Hauptmenü:

Aléas Anordnungen

Der Länge nach



Der Reihe nach

  • Februar 2012
  • Januar 2012
  • Dezember 2011
  • November 2011
  • Oktober 2011
  • September 2011
  • August 2011
  • Juli 2011
  • Juni 2011
  • Mai 2011
  • April 2011
  • März 2011
  • Februar 2011
  • Januar 2011
  • Dezember 2010
  • November 2010
  • Oktober 2010
  • September 2010
  • August 2010
  • Juli 2010
  • Juni 2010
  • Mai 2010
  • April 2010
  • März 2010
  • Februar 2010
  • Januar 2010
  • Dezember 2009
  • November 2009
  • Oktober 2009
  • September 2009
  • August 2009
  • Juli 2009
  • Juni 2009
  • Mai 2009


  • Der Sache nach



    Nach Nichts nach


     



    Hier wird archiviert

    Hier wird boykottiert

    Hier wird coqettiert

    Hier wird drangsaliert

    Hier wird elaboriert

    Hier wird illusioniert

    Hier wird jongliert

    Hier wird massiert




    Suche


    Impressum
    Kontakt
    Anmelden
    © 2012 Aleatorik
    by WordPress


    Diesseits

    Seite 1
    Seite 2 – Das Blog
    Seite 3 – România
    Seite 4 – Die Dissertation
    Seite 5 – "Aléas Ich"
    Seite 6 – Links

    Jensseits

    Glanz & Elend
    Glanz & Elend II
    Literaturkritik
    Roberto Bolano
    Titel Magazin
    Unendlicher Spass

    Osburg Verlag


    Kommentare:

  • Aléa Torik: Lieber Christian, vielen Dank für Ihre Rückmeldung! Ich freue mich, dass Sie ungeduldig waren. Ungeduld ist ja nicht nur fehlende Geduld, sondern auch Neugier und das ist es eben, was...
  • Aléa Torik: Liebe Alice und lieber Dietmar, ich habe diesen Beitrag der meinen Roman ankündigt jetzt oben weggenommen. Das war tatsächlich wohl nicht förderlich für die anderen Artikel und wer hier...
  • Aléa Torik: Liebe Dietmar, lieber Avenarius, vielen Dank für die Hinweise. Ich kann mit Technik wenig anfangen. Ich habe dem Mann, der diese Umstellungen macht, eine Mail geschrieben. Er hat...
  • Christian: Hallo Alea, ok, ich war zu ungeduldig um auf’s angekündigte ebook zu warten. pardon. Warten ist keine Stärke von mir. Ich werde das Warten gerne nochmal üben. Und zwar auf die...
  • avenarius: Krummes ist gerade geworden, halbes voll.- Meine Hinweise von soeben haben sich scheinbar erledigt. Einen schönen eisigen Tag avenarius
  • avenarius: … andere kommen zweimal – alles geht schief.
  • avenarius: Der jeweils erste Kommentar geht unter. Freundlichst – avenarius
  • Der Buecherblogger: Liebe Aléa, leider lassen sich auch die Kommentare anscheinend nicht mehr aufrufen. Den von Alice kann ich nur links bis zu den drei Punkten lesen, der Kommentar selbst wird nur...
  • Alice: Liebe Aléa, vielleicht liegt das auch daran, dass man bei einem kurzen, flüchtigen Besuch gar nicht merkt, dass Sie einen neuen Text eingestellt haben, denn ganz oben steht immer noch der...
  • Aléa Torik: Liebe Ulrike, es muss nicht jede_r eine vollständige Rezension einstellen. Ich freue mich, wenn du etwas mit dem Buch anfangen kannst und Leute kennst, die das auch können. Nicht nur...
  • Aléa Torik: Liebe Claudia, hier wird’s auch kalt, aber keine sibirische Kälte. Nur einfache Kälte. Ich mag Winter und Kälte auch sehr, vor allem draußen, wenn man schön warm angezogen ist und wenn...
  • Ulrike Berretz: Liebe Aléa, am Wochenende habe ich das Geräusch das Werdens in Happen sprich Kapiteln genossen. Und direkt Montag ein weiteres Exemplar an eine Kollegin verschenkt. Nicht besonders...
  • Claudia Katzmarski: Liebe Aléa, ja, hier in Stockholm ist es auch sehr kalt! Aber es ist auch genau die richtige Zeit, sich mit (d)einem guten Buch in einen gossen Sessel zu kuscheln… Liebe...
  • Aléa Torik: Lieber Avenarius, da muss noch mal der Mann mit dem Bohrer oder dem Hammer ran! Ich werde dem gleich mal eine Mail schreiben. Was haben die Menschen eigentlich früher gemacht, als...
  • avenarius: Liebe Alea, komisch, dass diese Internetzseiten regelmäßig in funktioneller Hinsicht kollabieren. Selbst Fachleute wundern sich, wenn sie sehen, wie ihr Model auf dem Laufsteg aus den...
  • Aléa Torik: Ich fürchte fast, dass da noch einiges nicht in Ordnung ist. Der Kommentar steht dort, wo er stehen soll, aber er ist dreimal vorhanden. Oder zehn Mal. Da muss ich noch etwas ändern.
  • Aléa Torik: Lieber Phorkyas, ich bin heute kurz angebunden. Entweder bin ich im Stress oder ich bilde mir das nur ein. Warten Sie noch ein paar Tage und dann kommt der Artikel. Allerdings dürfen...
  • phorkyas: Liebe Alea, dann warte ich gespannt. Vielleicht gibt es dann ja auch was Neues zu überlichtschnellen Neutrinos, Higgs-Bosonen oder dunkler Materie. Herzlich, Phorkyas
  • Aléa Torik: Lieber Herr Iffland, ich bin auf Ihre Reaktion gespannt. Es wird sicher viele verschiedene Reaktionen geben und was dem einen gefällt, ist dem anderen ein Graus. Das ist der Reichtum,...
  • Iffland: Liebe Aléa Torik, manchmal ist man ja verblüfft über so manche Entwicklung in unmittelbarer Nähe, so dass Ihre Frage nach meinem Befinden ausgerechnet heute -und trotz meiner Sparsamkeit...

  • Archiv vom Juni, 2010

    27 Juni 2010

    „Orgien einer nervösen, rasenden Imagination“

    „Eine Sizilische Reise“

    Ein Hör-, Versteh- und Verwirrspiel von Alban Nikolai Herbst

    In Ermangelung eines Namens, nenne ich ihn den jungen Mann. Ein junger Mann also kommt im Sommer nach Sizilien um einen Bekannten, Arndt, zu treffen. Der erteilt ihm einen Auftrag, tischt ihm dazu allerdings eine merkwürdig mysteriöse Geschichte auf, mit allerlei Ingredienzien: Mysterienspiele, Venus- und Demeterkult, Inquisition, Vatikan, Camorra, Heroin, Mikrofilm und Mafia. Da ist von Phönizien die Rede, von Karthago und den punischen Kriegen. Er solle, so rät Arndt ihm, sich vor Zecken in Acht nehmen und Zeitung lesen. Wölfe gäbe es auf Sizilien, er werde verfolgt, brauche all seinen Mut, der allerdings nicht ausreiche, denn er brauche auch Glück noch. Das Ganze scheint eine wilde, abstruse Nummer, Mythos plus Wahnvorstellung. Arndt rät ihm, bevor er verschwindet: „Vertrauen Sie niemandem, – auch mir nicht.“

    So komplex die Voraussetzungen sind, so einfach scheint die Sache umsetzbar. Der junge Mann soll in einer Woche in Noto sein und den Stein, den Arndt ihm aushändigt und den er immer bei sich tragen müsse, einem Kontaktmann zeigen. Von dem bekomme er dann eine Aktentasche und mit Stein und Tasche solle er sich drei Tage später auf Mozia, einer kleinen Insel in einer Lagune vor Marsala, einfinden und die Dinge Arndt übergeben. Im Klartext: er soll eine Tasche abholen und weiterbefördern und dafür hat er zehn Tage Zeit. Er solle sich Sizilien anschauen, wie ein Tourist benehmen und baden gehen. Das ist ein recht überschaubarer Auftrag. Und einer, der deutlich nach Erholung klingt: „Das Wort „Urlaub“ fällt mir ein. Ich freue mich auf knapp zwei Wochen Ferien. Aber Ferien wovon?“

    Dieser junge Mann hat eine Besonderheit. Vielmehr hat er diese Besonderheit nicht: er besitzt keine individuelle Vergangenheit. Es wundert ihn manchmal, dass er, wenn ihn jemand fragt, woher er komme, keine Antwort geben kann. Er hat keinen Gedächtnisverlust, er ist nicht auf der Suche nach seiner Identität. Statt der individuellen hat er offenbar eine kollektive Vergangenheit: er kennt die Geschichte Siziliens in allen Einzelheiten, von der mythischen Vergangenheit bis in die Gegenwart, er kennt alle Orte, die er bereist, er kennt das Essen, er kennt die Weine und er weiß, wo man die beste Granita di Iimone Italiens bekommt. Seines Wissens zum ersten Mal auf der Insel, spricht er sogar ganz leidlich Italienisch. Sowohl das eine als auch das andere, das Fehlen des Individuellen als das Vorhandensein des Kollektiven, sorgen bei ihm nur für moderate Irritation. Das sind kurze Momente, Verwunderung ist beinahe schon zu viel gesagt, er nimmt‘s zur Kenntnis. Er scheint nur in eingeschränktem Maße zur Selbstreflektion fähig und wundert sich selbst dann nicht weiter, als die Leute sich später bekreuzigen, wenn sie ihn zu Gesicht bekommen.

