders sowohl das Gebogene als auch das Gerade gehört. Das sind zwei Aspekte einer Sache. Wahrheit und Lüge sind einfach nur zwei mögliche Dimensionen von Wirklichkeit.

    Die moderne Physik ist da anderer Meinung, sie hat die Lichtbrechung entdeckt. Oder dreister weise erfunden und erlogen. Die Welt ist dadurch vielleicht klarer geworden, weil die Dimensionen Wahrheit und Lüge / Schein deutlicher voneinander geschieden werden können. Aber sie ist auch ärmer geworden, eine Welt, wo seelenlos ein Feuerball sich dreht.

    Wahrheit und Lüge sind keine entgegengesetzten Dimensionen, die überschneiden sich in ganz wesentlichen Punkten. Diese Feststellung ist ein sehr guter Einstieg in den kommenden Beitrag, Mitte der Woche hoffe ich: Alban Nikolai Herbst „Eine sizilische Reise“. Dieser Mann lügt, dass sich die Ruder biegen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.



    Kommentare

    Kommentar von MelusineBarby
    Datum/Uhrzeit 21. Juni 2010 um 23:13

    Liebe Aléa,

    die Überschrift zu diesem Beitrag hat mich sofort magisch angezogen. Nicht gleich habe ich die Metapher für unsere Erde erkannt, sondern es flogen durch meinen Kopf: Spielbälle, Feuerzauber, Jongleure und traurige Clowns. Flitterflatter Zirkuswelt – und wenn der Vorhang fällt: Tristesse. Als ich dann den Link verfolgte, auf Schiller stieß und den weiter gefassten Sinn des Bildes endlich begriff, wurde mir durch ein zweites Nachdenken klar: Meine Assoziation traf. Denn es war ja auch Schiller, der schrieb: “Der Mensch ist nur Mensch, wenn er spielt.” Wenn das Spiel aussetzt, fängt die Leere an. Was nicht mehr s c h e i n e n darf, wird Lumpensack.

    Auch Sie knüpfen ihre Überlegungen an ein Spiel. (Und vielleicht, aber hier projeziere ich jetzt wohl, liegt da auch die Verknüpfung zum Gespräch mit der Mutter: Denn – sind es nicht immer die Mütter, die uns vom Spiel weg rufen? Und nehmen wir ihnen das nicht ein Leben lang – ein wenig – übel? Ich kann das aus doppelter Perspektive schreiben: als Tochter und Mutter).

    Dass der Schein, den die kindliche Phantasie den Dingen verleiht, zur Täuschung erklärt wird: Es mag unvermeidlich sein und bleibt doch eine schmerzliche Ent-Täuschung, aus der auch Literatur entsteht. Ich lese gerade Janet Frame (und ich möchte ihr Werk jeder, jeder, jeder nahe bringen!!!). In einer kurzen Geschichte, die den Titel: “Miss Gibson and the lumber-room” trägt, beschreibt sie, wie ein Arbeiterkind, in dessen karger Behausung es keinen Platz für die Aufbewahrung von Erinnerungstücken gibt, die Hausaufgabe, einen Aufsatz über eben solche Funde zu schreiben, löst: Sie beschreibt einen Hundertzimmerpalast, dessen Räume mit werthaltigen Schätzen der Vergangenheit gefüllt sind: “I mused their all afternoon and the tears very properly came to my eyes.” In Miss Gibsons Augen ist die kleine Autorin eine schlimme Lügnerin. Sie erhält eine vernichtende Bewertung. “I was an awful liar all right.”, schreibt sie zurückschauend. Miss Gibson aber wird sich nicht mehr erinnern an diese Arbeit und ihr Urteil, das bleibt: “Fourteen out of twenty highly improbable watch your writing.” Wem gilt das? Miss Gibson, die Erinnerungen verlangte, aber Phantasien bestrafte?

    Janet Frame, die erwachsene Schriftstellerin, wird keine Erinnerungen be- und erschreiben, die am toten Gegenstand haften. “It was the present that mattered, and Miss Gibson, if you really want to know, we didn´t even have a lumber-room.” Nur eine Erinnerung, die gegenwärtig ist, die s c h e i n t, verdient es, geschrieben zu werden. Und deshalb spielt es keine Rolle, was “wirklich” geschehen ist.

    Die Treue einer Autorin (wie Ihrer kleinen Mit-Spielerin) gilt nicht dem Regelwerk (der “realen” Welt), sondern den Spielteilnehmern und dem Spielspaß. Daher sind Variation und Tausch erlaubt, solange es zu keinem Ausschluss von Spielenden kommt. Für Autoren heißt dies, glaube ich: Man muss dem Lesenden eine Chance geben, hinter den Schein, wie durch einen Schleier, zu schauen (ganz so wie Ihre kleine Freundin Ihnen die Chance gab, die Täuschung zu durchschauen).

    Liebe Grüße, liebe Aléa, ich lese z.Zt., wenn ich Zeit finde, ein wenig durch Ihre Texte – und bin beeindruckt.

