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  • Aléa Torik: Lieber Avenarius, vielen Dank für die wohlmeinenden Worte. Die tun mir mehr gut als Sie glauben mögen. Ich werde weitermachen, weil es auch für den nächsten Roman wichtig ist. Und ich werde wohl die Kommentarfunktion deaktivieren. Das ist eine schwierigere Entscheidung als man...
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  • Aléa Torik: Liebe Azadeh, ich überlege, die Kommentarfunktion gänzlich auszuschalten. Ich habe mich aber noch nicht entschieden. Aléa
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  • 01 April 2010

    Umgang mit Sexualität

    Nachdem in den Dschungeln die Wogen hoch geschlagen sind, oder die Unwetter herunter, nachdem ich mich auf eine Weise eingemischt habe, die mir selbst nicht behagt hat – obwohl mein höchstes Lebensziel sicher nicht die Behaglichkeit ist – und nachdem ich gestern Abend eine ziemlich außer Kontrolle geratene Diskussion mit meinem besten Freund, meinem schwulen und promisken und besten Freund Julian hatte, wo ich Sachen gesagt habe, die ich nicht habe sagen wollen, wobei ihm das genauso ging, und ich heute wieder in den Dschungeln nachgeschaut habe, ob‘s neue Schweinerein gibt, mit einem Hang zur Obszönität und auch dem gegenteiligen Hang, mit dem Hang hinzuschauen und auch dem wegzuschauen, und ich zu keiner irgendwie zufriedenstellenden Verhaltensweise finde, ich vor allem an Julian denke und seine mühsam um Fassung ringende Aussage, dass Kultur und Sexualität sich nicht vereinen lassen, und dass ich als Künstlerin das verstehen müsse, dass Menschen nicht mit Sexualität zurande kommen – was ich für Unsinn halte, und das bei Julian! – habe ich mich entschlossen, die ganze Sache abzuhaken, ich meine, die Suche nach einer Formulierung abzuhaken, die Sexualität in Deutschland in Berlin beschreibt, meinetwegen auch in Europa in einer großen Stadt, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, obwohl ich einfach nicht glauben kann und nicht will, dass man kein Verhältnis dazu findet und das Leben immer und immer wieder nur in Anfechtungen und Verlockungen und aufrechterhaltenen und überwundenen Widerständen besteht und ich lediglich weiß, dass ich nicht mit Sexualität umgehen kann, die sich benimmt als sei Sexualität selbstverständlich. Weder bei den Enthemmten noch bei den Puritanern.

    Also lasse ich die Sache so stehen wie sie sich für mich derzeit darstellt. Mir fehlt nichts als das zentrale Wort: Je höher die Kultur, desto … ihr Umgang mit Sexualität.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.



    Kommentare

    Kommentar von Julian
    Datum/Uhrzeit 1. April 2010 um 21:13

    Aléa!
    Ich versuche schon den ganzen Tag dich zu erreichen, leider ist dein Handy ausgeschaltet. Das hat dich offenbar sehr getroffen. Mich auch! Ich will mit dir reden. Bitte ruf mich an.
    Julian

    Kommentar von MelusineB
    Datum/Uhrzeit 1. April 2010 um 22:45

    Liebe Alea,

    ich freue mich, in Ihrem Blog (ich schrieb gerade Block, ein Freud´scher Verschreiber) die Frage konzentriert gestellt zu lesen, um die in der Dschungelwelt alles nur zu k r e i s e n scheint.

    Und es ist schade, dass – offenbar – diese Suche, auch gute, sehr gute Freundschaften belastet. Die Erfahrung mache ich auch.

    Ich habe das Wort nicht gefunden. Aber zwei Krücken: eine ist der Aufsatz von Martha C. Nussbaum über “Verdinglichung” (in: Konzeption der Liebe, des Begehrens und der Fürsorge, bei reclam). Sie schreibt davon, dass und wie die Selbstpreisgabe (als “Flucht aus dem Gefängnis des Selbstbewusstseins”) zur Liebeserfahrung gehören kann. Man könnte vielleicht befürchten:
    “Je höher die Kultur, desto “undinglicher” ihr Umgang mit Sexualität.
    (Das führte aber zu vielen Missverständnissen, zweifellos. Aber ich glaube schon, dass da ein Problem liegt.)

    Eine andere Krücke für mich: G.C. Lichtenbergs “Briefe über die Macht der Liebe”, die richten sich vorgeblich gegen die – kulturell erzeugte – “poetische Faselei” von Liebe (zugunsten “natürlicher”) Triebe: “endlich lerne dein braunes Mädchen genießen, wie dein braunes Brot – von Hunger verklärt und gewürzt, wie dein Landmann tut, so wirst du glücklich wie er”, empfiehlt er. Das schreibt er aber keinem männlichen Studenten, sondern höchst artifiziell einer Frau, an die er nicht ran kann oder sich nicht ran traut.

    Folgte man hier, könnte man einsetzen: “Je höher die Kultur, desto indirekter (und “unpraktischer”) Ihr Umgang mit Sexualität.”

    Aber beide Lösungen sind einerseits nicht präzise und andererseits nicht umfassend genug.

    Das Rätsel, die Aufgabe aber, die Sie gestellt haben, ist gut.

    Ich hoffe, mit Julian führen Sie ein gutes Gespräch.

    Liebe Grüße

    M.B.

    Kommentar von chSchlesinger
    Datum/Uhrzeit 2. April 2010 um 00:25

    Hätten meine Eltern mich als Kind vor die Wahl gestellt, ob ich “Siddhartha” von Hermann Hesse lesen oder lieber mit Playmobil spielen wolle? hätte ich mich für Playmobil entschieden.
    Und so ist es mit der Sexualität. So lange ein Mensch keine höhere Ebene findet, kommt er nicht darüber hinweg.

