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  • 05 April 2010

    Ich spring da nicht drüber

    Ich vermisse meine Mitbewohnerin. Olga ist über Ostern für vierzehn Tage nach Moskau geflogen, zu ihrer Familie. Die ist total crazy, aber wir kommen sehr gut miteinander aus. Spülen, Putzen, Staubsaugen: das können wir beide nicht. Alle zwei Wochen wird gemeinsam geputzt. Wir stehen dann vor den Utensilien mit denen man üblicherweise saubermacht, Sachen wie Eimer und Putzmittel und Lappen und dieses ganze Zeug und lachen uns kaputt, weil wir im Grunde beide nichts damit anfangen können. Wir schütten das dann alles auf einen Haufen und hoffen, dass sich davon der Allgemeinzustand unserer Wohnung verbessert. Das ist ein Ausdruck von Hoffnungslosigkeit! Aber er bringt uns beide immer wieder zum Lachen. Manchmal kommt Olga in mein Zimmer, zieht sich aus, legt sich in mein Bett und schläft. Während ich am Rechner sitze und arbeite. Oder sie setzt sich auf meinen Schoß, schmiegt sich für ein paar Minuten eng an mich und geht dann wieder raus. Ohne ein Wort der Erklärung.

    Warum will ich eigentlich Schriftstellerin werden? Es gibt wirklich Jobs und Beschäftigungen, wo man mit einem Engagement wie ich es an den Tag lege, und manchmal auch an die Nacht, mehr Lorbeeren erntet als auf diesem Markt, zumal hier in Deutschland. Ich empfinde es gerade hier als schwierig, weil hier ganz klare Vorstellungen herrschen wie junge neue Literatur auszusehen hat. Dennoch will ich Schriftstellerin werden. Ich kann nichts anders. Ich will nichts anderes. Ich will nichts anderes können.

    Ich erinnere mich, ohne mich genau zu erinnern, dass ich einmal eine Geschichte gelesen habe, wo ein Autor seine Figur – in übertragenem Sinne – über etwas drüber springen lassen wollte. Er lässt sie über viele Seiten Anlauf nehmen. Er stellt es so dar, dass dieser Anlauf und dieser beabsichtigte Sprung ein zentrales Ereignis im Leben der Figur sind. Er lässt sie losrennen und schneller und schneller werden, er steigert sich in der Dramaturgie, und kurz vor der Hürde oder dem Absprung, die der Autor die ganze Zeit anvisiert und die er auch beschreibt, bremst die Figur ab. Sie bleibt einen Zentimeter davor stehen. „Ich spring da nicht drüber“, sagt sie. Sie dreht sich sozusagen um und wendet sich, indem sie stattdessen eine logische und erzählerische Grenze überspringt, direkt an den Autor: „Ich spring da nicht drüber“, sagt die Figur. Sie stellt in Frage, dass der Autor, sie, die Figur, überhaupt verstanden habe. „Mach ich nicht“, sagt sie und schüttelt den Kopf. Der Autor ist dann natürlich der Gelackmeierte. Jedenfalls war das in der Geschichte so. Er hat es im weiteren Verlauf der Geschichte nicht vermocht, der Figur seinen Willen aufzuzwingen (ich glaube das war Flann O`Brian).

    Abgesehen davon, dass hier etwas zur Sprache kommt, was wohl jeder Autor kennt: die Figuren entwickeln sich nicht wie beabsichtigt. Dann steht der Autor vor der Entscheidung, die Sache laufen zu lassen oder seine Macht auszuüben und der Figur etwas aufzuzwingen. Macht auszuüben! Macht über Figuren. Macht über die Ereignisse. Auch das ist ein Grund, warum ich Schriftstellerin werden will. Ich will Macht ausüben! Ich will den Text, die Figuren und die Ereignisse so bestimmen, dass sie allein nach meinem Willen sich ereignen. Ich will sie dirigieren. Ich will allerdings auch, wenn meine Figuren mir zu verstehen geben, dass sie über eine Hürde nicht drüber wollen oder können. Dann muss ich das Hürdentraining entsprechend anpassen oder aber einen andern Weg finden. Man kann seine Figur ja beispielsweise einfach außen rumgehen lassen und aus einer Geraden mit Hindernissen einen Parcours zum Slalomlaufen machen.