    Melusine

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 22. Juni 2010 um 20:40

    Die Musen bestaunen die Nacht.- Das “Feuer” der Alten kam wohl vom Funkeln der Sterne her, wo sie das letzte Geheimnis wähnten. Es war Uranias Gewandt, dessen lichter Faltenwurf die Blicke bannte.
    Dann war es das Feuer der Gaslaternen, aufgestellt zuerst im Paris des 19. Jahrhunderts, das mit seinem weißblauen Licht den Augen die Sterne stahl. Für immer, so schien es, waren die Sternilder fort: il faut etre absolument modern!
    Und es sind die blendenden Flammen irdischer Feuerspeier und Meister pyrotechnischer Attraktionen, die uns unser Aaaah und Iiiih und Ooooh entlocken. Das plötzliche Aufscheinen und jähe Verschwinden dieser Explosionen ist -ob ihr es hören wollt oder nicht- dem Wesen des Kunstwerks nicht fern.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 22. Juni 2010 um 23:13

    Liebe Melusine,
    ich wollte Ihnen heute auf Ihren schönen langen Kommentar antworten, ich freue mich sehr, ich weiß, wie viel Arbeit das ist, das sind immer kleine Texte und die muss man sich erarbeiten.
    Aber jetzt kommt mir gerade etwas dazwischen: das nämlich, was da heute in den Dschungeln passiert ist. Ich sitze ja derzeit tagsüber in der Bibliothek und bekomme nichts davon mit. Heute früh habe ich einen kleinen Kommentar eingestellt und heute Abend komme ich nach Hause und muss mir erst mal zwanzig oder mehr Kommentare von anderen durchlesen, von denen 80 Prozent gehässiger Müll sind, um mir anzuschauen, wer mich da lobt und damit auf seine Seite ziehen will. Und dann müsste ich da wieder drauf antworten und meine Position klären (dass ich nämlich rein aus Lust kommentiere und Texte schreibe und nicht aus Boshaftigkeit wie viele der Leute in den Dschungeln das tun). Mir gehen diese Idioten da drüber auf die Nerven. Das sorgt erstens dafür, dass ich dort nichts mehr schreiben will und zweitens auch nichts mehr lesen will. Ich habe keine Zeit für diesen Müll. Ich bin heute um halb sechs aufgestanden, um diesen Kommentar bei ANH zu schreiben, ich brauche Zeit für solche Sachen, jetzt ist es halb zwölf, ich bin müde, ich müsste noch eine private Mail schreiben, ich will Ihren Kommentar beantworten, das ist noch ein neuer gekommen: ich will das Zeug beim Alban nicht lesen, ich habe keine Zeit für Trolle, für diese Leute. Ich ärgere mich gerade richtig.

    Ich antworte noch auf Ihren Kommentar.

    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 22. Juni 2010 um 23:14

    Lieber Avenarius,
    vielen Dank für den Kommentar : ich bin tomüde, ich antworte, aber erst Morgen. Gute Nacht.
    Aléa

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 23. Juni 2010 um 00:25

    …schlafen Sie gut. Eine etwaige Antwort können Sie ganz hintanstellen. Gar keine Antwort geht auch.
    Denken Sie beim nächstbesten Feuerwerk mal ans Wesen des Kunstwerks.

    Übrigens! Es gibt eine sehr gute Definition des Klatschphänomens von W. Benjamin. Leider weiß ich gerade die Stelle nicht. Ich muß es erst suchen, morgen oder übermorgen.
    Dies nur wegen der vielen “Trolle”.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 23. Juni 2010 um 07:45

    Lieber Avenarius,
    gar keine Antwort geht gar nicht!
    Schlafen war sehr gut.
    Auf die Klatschdefinition bin ich gespannt.
    Guten Morgen

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 23. Juni 2010 um 09:38

    Guten Morgen.

    Die Stelle zum Klatsch steht in den Notizen zum “Destruktiven Charakter” und lautet:
    Das kleinbürgerlichste aller Phänomene, der Klatsch, kommt nur zustande, weil die Leute nicht mißverstanden werden wollen.

    Definition war etwas übertrieben. Aber einer wie Benjamin konnte mit einem Satz mehr sagen als andere mit ganzen Untersuchungen n i c h t sagen.

    Ob jene hermeneutische Barmherzigkeit, wie sie bei Benjamin anklingt (er stand ja über Simmel und Cassirer in aufgeklärter Tradition), nach den verheerenden Erfahrungen in Hitlerdeutschland fortbestanden hätte, wissen wir nicht.
    Für Adorno lief fürderhin jegliches noch so harmlose Gespräch etwa im Eisenbahnwaggon auf Auschwitz hinaus.

    Herzlichen Gruß
    Avenarius

    Kommentar von ANH
    Datum/Uhrzeit 23. Juni 2010 um 09:39

    “Das sorgt erstens dafür, dass ich dort nichts mehr schreiben will und zweitens auch nichts mehr lesen will” Genau das wollen diese Leute erreichen. Und sie gewinnen offenbar, wenn auch Leserinnen wie Sie sich dann aus Der Dschungel verabschieden. Genau so funktioniert das System, genau das ist gewollt, und Sie sind nun Teil der gegnerischen Kriegführung. Mit anderen Worten: Sie wechseln zu denen hinüber, wenn auch mit hängenden Fahnen.