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 2. April 2010 um 10:59

    Das ist keine neue Frage. Es ist auch eine Frage nach dem unmittelbaren Glück. Dieses ist beispielsweise für Hannah Arendt eng mit dem Bilde des nach getaner Arbeit “im Schweiße seines Angesichts” sein Brot essenden Menschen verknüpft. Für sie zumindest das Urbild des Glücks. Für den Intellektuellen (und das ist bei Arendt der Preis für das Denken)gibt es demnach gar kein unmittelbares Glück. Es gibt keine glücklichen Intellektuellen. Und dies nicht, weil es keine geistige Anstrengung mit darauffolgender Erschöpfung gäbe, das gar nicht, sondern weil dies eine geistige Arbeit ist.
    Es ist Ostern, aber es war nicht pfäffisch gemeint.

    freundlichst

    Kommentar von ANH
    Datum/Uhrzeit 2. April 2010 um 12:00

    Schon klar, Herr chSchlesinger, daß Sie über die Sexualität “hinweg”möchten; ich kann Sie aber beruhigen: Ganz sicher haben Sie das längst geschafft.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 2. April 2010 um 12:11

    @ chSchlesinger:

    Ich will nicht drüber hinwegkommen, weder über die Literatur noch über die Sexualität. Beides ist nicht die niedere Ebene. Und ich glaube Ihnen auch nicht. was Sie mir hier weismachen wollen, nämlich dass Sie gewählt und das Höhere gewählt haben, denn bei einem Ihrer letzten Post haben Sie noch damit geprahlt, dass Sie bezahlten Sex schätzen. Es wäre vielleicht besser gewesen, Sie hätten damals ihre Zeit mit Spielzeug verbracht statt mit Hesse. Dann könnten Sie heute frei wählen und würden vielleicht doch Ihre Sexualität wählen. Auch wenn es die schwierigere Wahl ist. Und vielleicht sogar, weil es sie ist. Meine Auffassung zu dem Thema finden Sie übrigens hier: http://www.aleatorik.eu/2009/12/29/das-tragische-element/

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 2. April 2010 um 13:09

    Lieber Alban,

    niemals käme es mir über die Lippen, Ihre Neugier, was den Profi betrifft, etwa mit dem Wort Eifersucht zu bezeichnen. Nie und nimmer!

    Zum gestrigen Abend: nachdem mich die Diskussion im Dschungel über Sexualität doch mehr irritiert hatte als ich das wahrhaben wollte, ich mich vorgestern mit Julian gestritten hatte, gab es gestern ein langes Gespräch zwischen uns beiden. Julian ist, wie man das so verschleiernd sagt, vom anderen Ufer, aber ansonsten ähnlich freizügig wie Sie und also vom gleichen Fluß. Wir sind dann, ich weiß nicht wie, auf diese Bar am Lützowplatz zu sprechen gekommen, die ich nur dem Namen nach kannte und Julian hat vorgeschlagen, dass wir dort hingehen. Dieser überaus attraktive Mann an meiner Seite, mit graumelierten Schläfen, das war Julian. Wenn wir das nächste Mal wieder miteinander reden, dann reden wir über das Gebiet, auf dem Sie offenbar ein Genie sind: selektive Wahrnehmung. Sie haben Julian nicht einmal gesehen! Ich fasse es nicht. Aber immerhin: Ihre Wahrnehmung, dass Sie und ich nicht miteinander ins Bett gegangen sind, die kann ich bestätigen!

    Irgendwann hat Julian sich mit den Worten von mir verabschiedet: Heten sind ja noch schlimmer als Homos. Er hat darüber gelacht, wie ich da von einem zum nächsten Mann weitergereicht wurde. Und ich nehme es ihm, Julian, ein bisschen übel, dass er sich offenbar keine Gedanken gemacht hat, wie ich nach Hause komme. Oder mit wem. Aber genau das war ja auch das Streitthema zwischen uns. Das war dann zu meiner Überraschung, weil ich mich für eine Sekunde etwas einsam und verlassen fühlte als Julian gegangen war – kennen Sie diese sekundenlange Einsamkeit? – ein sehr netter Abend. Sie haben ja ganz charmante Freunde. Und es war tatsächlich keiner dabei, der mir mit ungenügenden Formulierungen den Hof machen wollte. Ganz im Gegenteil.

    Ach ja, selektive Wahrnehmung: die Bewerbungsfrist für die Villa Aurora läuft am ersten Mai ab. Manche Dinge und Entscheidungen, die man glaubt hinter sich zu haben, die hat man in Wahrheit noch vor sich. Ich bewerbe mich übrigens auch. Obwohl ich keine Chance habe, weil man eine Veröffentlichung vorweisen muss und die habe ich nicht. Aber ich bewerbe mich dennoch.

    Das wird ein schöner Sonnentag. Ich hoffe, Sie werden den genießen! Und: grüßen Sie mir die Herren von gestern Abend!

    Ach ja, chSchlesinger: das ist eigentlich Ihr Verehrer, nicht meiner!

    Aléa

    Kommentar von chSchlesinger
    Datum/Uhrzeit 2. April 2010 um 13:35

    Auch heute noch kaufe ich Playmobil. Etwa ein Hochzeitspaar, das meine Frau und ich ganz witzig fanden. Ich sammle Playmobil, aber ich spiele nicht mehr damit.
    Prostituierte empfinde ich als viel zu aufwändig für so ein geringes Vergnügen. Entsprechende Paysites gönne ich mir. Damit bin ich in etwa im Einklang mit dem, was Martin Luther als “nächtliche Pollutionen” thematisiert.
    Johannes Paul II. ist für mich eine sehr erstrebenswerte Form des Daseins. Und ich empfinde es als angemessen, dass mehr Menschen an seinem Sarg trauerten als an dem von Henry Miller.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 2. April 2010 um 14:02

    Liebe Melusine,

    Sie geben das richtige Stichwort, so dass ich es nur noch aufschreiben muss: das hier ist kein Wunderblock, sondern ein WUNDERBLOG! Ein Arbeitstag, der mit so einem Lachen beginnt, der kann gar nicht mehr schiefgehen. Obwohl ich meine Tage eigentlich nicht nach geometrischen Erwägungen, nach gerade und schiefen Ebenen und Empfindungen ausrichte. Und richtig schief kann ja auch sehr aufregend sein.

