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  • 16 Mai 2010

    Der Salon Sucre

    Der heutige Eintrag ist eine Antwort auf Jean Stubenzweig, der mir einen schönen langen Kommentar ins Blog geschrieben hat. Ich nutze die Gelegenheit, ihm zurückzuschreiben:

    Ich freue mich, dass Sie mir etwas über sich und Ihre Person mitgeteilt haben. Als Blogbetreiber(in) stellt man recht viel von sich selbst zur Schau, zumindest stellt man es aus, erfährt jedoch oft wenig von den anderen, den Kommentatoren. Und von den nicht kommentierenden Lesern erfährt man sogar noch weniger, gar nichts.

    Obwohl ich, ich schrieb Ihnen dies schon, eigentlich nie in der Gegend am Kurfürstendamm bin, verbindet mich mit dem betreffenden Eisenwarenladen eine Geschichte. Da ich Schriftstellerin werden will (ich sage dies nur, weil Sie mich ja nicht kennen, allen anderen hängt es wohl bereits zu den Ohren heraus) und da der Job, den man da machen will, vorrangig aus dem Erzählen von Geschichten besteht, wird es Sie nicht wundern, dass ich Ihnen diese eine nun hier erzähle. Eine Geschichte, die niemandem irgendwo heraus hängen kann, weil sie noch niemand kennt.

    Die hat etwas mit meinem Roman zu tun, „Berlin am Meer“. Den hat natürlich schon der eine oder andere gelesen, eine Handvoll Lektoren und Agenten, das betreffende Kapitel habe ich jedoch immer herausgelassen. Das trägt die Überschrift „Der Salon Sucre“. Das kennen nicht einmal meine Korrekturleser. Der Grund für diese Auslassung war der, dass es zwei Varianten dieses Kapitels gibt und ich mich nicht zwischen ihnen habe entscheiden können. Beiden gemeinsam ist aber, dass sie nicht vollständig ausgearbeitet sind. Das Kapitel bietet keinen inhaltlichen Fortschritt in dem Text, sondern dient lediglich dazu, ein Gefühl für die Stadt Berlin zu erzeugen. Wie ich selbst es hatte, als ich hierhergekommen bin.

    Die erste Variante hat folgende Urszene: Ich lebte seit etwa einem halben Jahr in Deutschland, da geriet ich vor einem Hotel einen Auflauf. Es war, soweit ich mich erinnere, mitten in der Nacht, aber alles war taghell erleuchtet. Vier große Feuerwehrwagen standen vor dem Gebäude, die lange Rohre in die Luft streckten. Und überall standen Menschen. Ich habe ein bisschen Zeit gebraucht, um die Szene zu verstehen: Der äußerste Ring der Menschen bestand aus Schaulustigen, der innere aus Leuten vom Film und ganz im Zentrum stand ein Paar unter einem Regenschirm. Die Wagen der Feuerwehr mit ihren langen, in die Luft gestreckten Rohren, die haben nur den Regen simuliert. Diese Szene habe ich verwertet, indem ich es in dem betreffenden Kapitel bei allen Gelegenheiten regnen lasse. Irgendwo in jeder der dort beschriebenen Szenen, findet sichein Liebespaar unter einem Regenschirm, und drum herum stehen die Wagen der Feuerwehr, die es aus diesen langen Rohren regnen lassen.

    Die zweite Variante dieses Kapitels stammt nicht allein aus meiner Feder: da durften alle mitschreiben, die ich kenne. Das war ein wunderschöner und unendlich lustiger Nachmittag. Ich habe den Freunden und Bekannten erzählt, worum es mir geht und dann haben wir alle miteinander assoziiert und währenddessen lief ein Aufnahmegerät. Das habe ich später abgeschrieben und in eine Ordnung gebracht. Berlin dient in meinem Roman als Gegensatz zu dem Dorf, aus dem der Protagonist kommt. In diesem Dorf, so heißt es an ein oder zwei Stellen, gibt es nichts, einfach gar nicht: Keinen Bäcker und keinen Fleischer und keinen Lebensmittelladen. In der Stadt hingegen gibt es alles. Ich habe an jenem Nachmittag die Anwesenden aufgefordert mir zu sagen, was es in der Stadt gibt. Das Kapitel ist mehr oder minder eine Aufzählung von Aufzählungen (das war allerbestes Vokabeltraining), mit ein paar klugen Bemerkungen garniert. Oder was ich, im Rahmen meiner Möglichkeiten, für klug halte. Das sieht dann beispielsweise so aus:

    „ … Berlin ist die Stadt der Einsamen, die ständig steigende Zahl der Single- und Einpersonenhaushalte macht einen selbst dann einsam, wenn man es gar nicht ist, Eheanbahnungsinstitute und Partnervermittlungen, Standesämter, Hochzeitskleider und Brautmoden, Kutschen, Babyausstatter, Eheberatung, Scheidungsanwälte, Wahrsager und Teufelsaustreiber, Inkassobüros und Gerichtsvollzieher; Einkaufszentren, Kaufhäuser, Supermärkte, Tante-Emma-Läden, Bioläden, Naturkostläden, Reformhäuser, Drogerien, Reisebüros, Schuhgeschäfte, Zeitungsläden, Eisdielen, Raumausstatter, Optiker, Studios für Maniküre und Pediküre, Schreibwarenläden, Haushaltsgeräte, Elektrogroß- und kleingeräte, Bastelläden, Fahrradläden, Küchenausstatter, Photostudios, Änderungsschneidereien, Geschäfte für Tapeten und Teppichgeschäfte, Geschäfte für Farben und Lacke, Sportbekleidungsfachgeschäfte, Taschen- und Kofferfachhandel, Gardinengeschäfte, Hutgeschäfte, Spielzeuggeschäfte, Lampenläden, Bettengeschäfte, Zoohandlungen, Teegeschäfte, Juweliere, Uhrengeschäfte, Reinigungen, Schuster, Restpostengeschäfte, Stempelgeschäfte, Schildergeschäfte, Gravuren, Maßkonfektionäre, Herrenausstatter, Videotheken, Blumengeschäfte und Gärtnereien, Fleischereien und Bäckereien mit Brot und Brötchen und Hörnchen und Laugenbrezeln und Käsestangen in den Regalen, mit Hefezöpfen und Pasteten und Marmeladentörtchen und Plunder und Sahnetorten und Baisers und Croissants und Tarts und Eclairs und Petit Fours und Baumkuchen und Apfeltaschen und Kirschkuchen und Pflaumenkuchen und Windbeuteln und Krapfen und Makronentörtchen und Vanillekipferl und Spekulatius und Eierschecke und Bienenstich und Kameruner und Kopenhagener und Amerikaner und Mailänder- und Linzer Schnitte und Russischer Zupfkuchen und Blätterteigtaschen und Zitronenrollen und Streuselschnecken und Ochsenaugen und Schweineohren und Mohrenköpfen und Nussecken und Mandelhörnchen und Mutzenmandeln und Florentiner und Heidelbeermuffins und Marmorkuchen und Kalter Hund und Rumkugeln und Rhabarber- und Preiselbeertörtchen und Quarkstrietzel und Joghurtschiffchen und Frankfurter Kranz und Sachertorte und Donauwelle und Lebkuchen und Printen und Dominosteine und Zimtsterne und Marzipankartoffeln … “

    Die Überschrift des Kapitels stammt von einer Aufzählung von Cafés und Restaurants, Orten, an denen man ausgeht.

    „ … das Berghain, der, wie man in Berlin sagt, beste Technoklub der Welt, der Laden über dem Berghain, die Panoramabar, und der Laden unter dem Berghain, in dem Klamotten nicht erlaubt sind, nicht einmal ein Stringtanga, nur Socken, denn die Füße will man sich gerade nicht dreckig machen, ansonsten aber alles, und je dreckiger, desto besser; der Pfefferberg, Der stille Don, Zur fetten Ecke, die Naunynritze, der Salon Sucre am Görlitzer Park, Mann und Frau teilen sich das Ladengeschäft, sie besitzt einen Frisiersalon, er eine Patisserie, dort gibt’s den besten Espresso der Stadt, einen französischen aus einer italienischen Kaffeemaschine; sie sind ein Paar und mit viel Glück kann man erleben wenn sie sich schlagen und später wieder versöhnen – ganz großes Theater – da sitzt man dann draußen vor der Tür bei plus dreißig oder minus zwanzig Grad, die klammen Finger um die Tasse gelegt und denkt sich, während hinter einem die Fetzen fliegen: das Leben ist wie es ist, und, bei allen Tiefen und Abgründen, ist es einfach schön, es ist manchmal geradezu unerträglich schön; die Gerüchteküche am Heinrichplatz, Der goldene Hahn, exzellenter Fisch und schöne Frauen, …“

