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  • 14 Juni 2010

    Argumente aus Ägypten

    Am vergangenen Samstag gab es in Olgas und meiner WG ein Frauenfrühstück. Gegen elf Uhr ging‘s los. Wir haben kichernd und gackernd bis nachmittags um vier zusammen gesessen. Ich wusste nicht, dass zu so einem Frühstück Sekt dazu gehört. Ich hätte bei Olga angenommen, dass sie eine Flasche Vodka mitbringt. Aber auch die Flasche Sekt, aus der dann auf eine mir nicht erklärbare Weise zwei geworden sind, hat zu unserer guten Laune beigetragen.

    Zuerst ging‘s natürlich um Männer. Ich glaube, das war das eigentliche Ziel des Frauenfrühstücks, das auf Olgas Vorschlag zurückging. Wenn schon keine Männer anwesend sind, muss man/frau zumindest über sie reden. Aber das Thema hat nicht so richtig eingeschlagen, ich habe derzeit nichts beizutragen, Dalia hat einen Freund und war an Männern im Allgemeinen nicht interessiert und Martina und Leyla sind ein Paar. Dann haben wir das Thema gewechselt und sind auf die deutsche Kultur zu sprechen gekommen, dann ging‘s um unsere eigenen Kulturen im Verhältnis zur fremden (deutschen), um kulturelle Identität, und vor allem um das Thema, dass die Sprache dem Menschen noch lange nicht ermöglicht, in dem jeweiligen Land zu navigieren. Es sind sehr viele Verhaltensweisen und Verständnisweisen, die nicht sprachlich vermittelt sind, und die Olga kongenial zusammengefasst hat – wie gesagt, das war kein wissenschaftliches Symposion, das war ein Frauenfrühstück mit zwei Flaschen Sekt – als sie sagte: „Ich? Nix verstehn!“

    Olga spricht seit drei Jahren Deutsch und sie hat‘s nach eigenen Angaben ausgetauscht gegen ihr Spanisch. Angeblich an einem einzigen Tag: sie hat die eine Sprache vergessen und die andere erlernt. Leyla spricht seit zehn Jahren Deutsch, lebt aber nur das halbe Jahr in Berlin und das andere halbe in Teheran und muss sich zweimal im Jahr umstellen. Martina stammt aus Italien und ist hier und in Rom aufgewachsen, hat einen leichten Akzent, spricht aber annähernd das Niveau einer Muttersprachlerin. Dalias Eltern kommen aus Ägypten und auch wenn zu Hause arabisch gesprochen wird, spricht sie das absolut akzentfreie Deutsch einer Akademikerin. Sie ist Muttersprachlerin, sie ist hier geboren und sie hat einen deutschen Pass. Aber sie sieht nicht aus wie eine Deutsche. Sie hat bronzefarbene Haut und Korkenzieherlocken, die in alle Richtungen abstehen. Wenn ich sie sehe, und wir sehen uns derzeit nahezu jeden Tag in der Bibliothek, dann spüre ich ein kaum zu unterdrückendes Verlangen, ihr an den Haaren zu ziehen. Ich muss das ganz stark unterdrücken, links und rechts diese Locken anzufassen und vom Kopf weg auseinanderzuziehen. Ich will ihr damit zeigen, dass ich sie gern habe. Aber vielleicht versteht sie das falsch. Weiß der Himmel, was diese Ägypterinnen denken, wenn man ihnen an den Haaren zieht!

    Olga findet, sie selbst sähe wie eine Russin aus. Aber sie findet nicht, dass Leyla wie einer Iranerin aussieht. Dalia findet das schon. Leyla hingegen hätte Dalia niemals als Araberin eingeschätzt. Martina sieht aus wie eine Italienerin und sie fühlt sich auch wie eine, sagt aber auch, dass das eine Art Trotzreaktion ist. Ich weiß nicht wie ich mich fühle, gemischt wahrscheinlich, spreche ebenfalls akzentfrei Deutsch und sehe nach allgemeiner Auffassung aus wie eine Irin, wegen der hennafarbenen Haare. Auf meine Frage, wonach ich mit meinen ungefärbt braunen Haaren aussehen, sagt Olga: nach nichts.

