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  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • 24 Mai 2010

    Literatur und Architektur

    Hiermit eröffne ich eine neue Kategorie: „Literatur und …“. Das Folgende stellt den zweiten Eintrag dar. Der erste hieß Literatur und Leichtathletik (meine Neigung zur Legasthenie ließ mich gerade schreiben: Leichtatlethik. Das ist möglicherweise eine Sonderform der Ethik, eine, die es nicht so schwer nimmt mit allem und die auch mal etwas auf die leichte Schulter nehmen kann: leider ist das kein deutsches Wort). Es ist absehbar, dass diese Kategorie nicht sehr viele Artikel beinhalten wird.

    Den größten Teil meiner Zeit verbringe ich derzeit in der Bibliothek, im Lesesaal des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum (da muss man ein wenig blättern, rechts unten im Bild, die schwarzen Quadrate symbolisieren die einzelnen Bilder und der Lesesaal verbirgt sich hinter dem dritten Quadrat, aufgenommen von der obersten Empore). Ich empfinde diesen Raum als absolut beeindruckend und inspirierend. Ich liebe es, dort zu sitzen und zu arbeiten. Ich versinke in meinen Texten, ich stecke da bis zum Hals drin, ich verschwinde in den Dokumenten. Dennoch bin ich anwesend, ich sitze auf einer der Emporen und ich spüre diesen Raum um mich herum. Manchmal erwache ich aus dieser Trance, mit einem Gefühl der Erhabenheit. Wenn ich vom Buch oder vom Bildschirm aufsehe und diesen Raum zur Kenntnis nehme, wenn ich ihn in mich aufnehme, dann meine ich etwas von der Idee zu spüren, die der Architekt womöglich auch gespürt haben mag: von Leere, die eine Struktur hat. Möglicherweise hat er, Max Dudler, auch etwa ganz anderes im Sinn gehabt.

    Es läuft natürlich nicht immer, es gibt einfach schlechte Momente, schlechte Tage sogar. Aber das sind eher Ausnahmen. Ich sitze in einem Raum, in dem 250 andere, in einem Gebäude in dem mehr 1200 Personen sitzen und arbeiten. Ich möchte annehmen, dass ich mitunter zu den glücklichsten Menschen in diesem Gebäude gehöre. Ich fühle dort meine absolut prädestinierte Existenz. Da sitzen nicht wenige, die Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren. Ich habe andere, ich habe ganz andere Schwierigkeiten: ich kann nicht aufhören, mich zu konzentrieren. Ich verlasse die Bibliothek oft erst, wenn ich total kaputt bin. Dann treffe ich nur noch jede zweite Taste meiner Tastatur. Das ist eine kritische Grenze. Aber nicht etwa zur Unverständlichkeit – die fängt schon bei weniger Treffern an – sondern die Grenze zu einem anderen Text.

    Ich mache in der Bibliothek fast alles, was derzeit in meinem Leben wichtig ist, ich schreibe. Ich schreibe an meiner Dissertation, meine Beiträge für das Blog und ich schreibe an meinem Roman. Irgendwann werde ich mit dem Roman fertig sein. Aber statt einer hübschen Gedenktafel an dem Gebäude, bekomme ich höchstens Ärger. Die Bibliothek, wie könnte es anders sein?, spielt eine Rolle in dem neuen Text und ich muss leider ein bisschen was kaputtmachen an dem schönen Gebäude.

    Die Universitätsbibliothek der HU in Berlin, das im Jahr 2009 fertiggestellte Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, wird abgerissen. Im Zeitlupentempo schwingt eine riesige Abrissbirne durch den leeren Lesesaal und die Trümmer des achtstöckigen Gebäudes fallen langsam in sich zusammen. Aber das ist Fiktion. In Wirklichkeit, also in meinem zweiten Roman (gibt’s sonst noch eine Wirklichkeit?), reiße ich die Bibliothek nicht ein, ich mache lediglich eines der Deckenlichter kaputt. Soviel künstlerische Freiheit muss erlaubt sein. Sollte ich deswegen Hausverbot bekommen, eine Abmahnung durch den Architekten oder den Universitätspräsidenten der Humboldt-Universität, hole ich wieder die Abrissbirne hervor.