    Schade.
    Einen Gruß an Olga aus Paris:

    ANH

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 23. Juni 2010 um 18:00

    Lieber ANH,

    das Angebot zur Rückkehr zum Sie lehne ich ab. Wir kennen uns schon zu gut.

    Ich war gestern Abend krank. Krank vor Müdigkeit. Wie du vielleicht krank vor Ärger warst. Deswegen war meine Reaktion vielleicht etwas übertrieben, wenn ich da eine generelle Abkehr propagiere. Aber es ist für mich sehr ärgerlich, wenn ich nach Abgabe eines Kommentars (der bei mir, wie bei dir, rein aus Lust geschieht, weil deine Geschichten mich anregen und ich meinen eigenen Senf dazugeben möchte) erst einmal zwanzig Kommentare lesen muss, um zu sehen, wer mich da gerade lobt für meinen Beitrag und aus welchem Gründen er das wohl tut, ich dann also eine Stunde vor dem Bildschirm hänge, zugegebener Weise nicht durchsehe wer mit und wer gegen wen ist, dann bin ich verärgert. Natürlich ist dir die Art und Weise von Phyllis sehr viel angenehmer, undsie hat dann auch einen sehr guten Kommentar geschrieben: auch aus Lust.

    Aber ich finde das Konzept, sich von diesen Leuten auf den Teppich kotzen zu lassen und dann die Kotze wegwischen zu müssen, das finde ich zumindest bedenkenswert. Du musst es wegwischen! Und am nächsten Morgen ist das wieder da. Denn diese Typen und Typinnen schreiben nicht aus Lust. Das ist reine Gehässigkeit. Die geben nämlich keinen Senf dazu sondern Arsen.

    Ich habe heute den halben Tag an der Besprechung von deinem Sizilien-Buch gearbeitet: dass das hier noch nicht steht, liegt daran, dass ein künstlerischer Prozess in Gang ist, der eben manchmal nicht so läuft, wie ich das will. Dann muss ich es noch liegenlassen. Das ist meine Art der Auseinandersetzung mit dem Schriftsteller Alban Nikolai Herbst. Und ich halte sie nicht für die schlechteste.

    Herzlich
    und liebevoll
    Grüße an Olga sind bestellt
    (ausnahmsweise: normalerweise unterschlage ich die ja, Hihi)
    Aléa

    Ich gucke heute Fußball! Ich bin für Rumänien!

    Und alle anderen bekommen Morgen eine Antwort.

    Kommentar von ANH
    Datum/Uhrzeit 23. Juni 2010 um 19:28

    Entschuldigung für das “Sie”, es ist mir rausgerutscht aus meiner Distanz. Ein Reflex.

    Ich weiß, daß diese Leute aus Gehässigkeit schreiben, jedenfalls viele. Aber es gibt auch andere. Und ich möchte nicht als eine Art Zensor immer schon vorherbestimmen, was in Der Dschungel steht. Früher dachte ich, ich lasse a l l e s stehen, das habe ich unterdessen nach schmerzreicher Erfahrung geändert. Jetzt lösche ich bisweilen, aber eben erst hinterher, wenn es schon drinstand. Es würde mich ja auch schmerzen, wenn ich das Zeug vorher “privat” durchlesen müßte und dann noch zu entscheiden hätte, ob es publiziert wird oder nicht. Mir käme das nicht legitim vor, obwohl es natürlich legitim i s t: es sind ja unsere Sites. – Aber die Diskussion hierum ist zu alt, als daß ich sie wiederaufnehmen möchte.

    Herzlich, Dein
    Alban

    Kommentar von NO
    Datum/Uhrzeit 23. Juni 2010 um 19:36

    Wissen Sie eigentlich, wer diesen wunderschönen Text geschrieben hat:

    „So verrast die Zeit. Als gäbe es sie nicht.“: Das ist es vielleicht. Nicht, dass sie langsamer vergeht, die Zeit, oder schneller, sie vergeht einfach. Du kannst nichts dafür oder dagegen tun, du kannst nichts dazulegen oder wegenehmen: alles Ansätze die man versucht, wenn einem an normalen Tagen die Zeit davonläuft, wenn sie einem fehlt, wenn man die Zeit füllt wie ein leeres Gefäß, selbst wenn man zufrieden ist und dieses Gefäß am Abend wieder voll ist, am nächsten Tag ist es wieder leer, oder auch umgekehrt, es wird jeden Tag aufs Neue entleert; wenn ein Tag nach dem anderen kommt und geht, wenn Zukunft und Vergangenheit an einem zerren, dann hat die Zeit etwas weniger werdendes. Während es sie deinem Pariser Zimmer einfach nicht gibt. Oder deine Einbildungskraft und Imagination aus dem harten und unnachgiebigen Strom der Zeit etwas Wächsernes und Weiches formt.
    Geh nicht so nah an die Seine, da sind schon andere ertrunken! Dann nämlich gibt es die Zeit wieder, wenn sie aufhört.”