    Ich freue mich sehr über Ihre Nachricht. Und ich fühle mich auch ein bisschen geehrt. Das was sie mit ANH da drüben haben, das gehört derzeit zum Interessantesten, was im Urwald passiert. Es ordnet ein bisschen seine Zügellosigkeit und zwingt ihn, Strenge walten zu lassen.

    Im Umgang mit Sexualität spielt der eigene Umgang natürlich die erste Rolle. Ich bemerke derzeit, wiederholt natürlich, meine Lust auf Männer. Oder die, mich als Frau zu fühlen, wozu Männer in der Tat ganz gute Versuchskaninchen abgeben. Ich bin ein bisschen auf der Suche. Ich schaue herum, ich lasse mich anschauen (was ich oft als schwieriger empfinde). Eine lang schon beendete Beziehung wird gerade Vergangenheit. Ich brauche dafür Zeit. Ich brauche Zeit, um zu vergessen um Hoffnungen und Enttäuschungen zu den Akten zu legen. Ich kann nicht mit dem nächsten Mann den vorhergehenden vergessen. Das sind bei mir getrennte Dinge. Weil ich also mit meiner eigenen Sexualität konfrontiert werde, empfinde ich, was da drüben an Polemiken, die ANH gekonnt provoziert, losgelassen wird, besonders belastend. Natürlich spielt meine Mitbewohnerin Olga da eine Rolle, die ganz anders mit ihrer Sexualität umgeht als ich mit meiner.

    Julian ist übrigens der Meinung, dass die Verbindung von Kulturhöhe und niederer Sexualität, so wie ich das mache, falsch formuliert ist. Er würde sagen, eine Kultur muss zu den kulturellen Praktiken, die sie entwickelt, auch eine Sexualpraktik entwickeln. Aber das ist mir zu utilitaristisch. Ich bin der Meinung, dass Sex in Städten anders aussieht als auf dem Dorf. Und dass Sex in einer Gesellschaft wie dieser hier anders aussieht als in einer eher bäuerlichen Gesellschaft. Ich glaube auch, dass wir uns heute schwerer tun. Ich glaube nicht, dass es früher besser war. Einer der Gründe, warum ANH so viel Verachtung entgegenschlägt, ist, weil er einen (scheinbar) unverkrampften Umgang mit Sex hat. Was wiederum für Verkrampfung bei mir sorgt, weil ich glaube, dass es niemanden gibt, der keine Schwierigkeiten mit Sexualität hat. Wie Freud sagte, ich paraphrasiere, ich weiß nicht mehr wo, vielleicht im Narzissmusaufsatz von 1915?,: Es gibt keinen Mann der Schwierigkeiten mit der Homosexualität anderer Männer hat. Sie haben Schwierigkeiten mir ihrer eigenen.

    Ich kann die obige Gegenüberstellung leider auch nicht beenden. Ich verstehe die Worte Lichtenbergs nicht richtig, aber ich glaube nicht, dass diese Naturromantik uns da weiterbringt. Denn romantisch ist der Umgang im Dorf mit Sex nicht unbedingt. Jedenfalls nicht in dem Dorf aus dem ich komme. Und obwohl ich das glaube, habe ich dennoch einen romantischen Zugang: ich schätze eine Sexualität die mit Liebe daherkommt. Liebe ist für mein Empfinden etwas Exklusives. Anders als Sex. Und ich will das eine nicht ohne das andere.

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 2. April 2010 um 14:15

    Lieber chSchlesinger:

    Sie kaufen Hochzeitsfiguren von Playmobil, gucken Pornoseiten im Internet, sind so im Einklang mit Martin Luther und halten den Papst für eine erstrebenswerte Form des Daseins. Dann haben wirs damit wohl auf den Punkt gebracht.

    Was sagt Ihre Frau eigentlich zu Ihrer überwundenen Sexualität? Hat die die Ihre auch an den Nagel gehängt? Oder – und das ist jetzt wirklich böse, aber ich will Sie ein bisschen schockieren und wachrütteln, was Sie da eigentlich gesagt haben – trifft sich ihre Frau heimlich mit ANH?

    Aléa Torik

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 2. April 2010 um 15:34

    Lieber Avenarius!

    “Es gibt keine glücklichen Intellektuellen”. Da bin ich mir nicht so sicher. Ich kenne Hannah Arendts Argumente nicht, aber das Glück allein an seiner Hände Arbeit festzumachen, das reicht mir nicht als Definition von Glück. Und darüber hinaus, ich arbeite auch mit meinen Händen und wo ist der Unterschied, ob ich einen Pflug oder einen Füller oder eine Tastatur bewege? Arendt war doch Schülerin Martin Heideggers, nicht wahr? Ich kenne Heidegger nicht gut genug, aber meines Erachtens klingt diese Metaphorik aus “Sein und Zeit” an – wenn jemand vom Schweiße des Angesichts redet, also von richtiger Arbeit, keiner Schreibtischarbeit – wo er über den Unterschied von “vorhanden” und “zuhanden” spricht. Wo ist denn das noch mal? Ich finde das Buch nicht. ich finde es auch nicht gut. Eben habe ich schon Freund zitiert, ohne zu zitieren jetzt mache ich das schon wieder, dieses paraphrasieren. Sie kennen Heidegger bestimmt besser als ich.