    Es ist nicht so, dass wir, die wir schreiben – die wir „bloß“ schreiben – keine Macht hätten. Wir können die ganze Welt zum Einsturz bringen. Dass sie nicht einstürzt, dass der Euro nicht zusammenbricht und das Weltengebäude: das hat auch etwas mit uns zu tun, die wir es aufrechthalten, die wir diese Welt wie Atlas auf unseren Schultern tragen. Das hat auch etwas mit unserem Wahn zu tun, dass es so sein könnte, nicht nur mit dem nicht weniger wahnhaften deutschen Beton, der sich einbildet alles auf der Welt halten zu können.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.



    Kommentare

    Kommentar von chSchlesinger
    Datum/Uhrzeit 24. Mai 2010 um 15:39

    Eine Bibliothek oder auch nur eine Bücherhalle stelle ich mir als letzte Zuflucht vor, sollte das Leben mich irgendwann aus meinem gutbürgerlichen Dasein entfernen. Gelingt es mir dann noch, einen Bleistift und etwas Papier zu schnorren, habe ich alles, was ich zum Glück brauche: “Ich kann denken. Ich kann warten. Ich kann fasten.”

    Kommentar von Walter
    Datum/Uhrzeit 24. Mai 2010 um 16:23

    Die Literatur beeindruckt, wie so oft bei Ihnen, Alea Torik. Die Architektur … auch. Allerdings kann ich mir nicht so recht vorstellen, dass man in diesem Gebäude andere als rechteckige oder gar quadratische Gedanken haben kann. Indessen sind Sie der lebende Gegenbeweis.

    Die Architektursprache ist eindrücklich – und ziemlich auf die Spitze getrieben. Das Muster des (Bücher-)Regals ist mit einer solchen Konsequenz durchgezogen, dass man – aus der Ferne und bestimmt oberflächlich betrachtet – den Eindruck haben könnte, den Studierenden bleibe nichts anderes übrig, als sich im Lesesaal in ein Gedankenregal niederzusetzen und sich ausschliesslich dem Gedankenkreis (-rechteck) der vorhandenen Bücher zu widmen, beschienen von einem rechteckigen Licht auf einem rechteckigen Tisch. Was bestimmt die Konzentration fördert, ist womöglich der Gedankenvielfalt eher hinderlich. Wenn dieses Gebäude nur nicht lauter Quadratschädel entlässt!

    Verzeihen Sie, Alea, meine etwas launischenen Assoziationen. Sie sind ja der Beweis dafür, dass meine Befürchtungen völlig unberechtigt sind.

    Mit zwinkerndem Auge
    Walter

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 24. Mai 2010 um 21:39

    einer wie

    @schlesinger

    Einer wie Brecht etwa wartete nicht erst auf das “Leben”. Der hat in München von Marmeladebroten gelebt: der konnte denken, der konnte warten, der konnte fasten!
    Oder?

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 24. Mai 2010 um 21:48

    Lieber Walter,

    Ihre Assoziationen sind vollkommen in Ordnung. Ich habe aber andere. Das mag auch daran liegen, dass ich den dreidimensionalen Eindruck habe, der Ihnen verwehrt ist. Das Foto es nicht wirklich gut wieder.

    Dieser Ort ist der „Laufsteg“ unter den Berliner Bibliotheken, alles schön geformte Häupter und Körper. Sollten Sie mit Quadratschädel eher Dummköpfe meinen: da sind eine Menge Juristen und Mediziner, die alle nichts anderes machen, als Auswendiglernen: das liegt aber nicht an dem Gebäude, sondern an den Fächern.

    Ich spüre nicht das Beschränkende der Struktur, im Gegenteil: Der Lesesaal beschreibt eine Leere, die mit einer Form überbrückt wird. Ein großartiges Gefühl, tausend Kubikmeter leeren Raum um sich zu haben. Wenn ich in Siebenbürgen auf einem Berg stehe (stand), dann habe (hatte) ich ein ähnliches Gefühl wie ein dieser Bibliothek: Raum. Freiheit. Vielleicht beeinflusst das meine Wahrnehmung. Wie gesagt: ich spüre Erhabenheit.