    Das muss eine große Poetin gewesen sein, eine blinde Malerin etwa.

    Ich schaue jetzt auch Fußball (von Ihnen hätte ich das allerdings nicht gedacht). Ich bin natürlich für Deutschland.

    Herlichst

    NO

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 24. Juni 2010 um 07:50

    Lieber NO, guten Morgen.

    ob Sie’s glauben oder nicht, ich konnte das tatsächlich nicht als meinen eigenen Text wiedererkennen. Ich habe den Einleitungssatz gelesen, wusste, dass er von Alban ist, aber ich habe mich nicht erinnern können, das Folgende geschrieben zu haben. Dann aber ist es mir doch noch aufgefallen.

    Sie waren für Deutschland und sind jetzt vielleicht ein wenig enttäuscht. Sehen Sie es einfach so: dadurch, dass Rumänien gewonnen hat, hat zumindest niemand verloren.

    Alle anderen, ich weiß, das sage ich schon länger, alle anderen Avenarius und Melusine, bekommen heute Abend eine Antwort. Ich muss heute weiter an meinem Roman schreiben: wenn ich das nicht mache, dann frisst mich das auf, das Schreiben ist nichts als ein sich wehren gegen das gefressen-werden.

    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 24. Juni 2010 um 07:51

    Lieber Alban,

    ich bin noch nicht so lange dabei, aber ich kann mir vorstellen, dass du diese Diskussionen und Überlegungen schon oft angestellt hast. Es ist ja auch dein Blog und wenn du den Trollen, oder wie immer man die nennen will, wenn du denen dasselbe Recht einräumst wie allen anderen, weil du dir selbst nicht die Arroganz zumutest, gottgleich über Gut und Böse zu entscheiden, dann ist das auch eine sehr moralische Entscheidung, deren Weite ich noch gar nicht verstehe. Aber die wollen dir schaden und das finde ich erstaunlich, wenn du denen dann immer wieder diesen Raum einräumst, der ja eigentlich dein Raum ist. Wie dem auch sei, deiner Produktivität scheint‘s nicht zu schaden.

    Da draußen scheint die Sonne, und weißt du was?, das ist mir scheißegal. Ich will an meinem Roman schreiben. Und wenn da Erdbeben und Vulkanausbruch ist, ist mir alles egal.

    Aléa

    Kommentar von szepanski
    Datum/Uhrzeit 24. Juni 2010 um 08:25

    das problem mit dem internet ist doch, dass sie oder anh einen teppich anbieten können, auf den gekotzt werden MUSS (obwohl ich mir persönlich dafür zu schade bin) in früheren zeiten wäre es ihnen beiden nicht so leicht gefallen, diesen teppich anzubieten. vielleicht wäre es gut, wenn es so geblieben wäre, ganz im sinne von nietzsches lehre des höheren, villeicht sogar sloterdijks theorie der vertikalitätsspannungen

    Kommentar von Alice
    Datum/Uhrzeit 24. Juni 2010 um 10:40

    Liebe Aléa,
    mein Kommentar paßt gar nicht an diese Stelle, aber ich finde den “Anknüpfungspunkt” in der Fülle der Texte hier nicht mehr wieder.
    Ich möchte von dem Ort berichten, von dem ich ziemlich sicher bin, er hätte Ihnen gefallen. Es war eigentlich kein Ort, sondern ein Gegenstand. Ein Schrank. Ein riesiger uralter Schrank in einem kleinen Zimmer. Massiv, verzapft und verleimt mit einem barocken Aufsatz, insgesamt etwas windschief. Es gibt ein Foto von diesem Ungetüm mit mir daneben, da sehe ich tatsächlich aus wie die geschrumpfte Alice in wonderland. Um den Schlüssel im Schrankschloss umzudrehen, musste ich meinen Arm auf Augenhöhe heben (“auf Augenhöhe mit einem Schrank”). Die Schranktür quietschte, wie es sich gehört, in den Angeln. Innen: in der rechten Hälfte dicke, staubige Fachböden, auf deren abgerundeten Kanten Zettel aufgeklebt waren; vergilbt, brüchig. In schöner alter verblasster Tintenschrift war dort vermerkt, was dieser Schrank einst barg: Leinentücher, Tischwäsche,… also ein “L’armoire à ligne”, ein Außsteuerschrank. In mir tauchten Bilder auf von Waschhäusern, die ich auf dem Weg gesehen habe, mit einem großen rechteckigen Wasserbecken in der Mitte und einer abgeschrägten Steinfassung ringsum, vor der die Waschfrauen hockten, bzw. auf der sie halb lagen und die schweren Leintücher schrubbten und wuschen. Jetzt lege ich meine feder- und pflegeleichte, schweißabsorbierende Funktionswanderkleidung auf eines der Bretter und habe dabei fast ein schlechtes Gewissen. Hinter der linken Tür nur dunkle Tiefe. Vor einiger Zeit habe ich meinen Enkelkindern eine Geschichte vorgelesen, die handelte von drei Kindern, die sich in einem Schrank versteckten und dabei entdeckten, dass die Rückwand des Schrankes eine Tür barg, die in eine Zauberwelt führte. Ich glaube, bei diesem L’armoire à ligne” handelte es sich genau um ein solches Exemplar. Aber ich war nicht so mutig wie diese drei und habe den Schritt auf die andere Seite nicht gewagt. Statt dessen habe ich mich in mein Bett gelegt und noch lange darüber nachgedacht, wie dieser monströse Schrank wohl in dieses winzige Zimmer gekommen ist. Und ich habe viele gute Wünsche für Ihre Zukunft abgeschickt, unter anderem ein lebendiges und niveauvolles Blog, das von wertschätzender Bezogenheit und konstruktiver Kritik lebt.