    Etwa eine Sekunde später und einen Zentimeter neben ihrem Kopf schlug die erste Bombe an die Wand, leider bloß eine Weintraube. Aber Olga hat geguckt, als würde sie vom Zug überfahren. Über den weiteren Verlauf dieser kleinen frugalen Auseinandersetzung breiten wir hier gnädiges Schweigen. Die Obstvorräte waren danach jedenfalls deutlich dezimiert und wir fünf aufs Äußerste erheitert und befleckt. Geht also alles auch ohne Männer.

    Dann ist Olga in ihrem Zimmer verschwunden, Leyla und Martina mussten weg. Also blieben nur noch Dalia und ich: zum Spülen und Aufräumen. Dalia schreibt gerade ihre Bachelorarbeit in Politikwissenschaft. Sie hat eine Umfrage gemacht und ist sogar nach Ägypten dafür gefahren. Sie hat sich die Ergebnisse ihrer Arbeit von sehr weit hergeholt. Während wir spülen und über die Uni reden und darüber, was Dalia im Anschluss studieren könnte, kommen uns allerlei wilde Ideen und es dauert nicht lange und wir entdecken eine neue Wissenschaft.

    Die Welt ist inzwischen einigermaßen globalisiert, Multi-Kulti an allen Ecken, mit unserem internationalen Frauenfrühstück haben wir da ein deutliches Zeichen gesetzt. Nur die Wissenschaft ist noch nicht soweit: Amerikanistik, Germanistik, Islamistik, etc etc. Unser neues Fach – wir beide werden natürlich Professorinnen und unterrichten das auch, wir werden Dekanin und Fachbereichsleiterin – schafft da Abhilfe. Wir haben noch keinen Namen und wir brauchen natürlich auch noch ein schönes Institutsgebäude. Das Curriculum und die Inhalte sind noch nicht zur Gänze ausgearbeitet. Die derzeit einzige Bedingung ist, dass, was immer unterrichtet wird, welche Inhalte vermittelt werden, ob es feministische Ansätze gibt, etc etc, es gibt derzeit nur eine einzige Bedingung in diesem globalisierten Fach: es muss alles möglichst weit hergeholt sein!

    Früher sind die Gewürze aus Indien gekommen, die Düfte und Wohlgerüche aus Arabien und der Kaviar aus Beluga, die Orangen aus Spanien und die Ananas aus Caracas. Heute kommen die Strukturen aus Russland, die Intellektuellen aus Frankreich, die Professorinnen aus Rumänien und, darauf legt Dalia großen Wert, die Argumente aus Ägypten.

    Wir glauben nicht mehr an eine rein deutsche Kultur. Oder an eine rein französische. Wir glauben nicht an die Nationalhymne und wir glauben vor allem nicht an Fußballnationalmannschaften. Wir sind Kinder einer globalisierten Welt und wir wollen eine entsprechende Wissenschaft. Eine Wissenschaft, die diese Welt in der wir leben, adäquat begreift und beschreibt. Und ihre einzige Bedingung lautet: es muss alles möglichst weit hergeholt sein!

    Wir lagen auf dem Boden vor Lachen und ich habe Dalia bei dieser Gelegenheit endlich an den Haaren gezogen. Das hat einen Heidenspaß gemacht! Darum beneide ich ihren Freund, das würde ich jeden Morgen im Bett bei ihr machen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.



    Kommentare

    Kommentar von Shane
    Datum/Uhrzeit 14. Juni 2010 um 20:22

    Hallo Aleas, ich genieße solche Frauenfrühstücke auch immer, sie sind äußerst
    bereichernd und versprühen gute Laune.Denke auch, dass wir in einer globalisierten Welt leben – zumindest in Europa spürbar. Wenn man aber in Ägypten lebt, dann weht einem ein anderer Wind direkt ins Gesicht und ins Herz!
    Die Ägypter vertreten dort NUR ihre Kultur!
    Nichts von Globalisierung und Toleranz!
    Sie lassen es Dich spüren, dass man eine Sharmuta ist, wenn man ärmellos gekleidet geht. Ich finde, vor 20 Jahren war Ägypten noch liberaler. Wegen der nicht gewährten
    Freiheit, das Land für eine bessere Zukunft zu verlassen blüht Bezness = lies hier http://www.1001geschichte.de/ furchtbar!
    Auch im Ausland lebende besinnen sich sehr Ihrer Kultur und möchten diese dann auch voll ausleben. Deswegen klappt auch die Integration der Migranten sehr schlecht.
    Und wir sollen unsere Kultur untergraben, auf Kosten von Multikulti und unsere Wurzeln vergessen? In den o.a. link kannst Du lesen,
    wie Frauen dies erlebt haben, auch die etwas viel andere Denkweise anderer Kulturen und Religionen. Euch allen eine gute Zeit, verbunden mit lieben Grüßen
    Shane