    Ich werde mich ans Olympische Komitee wenden und denen meinen Vorschlag unterbreiten. Es gibt verschiedene Wege eine bekannte Schriftstellerin zu werden, man muss sie nur ausprobieren. Man muss lediglich den Figuren seinen Willen aufzwingen. Auch den Figuren bei irgendwelchen Komitees. Ich werde den Sport revolutionieren. Habe ich mir eben vorgenommen. Marathon zum Beispiel. Sehr schöne Sportart. Aber so weit! Da gibt es doch sicher eine Abkürzung. Dass das Ziel immer erst am Ende ist, das halte ich ja sowieso für eine Fehlkonstruktion.

    Und mit diesen Worten zeige ich, wozu so eine Schriftstellerin in der Lage ist, nämlich weit, weit entfernte Dinge zueinander zu zwingen und einer Geschichte wie dieser hier eine ganz und gar unerwartete Wendung zu geben, indem ich das Schlusswort formuliere: merkt man mir an, dass ich meine Laufschuhe ausprobiert habe und nach einer Runde schon völlig fertig war?

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.



    Kommentare

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 5. April 2010 um 17:31

    Verehrte Alea.

    Sie brauchen gar keine Macht auszuüben Figuren, Sätze und Wendungen folgen Ihnen ja wie von selbst.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 5. April 2010 um 22:54

    Lieber Avenarius,
    das täuscht, die Worte sind mir nur sehr widerwillig gefolgt. Die sind nicht freiwillig mit mir gegangen. Ich drohe in der Regel mit Gewaltanwendung, und dann hauts irgendwie hin. Meistens. Manchmal gehts auch schief, aber das ist dann nicht so schlimm.
    Aléa

    Kommentar von LaMéreDeMagritte
    Datum/Uhrzeit 8. April 2010 um 00:21

    Als ich Sie zum erstenmal sah,hatte sie grüne
    Arme.Und gelbe Beine. Als ich Sie zum zweitenmal sah, hatte sie grüne Beine.Und gelbe Arme. Als ich Sie zum drittenmal sah, hatte sie ein roten Arm.Und ein blaues Bein.
    Sie hatte auch ein rotes Bein und einen blauen Arm.
    Als ich Sie zum letzten mal, schob sie einen Einkaufswagen vor sich her, voller Farben.In dieser Nacht, knieten die Massen vor einem runden Stück Leder, während sie heimlich in einer Ecke erfror.

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 11. April 2010 um 01:18

    Guten Abend. Seit Nachmittag bin ich zurück.

    In den Bergen haben wir jemanden unter die Erde gelegt, einen, der kein Freund des Einäscherns war und nun gemächlich verschwindet. In aller Ruhe verschwindet unter schwarzem Torf und feuchtem Moos.
    Als ich dann auf der Rückreise, am Fenster des gefügig dahinrollenden Eisenbahnwaggons, Besonderes und Allgemeines vorüberziehen sah, kam mir Ihr Blog in den Sinn. “Das ist ja das reinste Frage und Antwort Spiel, was dort stattfindet in diesem Blog der Frau Torik. Und wie!” Und indem ich mir überlegte, welche Frage ich wohl haben könnte, kam ich auf diese: was, liebe Teilhaber des Blogs und insbesondere Frau Torik, sagt Ihnen eigentlich Goethe?!
    Dann habe ich mir gesagt, dass diese Frage eigentlich gar nicht gestellt werden könne, weil es ja alle möglichen und unmöglichen Antworten schon gibt. Aber dann kam mir der Gedanke, es könnte ja gerade deshalb eine herausforderte Frage sein. Oh, Oh, jetzt kamen mir Zweifel. “Vielleicht ist diese Frage schlecht, oder am Ende sogar unverschämt!” Und ich untersagte mir diese Frage.
    Dann stachen die Strahlen der Sonne durch die Wolken, trafen schmerzhaft mein Auge und mein Sehen veränderte sich. Es veränderte sich mein Sehen. “Wie”, sage ich mir,”wenn der Alte die Sonne und wir wären die seinem Gravitationfeld nah oder fern ausgesetzten Himmelskörper. Einige, ja mehr als einige, drifteten, indem sie aufgrund ihrer unglaublichen Entfernung zur Sonne deren Schwerkraft überwanden,- ab in die eisigen Schluchten des Universums.”