    Herzlich, Alice

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 24. Juni 2010 um 23:03

    Liebe Melusine,

    ich habe mich wirklich über Ihren langen Kommentar gefreut, das ist Arbeit, so ein langer Text. Man verschenkt ihn ja sozusagen: in doppelter Bedeutung. Man übergibt dem anderen ein Geschenk und man verschenkt es sich selbst, in dieser Zeit einen Text auf der eigenen Webseite zu schreiben. Deswegen bedanke ich mich in doppelte Hinsicht.

    Ja, das Schiller Zitat ist ja schwer zu verstehen, die vielen Anspielungen auf die griechische Mythologie, das muss man sich ganz gut auskennen, vielleicht hätte ich das dazu schreiben sollen, dass es sich bei dem seelenlosen Feuerball um den entmythifizierten Helios handelt, um die Sonne, die in der modernen Welt der Physik nur noch ein sich selbst verbrennender Stern ist.

    Das Spiel mit Stella – und ich spiele nur sehr selten, eigentlich nie, wenn man mal von meinen Sprachspielen und den Spielereien auf dieser Ebene ansieht – und der Anruf meiner Mutter hatten sicherlich etwas miteinander zu tun. Ich bin dem aber nicht auf die Spur gekommen. Vielleicht fühlte ich mich ein wenig mütterlich mit dem Kind an meiner Seite. Ich habe darüber seither nicht mehr nachgedacht. Doch wohl, ich schrieb das schon dem Herrn Maus, das war dies hier:

    Ich kann auch gar nicht so einfach mein Leben hier an den Nagel hängen und zurückgehen. Ich habe mich im Alter von acht oder neun Jahren für Deutsch als Sprache entschieden. Und das ist nicht mehr rückgängig zu machen. Ich kann nicht auf Rumänisch schreiben, ich bin da nicht kreativ genug. Ich könnte, was ich geschrieben habe, vielleicht übersetzten, aber ich könnte es nicht schreiben. Ich glaube, diese Entscheidung für das Deutsche ist der Grund für die Dissonanz zwischen meiner Mutter und mir: sie glaubt, weil ich mich für die eine Sprache entschieden habe, ich hätte mich gegen die andere entschieden.“

    Ich fand bei Stella lediglich den Umstand interessant, die Lüge selbst war mir egal. Ich lege da keine Moralvorstellungen an den Tag. Im Gegenteil: wer Sprechen lernen will muss auch das Lügen lernen. Das ist doch genau das, was wir unter fiktionalem Erzählen verstehen: wir erfinden Geschichten, wir sagen die Unwahrheit. Vielmehr unterscheiden wir nicht so stark zwischen Wahrheit und Unwahrheit, weil dieses Konstrukt „Fiktionalität“ uns erlaubt, die Unwahrheit zu sagen, ja es fordert uns sogar dazu auf, indem es die Phantasie lobt.

    Was Sie in diesem Zusammenhang sagen, gefällt mir sehr gut: „Die Treue einer Autorin (wie Ihrer kleinen Mit-Spielerin) gilt nicht dem Regelwerk (der “realen” Welt), sondern den Spielteilnehmern und dem Spielspaß. Daher sind Variation und Tausch erlaubt, solange es zu keinem Ausschluss von Spielenden kommt. Für Autoren heißt dies, glaube ich: Man muss dem Lesenden eine Chance geben, hinter den Schein, wie durch einen Schleier, zu schauen (ganz so wie Ihre kleine Freundin Ihnen die Chance gab, die Täuschung zu durchschauen).“

    Janet Frame kannte ich nicht, habe aber den Beitrag bei Ihnen gelesen. Sie scheinen ja wirklich sehr angetan zu sein.

    Und schließlich: wenn Ihnen meine Texte gefallen, da bin ich Ihnen nicht böse!

    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 24. Juni 2010 um 23:28

    Lieber Avenarius,

    Ihr Ausdruck „hermeneutische Barmherzigkeit“ gefällt mir sehr gut. Was ich von Adorno kenne, die Negative Dialektik und einige Noten zur Literatur, ist da sehr viel strenger. Sie haben auch Recht, dass es eine Menge Schriftsteller gibt, auch akademische und wissenschaftlich Schreibende, die mit ziemlich vielen Worten ziemlich wenig sagen können.