    Sie werden jetzt nicht sehr glücklich sein mit meiner Antwort nicht? Glück ist eben mehr als …

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von chSchlesinger
    Datum/Uhrzeit 2. April 2010 um 17:02

    Meine Frau als Lady Chatterley, die sich mit dem Wildhüter trifft? Dann gäbe es Bordelle für Frauen, ein richtiges Milieu, vielleicht gar Triebtäterinnen, welche junge Männer erwürgt im Straßengraben zurück lassen. Meine Frau hat es nicht nötig, mit dem Bedienen von Männerphantasien Fuß fassen zu müssen. Und für Dates mit einem Daddy ist sie vom Vermögen her viel zu unabhängig.

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 2. April 2010 um 17:04

    Liebe Alea Torik,

    Sie sind bewundernswert schnell. Und treffsicher dazu (mit dem Jargon der Eigentlichkeit haben Sie wahrscheinlich recht; aber aus Arendts Blickwinkel ergeben sich liberalere Einsichten).
    Ich werd nochmal darüber nachdenken und die Textstellen zusammensuchen. Das hat man davon, wenn man jemanden zitiert!
    Ansonsten möchte ich mich zu diesem Thema nicht weiter äußern, zumal da noch heiße Eisen herumgereicht werden. Diese werden bekanntlich von einer in die andere Hand geworfen und können nicht festgehalten werden. Immerhin, könnte man sagen, zeigt sich hier der wahre Artist. Schlesingers Bemühungen haben, wenn ich das so sagen darf, keinen Funken Poesie.
    Ja, mit Ihrer Antwort bin ich nicht glücklich, das stimmt.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 2. April 2010 um 22:33

    Herr chSchlesinger,
    um im Bild zu bleiben: wenn ich jetzt noch eine Erwiderung wagen würde, dann hätte sie etwas mit dem Wort “VERMÖGEN” zu tun. Aber das wäre mir zu ARMselig. Deswegen schlage ich vor: jetzt REICHts!

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 2. April 2010 um 22:38

    Lieber Avenarius,

    das hier ist ein Literaturblog, eine Theorie dazu finden Sie bei Alban Nicolai Herbst. In den letzten Tagen ist es ein Sexualblog, es ist immer auch ein persönliches Blog, nämlich meins, manchmal ist es ein Erkenntnisblog, heute Morgen, und da bin ich besonders stolz drauf, war es ein Wunderblog, aber es ist leider niemals ein Glücksblog. Das liegt nicht an mir, das bietet der Provider nicht an. Von daher, wenn Sie nicht glücklich waren: das liegt außerhalb meines Verantwortungsbereichs.

    Was Sie zu Herrn Schlesinger sagen, das kann ich unterstreichen, frei von poetischer Kraft und jedwedem Humor. Er wird es bald merken, dass dies hier nicht seine Gefilde sind.

    Das ist eine sehr schöne Bemerkung, dass heiße Eisen herumgereicht werden, die keiner richtig festhalten will.

    Ich freue mich, wenn Sie noch einmal etwas zu Hannah Arendt sagen würden.

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von henry XXVLL
    Datum/Uhrzeit 3. April 2010 um 07:00

    Hallo Alea,

    meine erste Frage lautet: Warum wollen sie ausgerechnet Schriftstellerin werden; warum wollen sie sich das antun – ich meine, gibt es fuer junge gebildete & attraktive frauen nicht mehr genug Ausweichmoeglichkeiten – oder haben sie einfach nur einen extrem ausgepraegten hang zum Sadismus? – Studieren gut situierte kids wie sie normalerweise nicht Jura oder BWL ?
    Zweitens, was haben sie bisher geleistet, bzw. was ist ihr persoenlicher antrieb; sind sie sich ueberhaupt dessen bewusst, was sie da vorhaben? – Wissen sie, wieviele Autorinnen vor ihnen bereits klaeglich gescheitert sind, welche mindestens so viel talent hatten wie sie, wenn nicht sogar einiges mehr! Ich kenne nur die Bachmann & die Jelinek.
    Drittens, sie wurden relativ schnell bei litblogs aufgenommen, und anschliessend um so schneller mit ANH in der Dschungel.Anderswelt bekannt; macht ihnen das ueberhaupt keine Angst, ich meine, so von null auf einhundertachzig? – Das sollte es aber! – Neulich wurden sie sogar von M.Perkampus in dessen Blog auf der Veranda verlinkt, was ich natuerlich besonders perfide fand, weil ich den besagten Herrn ja bereits seit einige Jahre kenne und nicht besonders viel gutes ueber ihn berichten kann. Pe ist eben ein notorischer Lava-spuckender, philosphischer Vulkan, der halt alles verschlingt und nichts wieder hergibt, was je in seinem Schlund verschwand; gelegentlich verschlingt er sogar in ungnade gefallene freunde oder gespielinnen. Seien sie jedenfalls gewarnt, falls er jemals seine samtweichen pfoten nach ihnen ausstrecken sollte, welche sich spaeter als gemeine krallen offenbaren!
    Ich sage ihnen dies nur, weil ich Perkampus besser kenne, als er sich selbst; und weil er in der vergangenheit bei Litblogs schon mal Mitglied war, jedoch aufgrund einer deftigen persoenlichen Auseinandersetzung mit einem kollegen dort ausscheiden musste. Zudem ist er hinreichend dafuer bekannt, dass er Kolommnisten auf seinen Blog wie Dreck behandelt, sobald diese in seinem Sinne kein Textmaterial mehr liefern koennen oder wollen. – Oh, sie fragen mich nun sicherlich, warum ich so respektierlich ueber gewisse Zeitgenossen spreche; ja glauben sie denn wirklich, dass ich jemals vergessen kann? – Ein Schrifsteller vergisst niemals!!! Ich kann ihnen noch in hundert Jahren von der Laermenden Akademie erzaehlen, ein Marihuana -Hirngewaechs, welches niemals existierte, ausser im Oberstuebchen von Pe.
    Deshalb mein ganz persoenlicher tipp an sie: lassen sie sich n i e m a l s auf eine persoenliche Beziehung mit einem Schriftsteller-Kollegen aus dem Internet ein; die Jungs haben einfach ein total ueberhoehtes selbstwertgefuehl, was nicht selten in einer katastrophe endet. Was wollen sie z.b mit ANH, ein Blender par Excellence.
    Bewerten sie meinen diesen kommentar bitte nicht als persoenlichen rundumschlag gegen die sogenannte netzliteratur, sondern bilden sie sich unabhaengig davon eine eigene meinung; ich behaupte jedoch, dass die grosse mehrzahl sogenannter netzliteraten, welche heute noch mit viel tam-tam gefeiert & texte in blogs veroeffentlichen, schon in wenigen jahren in voelliger vergessenheit geraten werden. – Das Internet wird immer weiter wachsen und noch viel groesser, und gleichzeitig werden die lokalen Informationen immer unbedeutender; sprich bei google werden in zukunft nur noch die refferer an oberster stelle plazert sein, die dementsprechend zahlungskraeftig sind oder monumental werben.
    In dem Bewusstsein, dass dies mein erster schuechterner kommentar auf ihren blog ist, moechte ich sie zum schluss nartuerlich nur ungern im Regen stehen lassen; ich muss ehrlich gestehen, dass mich ihre jugendliche frische & euphorie selbstverstaendlich begeistert. Ich gehoere aber leider nicht zu denen, die mit lautem Tam-Tam & Macho-Pancho-Gehabe auf sich Aufmerksam machen. Ich begleite sie aber weiterhin unauffaellig, und wenn es sein muss, dann gebe ich mich auch zu erkennen. Allerdings denke ich, dass dies nicht noetig sein wird, weil ich mein groesstes Anliegen bereits losgeworden bin!
    Ich wuensche ihnen weiterhin gutes gelingen & aussergewoehnlich gute Texte!!!