    Und jetzt komme ich zu dem Eisenwarenladen C. Adolph:

    „ … Spielplätze, Matratzenläden, Nagelstudios und Friseure und Eisenwarenläden, C. Adolph am Savignyplatz, genau das Richtige für Leute mit ausgeprägter Ferrophilie. Man braucht keine Axt, wozu auch, man hackt kein Holz, man hat eine Ölheizung oder eine Gasetagenheizung, aber wenn man einmal in der Nähe vom Savignyplatz ist, kauft man eben doch eine, mit einem langen Stiel, mit konkav-keilförmiger Schneidengeometrie und einer Lederschürze um den Bart, die man dann über der Schulter nach Hause trägt, so dass man von da an nur auf die große Gelegenheit warten muss, um irgendwann einmal mit einer gigantischen Wut hineinzuhacken. Aber die Gelegenheit kommt nicht. Oder man ist einfach nicht mehr wütend. So wie man vielleicht früher wütend war, diese Zeiten sind lange vorüber. Man betrachtet die Axt bisweilen. Man wartet, man wartet Jahr um Jahr, man poliert den Schaft, schleift bisweilen die Scheide an, um dann eines Tages festzustellen, dass sie wirklich nicht gekommen ist, diese Gelegenheit. Im Alter hält man die Axt in Händen und weiß, dass das Leben nicht so gelaufen ist wie man es sich erhofft hatte, aber ist man deswegen gescheitert? Man hat ja dennoch gelebt und außerdem soll man die Hoffnung nicht zu früh aufgeben; da liegt man dann eines Tages auf dem Totenbett und der Pfarrer kommt, um einen einzusegnen oder das Pflegepersonal und dann erkennt man mit einem Mal: das ist sie, die große Gelegenheit. Oder man kauft in dem Laden einfach einen kleinen Metallring, einen Schlüsselring, ohne irgendeine Verwendung dafür zu haben, es ergibt sich vielleicht einmal die Gelegenheit und man muss nicht jahrelang darauf warten wie mit der Axt und wenn sich im Laufe der Jahre keine Gelegenheit findet, wer weiß, vielleicht steht man eines Tages vor einem Spiegel, nimmt den Ring und steckt ihn sich an den eigenen Finger, willst du mir treu sein und mich lieben alle Zeit?, flüstert man an sich selbst gewandt, weil man keinen anderen gefunden hat, den man das hätte fragen können oder die Gefragten alle mit dem Kopf geschüttelt hatten … “

    Auf Dauer ist das ein etwas anstrengender Ton und so sehr ich das Kapitel mag und jedes Mal lache, wenn ich mich an den Nachmittag erinnere, und so sehr ich auch die Worte in diesem Kapitel mag, „Joghurtschiffchen“ oder „konkav-keilförmige Schneidengeometrie“, tendiere ich inzwischen doch zu der ersten Variante.  Muttersprachler können so einem Vokabeltraining vielleicht auch nicht viel abgewinnen. Da dieses Kapitel aber schwierig ist – weil es vollkommen stillsteht, es gibt keinen Fortschritt in der Handlung – neige ich eben zu der erzählenden, der bewegenderen, also der ersten Variante. Aber ich werde mich nicht entscheiden, bevor ich keinen Verlag für das Manuskript habe. Wie die Entscheidung auch ausfallen wird, das Kapitel ist absolut untypisch für den Roman und gibt keinerlei Aufschluss über den Hergang des Ganzen.

    Das war jetzt meine Antwort an Jean Stubenzweig, der wie ich, nicht kurz kann oder will, oder der einfach von sich behauptet nicht zu können oder nicht zu wollen.