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 24. Mai 2010 um 22:17

    Herr Schlesinger,

    ich fürchte, ich verstehe Sie erneut nicht ganz.

    Wenn Sie lediglich Stift und Papier und eine, wie Sie das nennen, Bücherhalle zum Glück brauchen, dann machen Sie doch einfach! Das zu erreichen, ist so schwer nicht. Wenn das Ihr großes Glück sein sollte, ist alles andere eben weniger Glück.

    Was man alles sein könnte, wenn einen das (bürgerliche) Dasein nicht davon abhielte. Was man alles für tolle Romane schriebe, wie viele Welten man vorm Untergang retten und wie viele arme kleine schwarze Kinder vorm Verhungern retten würde, wenn man nicht so furchtbar dringend den Rasen im Vorgarten mähen müsste.

    Ein bürgerliches Leben ist vielleicht nicht sonderlich heldenhaft, aber so muss ein Leben heute auch nicht mehr aussehen. Ich finde einen Beruf zu haben, Kinder zu erziehen: das sind vielleicht wenig heldenhafte, aber dafür sehr ehrenwerte Angelegenheiten. Wenn Ihnen das allerdings zu wenig sein sollte und Sie sich aus dem bürgerlichen Dasein hinaus träumen wollen: solange Sie bloß vom Heldentrum schwadronieren, werde ich Ihnen Feigheit unterstellen. Heldentum müssen Sie umsetzten. Da hilft das Reden nicht. Ich schicke Ihnen gerne eine Liste deutscher Bibliotheken und einen kleinen Vorrat ein Bleistiften zu. Da werden einige Drachen und Ungeheur auf Sie warten, von denen Sie vielleicht noch nichts ahnen.

    Was immer Sie mit dem Dreischritt – Denken, Warten, Fasten – eigentlich erreichen wollten, meiner Lebenserfahrung nach reicht das nicht. Für was auch immer.

    Aléa Torik

    Kommentar von chSchlesinger
    Datum/Uhrzeit 24. Mai 2010 um 23:18

    @Avenarius
    Als ich die Bibel noch Satz für Satz studierte, war Berthold Brecht bereits Vater. Eine seltsame Art des Wartens und des Fastens.
    @Alea Torik
    Als Schachspieler bin ich es gewohnt, viele Varianten des Lebens im Voraus zu analysieren, selbst wenn sie aller Wahrscheinlichkeit nach nie aufs Brett kommen. Obdachlosigkeit ist selten, treten nicht Alkohol oder andere Drogen hinzu. Dennoch habe ich mich gewissenhaft auch mit diesem Ungeheuer auseinander gesetzt.
    Bürgerlichkeit sollte für einen Schriftsteller kein Hinderungsgrund sein, wenn man bedenkt, wie viele Stunden Fernsehen die Bundesbürger ihrem Feierabend abgewinnen. Und auf Tagesfreizeit mit Buddys aus der Literaturszene verzichte ich gerne.

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 25. Mai 2010 um 10:32

    @schlesinger

    Auch Marmeladebrote können eine Konsquenz sein.
    Ich denke jetzt weniger an die persönlichen Lebensverhältnisse als an die ideologische Position des Schriftstellers und deren Konsequenzen (wobei Ideologie hier streng als n o t w e n d i g falsches Bewußtsein verstanden wird). Für B.B. waren Revolutionäre, “denen nicht das Feuer unter den Füßen brannte”, eben keine.
    Von der Bibel können a l l e etwas lernen.

    Das Leben ist kein Schachspiel, wo Sie, nachdem Sie einen Turm eingestellt haben, bequem aufgeben (oder, je nach Mentalität, verbissen weitermachen).

    “Alles kann man sich vorstellen, alles voraussagen, nur nicht, wie tief man selber versacken kann.”

    Emil M. Cioran

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 25. Mai 2010 um 17:32

    Lieber Avenarius,
    das Zitat von Cioran gefällt mir sehr gut! Das Leben als ein Schachspiel zu begreifen, um den anderen “matt” zu machen, das ist sicher keine Analogie zum Leben. Jedenfalls nicht wie ich es verstehe.