    Man kann sich vorstellen, dass da einiges nicht mit rechten Dingen zugehen wird. Man kann es sich auch deswegen vorstellen, weil der junge Mann in der Zeit da er auf Arndt warten muss, bereits das erste seltsame Erlebnis hat. Er entschließt sich zu einem Besuch in den Cappuccini, der Kelleranlage eines Klosters. Dort spricht ihn Signor Antonino Prestigiacomo an, der ihm Sizilien zeigen will. Er spricht etwas undeutlich, was auch daran liegen mag, dass er schon seit mehr als 150 Jahren tot ist: in den Kellern dieses Klosters werden tausende mumifizierte Leichen ausgestellt und Prestigiacomo ist eine von ihnen. Allerdings blutet diese Leiche aus der Nase. Die Aufregung, entschuldigt Prestigiacomo sich, immer wenn er sich aufrege, blute die Nase.

    Am nächsten Morgen beginnt der junge Mann seine Reise, er fährt nach Enna. Warum gerade Enna, weiß er nicht zu sagen. Dieses Muster bleibt von nun an erhalten: er reist auf der Insel von Ort zu Ort und kennt den Grund dafür nicht. Er ist vom ersten Moment an ununterbrochen in Bewegung, mit Zügen und Bussen, er schläft wenig und sitzt nur beim Essen. Die Worte Erholung und Urlaub werden nicht wieder bemüht: der Mann wirkt geradezu gehetzt. Er reist von Palermo nach Segesta, wo er Arndt triff, nach Enna und von dort dann kreuz und quer über die Insel, von Enna nach Catania, auf den Ätna, nach Syrakus, nach Sortino, und von dort nach Noto, wo sein Kontaktmann nicht auftaucht, weiter nach Modica, Marsala, Agrigent, nach Mozia, angeblicher Schlusspunkt der Reise und von dort nach Erice. Wohl kaum ein touristisch interessanter Ort wird ausgelassen. Er weiß viel über die Sehenswürdigkeiten, über die Architektur und über die Geschichte der Insel, von ihrer mythischen Vergangenheit, ihren frühesten Anfängen, den Trojern, die nach dem Fall Trojas aus Kleinasien kommen und auf Sizilien siedeln, von den Besiedelungsversuchen der Griechen, der Römer, der Araber und er erzählt von dem Einfluss Nordafrikas bis in die Gegenwart hinein. Er weiß das alles, aber er weiß nicht, woher er es weiß.

    Auf Reisen, auch deswegen unternimmt man sie, lernt der Reisende Menschen kennen. Noch bevor er von Arndt seinen Auftrag bekommt, trifft der junge Mann auf Vesely, ein etwas skurriler Prager, der im August mit einem Anorak bekleidet, Sizilien bereist. Wer je unterwegs war, mit Bus und Bahn und Rucksack, der weiß: man trifft die Leute wieder. So ergeht es auch dem jungen Mann. Er trifft Vesely regelmäßig, ein harmloser älterer Herr. Er trifft Frau Jördsdóttir, die er schon einmal irgendwo gesehen hat. Er lernt die quengelnde Waltraut kennen, über die der junge Mann sagt, wenn auch in Zusammenhang mit Unterkünften und Preisen: „Ich kann mir guten Geschmack nicht mehr leisten.“ Er teilt in Catania ein Zimmer mit ihr, flieht aber in die Nacht hinaus und in den Alkohol. Dann sieht er eine junge Frau, ein Mädchen noch, Ciane, eine fabelhaft schöne Erscheinung, sie nimmt ihn in einen Garten mit, die Zeit spielt verrückt, sie will ihn verführen, aber nicht gleich vor Ort und dann ist sie plötzlich weg und er muss die Nacht im Bett neben Waltraud verbringen, vor der er am nächsten Morgen flüchtet. In Syrakus trifft er sie wieder: da liegt sie dann erneut in seinem Bett. Auch Ciane trifft er ein zweites Mal, in einem mythisch schönen Moment, außerhalb der Zeit, eine Nymphe in einem Zauberreich, in dem sie in einen Wasserfall zerfließt, auch das in Syrakus.

    Recht bald nach der Abreise aus Palermo fühlt der junge Mann sich beobachtet. Das hatte Arndt ihm prophezeit und wenn einem gesagt wird, dass man beobachtet werde, dann fühlt man sich auch so. Und es dauert nicht lange, dann wird man auch beobachtet: man beobachtet sich selbst. Er sieht einen Mann in seiner Nähe telefonieren. Der kreuzt nicht nur seinen Weg, er verfolgt ihn geradezu. Wohin er reist, da ist auch dieser Mann mit dem Telefon. In Enna findet er dann den abgeschlagenen Kopf dieses Telefonierers auf dem Beifahrersitz eines roten Alfas, den er auch nicht zum ersten Mal sieht. Später versucht ihn dieser Alfa zu überfahren. Er lernt in Syrakus einen Holländer kennen. Der wird kurz danach erschossen: von dem Telefonierer, der ja selbst schon tot ist. Den Holländer trifft er später noch einmal. Der wird, trotz der Warnung des jungen Mannes, erneut erschossen. Auch Waltraud wird erschossen. Auf ihn selbst wird ebenfalls geschossen. Der Tod scheint an jeder Ecke zu lauern. Als er mit dem Bus von Catania nach Noto fährt, sitzt Gevatter Tod sogar höchstpersönlich am Steuer. Und blind ist der auch noch.

    Beim Abendessen in Modica setzt sich Signor Prestigiacomo, die Leiche aus der Gruft in Palermo, an den Tisch des jungen Mannes. Den hatte er schon in Enna gesehen, wo er noch behauptete, jemand anderes zu sein. In Modica macht er das nicht mehr, hier steht er zu seiner Identität, wenn man bei einer Leiche von Identität reden kann. Er sucht das Gespräch mit dem Reisenden und macht dann eine unerwartete und überraschende Bemerkung: „Tot, lebendig, welch ein Unterschied soll das wohl sein?“ Der Unterschied schlechthin, sollte der junge Mann ihm antworten. Da aber springt der andere schon auf und rennt weg. Offenbar flieht er vor Vesely, der inzwischen beinahe der permanente Reisebegleiter geworden ist, und der, sehr zur Überraschung des jungen Mannes, plötzlich eine lederne Aktentasche mit sich herumträgt. Eine Aktentasche, wie ihm der Kontaktmann in Mozia übergeben soll. Langsam kommt der junge Mann zu der Überzeugung, dass Vesely derjenige sein muss, der ihm die Tasche übergeben wird. Was der allerdings weit von sich weist: Er habe eine allzu wilde Phantasie und solle vielleicht doch lieber nach Hause fahren, rät der ihm sogar. Vesely wird dann spätabends auf einem gemeinsamen Spaziergang zusammengeschlagen, der junge Mann wird durch Prestigiacomo vor einem ähnlichen Schicksal bewahrt. Inzwischen fährt die Leiche aus Palermo den Alfa und schmeißt ihn, nachdem er ihm das Leben gerettet hat, auf offener Straße aus dem Auto.

    Möglicherweise gibt es für viele dieser Dinge eine natürliche Erklärung. Männer mögen schon mal hübsche Mädchen sehen, die nichts sehnlicher herbeiwünschen als sich im nächsten Park von ihnen deflorieren zu lassen; manchen Männern scheint es so zu ergehen, sie landen immer mir der Frau im Bett, die sie nicht begehren, und die, die sie begehren, gibt’s nur im Zauberreich; Menschen sehen einander bisweilen ähnlich; Nasenbluten ist keine medizinische Rarität, Alfa eine italienische Automarke, rot eine beliebte Farbe für Autos, Südländer wollen nahezu jeden überfahren; und Blindheit bei Busfahrern gehört ja geradezu zur Berufsausbildung.

    Der junge Mann hat ein klapperdürres erzählerisches Ich. Er macht eher selten, was Menschen üblicherweise häufig tun: reflektieren. Aber langsam kommt er doch auf die Idee, dass da einiges nicht mit rechten Dingen zugeht. Er versucht rationale Erklärungen für die Ereignisse zu finden: wieso liegt mitten in der Nacht diese Waltraud wieder in seinem Bett? In dem Moment, da er sich fragt, ob er sich nicht einiges bloß einbilde und seine Phantasie mit ihm durchgehe, macht er eine weitere Bekanntschaft. Es setzt sich erneut jemand an seinen Tisch. Der andere erzählt, dass er, der junge Mann, genau wie Arndt, in einer Art Schachspiel lediglich Figuren seien. Er selbst habe eine Gegenspielerin, Frau Jördsdóttir. Die nun erfinde die andern Figuren in dieser Geschichte, den Telefonierer, den Prager und den Holländer. Dass der gleich zweimal sterben musste, läge daran, dass der erste Holländer, der von Frau Jördsdóttir sei, der zweite hingegen sein eigener. Diese Gesprächspartner ist von Beruf Schriftstellers, sein Name, sagt er, sei Herbst. Der junge Mann, erklärt Herbst, habe keine Vergangenheit, weil es ihn vor der Abreise nach Sizilien gar nicht gegeben habe.

