29 März 2010
Unendlicher Spaß V
Ich zitiere eine Stelle wo die älteren Jungs den jüngeren erklären, worum es eigentlich geht an dieser Tennisakademie.
„Jungs, worum’s geht, will ich euch sagen, es geht um Wiederholung. Zuerst, zuletzt, immer. Es geht darum, immer wieder dasselbe Motivationsgesabbel zu hören, bis es durch das bloße Gewicht der unermüdlichen Wiederholung in eure Gedärme hinabsinkt. Es geht darum, dieselben Drehungen, Ausfallschrittet und Schläge immer wieder und wieder zu wiederholen, in eurem Alter ist das Wiederholen Selbstzweck, Resultate werden da zweitrangig, deshalb fliegt hier unter vierzehn auch keiner wegen mangelnder Fortschritte, dieselben Bewegungen und Abfolgen sind Selbstzweck, wieder und wieder, bis das kumulative Gewicht der Wiederholungen die Bewegungen tief hinabdrückt, weit unter euer Bewusstsein hinab in jene unteren Regionen, durch Wiederholung sinken und sickern sie in die Hardware, ins kardiopulmonale System. Die Maschinensprache. Ins vegetative Nervensystem, das euch atmen und schwitzen lässt. Es ist kein Zufall, dass man euch erzählt, ihr würdet hier Tennis essen, schlafen und atmen. Das ist vegetativ. Kumulieren heißt anhäufen, mittels schier geistlos wiederholter Bewegungen. Die Maschinensprache der Muskeln. Bis man spielen kann wie im Schlaf. Mit ungefähr vierzehn, plus minus x, schätzt man hier. Es einfach tut. Keine Frage, ob das einen Sinn hat, natürlich hat es keinen Sinn. Der Sinn der Wiederholung ist ihre Sinnlosigkeit. Wartet ab, bis die Bewegungen in die Hardware eingesunken sind, und schaut euch dann an, wie das den Kopf frei macht. Jede Menge Schädelstauraum, den ihr nicht mehr für die Mechanik braucht, sobald die mal eingesunken ist. So, die Mechanik ist also verdrahtet. In der Hardware. Das macht den Kopf ungeheuer frei. Ihr werdet‘s sehen. Ihr fangt an, völlig anders darüber zu denken, über Tennis. Der Court könnte genauso gut in euch drin sein. Der Ball ist kein Ball mehr. Der Ball wird etwas, das für euch einfach in die Luft gehört und rotieren muss. Und an dem Punkt fangen sie an, euch Konzentration zu verklickern. Natürlich müsst ihr euch auch jetzt schon konzentrieren, ihr habt gar keine andere Wahl, das ist ja noch nicht in der Sprache verdrahtet, noch müsst ihr beim Spielen immerzu überlegen. Aber wartet ab, bis ihr vierzehn oder fünfzehn seid. Dann sehen sie euch nämlich auf einem der, ich sag mal entscheidenden Plateaus. Mit maximal fünfzehn. Dann fängt der Scheiß an, von wegen Konzentration und Charakter. Dann rücken sie euch richtig auf die Pelle. Das ist das entscheidende Plateau, von dem an Charakter eine Rolle spielt. Aufmerksamkeit, Befangenheit, der quasselnde Kopf, die schnatternden Stimmen, die Versagensangst, Angst versus alles, was nicht Angst ist, Selbstbild, Zweifel, Widerstände, wortkarge bange Männchen im Kopf, die sich über Angst und Zweifel und Schwachstellen in der geistigen Rührung ausmären. Das alles spielt von nun an eine Rolle. Mit dreizehn frühestens. Für die Trainer ist es die Phase zwischen dreizehn und fünfzehn. Was in etlichen Kulturen auch das Alter der Mannbarkeitsriten ist. Denkt mal drüber nach. Bis dahin: Wiederholung. Bis dahin könnt ihr genauso gut Maschinen sein, ist hier die allgemeine Ansicht. Ihr macht einfach die Bewegungen. Lasst euch die Worte durch den Kopf gehen: die Bewegungen machen. Verdrahtet die Bewegungen in der Hauptplatine.“ (S. 170)
Statt Tennis könnte man auch von den Tonleitern sprechen, die einer immer üben muss, will er ein Instrument lernen.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: März 29th, 2010 unter lang, Unendlicher Spaß