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 3. April 2010 um 07:54

    Henry xxvll:

    Das war ja ein langer Kommentar für den ersten Einstieg in dieses Blog. Ganz am Ende habe ich sogar ein Kompliment gefunden.

    Zu einigen Dingen kann ich mich nicht äußern, Ihrem Verhältnis zu Schriftstellerkollegen beispielsweise. Zu anderen will ich mich nicht äußern, der Zukunft der Literatur im Netz etwa.

    Ein Aspekt, den Sie benennen ist allerdings für mich von überragender Wichtigkeit: mein Wunsch Schriftstellerin zu werden. Das ist das Wichtigste in meinem Leben. Ich sage Ihnen etwas: Ich habe ANGST! ANGST vor dem Betrieb, ANGST davor unterzugehen, ANGST aus irgendwelchen betriebswirtschaftlichen Erwägungen heraus abserviert zu werden ohne jemals bedient worden zu sein. ANGST sitzt bei mir in jeder Ecke. Aber anders als Sie, lasse ich mich von meiner ANGST nicht ins Bockshorn jagen. Denn ANGST ist ein Gefühl. Und ich habe was übrig für Gefühle, vor allem für meine eigenen. Wenn ich so viel ANGST habe, dann muss die sich ja ausgesprochen wohl bei mir fühlen. Deswegen habe ich mich entschlossen, mich mit meiner ANGST auch wohl zu fühlen. Wir beide sind ein gutes Paar und bleiben vielleicht, wer weiß das schon?, für immer zusammen!

    Eines aber bin ich sicher nicht: ängstlich. Für Diminutive bin ich nicht zu haben!

    Herzlich grüßt Sie
    Aléa Torik

    Kommentar von Ulrike Berretz
    Datum/Uhrzeit 3. April 2010 um 08:02

    Guten Morgen Aléa ,
    mein erster Impuls war zu schreiben : Je höher die Kultur, desto unsicherer ihr Umgang mit der Sexualität . Jetzt füge ich noch dazu: unursprünglicher.

    Herzlich
    Ulrike

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 3. April 2010 um 08:13

    Guten Morgen Ulrike!

    Der Vorschlag “unsicher” gefiel mir erst besser. Jetzt denke ich , dass das andere Wort nicht weniger treffend ist, aber ich habs nachgeschaut, das gibt es gar nicht. Gibts da nichts anderes, ein Wort, das dieses Wort beschreibt?

    Ich habe nachgeschaut, wo dein Dorf liegt und war überrrascht. Ich hatte es in Bayern einsortiert. Komischerweise sortiere ich alle Dörfer nach Bayern. Falls es einmal ein gesamtdeutsches “Raumordnungsverfahren” (das ist neu in meinem Wortschatz) gibt, werde ich mich bewerben und das ganze Land hier umsortieren. Ich glaube, ich mag die Berge, ich komme ja auch aus einer bergigen Gegend und manchmal kann ich das hier, die Gegend, nicht richtig ernst nehmen. Hier fehlt einfach etwas, an der Gegend meine ich.

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von henry XXVLL
    Datum/Uhrzeit 3. April 2010 um 08:14

    Klar,ihre Reaktion war irgendwie vorhersehbar! – Der Fehler lag eindeutig bei mir, sorry!