    Von da an werden die existentiellen Verhältnisse schwierig. Hat der junge Mann, auf der Suche nach Erklärungen für die Ereignisse, eine weitere Steigerung seiner seltsamen Wahrnehmungen und bildet er sich den Herrn Herbst, wie vielleicht viele andere zuvor, nur ein? Hat der Herr Herbst schlicht übersehen, dass man als Schriftsteller zwar Figuren erfinden kann, sehr realistische Figuren, dass man sich aber nicht zu ihnen an den Tisch setzen kann, weil man dann selbst zur Figur wird? Da werden logisch-existentielle Grenzen überschritten, die nicht ohne weiteres zu überschreiten sind. Mindestens einer der beiden, denkt man bei der Lektüre, hat da nicht alle Latten auf dem Zaun.

    Dann wird noch eine weitere Grenze überschritten. Der junge Mann hat ein kleines Problem physiologischer Provenienz. Von Anfang an macht ihm der Magen Ärger und er ist lärmempfindlich, beides nimmt im Laufe der Reise zu. Dazu kommt eine Hypersensibilität was bestimmte Gerüche angeht. Er wird gebissen, seine Augen verändern sich, er bekommt Regenbogenhäute, es wächst ihm ein Pelz an den Beinen und auf dem Rücken sträuben sich ihm die Nackenhaare, wenn er Hunde sieht. Menschen stinken. Als der junge Mann dann schließlich nach Mozia kommt, kriecht er auf allen vieren: er verwandelt sich in einen Wolf.

    Auf der Insel in der Lagune, kommt es dann zur Konfrontation von Vesely und Arndt, die sich gegenseitig bedrohen. Das hat keinen vernünftigen Sinn mehr: Vesely bekommt die Aktentasche, die er sowieso schon die ganze Zeit hatte. Er bedroht den jungen Mann / den jungen Wer-Wolf mit einer Weihwasserpistole! Arndt erschießt Vesely, jedenfalls, so drückt er sich aus, vorläufig. Denn auch Mozia ist nicht der Schlusspunkt der Reise. „Bringen Sie den Stein nach Erice“, fordert Arndt ihn auf.

    Was hat es mit dem Stein auf sich, hinter dem alle her sind, den aber keiner dauerhaft haben will? Selbst wenn ihn mal einer wegnimmt, bringt er ihn sofort wieder zurück. Das birgt sicher unzählige Konnotationen – vom Stein der Weisen bis zum Phallussymbol: „Ich hole ihn aus der Tasche, zeige ihn ihm – Stumm starrt der das Ding an“. Es handelt sich bei dem Stein wohl um einen verdichteten Phantasiepunkt. Der Stein als ein Symbol dafür, dass es weitergeht: die Reise, die Tradition. Die Suche nach einem Sinn. Das muss in Bewegung bleiben. Bewegung ist das Prinzip des Lebens.

    Mit Arndt und Vesely stehen sich zwei gegensätzliche Prinzipien gegenüber, die Antagonismen Mythos und Aufklärung, Ordnung und Unordnung. Oder einfach nur die beiden Gegenspieler Jördsdóttir und Herbst, Frau und Mann. Wie die beiden antagonistischen Auffassungen, die Erde sei eine Scheibe oder eine Kugel. Die Welt ist so, wie wir sie begreifen. Und nicht so, wie sie tatsächlich ist. So wie sie tatsächlich ist, ist sie nämlich nicht. Vor der Entdeckung ihrer Kugelform war die Welt eine Scheibe.

    Bewegung ist das Prinzip des Lebens: Wir haben heute noch keine Vorstellung davon, wie die Welt nach ihrer nächsten Veränderung aussehen wird. Wir wissen lediglich: sie wird sich verändern. Die Welt als rund zu beschreiben, damit man an ihrem Ende nicht herunterfallen kann, das war eine Zeitlang eine durchaus originelle Idee, inzwischen aber ist sie noch platter als die Welt je gewesen ist. Es wird Zeit für was Neues. Die Erscheinung der damaligen Welt hatte sicher auch etwas mit den damaligen Ängsten zu tun, die am Ende der Welt lauerten man befürchtete, am Rand der Scheibe herunterzufallen. Dann lauern die Ängste eher in der Mitte und die runde Welt begegnete den veränderten Bedingungen mit einer anderen Form. Wie immer die nächste Erscheinungsweise der Welt aussehen mag, sie wird, darf man vermuten, zwei Seiten haben, mit einer permeablen Membran, so dass man ungehindert von der Seite der Physik auf die der Phantasie hinüberkriechen kann.

    Die Register, die der Autor des Buches hier zieht – Schauergeschichte, Märchen. Mythologie, Kultus und Ritus – dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass er ein Phantast ist. Einer, der sich nicht damit zufrieden gibt, dass die Welt ist, wie sie ist. Denn genau so ist sie ja gerade nicht. Das ist der erste Schritt, den einer machen muss, wenn er erkennen will, dass die Welt eine erneute Veränderung braucht, dass sie ihre Erscheinungsform ändern muss! Bei der erneuten Veränderung der Welt bedarf es der Phantasie. Es bedarf immer der Phantasie, wenn es darum geht, der Angst Paroli zu bieten. Die Phantasie, die der junge Mann nach Aussage von Vesely im Übermaße hat.

    Trotz der angeblichen mythischen Zeitlosigkeit – „Befinde mich in vollkommener Gegenwart. Es gibt keine Vergangenheit. Wird keine Zukunft mehr geben. Strahlendes, duftendes, flirrendes jetzt.“ hat der junge Mann ein Problem mit der Zeit. Die Zeit mir Ciane vergeht nicht in physikalisch linearem Sinne, er befinde sich, meint er, in einer Art Zeitschleife. Das ist ein wichtiges Motiv: als Arndt ihm den Auftrag erteilt und er fragt, was in der Tasche des Kontaktmannes sei, antwortet der: „Uhren jedenfalls nicht.“ Und genau die sind dann doch drin. Frau Jördsdóttir wird umso älter, je näher sie dem jungen Mann kommt. Das ist als erzählerische Herausforderung nicht zu unterschätzen: Um eine Figur in einem fiktionalen Text realistisch darzustellen, braucht der Erzähler das Medium der Zeit, man braucht Vor- und Rückgriffe um die Gegenwart lebensfähig zu gestalten und um eine personale Identität der Figur herzustellen. Diese Beschränkung der Figur macht der Autor wett, indem er eine überaus sinnliche, manchmal sogar magische Sprache im Munde führt. Und das nicht nur, wenn sie sich um die Sexualität dreht, wie beim Corso in Enna:

    „Hier wird in raffiniertem Stil das Geschlecht zelebriert. Sieht es und läßt es sehen. Ein erhitzter, durchs Ritual gebändigter Fleisch- und Beziehungsmarkt. Reglement und Triebdurchbruch halten sich die Waage, sonst ginge es in Orgien aus. Abends schwingt insgeheim immer noch Astarte das Zepter, doch ihre Macht von der Kirche beschnitten: konstitutionelle Lustmonarchie. Sie glänzt, wenn der Mond scheint und ist bei Tage denunziert. Jener regelt, was flüssig ist. Menses, Gezeiten und Blut. Läßt sich vom Herz in den Kreislauf pumpen. Fährt auf Vespa, Moped, Motorrad auf und ab. Immer in Gruppen, wenigstens zu zweit. Pärchen. Paare. Der Freund in den Freund eingehakt, man läßt Motoren spielen wie einen Bizeps, wirft die gelackten Haare zurück, jede Geste schreit vor Potenz. Die Freundin neben der Freundin, bis ins Blitzen geputzt. Instinktiv vom Geist durchfeuerter Leib, körpergewordene Intelligenz. Intelligenz in Nacken und Taille, biegsam vor Eleganz, die Brüste geschmückt, als wären sie nackt. Man reicht sie wie Früchte, reckt ihre Spitzten. Gewisper. Schnelles, verlangendes, heftiges blühendes Lachen.“

    Und als der Mann nach Noto kommt, heißt es: „Der strenge Plan der Stadt schlingt sich wie Riemen um und durch die Orgien einer nervösen, rasenden Imagination, und sie binden sie, verhindern ihren formlosen Aus. Und Zusammenbrauch: Entfesselt und präzise, so verspielt wie unerbittlich, lose und herrisch, überladen und herb, brechend vor Kitsch und doch in der Balance eines ausgebildeten, mitunter dekadenten Geschmacks stehen die Gebäude wie architektonische Waben einer zur Monade mumifizierten Vollendung. Den Kirchen Notos kommt in Europa keine ihrer Ära gleich. Bogen, Fassade, Brüstung, Kuppel, Karyatide und Treppe gewordenes Zeitalter. In dem Menschen wie fremde Gäste wohnen.“

    Schließlich sind in diesem Buch Sätze zu finden, die mir persönlich Bücher sehr schmackhaft machen können und die man in den Bereich Lebensweisheit einsortieren muss, Erkenntnisse wie diese: “Das Leben eben nicht zu denunzieren mit dem Satz, alles sei eitel.“

    Wie Alice, eine der Kommentatorinnen meiner Seite, sagte als sie sich mit folgenden Worten verabschiedete, was als Aufforderung an die Schriftsteller und Schriftstellerinnen zu verstehen ist: „Lasst Euch verzaubern und gebt es weiter.“

    Verzaubert hat Alban Nikolai Herbst. Ich gebe es bloß weiter.