    Kommentar von chSchlesinger
    Datum/Uhrzeit 25. Mai 2010 um 18:28

    Während Judas Feuer unter den Füßen brannte, endlich gegen das Joch der Römer aufzubegehren, ließ Jesus Christus dem Kaiser, was des Kaisers ist. Berthold Brecht ist für meinen Geschmack zu sehr von dieser Welt gewesen.
    Übersetzt ins Allzumenschliche finde ich Cioran denn auch in der aktuellen BRIGITTE: “Hilfe! Ich betrüge meinen Mann. Ein Kollege hat sich in mich verliebt. Das hat mich mitgezogen… ich konnte nichts dagegen tun.”
    Klassisches Selbstmatt. Völlig uninteressant als Gegner. Die Herausforderung meines Lebens ist und bleibt der Tod.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 25. Mai 2010 um 21:42

    Herr Schlesinger,
    ich glaube, dass wir uns manchmal nicht richtig verstehen. Ich wills dennoch ein weiteres Mal probieren: was immer Sie über Jesus oder Brigitte, über Brecht oder Ihr Schachbrett denken: das können Sie alles in Ihrem eigenen Blog posten, dafür haben Sie das ja. Bei mir soll das ein bisschen anders laufen: ich mache da in der Regel eine Vorgabe, den Text, und dann kann jeder, in der von ihm gewünschten Nähe oder Ferne, etwas dazu sagen. Dazu. Und nicht daneben. Oder darüber oder darunter. Oder sonstwo. Das hat bisher eigentlich auch gut geklappt. Ich werde ab sofort dafür Sorge tragen, dass das auch weiterhin der Fall ist. Falls ich mich da klar ausgedrückt habe.

    Für alle anderen, die sich vielleicht noch hinter irgendwelchen Hecken verstecken, weil sie sich nicht trauen: Kommentare sind jederzeit erwünscht.
    Aléa Torik

    Kommentar von LaMèreDeMagritte
    Datum/Uhrzeit 25. Mai 2010 um 23:26

    Ich habe gegen Kinder, Hausfrauen, Politiker
    und Despoten gespielt. Ich habe gegen Narren, deren Zuhälter, und Huren gespielt. Ich habe gegen Verrückte, Poeten und Spieler gespielt. Ich sass in einer Kiste aus Holz. Verborgen durch Spiegel, führte ich mittels einer raffinierten Mechanik, die Hand eines über mir thronenden anmutigen Türken. Er gewann immer.Sein Erfinder war ein ungarischer Baron. Ein Beamter. Er entliess mich aus meinem Verliess, nachdem er sein Geheimnis verkaufte. Bis heute kennt niemand meinen Namen.

    ‘La sua immagine rimmarà per sombre conosciuta’
    ( Sein Bild bleibt uns für immer verborgen)

    Prof. Alessandro Sanvita,Brescia
    über Giacchino Greco, der als erster Schachweltmeister in die Annalen einging, und von dem bis heute kein Bild gefunden wurde.

    Kommentar von LaMèreDeMagritte
    Datum/Uhrzeit 25. Mai 2010 um 23:42

    Vor Jahren wurde ich Zeuge einer Schachpartie in der Provinz, bei der einer der beiden Kontrahenten, ein vielleicht sechzehnjähriger Jüngling vor Beginn der Spieles, aus seinem Portemonnaie eine völlig deformierte, plattgewaltzte Geldmünze zog, und diese mit der auffallend lauten Bemerkung, so das jeder der Anwesenden sie wahrnehmen musste: ‘ So wirst du aussehn, wenn ich mit dir fertig bin ‘ seinem Gegner auf den Tisch knallte.
    Nachdem dieser, sichtlich erstaunt und leicht verärgert, aber um Jahre reifer, die Partie souverän für sich entschieden hatte, stand der Junge auf, gab ihm manierlich die Hand, steckte brav seine Münze wieder ein und ging wortlos davon.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 25. Mai 2010 um 23:49

    LaMèreDeMagritte,

    vielen Dank für die erneuten Blumen!