    Ich hatte mir unversehens die Frage selber beantwortet. Meine Vorstellungskraft operierte mit einem mechanischen Modell von Gravitation, welches zugegebenermaßen dem neuesten Stand naturwissenschaftlicher Erkenntnis nicht gerecht wird.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 11. April 2010 um 14:29

    Lieber Avenarius,
    eine Beerdigung ist keine schöne Sache und gar nicht, wenn der Verstorbene einem nahegestanden hat. Ich habe damit wenig Erfahrung und es käme mir falsch vor, tröstende Worten auszusprechen. Die weit sich ins Allgemeine hinüberneigende Frage nach Goethe kann ich Ihnen auch nicht beantworten. Ich habe allerdings ein bisschen geblättert und mich für das Folgende entschieden.

    “Über allen Gipfeln
    Ist Ruh,
    In allen Wipfeln
    Spürest du
    Kaum einen Hauch;
    Die Vöglein schweigen im Walde.
    Warte nur, balde
    Ruhest du auch.”
    J.W.v. Goethe, Ein Gleichnis

    Wobei “Vöglein” heute doch sehr nach Kindersprache klingt, finden Sie nicht auch?
    Aléa

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 11. April 2010 um 16:17

    Liebe Alea,

    danke für die Antwort.
    Der Titel des Gedichtes ist übrigens nicht “Ein Gleichnis”, sondern “Ein Gleiches”.
    Die Vögel mussten verkleinert werden, sonst hätten sie das Schwarz der Moderne vorweggenommen. Sie wären zu furchteinflößenden Ungeheuern geworden, und es wäre aus gewesen mit der Ruhe und dem Hauch und der kindlichen Erwartung des Todes.
    Dass sich unser Ohr längst dagegen entschieden hat stimmt natürlich auch. Verkleinerungen sind häufig vulgärhedonistischer Natur.

    Freundlichst – avenarius

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 11. April 2010 um 16:22

    Lieber Avenarius,
    stimmt, da habe ich kurz vorbeigeschaut, also daneben, nebenher, irgendwie so. Ich habs nicht getroffen. Aber ich habe es gemeint. Ich meine, mich erinnern zu können, dass ich es auch so gelesen hatte.

    Kommentar von Alice
    Datum/Uhrzeit 13. April 2010 um 16:48

    Der Geheime Rat zu Gast bei Aléa! Wer hätte das gedacht. Und wird nun der rote Teppich ausgerollt? Gibt es ein Dîner? Wie ist die Sitzordnung? Natürlich gebührt ihm der Ehrenplatz zu Ihrer Rechten, liebe Aléa. Und auf der anderen Seite? Vielleicht Herta Müller – aber ich glaube, das wäre ihm zu anstrengend und zu viel Elend, das macht ihn krank. Vielleicht Olga? Gegenüber könnte DFW sitzen – oder besser etwas seitlich. Und Francois Villon spielt auf!

    Herzlich, Alice

    PS 1: Ist es so, dass sich Schriftsteller und Schriftstellerinnen auch heute noch messen an diesem “Titanen” und an der “Unerreichbarkeit” verzweifeln, so wie es dem jungen Schiller erging oder Hölderlin?

    PS 2:
    “Edel sei der Mensch,
    hilfreich und gut!
    denn das allein
    unterscheidet ihn
    von allen Wesen,
    die wir kennen.”