    Alban Nikolai Herbst
    Eine sizilische Reise
    Deutscher Taschenbuch Verlag
    ISBN 3-423-12980-8






    26 Juni 2010

    Möglicherweise war‘s nur die überspannte Phantasie

    Gestern in der Bibliothek – derzeit gibt es kaum einen anderen Ort in meinem Leben – konnte ich erleben, was ich nicht das erste Mal erlebt habe. Das kennt jeder, ob Frau oder Mann: Ich habe da jemand gesehen. Oder der jemand mich. Oder wir haben uns nicht gesehen. Das war nicht deutlich. Möglicherweise war‘s nur die überspannte Phantasie auf der einen oder der andern Seite. Das war ein Bereich, wo es ein Minimum an Mehraufwand bedurft hätte, um dort heraus zu kommen. Aus diesem Grenzbereich, wo nicht deutlich ist, ob etwas passiert oder ob es nicht passiert. Das ist ein minimaler Aufwand, aber einer muss ihn machen, ein zweiter Blick, eine Geste, ein Lächeln oder ein um Hilfe rufen. Diese Situation ist treffend beschrieben durch ein Graffiti, das ich einmal in Kreuzberg an einer Häuserwand lesen konnte:

    „Die Grenze verläuft nicht zwischen Ost und West oder zwischen Reich und Arm. Die Grenze verläuft zwischen dir und mir.“

    Ich bin ein Mensch, der sehr viel mit treffenden Beschreibungen anfangen kann. Aber manchmal ist selbst das, dieses viele, ziemlich wenig.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    25 Juni 2010

    Krankheit und Kafka

    Im Folgenden in Zitat aus dem Buch „Der unerträgliche Gaucho“ von Roberto Bolaño. Vielleicht werde ich noch ausführlicher über das Buch berichten.

    „Canetti erzählt in seinem Buch über Kafka, dass der größte Schriftsteller des 20. Jahrhunderts an dem Tag, als er zum ersten Mal Blut spucken musste, begriff, dass die Würfel gefallen waren, worauf ihn nichts mehr vom Schreiben habe abhalten können. Was will ich damit sagen, wenn ich sage, dass ihn nichts vom Schreiben abhalten konnte? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht so genau. Ich nehme an, ich will sagen, dass Reisen, Sexualität und Bücher Wege sind, die nirgendwohin führen, auf die man sich aber dennoch begeben muss, um sich zu verirren und wiederzufinden oder um etwas zu finden, was auch immer, ein Buch, eine Geste, einen verlorenen Gegenstand, irgendetwas, vielleicht eine Methode, mit etwas Glück: das Neue, das, was immer schon war.

    Mir gefällt, dass Bolaño Reisen Sexualität und Bücher hier in einem Atemzug nennt. Drei Wege, die nirgendwohin führen. Die kein Ziel haben als sich selbst. Auch ich empfinde diese drei als die großen Abenteuer. Die, die nicht um der Erholung willen, um der Unterhaltung oder um des Triebes willen begonnen werden, sondern nur um ihrer selbst willen. Wege, die nirgendwohin führen. Wege, könnte man noch hinzufügen, bei denen man zu Tode kommen kann. Man kann untergehen, vermisst werden, man kann wiederkommen, neu beginnen. Das Neue nennt Bolaño „das, was immer schon war“. Eine kreisförmige Auffassung von Erkenntnis, wenn das Alte das Neue sein soll. Das muss keine pessimistische Auffassung sein. Es ist eine altbekannte Frage, wie das Neue in die Welt kommt. Wie man das Neue erkennt, wie man das neuartige am Neuen erkennt. Beantworten muss sie jeder für sich. Nur eins sollte man mit allen dreien nicht tun: sie zu den Akten legen.

    Roberto Bolaño „Der unerträgliche Gaucho“
    Aus dem Spanischen von Hanna Grzimek
    16.90 EUR
    Kunstmann Verlag
    ISBN 3-88897-446-1





    23 Juni 2010

    Deutschland gegen Ghana: 3 zu 0 für Rumänien

    Ich habe das jedenfalls so gesehen. Man muss ein bisschen poetische und imaginative Kraft mitbringen, bei diesen Fußballspielen. Ich war mit einigen Bekannten in einer Strandbar in Kreuzberg und habe nur selten auf die Leinwand geschaut. Die war weit weg und der Lautsprecher auch und ich fands auch mühsam, immer dem Ball hinterherzuschauen. Die meiste Zeit stand ich mit anderen Frauen einfach nur so herum. Wir sprachen über allerlei unwichtige Dinge, ich kannte die gar nicht. Aber das Plaudern hat mir Spaß gemacht und es hat mir gutgetan. Dann sind Schlag auf Schlag die drei Tore gefallen und wir Frauen haben gelacht, als ich das Ergebnis verkündete.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    19 Juni 2010

    „Wo seelenlos ein Feuerball sich dreht“

    Seit einiger Zeit versuche ich, ein richtiges Wochenende zu machen das mindestens aus einem, idealerweise aus zwei Tagen besteht. Ich will nichts schreiben und ich will nichts für die Uni machen. Das klappt natürlich nicht immer. Es klappt nie. Aber ich halte an dem Plan fest.

    Heute ist Samstag und meine Freundin Stella war zu Besuch. Stella ist inzwischen sieben Jahre alt. Wir sind, sagt Stella, Freundinnen. Ich empfinde das genauso. Der Altersunterschied ist uns beiden nicht so wichtig. Nach kurzen Anfangsschwierigkeiten, da ich ihren Besuch nicht erwartete und ich meinen Tagesablauf umbauen musste, saßen wir auf den Boden und spielten Memory.

    Das Spiel besteht aus vielleicht sechzig Karten, die mit Tiermotiven bedruckt sind, jeweils zwei Karten mit demselben Motiv, die Pärchen genannt werden. Die Karten werden auf den Boden gelegt, mit dem Rücken nach oben, das bei allen dasselbe Muster zeigt. Die Aufgabe der Spieler besteht darin, Pärchen zu finden. Man darf zwei Karten umdrehen, sich anschauen und dann muss man sie wieder mit dem Rücken nach oben auf den Boden legen. Beide Spieler sind abwechselnd dran. Es gilt also das Gedächtnis zu trainieren und zu behalten, welche Motive an welchen Stellen auf dem Boden liegen: man sieht ja nur die vielen Karten mit demselben Rückenmuster. Wenn man zwei Karten mit demselben Motiv hat, darf man sie wegnehmen. Wer am Ende die meisten Pärchen hat, der hat gewonnen. Das ist im Leben so: es gewinnt immer der, der am meisten hat.

    Stella war sehr versessen aufs Gewinnen, ich gar nicht, mir war‘s egal. Ich war an diesem Morgen ein wenig in Gedanken. Ich hatte zuvor mit meiner Mutter telefoniert, die Großmutter ist gefallen und ins Krankenhaus gekommen. Meine Mutter wollte von mir wissen, ob ich im Sommer komme und wann ich komme. Das ist alles nicht schlimm, die Oma ist schon wieder entlassen worden und meine Mutter wollte von mir einen Termin wissen: das sind keine unüberwindlichen Hürden. Ich war, aus welchen Gründen weiß ich gar nicht, am Telefon etwas ruppig. Oder nicht anteilnehmend genug. Ich hatte das seltsame Gefühl, meine Mutter sei gegen mich und nicht für mich. Auch dabei weiß ich nicht so genau, woher das kam. Da spielen sicher Dinge eine Rolle, die lange her sind und die es in jeder Familie gibt. Das alles hat mich beschäftigt, als Stella aufkreuzte, unbeschwert und gutgelaunt, und gewinnen wollte: gegen mich und nicht mit mir zusammen.

    Es kam zu einer Situation, wo Stella ein Pärchen aufnehmen konnte. Aber etwas stimmte nicht, ich war unkonzentriert und schaute nicht genau hin. Stella nahm die beiden Karten, schaute mich aber zweifelnd an, lachte lauthals, und sagte dann: „Lea, das war doch gelogen.“ Sie hatte das Pärchen gar nicht gebildet, sie hat meine Unkonzentriertheit bemerkt und mich übers Ohr gehauen! Aber mit welcher Selbstverständlichkeit das Kind annahm, dass ich die Lüge durchschaue. Weil sie selbst ja wusste, dass sie log, nahm sie an, dass ich es auch wissen musste. Sie unterschied gar nicht zwischen Wahrheit und Lüge, das waren einfach nur zwei Optionen und Stella hat die für sie günstigere gewählt.

    Das erinnert mich an Aristoteles, glaube ich. Ich kann das im Moment nicht nachschauen. Da wird ein Ruder beschrieben, das ins Wasser gehalten wird. Bis zu der Wasseroberfläche sieht das Ruder gerade aus, dort bricht es sich und dann sieht das Ruder gebogen aus. Aristoteles sagt nicht, dass das eine die richtige, das andere hingegen die falsche Wahrnehmung ist. Er spricht nicht von Täuschung und da wird auch nicht eines zugunsten des anderen geopfert. Aristoteles sagt vielmehr, dass zur Wahrnehmung des Ruders sowohl das Gebogene als auch das Gerade gehört. Das sind zwei Aspekte einer Sache. Wahrheit und Lüge sind einfach nur zwei mögliche Dimensionen von Wirklichkeit.