    Hat das Wort Klatsch etwas mit Klatschen zu tun, also nicht mir Beifall klatschen, sondern jemandem eine klatschen, jemanden abklatschen? Ich meine damit: ist Klatschen ein vermindertes Schlagen oder Ohrfeigen? Und ist tatsächlich der genannte Grund – nicht missverstanden werden zu wollen – der wahre Grund? Bei den Trollen, siehe den letzten Kommentar von Herrn Szepanski, ist doch einfach Gehässigkeit und Neid der Hauptgrund. Oder irre ich mich? Wollen die Klatschenden, sagt man das so?, die, die den Klatsch ausüben, verstanden werden?

    All das fragt
    Aléa

    Kommentar von MelusineBarby
    Datum/Uhrzeit 25. Juni 2010 um 01:03

    Liebe Aléa,

    uups, da hatte ich den Schiller immer noch bloß überflogen…- ja wirklich geflogen – durch meine Zirkusmanege. Noch heute, wie als ich ein Kind war, liebe ich am meisten die Trapeznummern, dazu verzaubert durch Feuerspeier und Jongleure – da kann einer die entzauberte Sonne schon einmal aus dem Blick geraten :) .

    Ja, von Janet Frame bin ich mehr als angetan. Die Lektüre macht mich froh. Was ich gegenwärtig ohnehin bin: die Sonne hat trotz moderner Physik ihren Zauber für mich nicht verloren.

    Liebe Grüße nach Berlin
    Melusine

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 25. Juni 2010 um 08:18

    Liebe Alea,
    das frage ich mich alles auch.
    Also:
    Wer im Internetz den Schirm aufspannt muß mit einem Angebot “all inclusive” rechnen; d. h. der Zustand eines durchschnittlich ruinierten Bewußtseins kommt an den Tag.
    Dies sagt Szepanski unmissverständlich aus.
    Alles weitere, nämlich Sie spannten den Schirm einzig zur Reproduktion der Ruine auf, wird unterstellt.
    Ist es die Ungunst? Oder Theorie?
    Eine Antwort wäre, wenn Sie Ihren Schirm freundlicherweise dafür hergäben, zumindest für mich interessant.
    Es ist natürlich auch schwierig, in einem sozialen Raum, wo verkappte Antiintellektuelle ihr ekelektischens Bettlesüppchen kochen, das Medium der Motive (Vernunft) und dessen sinnliches Scheinen (Kunst) spielerisch behaupten zu wollen. Aber man kann es versuchen. Und wenn der Versuch einen auch nicht ehrt, unehrenhaft ist er nicht.

    Kommentar von Der Buecherblogger
    Datum/Uhrzeit 25. Juni 2010 um 17:27

    Benjamin sollte man umfassender zitieren. Apropos boshafte Kommentare und “Trolle”: Ich finde Frau Torik macht das mit ihrem Weblog ganz richtig. Der Blog ist ihre Wohnung und da hat sie das Hausrecht, kann also bei Kommentaren so destruktiv sein, wie sie will. Jeder Blogger hat das recht, Kommentare, die ihm/ihr nicht gefallen zu löschen bzw. gar nicht erst zu veröffentlichen. Gilt übrigens auch für diesen! Eine Notwendigkeit der umfassenden Dokumentation jeglicher Kleingeisterei oder übler Beschimpfungen besteht nicht. Der Blogger hat ein Recht auf Zensur. In eigene Bücher sollte man ja auch nicht schreiben, was andere gerne hätten oder lesen möchten, nein, nur das wirklich zu einem selbst Gehörige. Meist hat man es ja auch eher mit Sottisen zu tun, und es handelt sich nicht um Klatsch oder Tratsch. Klatsch, Tratsch, Sottisen sind häufig wie auch der Geschlechtsverkehr nur eine am anderen begangene Masturbation. Deshalb befriedigen sie auch nicht wirklich, haben nichts wesentliches mitzuteilen und müssen doch ständig obsessiv wiederholt werden. Ist mir ein bißchen zu lang geraten, Vortrag beendet.

    W. Benjamin, Der destruktive Charakter:

    Der destruktive Charakter kennt nur eine Parole: Platz schaffen; nur eine Tätigkeit: räumen. Sein Bedürfnis nach frischer Luft und freiem Raum ist stärker als jeder Haß.

    Der destruktive Charakter ist jung und heiter. Denn Zerstören verjüngt, weil es die Spuren unseres eigenen Alters aus dem Weg räumt; es heitert auf, weil jedes Wegschaffen dem Zerstörenden eine vollkommene Reduktion, ja Radizierung seines eignen Zustands bedeutet. Zu solchem apollinischen Zerstörerbilde führt erst recht die Einsicht, wie ungeheuer sich die Welt vereinfacht, wenn sie auf ihre Zerstörungswürdigkeit geprüft wird. Dies ist das große Band, das alles Bestehende einträchtig umschlingt. Das ist ein Anblick, der dem destruktiven Charakter ein Schauspiel tiefster Harmonie verschafft.