    Ich habe zwei Neuzugänge auf meiner Blogroll, beides Männer, Jean Stubenzweig und Aisthesis (letzteren kenne ich lediglich durchs Lesen). Im Gegenzug hat es auch zwei Abgänge gegeben, beides Frauen. Wer weiß wozu das gut ist.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.



    Kommentare

    Kommentar von Jean Stubenzweig
    Datum/Uhrzeit 17. Mai 2010 um 15:16

    Jetzt zunächst einmal (doch) kurz: Die Urszene mit den im Regen stehenden Liebespaaren gefällt mir ausgesprochen gut und folglich alles sich daraus ergebende Nachfolgende. Die «Stadt der Einsamen» inspiriert mich allerdings zum Sabbeln, weshalb ich den (dazu) gehörigen Assoziationen erstmal bei mir freien Lauf lasse. Dann muß ich zunächst von der Denkmaschine weg. Aber ich komme wieder.

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 17. Mai 2010 um 21:26

    Liebe Alea,
    vielleicht gibt es keinen Fortschritt in der Handlung. Es gibt aber vielleicht eine Gärung der Elemente.
    Entschuldigen Sie bitte diese entwas dunkle Ausdrucksart.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 17. Mai 2010 um 22:10

    Lieber Jean Stubenzweig,
    und mir meinerseits gefällt, dass der Solipsist keine Wohnung mehr bekommt, weil die alle von den Einsamen belegt sind, in „Berlin ist die Stadt …“, hier.
    Aléa Torik

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 17. Mai 2010 um 22:17

    Lieber Avenarius,
    aber wenn Sie etwas an einen Leser verkaufen wollten, dass müssen Sie mehr oder weniger zügig mit einer Handlung rüberkommen, oder zumindest etwas, das einer Handlung zum Verwechseln ähnlich sieht (das wäre auch eine schöne Überschrift für einen kleinen Artikel). “Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge” von Rilke, diesen handlungslosen Roman bekämen Sie heute jedenfalls nicht mehr unter die Leute. Gärung ist dennoch nicht ausgeschlossen. Es muss eben nur irgendwann auch explodieren, das Gefäß in dem es da vor sich hin gärt.
    Aléa

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 17. Mai 2010 um 22:44

    Bei Rilke explodiert es nicht. Da ist -aus kunsthistorischer Sicht- “die Entwicklung des Geschmacks auf Kosten des Appetits.”
    Es gibt so viele Explosionen, die noch nicht geleuchtet haben!

    Herzlich Avenarius

    Kommentar von Jean Stubenzweig
    Datum/Uhrzeit 18. Mai 2010 um 05:59

    Hoch erfreut bin ich, liebe Aléa Torik, zum Erstleserkreis dieses oder den Varianten dieses Kapitels gewesen sein zu dürfen. Und dieses Bild vom gespielten Hochzeitspaar im Regen des schönen Scheins: da strömte die Erinnerung. Vor allem vor dem Hintergrund der später folgenden Reihung (die ich bei mir dann nur zu gerne aufgenommen habe): «Scheidungsanwälte, Wahrsager und Teufelsaustreiber, Inkassobüros und Gerichtsvollzieher». Da hüpft mein ohnehin gerne Ironie naschendes Hirn; sie wird mittlerweile ja selten genug angeboten. Und dann noch das Berghain, das ich von dem Fräulein kenne, das durch die Feuilletons hetzte, nein, das ich, genau genommen, bereits vorher kannte, da Glumm zuvor schon auf Airen hingewiesen hatte; was nicht heißt, daß ich mich unbedingt nach solcher Literatur verzehre. Und dann die Panoramabar und so weiter und so fort.

    Aber selbst das sollte noch gesteigert werden vom Eisenwarenladen C. Adolphs. Das ist einfach zu gut und sozusagen schneidend: «Man braucht keine Axt, wozu auch [...] so dass man von da an nur auf die große Gelegenheit warten muss [...] da liegt man dann eines Tages auf dem Totenbett und der Pfarrer kommt, um einen einzusegnen oder das Pflegepersonal und dann erkennt man mit einem Mal: das ist sie, die große Gelegenheit.» Das ist brillant, bis zum Ende hin. Diese feine Lakonik darf nun wirklich nicht Makulatur werden. Auf jeden Fall empfinde ich diesen Ton nicht als anstrengend. Wie auch das Vokabeltraining seinen Reiz insofern hat, als heutzutage allzuviel zum schlichten «Ding» «gemacht» wird.