    Die moderne Physik ist da anderer Meinung, sie hat die Lichtbrechung entdeckt. Oder dreister weise erfunden und erlogen. Die Welt ist dadurch vielleicht klarer geworden, weil die Dimensionen Wahrheit und Lüge / Schein deutlicher voneinander geschieden werden können. Aber sie ist auch ärmer geworden, eine Welt, wo seelenlos ein Feuerball sich dreht.

    Wahrheit und Lüge sind keine entgegengesetzten Dimensionen, die überschneiden sich in ganz wesentlichen Punkten. Diese Feststellung ist ein sehr guter Einstieg in den kommenden Beitrag, Mitte der Woche hoffe ich: Alban Nikolai Herbst „Eine sizilische Reise“. Dieser Mann lügt, dass sich die Ruder biegen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    16 Juni 2010

    Spuren

    Es freut mich, wenn es Reaktionen auf meine Texte gibt, meist in Form von Kommentaren. Jetzt habe ich auch andere animiert. Melusine hat nach einem Kommentar meinerseits etwas geschrieben, Jean Stubenzweig hat sich mehr von Olga als von mir inspirieren lassen. Selbst seine heilige Dreifaltigkeit A-N-H ruft wieder nach mir (was mich natürlich sehr freut, ich habe ihm gleich mal den kleinen Finger hingehalten); und er ruft nicht nur, er schreit geradezu: allerdings auch nach Olga. Meine Mitbewohnerin ist unfassbar, sogar ohne Bild wirkt die auf Männer.

    Worüber ich mich besonders freue, ist dieser lange Kommentar von NO (ganz weit unten), der zu den schönsten Kommentaren gehört, die hier eingestellt worden sind. Das sind nicht nur die persönlich aufmunternde Worte, die mich erfreuen, sondern auch die Auseinandersetzung mit der Literatur. NO liest gerade eines der Hauptwerke von Alban Nikolai Herbst und hinterlässt dort ebenfalls seine Spuren. Der Autor antwortet auch: das ist es wert, mitgelesen zu werden. Im Sommer nehme ich schon seit einigen Jahren eine kleine Auszeit vom Arbeiten und lese. Ich setze mich in der Regel auf eine Stelle und lese zwanzig oder dreißig Bücher. Den Wolpertinger von Alban Nikolai Herbst werde ich mir in diesem Jahr auch vorknöpfen und natürlich Dieter Fortes „Am anderen Ende der Welt“: man muss die Tipps ernst nehmen. Wenn die Literaturkritik versagt oder ausfällt oder, wie in Fall von Frau Hegemann, masturbiert, dann muss man einander eben Tipps geben.

    Noch ein kleiner Nachtrag zum letzten Beitrag, dem internationalen Frauenfrühstück. Vielleicht hätte ich das dazu sagen sollen, dass Olga, als sie sagte, ich sähe nach nichts aus, damit nicht meinte, dass ich unsichtbar sei oder beliebig aussehe, sondern sie meinte, dass ich weder als Rumänin noch als Deutsche einwandfrei zu identifizieren sei. Ich glaube, dass sie das meinte. Ansonsten hätte ich keine Weintraube geworfen, sondern eine Wassermelone.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    14 Juni 2010

    Argumente aus Ägypten

    Am vergangenen Samstag gab es in Olgas und meiner WG ein Frauenfrühstück. Gegen elf Uhr ging‘s los. Wir haben kichernd und gackernd bis nachmittags um vier zusammen gesessen. Ich wusste nicht, dass zu so einem Frühstück Sekt dazu gehört. Ich hätte bei Olga angenommen, dass sie eine Flasche Vodka mitbringt. Aber auch die Flasche Sekt, aus der dann auf eine mir nicht erklärbare Weise zwei geworden sind, hat zu unserer guten Laune beigetragen.

    Zuerst ging‘s natürlich um Männer. Ich glaube, das war das eigentliche Ziel des Frauenfrühstücks, das auf Olgas Vorschlag zurückging. Wenn schon keine Männer anwesend sind, muss man/frau zumindest über sie reden. Aber das Thema hat nicht so richtig eingeschlagen, ich habe derzeit nichts beizutragen, Dalia hat einen Freund und war an Männern im Allgemeinen nicht interessiert und Martina und Leyla sind ein Paar. Dann haben wir das Thema gewechselt und sind auf die deutsche Kultur zu sprechen gekommen, dann ging‘s um unsere eigenen Kulturen im Verhältnis zur fremden (deutschen), um kulturelle Identität, und vor allem um das Thema, dass die Sprache dem Menschen noch lange nicht ermöglicht, in dem jeweiligen Land zu navigieren. Es sind sehr viele Verhaltensweisen und Verständnisweisen, die nicht sprachlich vermittelt sind, und die Olga kongenial zusammengefasst hat – wie gesagt, das war kein wissenschaftliches Symposion, das war ein Frauenfrühstück mit zwei Flaschen Sekt – als sie sagte: „Ich? Nix verstehn!“

    Olga spricht seit drei Jahren Deutsch und sie hat‘s nach eigenen Angaben ausgetauscht gegen ihr Spanisch. Angeblich an einem einzigen Tag: sie hat die eine Sprache vergessen und die andere erlernt. Leyla spricht seit zehn Jahren Deutsch, lebt aber nur das halbe Jahr in Berlin und das andere halbe in Teheran und muss sich zweimal im Jahr umstellen. Martina stammt aus Italien und ist hier und in Rom aufgewachsen, hat einen leichten Akzent, spricht aber annähernd das Niveau einer Muttersprachlerin. Dalias Eltern kommen aus Ägypten und auch wenn zu Hause arabisch gesprochen wird, spricht sie das absolut akzentfreie Deutsch einer Akademikerin. Sie ist Muttersprachlerin, sie ist hier geboren und sie hat einen deutschen Pass. Aber sie sieht nicht aus wie eine Deutsche. Sie hat bronzefarbene Haut und Korkenzieherlocken, die in alle Richtungen abstehen. Wenn ich sie sehe, und wir sehen uns derzeit nahezu jeden Tag in der Bibliothek, dann spüre ich ein kaum zu unterdrückendes Verlangen, ihr an den Haaren zu ziehen. Ich muss das ganz stark unterdrücken, links und rechts diese Locken anzufassen und vom Kopf weg auseinanderzuziehen. Ich will ihr damit zeigen, dass ich sie gern habe. Aber vielleicht versteht sie das falsch. Weiß der Himmel, was diese Ägypterinnen denken, wenn man ihnen an den Haaren zieht!

    Olga findet, sie selbst sähe wie eine Russin aus. Aber sie findet nicht, dass Leyla wie einer Iranerin aussieht. Dalia findet das schon. Leyla hingegen hätte Dalia niemals als Araberin eingeschätzt. Martina sieht aus wie eine Italienerin und sie fühlt sich auch wie eine, sagt aber auch, dass das eine Art Trotzreaktion ist. Ich weiß nicht wie ich mich fühle, gemischt wahrscheinlich, spreche ebenfalls akzentfrei Deutsch und sehe nach allgemeiner Auffassung aus wie eine Irin, wegen der hennafarbenen Haare. Auf meine Frage, wonach ich mit meinen ungefärbt braunen Haaren aussehen, sagt Olga: nach nichts.

    Etwa eine Sekunde später und einen Zentimeter neben ihrem Kopf schlug die erste Bombe an die Wand, leider bloß eine Weintraube. Aber Olga hat geguckt, als würde sie vom Zug überfahren. Über den weiteren Verlauf dieser kleinen frugalen Auseinandersetzung breiten wir hier gnädiges Schweigen. Die Obstvorräte waren danach jedenfalls deutlich dezimiert und wir fünf aufs Äußerste erheitert und befleckt. Geht also alles auch ohne Männer.

    Dann ist Olga in ihrem Zimmer verschwunden, Leyla und Martina mussten weg. Also blieben nur noch Dalia und ich: zum Spülen und Aufräumen. Dalia schreibt gerade ihre Bachelorarbeit in Politikwissenschaft. Sie hat eine Umfrage gemacht und ist sogar nach Ägypten dafür gefahren. Sie hat sich die Ergebnisse ihrer Arbeit von sehr weit hergeholt. Während wir spülen und über die Uni reden und darüber, was Dalia im Anschluss studieren könnte, kommen uns allerlei wilde Ideen und es dauert nicht lange und wir entdecken eine neue Wissenschaft.

    Die Welt ist inzwischen einigermaßen globalisiert, Multi-Kulti an allen Ecken, mit unserem internationalen Frauenfrühstück haben wir da ein deutliches Zeichen gesetzt. Nur die Wissenschaft ist noch nicht soweit: Amerikanistik, Germanistik, Islamistik, etc etc. Unser neues Fach – wir beide werden natürlich Professorinnen und unterrichten das auch, wir werden Dekanin und Fachbereichsleiterin – schafft da Abhilfe. Wir haben noch keinen Namen und wir brauchen natürlich auch noch ein schönes Institutsgebäude. Das Curriculum und die Inhalte sind noch nicht zur Gänze ausgearbeitet. Die derzeit einzige Bedingung ist, dass, was immer unterrichtet wird, welche Inhalte vermittelt werden, ob es feministische Ansätze gibt, etc etc, es gibt derzeit nur eine einzige Bedingung in diesem globalisierten Fach: es muss alles möglichst weit hergeholt sein!