    Der destruktive Charakter ist immer frisch bei der Arbeit. Die Natur ist es, die ihm das Tempo vorschreibt, indirekt wenigstens: denn er muß ihr zuvorkommen. Sonst wird sie selber die Zerstörung übernehmen.

    Dem destruktiven Charakter schwebt kein Bild vor. Er hat wenig Bedürfnisse, und das wäre sein geringstes: zu wissen, was an Stelle des Zerstörten tritt. Zunächst, für einen Augenblick zumindest, der leere Raum, der Platz, wo das Ding gestanden, das Opfer gelebt hat. Es wird sich schon einer finden, der ihn braucht, ohne ihn einzunehmen.

    Der destruktive Charakter tut seine Arbeit, er vermeidet nur schöpferische. So wie der Schöpfer Einsamkeit sich sucht, muß der Zerstörende fortdauernd sich mit Leuten, mit Zeugen seiner Wirksamkeit umgeben.

    Der destruktive Charakter ist ein Signal. So wie ein trigonometrisches Zeichen von allen Seiten dem Winde, ist er von allen Seiten dem Gerede ausgesetzt. Dagegen ihn zu schützen, ist sinnlos. Der destruktive Charakter ist gar nicht daran interessiert, verstanden zu werden. Bemühungen in dieser Richtung betrachtet er als oberflächlich. Das Mißverstandenwerden kann ihm nichts anhaben. Im Gegenteil, er fordert es heraus, wie die Orakel, diese destruktiven Staatseinrichtungen, es herausgefordert haben. Das kleinbürgerlichste aller Phänomene, der Klatsch, kommt nur zustande, weil die Leute nicht mißverstanden werden wollen. Der destruktive Charakter läßt sich mißverstehen; er fördert den Klatsch nicht.

    Der destruktive Charakter ist der Feind des Etui-Menschen. Der Etui-Mensch sucht seine Bequemlichkeit, und das Gehäuse ist ihr Inbegriff. Das Innere des Gehäuses ist die mit Samt ausgeschlagene Spur, die er in die Welt gedrückt hat. Der destruktive Charakter verwischt sogar die Spuren der Zerstörung.

    Der destruktive Charakter steht in der Front der Traditionalisten. Einige überliefern die Dinge, indem sie sie unantastbar machen und konservieren, andere die Situationen, indem sie sie handlich machen und liquidieren. Diese nennt man die Destruktiven.

    Der destruktive Charakter hat das Bewußtsein des historischen Menschen, dessen Grundaffekt ein unbezwingliches Mißtrauen in den Gang der Dinge und die Bereitwilligkeit ist, mit der er jederzeit davon Notiz nimmt, daß alles schief gehen kann. Daher ist der destruktive Charakter die Zuverlässigkeit selbst.

    Der destruktive Charakter sieht nichts Dauerndes. Aber eben darum sieht er überall Wege. Wo andere auf Mauern oder Ge-birge stoßen, auch da sieht er einen Weg. Weil er aber überall einen Weg sieht, hat er auch überall aus dem Weg zu räumen. Nicht immer mit roher Gewalt, bisweilen mit veredelter. Weil er überall Wege sieht, steht er selber immer am Kreuzweg. Kein Augenblick kann wissen, was der nächste bringt. Das Bestehende legt er in Trümmer, nicht um der Trümmer, sondern um des Weges willen, der sich durch sie hindurchzieht.

    Der destruktive Charakter lebt nicht aus dem Gefühl, daß das Leben lebenswert sei, sondern daß der Selbstmord die Mühe nicht lohnt.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 25. Juni 2010 um 23:04

    Liebe Alice,

    ich freue mich, dass Sie wieder da sind. Sie waren einen ganzen Monat weg. Ihr letzten Kommentar, auf den ich auch geantwortet hatte, stand hier.
    Ich danke Ihnen für die Geschichte von Ihrer Reise. Sie weiß tatsächlich wovon Sie reden, ich kenne solche Schränke, ich lebe in einem. Andere denken, man sei ein bisschen beschränkt, dass man jeden Tag wieder in seinen Schrank geht. Dass man keine weitergehenden Phantasien hat, als immer nur wieder dieselben Regalbretter und derselbe Geruch, dasselbe Schloss und dasselbe Quietschen. Aber ich kenne, anders als die, die diese Lebensweise für beschränkt halten und sich nie in so einen Schrank hineinbegäben, das Geheimfach. Und bisweilen verziehe ich mich in die andere Welt dahinter. Wenn ich dann wiederkomme, weil da auf der anderen Seite kein Bleiben ist, nicht dauerhaft jedenfalls, dann denke ich auch immer wieder: wie kommen eigentlich so große monströse Phantasien in so einen kleinen Schrank?
    Willkommen zurück.
    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 25. Juni 2010 um 23:49

    Lieber Bücherblogger,

    jetzt kommt hier ein wilder Mix von Bemerkungen, dafür (beinahe) streng alphabetisch geordnet: Ordnung ist genau dazu da, dass man das Unordentliche nicht so leicht bemerkt. Wenn man es genau betrachtet, ist es (beinahe) ungeordnet.