    Kommentar von MelusineB
    Datum/Uhrzeit 14. Juni 2010 um 21:39

    Liebe Aléa, das ist ein wunderbarer Text über Frauenfreundschaft. Leider ist es immer noch selten so eine Darstellung jenseits der in den Regalen der Buchhandlungen unter “Frauenliteratur” aufgestellten Belanglosigkeiten (-manchmal verirrt sich freilich auch ein gutes Buch dorthin) zu finden. Dass Frauen interessante, kluge, witzige, dreiste Gespräche miteinander führen können, die sich n i c h t um Männer (oder mögliche Wirkungen auf Männer, also Optimierung des eigenen Körpers: Diät, Friseur, Kleidung) drehen, wissen zwar w i r, doch den Weg in die Literatur findet die Darstellung solcher Gespräche selten. Danke dafür.

    (Jenseits literarischer Meriten: Genießen Sie diese Zeit mit Freundinnen! Sie bleiben und begleiten einen durchs Leben. Aber später mag es manchmal schwierig werden durch allerlei Verpflichtungen und räumliche Trennungen so unbeschwert zusammenzukommen. Ich vermisse das oft.)

    Den Eintrag zu Ihrem Kommentar habe ich nun auch eingestellt. Das technische Problem allerdings konnte ich noch nicht lösen.

    Liebe Grüße
    Melusine

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 15. Juni 2010 um 23:40

    Liebe Shane,
    danke für deinen Kommentar.

    Was du ansprichst, Liebe als Geschäft, ich weiß gar nicht wo ich da anfangen sollte. Ich erzähle dir einfach eine Geschichte, die etwas anders ist, als die Geschichten, die dort auf der Seite erzählt werden. Ich habe eine Freundin gehabt, aus dem Sudan, sie war beschnitten, du kennst diese Geschichten, seit Waris Dirie sind die ja bekannt. Ihre Großmutter hat ihr mit einer Scherbe die Klitoris herausgeschnitten und sie dann wieder zugenäht. Das wird in einigen arabischen Gesellschaften in Afrika getan, in manchen Stämmen, damit die Frauen Schmerzen beim Sex haben. Wer Schmerzen dabei hat, der wird seinem Mann, so die Annahme, sicher nicht untreu werden. Meine Freundin ist fünfzehn Jahre später an Leukämie erkrankt und niemand ist jemals auf die Idee gekommen, dass das miteinander zusammenhängt. Afaf hat sich ihr Leben lang geschämt, zutiefst geschämt, dass sie da etwas nicht mehr hatte, dass jemand aus ihrer Familie ihr die Beine spreizt und etwas wegschneidet, das für sie von da an wie das Zentrum ihrer Existenz aussieht: das hat sie nie überwunden. Und daran ist sie gestorben, dass sie niemals ein erfülltes Sexualleben haben kann, das war jedenfalls ihre Meinung. Sie hat sich so sehr geschämt, vor ihrem eigenen Mann, der aus einem ganz anderen Kulturkreis kam. Und dieser Mann hat das nie erfahren. Sie hat ihr Leben lang Verklemmung und Unlust und Periode vorgespielt, damit er das nicht sieht: das da nichts mehr ist. Das da nichts ist, wo andere etwas empfinden. Afaf ist nicht an Leukämie gestorben, sondern an Scham. Und an Unlust. Unlust zu leben.

    Es gibt in Bezug auf Sexualität so unendlich viele furchtbare Geschichten. Und es werden nicht weniger, wenn man die Vokabel Geschäft noch hinzunimmt.

    Was ich nicht beabsichtigt hatte war folgende Aussage: Multi-Kulti (das ist eigentlich kein schönes Wort) in europäischen Gesellschaften heißt: vergessen der eigenen Wurzeln. Das ist etwas, was mein Beitrag nicht angesprochen hat, aber weil du es jetzt ansprichst, sage ich auch noch etwas dazu: ich glaube nicht, dass sie Anpassung in der, sagen wir einmal deutschen Gesellschaft notwendig dazu führt, dass man die eigenen Wurzeln vergisst. Das ist ein Spagat, man kann in der Gastgesellschaft nicht aufgenommen werden, ohne sich auch anzupassen, aber das bedeutet nicht, dass man deswegen bereits die eigenen Wurzeln aufgibt.