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 3. April 2010 um 08:20

    Henry,

    das war kein Fehler, sondern einfach eine andere Einschätzung. Sowohl was das Verhältnis zum Literaturbetrieb angeht – wenn es diesen Betrieb überhaupt gibt, das ist ja keine homogene Masse – als auch zu meinem Berufswunsch. Ich wäre gar nicht dafür geeignet, wenn ich der Angst ausweichen würde. Ich kanns mir nicht leisten ausweichend zu leben. Deswegen lebe ich konfrontativ.

    Aléa

    Kommentar von henry XXVLL
    Datum/Uhrzeit 3. April 2010 um 08:27

    wie kann man das, wenn man lediglich wallace gelesen hat, oder ist mir da etwas entgangen …?

    Kommentar von Ulrike Berretz
    Datum/Uhrzeit 3. April 2010 um 08:41

    Liebe Aléa ,
    weils das Wort nicht gibt, habe ich auch gezögert es zu schreiben . Es scheint kein Wort zu geben … vielleicht findet ein/e Wortkünstler/in das passende ???
    Hier gibts keine Berge – auch keine Hügel. Doch, einen !!, wo sich im Winter hunderte! Kinder mit ihren Schlitten trafen, um etwas Geschwindigkeitsrausch erleben zu können. Der Hügel existiert nur , weil hier im 19 Jh bis in die 30er Jahre des nächsten Jh Strontianit abgebaut wurde durch Italiener- es gibt schöne alte Bücher , in denen beschrieben ist, wie die Männer den westfälischen Frauen den Kopf verdreht haben und Geld hatten sie auch- war eine gefährliche Arbeit und damals noch “gut” bezahlt .Südländisches Flair ist hier nicht zu finden – der Strontianitrausch war schnell vorbei.
    Ich vermisse hier die Wälder – da wo ich ursprünglich herkomme, kann mensch stundenlang durch Bäume spazieren.
    Herzlich, Ulrike

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 3. April 2010 um 09:22

    Henry:

    Ich schrieb, dass ich konfrontativ lebe und Sie wollen mich jetzt mit der Äußerung über Wallace provozieren. Sie wollen eine Konfrontation mit mir. Der Kontext in dem das hier steht, lautet: “Umgang mit Sexualität” Verstehen Sie dies auch so wie ich das gerade verstehe?

    Aléa

    Kommentar von Ulrike Berretz
    Datum/Uhrzeit 3. April 2010 um 09:42

    Liebe Aléa ,
    Je höher die Kultur , desto weniger ursprünglich ihr Umgang mit der Sexualität .
    Das ist eine Lösung, die mir nicht gefällt. Unursprünglicher ist noch weniger als weniger .
    Schönen Tag, Ulrike

    Kommentar von ANH
    Datum/Uhrzeit 3. April 2010 um 10:18

    @henry xxvll: Sie werden mir hoffentlich zugestehen, daß mit unterdessen zwanzig Büchern geblendet zu haben, immerhin a u c h eine Leistung ist. Außerdem (glauben Sie mir): zu blenden ist jeder Blendung vorzuziehen. Lächelnd, Sie blendend wie Jupiter Semele:
    ANH
    http://www.albannikolaiherbst.de

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 3. April 2010 um 12:30

    Lieber Alban, lieber Henry XXVLL,

    ich habe, indem ich gar nicht reagiert habe, falsch reagiert.

    Da ändere ich hiermit: Henry XXVLL, Sie können mir hier gerne etwas Schönes ins Poesiealbum schreiben, meinetwegen auch etwas Unschönes, und, wenn es gut formuliert ist, auch etwas Böses. Aber ich möchte nicht, dass hier andere Leute beleidigt werden, so dass die dann noch gezwungen werden, Richtigstellungen vorzunehmen. Wenn Sie, und da sind Sie nicht der Einzige, ein Scharmützel mit ANH ausfechten wollen, dann sind Sie hier falsch. Das müssen Sie in den Dschungeln machen. Da kann der Herr der Dschungel dann entscheiden, wie er mit den Angriffen umgeht. Hier kann er das nicht, hier muss ich entscheiden. Und ich bin bereits mit den Entscheidungen, die ich für mich zu treffen habe am Limit meiner Leistungsfähigkeit. Ich bitte Sie also, um allen Beteiligten Genüge zu tun: wenn Sie etwas von mir wollen, bekommen Sie das, möglicherweise, hier. Zumindest bekommen Sie einen hübschen Korb. Wollen Sie hingegen etwas von Herrn Herbst, müssen Sie die Seite wechseln. Mich hat der Herr Herbst bisher nicht geblendet und wenn es so war, dann habe ich das offenbar sehr genossen.

    Und damit habe ich, wie ich das empfinde, meine Verantwortung als Administratorin dieses Blogs wieder hergestellt.

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von ANH
    Datum/Uhrzeit 3. April 2010 um 12:49

    Touchée, Aléa!

    Kommentar von Nana
    Datum/Uhrzeit 4. April 2010 um 14:22

    Ein Blog, in dem sich alles um Herrn Herbst dreht. Wie öde. Wie blöde. Wie schnöde.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 4. April 2010 um 14:45

    Mensch Nana:

    Ich kenne den Herrn Herbst jetzt seit etwa zwei Wochen. Diese Blog ist seit beinahe einem Jahr online. Da wird sich bei etwas genauerer – und seriöser – Betrachtung kaum behaupten lassen, dass sich hier alles um Herrn Herbst drehe. Du bist jetzt hier die ich weiß nicht wievielte, seit ich den ersten Eintrag zu meinem Treffen mit ANH gemacht habe, die sich über mich an Alban Nikolai Herbst wendet. Eigentlich willst du gar nichts zu meinem Blog sagen, nicht zu meinen Texten und nichts zu mir. Du wendest dich qua Verneinung (Sigmund Freud, Die Verneinung, lesen und verstehen musst du es ohne mich) an Alban Nicolai Herbst. Dann sei doch bitte so erwachsen, und mache das auch und beklage dich nicht hier in meinem Blog.

