27 April 2010
In der Wüste von Arizona
Merkt man das meinem Blog an, dass ich nicht da bin? Ich bin in Arizona, in der amerikanischen Wüste. Klingt nicht sehr wahrscheinlich, ist aber wahr. Ist unter den Bedingungen wahr, die ich für Wahrheit gelten lassen will.
Eine Freundin behauptet etwas anderes. Sie sagt, ich sei mit ihr über das Wochenende auf eine Datsche gefahren. Irgendwo in Brandenburg. Da sei ein Bach in der Nähe, sagt sie. Ich möchte das bezweifeln. Ich sehe keinen Bach, ich kenne diesen Ort gar nicht. Ich bin auch nicht gefahren. Ich habe gar keinen Führerschein. Nachdem ich mich damals mit dem Fahrlehrer gestritten hatte, über ziemlich grundlegende Dinge, habe ich die Sache ein für allemal an den Nagel gehängt. Ich brauche keinen Führerschein. Ich kann Traktor fahren. Das habe ich von meinem Opa gelernt. Fürs Traktorfahren braucht es eine gewisse Verwegenheit. Das beschreibt im Kern bereits das Missverständnis zwischen mir und dem Fahrlehrer. Aber darum geht’s jetzt nicht. Es geht um etwas anderes.
Meine Freundin behauptet, ich säße mir ihr in der Sonne in Brandenburg. Hinter uns der Bach. Das entspricht bedauerlicherweise nicht der Wahrheit. Die Wahrheit ist, dass ich übers Wochenende nach Arizona geflogen bin, dass ich hier in der Wüste sitze, in einem luxuriösen Hotel, am Swimmingpool, an einem Tisch auf dem zwei Gläser Champagner stehen, zwei Kerzen, alles sehr geschmackvoll. Mir gegenüber sitzt Johnny Depp und küsst langsam und aufreizend meinen Fuß. Es sieht nicht so aus, als würde er es bei dem einen Fuß belassen wollen. Und es sieht auch nicht so aus, als würde ich ihm da irgendwelche Hindernisse in den Weg stellen wollen. Auf dem Weg nach oben sozusagen. Einen anderen gibts nicht.
Die Freundin behauptet nun, mir gegenüber zu sitzen, in Brandenburg, im Garten dieser Datsche, hinter uns der plätschernde Bach. Das ist nun schon aus dem Grund nicht möglich, weil genau an diesem Platz, mir gegenüber, dieser amerikanische Schauspieler sitzt. Es wird einen Grund geben, warum die Freundin das behauptet. Vielleicht ist das die Wahrheit für sie. Vielleicht lügt sie mich auch an. Woher soll ich das wissen? Ich stecke nicht drin in ihrem Kopf, ich kann nicht hineinschauen. Ich bin vollauf damit beschäftige, meine eigene Blackbox zu beleben. Aber ob das nun die Wahrheit ist oder eine Lüge, spielt keine Rolle. Weil es ihre intrapersonale Wahrheit ist. Und ich, anders als sie, die nur mich als Zeugen würde angeben können, kann Johnny Depp angeben. Ich bin sehr gespannt, wie sich der weitere Abend noch gestaltet und was Mr Depp tun wird, wenn er mit dem einen Fuß fertig ist.
Alle anderen, alle davon abweichenden Behauptungen sind weitab der Realität. Eine Realität, für die ich der Garant bin. Wie ich immer und immer der Garant für die Realität bin. Ich bin es ja, der sie synthetisiert. Was auch die Freundin sonst noch behaupten mag. Eines Tages behauptet sie, sie säße mit Johnny Depp in der Wüste in einem Hotel, an einem Tisch in der Nähe des Swimmingpools. Was nun völlig absurd ist. Kein halbwegs vernüftiger Mensch fährt übers Wochenende nach Arizona.
Die Freundin behauptet, ich treibe sie mit meinen Überlegungen in den Wahnsinn. Aber, frage ich mich, woher will sie das wissen. Vielleicht war sie schon vorher wahnsinnig. Und behauptete jetzt nur, dass ich es sei, der sie dahin gebracht hätte. Wie hätte ich das machen sollten? Vielleicht bringe ich sie auch lediglich dahin, ihren Wahnsinn zu erkennen.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: April 27th, 2010 unter Allzupersönliches, lang












Kommentar von Teresa
Datum/Uhrzeit 28. April 2010 um 22:58
Hoffe, Du hast genügend Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor eingepackt!? Zu dieser Jahreszeit sticht die Wüstensonne des Westens gnadenlos vom tiefblauen Himmel. Habt Ihr Beide schon mal versucht, die Kakteen zu zählen oder gar sie zu klassifizieren? Erlebt Ihr am Ende gar die ganze Farbenpracht der blühenden Saguaros oder der Orgelpfeifen-Kakteen? Eine Blüte,die normalerweise nur zu dieser Jahreszeit im tiefen Südwesten zu erleben ist.
Alldiweil…Euch würde ich es auch zutrauen, eines der Wildwest-Ponys einzufangen und zu zähmen zu versuchen…
Oder habt Ihr Euch zwischenzeitlich in einer der Geisterstädte eingenistet?
Viele neugierige Fragen, gestellt von Teresa