    Habe ich bei Ihnen nicht irgendwo gelesen, daß «Berlin am Meer» bereits Ihr zweiter Roman sei? Und daß er Bestandteil Ihrer Dissertation ist? Was mich ein wenig verblüffte: der eigene Roman als Thema (s)einer Doktorarbeit. Aber vielleicht habe ich ja etwas falsch verstanden.

    Wie auch immer – ich werde ihn lesen, sobald er erschienen ist.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 18. Mai 2010 um 07:40

    Lieber Jean Stubenzweig,
    es freut mich, dass Ihnen meine Texte gefallen. Und vor allem natürlich freut es mich, wenn Ihnen das Lakonische und das Ironische daran gefällt. Das hat mein Ton manchmal, allerdings war das Kapitel auch explizit daraufhin ausgelegt, in beiden Varianten.
    Der erste Roman hieß ursprünglich „Der blinde Fotograf“ (ich war zwei Jahre mit einem Blinden zusammen), das meinte ich aus strategischen Gründen umbenennen zu müssen in „Berlin am Meer“. Ich arbeite an meinem zweiten Roman (ich würde auch gerne Geschichten schreiben, aber, Sie wissen es ja bereits: ich kann auch nicht kurz), der steht aber noch ganz am Anfang, das ist noch ein kleines schreiendes und sabberndes Baby, der muss noch ein bisschen wachsen. Und dazu muss man es liebhaben und hätscheln, lange Zeit. Und dann wachsen wir zusammen, das kleine Baby und ich, in allen hier möglichen Konnotationen.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 18. Mai 2010 um 07:41

    Lieber Avenarius,
    die Entwicklung des Geschmacks auf Kosten des Appetits: sehr schön! Aber auch dort gibt es winzig kleine Explosionen an den Geschmacksnerven, nicht wahr?!Richtig ist zweifellos, dass Rilke nichts für Ausgehungerte ist, sondern für Leute mit ausgeprägtem Geschmack. Fried, um noch einmal auf dieses für Sie leidliche Thema zu sprechen zu kommen, Erich Fried ist vielleicht etwas für Ausgehungerte. Ich weiß es gar nicht, ich kenne den nämlich nur vom Hörensagen.

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 18. Mai 2010 um 08:48

    Guten Morgen.

    Es kann einem auch (ich erinnere nur an “essigsauren Grießbrei”) der Appetit vergehen.
    Dies war jetzt die letzte unvernünftige Einlassung. In Zukunft werde ich mich diskursfähig zeigen.

    Gruß von Avenarius

    Kommentar von chSchlesinger
    Datum/Uhrzeit 18. Mai 2010 um 21:31

    Malte Laurids Brigge ließ sich damals so wenig unters Volk bringen wie heute. Rilke blieb stets angewiesen auf die Großzügigkeit der Fürstin von Thurn und Taxis. Deswegen aber Fernsehen in Büchern zu verkaufen, wo sich 24 Stunden etwas bewegt, empfinde ich als wenig nachhaltig. Wo blinde Menschen in Wahrheit Frieden finden wollen, müssen sie dann laufen und lieben, Schneid zeigen und Kraft. Bleibt nur zu hoffen, dass sich damit viel Geld verdienen lässt.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 18. Mai 2010 um 22:10

    Höchst verehrter Herr Schlesinger,
    dass Sie ins Mäzenatentum wechseln, ist an sich ja schon eine schöne Sache, aber dass Sie sich dankenswerterweise gleich mich auserkoren haben, das erfüllt mich dann doch mit Stolz. Sagen Sies nur an, wann kann ich denn mit dem runden Sümmchen rechnen? Sie sprechen dankenswerterweise von viel Geld! Es ist sehr ehrenhaft, dass Sie sich in die Tradition von Herrn Reemtsma stellen und mich in die von Arno Schmidt, war es nicht, mit machen gleich Nägel mit Köpfen, eine runde Million. Also nicht, dass Sie denken, ich sei womöglich hinter dem Geld her: mitnichten. Ich bin lediglich hinter der Gelegenheit her, etwas zu formulieren. Für die Entlohnung sind andere zuständig.
    Herzlich (mit einem Zwinkern)

