13 April 2010
Die halluzinogene Katze III
Hier gabs in letzter Zeit allerlei „Frühlingserwachen“ und „Verwirrungen der Zöglings Törleß“ (Torik). Nun kehren wir, nach Sex und Angst und Macht und Sport und Musik, zur Literatur zurück, und da ein weiteres Mal zur rumänischen Literatur, dieses Mal zu Teodor Dună, hier und hier.
Das folgende Gedicht stammt aus einem Band mit dem Titel „catafazii“ (Stotterer).
Ich verberge ein meer ohne ufer und ohne jedes wasser unter der haut
„ich spüre wie es innen langsam anbrandet.
es ist gut. ich liege reglos im bett, eingewickelt in feuchte tücher,
in ein blaues kleid und höre ihn rufen
„dieser nacht wirst du nicht mehr entkommen“. es ist sehr gut.
ich warte auf den Tag, der nicht mehr kommen wird.
dafür habe ich säcke mit spinnen im bauch. sie wollen raus,
ich drei meter unter mich. dort ist’s warm, ist ruhe,
ist ein meer ohne ufer und ohne jedes wasser
das kleid schnürt die haut ein, drückt die knochen tiefer hinein
und das fleisch weiter weg von dieser wie auch immer weißen nacht.
er liegt reglos zwischen bett und wand
und ruft mir zu und hat über sich einen schwarzen vogel, seine haut
ist feucht, und seine augen sind zwei wurzeln die in der zimmerdecke stecken.
ich will raus
und rühre mich nicht. das kleid drückt noch stärker und die haut gerät
gänzlich unter mich und ich drei meter unter mich,
und dort ist es gut, ist ruhe, verschwindet seine stimme
verschwindet auch das zimmer
und diese wie auch immer weiße nacht. aber nur ein bisschen.
das meer ohne ufer und ohne jedes wasser
steht plötzlich still,
und ich komme wie aus schlammiger erde
wieder unter dieser nacht hervor, unter seiner stimme,
und stoße wieder an den leib, der mich lebt,
an den leib, den ich vergessen will
und in dem ich erwache, eingerollt
wie in angst“
Die Zeile, „der leib, der mich lebt“, das gefällt mir sehr gut. Da habe ich zu verstehen angefangen, dass hier vom eigenen Körper die Rede ist und dass dieser Körper jenes „meer ohne ufer und ohne jedes wasser“ ist. Auch die Formulierung „ich warte auf den tag, der nicht mehr kommen wird“ gefällt mir, das kenne ich von mir selbst. Ich kann ebenso auf Tage und Umstände warten, die nicht kommen.
Der sieht doch eigentlich ganz nett aus, gelle? Das wär auch mal ungefähr mein Alter. Aber der hat bestimmt eine Freundin. Oder zwei. Der Mistkerl!
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: April 13th, 2010 unter Hier wird gemangelt, Paralipomena













Kommentar von thomas kunst
Datum/Uhrzeit 15. April 2010 um 19:45
liebe alea:
kennst du diesen wunderbaren stotter-satz von peter handke: aus seinem kaspar buch:
“wenn ich stotterte, wurde mir erklärt, daß ich, wenn ich stotterte, glücklich sei, wenn ich stotterte, war ich glücklich.” liebe grüße aus sachsen.