    Früher sind die Gewürze aus Indien gekommen, die Düfte und Wohlgerüche aus Arabien und der Kaviar aus Beluga, die Orangen aus Spanien und die Ananas aus Caracas. Heute kommen die Strukturen aus Russland, die Intellektuellen aus Frankreich, die Professorinnen aus Rumänien und, darauf legt Dalia großen Wert, die Argumente aus Ägypten.

    Wir glauben nicht mehr an eine rein deutsche Kultur. Oder an eine rein französische. Wir glauben nicht an die Nationalhymne und wir glauben vor allem nicht an Fußballnationalmannschaften. Wir sind Kinder einer globalisierten Welt und wir wollen eine entsprechende Wissenschaft. Eine Wissenschaft, die diese Welt in der wir leben, adäquat begreift und beschreibt. Und ihre einzige Bedingung lautet: es muss alles möglichst weit hergeholt sein!

    Wir lagen auf dem Boden vor Lachen und ich habe Dalia bei dieser Gelegenheit endlich an den Haaren gezogen. Das hat einen Heidenspaß gemacht! Darum beneide ich ihren Freund, das würde ich jeden Morgen im Bett bei ihr machen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    11 Juni 2010

    Auf dem Bild der Erinnerung herrscht Halbschatten

    Dies ist vor wenigen Tagen auf der Seite der Bolanisten erschienen, die auch als Link hinterlegt sind. Ich veröffentliche das auch hier, damit keiner auf die Idee kommt, ich möchte faul werden

    Zuerst einmal zur Deklaration. Ich finde es ein bisschen bedauerlich, dass die deutschen Verlage nur noch Romane zu kennen scheinen, selbst dann, wenn es ganz offensichtlich keine sind. „Chilenisches Nachtstück“ ist nach meinem Dafürhalten eine Novelle.

    Das ist ein beliebter Topos, den Roberto Bolaño hier bemüht: ein Mensch hält Rückschau auf sein Leben. Kein Ort und kein Moment, der sich dafür besser eignen würde als das Sterbebett. Das spätestens ist der Zeitpunkt, wo man ehrlich zu werden beginnt, denn dann hat man ja nur noch wenig zu verlieren. Eigentlich verliert man alles, aber alles ist dann eben nicht mehr viel. Wir dürfen in so einer Situation einen schonungslosen Blick auf das eigene Leben erwarten; vor allem, da es sich bei Sebastían Urrutia Lacroix um einen Priester handelt. Jemand, der in Bälde vor seinen Gott tritt. Spätestens der wird ihm einige Fragen stellen. So ein Mensch ist gut beraten, seine letzten irdischen Momente zu nutzen, um sich auf diese Unterhaltung vorzubereiten. Und meistens hat man im Moment des Sterbens ja sowieso nichts Wichtigeres zu tun.

    Lacroix erinnert sich an sein Leben. Das geschieht in sechs Episoden, die schätzungsweise zwischen 80 und 90 Prozent der Textmasse ausmachen: es beginnt mit dem Wochenende auf dem Landgut Farewells, gefolgt von dem Abend bei Salvador Reyes, der von Ernst Jünger berichtet und einem guatemaltekischen Maler, dann wird die Geschichte des österreichischen Schuhfabrikanten erzählt, dann die Reise nach Europa, schließlich der Unterricht in Marxismus für die Junta Chiles und abschließend erzählt Lacroix von einer mittelmäßigen Romanschriftstellerin, deren Mann für die chilenische Militärdiktatur gefoltert und getötet hat. Zwischen diesen Episoden werden die Gespräche mit Farewell berichtet, die meist keine literarischen Themen haben – außer es handelt um das chilenische Nationalheiligtum Pablo Neruda – und Lacroix‘ Sorgen um den, wer immer das sein mag. „vergreisten Grünschnabel“.

    Das Leben dieses Mannes hat zwei Zentren, die Literatur und das Priesteramt. Vielmehr müsste es sie haben. Der Glaube spielt jedoch kaum eine Rolle, ich sehe keine ausgeprägt religiöse Haltung. Lacroix liest bisweilen die Messe und er kennt die Lebensläufe der Päpste auswendig. Das ist ein ausgesprochen armseliges Verständnis von Glauben – und gar keines von Gott. Dieser Glaube lässt sich zusammenfassen mit den Worten: „Auch Beten wird halt irgendwann langweilig.“ Es war in der Vergangenheit in vielen Ländern – auch in Rumänien – oft der Fall, dass sich Gelehrte in Klöster zurückzogen, dass sie weltlichen Umständen entsagten, um sich der Wissenschaft und ihren Interessen und Studien zu widmen.

    Aber auch dieses zweite Zentrum, die Literatur und die Literaturkritik, spielt meines Erachtens keine ernstzunehmende Rolle. Ich sehe keinerlei literarische Leidenschaft, bis auf das übliche name-dropping. Lacroix kommt lebenslang nicht über die kleine narzisstische Kränkung hinweg, dass er einen Namen nicht kannte: „Sordel, Sordello? Welcher Sordello?“. Nach dem Wochenende bei Farewell sagt er: „Meine Feuertaufe in der Welt der Literatur war bestanden“. Feuertaufe? Außer stille Anbetung von Neruda und einigen Spaziergängen war da nicht viel. Es werden auch im Weiteren keine gelehrten Gespräche berichtet, da werden keine Bücher besprochen, keine poetologischen Beobachtungen gemacht, keine Erkenntnisse gewonnen. Ich sehe auch keine Diskussionen, wie sie etwa in Deutschland während des Hitlerdiktatur stattgefunden hat, und wie sie in repressiven Gesellschaften angestellt werden müssen, nämlich wie man dem Regime Widerstand entgegensetzt: indem man geht oder indem man bleibt. Die chilenische Literatur scheint für diesen Mann keinerlei politische Dimension zu besitzen. Und als Schriftsteller redet er, gelinde gesagt, puren Blödsinn,: ich, behauptet er von sich, „ … entwarf ein dichterisches Werk für kommende Zeiten, ein Werk von geradezu kanonischem Anspruch, dazu gedacht, sich erst im Laufe der Jahre herauszukristallisieren, geschrieben in einer Metrik, die kein Mensch in Chile mehr praktizierte, was sage ich, die kein Mensch jemals praktiziert hatte …“.

    Dieser Mann ist weder als Priester noch als Literat ernst zu nehmen. Er erzählt als Bilanz seines Lebens eine Handvoll, in ihrer Bedeutung alle miteinander eher marginale Geschichten, und dazwischen packt er ein bisschen Füllmaterial. Nicht einmal die beiden letzten Exkurse, die etwas mit seinem eigenen Leben zu tun haben, der Unterricht für Augusto Pinochet und seine Schergen, und die Schriftstellerin, die mit einem Gewaltverbrecher verheiratet ist, führen in irgendeiner Weise zu etwas, was man Selbsterkenntnis nennen möchte. Lacroix ist ein Mann, der sich zu keiner Zeit irgendeiner Wahrheit annähert, auch wenn er das gerne weismachen möchte: „ … dass nämlich das Leben eine Folge von Irrtümern ist, die uns zur letzten einzigen Wahrheit hinführen.“ Es findet keine Auseinandersetzung mit seinem Zölibat statt, nicht mit der Homosexualität Farewells, nicht seiner eigenen Sexualität. Als Essenz eines Lebens ist die ganze Geschichte vollkommen lachhaft, dieser Lacroix ist ein Schwätzer, ein dummer Ignorant. In politischer Hinsicht kann so Haltung mitunter sehr gefährlich sein. Und in literarischer Hinsicht kann man nicht viel mehr von ihm erwarten, als das er stöhnt: „Ach, die Unsterblichkeit der Literatur.“

    Es scheint diesem Mann vor allem um seine Wahrnehmung durch den „vergreisten Grünschnabel“ zu gehen. Fragt man sich, wer das ist, könnte man vermuten, dass es keine juristische Person ist, sondern eine psychische Instanz: sein Gewissen. Weil das ein schwieriger und stark vermittelter Begriff ist, versuche ich das mit eigenen Worten zu beschreiben. Der vergreiste Grünschnabel steht für die Wahrnehmung durch die anderen. Durch die, die einen Artikel in der Zeitung schreiben, wenn man gestorben ist. Die, die sich an einen erinnern, wenn man es selbst nicht mehr kann. Und die das vielleicht nicht so tun, wie man das gerne hätte. Die Welt, eine Sekunde nach dem eigenen Tod. Diese Welt, der Blick dieser Welt, taucht nicht erst mit dem Tod auf, diesen Blick spürt man schon früher. Aber auch hier legt Lacroix keine ernstzunehmende Haltung an den Tag und so endet seine angebliche Auseinandersetzung mit sich selbst so wie man es etwas hat erwarten können: mit dem letzten Satz – und vermutlich seinem Tod – „Und dann bricht er los, der Orkan aus Scheiße.“