    (J.W.Goethe, Das Göttliche)

    Ein Eintrag meiner Deutschlehrerein in mein Poesiealbum im März 1962

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 13. April 2010 um 23:29

    Liebe Alice,

    dass Sie mit dem Geheimen Rat den Geheimrat, Goethe also, meinten, für die Erkenntnis habe ich ein paar Sekunden länger benötigt. Ich habe die Worte “Geheimer Rat” noch nie gehört.

    Ich glaube Olga lassen wir bei dem Essen lieber beiseite! DFW wär ihr zu verklemmt und Goethe zu alt. Und gegen die andern hätte sie bestimmt auch etwas einzuwenden.

    Zum ersten Postskriptum: für mich ist Goethe kein Wert an dem ich mich messe. Das ist zu weit weg von allem, was ich mache; ich habe den Faust gelesen, die Wahlverwandtschaften (und die Analyse von Walter Benjamin), den Wilhelm Meister und ein paar andere Sachen. Aber das gehört seltsamerweise nicht zu meinem Repertoire. Hölderlin kenne ich ebenfalls ein paar Sachen (da können Sie mal hierhin schauen: http://bonaventura.musagetes.de/?p=1998). Sehr viel näher ist mir Kleist.

    Ich messe mich gar nicht und ich verzweifele auch nicht an den Fähigkeiten anderer. Aber mir sind modernere Dichter schon näher, weil deren Themen auch eher meine sind. Ich schaue mir da wirklich eher Wallace und Bolaño an, Lobo Antunes oder Cortázar. Das klingt jetzt für eine Literaturwissenschaftlerin vielleicht etwas traurig, wenn ich sage, von denen kann ich mehr lernen als von Goethe: Aber das ist nicht traurig, sondern realistisch. Es gehört ganz sicher zu einer vernünftigen humanistischen Bildung dazu, etwas von Goethe zu kennen. Aber als Schriftstellerin muss ich Probleme lösen. Und diese Probleme sind zum großen Teil Darstellungsprobleme. Wenn ich Liebe darstellen will, dann hilft mir die Iphigenie von Goethe nicht. Um sich das anzulesen ist das wunderbar. Um zu verstehen, was Tragik eigentlich ist, muss ich Sophokles lesen. Aber um das für die Moderne darzustellen, was Sophokles für die Antike darstellte, muss ich in die Moderne gehen. Goethe und Schiller lassen sich sehr schön lesen und unterrichten, aber es lässt sich nicht als ein Leitfaden zum Schreiben im 21. Jahrhundert begreifen. Ich bin der Meinung, dass man hier Rezeption und Produktion deutlich voneinander unterscheiden muss.

    Das war jetzt für eine Antwort recht lang und doch war es, an der Sache gemessen, viel zu kurz. Ich würde, wenn das hier kein Blog wäre und rein meinem und andere Leute Privatvergnügen diente, sondern einem eher akademischen Anspruch gerecht werden müsste, sicher sehr viel ausführlicher darüber nachdenken. Weil das sehr, sehr viele Bereiche betrifft, das könnte ein richtiger Aufsatz werden.

    Und zum zweiten Postskriptum möchte ich lediglich anmerken, dass es auch nichts auf der Welt gibt, was so unsäglich böse und verschlagen und hinterhältig sein kann wie der Mensch. Das ist ein Thema, das sicher noch umfangreicher ist als das erste.

    Ich werde die nächsten Tage auf der re:publica sein. Ich schreibe einen Bericht für ein Internet-Magazin. Mal schauen, was sich dort für Leute herumtreiben. Ich kann zumindest mein Englisch etwas polieren.

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von Alice
    Datum/Uhrzeit 14. April 2010 um 09:49

    Liebe Aléa,

    ganz herzlichen Dank für diese ausführliche Antwort mit dem spannenden Blick “hinter die Kulissen”.
    Gestatten Sie mir noch einen Hinweis: In dem Zitat heißt es “hilfreich sei der Mensch, edel und gut…” und nicht “hilfreich ist der Mensch, edel und gut…” Das Abgründige war Goethe ja keineswegs fremd.