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 18. Mai 2010 um 22:50

    Lieber Avenarius,
    Guten Abend: aber Nein, machen Sie nur ruhig unvernünftige Einlassungen. Das ist hier mein Blog, nicht meine wissenschaftliche Hombase, wo nur diskursive Beiträge Beifall finden. Außerdem sind Sie ja bisher nicht aufgefallen als jemand, der nicht diskursfähig ist, von daher müssen Sie sich jetzt auch nicht zügeln. Lassen Sie die Pferde in der Koppel laufen (das sagt man so, glaube ich jedenfalls).
    Jetzt gibt im Leben der A. Torik noch drei Minuten Zähneputzen und vielleicht werde ich noch die letzten Seiten eines kleinen Buches lesen. Und dann mache ich die Augen zu.
    Guten Nacht

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 18. Mai 2010 um 22:57

    Lieber Jean Stubenzweig,
    ich habe noch gar nicht vollständig geantwortet: es ist tatsächlich so, dass das Thema meiner Diss eine starke Ähnlichkeit mit dem Thema meines zweiten Romans hat. Mein Prof, der meine Ambitionen in der schöngeistigen Literatur kennt und sie auch unterstützt, nennt mich “genial oder perfide”. Ich mache einfach das Thema der wissenschaftllichen Arbeit “Identität, Authentizität und Illusion” zum Thema meines nächsten großen Textes. Aber es sind zwei vollständig voneinander getrennte Arbeiten. Woher wissen Sie das eigentlich? Habe ich mich da mal verpaudert?

    Kommentar von chSchlesinger
    Datum/Uhrzeit 19. Mai 2010 um 22:09

    Mäzenen würde ich davon abraten, eine Frau zu fördern. So lassen sich spätere Affekttaten vermeiden, wenn die Geförderte bekannt gibt, das Kunststudium abzubrechen, um in der anatolischen Heimat ihres Geliebten Bäuerin zu werden.
    Ich weiß nicht, ob schon viele Frauen um einer Sache willen gestorben sind. Welchen Weg etwa wäre Sophie Scholl gegangen, wenn ihr geliebter Bruder sich nicht zum Widerstand entschlossen hätte?

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 19. Mai 2010 um 23:43

    Herr Schlesinger, obwohl ich Ihre Äußerung als frauenfeindlich empfinde und auch ansonsten nicht sonderlich erhebend, und ich mich auch ein bisschen ärgere, dennoch ist das ein Blog, in dem auch andere Meinungen als die der Blogbetreiberin stehen können und auch sollen. Wohin wär dieser Waschlappen von Bruder gekommen, wenn er nicht so eine starke Schwester gehabt hätte? : würde ich fragen wollen, aber ich kenne beide Charaktere nur dem Namen nach.

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 20. Mai 2010 um 15:44

    Was es für Zufälle gibt.-

    Im Deutschen passt Affekt gut Affe. Das ist leider nicht zu ändern.

    Kommentar von Jean Stubenzweig
    Datum/Uhrzeit 20. Mai 2010 um 16:27

    Nein, ich habe keinerlei seherische Fähigkeiten, gehöre auch keinem altesoterischen Zirkel an oder besuche in höheren Sphären Herrn Humboldt. Irgendwo habe ich’s (vermutlich zu oberflächlich) gelesen, doch es kann eigentlich nur von Ihnen stammen, was da ausgeplaudert wurde. LitBlogs?

    Auf jeden Fall liest sich das interessant: «Identität, Authentizität und Illusion». Ich gehe davon aus, daß dies auch der (Haupt-)Grund Ihres Treffens mit Herrn Herbst gewesen sein dürfte. Habe ich’s am Ende dort gelesen?