    Die Frage ist da allerdings auch, inwieweit diese Wurzeln tatsächlich Wurzeln sind, inwieweit sie ein identitätsstiftendes Merkmal sind. Und vielleicht liegen für viele die Identität ja längst in der Gastgesellschaft, aber aus einem wie auch immer verstandenen Verantwortungsgefühl heraus, bezeichnet man seine Wurzeln immer noch als die Heimat, wo die Eltern hergekommen sind, zu dem die Kinder aber oft ein sehr ambivalentes Verhältnis haben.
    Ich würde mich freuen, wenn du dazu noch einmal etwas sagen würdest.

    Und auch an dich die Frage, die für mich wichtig ist: Woher kennst du meine Seite? Ich möchte einfach gerne wissen, woher die Leute kommen, die meine Texte lesen.

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 16. Juni 2010 um 00:01

    Liebe Melusine,

    für Frauenliteratur gilt wohl in noch deutlicherem Maße was für gemischtgeschlechtliche Literatur gilt. Im Frauen-Regal zeigt sich dann auf eine bedauerliche Weise, was die Emanzipation gebracht hat: dass Frauen sich offenbar vor allem für Diäten und Klamotten interessieren. Und wenn sie außergewöhnlich klug und begabt sind, dann können sie am Rand ihren Erkenntnishorizontes so gerade noch erkennen, schemenhaft, dass sie sich für Klamotten und Diäten nicht um ihrer selbst willen interessieren, sondern weil sie den Männern gefallen wollen; aber das sind dann schon die Intelektuellen unter den Frauen, die meisten begreifen ja nicht einmal dies. Sie wollen einfach nur schlank sein und schöne Klamotten haben. So wichtig ich die Emanzipation auch finde – den Gedanken der Gleichberechtigung aller (Geschlechts-) Verkehrsteilnehmer – sie hat doch nur 10 Prozent der Frauen erreicht.

    Ich will mir meine Freundschaften auch bewahren. Leider ist das bei Ausländern und Migranten so, dass die sehr flexibel sind und sein müssen und die sind dann auch mal ganz schnell wieder weg. Allerdings ist dieser Fluktuation eine natürliche Grenze gesetzt: eine neue Sprache lernt man nicht mal eben so aus dem Handgelenk.

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von Jean Stubenzweig
    Datum/Uhrzeit 16. Juni 2010 um 09:56

    Ihre Freundin Olga hat mich daran erinnert, daß überall Heimat ist. Das war bereits so, bevor die Gesellschaft der Globalisierung gegründet wurde. Und eine Internationale der Künste gab es auch schon vor diesem Verein zur Förderung der Wirtschaft namens Europäische Union, nicht zu vergessen die vergleichenden Kulturwissenschaften, die früher ebenfalls schon Menschen zusammengeführt hat. Vergessen werden darf allerdings nicht, daß diejenigen, die die falschen Pässe haben, nicht so ohne weiteres einreisen und bleiben dürfen, ob Europa, USA oder anderswo, oder gar die Nationalität wechseln dürfen. Es sei denn, sie halten via Sport irgendeine Fahne hoch. Wobei es in Deutschland so lange noch nicht her ist, daß es hieß: Mein Ausländer ist ein Fußballspieler. Selbst die durften zu dieser Zeit noch nicht so ohne weiteres Deutsche werden. Anders als anderen Ländern hatten man den Deutschen, von denen sich bis heute manch einer für einen reinrassigen Germanen hält, obwohl alleine das halbe Ruhrgebiet polnisch ist und das Rheinland tief römisch (womit ich nicht das Katholische meine), nämlich längst alle Kolonien weggenommen. Aber dafür kamen dann die Gastarbeiter, ein paar sogenannte Auslandsdeutsche nicht zu vergessen. Sie alle mag man zwar nach wie vor nicht sonderlich, aber beim Sport ist diese Unterscheidung temporär aufgehoben.

    Aber so ein Frauenfrühstück wie das schön beschriebene, das Köstliche nicht zu vergessen, bei dem ich virtuell sozusagen anwesend sein durfte, das könnte natürlich und selbstverständlich dazu beitragen, daß sich die allgemeine Situation bessert. Es muß nur weltweit ständig wiederholt werden. Das wird auch Männer erfreuen. Nicht alle, aber die paar kriegen sie auch noch zusammengefrühstückt. Und der ewiggestrige Rest darf eben nicht mitspielen.