    Jetzt ist es höchste Zeit mich meiner Arbeit zuzuwenden. es wird ein langer Tag.

    Herzlich, Alice

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 14. April 2010 um 10:21

    Liebe Alice,
    Sie haben Recht, diese kleine, aber wichtige Differenz war mir entgangen.
    Einen schönen Tag!
    Aléa

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 25. April 2010 um 19:42

    Nochmals Goethe.-

    “Haben Sie keine Meinungen? Probleme habe ich selber.”
    So Goethe zu einem Besucher, dessen seelisches Lamento, gar Weltschmerz ihn ärgerte.
    Die Qualität eines Denkens, das zu derartigen Äußerungen fähig und gleichzeitig bereit ist, liegt auf der Hand. Es ist dies ein extrem extravertiertes, an den wissenschaftlichen, künstlerischen und sozialen Fragen seiner Zeit teilhabendes Denken, das noch im nichtöffentlichen Raum sowohl spekulativ umschaut als auch geistesgegenwärtig ist.
    Hier wurde von Deutschlehrern gesprochen, an die man sich im Zusammenhang mit Goethe erinnerte. Wie schade! Deutschlehrer fallen bei Goethe meistens durch.
    Weder der nur in unanwendbaren Abstraktionen begreifende, kannegiesende Oberlehrer noch einer jener progressiven Kunstidioten, also weder der solide Spießer noch der eher liederliche können eine Antwort auf Goethe geben, sind sie doch in ihrer geistlosen Halsstarrigkeit brüderlich vereint.
    Die anderen, die ihn angriffen, schon zu seinen Lebzeiten angriffen, können schon eher herangezogen werden. Der von diesen angezettelte Streit ist auf unglaublichem Niveau; dieses ist unhintergehbar.
    Moderne, lässt sich dabei lernen, ist ein qualitativer, kein chronologischer Begriff.

    Freundlichst Avenarius

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 30. Juni 2010 um 16:57

    Schubladentext. Gefunden im alten Schrank.

    In einem verblüffend frühen Alter von knapp 14 Jahren habe ich eine Reblik auf ein Gedicht von Goethe geschrieben.

    Goethe und der Narr (Ich)

    Goethe:
    Lass dich nur zu keiner Zeit
    Zum Widerspruch verleiten!
    Weise fallen in Unwissenheit,
    Wenn sie mit Unwissenden streiten.

    Der Narr (Ich):
    Aber ach! mein wahrer, guter Held!
    Spannen Seile nicht ein Zelt?
    Klingnschlag von Hirn zu Hirne
    Bringt erst Weisheit auf die Stirne.

    Alte Schränke habens in sich.

    Grüße von Avenarius

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 30. Juni 2010 um 18:11

    Lieber Avenarius,
    alte Schränke sind tief, oder wie heißt das?
    Vielen Dank für Ihr frühes Gedicht.
    Sind sie dran geblieben,
    an der Produktion von Lyrik?
    fragt
    Aléa

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 30. Juni 2010 um 22:37

    …dran geblieben? Nein.
    Die wunderbaren Einfälle nahmen mit der Zeit zusehends ab. Zuerst tröstete ich mich mit einem Gedanken, den ich einmal bei Enzensberger zufällig gelesen hatte; daß nämlich das Gedicht sozusagen die Fokusierung, das Brennglas der Erfahrungen sei, daß es ein Weile daure, bis genügend zusammenkomme, damit das Gedicht dann entstehe.-
    Ich wartete also bis der Bauch meiner Phiole sich anfülle, damit -Paff!- dann das Gedicht mit einem Schlage aus der Öffnung ihres schlanken Halses schieße! Ich wartete vergebens. Vielleicht war da ein Leck im Bauch meiner Phiole, vielleicht.
    Die Erfahrungen strömen jetzt durch mein prosaisches Gekritzel, und ich muß aufpassen, daß nicht ein Gedicht daraus wird.

    Freundliche Gruße

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