    - Alban Nikolai Herbst: Ich habe das Buch gelesen, ich habe mir Notizen gemacht, aber sie wollen sich leider noch nicht in die von mir gewünschte Ordnung zwischen lassen. Das ist ein Darstellungsproblem und es war auch eine Organisationsschwierigkeit, die mit dem Roman nichts zu tun hatte. Zumindest habe ich gelernt, dass es nicht gut ist, Dinge anzukündigen.
    - Charles Baudelaire: vielen Dank für das Gedicht. Ich mag das sehr, wenn man mir hier Lyrik hineinstellt.
    - Roberto Bolaño: auf meinem Sommerleseplan stehen sowieso die Bücher von Bolaño. Das Nachtstück hatte mich ja nicht so hingerissen, was mir aber gut gefällt, ist der letzte Eintrag von:
    - Thorsten Krämer http://www.wilde-leser.de/?p=1071 , ich will ihm noch etwas dazu schreiben.
    - Walter Benjamin: Da sind einige kluge Bemerkungen dabei. Die letzte, auch angesichts der Suizids von Benjamin, vielmehr der absolut ausweglosen Lage in der er sich da befand, da er nur noch den Selbstmord vollziehen konnte, wird da noch einmal besonders gewichtig: Menschen, die leben, nicht weil das Leben lebenswert ist, sondern weil das Beenden des Lebens zu mühevoll ist. Auch dies gefällt mir: „Der destruktive Charakter verwischt sogar die Spuren der Zerstörung.“
    - Aléa Torik löscht jetzt keine Kommentare, die ihr nicht in den Kram passen, sondern das Licht: Mein Bett und ich: wir werden gleich in innigster Umarmung miteinander einschlafen. Ich bin ein Mensch, ich kann mich mit aller Kraft aufs Bett freuen. Ich lebe gerne, ich lebe gerne aufrecht, aufrichtig, senkrecht, aber ins Bett gehen ist auch schön.

    Aléa

    Kommentar von Alice
    Datum/Uhrzeit 26. Juni 2010 um 12:25

    Liebe Aléa,

    dass Sie meine kleine, bescheidene Reisegeschichte aufgegriffen und weitergesponnen, sie sozusagen literarisch veredelt haben, das war für mich eine Überraschung und ich habe mich herzlich darüber gefreut – ein Geschichten-Geschenk.

    Ich werde mich mit diesem Kommentar aus dem Blog und von meinem kleinen Abenteuer verabschieden (Herr Avenarius wird erleichtert sein). Ich habe hier viel gelernt, über das Bloggen überhaupt, über Literaten, über den Literaturbetrieb und über mich selbst. Und Bleiberecht hatte ich durch Ihre Liebenswürdigkeit. Danke!

    Ich freue mich darauf, Sie persönlich kennen zu lernen, wenn Sie in zwei Jahren auf der Lit.Cologne Ihren ersten veröffentlichten Roman vorstellen werden.

    Bis dahin alles Gute und herzliche Grüße,

    Ihre H. alias Alice

    Ehe ich hier verschwinde noch ein Appell an alle Literaten, damit Ihr in zwanzig / dreißig Jahren noch Leser habt:
    Kauft und verschenkt (und schreibt!) gute Kinderbücher. Nutzt jede Gelegenheit, Kindern vorzulesen, sie neugierig zumachen. Im Vergleich zu der Zeit vor 20, 30 Jahren muss man gute Kinderliteratur heute zwischen Kitsch und Kommerz mit der Lupe suchen. Sie wird nicht mehr nachgefragt und von daher in den Buchläden auch nicht mehr angeboten. Klassiker werden kaum mehr neu aufgelegt. Fangt an mit: Maurice Sendak: Herr Hase und das schöne Geschenk. Lasst Euch verzaubern und gebt es weiter.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 26. Juni 2010 um 13:42

    Liebe Alice,

    ich bin ein wenig erschrocken, dass Sie von Abschied sprechen. Sie werden Ihre Gründe haben, und, da Sie sie nicht nennen, werden Sie auch dafür Ihre Gründe haben. Ich habe Ihre Sachen gerne gelesen und sollten Sie sich noch anders entscheiden und die Netzliteratur doch wieder beleben wollen, sind Sie hier, vorausgesetzt dieses Projekt gibt es noch, herzlich willkommen. Ich bin ein wenig traurig, dass Sie gehen. Aber das Leben ist so, es besteht aus Anfängen und aus Enden. Und es kommt etwas Neues, für Sie wie für mich.

    Wenn eintritt, was ich befürchte, der Buchmarkt eher ärmer wird als dass er reicher würde, werden die Kinderbücher im Netz stehen. Ich fände das sehr schade, ich liebe Bücher sehr.

    Die Verabredung auf der Lit.Cologne in zwei Jahren: die ist eine feste Verabredung. Bis dahin wünsche ich Ihnen ebenfalls alles Gute.

    Herzlich
    Aléa

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