    Kapiert ihr alle miteinander nicht eure Faszination, die ihr offenbar nur ertragen könnt, indem er sie leugnet? Lasst doch euren (Sexual-)phantasien freien Lauf, statt sich hier so gewunden bei mir zu beklagen.

    In meinen Texten geht es um Literatur, es ist nicht dieses Blog, das sich um Herrn Herbst dreht, es sind eure Phantasien.

    Nana, ich bin stinksauer auf dich!

    AT

    Kommentar von cellini
    Datum/Uhrzeit 4. April 2010 um 18:11

    Liebe Aléa.

    “Je höher die Kultur, desto … ihr Umgang mit Sexualität.”

    Diesen Satz schau ich mir nun schon eine ganze Weile immer wieder an. “Je höher die Kultur…..” Ich frage mich, was bedeutet hohe Kultur, wie definiert man diese Eigenschaft in Bezug auf die Kultur die sich in unseren Breitengraden seit Jahrzehnten wie entwickelt. Haben wir wirklich eine höhere Kultur?, oder müsste man eine andere Begrifflichkeit benennen, weil in unseren Zeiten alles nur noch schneller, schöner, besser, höher… noch schneller, schöner, besser und höher werden muß, was meiner Meinung dazu führen wird, daß die metaphysische Frage irgendwann Insolvenz anmelden muß. Karl Krauss schrieb einmal, daß die Wirklichkeit sich aus der Phrase gebäre, Heidegger: Das Hören und Verstehen hat sich vorgängig an das Geredete als solches geklammert.” Die Sache ist so, wie man es sagt. Dazu Adorno: “Die Verfilzung des Geistes mit der Zirkulationssphäre in einer Phase, in der der objektive Geist vom ökonomischen Verwertungsprozess wie von Schimmelpilzen überzogen wird, welche die geistige Qualität ersticken.”
    Insofern frage ich mich, wie man diese auf einer solchen Ebene gewünscht genormt hohe Durchschnittlichkeit einer Kultur wirklich als Kultur bezeichnen kann. Im Grunde verhindert der Grad des erwünschten “Miteinanders” doch gerade das, was den Menschen wirklich etwas angehen könnte…. stellt somit diese gefühlt zufriedenstellende Durchschnittlichkeit her, die sagt, man gehöre dazu, die im Grunde die ist, die durch ihr Reden und Handeln dafür sorgt, daß sich keine Ausnahmen entwickeln können. Wie man das macht? Naja… schauen Sie sich um. Medien, Beschallung, Werbung, Radio, Bücher…. die Frage nach dem Sein wird nicht mehr gestellt, weil sie nicht mehr notwendig ist, weil die Antwort schon vor der Frage da war. Und deshalb stellt sich auch niemand mehr die Frage nach der eigen empfundenen Wertigkeit seiner Körperlichkeit. Körperlichkeit wird zu etwas unterhaltendem degradiert… etwas kurzweilig unterhaltendem, wie alles heute kurzweilig und unterhaltend zu sein hat. Diese unterhaltende Kurzweiligkeit wird notwendig… braucht immer wieder Nachschub: “Was geht ab?”
    Insofern stelle ich mir die Frage… ob die Begrifflichkeit “Höhere” Kultur die richtige ist.

    Kommentar von ANH
    Datum/Uhrzeit 5. April 2010 um 07:10

    Liebe Aléa,
    vielleicht sollte ich mich, siehe Nana, von Ihnen wieder zurückziehen; nicht Ihretwegen, nein, sondern weil ich im Netz wie in der “Realität” die Erfahrung gemacht habe, daß Menschen, die sich mir nähern, und zwar egal, welche Distanzen sie dabei zeigen, egal, o b sie sie zeigen, in eine seltsame Art von Gruppenhaft genommen werden. Im Netz zeigt sich enorm deutlich, welch ein sozialer Druck ausgeübt wird. Nicht selten sage ich jungen Autoren, denen ich im Betrieb etwas helfe, was ich ja kann: “Erwähnen Sie aber klugerweise nicht, daß Sie den Tip von mir haben; erwähnen Sie mich besser g a r nicht.”
    Sie bekommen jetzt, Aléa, etwas ab, was Ihnen möglicherweise schadet. Das möchte ich nicht. Ablehnung ist in den seltensten Fällen rational, man darf das nicht vergessen; Sie sind aber auf Angenommensein angewiesen. Wenn wir uns dennoch wieder treffen, lassen Sie uns am besten öffentlich kein Wort mehr darüber verlauten. Ziehen Sie Ihre Schlüsse einfach still. Sie brauchen mich auch gar nicht, haben eine solche Kraft, in den Menschen, auch wichtigen, Begehren und Sympatien zu entzünden, und so viel Geist und Intensität, daß es einfach schade wäre, verstellten Sie sich den noch freien Weg.

    Voller Achtung:
    Ihr ANH
    http://www.albannikolaiherbst.de

    Kommentar von avenarius
    Datum/Uhrzeit 5. April 2010 um 07:32

    Guten Morgen Cellini.

    Man kann auch die Frage stellen, je höher die Kultur desto… ihr Umgang mit dem Tode.
    Siehe die Ägyptische Hochkultur.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 5. April 2010 um 08:56

    Lieber Alban,
    Sie haben mir da etwas geschrieben, das mir gar nicht gefällt.

    Neben ein paar Tipps von Guido Graf, neben Zustimmung und Nestwärme durch Clemens Setz, habe ich aus dem Literaturbetrieb, was immer das ist und wer immer dahinter steckt, keinerlei Zustimmung oder Aufforderung erhalten. Sie waren der erste, der, ohne zu fragen was er im Gegenzug dafür bekommt, etwas für mich getan hat. Ich kann Ihnen dafür gar nicht genug danken. Ich will nicht, dass Sie sich zurückziehen!