    Das Thema dieser Novelle ist, meine ich, die Erinnerung. Und dieser Mann erinnert sich eigentlich nicht. Er versucht vielmehr den Blick der Nachkommen auf ihn zu beeinflussen. Er erinnert sich nicht, er erzählt irgendwelche belanglosen Banalitäten von Taubenkacke in Italien oder Heldenverehrung in Österreich. Es mag tatsächlich genauso gewesen sein, wie er das hier berichtet, und es handelt sich dabei dann um eine objektive Berichterstattung. Gerade deswegen sind das keine Erinnerungen. Erinnerung hat etwas mit dem Subjekt zu tun, das sich erinnert. Dieser Lacroix dient lediglich als Zerrspiegel, deren nicht verzerrte Variante auf wenigen, sehr dichten Seiten erzählt wird. Roberto Bolaño schafft hier auf großartige Weise ein Bild, eine beeindruckende Metapher für die Erinnerung. Und zwar anhand des Gemäldes eines guatemaltekischen Ma-lers: „Ansicht der Stadt Mexiko eine Stunde vor Sonnenaufgang“, ich zitiere die Stelle in Gänze:

    „ … meinte dennoch ein Stückchen Wahrheit erhascht zu haben, und dieser winzige Teil Wahrheit bestand darin, daß der Guatemalteke sich in Paris befand, dass der Krieg begonnen hatte oder gerade im Begriff stand zu beginnen, daß der Guatemalteke bereits die Gewohnheit angenommen hatte, lange Mußestunden vor dem einzigen Fenster sei-ner Mansarde damit zu verbringen, das Panorama von Paris zu betrachten, und daß aus dieser Betrachtung, aus der schlaflosen Betrachtung der Stadt Paris, die „Ansicht der Stadt Mexiko eine Stunde vor Sonnenaufgang“ entstanden war, ein Bild, das auf seine Weise ein Altar für Menschenopfer war, eine Geste erhabenen Widerwillens, das Hinnehmen einer Niederlage, nicht allerdings der von Paris oder der europäischen Kultur, die emsig damit beschäftigt war, sich selbst unter viel Lärm und Geschrei in Schutt und Asche zu legen, der Niederlage von politischen Idealen, die der Maler vage als seine eigenen erkannte, sondern der höchsteigenen, der eines ruhm- und glücklosen Guate-malteken, finster entschlossen, sich in den Zirkeln der Stadt des Lichts einen Namen zu machen, und diese Hellsichtigkeit, mit der der Guatemalteke seiner eigenen Niederlage ergeben ins Auge blickte …“

    Was passiert hier? Wir haben die vage Erinnerung – an einer Stelle ist von einer Vision die Rede – eines Mannes aus Guatemala an einen kurzen Aufenthalt in der Hauptstadt Mexikos, die er malt, während er sich die Stadt Paris anschaut. Die Stadt, ob Mexikocity, Paris oder möglicherweise auch Guatemala-Stadt ist einerlei; die Stadt liegt sowieso halb im Dunkeln verborgen, man erkennt nur Schemen, Stadtviertel wirken wie Meereswogen, man sieht Skelette, die von Menschen, aber auch von Tieren stammen könnten. Es werden verschiedene Städte übereinander gelegt. Der Guatemalteke löst das Darstellungsproblem, indem er keine bestimmte Stadt malt und was er malt, ist im Dämmer kaum zu erkennen. Mit der Metaphorik des Lichts wird nicht das Städtepanorama beschrieben, sondern das Leben dieses Künstlers. Ein Mensch in der Fremde, im Exil, der offenbar über Mexiko nach Paris gekommen ist und hier „finster entschlossen“ ist, sich „in den Zirkeln der Stadt des Lichts“ einen Namen zu machen und der mit „Hellsichtigkeit“ seiner Niederlage „ins Auge blickte“.

    Das ist ein Mann, der nichts anderes kann als malen. Er kann das Bild nicht einmal verkaufen, er bietet es Ernst Jünger, der zu Besuch gekommen ist, nicht an, er gibt auch keine Erklärungen zu dem Bild; er bedankt sich nicht einmal für die mitgebrachten Lebensmittel: weil er es nicht kann. Er will sich einen Namen machen und auch das kann er nicht – wir erfahren seinen Namen nicht – er will Anerkennung für seine Arbeit und die bekommt er nicht. Darin hat er ein tragisches, und dennoch absolut beliebiges Künstlerschicksal. Dieser Mann ist, das wird mehrfach gesagt, dabei zu sterben. Deswegen ist es ihm auch egal, ob er verhungert oder nicht, ob Essen in der Küche steht oder nicht, ob Jünger das Bild kauft oder nicht. Das historische Ereignis, die drohende Vernichtung von Paris durch die Deutschen, dient dabei lediglich die Folie auf der das Schicksal dieses Individuums gestaltet wird und als Inkarnation einer Übermacht, von der ein Einzelner bedroht und vernichtet wird: dem eigenen Schicksal. Das ist eine Macht, der man wahrscheinlich, ab einem bestimmten Zeitpunkt, nur noch „ergeben“ ins Auge blicken kann, weil man da weiß, dass jeder Widerstand, jede Résistance zwecklos ist. Das ist ein Punkt, wo man keine Zukunft mehr hat, keine Chancen und keine Möglichkeiten, Umstände zu gestalten und sie zu den eigenen Gunsten zu verändern.

    Anhand dieser Figur wird mit wenigen Sätzen ein Lebensschicksal beschrieben und herausgearbeitet, das eine ganz andere Dichte hat, als die dieses Schwätzers Lacroix und es wird diesem diametral entgegengesetzt. Schön und gut. Warum aber kann diese Stelle über den Maler als eine Metapher für die Erinnerung fungieren?

    Das Bild des Guatemalteken zeigt keine real existierende Stadt, sondern eine, die durch die Phantasie bearbeitet worden ist. Das ist die Tätigkeit eines Künstlers, jedenfalls derjenigen, an die dieser Mann Anschluss sucht, die Surrealisten, der Kreis um André Breton. Ich will das auch einmal etwas surrealistisch ausdrücken: Die Stadt Paris wäre ohne die Stadt Mexiko unsichtbar. Ohne all die anderen Städte und Orte, die einer gesehen hat und die sich über die aktuelle Wahrnehmung drüberlegen und mit ihr verschmelzen. Frisch aus dem Weltraum eingeflogen, würde jeder Marsmensch, vorausgesetzt er ist halbwegs bei Sinnen, im Angesicht der Stadt Paris fragen: Was ist das?

    Die Städte, die Orte an denen wir gewesen sind, wo wir etwas erlebt haben und wo wir, wenn wir uns an sie erinnern, noch einmal gegenwärtig sind. Das hat etwas Absurdes, weil dieser Ort und diese Zeit schon gar nicht mehr sind und weil der erlebende Mensch in der damaligen Situation schon gar nicht mehr ist. In der Erinnerung reagieren räumliche und zeitliche Schichten und Strukturen miteinander. Erinnerung ist ein kreativer Prozess, der etwas erschafft, verschiedene Schichten und Ebenen, die übereinander gemalt werden. Etwas, das durch die einzelnen Sedimente aktiv gebildet werden muss. Erinnerung ist nicht das Hervorholen von objektiven Gegebenheiten – das ist die Geschichtsschreibung – sondern das Erarbeiten, das Abarbeiten an den Umständen, das Auswirkungen auf das Subjekt und sein persönliches Erleben hatte. Die Umstände – die Städte – bringen nicht die Wahrheit hervor. Wahrheit entsteht, indem ich die Umstände produktiv nutzte. Aber eben nicht, indem ich mich ins rechte Licht setze – auf dem Bild der Erinnerung herrscht Halbschatten – sondern indem ich mir selbst und meiner Situa-tion ins Auge sehe. Auch wenn das, was ich da sehe, eine Niederlage ist.

    Ich empfinde die Hauptfigur als in jeder Hinsicht armselig. Großartig hingegen ist der Guatemalteke. Und in dieser Gegenüberstellung von Haupt- und Nebenfigur finde ich doch eine einigermaßen beeindruckende, formale Waghalsigkeit dieses Autors: Wenn Bolaño das, was ich da behaupte und konstruiere, beabsichtigt haben sollte. Allerdings bin ich der Meinung, dass die Absichten eines Autors nicht wichtig sind. Wichtig sind seine Fähigkeiten. Wichtig sind seine Ergebnisse. Und die werden durch seine Absichten in keinster Weise wiedergegeben.

    Ganz vorsichtig ausgedrückt: wenn das meine Novelle gewesen wäre, dann hätte ich sie sicher noch einmal überarbeitet, mindestens einmal. Eine vereinzelte gute Stelle ist mir als Leserin ein bisschen zu wenig.

    Roberto Bolaño
    Chilenisches Nachtstück
    Hanser Verlag
    Übersetzt aus dem Spanischen von Heinrich von Berenberg
    160 Seiten, 17.90 €
    ISBN 978-3-446-20822-3





    08 Juni 2010

    Abstrakter Tourismus

    Die Formulierung „abstrakter Tourismus“ habe ich erst vor einigen Tagen bei Frank Fischer gelernt und jetzt bin ich bereits dabei, diesen Begriff mit Inhalt zu füllen. So lernt man eine Sprache.

    Gestern in der Bibliothek: eine Reisegruppe Japaner. Ziemlich aggressive Vertreter der Sorte: Ich und meine Kamera. Die sind mit einem Tempo durch das Gebäude gehastet, dass man Angst haben musste überrannt zu werden. Und auf alles wurde die Kamera gehalten. Ohne lange auszuwählen – ohne vorher hinzugucken – alles erschien fotogen. Die haben sich dieses Gebäudes geradezu bemächtigt. Als wollten sie es niederreißen. Als wollten sie es mit ihren Kameras kaputtmachen. Losballern auf alles, was sich bewegt oder nicht bewegt. Der abstrakte Tourismus, wenn er das gewesen sein sollte, also nicht die friedliche Variante Frank Fischers, ist von Grund auf destruktiv. Die Fortführung des Kriegs mit anderen Mitteln.