    Kommentar von LaMèreDeMagritte
    Datum/Uhrzeit 26. Mai 2010 um 00:28

    @schlesinger

    Sie werden dem Tod niemals auf dem Schachbrett begegnen. Allenfalls in der klassischen, psychoanalytischen Theorie des Vatermordes.Also der ständig sich wiederholenden Rache an einen zu früh verstorbenen Vater.

    Der König ist tot! Es lebe der König!

    Marcel Duchamp begriff die Schönheit des Spieles als eine strukturelle Ästhetik, als eine Form, die sich nicht wiederholt und somit in ihrem Wesen der Plastik in der Kunst verwandter ist als dem Krieg.

    Wenn Sie den Tod suchen, müssen Sie nur die Orte aufsuchen, an denen mehr als jemals zuvor massenhaft gestorben wird. ich garantiere ihnen, daß dort kein Schach gespielt wird.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 26. Mai 2010 um 07:12

    Und statt den Tod zu suchen, sollte er lieber das Leben suchen. Das scheint mir nicht nur das Aufregendere, sondern auch das weit schwerer zu bestehende.

    Kommentar von Thomas Kunst
    Datum/Uhrzeit 26. Mai 2010 um 08:47

    “Ich glaube weder an Lehrer noch an Universitäten, ich glaube an Bibliotheken. Die ideale Ausbildung besteht in meinen Augen darin, daß man sich zehn Jahre in eine Bibliothek setzt, ein Buch nach dem anderen liest und auf diese Weise allmählich zu Sinn und Verstand kommt.”
    (Ray Bradbury)

    Kommentar von avenarius18
    Datum/Uhrzeit 26. Mai 2010 um 08:49

    @schlesinger

    Sollten Sie die Mechanismen der Unterhaltungsindustrie nicht kennen? In den Illustrierten wird doch alles nur denkbare heruntergezogen. Da ist es kein Wunder, dass auch Emil Cioran -einer der originärsten Köpfe- in einem sochen Kontext erscheint.
    Und das mit der Todessehnsucht. Ins Licht gehalten ähnelt das der Ästhetik von Lanzerheftchen, pardon.
    Das ist auch nicht Elitär. Mag sein, es bedarf einer Elite, aber sich als Elite fühlen…

    Langsam kommt es mir vor, als befände ich mich in einer endlosen Sackgasse.
    Ich möchte gar nicht das letzte Wort haben.

    Freundlichst Avenarius

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 26. Mai 2010 um 22:05

    @avenarius / @Thomas Kunst

    Meine Herren: vielen Dank, dass Sie in dieser Sache Partei ergreifen (dir insbesondere Thomas, da ich ja weiß, dass du nicht gerne in Blogs herumkommentierst). Nicht meine, sondern die der Sache. Ich will mich da jetzt auch gar nicht weiter ereifern, wir lassens einfach darauf beruhen.

    Eines muss ich aber noch wissen: wie kommt es denn, lieber avenarius, dass Sie hier plötzlich als avenarius18 auftauchen? Waren die das vorher auch schon und haben es nur verschwiegen? Oder haben Sie da eine entscheidende Metamorphose durchgestanden und warten noch auf den Moment, wo Sie es uns erzählen können?

    Aléa

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 26. Mai 2010 um 22:52

    Nochmal guten Abend Alea.

    Die Zahl hinter dem Namen kommt daher, dass plötzlich die ganze Mailadresse weg war. Auf einmal war alles verschwunden. Beim Wiederherstellen dieser Adresse kam dann immer die Meldung “dieser Name ist schon besetzt”. Also habe ich hinter den alten Namen eine kontingente Zahl gestellt – und siehe da, es hat funktioniert!
    ES ist die gleiche Identität dahinter.
    ES gibt keine Hintergedanken, sondern Gedanken. Es gibt keine Hintergründe, sondern Gründe.

    Ich wünsche eine gute Nacht.

    Wir werden für einige Tage fort sein.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 27. Mai 2010 um 08:15

    Guten Morgen,
    das habe ich mir so in der Art schon gedacht: es war auch mehr ein Witz. Kein Witz hingegen ist dies: gute Reise. Man kommt ja als anderer zurück. Oder als derselbe, aber anders. Oder so ähnlich jedenfalls. Falls Sie das suchen: gute Erholung.
    Aléa

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