    Kommentar von Nisha
    Datum/Uhrzeit 16. Juni 2010 um 10:00

    Liebe Alea,

    tja, eigentlich…
    eigentlich wollte ich etwas fragen, dann fiel mir ein, das da noch ein Text war den ich vor Wochen gelesen habe und eigentlich kommentieren wollte, den konnte ich aber nicht finden und dann bin ich hier hängen geblieben.
    Die Unlust zu Leben… Aua…und …JA, genau so ist es. Wobei die sexuelle Lust nur ein Teil ist.
    Das Leben tatsächlich zu leben, vor allem das eigene. Es anzunehmen wie es ist und die Narben die jeder dabei davon trägt – merkwürdig, das es scheinbar nicht ohne geht – diese Narben nicht zum Lebensthema machen, höchstens zum Gesprächsthema, mit Freunden am Tisch bei Käse, Wein und Kerzenlicht…und dann?
    Die Narben nehmen, als etwas das uns zu den Menschen macht die wir sind und darüber erzählen auf welche Wege uns das Leben damit führt.
    Welche Wege möglich sind. Und auch davon, das manchmal kein Schritt mehr weiterführt.
    Ich trauere um deine Freundin…

    Grüße
    Nisha

    Grüße
    Nicola

    Kommentar von ANH
    Datum/Uhrzeit 17. Juni 2010 um 21:10

    Liebe Aléa,
    das Erstaunlich >>>> hier in Paris ist vor allem, es werden nirgendwo Fahnen geschwenkt. Keinerlei Fußball-WM ist, jedenfalls, sichtbar. Dafür sind ältere Fahrer schwerer Motorräder zu beobachten, die Pfeife rauchen, während sie fahren, und tragen dennoch Helm – freilich, die Visiere sind hinaufgeklappt. Sie parken ihre Maschine und setzen sich zu Freunden, gewetterbräunten, um zu diskutieren beim Cidre. Es geht alles in einer, ich möchte es so nennen: temperamentvollen und höchst maskulinen Ruhe vor sich. G u t e Männergesichter, übrigens, man sieht dergleichen in Deutschland nicht oft, vor allem nicht in solcher, ich meine Lebens-, fülle. – Doch, Aléa, es gibt Unterschiede. Hierher also kommen die Menschen, um zu leben.

    In Deiner Netzbürgerschaft gleich nebenan, übrigens, >>>> hat Frau Kiel Dalias Aussage so sehr unterstrichen, daß ich aus meiner bekanntlich tiefchristlichen Sicht (und also Furcht) befürchten muß, sie, Frau Kiehl, werde konvertieren.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 17. Juni 2010 um 23:20

    Lieber Alban,

    mit deiner Nachricht aus Paris hast du mir eine sehr große Freude gemacht!

    Keine WM? Bist du sicher, dass du in Paris bist? Vielleicht hat man dich in eine billige Absteige geführt und dir erzählt, dies sei das Hotel Hilton, in eine Provinzstadt und behauptet, es sei Paris. Lass dich nicht übers Ohr hauen! Rüttel mal an den Potemkinschen Fassaden, aber nicht so heftig, nicht dass die Haussmannschen Häuser da umfallen.

    Hierher also kommen die Menschen um zu leben: bist du der Meinung, es stürbe sich dort eher?

    Ich war auch in Paris (was heiß auch? Bei dir ist das ja noch nicht sicher) und du hast Recht: gute, gesunde Männer jeden Alters und die Pariser haben eine schöne Durchmischung verschiedener Ethnien. Und dass sie ruhig sind, das habe ich auch so in Erinnerung, nein ich habe es nicht in der Erinnerung, es entsteht jetzt gerade, wo du es sagst. Diese Männer sind ruhig, das vermisse ich hier ein bisschen, diese ruhigen Männer, hier sind sie alle hektisch und aufgeragt und flattern durcheinander.

    Und kauf dir ein Buch, die Franzosen haben manchmal so schöne Bücher. Und geh was Gutes essen. Und rauch nicht so viel. Und pass auf dich auf. Und achte auf dein Geld.

    Herzlich
    Aléa

    Pingback von Litblogs.net – Lesezeichen 2 | 2010
    Datum/Uhrzeit 22. Juli 2010 um 02:47

    [...] Argumente aus Ägypten von Aléa Torik Aleatorik [...]

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