    Falls es mein Schicksal nicht gut mit mir meint und aus mir fast gar nichts wird, dann wird aus mir immerhin noch eine Bergbesteigerin. Nach allem, was ich Tag für Tag an Treppen in dieser siebenstöckigen Bibliothek zurücklege, das sind mindestens tausend Stufen täglich, bewältige ich den Mount Everest mit links. Mit ganz weit links, ohne Höhenlager. Ohne Anlauf. Und, wenn möglich, auch ohne Anreise. Ich habe ja Flugangst. Ich hoffe, dass die Tektonik auf diesem Planeten bis zum Ende meiner Dissertation noch ein richtiges Gebirge aus dem Boden gestampft hat und nicht nur dieses niedliche Himalaja. Ich brauche etwas, was ich als Herausforderung betrachten kann. Möglichst ohne, das die Erde dabei bebt. Ich habe nicht nur Flugangst, ich habe auch Angst vor Erdbeben. Und vor Japanern mit Kameras. Ansonsten bin ich eher mutig. Manchmal jedenfalls. Wenn zwischen der Welt und mir eine Tastatur liegt.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    06 Juni 2010

    Das wahrscheinlich größte und weißeste Weißenfels weltweit

    „Die Südharzreise“ von Frank Fischer. Der Autor stammt aus Weißenfels. Aber nicht irgendein Weißenfels – wie irgendein New York oder irgendein Tokio – nein: es handelt sich um das Weißenfels. Das wahrscheinlich größte und weißeste Weißenfels weltweit.

    Die Lektüre war nicht einfach für mich. Das lag aber nicht daran, dass das Buch so komplex ist, da lag nicht an verschachtelten Satzgefügen oder verwickelten Lebensschicksalen, sondern daran, dass dort Worte und Orte zu finden sind, die ich nicht kenne, Orte wie Schkortleben und Oeglitzsch. Solche Orte müssen auch einen Namen haben, das verstehe ich, einen Namen, an dem man sie erkennen und identifizieren kann. Auch ein Kyffhäuserdenkmal muss irgendwie heißen und warum dann nicht gleich Kyffhäuserdenkmal. Obwohl ich das schon extrem finde, das Wort Kyffhäuserdenkmal. Vor allem war die Lektüre für mich nicht leicht, weil das Buch tief in die Regionalgeschichte dieser Gegend eingreift – indem es sie beschreibt natürlich -, die mir – man ahnt es wohl – nicht sonderlich vertraut ist.

    Frank Fischer will im Prinzip lediglich innerhalb von 24 Stunden die A 38 von Leipzig nach Göttingen fahren, mit ein paar Abstechern ins Umland, und wieder retour. Er fährt alleine, mutterseelenallein. Manche Dinge kann man nur alleine erleben. „Abstrakter Tourismus zwischen Leipzig und Göttingen“, lautet der Untertitel des Buches und das bedeutet bei knapp tausend Kilometern und drei Dutzend besuchter, touristisch relevanter Orte, dass es recht zügig gehen muss: „ … aber ich beende sofort dieses unfreiwillige Zuhören, indem ich weiter zur Unterburg rase, wo ich aus touristischen Gründen einige Sekunden stehen bleibe, und dann wieder zurück zum Ausgangspunkt. “

    Diese Autobahn gehört zu den Verkehrsprojekten Deutsche Einheit und ist also recht neu. Die für die Tourismusindustrie relevanten Gegenstände, also Denkmäler, werden klug eingeschränkt und relativiert: „Die Weltgeschichte hat ein paar Dutzend Orte neben dieser neuen Autobahn verteilt und der Tourismusindustrie einige Superlative und Einmaligkeiten geliefert. Manchmal müssen diese aber auch klug erfunden werden, denn es kann nur ein größtes Denkmal der Welt, eine größte Kirche Europas, ein größtes Gebäude der Stadt geben. Also wird zeitlich, typologisch und regional eingeschränkt, was schnell lächerlich wirken kann wie die sprichwörtlich „größte spätgotische Hallenkirche Ostsachsens“. Los geht es in Leipzig, beim Völkerschlachtdenkmal, „dem größten europäischen Denkmal der Welt“.

    Der Text ist dabei ausgesprochen witzig und sein Autor sehr belesen. Nietzsche ist ein wichtiger Referent für Fischer und wird mehrfach erwähnt, auch der Entdecker Pigafetta, und einer meiner Lieblingsschriftsteller, der Argentinier Julio Cortázar mit „Die Autonauten auf der Kosmobahn“; Novalis wird genannt, der einige, für die weitere Identitätsforschung zentrale Formulierungen niedergeschrieben hat („In dem Satze a ist a liegt nichts als ein Setzten, Unterscheiden und verbinden. Es ist ein philosophischer Parallelismus. Um a deutlicher zu machen wird A getheilt. Ist wird als allgemeiner Gehalt, a als bestimmte Form aufgestellt. Das Wesen der Identität läßt sich nur in einen Scheinsatz aufstellen. Wir verlassen das Identische, um es darzustellen …“; die ersten Sätze aus den „Fichte Studien“); auch Tieck und Tarantino, auch Luther hat einen kleinen Gastauftritt und Einar Schleef mit seinem Roman „Gertrud“.

    Mit Schleef sind wir in einem Ort namens Sangerhausen und im Café Kolditz. Vielmehr außen vor, denn das Cafe hat geschlossen und Frank Fischer und der abstrakte Tourismus müssen sich damit begnügen, durchs Fenster zu schauen. Ich habe den Namen dieses Cafés nie gehört. Es ist aber offenbar berühmt. Ein „Sehnsuchtsort der Popliteratur“. Ich kenne die Popliteratur nicht, da war ich noch nicht in Deutschland und ich war vielleicht auch noch zu jung, um mich dafür zu interessieren. Ich habe einmal ein Buch von Kristian Kracht gelesen, „Faserland“. Ich dachte die ganze Zeit, dass da etwas kommt, ich erwartete, dass da noch etwas passiert. Aber da kam nichts und da passierte auch nichts. Wenn das die Definition von Popliteratur ist, dann ist das nicht meine Literatur. Dennoch freut es mich, dass die Literatur immerhin in der Lage ist, aus einem normalen Café einen Ort der Sehnsucht zu machen.

    Morgens um fünf in Halle-Neustadt, einer Satellitensiedlung des DDR Wohnungsbauprogramms, alles Plattenbauten, heißt es ladipar: „Um diese Uhrzeit wirkt jede Stadt unbewohnt, aber in Halle-Neustadt ist die Diskrepanz zwischen sichtbarem Wohnraum und unsichtbarer Bevölkerung besonders groß.“ Wir bekommen außerdem eine vollständige Interpretation des besten schlechtesten Gedichtes aller Zeiten, oder beinahe jedenfalls. Seltsamerweise wird Pynchons „Die Enden der Parabel“ als Jugendbuch bezeichnet. Hier die, wie ich finde, schönste Formulierung: „Links und rechts frühherbstliche Felder, darüber ein paar Wolkenzitate aus verwitterten Schlachtengemälden.“

    Der abstrakte Tourismus, wie ihn Frank Fischer präsentiert, ist, anders als erwartet, ausgesprochen dicht an Erlebnissen. Möglicherweise liegt das vor allem an dem Autor und seinem Bericht und nicht so sehr an der Art des Tourismus.

    Vielleicht wär es klug von mir gewesen, vorher die Harzreise von Heinrich Heine zu lesen. Habe ich nicht getan. Wer klüger sein will als ich es war, der kann Heine hier nachlesen.

    Im letzten Drittel des Buchs finden sich Fotos jener Orte, die in den beiden vorhergehenden Dritteln beschrieben wurden. Ich hätte mir Fotos von der Autobahn gewünscht. Autobahn, das ist ein sehr deutsches Wort. Und weltweit bekannt. In Rumänien wird die „Deutsche Autobahn“ für das achte Weltwunder gehalten. So eine deutsche Autobahn hat mindestens 30 Spuren in jede Richtung – wohlgemerkt in jede Richtung und nicht nur, wie alle anderen Autobahnen, in zwei Richtungen – Mit einer solchen Autobahn kann man sich die Natur endgültig Untertan machen und die Nachfolge Gottes, sollten da noch Zweifel herrschen, ist geklärt.

    Nach der Lektüre hat mich das merkwürdige Gefühl beschlichen – ich kann das nicht belegen, das ist etwas, was sich mit den Jahren der Lektüre einstellt – dass, während Frank Fischer den Wagen gesteuert hat, jemand auf dem Beifahrersitz saß, ein hübsches blondes oder doch eher brünettes lyrisches Ich, das dem Herrn Fischer all sein Wissen eingeflüstert hat, welches er uns mit lockerer Hand präsentiert. Woher, frage ich mich, sollte ein Mann das sonst alles wissen?

    Frank Fischer ist übrigens der Betreiber von Der Umblätterer, und hat außerdem eine Webseite.

    Frank Fischer, Die Südharzreise
    Abstrakter Tourismus zwischen Leipzig und Göttingen
    Nachwort von David Woodard
    Bilder von Andreas Vogel
    96 Seiten, Broschur, EUR 10,00
    ISBN 978-3-941592-12-4