    Sie haben recht, wenn Sie sagen, dass ich auf das Angenommen-werden angewiesen bin. Ich will mir in der Tat den Weg nicht verstellen. Von diesen Wegen gibt es nicht viele. Ich glaube Ihnen, was Sie hier beschreiben und was Sie mir ja auch erzählt haben, dass Sie polarisieren und Menschen zu heftigen Abstoßungsreaktionen animieren können (aber offenbar auch zu heftigen Anziehungen) und deswegen ist es wahrscheinlich gut, dies ein bisschen aus der Öffentlichkeit heraus zu halten. Ich meinerseits werde ab sofort alles löschen, was aus Richtung Nana & Co kommt. Das sind Trolle, die kotzen einem auf den Teppich, haben es nicht nötig, Guten Tag beim Hereinkommen zu sagen, geschweige, dass sie ihre Kotze wegwischen. Meine Zeit ist mir sowieso zu schade für solche mühsamen Verteidigungs- und Säuberungsaktionen.

    Ich glaube, Sie können sich nicht vorstellen, wie wichtig dieser Abend für mich war, als ich bemerkt habe, dass Sie mit meinen poetischen Ideen etwas anfangen können, dass Sie sich darauf einlassen und eigene Phantasien dazu entwickeln. Ihre Reaktion war für mich ein enorm wichtiges Signal, dass ich nicht irgendwelchen Wahnphantasien erlegen bin, sondern mich in einem POETISCHEN Raum bewege, der eine REALITÄT hat.

    Neben dem öffentlichen Raum gibt es ja noch andere Räume, in denen man einander begegnen kann. Um Sie mal bei Laune zu halten: Sie haben angefangen, meine Phantasie zu beschäftigen. Ich hatte mir gerade vorgestellt, wie Ihre Hand meinen Oberarm berührt und Sie anfangen, mich sehr intensiv anzuschauen. Und jetzt wollen Sie gehen?

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 5. April 2010 um 09:05

    Liebe Cellini,
    Sie bekommen selbstverständlich eine Antwort auf Ihren Kommentar. Ich wollte das heute Morgen tun, dann kam aber die Entgegnung an ANH dazwischen. Und jetzt will ich unbedingt an meinem Roman weiterschreiben. Roman ist, weitab von allem anderen Geschriebenen, von Mails und Blog, Kommentaren und Entgegnungen, mein Lebensmittelpunkt. Vielleicht kommt an diese Stelle eines Tages wieder ein Mensch, ich würde mich freuen. Spätestens heute Abend bekommen Sie eine Antwort.

    Herzlich
    Aléa

    Kommentar von ANH
    Datum/Uhrzeit 5. April 2010 um 18:03

    Es wäre, liebe Aléa, der Unterarm n i c h t. Nicht einmal anfangs. Weiteres aber nicht hier.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 5. April 2010 um 22:50

    Liebe Cellini,
    es ist beinahe halb elf geworden. Nach meinem letzten Artikel im Blog habe ich die Wohnung verlassen, das war mir zu einsam hier und bin eine Etage tiefer, zu meiner kleinen Freundin Stella gegangen. Die ist jetzt sechs. Ich habe mit meinen Nachbarn gegessen. Dann musste ich mit meiner Mutter telefonieren. Und jetzt habe ich, wie es aussieht, noch einen Arbeitsabend vor mir, so ungefähr zehn noch zu beantwortende Kommentare. Mal sehen wie weit ich komme.

    Mit einer hohen Kultur meine ich nicht unbedingt die deutsche Kultur, im Gegensatz zur rumänischen (obwohl es diese Gegensätze gibt); ich meine auch nicht die urbane Kultur im Gegensatz zur Agrikultur (obwohl es diese Gegensätze gibt); ich glaube, ich meine eher die intellektuelle Kultur. Die würde ich auch als meine eigene Kultur verstehen: den Zugang über den Kopf. Das meine ich mit höhere Kultur. Ich bin da in meiner Auffassung, glaube ich, ganz klassisch und nehme mit Freund an, dass wir Kultur durch durch Sublimation erkaufen, durch den Verzicht auf Sexualität . Ums direkt auszudrücken und ein bisschen derbe: wenn ich mit aller Kraft an meinem Roman arbeite, dann kann ich nicht mir einem Typ rumvögeln. Weil ich nicht kann: ich habe die (erotische) Energie dazu nicht.

    Ich weiß nicht, ob man das Verhältnis aufrechterhalten sollte, aber wenn, dann wäre mein Vorschlag also: Je höher die Kultur, desto sublimierter geht sie mit Sexualität um. Heute kann man eine Zahnbürste ja kaum noch verkaufen, ohne eine halbnackte Frau dabei zu zeigen. Aber wann hatten, die, die sich die halbnackte Frau angucken müssen, zum letzten Mal Sex? Sex wird wie eine Selbstverständlichkeit angepriesen. Aber es ist genau das Gegenteil. Sex besteht, scheint mir, immer mehr aus der Sehnsucht danach als aus einem wirklichen Sexualleben. Wie Sie ja auch sagen: Köper wird zur Unterhaltung. So auch Olgas Körper, meine Mitbewohnerin, die ihr Aussehen verkauft und ihren Körper, er dient zur Unterhaltung von Männerphantasien.

    Ich weiß nicht, ob das Ihren Überlegungen gerecht wird. Oder, weg von Gerechtigkeit, ob Sie etwas damit anfangen können. Oder ob wir tatsächlich weg von dieser Analogie gehen sollten.

    Herzlich
    Aléa