    @Schlesinger: In welcher schlichten Bedeutung wäre mancher Mann gelandet, hätte er nicht die Unterstützung einer Frau gehabt, womit ich zwar auch, aber nicht alleine eine finanzielle meine, sondern darüber hinaus eine ideelle, die oft genug ihr Talent seinetwegen zurückstellte? Der Beispiele gibt es besonders in der Kunst viele. Nur wurde deren Geschichte bis vor nicht allzu langer Zeit ausschließlich von Männern (auf)geschrieben. Aber das scheint bei Ihnen noch nicht angekommen zu sein.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 20. Mai 2010 um 22:36

    Lieber Jean Stubenzweig,

    dann werde ich mich da wohl verplaudert haben, was aber auch nicht weiter schlimm ist. Das Buch ist kein Geheimnis, nur ist das beim kreativen Schreiben ja so, dass alles auch noch ganz anders werden kann und ich neige eigentlich nicht zu großen Ankündigungen, dass ich das Rad neu erfinde, wenn‘s dann am Ende doch eine Geschichte über die Gerade wird.

    Mit Alban Herbst habe ich mich getroffen, weil wir über Blogs sprechen wollten, vor allem über unsere beiden, und dann habe ich ihm tatsächlich auch noch von meinem neuen Projekt erzählt, diesem Roman eben.

    Meine Dissertation ist eine in erster Linie literaturwissenschaftliche Arbeit. Mit den drei Begriffen beschreibe ich einen vierten, den ich gar nicht erst nenne: Fiktionalität. Wie das dann in den Roman eingeht, da muss ich Sie noch ein bisschen auf die Folter spannen … weil ich da auch noch ziemlich am Anfang bin.

    Vielen Dank, dass Sie mir bei Herrn Schlesinger beigesprungen sind. Ich hatte gestern Abend erst überlegt, ob ich die Sache noch ein bisschen ruhen lasse, so dass meine Antwort nicht so hart ausfällt. Aber ich wollte die Sache nicht mit ins Bett nehmen, deswegen musste es sofort sein.

    Kommentar von chSchlesinger
    Datum/Uhrzeit 21. Mai 2010 um 00:00

    Etwas mehr anzubieten als meine Emotionen habe ich schon, Frau Torik. Wo andere Kinder auf die Meinung eines großen Bruders vertrauten, waren mir Schachcomputer hervorragende Lehrmeister. Wenn jemand GOTT nahe ist, dann ich. Dank moderner Rechenkraft, lassen sich mittlerweile alle Fünfsteiner Remis halten gegen IHN.
    Gebete interessieren mich nicht, ich will Fakten. Fakten, wie sie mir die Romeos der DDR-Staatssicherheit liefern. Auf Befehl hin, machten die Romeos jede noch so hochintelligente, hochqualifizierte Frau zu einer leidenschaftlichen “Kundschafterin des Friedens”.
    Vielleicht gelingt es den Herrschaften hier ja irgendwann, meiner Aktenkunde Weiterführenderes entgegen zu setzen als ihren Ärger.
    Ansonsten sollten wir vielleicht lieber gemeinsam ins Kino gehen. Bei “Robin Hood” gibt es sicher einige erhebende Szenen, die wir miteinander teilen können.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 21. Mai 2010 um 07:35

    Herr Schlesinger,
    Sie sind hier auf http://www.aleatorik.eu unterwegs. Das ist ein literarisches Weblog, deren Betreiberin ich bin: Aléa Torik. Sind Sie sicher, dass Sie auf der richtigen Seite sind? Ich finde Ihre letzte Äußerung ausgesprochen zusammenhanglos. Wenn es sich hierbei um eine neue literarische Form handelt – ähnlich dem Dadaismus oder dem Futurismus – dann sollten Sie zuerst ein Manifest verfassen, damit alle anderen wissen, in welche Richtung hin Sie da reden. Wenn man bei vollkommener Zusammenhanglosigkeit überhaupt von Richtung sprechen kann. Und wie wollen Sie es nennen: Diskontinuismus? Oder Abstruismus? Blödsinnismus?

    Kommentar von chSchlesinger
    Datum/Uhrzeit 21. Mai 2010 um 10:11

    Analogismus.